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Die Stadt im Mittelalter: Stadtluft macht frei! – Geschichte | Duden Learnattack
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 30 Zeilen
- Wo wohnst du lieber? In der Stadt oder auf dem Land? Beides hat seine Vor und Nachteile. Diese Entscheidung treffen zu müssen ist übrigens nicht neu, denn
- schon im Spätmittelalter, also zwischen 1000 und 1500 unserer Zeitrechnung, entschied der Wohnort massiv über das Leben eines Menschen. In diesem Video
- geht es um die wachsende Bedeutung der Städte im Mittelalter und warum es zur sogenannten Landflucht kam. Es wäre gut, wenn du dazu schon wüsstest, was die
- Grundherrschaft ist und wie die Ständeordnung funktionierte. Falls du dir da nicht mehr so sicher bist, dann schau dir noch mal schnell unsere Videos
- dazu an. Das Landleben im Mittelalter war von harter Arbeit und ungerechter Behandlung geprägt. Bäuerinnen und Bauern waren oft
- leibeigene und durften z.B. nicht ohne Erlaubnis des Landbesitzers heiraten oder wegziehen. Darum flohen viele Menschen aus dieser Lage und versuchten
- in den Städten ein neues Leben zu beginnen. Wem es gelang, sich in der Stadt ein Jahr lang vor seinem Herren zu verbergen, wurde nach dem
- mittelalterlichen Rechtsgrundsatz Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag zu einem freien Stadtbürger. Diesen Prozess bezeichnet man als Landflucht
- und es war der Hauptgrund, warum viele Städte im Mittelalter rasch anwuchsen. Auch die Vielfalt an neuen Berufen, die in den Städten ausgeübt wurden, trug zu
- dieser Entwicklung bei. Neben den klassischen Handwerksberufen wie Schuster, Weber, Schneider oder Schmied entstanden neue lukrative Gewerbe. Dazu
- gehörten Buchdruck, Uhrmacherei, Seidenweberei und Papierherstellung. Besonders wer sein Handwerk selbstständig ausübte, konnte gut daran
- verdienen. Und auch für die Angestellten bedeutete es oft eine Verbesserung gegenüber dem Leben auf dem Land, vor allem, weil sie nicht mehr einem Herrn
- unterstellt waren. Viele Städte, die im Gebiet des heutigen Deutschlands liegen, hatten noch einen weiteren Vorteil. Sie profitierten von
- Veränderungen der Handelsrouten. Diese Routen führten nicht mehr von Italien über Frankreich in den Norden, sondern gegenüber das Gebiet des
- heutigen Deutschlands. Städte wie Nürnberg, Ulm und Augsburg erlebten einen großen wirtschaftlichen Aufschwung und wurden zu richtigen
- Handelszentren. Das hatte auch Auswirkungen auf die Struktur der Gewerbe in diesen Städten. Große Handelsgesellschaften wurden
- gegründet, von denen manche weit über die Stadtgrenzen hinaus in ganz Europa erfolgreich waren. Die Augsburger Familie Fuger z.B. galt über viele Jahre
- als reichste Familie Europas. Viele Städte wurden unabhängig von ihren ehemaligen Landsherren. Die Menschen in den Städten regierten sich zunehmend
- selbst, indem sie Bürgermeister und Stadträte wählten. Herrschaft war nun nicht mehr von Grundbesitz abhängig, sondern von Einfluss, wirtschaftlichem
- Erfolg, handwerklichen Fähigkeiten, guten Handelsverbindungen oder Wahlen. Daher traten die Stadt Bürgerinnen und Bürger jetzt selbstbewusster gegenüber
- dem Adel auf, dessen Macht vor allem auf Grundbesitz beruhte. Leider gab es aber nicht nur positive Veränderungen für die Menschen. Der
- Aufschwung der Städte bedeutete auch, dass die Landwirtschaft noch härter wurde. Es gab weniger Arbeitskräfte und es konnte weniger erwirtschaftet werden.
- Auch in den Städten gab es Ungerechtigkeit. Insbesondere im Textilgewerbe mussten die Menschen für immer geringere Löhne arbeiten, denn sie
- waren von Kaufleuten abhängig, die die benötigten Materialien lieferten und schließlich die fertigen Produkte kauften. Diese Kaufleute wurden Verleger
- genannt, denn sie streckten das Geld für die Rohstoffe vor, sie legten es vor. Durch dieses Verlagssystem machten sie den eigentlichen Gewinn. Die Verleger
- bestimmten die Preise für die Produktion und konnten zudem auch noch die fertigen Produkte am Markt deutlich teurer weiterverkaufen.
- Zum Ende des ausgehenden Mittelalters veränderte sich die Gesellschaft im heutigen Deutschland radikal. Stadt Luft macht frei war der Ausspruch, der es auf
- den Nenner brachte. Die Menschen flüchteten vom Land in die Stadt, um dort ihr Glück zu finden. Sie wurden frei von ihren Landesherren und
- bestimmten nun selbst über sich. Leider ging es nicht allen Stadtflüchtlingen gut. Vor allem die Arbeit in der neu gegründeten Textilbranche war hart und
- schlecht bezahlt. Andere jedoch erlangten Wohlstand und einige wurden zu den Superreichen ihrer Zeit.
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