Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Wie kam es zur Hexenverfolgung? | Terra X

Terra X History6:13 656.751 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 22 Zeilen
Herunterladen
  1. Es ist eines der dunklen Kapitel unserer Geschichte: die Hexenverfolgung. Abertausende Frauen fallen ihnen zum Opfer.
  2. Doch wie konnte es dazu kommen? Dass völlig unschuldige Menschen angeklagt, gefoltert und am Ende lebendig verbrannt wurden. Die Annahme, die katholische Kirche sei schuld an Hexenwahn und Hinrichtungen, ist so nicht richtig.
  3. Die meisten Hexenverfolgungen werden in Deutschland von staatlichen Behörden durchgeführt. Der Höhepunkt des Hexenwahns liegt in der frühen Neuzeit. Eine Epoche großer Krisen. Naturkatastrophen und Kriege haben Hungersnöte und Seuchen zur Folge.
  4. In ihrer Verzweiflung suchen die Menschen nach Schuldigen und finden sie bei Frauen, den angeblichen Werkzeugen des Teufels. Ein Dominikanermönch mit Namen Heinrich Kramer systematisiert den Volksaberglauben.
  5. Seine Theorie: Wenn Frauen sich dem Teufel sexuell hingeben, verleiht dieser ihnen übernatürliche Kräfte, um die Menschen zu verderben. Vom Papst höchstpersönlich lässt Kramer sich ein Dokument ausfertigen.
  6. Dieses soll ihn dazu autorisieren, im Heiligen Römischen Reich Hexen zu verfolgen. „Der Kramer war überzeugt von der Schädlichkeit der Hexen und der Gefährlichkeit der Frauen sowieso. Er hat dann begonnen Hexeninquisitionen zu führen.
  7. Er ist, muss man dazu sagen, der letzte päpstliche Inquisitor, der überhaupt jemals in Deutschland noch aufgetreten ist. Er hat aber enorm viel Widerstand erregt.“
  8. Der Bischof von Innsbruck hindert ihn zunächst an der praktischen Verfolgung von Hexen. Heinrich Kramer wird zum Theoretiker des Wahns und verfasst den berühmten Malleus Maleficarum, den Hexenhammer.
  9. Er wird zum Handbuch für die Hexenverfolger der kommenden Jahrhunderte. Die meisten Hexenverfolgungen finden im 17. Jahrhundert statt. Und zwar in katholischen und protestantischen Ländern Europas.
  10. Vor allem im Gebiet des heutigen Deutschlands. Eine einmalige Dokumentation des Grauens ist in Bamberg zu finden.
  11. Über 800 Verhörprotokolle, gerettet aus dem Altpapier. Wie damals üblich entrümpelt das Landgericht Bamberg im 19. Jahrhundert sein Archiv und versteigert die Akten als Anschürpapier.
  12. So kommen sie in die Hände eines Ladenbesitzers, der sie zum Verpacken nutzt. Ein historisch interessierter Kunde bemerkt, dass seine Ware in Hexenprozessakten eingewickelt ist.
  13. Er kauft das gesamte Material und vermacht es der Stadt. Die Akten belegen, in Bamberg fallen im 17. Jahrhundert 1000 Menschen Hexenverfolgungen zum Opfer. Etwa jeder 13. Einwohner der Stadt.
  14. „Luzifer ist heraufgestiegen und will unser christliches Gemeinwesen verderben.“ Insbesondere Weihbischof Friedrich Förner heizt durch seine permanenten Hetzpredigen die Stimmung an.
  15. „Und wir alle in der ewigen Verdammnis anheimfallen.“ In Bamberg kommt es zu mehreren Verhaftungswellen. Es konnte jeden treffen: Männer, Frauen, Kinder, arm und reich.
  16. Doch war der überwiegende Teil der Beschuldigten weiblichen Geschlechts. Die Angeklagten werden der Folter unterzogen. Da die Hexerei als außergewöhnlich schweres Verbrechen gilt,
  17. setzen die Richter die sonst üblichen gesetzlichen Regeln und Beschränkungen bei der Anwendung der Folter außer Kraft. Weil die Gequälten die Namen angeblicher anderer Hexen preisgeben, weiten sich die Verfolgungen aus wie eine Epidemie.
  18. Die Folgen sind Kettenprozesse, die in Bamberg zur Hinrichtung von annähernd zehn Prozent der Bevölkerung führen. Das Urteil lautet in der Regel Tod durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen.
  19. Eine Strafe wie sie seit dem Mittelalter für sogenannte Ketzer üblich ist. Das Feuer, so glaubt man, reinigt die Seele und ermöglicht ihr so den Zugang in den Himmel.
  20. Doch die Ereignisse in Bamberg erregen Aufmerksamkeit im Reich und es kommen zunehmend Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Prozesse auf. Denn an vielen Orten, an denen Hexen verfolgt werden, hält man sich nicht an die geltenden Gesetze und die Gerichtsordnung.
  21. Deshalb setzen sich die obersten Institutionen im Reich dafür ein, dass dem Wahn Einhalt geboten wird. „Die Verhörprotokolle. Das verstößt gegen die Carolina, die Reichsgerichtsordnung.“
  22. Auf deutschem Gebiet flauen daraufhin die Hexenprozesse ab. In Kempen wird 1775 das letzte Todesurteil gegen eine angebliche Hexe verhängt. In ganz Europa vielen etwa 60.000 Frauen den Verfolgungen zum Opfer.

Zum Nachlesen