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Ungelöste Fälle der Archäologie - Geheimnisvolle Kugeln | Terra X
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 359 Zeilen
- * Epische Titelmusik * Millionen Menschen beobachten jede Woche gebannt diese Kugeln,
- die Ziehung "6 aus 49", die einige wenige in Sekunden zu Millionären macht.
- Die Chancen, den Jackpot zu knacken, stehen allerdings bei eins zu 140 Millionen.
- Kugeln sind ein physikalisches Phänomen. Ein beinahe magisches Objekt, das die Menschen in ihren Bann zieht.
- In Israel und Spanien wurden vor Kurzem diese Kugeln entdeckt. Wissenschaftler bestimmen ihr Alter auf circa 1,4 Millionen Jahre.
- Und jetzt kommt das Unglaubliche: Diese Kugeln entstanden nicht auf natürliche Weise,
- sondern wurden per Hand geformt. Damals gab es den modernen Menschen, den Homo sapiens, noch gar nicht.
- Archäologen entdecken immer wieder geheimnisvolle Kugeln bei ihren Ausgrabungen rund um die Welt.
- In vielen Fällen haben sie keine Ahnung, wozu sie eigentlich dienten.
- Waren es Waffen oder war es Spielzeug? Oder dienten sie unheimlichen Kulten?
- Oder spielten die Menschen in der Antike etwa schon Lotto? (Sprecher) Athen und sein Wahrzeichen, die Akropolis.
- Sie thront über der Agora, dem zentralen Marktplatz, auf dem sich in der Antike das öffentliche Leben abspielte.
- Aber die Agora war viel mehr als nur ein Marktplatz. Hier entstand die erste Demokratie der Welt.
- Dass wir so viel über das Leben im antiken Athen wissen, verdanken wir auch den Forschern der American School of Classic Studies,
- die der Agora seit 1931 ihre archäologischen Geheimnisse entlocken.
- Hier konnte man alles finden, was das Herz begehrte. Und so ziemlich alles kaufen.
- Es gab Philosophen, Fischhändler, Schwertschlucker, Feuerschlucker. Jeder, der Geld verdienen wollte, war hier.
- (Sprecher) Funde, die heute im Agora-Museum zu sehen sind, gaben früheren Archäologen jedoch Rätsel auf.
- Steintafeln mit regelmäßigen Schlitzen. Und Metallplättchen mit Namen.
- Sowie kleine Bronzekugeln, die in unterschiedlichen Schichten gefunden wurden.
- Sie hatten keine Ahnung, was diese Dinger sollten, weil einige in mittelalterlichen und byzantinischen Schichten
- gefunden worden waren. Man deponierte sie kurzerhand in der Nähe ihres Fundortes.
- Erst später, als andere Wissenschaftler kamen und die Steinhaufen durchsuchten,
- fanden sie immer mehr davon und erkannten, dass sie eine Funktion haben müssen.
- (Sprecher) Durch das Zusammensetzen der einzelnen Fundstücke gelang den Forschern schließlich eine Rekonstruktion.
- So bestätigte sich die unglaubliche Idee, dass es sich bei den Funden rund um die Bronzekugeln
- um die Überreste von Losmaschinen handelte. An der Universität Hamburg
- erforscht die Althistorikerin Kaja Harter Quellen zum Prozessrecht der Antike.
- Dabei spielten Losmaschinen eine wichtige Rolle. Losen war bei den antiken Griechen von besonderer Bedeutung.
- Das machte man in verschiedenen Bereichen. Die Maschinen hat man erfunden,
- um große Mengen von Menschen auslosen zu können, große Gruppen zusammenstellen zu können.
- Zum Beispiel 500 oder 2.000 Geschworenenrichter. (Sprecher) Alljährlich wurden Tausende Bürger,
- das heißt, Männer aus Athen, die über 20 Jahre alt waren, per Los als Richter bestimmt.
- Das schafften sie nur mit dem Kleroterion, der Losmaschine. In ihren Vorlesungen demonstriert die Professorin ihren Studenten
- das mehr als 2.500 Jahre alte System. * Die Professorin spricht im Hintergrund. *
- Wegen der Menge der benötigten Geschworenenrichter nimmt man an, dass zum Teil ganze Reihen ausgelost wurden.
- Dabei kamen die Kugeln zum Einsatz. Los geht's.
- Erste Reihe geht nach Hause. (Sprecher) Schwarze Kugeln sind Nieten.
- Zweite Reihe: Richter. (Sprecher) Wo die weiße Kugel trifft, wird man Richter.
- (Harter) Die nächste. (Sprecher) Und das Losen hatte einen guten Grund.
- Man lost eigentlich aus Angst davor, dass Menschen miteinander klüngeln, sich verabreden.
- Dass sie Urteile nicht gerecht fällen, sondern in Absprache mit anderen.
- Darum losen sie nicht nur die einzelnen Richter, sondern auch die Fälle, die die Richter bekommen,
- die Plätze, auf die sich die Richter setzen müssen. Alles, um diesen Betrug, um diese Korruption zu verhindern.
- (Sprecher) Das Kleroterion war ein großer Gleichmacher. Mit ihm bestimmte im klassischen Athen der Zufall,
- wer mit wem und worüber zu entscheiden hatte. So konnten sämtliche Bürger an der demokratischen Auswahl teilhaben.
- Nicht alle der rund 30.000 Athener Bürger über 20 mussten anwesend sein.
- Aber immer mindestens 6.000, aus denen per Los diejenigen ausgewählt wurden,
- die für Gerechtigkeit sorgen sollten. Das ist das Geheimnis der rätselhaften Kugelfunde aus Athen.
- Dass jeder Bürger für fähig gehalten wurde, Staatsämter auszuüben. Diese kleinen Bronzekugeln...
- Die Schwarzen waren aus patinierter Bronze und die Weißen waren mit Bleiweiß bemalt.
- Diese Kugeln waren so wichtig, doch hatten sie nur die Größe von Murmeln, mit denen Kinder spielen.
- (Sprecher) Im Schutz der Akropolis wurde also nicht Lotto gespielt, sondern mithilfe eines ausgeklügelten Losverfahrens
- überparteilich Recht gesprochen und Politik gemacht. Absprachen und Klüngelei waren so kaum mehr möglich.
- Kugeln waren also ganz wichtig für die Anfänge der Demokratie. Aber sie können auch persönliche Glücksgefühle auslösen
- und das nicht nur beim Lotto. Der Jubel, wenn das Runde ins Eckige trifft.
- * Jubel, Lachen * Physikalisch ist so ein Ball ein Leckerbissen.
- Alleine die Verwandlung der Bewegungsenergie des Balles, seiner kinetischen Energie,
- in die potentielle Energie, in gespeicherte Energie, wenn er auf eine Fläche trifft.
- Über die Verformung wird aus der gespeicherten Energie fast komplett wieder die Bewegungsenergie.
- Und manchmal muss das Runde auch ins Runde. Wie zum Beispiel bei den Maya in Mittelamerika.
- Nur, was haben die mit dem Ball eigentlich gemacht? Haben die nur gespielt?
- Oder ging es da um mehr? Vielleicht sogar um Leben und Tod?
- (Sprecher) Chichén Itzá auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Die Maya-Stadt gilt als eine der berühmtesten
- und geheimnisvollsten archäologischen Stätten Mesoamerikas.
- Das liegt auch an einem Bauwerk, das gleich neben der Hauptpyramide liegt.
- Ein Ballspielplatz. Der Archäologe Nicolaus Seefeld ist überzeugt,
- dass Ballspielen für viele Kulturen Mesoamerikas sehr viel mehr war als nur ein Spiel, bei dem ein Ball durch Ringe geschossen wurde,
- die am oberen Mauerwerk angebracht sind. Schon die zentrale Lage dieses Ballspielplatzes im Tempelbezirk
- zeigt die enorme Bedeutung, die er für die Maya gehabt haben muss. Platz für Zuschauer ist kaum vorhanden.
- Man nimmt an, nur die Herrscherelite sah von der Tribüne aus zu, wenn zwei Mannschaften versuchten,
- einen mehrere Kilo schweren Kautschukball in der Luft zu halten und am Ende durch die Ringe zu schießen.
- Die genauen Spielregeln sind nicht bekannt. Aber es gibt Hinweise darauf,
- dass einige Teilnehmer womöglich nicht überlebten. Die Reliefs am Ballspielplatz zeigen blutige Rituale.
- Ein Spieler hält den abgeschlagenen Kopf eines Gegners in den Händen. * Kampfgeräusche *
- Und das ist nicht die einzige blutige Szene. Auch eine Enthauptung wird dargestellt.
- Aus dem Rumpf des Geköpften spritzt das Blut in Form von Schlangen. Ein Hinweis darauf,
- dass die Bilder vermutlich in Bezug zum Gründungsmythos der Maya stehen. Darin wird mit einem abgeschlagenen Kopf Ball gespielt.
- Man glaubt, dass er die Sonne symbolisiert. Nicolaus Seefeld fährt in das knapp 100 Kilometer entfernte Cobá,
- wo sich zwischen 600 und 900 nach Christus eine der größten Maya-Stätten auf der Halbinsel Yucatán befand.
- Auch dort gibt es einen Ballspielplatz. Sofort fällt auf,
- dass es Unterschiede zu dem Spielfeld in Chichén Itzá gibt. Archäologie ist keine Schönwetterwissenschaft.
- Gemeinsam mit dem einheimischen Chefarchäologen besteigt Seefeld im strömenden Tropenregen
- die Tribüne der einstigen Maya-Herrscher. Im Gegensatz zu den vertikalen Mauern von Chichén Itzá
- wird das Spielfeld hier von schrägen begrenzt. Sowohl Form als auch Feldgröße konnten also variieren.
- Aber auch hier finden sich Hinweise auf rituelle Zeremonien. Eine der Stelen zeigt einen Menschen mit gebundenen Händen.
- Könnte er noch vor Beginn des Spieles geopfert worden sein? Es gibt Hinweise,
- dass mit den Köpfen der enthaupteten Gegner das Ballspiel gespielt wurde. (Sprecher) Die Maya sind seit langem bekannt
- für ihre blutigen Opferrituale. Das Ballspiel scheint dabei eine wichtige Rolle gespielt zu haben.
- Dafür spricht allein die schiere Menge der Plätze. Über 1.500 wurden bereits entdeckt.
- Auch in Cobá gibt es mehr als nur einen. Seefeld vermutet,
- dass auf ihnen sogar über Krieg und Frieden entschieden wurde. Das war eine durchaus elegante Form der Konfliktlösung.
- Man ging nicht in die Schlacht, sondern trug es in einem Ballspiel aus.
- (Sprecher) Aber nicht alle Spiele begannen oder endeten tödlich. Nicolaus Seefeld fährt nach Calakmul.
- In der Maya-Stadt hat er sich mit dem Biologen David Lentz verabredet. Einem Spezialisten für Paläoethnobotanik.
- Er konnte vier verschiedene Pflanzen nachweisen, die als Teil eines zeremoniellen Opferbündels
- bei der Gründung eines Ballspielplatzes an dessen Rand vergraben wurden.
- Sie geben möglicherweise einen Hinweis darauf, welche Zeremonien zum Spiel gehörten.
- Am interessantesten fand ich eine Pflanze namens Xtabentún. Diese Pflanze hat halluzinogene Eigenschaften
- und wird von Menschen in ganz Mesoamerika bei der Wahrsagung verwendet.
- Und sie nutzen sie, um mit den Göttern in Verbindung zu treten. (Sprecher) Die anderen drei Pflanzen verwendeten die Maya als Heilmittel.
- Tatsächlich finden die beiden Forscher auch in der Nähe des Ballspielplatzes von Calakmul
- die Pflanze, mit deren Blättern das Opferbündel einst verschnürt war. Das ist ganz bestimmt kein Zufall.
- Alles, was sie taten, war eine Art Ritual, um die Götter zu besänftigen.
- Wenn sie die Götter nicht besänftigten, würden sie leiden müssen.
- Der Tod würde wüten, ihre Ernten verdorren. Schlimme Dinge würden geschehen.
- (Sprecher) Vieles deutet darauf hin, dass das Ballspiel nicht nur ein tödlicher Kampf zwischen verfeindeten Gruppen war.
- Mit jeder Partie wurde an den Gründungsmythos der Maya erinnert, der den Ball mit der lebensspendenden Sonne gleichsetzt.
- So fanden erwiesenermaßen an den Tagen der Tag-Nacht-Gleiche
- regelmäßig Ballspiele statt. Da passt es ja ganz hervorragend,
- dass auch die geheimnisumwitterten, kreisrunden Maya-Kalender gerade entschlüsselt wurden.
- Das glauben zumindest zwei amerikanische Anthropologen, die herausgefunden haben,
- dass die Maya drei Kalendersysteme synchronisiert nutzten, um kosmische Ereignisse vorherzubestimmen.
- Die Maya waren hervorragende Himmelsbeobachter und das, obwohl sie gar kein optisches Instrumentarium besaßen.
- Auch die Tage, an denen einige der Ballspiele stattfanden, wurden über den Kalender festgelegt.
- Die moderne Archäologie nutzt allerdings ganz andere Methoden wie zum Beispiel LIDAR, um dem Spiel auf die Spur zu kommen.
- (Sprecher) Dabei wird mit einem Laserstrahl die Erdoberfläche zentimetergenau abgetastet
- und der Bewuchs dann herausgerechnet. So wurden im Urwald Guatemalas ganze Maya-Städte neu entdeckt.
- Und auch in ihnen liegen Ballspielplätze. Die Bilder sind für Laien schwer zu deuten.
- Für Experten wie Seefeld sind die Ballspielplätze schnell zu erkennen. Das sind zwei parallele, langrechteckige Gebäude.
- Das ist ein Typus, der sonst in der Landschaft gar nicht vorkommt. Das heißt, wenn wir so ein Cluster haben,
- dann ist das höchstwahrscheinlich ein Ballspielplatz. (Sprecher) Zurück in Cobá.
- Auch hier zeigt das LIDAR einen noch unentdeckten Platz. Am Boden sehen die Forscher lediglich Steinhaufen,
- während das Bauwerk auf dem Monitorbild deutlich erkennbar ist. Seefeld hat eine Vermutung,
- warum sie in bestimmten Regionen vermehrt vorkommen. Ballspiele wurden eingesetzt,
- um politische Streitigkeiten auszutragen. Und wir finden sie eben insbesondere dort,
- wo die politische Stabilität relativ gering war. Wo ethnische oder politische Gruppen aufeinandertreffen,
- dort finden wir eben wie hier eine Häufung von Ballspielplätzen. Es ist eigentlich auch immer ein Gerichtsort, ein Schlichtungsort,
- aber auch eine Markierung für eine politische oder ethnische Grenze. (Sprecher) Experten vermuten noch tausende unentdeckte Ballspielplätze
- bis ins Hochland Mexikos. Immerhin pflegten die mesoamerikanischen Völker
- mehr als 3.000 Jahre lang die Ballspieltradition. In etwas anderer Form existiert sie bis heute.
- Pok-ta-Pok heißt das Spiel, mit dem das indigene Selbstbewusstsein der Bewohner Mittelamerikas hochgehalten wird.
- Wie früher dürfen die Spieler den Ball dabei nicht mit Kopf, Händen oder Füßen berühren.
- Und wie bei ihren Vorfahren muss am Ende das Runde in das Runde. Auch in China wurde zur gleichen Zeit wie in Mittelamerika,
- also vor rund 3.000 Jahren, mit solchen Bällen gespielt. Was genau, ist noch nicht ganz klar,
- aber die Bälle zeigen eindeutig Schlagspuren. Dass man mit Bällen spielt, ist eigentlich kein Wunder,
- denn was wäre der Sport ohne die Kugelform? Kann man mit einem Schuhkarton Fußball spielen?
- Na, sehen Sie. Die Kugel ist die einzige Form, die es erlaubt,
- dass sie in alle Richtungen gerollt wird. Und schon die kleinste Delle verursacht,
- dass es im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr richtig rund läuft. Das Roll- oder Flugverhalten ändert sich sofort.
- Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass manche Kugeln von einem Schlachtfeld in Schottland...
- ...ein Loch aufweisen. (Sprecher) Das Plateau von Burnswark Hill.
- Hier lag einst eine der größten keltischen Höhenfestungen, die den einheimischen Pikten bei Gefahr Schutz bot.
- Bis heute ist umstritten, was im zweiten Jahrhundert nach Christus hier geschah.
- Damals errichteten römische Soldaten befestigte Lager, deren Spuren am Fuße des Hügels noch heute zu sehen sind.
- Bei einer groß angelegten Kampagne mit Metalldetektoren kamen über 1.000 Schleudergeschosse aus Metall zutage.
- Mehr als sonstwo auf den britischen Inseln. Dazu weitere Kugeln aus Stein.
- Sie alle lagen im direkten Umfeld der keltischen Festung. Es handelt sich zum Großteil um verschiedene Kaliber
- der bekannten römischen Distanzwaffen, wie Katapulte und Schleudern.
- Ungewöhnlich aber sind kleinere, kugelförmige Objekte, die Löcher mit einem Durchmesser
- von dreieinhalb bis vier Millimeter aufweisen. Einige Forscher vermuten, dass die Römer am Burnswark Hill
- eine Art Trainingslager unterhielten, um die Truppen an ballistischen Waffen auszubilden.
- John Reid, der sich seit Jahrzehnten mit dem Burnswark Hill befasst, ist davon überzeugt, dass hier eine große Schlacht stattfand.
- Diese Gegend war Grenzregion. 20 Meilen südlich von hier befindet sich der Hadrianswall.
- Das war 300 Jahre lang die Grenze. Wir sind hier also im Feindesland im Norden.
- Etwa so wie das freie Germanien der Römerzeit jenseits des Rheins und der Donau.
- Und genau hier war die größte Festung der Pikten, die der Grenzmauer am nächsten lag.
- (Sprecher) Und genau deshalb, so glaubt John Reid, wurde sie zu einem Brennpunkt der Weltgeschichte.
- Als Antoninus Pius 138 nach Christus Kaiser wurde, galt er nicht gerade als großer Feldherr.
- Er brauchte militärische Erfolge. Und die suchte er um 140 nach Christus in Schottland.
- Und er wollte einen Sieg mit möglichst wenig Verlusten. (John Reid) Sie waren nicht nur hier.
- Sie lagen über einen halben Kilometer entfernt vor der nach Süden ausgerichteten Hügelfestung.
- Von dort, aus dem römischen Lager, kam der Beschuss. (Sprecher) 5.500 Mann,
- eine ganze Legion, so Reid, griffen die Bergfestung unter dem Schutz der eigenen Distanzwaffen an.
- Stationiert war die Legion wohl im knapp 100 Kilometer entfernten Trimontium.
- Im dortigen Museum sind typische Ausrüstungsgegenstände römischer Legionäre zu sehen,
- die Archäologen bei Grabungen am Ufer des Flusses Tweed fanden. Aus der Luft lassen sich die Umrisse des Kastells gut erkennen.
- Um 140 nach Christus war es der größte römische Außenposten nördlich des Hadrianwalls
- und damals Teil der mächtigsten Militärmaschinerie der Welt. Deshalb rätselten Archäologen,
- warum es in der hochstandardisierten Ausrüstung der Römer Schleuderkugeln mit Löchern geben konnte,
- die man bisher sonst nirgendwo fand. Schleuderbleie sind tödliche Geschosse,
- trotz eines kleinen Loches. Geübte Schleuderer konnten selbst Ziele in über 100 Metern Entfernung
- punktgenau treffen. Aus römischer Sicht ist das ideale Szenario,
- wenn die Gegner panisch fliehen, bevor es zum endgültigen Zusammenstoß im Nahkampf kommt,
- denn dann konnten auch die Römer verletzt werden. (Sprecher) Eigentlich waren die Römer
- am Fuße des Berges in der schlechteren Position. Dank der Distanzwaffen konnten sie Feinden schon zu Beginn der Schlacht
- empfindliche Verluste zufügen und deren Moral schwächen. Lange fragten sich die Forscher,
- welche Rolle die Schleuderkugeln mit dem Loch dabei spielten, die im Vergleich mit anderen sehr klein sind.
- Es gab die Vermutung, die Löcher könnten für Gift gedacht sein, damit die Kugel, wenn sie unter die Haut gelangte,
- die Person töten würde, falls der Aufprall der Kugel das nicht erreicht hatte.
- (Sprecher) Ein einfaches Experiment zeigt, dass die Kugeln auch festere Stoffe blitzschnell durchschlagen.
- Aber das Gift hätte dabei kaum aus dem Hohlkörper austreten und seine tödliche Wirkung entfalten können.
- Es ist ein kleines Loch und es konnte für alles Mögliche sein, bis mein Bruder, der kein Archäologe, sondern Fischer ist,
- die Kugeln sah und sagte: "Oh, die sehen aus wie die Löcher in meinen Angelgewichten
- und wenn ich sie auswerfe, dann pfeifen sie." Da ging mir ein Licht auf:
- Diese spezielle Form erzeugt Geräusche. (Sprecher) Die Löcher hatten also eine Funktion.
- * Pfeifen * Ein weiteres Experiment zeigt:
- Ab einer Geschwindigkeit von 50 Meter pro Sekunde... * Zischen *
- ...fangen die Lochkugeln an, zu pfeifen. * Pfeifen *
- Wenn man sie in Salven abfeuert, machen sie einen unglaublichen Lärm. Es handelte sich mit ziemlicher Sicherheit um eine Art Terrorwaffe.
- (Sprecher) Psychologische Kriegsführung ist keine neue Erfindung.
- Alles deutet darauf hin, dass die Römer sie am Burnswark Hill gezielt nutzten.
- Vor Beginn des Sturmangriffs setzten die Römer ihre Fernwaffen ein. Katapulte, Bogen und Schleudern
- sorgten unter den Verteidigern der Höhenfestung für erste Opfer. Dazu kam die Spezialmunition,
- die den Verteidigern wortwörtlich um die Ohren pfiff. * Pfeifen *
- Der Clou waren die Löcher, die durch den hereinströmenden Wind ein heulendes Sirren verursachten,
- das die Gegner in Angst und Schrecken versetzte. So wie die Sirenen an den Stukas im zweiten Weltkrieg.
- Diese aztekische, runde Totenkopfpfeife verfolgt das gleiche Prinzip.
- * Zischen * * Pfeifen *
- Sie wurde bei Menschenopferungen eingesetzt und verursachte bei den Zuschauern Gänsehaut, so wie im Horrorfilm.
- Kleine Ursache, große Wirkung. Dieses Prinzip gilt auch für dieses Ding hier.
- Dass dieses Tablett sich hier so leicht bewegen lässt, liegt nur daran, weil es auf einem einfachen Kugellager steht.
- Das Prinzip des Kugellagers ist leicht erklärt. Durch das Rollen der Kugeln
- wird die Last gleichmäßig verteilt und durch die Drehbewegung wird die Reibung minimiert.
- Als Erfinder des Kugellagers steht 1794 ein Engländer in den Patent-Annalen.
- Dabei hat der römische Architekt Vitruv bereits vor 2.000 Jahren das Prinzip des Kugellagers beschrieben.
- Aber wurde damals die Kugellager-Idee verfolgt? Wurde sie umgesetzt?
- Eine heiße Spur führt zum Nemisee bei Rom. (Sprecher) In der Antike
- war der nur knapp zwei Quadratkilometer große Kratersee der Standort sagenumwobener Schiffe.
- Seit mehr als 500 Jahren sind Forscher ihnen auf der Spur. Mitglieder des Vereins für Unterwasserarchäologie ASSO
- machen sich für einen Tauchgang bereit. Ihr Ziel: eine Stelle, die von einem Felssturz verschüttet wurde.
- Die maximale Wassertiefe im See beträgt nur 33 Meter, aber die Sicht ist schlecht.
- Die Taucher hoffen, auf dem Grund des Sees noch verborgene Artefakte aus der römischen Kaiserzeit zu entdecken.
- Aber alles, was sie diesmal finden, sind die gut erhaltenen Reste eines Ruderboots
- aus dem vergangenen Jahrhundert. Kein Vergleich zu dem,
- was vor gut 100 Jahren aus den Fluten des Sees auftauchte. Damals legten Archäologen in dem kleinen Kratersee
- zwei gigantische römische Schiffe frei. Beide über 70 Meter lang.
- Nur durch das Abpumpen des Sees konnten sie sie bergen. Und die offenbarten ein spektakuläres Innenleben.
- Dazu gehörten auch 16 seltsame Bronzekugeln mit vertikalen Achsen. Heute lagern Teile der damaligen Funde
- am Ufer des Sees in einem Museum. Die Schiffe selbst sind nur noch als Modell zu sehen.
- Denn zum Leidwesen der Direktorin sind sie Jahre nach ihrer Bergung im Zweiten Weltkrieg verbrannt.
- Aber auch der Nachbau macht die Einzigartigkeit der Schiffe deutlich.
- Diese Schiffe, die mit über 70 Metern Länge außergewöhnliche Ausmaße hatten,
- waren nicht nur luxuriöse Bauten, sondern verfügten auch über Spitzentechnologie an Bord.
- Es wurden hier archäologische Entdeckungen gemacht, die das Wissen über die römische Schiffstechnik revolutionierten.
- (Sprecher) Inschriften belegen, dass Kaiser Caligula die fantastischen Schiffe um 40 nach Christus bauen ließ.
- Sie waren mit der modernsten Technik ihrer Zeit ausgestattet. An Bord gab es eine Zentralheizung sowie luxuriöse Bäder.
- Lenzpumpen sorgten für einen trockenen Rumpf. Rätsel gaben jedoch lange die seltsamen Bronzekugeln auf.
- Einige waren noch auf eine Holzplatte montiert. Die meisten sind sehr gut erhalten, mit relativ wenig Gebrauchsspuren.
- Daniela de Angelis und ihr Forscherteam haben eine Vermutung, wozu die eigentümliche Konstruktion einst gedient haben könnte.
- Diese Kugeln wurden sowohl getrennt von dem Holzteil, an dem sie befestigt waren,
- als auch in ihrer ursprünglichen Position auf einem Holzfragment gefunden.
- Dies ermöglichte es uns, ihre genaue Funktion zu rekonstruieren. Die Kugeln waren auf einer runden Holzplatte gruppiert,
- die als drehbare Plattform diente. (Sprecher) Ein 2.000 Jahre altes Kugellager.
- Die durch die Achsen geführten Bronzekugeln sind wohl das früheste Beispiel
- für ein reibungsminimiertes Axialkugellager, auch wenn sie nicht wie bei heutigen Kugellagern frei laufen.
- Aber wozu diente die Konstruktion? Am Ufer des Nemisees
- stand ein bedeutendes Heiligtum der Göttin Diana. Wahrscheinlich standen die Schiffe
- in direktem Zusammenhang mit diesem Tempel, denn eines der Schiffe war, den Funden nach zu urteilen,
- ebenfalls Diana geweiht. Gut möglich, dass eine Statue der Göttin auf der Holzplatte stand,
- die durch das Kugellager um 360 Grad drehbar war. Nur wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung
- versanken die Schiffe. Oder wurden versenkt.
- Wohl auch deshalb haben sich die Bestandteile des antiken Kugellagers so gut erhalten.
- Ist es nicht ein Wahnsinn? Da lässt sich ein Engländer Ende des 18. Jahrhunderts
- eine Idee patentieren, die die alten Römer bereits vor 2.000 Jahren nutzten.
- Trauen wir den alten Kulturen einfach viel zu wenig zu? Denken Sie an die sieben Weltwunder.
- Eines davon war die Tempelstadt Ephesos. Und auch dort entdeckten Archäologen eine geheimnisvolle Kugel.
- (Sprecher) Ephesos in der heutigen Türkei. Heimat des weltberühmten Artemis-Tempels.
- 25.000 Zuschauern bot das Theater Platz. Dank einer Erweiterung unter Kaiser Trajan,
- Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus. An der Hauptstraße wurde ihm zu Ehren eine Brunnenanlage errichtet.
- Von der Trajan-Statue ist so gut wie nichts mehr vorhanden. Nur eine Kugel, die neben seinem rechten Fuß liegt.
- Den römischen Geschichtsschreibern galt Trajan nicht nur als Optimus Princeps,
- als bester aller Herrscher. Unter ihm erreichte das römische Reich
- auch seine größte Ausdehnung. Er herrschte sozusagen über die ganze damals bekannte Welt.
- Und deshalb liegt sie auch symbolisch zu seinen Füßen. Man muss in diesen Zeiten sagen:
- Wir leben auf einer Kugel. Also, fast.
- Die Erde ist an den Polen etwas abgeplattet. Das liegt an ihrer Rotation.
- Am Äquator ist die Fliehkraft am stärksten. Da ist die Erde gewissermaßen am dicksten.
- Angeblich glaubten die Menschen bis zur Neuzeit, dass sie auf einer Scheibe lebten.
- Wenn man dem Rand zu nahe käme, würde man herunterfallen. Diese Legende von der Scheibenwelt hält sich hartnäckig.
- Aber in Wahrheit ist sie ein Mythos der Aufklärung, um das vermeintlich so finstere Mittelalter
- zu disqualifizieren. (Sprecher) Seit der Antike wusste man,
- dass die Erde eine Kugelform hat. Deshalb galt die Kugel als Machtsymbol - wie bei Trajan.
- Und auch bei den deutschen Kaisern der berühmte Reichsapfel, der über viele Jahrhunderte, neben Krone und Zepter,
- zu den Herrschaftszeichen gehörte. Er verband den christlichen Glauben mit der Weltherrschaft.
- Übrigens - der Reichsapfel geht auf die griechische Himmelskugel Sphaira zurück.
- Man glaubte, die Erde sei von solchen Himmelssphären umgeben. Auf sogenannten Astralgloben
- ritzte man Himmelsbeobachtungen und Tierkreiszeichen ein. Aber einen echten Beleg dafür,
- dass die Erde eine Kugelform haben muss, den entdeckte ein sehr schlauer Bewohner der Insel Samos.
- (Sprecher) Die griechische Insel ist die Heimat bedeutender Philosophen, Mathematiker und Astronomen,
- die im Umfeld des berühmten Hera-Tempels lebten. Dem wohl bekanntesten ist ein Denkmal gesetzt.
- Pythagoras, der sich im sechsten Jahrhundert vor Christus nicht nur mit Dreiecken beschäftigte.
- Ihm fiel auf, dass ein Schiff, das den Hafen verlässt, erst noch in voller Größe sichtbar ist.
- Doch irgendwann verschwindet zunächst der Rumpf am Horizont... ...dann die Segel...
- ...und als letztes die Mastspitze. Seine Erkenntnis:
- Die Wasseroberfläche und damit die Erde muss gekrümmt sein. Dazu die Beobachtung,
- dass bei einer Mondfinsternis immer ein runder Erdschatten zu sehen ist. Das geht bei allen Bewegungshypothesen
- von Sonne, Erde und Mond nur bei einer Kugelform. Den Beweis lieferte 300 Jahre später ein Kollege, der in Ägypten wirkte.
- Der griechische Mathematiker Eratosthenes. Er wusste, dass die Sonne am Mittag des Tages der Sommersonnenwende
- in Assuan genau im Zenit steht, weil sie sich in einem tiefen Brunnenschacht
- ohne jeglichen Schatten spiegelt. Im 1.000 Kilometer weiter nördlich gelegenen Alexandria aber
- warf die Sonne einen Schatten im Winkel von circa sieben Grad. Das konnte er
- mithilfe eines senkrecht in den Boden gesteckten Stocks messen. Der Unterschied im Schattenwurf konnte nur bedeuten,
- dass die Erde eine Kugel ist. Anhand des Winkels und der Entfernung der beiden Städte
- konnte er den Erdumfang berechnen. Knapp 40.000 Kilometer.
- Sensationell genau. Er ist tatsächlich nur einige Kilometer größer.
- Leider neigen wir dazu, das Wissen unserer Altvorderen zu unterschätzen.
- Aber Geschichte verläuft nicht linear. Da gibt es Sprünge, Verwerfungen,
- Neuerfindungen und Wiederentdeckungen. Und das macht es so schwierig, herauszufinden,
- wozu ein Fundstück eigentlich tatsächlich genutzt wurde. Und da sind wir wieder bei den wissenschaftlichen Erkenntnissen
- über eine Million Jahre alte, bearbeitete Steinkugeln aus Spanien und Israel.
- Damals streiften unsere Vor-Vor- Vor-Vorfahren durch die Wildnis. Waren die überhaupt in der Lage,
- solche Kugeln herzustellen und zu formen? (Sprecher) Einige dieser Kugeln
- wurden nahe der Ortschaft Orce im spanischen Andalusien entdeckt. Die Gegend gilt als Heimat der ersten Europäer.
- Hier gefundene Knochen wurden unter anderem mithilfe des Paläomagnetismus,
- bei dem das Alter von Gesteinsschichten bestimmt wird, auf 1,3 Millionen Jahre datiert.
- Sie stammen von sogenannten Frühmenschen. Auch dieser Milchzahn eines etwa zehnjährigen Kindes,
- der in dieser Schlucht gefunden wurde. Früher lag hier ein großer See.
- Die archäologischen Grabungen finden im ehemaligen Uferbereich statt. Nur wenige Kilometer entfernt liegt eine weitere Ausgrabungsstätte.
- Hier wurden neben Knochen auch noch andere spektakuläre Funde gemacht. Für die kanadische Prähistorikerin Deborah Barsky und ihr Team
- geben sie Einblicke in eine Zeit vor über einer Million Jahren. Hier in Orce haben wir die ältesten Überreste von Hominiden
- außerhalb Afrikas in ganz Europa. Wir können uns nun ein gutes Bild davon machen,
- wie das Leben dieser ersten Pioniere Westeuropas ausgesehen haben könnte. Natürlich sind diese Fundstätten
- für uns Steinspezialisten sehr wichtig, denn sie zeigen die zahlenmäßig repräsentativsten Steinwerkzeugsätze.
- (Sprecher) Die Hominiden, die Frühmenschen, lebten gemeinsam mit Mammuts am Ufer des Sees,
- wie diese über vier Meter langen Stoßzähne beweisen. Es gibt Spuren an den Knochen, die nahelegen,
- dass die Tiere auch gejagt oder zumindest zerlegt wurden. In derselben Fundschicht entdeckte eine spanische Archäologin
- eine der rätselhaften Steinkugeln. Ein besonderer Moment für sie.
- Wenn man sie in die Hand nimmt, wird einem bewusst, dass man tatsächlich der erste Mensch ist,
- der dieses Stück nach 1,2 Millionen Jahren berührt. Und dass der letzte, der es dort hingelegt hat, ein Hominide war.
- Man spürt da eine ganz besondere Verbindung. Das Museum von Granada
- besitzt mehrere der 1,2 bis 1,4 Millionen Jahre alten Kugeln. Für die Forscher ist die entscheidende Frage:
- Wurden sie tatsächlich bewusst hergestellt oder entstanden sie zufällig bei der Nutzung des Steins als Werkzeug?
- Tarragona in Katalonien. An einem Forschungsinstitut der Universität
- wollen Wissenschaftler dem Geheimnis der Kugeln auf die Spur kommen. Mithilfe eines anderen Steines versucht ein Teammitglied,
- einen Sandstein in annähernde Kugelform zu bringen. Dabei fallen typische sogenannte Abschläge an.
- Am Ende entsteht ein Objekt, das den eine Million Jahre alten Kugeln sehr ähnlich sieht.
- Als Nächstes vergleichen die Forscher die Oberflächen der im Experiment hergestellten Kugel
- mit denen der Originalfunde und finden eindeutige Übereinstimmungen.
- Ein Indiz dafür, dass die Kugeln absichtlich gemacht wurden. Darauf weisen auch die Abschläge hin,
- die ebenfalls in den Grabungen gefunden wurden. Das heißt, die Kugeln sind vor Ort hergestellt
- oder zumindest bearbeitet worden. Dann untersucht der Archäologe Antoine Muller
- die Kugeln mit einem Laserscan. Wir können nun eine ganze Reihe von Messwerten erfassen,
- die sich auf die Geometrie dieser Artefakte beziehen. In der Regel handelt es sich dabei um Dinge,
- die wir mit bloßem Auge sehen können, zum Beispiel ob ein Objekt eher kubisch oder sphärisch ist.
- Dies objektiv zu messen, ist etwas schwieriger. Da hilft der Computer enorm.
- Wenn wir solche Artefakte scannen und andere Archäologen tun das auch, können wir die Daten zusammenführen,
- um diese sehr rätselhaften Gegenstände besser zu verstehen.
- (Sprecher) Tatsächlich ähneln die Funde aus Andalusien einem großen Fundkomplex in Israel,
- der aus einem vergleichbaren Zeithorizont stammt, nämlich vor 1,4 Millionen Jahren.
- Und es gibt noch weitere Fundorte. Es scheint, als hätten die Hominiden überall, wo sie siedelten,
- neben einfachen Steinäxten auch immer wieder Kugeln hergestellt. Beides wurde in Grabungen meist gemeinsam gefunden.
- Aber zu welchem Zweck dienten die im Vergleich zu den Äxten aufwendig bearbeiteten Steine?
- Könnten es Werkzeuge für spezielle Arbeiten gewesen sein? Etwa zum Zerschlagen von Knochen, um an das begehrte Mark zu kommen?
- Tatsächlich wiesen die Knochen des Mammuts, das zusammen mit den Kugeln gefunden wurde,
- Spuren von Steinwerkzeugen auf. Oder wurde mit ihnen das Fleisch von Tierhäuten geschabt?
- Das Team um Deborah Barsky experimentiert mit dem Zerkleinern und Mörsern verschiedener Pflanzen.
- Doch für keine der Aktionen ist die Kugelform von Vorteil. Im Labor untersucht das Team die Spuren,
- die die unterschiedlichen Anwendungen auf den Versuchssteinen hinterlassen haben.
- Könnten sie Ähnliches auf den Originalsteinen finden, ließen sich Rückschlüsse auf deren einstige Nutzung ziehen.
- Doch bisher fanden sie keine Übereinstimmung. Die Originalkugeln wirken seltsam unbenutzt.
- Für Deborah Barsky ist auch das ein Indiz. Sie verändern unsere Sichtweise auf die Menschheitsevolution insofern,
- dass sich Kultur möglicherweise früher entwickelt hat als bisher angenommen.
- (Sprecher) Könnten die Kugeln eine Art Kunst- oder Kultobjekt sein? Bislang bleibt es ein ungelöster Fall.
- Wie noch so Manches zwischen Himmel und Erde. Das hier ist das Replikat eines Fundstücks,
- die sogenannte Buga-Sphere aus Kolumbien. Sie soll angeblich vom Himmel gefallen sein.
- Eine Mediensensation. Die Kugel der Außerirdischen.
- Allerdings erwies sich das Geschenk der Götter, zur Enttäuschung vieler Verschwörungstheoretiker,
- als Fälschung. Kugeln sind aus unserem Alltag kaum wegzudenken.
- Die meisten von uns nutzen sie fast täglich. Beim Kugelschreiber.
- Ein Schreibwerkzeug, das mehrfach erfunden und zum Massenprodukt wurde.
- Die Kugel in der Spitze... ...garantiert einen regelmäßigen Tintenfluss.
- Vielleicht kam der Erfinder des Kugelschreibers auf die Idee, als er Kinder beim Murmelspielen beobachtete.
- Wenn Murmeln durch Pfützen laufen, hinterlassen sie eine saubere Wasserspur.
- Seit den 50er-Jahren wurden Abermilliarden von solchen Kugelschreibern hergestellt.
- Und die Archäologen der Zukunft, die dann unsere versunkene Kultur ausgraben,
- die würden sie weltweit zentnerweise überall finden. Und sie würden sich vielleicht die Frage stellen,
- was für eine Rolle die Kugeln an der Spitze dieser Stifte eigentlich gespielt haben könnten.
- Untertitel im Auftrag des ZDF, 2026
Zum Nachlesen
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