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5 Fakten über die Hexenverfolgung | MrWissen2go | Terra X

Terra X History20:21 414.182 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 71 Zeilen
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  1. Hi, schön, dass Ihr dabei seid. In diesem Video geht es um ein dunkles Kapitel in unserer Vergangenheit: die Hexenverfolgung. Bis 1780 wurden etwa 50.000 Menschen in Europa als vermeintliche Hexen oder Hexer ermordet.
  2. Noch lange sind nicht alle Fragen beantwortet. Wer waren die Opfer, wer waren die Täter? Und waren es wirklich vor allem Frauen, die verfolgt wurden?
  3. Hier kommen 5 Fakten, die Ihr über die Hexenverfolgung wissen müsst. 1680 werden im beschaulichen Veringenstadt besorgte Stimmen laut. Hexen sollen ihr Unwesen treiben.
  4. Bader Ann weiß genau, wer die Beschuldigungen in die Welt gesetzt hat und gegen wen sie sich richten. Nur noch nachts traut sie sich nach Hause.
  5. Dann geschieht das, wovor sie sich schon die ganze Zeit gefürchtet hat. Bader Ann! Bader Ann! Ihr seid der Zauberei angeklagt. Ich hab nix getan!
  6. Ihre Verhaftung ist von oberster Stelle angeordnet. Kaum jemand in Veringenstadt wird sich für sie einsetzen. Ende des 17. Jahrhunderts ist die große Welle der Hexenverfolgungen eigentlich schon vorbei.
  7. Doch nach wie vor gilt, wer einmal in die Fänge der Hexenjäger gerät, ist kaum noch zu retten. Über den Fall der Bader-Ann ist deshalb so viel bekannt, weil alle Prozess-Akten erhalten geblieben sind.
  8. Bis zu ihrer Anklage hatte sie sich kaum etwas zu Schulden kommen lassen, außer vielleicht ein bisschen öffentlicher Streit mit ihrem Mann. Dann allerdings behauptete plötzlich ein Nachbar, sie habe seinen Sohn „malefitisch infiziert“.
  9. Weitere Zeugen sagten aus. Und das alles ist genau hier nachzulesen. Hier zum Beispiel, eine Martha Roth, 55 Jahre alt, behauptet, vor 33 Jahren habe ihr die Bader-Ann mit den Fingern auf die linke Achsel geklopft,
  10. und noch heute sei sie lahm und verkrüppelt. Oder hier… genau… Mathäus Falchner, 30 Jahre alt, sagt, er habe vor der Schmiede ein Pferd beschlagen, dann sei die Bader-Ann gekommen, sei einmal um dieses Pferd herumgelaufen und fünf Tage später sei es dann krepiert.
  11. Ja und so geht das weiter auf den nächsten Seiten hier; insgesamt 10 Personen sagen gegen die Bader-Ann aus. Die Verhöre beginnen am 11. Mai 1680.
  12. Bader Ann. Zahlreiche ehrbare Zeugen haben unter Eid die Anschuldigungen gegen euch bestätigt. Gesteht jetzt, sonst werdet ihr peinlich befragt. Bitte, Herr. Habt erbarmen. Ich schwöre, beim Leben meiner Kinder. Ich bin unschuldig. Wie soll ich etwas gestehen, das ich nicht getan habe? Bitte, erspart mir die Tortur.
  13. Scharfrichter! Nein. Ohne Aussage keine Verurteilung.
  14. Ich habe nichts getan. 10 Tage lang lässt man Bader-Ann foltern. Bis die Richter endlich bekommen, was sie wollen:
  15. Ihr abgepresstes Geständnis ist zugleich ihr Todesurteil. Die Menschen damals glaubten an Magie, an übernatürliche Kräfte.
  16. Es gab keinen Lebensbereich, der nicht von Aberglauben durchzogen war. Herr Dr. Lehmann, in welcher Vorstellungswelt haben die Leute denn gelebt? Welche Rolle hat Magie gespielt?
  17. Es war eine Welt, die damals durchdrungen war von tiefstem Glauben an Magie. Und Hexerei war für alle damaligen Zeitgenossen ein real existierendes Verbrechen, das genauso bestraft werden musste wie Mord, wie Diebstahl, wie Brandstiftung.
  18. Das Verbrechen der Hexerei stand in der Strafgesetzgebung. Man sah die brennenden Scheiterhaufen, wie die Obrigkeiten diese vermeintlichen Verbrecherinnen und Verbrecher strafte.
  19. Und man hörte bei den Hinrichtungen die Geständnisse der Hexen. Der verübte Schadenzauber durch sie. Man hat dann versucht, sich davor zu schützen, hatte verschiedene Gegenstände, Sprüche und vieles mehr. Was gab es da alles?
  20. Ob das Zettel waren, die im regen Umlauf waren mit magischen Zeichen, ob das Amulette war, die man an bestimmten Körperstellen trug, oder man entwickelte bestimmte Rituale, die sich aber zum Teil bis heute gehalten haben.
  21. Das Schlagen des Kreuzzeichens beispielsweise. Der Schadenszauber war verboten, aber der Abwehrzauber war zumindest toleriert. Schon die Germanen hängen Lochsteine an die Tür, um das Böse fernzuhalten.
  22. Auch Zettel mit einem Hexagramm oder anderen Abwehrsprüchen sollen Schaden abwenden. Heute muten viele dieser magisch-religiösen Amulette eher skurril an.
  23. Aber jedem dieser Gegenstände wurden einmal positive magische Kräfte zugesprochen. In der Nähe von London haben Archäologen so eine „Witch-Bottle“ ausgegraben, eine Hexenflasche.
  24. Tatsächlich stammt die Flasche selbst aus Deutschland. Ein seltener Fund, denn sie war noch verkorkt und mit vielen merkwürdigen Dingen gefüllt. Menschlicher Urin, Haare, Nägel und Nadeln, das zeigen Röntgenaufnahmen.
  25. Die Anordnung lässt darauf schließen, dass die Flasche kopfüber vergraben war. Eine Art Voodoo-Zauber, der den Hexen selbst schaden und sie abwehren sollte.
  26. Auch bei Hexenprozessen wurden, aus heutiger Sicht, bizarre Vorkehrungen getroffen. Lange Haare gelten als Sitz übernatürlicher Kräfte. Muttermale gelten als eine Art Stempel, den der Teufel seinen Opfern aufdrückt.
  27. Mit einer Nadel wird die Stelle geprüft. Fließt kein Blut, war der Teufel am Werk. Damit der seinen Geschöpfen nicht zur Hilfe eilen kann, wird sogar das Schlüsselloch der Zelle mit einem Pfropfen verschlossen.
  28. Zum Verhör steckt man die Angeklagten in sogenannte Hexenhemden. Denn in den Nähten ihrer eigenen Kleidung könnten sich ja Zaubermittel verbergen.
  29. Die offizielle Kirche fürchtete nicht so sehr Hexen oder Zauberer, sie fürchtete vor allem die „Feinde des Glaubens“. Also Menschen, die eine vermeintlich falsche Lehre über Gott und die Welt verbreiteten und damit an der kirchlichen Autorität rüttelten.
  30. Um dagegen vorzugehen hatte die Kirche eine Institution geschaffen, die sich „Heilige Inquisition“ nannte, eine Art FBI in Glaubensfragen. Ihre Agenten waren vor allem Angehörige des Dominikaner-Ordens, so wie ein gewisser Heinrich Kramer..
  31. Heinrich Kramer zieht im späten 15. Jahrhundert als reisender Ermittler durch die Lande. Vom Papst ist er befugt, kirchliche Gerichtsverfahren gegen Abtrünnige im Glauben durchzuführen.
  32. Doch seine ganze Leidenschaft als Inquisitor gilt nur einem Thema. Ich bin heute zu Euch gekommen, um über Hexerei zu sprechen und wie ihr solche erkennt, die mit dem Dämon im Bunde sind.
  33. Der Mönch aus dem Elsass ist wie besessen von den vermeintlichen Gefahren durch Hexen. In seinen Augen kann jeder, ob Nachbar, Freund oder Familienmitglied, zu den Teufelsanhängern gehören.
  34. Deshalb muss jeder Verdacht gemeldet werden. Der Inquisitor sät gezielt Angst und Misstrauen in der Bevölkerung. Jeder, der so etwas verschweigt, macht sich selbst verdächtig.
  35. Doch wie wurde Heinrich Kramer überhaupt zum fanatischen Hexenjäger? Kramer stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Mit 15 Jahren tritt er in den Orden der Dominikaner ein.
  36. Zunächst richtet sich sein Hass gegen die Juden. Als Ankläger wirkt er an einem Prozess mit, bei dem Juden wegen eines angeblichen Ritualmordes hingerichtet werden.
  37. Doch immer stärker sieht er die Menschheit von Hexen bedroht. Seine Predigtreisen führen ihn nach Basel, Straßburg, Konstanz. Und er hat Erfolg. In Ravensburg vertritt er 1484 persönlich die Anklage gegen sechs Frauen, die der Hexerei bezichtigt werden.
  38. Und das ist erst der Anfang. Kramer entwirft den Text eines päpstlichen Rundschreibens, das Innozenz VIII. verbreiten lässt.
  39. Darin erklärt der Pontifex die Hexenverfolgung für notwendig. Außerdem ernennt er den Dominikaner zum offiziellen Abgesandten in Hexenangelegenheiten. In Tirol wird er zunächst mit offenen Armen empfangen.
  40. Mit der päpstlichen „Hexenbulle“ hat die Kirche zum ersten Mal offiziell die Existenz der Hexerei anerkannt. Das macht sich Kramer zunutze. In Innsbruck beginnt der Dominikaner umfangreiche Ermittlungen.
  41. Bereits nach wenigen Wochen kann er Dutzende Verdächtige vorweisen. Doch sein Fanatismus erzeugt schon bei den Zeitgenossen Befremden.
  42. Der Bischof von Brixen hält Kramer für nicht ganz richtig im Kopf und erklärt die Vollmachten des Inquisitors für erloschen. Kramer wird dringend empfohlen, das Land zu verlassen. Bloßgestellt und verspottet, folgt er der Anordnung nur widerwillig.
  43. Tief enttäuscht zieht sich Kramer zurück. Aber statt Ruhe zu geben, holt er zum Gegenschlag aus und schreibt ein Buch: „Malleus Maleficarum“, der Hexenhammer.
  44. Dieses Buch wird zwar zunächst nur auf Latein veröffentlicht, ist also nur für gelehrte Personen lesbar, trotzdem wird es eine verhängnisvolle Wirkung entfalten. Ein systematisch aufgebautes Handbuch, das den „Ursprung“ der Hexerei beschreibt, die Auswirkungen und ihre Bekämpfung.
  45. Der Autor definiert im Detail, was eine Hexe ist und welchen Schaden sie anrichten kann. Kramer hat dabei vor allem Frauen im Visier. Sie werden als das schlechteste Wesen der Schöpfung charakterisiert.
  46. Für Kramer sind Frauen „von Natur aus schwach im Geiste“. Und damit den Einflüsterungen des Teufels besonders leicht zugänglich. Im Hexenhammer heißt es: „Was ist denn das Weib anderes als eine unentfliehbare Strafe, ein begehrenswertes Unheil, ein Weltübel, mit schöner Farbe bestrichen?
  47. Sein Hexenhammer wird zum Bestseller. Bis ins 17. Jahrhundert wird das Buch in 29 Auflagen gedruckt. Rats- und Klosterbibliotheken schaffen es an, und folgen Kramers Anleitung zur Überführung und Verurteilung vermeintlicher Hexen.
  48. Mitte bis Ende des 16. Jahrhunderts erreicht die sogenannte „kleine Eiszeit“ Europa. Überall sinken die Temperaturen. Winter reichen teilweise bis in den Juni. Die Folgen der Klimaveränderung deuten viele Menschen als das Werk böser Mächte.
  49. Kurze nasse Sommer sorgen für schlechte Getreideernten. Teuerungen, Hunger und Viehsterben sind die Folge. In ihrer Not müssen Bauern selber die Egge ziehen, um ein wenig Korn in die Erde zu bringen.
  50. Das Leben ist unsicher, zerbrechlicher noch als sonst. Und die Menschen sind voller Misstrauen und Angst. Wetterzauber gehört daher zu den häufigsten Anklagen in Hexenprozessen.
  51. Stürme, so glaubt man, brauen sie aus dem Sud, der beim Auskochen menschlicher Gebeine übrigbleibt. Ein paar Tropfen genügen, um Hagel herbeizurufen und Wetterstürze zu verursachen.
  52. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Der Dreißigjährige Krieg verwüstet große Teile des heutigen Deutschlands. Städte, Dörfer und Gehöfte werden geplündert, das Vieh gestohlen, die Häuser oftmals angesteckt und die Ernte vernichtet.
  53. Seuchen breiten sich aus. Die schlechte Ernährungssituation, die gnadenlose Zeit und das erlebte Leid lassen die Menschen verrohen.
  54. Selbst vor den Leichen Gefallener wird nicht halt gemacht. Ein erschreckendes Dokument aus dem späten 16. Jahrhundert ist das Trierer Hexenregister.
  55. Darin sind penibel alle der Hexerei Beschuldigten und ihre angeblichen Komplizen aufgeführt. Das Verzeichnis zeigt nicht nur das Ausmaß der Verfolgung, sondern auch das monströse System der „Besagungen“.
  56. Von den 306 Hingerichteten hatte jeder im Schnitt die Namen von 20 angeblichen Komplizen preisgegeben. In einigen Fällen sogar über hundert. Im Laufe von acht Jahren werden so 1390 Menschen denunziert.
  57. Die Besagungen, die den vermeintlichen Hexen abgepresst werden, ziehen immer größere Kreise im Trierer Land. Manchmal werden den Gefolterten sogar gezielt Namen in den Mund gelegt. 1588 trifft es den 12jährigen Hans-Jakob.
  58. Auch er soll auf dem Hexensabbat gesehen worden sein. Er wird solange eingeschüchtert und unter Druck gesetzt, bis er neue Namen nennt, weitere Mitglieder der großen Hexen-Verschwörung aufdeckt.
  59. Mussten denn auch Kinder über ihre eigenen Eltern Besagungen machen? In manchen Gegenden, ja, hat man auch Kinder und Jugendliche verhaftet, Jugendliche auch hingerichtet.
  60. Dahinter stand die Vorstellung, dass Hexen, Frauen, aber auch Männer ihre Nachkommen mitnehmen auf den Hexensabbat und auch dem Teufel weihen. Manchmal sollen die Kinder und Jugendlichen auch als Musikanten auf dem Sabbat dienen.
  61. Die Vorstellung war, dass, wenn man der Kinder und der Jugendlichen habhaft wird und da aus deren Mund die Wahrheit spricht, weil sie gar nicht so richtig lügen können, dass man sie dazu zwingen kann und dazu bringen kann, auch dann die anderen zu benennen, die sie auf dem Sabbat angeblich gesehen haben.
  62. Und damit natürlich auch direkt Zeugen und Zeuginnen gegen ihre Eltern, gegen ihre Mütter oder andere weibliche Verwandten werden können. Ein Mann, der verurteilte Frauen auf ihrem letzten Weg begleitet, ist der Jesuit Friedrich Spee. Doch ihn plagen Zweifel am Sinn des Ganzen.
  63. Ich habe nichts zu beichten. Aber ihr habt doch gestanden. Ja, unter der Tortur. Wollt ihr noch beten? Es ist Zeit. Nein. Neeein. Vor allem die Folter als Mittel der Wahrheitsfindung gibt Spee zu denken.
  64. In ihm wächst die Überzeugung: Unter der Folter würde selbst der Papst gestehen, mit dem Teufel im Bunde zu sein. 1631 erscheint Spees Kampfschrift „Cautio Criminalis“. Übersetzt: rechtlicher Vorbehalt.
  65. Damit übt er Kritik an den Hexenprozessen. Am Ende sind es die Gelehrten der Aufklärung, die auch das Ende der Hexen-Prozesse bringen.
  66. Sie stellen Kriterien auf, die es erlauben, Wissen von Aberglauben zu unterscheiden. Die Folter wird abgeschafft, denn die Idee der Menschenrechte nimmt langsam Gestalt an.
  67. Die letzte legale Hinrichtung einer Hexe findet 1782 in der Schweiz statt. Sie markiert das Ende eines Massenwahns, dem rund 50.000 Menschen in Europa zum Opfer fielen. Es scheint irgendwie in der Natur des Menschen zu liegen, sich einen Sündenbock zu suchen, Menschen in eine Schublade zu stecken, Feindbilder aufzubauen.
  68. Man will das bekämpfen, was man nicht einschätzen kann und deshalb fürchtet. Da würde mich mal interessieren: wie seht ihr das denn?
  69. Findet Ihr, dass wir Menschen seit damals, seit der Zeit der Hexenverfolgungen, dazu gelernt haben? Oder seid Ihr der Meinung, dass wir heute auch ziemlich schnell dabei sind, jemanden vorzuverurteilen oder sich von einer Massenhysterie anstecken zu lassen.
  70. Schreibt uns gerne unten in die Kommentare, lasst uns ein bisschen darüber diskutieren. Es ist ein Thema, das ja auch irgendwie immer aktuell ist. Und wenn Ihr noch mehr über die Hexenverfolgung wissen wollte, dann haben wir Euch hier den kompletten Film verlinkt, einfach hier oben auf das i klicken.
  71. Und hier neben mir findet ihr spannende Dinge, nämlich noch zwei weitere Videos aus dieser Zeit für Euch.

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