Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Die Stadt im Mittelalter: Stadtluft macht frei! – Geschichte | Duden Learnattack

Duden Learnattack4:28 19.003 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 30 Zeilen
Herunterladen
  1. Wo wohnst du lieber? In der Stadt oder auf dem Land? Beides hat seine Vor und Nachteile. Diese Entscheidung treffen zu müssen ist übrigens nicht neu, denn
  2. schon im Spätmittelalter, also zwischen 1000 und 1500 unserer Zeitrechnung, entschied der Wohnort massiv über das Leben eines Menschen. In diesem Video
  3. geht es um die wachsende Bedeutung der Städte im Mittelalter und warum es zur sogenannten Landflucht kam. Es wäre gut, wenn du dazu schon wüsstest, was die
  4. Grundherrschaft ist und wie die Ständeordnung funktionierte. Falls du dir da nicht mehr so sicher bist, dann schau dir noch mal schnell unsere Videos
  5. dazu an. Das Landleben im Mittelalter war von harter Arbeit und ungerechter Behandlung geprägt. Bäuerinnen und Bauern waren oft
  6. leibeigene und durften z.B. nicht ohne Erlaubnis des Landbesitzers heiraten oder wegziehen. Darum flohen viele Menschen aus dieser Lage und versuchten
  7. in den Städten ein neues Leben zu beginnen. Wem es gelang, sich in der Stadt ein Jahr lang vor seinem Herren zu verbergen, wurde nach dem
  8. mittelalterlichen Rechtsgrundsatz Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag zu einem freien Stadtbürger. Diesen Prozess bezeichnet man als Landflucht
  9. und es war der Hauptgrund, warum viele Städte im Mittelalter rasch anwuchsen. Auch die Vielfalt an neuen Berufen, die in den Städten ausgeübt wurden, trug zu
  10. dieser Entwicklung bei. Neben den klassischen Handwerksberufen wie Schuster, Weber, Schneider oder Schmied entstanden neue lukrative Gewerbe. Dazu
  11. gehörten Buchdruck, Uhrmacherei, Seidenweberei und Papierherstellung. Besonders wer sein Handwerk selbstständig ausübte, konnte gut daran
  12. verdienen. Und auch für die Angestellten bedeutete es oft eine Verbesserung gegenüber dem Leben auf dem Land, vor allem, weil sie nicht mehr einem Herrn
  13. unterstellt waren. Viele Städte, die im Gebiet des heutigen Deutschlands liegen, hatten noch einen weiteren Vorteil. Sie profitierten von
  14. Veränderungen der Handelsrouten. Diese Routen führten nicht mehr von Italien über Frankreich in den Norden, sondern gegenüber das Gebiet des
  15. heutigen Deutschlands. Städte wie Nürnberg, Ulm und Augsburg erlebten einen großen wirtschaftlichen Aufschwung und wurden zu richtigen
  16. Handelszentren. Das hatte auch Auswirkungen auf die Struktur der Gewerbe in diesen Städten. Große Handelsgesellschaften wurden
  17. gegründet, von denen manche weit über die Stadtgrenzen hinaus in ganz Europa erfolgreich waren. Die Augsburger Familie Fuger z.B. galt über viele Jahre
  18. als reichste Familie Europas. Viele Städte wurden unabhängig von ihren ehemaligen Landsherren. Die Menschen in den Städten regierten sich zunehmend
  19. selbst, indem sie Bürgermeister und Stadträte wählten. Herrschaft war nun nicht mehr von Grundbesitz abhängig, sondern von Einfluss, wirtschaftlichem
  20. Erfolg, handwerklichen Fähigkeiten, guten Handelsverbindungen oder Wahlen. Daher traten die Stadt Bürgerinnen und Bürger jetzt selbstbewusster gegenüber
  21. dem Adel auf, dessen Macht vor allem auf Grundbesitz beruhte. Leider gab es aber nicht nur positive Veränderungen für die Menschen. Der
  22. Aufschwung der Städte bedeutete auch, dass die Landwirtschaft noch härter wurde. Es gab weniger Arbeitskräfte und es konnte weniger erwirtschaftet werden.
  23. Auch in den Städten gab es Ungerechtigkeit. Insbesondere im Textilgewerbe mussten die Menschen für immer geringere Löhne arbeiten, denn sie
  24. waren von Kaufleuten abhängig, die die benötigten Materialien lieferten und schließlich die fertigen Produkte kauften. Diese Kaufleute wurden Verleger
  25. genannt, denn sie streckten das Geld für die Rohstoffe vor, sie legten es vor. Durch dieses Verlagssystem machten sie den eigentlichen Gewinn. Die Verleger
  26. bestimmten die Preise für die Produktion und konnten zudem auch noch die fertigen Produkte am Markt deutlich teurer weiterverkaufen.
  27. Zum Ende des ausgehenden Mittelalters veränderte sich die Gesellschaft im heutigen Deutschland radikal. Stadt Luft macht frei war der Ausspruch, der es auf
  28. den Nenner brachte. Die Menschen flüchteten vom Land in die Stadt, um dort ihr Glück zu finden. Sie wurden frei von ihren Landesherren und
  29. bestimmten nun selbst über sich. Leider ging es nicht allen Stadtflüchtlingen gut. Vor allem die Arbeit in der neu gegründeten Textilbranche war hart und
  30. schlecht bezahlt. Andere jedoch erlangten Wohlstand und einige wurden zu den Superreichen ihrer Zeit.

Zum Nachlesen