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A rolling stone gathers no moss

Das englische Sprichwort A rolling stone gathers no moss bedeutet wörtlich übersetzt: „Ein rollender Stein setzt kein Moos an.“ Es beschreibt damit den …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Was bedeutet das Sprichwort?
  2. 2. Herkunft des Sprichworts
  3. 3. Stimmt die wörtliche Bedeutung?
  4. 4. Verwendung in der Literatur
  5. 5. Verwendung in der Musik

Was bedeutet das Sprichwort?

Das englische Sprichwort „A rolling stone gathers no moss“ heißt wörtlich übersetzt: „Ein rollender Stein setzt kein Moos an.“ Gemeint ist die Tatsache, dass Moos nicht auf einem Stein wachsen kann, solange sich dieser bewegt, weil das Moos immer wieder abgerieben wird.

Das Sprichwort hat übertragene Bedeutungen mit gegensätzlichen Wertungen, je nachdem, wie man das Moos deutet:

  • Wird das Mooswachstum positiv als Zeichen von Entwicklung und Verwurzelung gesehen, ist die Bewegung negativ: Ein Mensch, der nie an einem Ort verweilt und keine Bindungen eingeht, wird selten erfolgreich. Eine deutsche Entsprechung wäre etwa „Ein unsteter Mensch kommt zu nichts.“ Ähnlich wird auch gedeutet, dass wer stets in Bewegung bleibt, Verantwortung und Fürsorgepflichten meidet.
  • Wird das Moos dagegen als Zeichen unerwünschter Stagnation verstanden, wird die Bewegung positiv bewertet: als Loslösen von hinderlichen Bindungen, als Mittel gegen Alterung oder als Quelle von Kreativität. In diesem Sinn ist das Sprichwort vergleichbar mit dem deutschen „Wer rastet, der rostet.“

Wegen dieser Gegensätzlichkeit sehen manche Wörterbücher (z. B. McGraw-Hill’s Dictionary of American Idioms and Phrasal Verbs und das American Heritage New Dictionary of Cultural Literacy) das Sprichwort als grundsätzlich wertungsneutral an – eine Wertung entstehe erst durch den Kontext der Verwendung.

Im Englischen hat sich „rolling stone“ als eigenständige Bezeichnung etabliert: einen Menschen ohne Heimatverbundenheit, einen Herumtreiber oder „Landstreicher“; teils auch für unbeständige oder ruhelose Menschen, die keinen dauerhaften Beruf oder Lebensstil annehmen und deshalb als unzuverlässig gelten.

Herkunft des Sprichworts

Die genaue Herkunft des Sprichworts ist nicht geklärt. Es wird dem römischen Mimen-Autor Publilius Syrus (1. Jahrhundert v. Chr.) zugeschrieben, in dessen Spruchsammlung Sententiae es enthalten sein soll. Die gängige lateinische Form Saxum volutum non obducitur musco („Ein Stein, der bewegt wird, wird nicht von Moos bedeckt“) taucht dort allerdings nicht auf.

Der früheste schriftliche Beleg findet sich bei Egbert von Lüttich in seiner Sammlung „Fecunda Ratis“ (Vers 182) von etwa 1023: „Assidue non saxa legunt volventia muscum“ – „Dauernd rollende Steine sammeln kein Moos.“ In griechischer und lateinischer Form erscheint das Sprichwort auch im dritten Teil der Adagia von Erasmus von Rotterdam (erstmals 1500 erschienen). Wegen seiner großen Wirkung auf die europäische Sprichwortwelt wird Erasmus oft fälschlich als Quelle angeführt.

Eine englische Übertragung, die fast der heutigen Form entspricht, enthält John Heywoods Sprichwortsammlung von 1546: „the rollyng stone never gathereth mosse.“ In den späteren USA wird es erstmals 1721 durch John Wise in „A Word of Comfort to a Melancholy Country“ erwähnt.

Im Brewer’s Dictionary of Phrase and Fable wird das Sprichwort mit zwei lateinischen Wendungen in Beziehung gesetzt: „Planta quae saepius transfertur non coalescit“ („Ein öfter versetzter Pflänzling fasst nicht Wurzel“) und „Saepius plantata arbor fructum profert exiguum“ („Ein öfter eingepflanzter Baum trägt kleine Früchte“) – dort gilt das Wachstum als wünschenswert, die Bewegung als hinderlich.

Stimmt die wörtliche Bedeutung?

Die Fernsehsendung MythBusters – Die Wissensjäger des Discovery Channels, die „urbane Mythen“ nachstellt und überprüft, hat die wörtliche Aussage des Sprichworts getestet. Dazu wurden zwei Tonnen verwendet, von denen eine ständig in Bewegung gehalten wurde. In beiden Tonnen lagen Steine, auf die eine Buttermilch-Moos-Mischung aufgetragen worden war.

Nach sechs Monaten – dem längsten Experiment der MythBusters-Serie – war auf jedem einzelnen der ruhenden Steine Moos gewachsen, während keiner der bewegten Steine einen Bewuchs aufwies. Das Sprichwort stimmt also in seiner wörtlichen Bedeutung.

Verwendung in der Literatur

Viele literarische Werke tragen das Sprichwort im Titel, zum Beispiel:

  • Thomas Mayne Reid (1818–1883): Roman „Lost Lenore, or, The Adventures of a Rolling Stone“ (1866)
  • Harry Castlemon (1842–1915): „No Moss; or, The Career of a Rolling Stone“ (1868)
  • George Sand (1804–1876): „Pierre qui roule“ (wörtlich: Stein, der rollt; englisch: A Rolling Stone)
  • O. Henry (1862–1910): gab 1894–1895 die humoristische Wochenzeitschrift „The Rolling Stone“ heraus
  • Horatio Alger (1832–1899): „A Rolling Stone; or, The Adventures of a Wanderer“ (1902)
  • Patricia Wentworth (1878–1961): Roman „Rolling Stone“ (1940)

Auch Biografien verwenden den Begriff, etwa Lowell Thomas’ 1931 erschienene Lebensgeschichte von Arthur Radclyffe Dugmore unter dem Titel „Rolling Stone“ sowie Fred Stones Autobiografie von 1945 mit demselben Titel.

Verwendung in der Musik

  • Joe Hill, ein schwedisch-amerikanischer Folksänger und Gewerkschaftsaktivist, verwendete das Sprichwort als vierte Zeile seines kurzen Testaments, das er 1915 am Tag vor seiner Hinrichtung verfasste.
  • Der Bluesmusiker Muddy Waters veröffentlichte 1948 das Lied „Rollin’ Stone“ („I got a boy child’s comin’ […] he’s gonna be a rollin’ stone“). In „Mannish Boy“ (1956) heißt es: „I’m a rollin’ stone.“
  • Muddy Waters inspirierte Brian Jones bei der Namensgebung der 1962 gegründeten Band „The Rolling Stones“ (mit Mick Jagger, Keith Richards, Ian Stewart und Dick Taylor). Es gibt unterschiedliche Angaben, ob das Lied von 1948 oder die Zeile aus „Mannish Boy“ die Vorlage war – Bill Wyman nennt in seiner Biografie „Mannish Boy“, andere Quellen den Titel von 1948.
  • Bob Dylan schrieb 1965 mit 24 Jahren „Like a Rolling Stone“ über eine ehemals sozial integrierte, jetzt entwurzelte Person. Das Lied gilt als eines der einflussreichsten Rocklieder aller Zeiten; 2004 wählte das Magazin „Rolling Stone“ es in einer weltweiten Umfrage zum besten Song aller Zeiten. Das 1967 in San Francisco gegründete Magazin „Rolling Stone“ wird ebenfalls auf Muddy Waters zurückgeführt.
  • Don McLean kehrte das Sprichwort in „American Pie“ (1971) um: „And moss grows fast on a rolling stone / but that’s not how it used to be“, möglicherweise als Anspielung auf Bob Dylan oder die Rolling Stones.
  • „Papa Was a Rollin’ Stone“ ist eines der bekanntesten Soulstücke von The Undisputed Truth; eine Coverversion der Temptations erreichte 1971 Platz 1 der US-Charts. 1993 erreichte George Michael mit einer mit Seals Stück „Killer“ vermischten Coverversion Platz 1 der britischen Singlecharts.
  • Weitere Bezugnahmen gibt es unter anderem bei den Beatles in „Dig It“ (1970) und bei Elton John in „Philadelphia Freedom“ (1975).

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