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Ungelöste Fälle der Archäologie - Geheimnisvolle Kugeln | Terra X

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Transkriptautomatisch erstellt · 359 Zeilen
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  1. * Epische Titelmusik * Millionen Menschen beobachten jede Woche gebannt diese Kugeln,
  2. die Ziehung "6 aus 49", die einige wenige in Sekunden zu Millionären macht.
  3. Die Chancen, den Jackpot zu knacken, stehen allerdings bei eins zu 140 Millionen.
  4. Kugeln sind ein physikalisches Phänomen. Ein beinahe magisches Objekt, das die Menschen in ihren Bann zieht.
  5. In Israel und Spanien wurden vor Kurzem diese Kugeln entdeckt. Wissenschaftler bestimmen ihr Alter auf circa 1,4 Millionen Jahre.
  6. Und jetzt kommt das Unglaubliche: Diese Kugeln entstanden nicht auf natürliche Weise,
  7. sondern wurden per Hand geformt. Damals gab es den modernen Menschen, den Homo sapiens, noch gar nicht.
  8. Archäologen entdecken immer wieder geheimnisvolle Kugeln bei ihren Ausgrabungen rund um die Welt.
  9. In vielen Fällen haben sie keine Ahnung, wozu sie eigentlich dienten.
  10. Waren es Waffen oder war es Spielzeug? Oder dienten sie unheimlichen Kulten?
  11. Oder spielten die Menschen in der Antike etwa schon Lotto? (Sprecher) Athen und sein Wahrzeichen, die Akropolis.
  12. Sie thront über der Agora, dem zentralen Marktplatz, auf dem sich in der Antike das öffentliche Leben abspielte.
  13. Aber die Agora war viel mehr als nur ein Marktplatz. Hier entstand die erste Demokratie der Welt.
  14. Dass wir so viel über das Leben im antiken Athen wissen, verdanken wir auch den Forschern der American School of Classic Studies,
  15. die der Agora seit 1931 ihre archäologischen Geheimnisse entlocken.
  16. Hier konnte man alles finden, was das Herz begehrte. Und so ziemlich alles kaufen.
  17. Es gab Philosophen, Fischhändler, Schwertschlucker, Feuerschlucker. Jeder, der Geld verdienen wollte, war hier.
  18. (Sprecher) Funde, die heute im Agora-Museum zu sehen sind, gaben früheren Archäologen jedoch Rätsel auf.
  19. Steintafeln mit regelmäßigen Schlitzen. Und Metallplättchen mit Namen.
  20. Sowie kleine Bronzekugeln, die in unterschiedlichen Schichten gefunden wurden.
  21. Sie hatten keine Ahnung, was diese Dinger sollten, weil einige in mittelalterlichen und byzantinischen Schichten
  22. gefunden worden waren. Man deponierte sie kurzerhand in der Nähe ihres Fundortes.
  23. Erst später, als andere Wissenschaftler kamen und die Steinhaufen durchsuchten,
  24. fanden sie immer mehr davon und erkannten, dass sie eine Funktion haben müssen.
  25. (Sprecher) Durch das Zusammensetzen der einzelnen Fundstücke gelang den Forschern schließlich eine Rekonstruktion.
  26. So bestätigte sich die unglaubliche Idee, dass es sich bei den Funden rund um die Bronzekugeln
  27. um die Überreste von Losmaschinen handelte. An der Universität Hamburg
  28. erforscht die Althistorikerin Kaja Harter Quellen zum Prozessrecht der Antike.
  29. Dabei spielten Losmaschinen eine wichtige Rolle. Losen war bei den antiken Griechen von besonderer Bedeutung.
  30. Das machte man in verschiedenen Bereichen. Die Maschinen hat man erfunden,
  31. um große Mengen von Menschen auslosen zu können, große Gruppen zusammenstellen zu können.
  32. Zum Beispiel 500 oder 2.000 Geschworenenrichter. (Sprecher) Alljährlich wurden Tausende Bürger,
  33. das heißt, Männer aus Athen, die über 20 Jahre alt waren, per Los als Richter bestimmt.
  34. Das schafften sie nur mit dem Kleroterion, der Losmaschine. In ihren Vorlesungen demonstriert die Professorin ihren Studenten
  35. das mehr als 2.500 Jahre alte System. * Die Professorin spricht im Hintergrund. *
  36. Wegen der Menge der benötigten Geschworenenrichter nimmt man an, dass zum Teil ganze Reihen ausgelost wurden.
  37. Dabei kamen die Kugeln zum Einsatz. Los geht's.
  38. Erste Reihe geht nach Hause. (Sprecher) Schwarze Kugeln sind Nieten.
  39. Zweite Reihe: Richter. (Sprecher) Wo die weiße Kugel trifft, wird man Richter.
  40. (Harter) Die nächste. (Sprecher) Und das Losen hatte einen guten Grund.
  41. Man lost eigentlich aus Angst davor, dass Menschen miteinander klüngeln, sich verabreden.
  42. Dass sie Urteile nicht gerecht fällen, sondern in Absprache mit anderen.
  43. Darum losen sie nicht nur die einzelnen Richter, sondern auch die Fälle, die die Richter bekommen,
  44. die Plätze, auf die sich die Richter setzen müssen. Alles, um diesen Betrug, um diese Korruption zu verhindern.
  45. (Sprecher) Das Kleroterion war ein großer Gleichmacher. Mit ihm bestimmte im klassischen Athen der Zufall,
  46. wer mit wem und worüber zu entscheiden hatte. So konnten sämtliche Bürger an der demokratischen Auswahl teilhaben.
  47. Nicht alle der rund 30.000 Athener Bürger über 20 mussten anwesend sein.
  48. Aber immer mindestens 6.000, aus denen per Los diejenigen ausgewählt wurden,
  49. die für Gerechtigkeit sorgen sollten. Das ist das Geheimnis der rätselhaften Kugelfunde aus Athen.
  50. Dass jeder Bürger für fähig gehalten wurde, Staatsämter auszuüben. Diese kleinen Bronzekugeln...
  51. Die Schwarzen waren aus patinierter Bronze und die Weißen waren mit Bleiweiß bemalt.
  52. Diese Kugeln waren so wichtig, doch hatten sie nur die Größe von Murmeln, mit denen Kinder spielen.
  53. (Sprecher) Im Schutz der Akropolis wurde also nicht Lotto gespielt, sondern mithilfe eines ausgeklügelten Losverfahrens
  54. überparteilich Recht gesprochen und Politik gemacht. Absprachen und Klüngelei waren so kaum mehr möglich.
  55. Kugeln waren also ganz wichtig für die Anfänge der Demokratie. Aber sie können auch persönliche Glücksgefühle auslösen
  56. und das nicht nur beim Lotto. Der Jubel, wenn das Runde ins Eckige trifft.
  57. * Jubel, Lachen * Physikalisch ist so ein Ball ein Leckerbissen.
  58. Alleine die Verwandlung der Bewegungsenergie des Balles, seiner kinetischen Energie,
  59. in die potentielle Energie, in gespeicherte Energie, wenn er auf eine Fläche trifft.
  60. Über die Verformung wird aus der gespeicherten Energie fast komplett wieder die Bewegungsenergie.
  61. Und manchmal muss das Runde auch ins Runde. Wie zum Beispiel bei den Maya in Mittelamerika.
  62. Nur, was haben die mit dem Ball eigentlich gemacht? Haben die nur gespielt?
  63. Oder ging es da um mehr? Vielleicht sogar um Leben und Tod?
  64. (Sprecher) Chichén Itzá auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Die Maya-Stadt gilt als eine der berühmtesten
  65. und geheimnisvollsten archäologischen Stätten Mesoamerikas.
  66. Das liegt auch an einem Bauwerk, das gleich neben der Hauptpyramide liegt.
  67. Ein Ballspielplatz. Der Archäologe Nicolaus Seefeld ist überzeugt,
  68. dass Ballspielen für viele Kulturen Mesoamerikas sehr viel mehr war als nur ein Spiel, bei dem ein Ball durch Ringe geschossen wurde,
  69. die am oberen Mauerwerk angebracht sind. Schon die zentrale Lage dieses Ballspielplatzes im Tempelbezirk
  70. zeigt die enorme Bedeutung, die er für die Maya gehabt haben muss. Platz für Zuschauer ist kaum vorhanden.
  71. Man nimmt an, nur die Herrscherelite sah von der Tribüne aus zu, wenn zwei Mannschaften versuchten,
  72. einen mehrere Kilo schweren Kautschukball in der Luft zu halten und am Ende durch die Ringe zu schießen.
  73. Die genauen Spielregeln sind nicht bekannt. Aber es gibt Hinweise darauf,
  74. dass einige Teilnehmer womöglich nicht überlebten. Die Reliefs am Ballspielplatz zeigen blutige Rituale.
  75. Ein Spieler hält den abgeschlagenen Kopf eines Gegners in den Händen. * Kampfgeräusche *
  76. Und das ist nicht die einzige blutige Szene. Auch eine Enthauptung wird dargestellt.
  77. Aus dem Rumpf des Geköpften spritzt das Blut in Form von Schlangen. Ein Hinweis darauf,
  78. dass die Bilder vermutlich in Bezug zum Gründungsmythos der Maya stehen. Darin wird mit einem abgeschlagenen Kopf Ball gespielt.
  79. Man glaubt, dass er die Sonne symbolisiert. Nicolaus Seefeld fährt in das knapp 100 Kilometer entfernte Cobá,
  80. wo sich zwischen 600 und 900 nach Christus eine der größten Maya-Stätten auf der Halbinsel Yucatán befand.
  81. Auch dort gibt es einen Ballspielplatz. Sofort fällt auf,
  82. dass es Unterschiede zu dem Spielfeld in Chichén Itzá gibt. Archäologie ist keine Schönwetterwissenschaft.
  83. Gemeinsam mit dem einheimischen Chefarchäologen besteigt Seefeld im strömenden Tropenregen
  84. die Tribüne der einstigen Maya-Herrscher. Im Gegensatz zu den vertikalen Mauern von Chichén Itzá
  85. wird das Spielfeld hier von schrägen begrenzt. Sowohl Form als auch Feldgröße konnten also variieren.
  86. Aber auch hier finden sich Hinweise auf rituelle Zeremonien. Eine der Stelen zeigt einen Menschen mit gebundenen Händen.
  87. Könnte er noch vor Beginn des Spieles geopfert worden sein? Es gibt Hinweise,
  88. dass mit den Köpfen der enthaupteten Gegner das Ballspiel gespielt wurde. (Sprecher) Die Maya sind seit langem bekannt
  89. für ihre blutigen Opferrituale. Das Ballspiel scheint dabei eine wichtige Rolle gespielt zu haben.
  90. Dafür spricht allein die schiere Menge der Plätze. Über 1.500 wurden bereits entdeckt.
  91. Auch in Cobá gibt es mehr als nur einen. Seefeld vermutet,
  92. dass auf ihnen sogar über Krieg und Frieden entschieden wurde. Das war eine durchaus elegante Form der Konfliktlösung.
  93. Man ging nicht in die Schlacht, sondern trug es in einem Ballspiel aus.
  94. (Sprecher) Aber nicht alle Spiele begannen oder endeten tödlich. Nicolaus Seefeld fährt nach Calakmul.
  95. In der Maya-Stadt hat er sich mit dem Biologen David Lentz verabredet. Einem Spezialisten für Paläoethnobotanik.
  96. Er konnte vier verschiedene Pflanzen nachweisen, die als Teil eines zeremoniellen Opferbündels
  97. bei der Gründung eines Ballspielplatzes an dessen Rand vergraben wurden.
  98. Sie geben möglicherweise einen Hinweis darauf, welche Zeremonien zum Spiel gehörten.
  99. Am interessantesten fand ich eine Pflanze namens Xtabentún. Diese Pflanze hat halluzinogene Eigenschaften
  100. und wird von Menschen in ganz Mesoamerika bei der Wahrsagung verwendet.
  101. Und sie nutzen sie, um mit den Göttern in Verbindung zu treten. (Sprecher) Die anderen drei Pflanzen verwendeten die Maya als Heilmittel.
  102. Tatsächlich finden die beiden Forscher auch in der Nähe des Ballspielplatzes von Calakmul
  103. die Pflanze, mit deren Blättern das Opferbündel einst verschnürt war. Das ist ganz bestimmt kein Zufall.
  104. Alles, was sie taten, war eine Art Ritual, um die Götter zu besänftigen.
  105. Wenn sie die Götter nicht besänftigten, würden sie leiden müssen.
  106. Der Tod würde wüten, ihre Ernten verdorren. Schlimme Dinge würden geschehen.
  107. (Sprecher) Vieles deutet darauf hin, dass das Ballspiel nicht nur ein tödlicher Kampf zwischen verfeindeten Gruppen war.
  108. Mit jeder Partie wurde an den Gründungsmythos der Maya erinnert, der den Ball mit der lebensspendenden Sonne gleichsetzt.
  109. So fanden erwiesenermaßen an den Tagen der Tag-Nacht-Gleiche
  110. regelmäßig Ballspiele statt. Da passt es ja ganz hervorragend,
  111. dass auch die geheimnisumwitterten, kreisrunden Maya-Kalender gerade entschlüsselt wurden.
  112. Das glauben zumindest zwei amerikanische Anthropologen, die herausgefunden haben,
  113. dass die Maya drei Kalendersysteme synchronisiert nutzten, um kosmische Ereignisse vorherzubestimmen.
  114. Die Maya waren hervorragende Himmelsbeobachter und das, obwohl sie gar kein optisches Instrumentarium besaßen.
  115. Auch die Tage, an denen einige der Ballspiele stattfanden, wurden über den Kalender festgelegt.
  116. Die moderne Archäologie nutzt allerdings ganz andere Methoden wie zum Beispiel LIDAR, um dem Spiel auf die Spur zu kommen.
  117. (Sprecher) Dabei wird mit einem Laserstrahl die Erdoberfläche zentimetergenau abgetastet
  118. und der Bewuchs dann herausgerechnet. So wurden im Urwald Guatemalas ganze Maya-Städte neu entdeckt.
  119. Und auch in ihnen liegen Ballspielplätze. Die Bilder sind für Laien schwer zu deuten.
  120. Für Experten wie Seefeld sind die Ballspielplätze schnell zu erkennen. Das sind zwei parallele, langrechteckige Gebäude.
  121. Das ist ein Typus, der sonst in der Landschaft gar nicht vorkommt. Das heißt, wenn wir so ein Cluster haben,
  122. dann ist das höchstwahrscheinlich ein Ballspielplatz. (Sprecher) Zurück in Cobá.
  123. Auch hier zeigt das LIDAR einen noch unentdeckten Platz. Am Boden sehen die Forscher lediglich Steinhaufen,
  124. während das Bauwerk auf dem Monitorbild deutlich erkennbar ist. Seefeld hat eine Vermutung,
  125. warum sie in bestimmten Regionen vermehrt vorkommen. Ballspiele wurden eingesetzt,
  126. um politische Streitigkeiten auszutragen. Und wir finden sie eben insbesondere dort,
  127. wo die politische Stabilität relativ gering war. Wo ethnische oder politische Gruppen aufeinandertreffen,
  128. dort finden wir eben wie hier eine Häufung von Ballspielplätzen. Es ist eigentlich auch immer ein Gerichtsort, ein Schlichtungsort,
  129. aber auch eine Markierung für eine politische oder ethnische Grenze. (Sprecher) Experten vermuten noch tausende unentdeckte Ballspielplätze
  130. bis ins Hochland Mexikos. Immerhin pflegten die mesoamerikanischen Völker
  131. mehr als 3.000 Jahre lang die Ballspieltradition. In etwas anderer Form existiert sie bis heute.
  132. Pok-ta-Pok heißt das Spiel, mit dem das indigene Selbstbewusstsein der Bewohner Mittelamerikas hochgehalten wird.
  133. Wie früher dürfen die Spieler den Ball dabei nicht mit Kopf, Händen oder Füßen berühren.
  134. Und wie bei ihren Vorfahren muss am Ende das Runde in das Runde. Auch in China wurde zur gleichen Zeit wie in Mittelamerika,
  135. also vor rund 3.000 Jahren, mit solchen Bällen gespielt. Was genau, ist noch nicht ganz klar,
  136. aber die Bälle zeigen eindeutig Schlagspuren. Dass man mit Bällen spielt, ist eigentlich kein Wunder,
  137. denn was wäre der Sport ohne die Kugelform? Kann man mit einem Schuhkarton Fußball spielen?
  138. Na, sehen Sie. Die Kugel ist die einzige Form, die es erlaubt,
  139. dass sie in alle Richtungen gerollt wird. Und schon die kleinste Delle verursacht,
  140. dass es im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr richtig rund läuft. Das Roll- oder Flugverhalten ändert sich sofort.
  141. Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass manche Kugeln von einem Schlachtfeld in Schottland...
  142. ...ein Loch aufweisen. (Sprecher) Das Plateau von Burnswark Hill.
  143. Hier lag einst eine der größten keltischen Höhenfestungen, die den einheimischen Pikten bei Gefahr Schutz bot.
  144. Bis heute ist umstritten, was im zweiten Jahrhundert nach Christus hier geschah.
  145. Damals errichteten römische Soldaten befestigte Lager, deren Spuren am Fuße des Hügels noch heute zu sehen sind.
  146. Bei einer groß angelegten Kampagne mit Metalldetektoren kamen über 1.000 Schleudergeschosse aus Metall zutage.
  147. Mehr als sonstwo auf den britischen Inseln. Dazu weitere Kugeln aus Stein.
  148. Sie alle lagen im direkten Umfeld der keltischen Festung. Es handelt sich zum Großteil um verschiedene Kaliber
  149. der bekannten römischen Distanzwaffen, wie Katapulte und Schleudern.
  150. Ungewöhnlich aber sind kleinere, kugelförmige Objekte, die Löcher mit einem Durchmesser
  151. von dreieinhalb bis vier Millimeter aufweisen. Einige Forscher vermuten, dass die Römer am Burnswark Hill
  152. eine Art Trainingslager unterhielten, um die Truppen an ballistischen Waffen auszubilden.
  153. John Reid, der sich seit Jahrzehnten mit dem Burnswark Hill befasst, ist davon überzeugt, dass hier eine große Schlacht stattfand.
  154. Diese Gegend war Grenzregion. 20 Meilen südlich von hier befindet sich der Hadrianswall.
  155. Das war 300 Jahre lang die Grenze. Wir sind hier also im Feindesland im Norden.
  156. Etwa so wie das freie Germanien der Römerzeit jenseits des Rheins und der Donau.
  157. Und genau hier war die größte Festung der Pikten, die der Grenzmauer am nächsten lag.
  158. (Sprecher) Und genau deshalb, so glaubt John Reid, wurde sie zu einem Brennpunkt der Weltgeschichte.
  159. Als Antoninus Pius 138 nach Christus Kaiser wurde, galt er nicht gerade als großer Feldherr.
  160. Er brauchte militärische Erfolge. Und die suchte er um 140 nach Christus in Schottland.
  161. Und er wollte einen Sieg mit möglichst wenig Verlusten. (John Reid) Sie waren nicht nur hier.
  162. Sie lagen über einen halben Kilometer entfernt vor der nach Süden ausgerichteten Hügelfestung.
  163. Von dort, aus dem römischen Lager, kam der Beschuss. (Sprecher) 5.500 Mann,
  164. eine ganze Legion, so Reid, griffen die Bergfestung unter dem Schutz der eigenen Distanzwaffen an.
  165. Stationiert war die Legion wohl im knapp 100 Kilometer entfernten Trimontium.
  166. Im dortigen Museum sind typische Ausrüstungsgegenstände römischer Legionäre zu sehen,
  167. die Archäologen bei Grabungen am Ufer des Flusses Tweed fanden. Aus der Luft lassen sich die Umrisse des Kastells gut erkennen.
  168. Um 140 nach Christus war es der größte römische Außenposten nördlich des Hadrianwalls
  169. und damals Teil der mächtigsten Militärmaschinerie der Welt. Deshalb rätselten Archäologen,
  170. warum es in der hochstandardisierten Ausrüstung der Römer Schleuderkugeln mit Löchern geben konnte,
  171. die man bisher sonst nirgendwo fand. Schleuderbleie sind tödliche Geschosse,
  172. trotz eines kleinen Loches. Geübte Schleuderer konnten selbst Ziele in über 100 Metern Entfernung
  173. punktgenau treffen. Aus römischer Sicht ist das ideale Szenario,
  174. wenn die Gegner panisch fliehen, bevor es zum endgültigen Zusammenstoß im Nahkampf kommt,
  175. denn dann konnten auch die Römer verletzt werden. (Sprecher) Eigentlich waren die Römer
  176. am Fuße des Berges in der schlechteren Position. Dank der Distanzwaffen konnten sie Feinden schon zu Beginn der Schlacht
  177. empfindliche Verluste zufügen und deren Moral schwächen. Lange fragten sich die Forscher,
  178. welche Rolle die Schleuderkugeln mit dem Loch dabei spielten, die im Vergleich mit anderen sehr klein sind.
  179. Es gab die Vermutung, die Löcher könnten für Gift gedacht sein, damit die Kugel, wenn sie unter die Haut gelangte,
  180. die Person töten würde, falls der Aufprall der Kugel das nicht erreicht hatte.
  181. (Sprecher) Ein einfaches Experiment zeigt, dass die Kugeln auch festere Stoffe blitzschnell durchschlagen.
  182. Aber das Gift hätte dabei kaum aus dem Hohlkörper austreten und seine tödliche Wirkung entfalten können.
  183. Es ist ein kleines Loch und es konnte für alles Mögliche sein, bis mein Bruder, der kein Archäologe, sondern Fischer ist,
  184. die Kugeln sah und sagte: "Oh, die sehen aus wie die Löcher in meinen Angelgewichten
  185. und wenn ich sie auswerfe, dann pfeifen sie." Da ging mir ein Licht auf:
  186. Diese spezielle Form erzeugt Geräusche. (Sprecher) Die Löcher hatten also eine Funktion.
  187. * Pfeifen * Ein weiteres Experiment zeigt:
  188. Ab einer Geschwindigkeit von 50 Meter pro Sekunde... * Zischen *
  189. ...fangen die Lochkugeln an, zu pfeifen. * Pfeifen *
  190. Wenn man sie in Salven abfeuert, machen sie einen unglaublichen Lärm. Es handelte sich mit ziemlicher Sicherheit um eine Art Terrorwaffe.
  191. (Sprecher) Psychologische Kriegsführung ist keine neue Erfindung.
  192. Alles deutet darauf hin, dass die Römer sie am Burnswark Hill gezielt nutzten.
  193. Vor Beginn des Sturmangriffs setzten die Römer ihre Fernwaffen ein. Katapulte, Bogen und Schleudern
  194. sorgten unter den Verteidigern der Höhenfestung für erste Opfer. Dazu kam die Spezialmunition,
  195. die den Verteidigern wortwörtlich um die Ohren pfiff. * Pfeifen *
  196. Der Clou waren die Löcher, die durch den hereinströmenden Wind ein heulendes Sirren verursachten,
  197. das die Gegner in Angst und Schrecken versetzte. So wie die Sirenen an den Stukas im zweiten Weltkrieg.
  198. Diese aztekische, runde Totenkopfpfeife verfolgt das gleiche Prinzip.
  199. * Zischen * * Pfeifen *
  200. Sie wurde bei Menschenopferungen eingesetzt und verursachte bei den Zuschauern Gänsehaut, so wie im Horrorfilm.
  201. Kleine Ursache, große Wirkung. Dieses Prinzip gilt auch für dieses Ding hier.
  202. Dass dieses Tablett sich hier so leicht bewegen lässt, liegt nur daran, weil es auf einem einfachen Kugellager steht.
  203. Das Prinzip des Kugellagers ist leicht erklärt. Durch das Rollen der Kugeln
  204. wird die Last gleichmäßig verteilt und durch die Drehbewegung wird die Reibung minimiert.
  205. Als Erfinder des Kugellagers steht 1794 ein Engländer in den Patent-Annalen.
  206. Dabei hat der römische Architekt Vitruv bereits vor 2.000 Jahren das Prinzip des Kugellagers beschrieben.
  207. Aber wurde damals die Kugellager-Idee verfolgt? Wurde sie umgesetzt?
  208. Eine heiße Spur führt zum Nemisee bei Rom. (Sprecher) In der Antike
  209. war der nur knapp zwei Quadratkilometer große Kratersee der Standort sagenumwobener Schiffe.
  210. Seit mehr als 500 Jahren sind Forscher ihnen auf der Spur. Mitglieder des Vereins für Unterwasserarchäologie ASSO
  211. machen sich für einen Tauchgang bereit. Ihr Ziel: eine Stelle, die von einem Felssturz verschüttet wurde.
  212. Die maximale Wassertiefe im See beträgt nur 33 Meter, aber die Sicht ist schlecht.
  213. Die Taucher hoffen, auf dem Grund des Sees noch verborgene Artefakte aus der römischen Kaiserzeit zu entdecken.
  214. Aber alles, was sie diesmal finden, sind die gut erhaltenen Reste eines Ruderboots
  215. aus dem vergangenen Jahrhundert. Kein Vergleich zu dem,
  216. was vor gut 100 Jahren aus den Fluten des Sees auftauchte. Damals legten Archäologen in dem kleinen Kratersee
  217. zwei gigantische römische Schiffe frei. Beide über 70 Meter lang.
  218. Nur durch das Abpumpen des Sees konnten sie sie bergen. Und die offenbarten ein spektakuläres Innenleben.
  219. Dazu gehörten auch 16 seltsame Bronzekugeln mit vertikalen Achsen. Heute lagern Teile der damaligen Funde
  220. am Ufer des Sees in einem Museum. Die Schiffe selbst sind nur noch als Modell zu sehen.
  221. Denn zum Leidwesen der Direktorin sind sie Jahre nach ihrer Bergung im Zweiten Weltkrieg verbrannt.
  222. Aber auch der Nachbau macht die Einzigartigkeit der Schiffe deutlich.
  223. Diese Schiffe, die mit über 70 Metern Länge außergewöhnliche Ausmaße hatten,
  224. waren nicht nur luxuriöse Bauten, sondern verfügten auch über Spitzentechnologie an Bord.
  225. Es wurden hier archäologische Entdeckungen gemacht, die das Wissen über die römische Schiffstechnik revolutionierten.
  226. (Sprecher) Inschriften belegen, dass Kaiser Caligula die fantastischen Schiffe um 40 nach Christus bauen ließ.
  227. Sie waren mit der modernsten Technik ihrer Zeit ausgestattet. An Bord gab es eine Zentralheizung sowie luxuriöse Bäder.
  228. Lenzpumpen sorgten für einen trockenen Rumpf. Rätsel gaben jedoch lange die seltsamen Bronzekugeln auf.
  229. Einige waren noch auf eine Holzplatte montiert. Die meisten sind sehr gut erhalten, mit relativ wenig Gebrauchsspuren.
  230. Daniela de Angelis und ihr Forscherteam haben eine Vermutung, wozu die eigentümliche Konstruktion einst gedient haben könnte.
  231. Diese Kugeln wurden sowohl getrennt von dem Holzteil, an dem sie befestigt waren,
  232. als auch in ihrer ursprünglichen Position auf einem Holzfragment gefunden.
  233. Dies ermöglichte es uns, ihre genaue Funktion zu rekonstruieren. Die Kugeln waren auf einer runden Holzplatte gruppiert,
  234. die als drehbare Plattform diente. (Sprecher) Ein 2.000 Jahre altes Kugellager.
  235. Die durch die Achsen geführten Bronzekugeln sind wohl das früheste Beispiel
  236. für ein reibungsminimiertes Axialkugellager, auch wenn sie nicht wie bei heutigen Kugellagern frei laufen.
  237. Aber wozu diente die Konstruktion? Am Ufer des Nemisees
  238. stand ein bedeutendes Heiligtum der Göttin Diana. Wahrscheinlich standen die Schiffe
  239. in direktem Zusammenhang mit diesem Tempel, denn eines der Schiffe war, den Funden nach zu urteilen,
  240. ebenfalls Diana geweiht. Gut möglich, dass eine Statue der Göttin auf der Holzplatte stand,
  241. die durch das Kugellager um 360 Grad drehbar war. Nur wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung
  242. versanken die Schiffe. Oder wurden versenkt.
  243. Wohl auch deshalb haben sich die Bestandteile des antiken Kugellagers so gut erhalten.
  244. Ist es nicht ein Wahnsinn? Da lässt sich ein Engländer Ende des 18. Jahrhunderts
  245. eine Idee patentieren, die die alten Römer bereits vor 2.000 Jahren nutzten.
  246. Trauen wir den alten Kulturen einfach viel zu wenig zu? Denken Sie an die sieben Weltwunder.
  247. Eines davon war die Tempelstadt Ephesos. Und auch dort entdeckten Archäologen eine geheimnisvolle Kugel.
  248. (Sprecher) Ephesos in der heutigen Türkei. Heimat des weltberühmten Artemis-Tempels.
  249. 25.000 Zuschauern bot das Theater Platz. Dank einer Erweiterung unter Kaiser Trajan,
  250. Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus. An der Hauptstraße wurde ihm zu Ehren eine Brunnenanlage errichtet.
  251. Von der Trajan-Statue ist so gut wie nichts mehr vorhanden. Nur eine Kugel, die neben seinem rechten Fuß liegt.
  252. Den römischen Geschichtsschreibern galt Trajan nicht nur als Optimus Princeps,
  253. als bester aller Herrscher. Unter ihm erreichte das römische Reich
  254. auch seine größte Ausdehnung. Er herrschte sozusagen über die ganze damals bekannte Welt.
  255. Und deshalb liegt sie auch symbolisch zu seinen Füßen. Man muss in diesen Zeiten sagen:
  256. Wir leben auf einer Kugel. Also, fast.
  257. Die Erde ist an den Polen etwas abgeplattet. Das liegt an ihrer Rotation.
  258. Am Äquator ist die Fliehkraft am stärksten. Da ist die Erde gewissermaßen am dicksten.
  259. Angeblich glaubten die Menschen bis zur Neuzeit, dass sie auf einer Scheibe lebten.
  260. Wenn man dem Rand zu nahe käme, würde man herunterfallen. Diese Legende von der Scheibenwelt hält sich hartnäckig.
  261. Aber in Wahrheit ist sie ein Mythos der Aufklärung, um das vermeintlich so finstere Mittelalter
  262. zu disqualifizieren. (Sprecher) Seit der Antike wusste man,
  263. dass die Erde eine Kugelform hat. Deshalb galt die Kugel als Machtsymbol - wie bei Trajan.
  264. Und auch bei den deutschen Kaisern der berühmte Reichsapfel, der über viele Jahrhunderte, neben Krone und Zepter,
  265. zu den Herrschaftszeichen gehörte. Er verband den christlichen Glauben mit der Weltherrschaft.
  266. Übrigens - der Reichsapfel geht auf die griechische Himmelskugel Sphaira zurück.
  267. Man glaubte, die Erde sei von solchen Himmelssphären umgeben. Auf sogenannten Astralgloben
  268. ritzte man Himmelsbeobachtungen und Tierkreiszeichen ein. Aber einen echten Beleg dafür,
  269. dass die Erde eine Kugelform haben muss, den entdeckte ein sehr schlauer Bewohner der Insel Samos.
  270. (Sprecher) Die griechische Insel ist die Heimat bedeutender Philosophen, Mathematiker und Astronomen,
  271. die im Umfeld des berühmten Hera-Tempels lebten. Dem wohl bekanntesten ist ein Denkmal gesetzt.
  272. Pythagoras, der sich im sechsten Jahrhundert vor Christus nicht nur mit Dreiecken beschäftigte.
  273. Ihm fiel auf, dass ein Schiff, das den Hafen verlässt, erst noch in voller Größe sichtbar ist.
  274. Doch irgendwann verschwindet zunächst der Rumpf am Horizont... ...dann die Segel...
  275. ...und als letztes die Mastspitze. Seine Erkenntnis:
  276. Die Wasseroberfläche und damit die Erde muss gekrümmt sein. Dazu die Beobachtung,
  277. dass bei einer Mondfinsternis immer ein runder Erdschatten zu sehen ist. Das geht bei allen Bewegungshypothesen
  278. von Sonne, Erde und Mond nur bei einer Kugelform. Den Beweis lieferte 300 Jahre später ein Kollege, der in Ägypten wirkte.
  279. Der griechische Mathematiker Eratosthenes. Er wusste, dass die Sonne am Mittag des Tages der Sommersonnenwende
  280. in Assuan genau im Zenit steht, weil sie sich in einem tiefen Brunnenschacht
  281. ohne jeglichen Schatten spiegelt. Im 1.000 Kilometer weiter nördlich gelegenen Alexandria aber
  282. warf die Sonne einen Schatten im Winkel von circa sieben Grad. Das konnte er
  283. mithilfe eines senkrecht in den Boden gesteckten Stocks messen. Der Unterschied im Schattenwurf konnte nur bedeuten,
  284. dass die Erde eine Kugel ist. Anhand des Winkels und der Entfernung der beiden Städte
  285. konnte er den Erdumfang berechnen. Knapp 40.000 Kilometer.
  286. Sensationell genau. Er ist tatsächlich nur einige Kilometer größer.
  287. Leider neigen wir dazu, das Wissen unserer Altvorderen zu unterschätzen.
  288. Aber Geschichte verläuft nicht linear. Da gibt es Sprünge, Verwerfungen,
  289. Neuerfindungen und Wiederentdeckungen. Und das macht es so schwierig, herauszufinden,
  290. wozu ein Fundstück eigentlich tatsächlich genutzt wurde. Und da sind wir wieder bei den wissenschaftlichen Erkenntnissen
  291. über eine Million Jahre alte, bearbeitete Steinkugeln aus Spanien und Israel.
  292. Damals streiften unsere Vor-Vor- Vor-Vorfahren durch die Wildnis. Waren die überhaupt in der Lage,
  293. solche Kugeln herzustellen und zu formen? (Sprecher) Einige dieser Kugeln
  294. wurden nahe der Ortschaft Orce im spanischen Andalusien entdeckt. Die Gegend gilt als Heimat der ersten Europäer.
  295. Hier gefundene Knochen wurden unter anderem mithilfe des Paläomagnetismus,
  296. bei dem das Alter von Gesteinsschichten bestimmt wird, auf 1,3 Millionen Jahre datiert.
  297. Sie stammen von sogenannten Frühmenschen. Auch dieser Milchzahn eines etwa zehnjährigen Kindes,
  298. der in dieser Schlucht gefunden wurde. Früher lag hier ein großer See.
  299. Die archäologischen Grabungen finden im ehemaligen Uferbereich statt. Nur wenige Kilometer entfernt liegt eine weitere Ausgrabungsstätte.
  300. Hier wurden neben Knochen auch noch andere spektakuläre Funde gemacht. Für die kanadische Prähistorikerin Deborah Barsky und ihr Team
  301. geben sie Einblicke in eine Zeit vor über einer Million Jahren. Hier in Orce haben wir die ältesten Überreste von Hominiden
  302. außerhalb Afrikas in ganz Europa. Wir können uns nun ein gutes Bild davon machen,
  303. wie das Leben dieser ersten Pioniere Westeuropas ausgesehen haben könnte. Natürlich sind diese Fundstätten
  304. für uns Steinspezialisten sehr wichtig, denn sie zeigen die zahlenmäßig repräsentativsten Steinwerkzeugsätze.
  305. (Sprecher) Die Hominiden, die Frühmenschen, lebten gemeinsam mit Mammuts am Ufer des Sees,
  306. wie diese über vier Meter langen Stoßzähne beweisen. Es gibt Spuren an den Knochen, die nahelegen,
  307. dass die Tiere auch gejagt oder zumindest zerlegt wurden. In derselben Fundschicht entdeckte eine spanische Archäologin
  308. eine der rätselhaften Steinkugeln. Ein besonderer Moment für sie.
  309. Wenn man sie in die Hand nimmt, wird einem bewusst, dass man tatsächlich der erste Mensch ist,
  310. der dieses Stück nach 1,2 Millionen Jahren berührt. Und dass der letzte, der es dort hingelegt hat, ein Hominide war.
  311. Man spürt da eine ganz besondere Verbindung. Das Museum von Granada
  312. besitzt mehrere der 1,2 bis 1,4 Millionen Jahre alten Kugeln. Für die Forscher ist die entscheidende Frage:
  313. Wurden sie tatsächlich bewusst hergestellt oder entstanden sie zufällig bei der Nutzung des Steins als Werkzeug?
  314. Tarragona in Katalonien. An einem Forschungsinstitut der Universität
  315. wollen Wissenschaftler dem Geheimnis der Kugeln auf die Spur kommen. Mithilfe eines anderen Steines versucht ein Teammitglied,
  316. einen Sandstein in annähernde Kugelform zu bringen. Dabei fallen typische sogenannte Abschläge an.
  317. Am Ende entsteht ein Objekt, das den eine Million Jahre alten Kugeln sehr ähnlich sieht.
  318. Als Nächstes vergleichen die Forscher die Oberflächen der im Experiment hergestellten Kugel
  319. mit denen der Originalfunde und finden eindeutige Übereinstimmungen.
  320. Ein Indiz dafür, dass die Kugeln absichtlich gemacht wurden. Darauf weisen auch die Abschläge hin,
  321. die ebenfalls in den Grabungen gefunden wurden. Das heißt, die Kugeln sind vor Ort hergestellt
  322. oder zumindest bearbeitet worden. Dann untersucht der Archäologe Antoine Muller
  323. die Kugeln mit einem Laserscan. Wir können nun eine ganze Reihe von Messwerten erfassen,
  324. die sich auf die Geometrie dieser Artefakte beziehen. In der Regel handelt es sich dabei um Dinge,
  325. die wir mit bloßem Auge sehen können, zum Beispiel ob ein Objekt eher kubisch oder sphärisch ist.
  326. Dies objektiv zu messen, ist etwas schwieriger. Da hilft der Computer enorm.
  327. Wenn wir solche Artefakte scannen und andere Archäologen tun das auch, können wir die Daten zusammenführen,
  328. um diese sehr rätselhaften Gegenstände besser zu verstehen.
  329. (Sprecher) Tatsächlich ähneln die Funde aus Andalusien einem großen Fundkomplex in Israel,
  330. der aus einem vergleichbaren Zeithorizont stammt, nämlich vor 1,4 Millionen Jahren.
  331. Und es gibt noch weitere Fundorte. Es scheint, als hätten die Hominiden überall, wo sie siedelten,
  332. neben einfachen Steinäxten auch immer wieder Kugeln hergestellt. Beides wurde in Grabungen meist gemeinsam gefunden.
  333. Aber zu welchem Zweck dienten die im Vergleich zu den Äxten aufwendig bearbeiteten Steine?
  334. Könnten es Werkzeuge für spezielle Arbeiten gewesen sein? Etwa zum Zerschlagen von Knochen, um an das begehrte Mark zu kommen?
  335. Tatsächlich wiesen die Knochen des Mammuts, das zusammen mit den Kugeln gefunden wurde,
  336. Spuren von Steinwerkzeugen auf. Oder wurde mit ihnen das Fleisch von Tierhäuten geschabt?
  337. Das Team um Deborah Barsky experimentiert mit dem Zerkleinern und Mörsern verschiedener Pflanzen.
  338. Doch für keine der Aktionen ist die Kugelform von Vorteil. Im Labor untersucht das Team die Spuren,
  339. die die unterschiedlichen Anwendungen auf den Versuchssteinen hinterlassen haben.
  340. Könnten sie Ähnliches auf den Originalsteinen finden, ließen sich Rückschlüsse auf deren einstige Nutzung ziehen.
  341. Doch bisher fanden sie keine Übereinstimmung. Die Originalkugeln wirken seltsam unbenutzt.
  342. Für Deborah Barsky ist auch das ein Indiz. Sie verändern unsere Sichtweise auf die Menschheitsevolution insofern,
  343. dass sich Kultur möglicherweise früher entwickelt hat als bisher angenommen.
  344. (Sprecher) Könnten die Kugeln eine Art Kunst- oder Kultobjekt sein? Bislang bleibt es ein ungelöster Fall.
  345. Wie noch so Manches zwischen Himmel und Erde. Das hier ist das Replikat eines Fundstücks,
  346. die sogenannte Buga-Sphere aus Kolumbien. Sie soll angeblich vom Himmel gefallen sein.
  347. Eine Mediensensation. Die Kugel der Außerirdischen.
  348. Allerdings erwies sich das Geschenk der Götter, zur Enttäuschung vieler Verschwörungstheoretiker,
  349. als Fälschung. Kugeln sind aus unserem Alltag kaum wegzudenken.
  350. Die meisten von uns nutzen sie fast täglich. Beim Kugelschreiber.
  351. Ein Schreibwerkzeug, das mehrfach erfunden und zum Massenprodukt wurde.
  352. Die Kugel in der Spitze... ...garantiert einen regelmäßigen Tintenfluss.
  353. Vielleicht kam der Erfinder des Kugelschreibers auf die Idee, als er Kinder beim Murmelspielen beobachtete.
  354. Wenn Murmeln durch Pfützen laufen, hinterlassen sie eine saubere Wasserspur.
  355. Seit den 50er-Jahren wurden Abermilliarden von solchen Kugelschreibern hergestellt.
  356. Und die Archäologen der Zukunft, die dann unsere versunkene Kultur ausgraben,
  357. die würden sie weltweit zentnerweise überall finden. Und sie würden sich vielleicht die Frage stellen,
  358. was für eine Rolle die Kugeln an der Spitze dieser Stifte eigentlich gespielt haben könnten.
  359. Untertitel im Auftrag des ZDF, 2026

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