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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Überpunktierung

Überpunktierung ist ein Begriff aus der Aufführungspraxis der Musik, der die Wiedergabe eines Notentextes durch einen Musiker definiert.

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktionsweise
  2. 2. Abgrenzung und verwandte Spielweisen
  3. 3. Überpunktierung in der Barockmusik

Begriff und Funktionsweise

Überpunktierung ist ein Begriff aus der Aufführungspraxis der Musik. Er bezeichnet die Art, wie ein Musiker einen notierten Text wiedergibt. Eine punktierte Note wird überpunktiert, wenn ihre Dauer nach Ermessen des Interpreten über die angegebene Länge hinaus verlängert wird. Die dadurch zusätzlich beanspruchte Zeit wird der nachfolgenden Note entzogen, deren Dauer sich entsprechend verkürzt.

Beispielsweise kann eine punktierte Halbe so gespielt werden, als wäre sie doppelt punktiert notiert. Auch eine punktierte Viertel kann wie eine doppelt punktierte Viertel wiedergegeben werden. Die Verschiebung der Zeitgewichte kann stärker oder schwächer ausfallen und muss nicht in der üblichen Musiknotation darstellbar sein.

Abgrenzung und verwandte Spielweisen

Die Wiedergabe einer punktierten Achtel als Teil einer Triole kommt ebenfalls häufig vor und ist bei swingender Spielweise sogar vorgeschrieben. Der naheliegende Gegenbegriff „Unterpunktierung“ hat sich dafür jedoch nicht durchgesetzt.

Überpunktierung einzelner Noten gilt als spezielle Form des Rubato, also einer vom Notentext abweichenden, interpretatorisch gestalteten Veränderung der Zeitdauer. Sie ist mindestens seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar und wird auch heute häufig als Gestaltungsmittel verwendet.

Überpunktierung in der Barockmusik

In der Barockmusik wurden in den als „Französische Ouverture“ bezeichneten Musikstücken alle punktierten Noten überpunktiert. Johann Georg Sulzer beschrieb dies 1771 in seiner Allgemeinen Theorie der schönen Künste: Die Hauptnoten seien meist punktiert; im Vortrag würden die Punkte länger als notiert ausgehalten, während die danach folgenden kleineren Noten „in der äußersten Geschwindigkeit“ gespielt werden müssten.

Unter Musikwissenschaftlern ist umstritten, ob und in welchem Umfang diese Praxis auch auf andere Stücke übertragen wurde. Die historische Rekonstruktion wird dadurch erschwert, dass sich die Notenschrift damals erst langsam entwickelte. Die Verwendung der doppelten Punktierung ist erstmals von Johann Joachim Quantz bekannt. Zuvor galt offenbar allgemein, dass sich die genaue Dauer der kurzen Note nach dem Punkt nicht eindeutig bestimmen lasse.

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