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Politik der Geschichte vs. Geschichtspolitik // History of politics vs. politics of history

Melanie Lal12:59 212 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 69 Zeilen
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  1. Statuen der ehemals Mächtigen, eine chilenische Militärparade nach deutschem Vorbild. Das alte Berliner Schloss, das Humboldtforum.
  2. Die Gräber ihrer Vorfahren. Ein Haufen Steine markiert, wo sie liegen. Namenlos, ohne Grabstein. Opfer im Kampf gegen die deutschen Kolonialtruppen.
  3. Die Rechtsnorm des Völkermords wurde allerdings erst 1948 geschaffen, sodass ein Rückbezug nicht möglich ist. Nur ein Vogelschiss!
  4. Das ist unerträglicher Geschichtsrevisionismus in Reinform, meine Damen und Herren.
  5. I have a dream! Woran erinnern wir uns gerne?
  6. Woran sollten wir uns erinnern? Wann wird Geschichte zu Politik,
  7. und andersherum? Erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad!
  8. Wörtlich: Erinnerungsdiktatur! Rechtspopulistische Propaganda.
  9. Ein Schlussstrich bei der Erinnerung. Nee, einen Schlussstrich wollen wir nicht ziehen!
  10. Im Wintersemester 2019/20, nahmen Studierende der Uni-Erfurt und der Viadrina Uni in Frankfurt Oder an einer Exkursion teil.
  11. In Erfurt leitete das Seminar der Historiker Dr. Friedrich Cain Also, es geht um Geschichtspolitik,
  12. um die Frage wie, politische Diskurse und Geschichtsschreibung gegenseitig aufeinander Einfluss nehmen. Mein Spezialgebiet ist nun Ost-Mittel-Europa, beziehungsweise Polen
  13. und da lag es nahe nach Gdańsk, also Danzig, zu fahren. In Frankfurt Oder kamen weitere Studierende der Viadrina Uni zu uns.
  14. Also, wir sind auf dem Weg, im zweiten Zug, nee, im dritten Zug, von Posen nach Gdingen, also von Poznań nach Gdynia.
  15. Und wir sind nur noch drei Stunden entfernt. Am Abend kamen wir in Gdańsk an und frönten der polnischen Kneipenkultur.
  16. Na zdrowie! Eine zerbombte Kaserne, zerbombt von den Deutschen.
  17. Wir befinden uns bei der Westerplatte, einer Halbinsel in der nähe von Gdańsk. Hier fielen am 1. September 1939 die ersten Schüsse des zweiten Weltkriegs.
  18. Es ist ein kontroverser Ort. Damals ein Kurort mit Seebädern
  19. rund 100 Jahre später, nach ende des polnisch-sowjetischen Kriegs, ein Munitionslager. Ausgebaut vom polnischen Militär, für die Öffentlichkeit unzugänglich.
  20. Im Dezember 2015 gründete die rechtskonservative Regierung aus der Westerplatte ein Museum. Mein Eindruck von der Wersterplatte war, dass diese Ausstellung hier
  21. sehr, bezogen auf diesen nationalen Heldenepos zur Indentitätsbildung, ist. Ich persönlich habe damit kein besonders großes Problem und fand die Ausstellung auch sehr informativ.
  22. Mein Eindruck von der Westerplatte war ein bisschen durchwachsen. Ich glaube das ist ein super historischer Ort, eigentlich. Der glaube ich, auch echt wichtig ist,
  23. aber irgendwie nicht so schön aufbereitet, glaube ich. Es hat ein bisschen was von Sightseeing am Strand gehab, fand ich.
  24. Es waren ein paar schöne Dinge dabei, aber ich glaube man könnte mehr daraus machen.
  25. Mit dem Bus fuhren wir zurück nach Gdańsk, um dort das Museum des Zweiten Weltkrieges zu besichtigen.
  26. Das Museum hat den Anspruch den gesamten Zweiten Weltkrieg zu zeigen, eigentlich an allen Kriegsschauplätzen,
  27. und vor allem möchte es das Schicksal der zivilen Bevölkerung abbilden. Das Museum des Zweiten Weltkriegs wurde mit der Westerplatte,
  28. von der 2015 neu gewählten rechtskonservativen Regierung, zusammengelegt, um politische Befugnisse geltend zu machen.
  29. So wurde der ehemalige Leiter des Museums, Paweł Machcewicz, nicht direkt entlassen,
  30. sondern seine Arbeitgeberinstitution von der neuen Regierung aufgelöst und unter gleichen Namen neu gegründet.
  31. Dies löste in Fachkreisen Debatten aus. Das ist eindeutig ein Museum was von der PO (Platforma Obywatelska) ins Leben gerufen wurde,
  32. das auch von der Regierung rein aus polnischen Geldern finanziert wurde, aber es gab keine Versuche in den Inhalt der Ausstellung einzugreifen, hineinzuregieren,
  33. oder uns vorzuschreiben was denn da jetzt zu stehen oder zu liegen habe, oder was für Texte dort jetzt geschrieben werden müssten.
  34. Und jetzt, mit der neuen Regierung, ist es durchaus so, dass Teile der… Dinge die ich auch Vorgestellt habe,
  35. , also… Konzentrationslager insbesondere, und Holocaust … das dort Veränderungen vorgenommen wurden, mit denen ich mich nicht einverstanden erklären würde,
  36. wenn man mich vorher gefragt hätte. From the changes that have been introduced, I do believe the most important one,
  37. the most damaging one, is the final movie. The original Movie tells the story of the divided worlds,
  38. that fought in conflicts and wars, and taught a little bit about conflicts that happened in recent years in Syria and Donbass.
  39. Replacing it with this animated version of heroic Polish history, simply doesn’t fit in this well-designed final room.
  40. The movie at the end is an animation, which touches on a lot of significant events during the Second World War
  41. and also portrays Poland as quite a heroic nation. It praises (us) people, who lost lives during the Second World War for how brave they were.
  42. So, I believe it is quite a nice ending for when you leave place so sad. Am nächsten Tag beschäftigten sich die Studierenden mit einem anderen Teil der
  43. polnischen Geschichte. Früh am Morgen auf dem Vorplatz des Europäischen Solidarność Zentrums.
  44. Der 2007 eröffnete Stahlbau steht auf dem Gelände der ehemaligen Lenin-Werft. Heute ist der bau Sinnbild für den polnischen Weg in die Freiheit bis '89.
  45. Die Studierenden erhielten dabei Einblick in die Geschichte des großen Streiks von 1980, der zum Entstehen der Solidarność geführt hatte.
  46. Um die Anfänge der Volksbewegung nachvollziehen zu können, gab es vor Ort zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten,
  47. um sich mit den sozialen und politischen Klima Polens Ende der 1970er Jahre vertraut zu machen.
  48. Solidarność heißt dabei so viel, wie „unabhängiger, selbstverwaltender Gewerkschaftsbund“, und stellt bis heute die erfolgreichste unabhängige Gewerkschaftsbewegung im ehemaligen Ost-Block dar.
  49. Allerdings zeigt das Museum nicht primär die Geschichte der Gewerkschaftsbewegungen in Europa, sondern spezifisch die der Solidarność.
  50. 2019 verlangte das polnische Kulturministerium, dass neue regierungskonforme Austellungsstücke hinzugefüg werden.
  51. Das Museum weigerte sich. Das Budget wurde um drei Milionen Zł gekürzt.
  52. Zum Abschluss konnten die Gäste des Museums eigene Impulse an einer Zettelwand anbringen, und somit die Ausstellung mitgestallten.
  53. Nach einer Diskussion der gewonnen Eindrücke in einem örtlichen Seminarraum, machten wir uns wieder auf. Wir sind gerade am Hauptbahnhof von Danzig und warten jetzt dass unser Zug kommt,
  54. dass wir die Tickets bekommen, damit wir was essen fahren können. Das wird lecker, lecker, leckerschmecker!
  55. Zu unserer Überraschung entpuppte sich das rustikale Restaurant als wahre Party-Location. Am nächsten Morgen täuschte die Morgensonne nur schwer über die Minusgrade hinweg
  56. Jenseits des Flusses (Motława), der Neu- und Altstadt voneinander trennt, zeichnet sich das Stadtbild durch eine einzigartige Mischung aus Gotik-, Renaissance- und Barockgebäuden aus.
  57. Die restaurierten Fassaden, und die großen Marktflächen erinnern an die Bedeutung der früheren Handelsmetropole im 14. und 15. Jahrhundert.
  58. Letzteres ist alles andere als selbstverständlich, denn die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stadt musste nach 1945 aufwendig rekonstruiert werden.
  59. In den zahlreichen verwinkelten Gassen und insbesondere am Wasser sind die Spuren von Danzig als Hansestadt nicht zu übersehen.
  60. Im Neptun-Brunnen wird Wasser zu Schnaps... naja, so die Legende. Wer Geschichte betrachten will, der/die findet ihre Spuren hier auch außerhalb des Museums.
  61. Wir sind jetzt am Hauptbahnhof von Danzig und sind auf dem Rückweg. Es waren sehr dichte, sehr kompakte, inspirierende Tage.
  62. Ich fand’s sehr interessant. Wunderbar. Ganz Toll. Das Museum des Zweiten Weltkrieges hat mich dann an bestimmten Punkten sehr enttäuscht,
  63. weil es eben bestimmte Positionen, aus meiner Sicht heraus fragwürdig erklären möchte oder aufgreift.
  64. Ziemlich straff im Zeitplan, sehr gepackt, sehr eng getaktet, aber dennoch sehr gut. Viel gelernt, und auch vor allen Dingen mal eine andere Perspektive auf ganz viele Dinge bekommen,
  65. nämlich eine dezidiert Polnische. Die ganze Dramaturgie die dieser Exkursion von der Westerplatte,
  66. über das Museum des Zweiten Weltkriegs bis hin zu Solidarność
  67. hat ja seine eigene Schlüssigkeit, und insofern, würde ich sagen, rundum, also im Kleinen wie im Großen: Tief beeindruckend.
  68. Das Feedback zur Exkursion fällt positiv aus. Das Urteil über die polnische Staatsbahn weniger.
  69. Das Gesamturteil wurde allerdings nicht mehr getrübt. Es war wunderschön! Vielen Dank!

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