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Hexenprozesse in Würzburg
Hexenprozesse in Würzburg, gemeint ist das Hochstift Würzburg, fanden von Ende des 16. bis in das 18. Jahrhundert hinein statt. Zwischen 1590 und 1749 gab …
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Gegenstand und Umfang
Die Hexenprozesse in Würzburg betrafen das Hochstift Würzburg und fanden von etwa 1590 bis 1749 statt. Unter dem Vorwurf der Hexerei wurden Menschen verhört, gefoltert, verurteilt und meist auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Auch Personen, die unter der Folter nicht gestanden hatten, wurden nicht unbedingt freigelassen.
Im gesamten Hochstift wurden über 900 Menschen getötet; für die Stadt Würzburg wird von etwa 200 ausgegangen. Ein Verzeichnis nennt 157 Personen bis zum 29. Brand im Februar 1629. Eine Fortsetzung bis zum 42. Brand umfasst insgesamt 219 Opfer. Diese Zahlen beziehen sich nur auf Hinrichtungen in der Stadt Würzburg. Für die Verfolgungen unter Philipp Adolf von Ehrenberg wird im Hochstift insgesamt eine Zahl von rund 900 Hingerichteten genannt.
Die Verfolgung traf Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, Menschen aller gesellschaftlichen Schichten sowie Adlige, Ratsherren, Bürgermeister und Personen bescheidener Herkunft. Etwa 20 Prozent der in Würzburg Verbrannten sollen Priester und Ordensleute gewesen sein. Die überlieferten Zahlen sind vor allem deshalb erforschbar, weil in Würzburg und anderen Hochstiften wie Bamberg und Eichstätt, in Kurmainz und Ellwangen genaue Protokolle erhalten blieben. Daraus folgt nicht automatisch, dass diese Gebiete die einzigen oder wichtigsten Zentren der Hexenverfolgung waren.
Beginn und erste Verfolgungswelle
Die ersten Hexenprozesse im Hochstift Würzburg begannen in den letzten Regierungsjahren des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (1573–1617), ungefähr um 1590. Die Verfahren umfassten Anklage, Verhör und Folter. Ein Protokoll von 1611 hält beispielsweise genau fest, welchen Foltermethoden Barbara Schetzlein aus Tiefenthal ausgesetzt war.
Ab 1616 setzte Julius Echter Juristen, sogenannte Hexenkommissare, zur Überwachung der Hexenprozesse in den Zentgerichten ein. Den Höhepunkt seiner Regierungszeit bildeten die Jahre 1616 und 1617. Besonders in Gerolzhofen wurden zahlreiche Menschen hingerichtet. In den Jahren nach 1616 verbrannte man dort mehr als 260 Menschen in eigens errichteten Verbrennungsöfen, die wegen der großen Zahl an Hinrichtungen notwendig waren.
Eine zeitgenössische Hexenzeitung berichtete über die Verbrennungen in Gerolzhofen. Der Tuchscherer Jakob Röder notierte am 11. Juni 1617, dass in einer Predigt verkündet worden sei, innerhalb eines Jahres seien in Würzburg 300 Menschen als Hexen verbrannt worden. Julius Echter wird wegen seiner rücksichtslosen und hartnäckigen Verfolgung in der Forschung häufig als „Hexenschlächter“ bezeichnet; Zeitgenossen sprachen von einem „Würzburgisch Werk“. Sein Ziel war außerdem, Glaubensabtrünnige zurückzugewinnen. Die Angabe, er habe in zwei Jahren 100.000 Menschen rekatholisiert, ist in den Quellen umstritten.
Zweite Welle und stärkste Verfolgungsphase
Unter Fürstbischof Johann Gottfried I. von Aschhausen nahmen die Hexenprozesse erneut große Ausmaße an. Er galt als erklärter Hexenjäger und wollte sein Land vom „Hexen-Geschmaiß“ säubern. Dazu ließ er ein eigenes Hexengefängnis bauen und ordnete Gebete gegen Hexen an. Neben Gerolzhofen im Würzburgischen Gebiet gab es auch im bambergischen Zeil zahlreiche Scheiterhaufen.
Die schlimmste Phase begann mit dem Amtsantritt von Julius Echters Neffen, Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg (1623–1631). Zwischen 1626 und 1630 kam es zu Massenverfolgungen, deren größtes Ausmaß 1629 erreicht wurde. Zentren waren Würzburg, Gerolzhofen, Volkach, Marktheidenfeld und Ochsenfurt. Ein Mandat gegen Hexen- und Teufelskunst vom 10. Juni 1627 leitete die letzte große Phase ein. Die Verfolgungen sollten durch eine Entscheidung des Reichskammergerichts verhindert werden. Außerdem wurde Ehrenberg von der fränkischen Reichsritterschaft beim Kaiser wegen einer Verletzung des Religionsfriedens angeklagt.
In der Stadt Würzburg fanden von 1627 bis 1629 insgesamt 42 Massenverbrennungen statt. Nach einem Verzeichnis wurden in dieser Zeit etwa 219 Menschen als Hexen hingerichtet. Allein 1629 starben über 150 Frauen, Männer und Kinder durch das Schwert oder auf dem Scheiterhaufen. Im gesamten Hochstift wurden zwischen 1627 und 1629 rund 900 Menschen hingerichtet. Die Hinrichtungen endeten nach dem 42. Brand am 30. August 1629. Menschen, die zu diesem Zeitpunkt wegen Hexerei inhaftiert waren, wurden innerhalb von zwölf Monaten freigelassen. Der Einfall der Schweden trug ebenfalls dazu bei, dass die Prozesse in Würzburg ein Ende fanden.
Ende der Prozesse und Erinnerungsorte
Unter Ehrenbergs Nachfolger Franz von Hatzfeld (1631–1642) sind noch weitere Hexenprozesse nachweisbar. Sein Nachfolger Johann Philipp von Schönborn, der ab 1642 regierte, versuchte die Verfolgungen zu verhindern. Er war von Friedrich Spee beeinflusst; unter seiner Regierung wurden die Hexenprozesse im Hochstift Würzburg eingestellt.
Der letzte Hexenprozess in Würzburg fand am 21. Juni 1749 statt. Die Subpriorin des Klosters Unterzell, Maria Renata Singer von Mossau, wurde auf dem Marienberg am Hexenbruch enthauptet und anschließend verbrannt.
In Würzburg gab es mehrere mögliche Hexengefängnisse, darunter den Hexenturm, den Schneidturm in der Pleich und das Lochgefängnis im Rathausturm Grafeneckart. Der wichtigste Richtplatz lag meist auf dem Marktplatz neben der Marienkapelle. Reste von Scheiterhaufen wurden in den 1970er-Jahren beim Bau einer Tiefgarage entdeckt. Ein weiterer Verbrennungsort lag vor dem Südportal der Stadtmauer am heutigen Sanderrasen. Dort verbrannte man auch Verbrecher, Pestopfer und Tierkadaver. Den Protokollen zufolge wurden viele Verurteilte zunächst auf dem Richtplatz enthauptet und danach auf dem Sanderrasen verbrannt.
Als mögliche Versammlungsorte vermeintlicher Hexen zum Hexensabbat galten der Nikolausberg, der Schalksberg, der Greinberg und der Sanderwasen. Verkohlte Pfähle und Holzkohlefunde bei der Marienkapelle wurden in den 1970er-Jahren wiederentdeckt; dendrochronologische Untersuchungen verweisen auf die Zeit der Hexenverbrennungen. 2022 beschloss der Stadtrat von Würzburg, ein Denkmal für die Opfer der Hexenverfolgung zu errichten.