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Otto von Bismarck: Held oder Kriegstreiber?
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 103 Zeilen
- In diesem Video beschäftigen wir uns mit einem Superstar der deutschen Geschichte.
- Otto von Bismarck. Reichsgründer und eiserner Kanzler.
- Aber ist er wirklich so super? Oder muss man ihn heute anders beurteilen?
- Sicher ist: Er ist eine der prägendsten Personen des 19. Jahrhunderts in Deutschland.
- Über seine Bewertung wird heftig gestritten. Alles zum Leben und zur Wirkung Bismarcks jetzt.
- (Einzelner hoher Ton) Kein Aprilscherz:
- Otto von Bismarck kommt am 1. April 1815 zur Welt. Er stammt aus einer Gutsbesitzerfamilie.
- Solche Leute nennt man "Junker". Väterlicherseits also alter Adel,
- die Mutter aber stammt aus einem bürgerlichen Haushalt. An den Jahreszahlen merkt ihr,
- Bismarck wächst in einer sehr bewegten Zeit auf. 1815, in seinem Geburtsjahr,
- wird Napoleon endgültig besiegt und der Wiener Kongress gestaltet das politische Europa neu.
- Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wird der "Deutsche Bund"
- Ein Staatenbund der eigenständigen Fürsten und freien Städte in Deutschland.
- Den Ton geben die Großmächte Österreich und Preußen an. Mit 17 Jahren, 1832, beginnt Bismarck sein Studium
- der Rechts- und Staatswissenschaften. Als Mitglied des Studentencorps Hannovera.
- Er ist ein guter Fechter. Er schlägt 28 Mensuren, traditionelle Fechtkämpfe und ist,
- wie er selbst sagt, immer gut davongekommen. Von den zu der Zeit aufkommenden republikanischen
- oder gar demokratischen Gedanken seiner Kommilitonen hält Junker Otto von Bismarck wenig.
- Er ist kein freiheitsliebender und demokratischer Burschenschafter, sondern ein konservativer, königstreuer Korpsstudent.
- Aber das heißt nicht, dass er ein braver Student ist, im Gegenteil.
- Er genießt das Studentenleben, inklusive Wein, Weib, Gesang.
- 1838 stirbt seine Mutter. Otto von Bismarck bricht sein Studium ab,
- um den Familienbesitz in Pommern zu verwalten. Er gründet eine Familie, baut die Güter auf,
- zahlt Schulden ab, jagt, reist, feiert. Er genießt es, sein eigener Herr zu sein.
- Nebenbei engagiert er sich mehr und mehr politisch und findet darin seine wahre Berufung.
- Vor der bürgerlichen Revolution 1848/49, in der der Ruf nach mehr Demokratie und Einheit lauter wird,
- macht er kommunale und regionale Politik. Sein Ziel ist es, die Vorrechte des Adels zu bewahren.
- Mit den Freiheitsideen der Revolutionäre kann er nichts anfangen.
- In den Parlamenten hält er als Verfechter der Monarchie in strikt konservativen Reden dagegen.
- Bismarck positioniert sich so konservativ und aggressiv, dass selbst die Kreise
- um den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. ihn für zu extrem halten.
- Aber Bismarck lernt dazu. Er strebt politisch nur das an, was man auch erreichen kann.
- Das Machbare machen. Man nennt diese Haltung Realpolitik
- Und er ist ein sehr guter Redner. Er verfügt über diplomatisches Geschick.
- Kann strategisch denken. Er ist sehr durchsetzungsstark und bereit, mehr zu riskieren.
- Das zeigt sich etwa 1852 in Frankfurt. Bismarck duelliert sich mit der Pistole
- mit einem liberalen Abgeordneten der Bundesversammlung. Dass dabei niemand verletzt wird oder stirbt,
- ist reine Glückssache. Als preußischer Gesandter am russischen Hof in St. Petersburg
- und in Paris sammelt Bismarck erfolgreich die letzten Credits für ein hohes Amt.
- 1862 ernennt ihn der König zum preußischen Ministerpräsidenten und Außenminister.
- Es ist das Jahr, aus dem auch Bismarcks berühmteste Rede stammt. Dass er für die Macht der Krone gegen Parlament und Demokratie kämpft,
- das wissen wir schon. Aber hier zeigt sich, wie weit er bereit ist, dafür zu gehen.
- Das verkündet er im preußischen Landtag. Damit ist klar,
- für die Vorherrschaft Preußens ist Bismarck jedes Mittel recht. Selbst ein Krieg gegen den größten Konkurrenten Österreich -
- um die Vormacht in einem geeinten deutschen Staat. Zur Machtprobe der beiden Big Player im Deutschen Bund
- kommt es tatsächlich 1866. Als sich Preußen die Herzogtümer Schleswig und Holstein
- gegen Österreichs Willen einverleiben will, eskaliert der Konflikt.
- Die Entscheidung fällt Anfang Juli bei Königgrätz im heutigen Tschechien.
- Nur ganz knapp entgeht die Armee Österreichs und ihre Verbündeten der völligen Vernichtung.
- Am Ende des Tages sind rund 15.000 Österreicher tot oder vermisst. Die Preußen verlieren nur rund 2.000 Mann.
- Bismarck sorgt dafür, dass die Verlierer einigermaßen geschont werden.
- Er will die deutschen Staaten auf Seiten Österreichs nicht verprellen.
- Ein feiner taktischer Schachzug. Bismarck regelt damit erfolgreich
- den Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland. Österreich, das jahrhundertelang dazugehörte,
- geht von jetzt an eigene Wege. Die Preußen wiederum setzen dieser historischen Entscheidung
- ein Denkmal. Es ist die sehr bekannte Siegessäule in Berlin.
- Sie ist bis heute das zentrale Symbol für die deutsche Einigung durch Bismarck.
- An ihrem Fuß ein Bronzerelief der Schlacht von Königgrätz. In der Mitte die goldenen Rohre
- von erbeuteten feindlichen Geschützen. An der Spitze eine Siegesgöttin mit dem preußischen Adlerhelm.
- Aber mit der anschließenden Gründung des Norddeutschen Bundes unter preußischer Führung
- kommt noch keine Begeisterung für einen deutschen Nationalstaat auf. Dazu verhilft erst ein Eklat zwischen Frankreich und Preußen.
- Es geht um die Besetzung des spanischen Throns. Bismarck schafft es, Frankreich diplomatisch so zu provozieren,
- dass es Preußen den Krieg erklärt. Im Kampf gegen den Feind vereinen sich die deutschen Staaten.
- Und gewinnen. Im Sog der nationalen Begeisterung hat Bismarck jetzt einfaches Spiel,
- die süddeutschen Staaten zum Beitritt in den Norddeutschen Bund zu bringen. Den bayerischen König Ludwig II. kauft er regelrecht.
- Er bezahlt heimlich Geld für die Schlösser, die Ludwig bauen lässt. Am 18. Januar 1871 wird der preußische König
- als Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum Kaiser ausgerufen.
- Das Deutsche Kaiserreich ist gegründet. In diesem Kaiserreich wird der zum Fürsten ernannte Bismarck
- auch Kanzler. Außenpolitisch baut er ein europäisches Bündnissystem auf.
- Erfolgreich verhindert es, dass das Deutsche Reich angegriffen wird. Der Clou ist,
- dass Frankreich möglichst isoliert wird und keine weiteren Ansprüche geltend macht.
- Auch an Kolonialbesitz legen die Deutschen ordentlich zu. V.a. in Afrika und Südostasien.
- Über die deutsche Kolonialgeschichte und die Verbrechen haben wir ein Video gemacht,
- das findet ihr auf dem I und in der Infobox. Auch innenpolitisch will der Regierungschef Frieden wahren.
- Das macht er, ihr ahnt es auf typische Bismarck'sche Art. Alle, die dem neuen Reich
- und dem preußischen Vorrang skeptisch gegenüberstehen, werden bekämpft.
- Gegen die katholische Kirche und die Zentrumspartei für der Kanzler den "Kulturkampf."
- Er schränkt ihren Einfluss auf das politische und gesellschaftliche Leben
- mithilfe verschiedener Gesetze maßgeblich ein. Gegen die Sozialdemokraten und die Arbeitervereinigungen
- erlässt er die "Sozialistengesetze". Sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Vereine
- sowie ihre Versammlungen und Druckschriften werden verboten. Gleichzeitig führt er eine Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung ein.
- Meilensteine auf dem Weg zum Sozialstaat. Aber für ihren eigentlichen Zweck,
- den Sozialdemokraten die Anhänger zu nehmen, erweist sich seine Politik als Flop.
- Trotz Verbot dürfen Sozialdemokraten wählen und gewählt werden. Und die Partei wächst unaufhaltsam.
- 1881 erhält die Sozialdemokratische Partei, die SPD, bei den Reichstagswahlen sechs Prozent der Stimmen.
- 1890 sind es schon 20 Prozent. Im Neuen Reichstag von 1890
- sind die Gegner Bismarcks schon in der Überzahl Innenpolitisch ist der Kanzler quasi am Ende.
- Aber den endgültigen politischen Todesstoß versetzt ihm Wilhelm II.
- Dieser junge Monarch will selbst regieren, will sich von Bismarck nichts vorschreiben lassen.
- Im März 1890 erhält er seine Entlassungsurkunde. Der zerknirschte Bismarck zieht sich daraufhin
- auf seinen Landsitz bei Hamburg zurück. Noch acht Jahre wird er dort leben.
- Sein Abschied wird als Ende einer Ära empfunden. Auch im Ausland.
- "Der Lotse geht von Bord" schreibt und zeichnet die englische Zeitschrift Punch
- in einer Karikatur Unter den Deutschen entwickelt sich nach seiner Entlassung
- ein Kult um den Reichsgründer. Am 1. April 1895, also zu seinem 80. Geburtstag,
- ernennen ihn mehr als 450 Städte zum Ehrenbürger. 450.000 Menschen schreiben ihm Gratulationsbriefe.
- In den kommenden Jahren werden mehr als 500 Denkmäler aufgestellt. Und heute?
- Heute schauen wir etwas zwiespältiger auf den konservativen Politiker, der Gegensätzliches vereinte.
- Er vereinigt die Deutschen in einem Nationalstaat, aber trennt sie durch seine Politik,
- die sich immer gegen irgendwelche Feinde richtet. Er führt Krieg und sorgt sich um den Frieden.
- Was meint ihr? Wie ist Bismarck zu bewerten? Schreibt es in die Kommentare.
- Neben mir ein Video, wie modern das Deutsche Kaiserreich war. Oder vielleicht auch nicht war.
- Direkt darunter ein Video von Terra X zum 19. Jahrhundert. Danke fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal.
Zum Nachlesen
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