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Deutsche und Franzosen: Vom "Erbfeind" zum Verbündeten | Terra X

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Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 57 Zeilen
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  1. Sie galten als „Erbfeinde“ - Deutsche und Franzosen. Durch Kriege, Besatzung und Hass. Doch dann die historische Wende. De Gaulle: „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft.“
  2. Heute sind Deutschland und Frankreich eng verbunden. Und immer wieder Motor der Einigung Europas. Wie kam es zu diesem erstaunlichen Wandel? Spätsommer 1958. Der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer unterwegs in Frankreich, um den französischen Regierungschef Charles de Gaulle zu treffen.
  3. Auf dessen privatem Landsitz. Ein ungewöhnliches Treffen in schwieriger Mission. Adenauer weiß, dass de Gaulle in Frankreich ein schweres Erbe antritt. Sein Land steckt in einer Krise, auch wirtschaftlich, während es in Westdeutschland aufwärts geht.
  4. Was die beiden Nachbarn am meisten trennt, sind die Schatten der Vergangenheit. Lange war von einer „Erbfeindschaft“ die Rede. Erbitterte Kriege stehen zwischen den beiden Völkern.
  5. Charles de Gaulle erhält das Kommando über eine Panzerdivision, als Frankreich 1940 von Hitlers Einmarsch überrascht wird. Sechs Wochen später: die Niederlage. Viele Franzosen haben einfach die Deutschen gehasst. Es hatte die deutsche Besatzung in Frankreich gegeben
  6. und das war nicht nur eine Besatzung, sondern es war eine Demütigung für viele gewesen in Frankreich, und das ist ein Trauma. Die französische Zivilbevölkerung litt unter der jahrelangen deutschen Besatzung. Sie beginnt, als Marshall Petain im Juni 1940 einen Waffenstillstand unterzeichnet.
  7. Für Hitler die Revanche für die Niederlage im Ersten Weltkrieg. Es gab damals viele Franzosen, die es sich geschworen hatten, nie wieder, niemals mit einem Deutschen zu reden.
  8. Adenauers Heimat liegt nach dem Krieg in Trümmern, die Menschen leiden Not. Hier in Köln war er seit 1917 ein beliebter und prägender Oberbürgermeister. Als Hitler 1933 Köln besucht, zeigt Adenauer offen seine Abneigung. Dafür wird er aus dem Amt geworfen und von den Nationalsozialisten verfolgt.
  9. Er wurde drangsaliert von den Nazis, er wurde von der Bevölkerung abgelehnt. Es gab Sprechchöre gegen ihn gerichtet. Es wurden vor seinem Hause Drohungen ausgestoßen. Also er war wirklich sehr stark unter Druck.
  10. Bald nach dem Krieg spielt Adenauer eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau in der Bundesrepublik. Seit 1949 vertritt er in Bonn als Bundeskanzler die Westdeutschen. Für seine Politik der Westbindung braucht er Frankreich. Aber der Weg ist steinig.
  11. Es gab im Grunde mehr Hindernisse, und vor allem waren sie emotionaler Natur. Ich würde ein Wort sagen: Ressentiment, ein französisches Wort, das man im Deutschen benutzt, das aber genau das beschreibt und bezeichnet, was für Gefühle damals waren.
  12. Die Jugend ist schon weiter. Nieder mit den Schlagbäumen. Noch ist Vision, was junge Deutsche und Franzosen schon 1950 fordern. Ein vereintes Europa ohne Grenzen. Auch in der Politik gibt es Schritte aufeinander zu. Der Nachbar Frankreich will Sicherheit vor, aber auch mit Deutschland.
  13. Die für die Kriegführung wichtige Kohle- und Stahlindustrie soll künftig unter ein Dach gestellt werden und ehemalige Gegner verbinden. Die sogenannte Montanunion von 1952, eine Initiative von Robert Schuman, soll nicht nur der deutsch-französischen Annäherung dienen:
  14. „Aus dieser so teuer bezahlten Selbsterkenntnis heraus wollen wir neue Wege beschreiten, die uns hinführen zu einem geeinten und endgültig befriedeten Europa.“ Hier entsteht das Fundament für die künftige Europäische Gemeinschaft. 1957 wird die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet. Vorläufer für die heutige Europäische Union.
  15. De Gaulle erbt also eine europäische Politik, die bereits auf sehr guten Grundlagen beruht. Seine Vision ist ein Europa der souveränen Staaten. Adenauer folgt einem anderen Ansatz. Er will ein Europa, in dem die Staaten schrittweise Souveränität an die Gemeinschaft abgeben, auf dem Weg zu einer Union.
  16. Und die Zollschranken sollen fallen, was der westdeutschen Wirtschaft hilft. Die Exportraten steigen – nach Europa und in die USA. Deutsche waren sind wieder weltweit gefragt. Und das Wirtschaftswunder beschert den Bürgern wieder etwas Wohlstand.
  17. Dieses Wiedererstarken Deutschlands, führt dazu, dass einige meinen, vielleicht werden sie irgendwann mal besser als wir. Und man darf auch nicht vergessen, dass politisch Frankreich mit sich beschäftigt ist, mit dem Verlust des Kolonialreiches.
  18. Nach dem Zweiten Weltkrieg begehren viele Völker gegen ihre Kolonialmächte auf. In Indochina kämpfen kommunistische Truppen für die Unabhängigkeit von Frankreich. 1954 muss Paris die Niederlage eingestehen und zieht seine Truppen ab. Wenig später tobt in Algerien der Kampf um die Unabhängigkeit, mit vielen Opfern.
  19. Als die Regierung in Paris schließlich die Kolonie aufgeben will, gehen französische Siedler und Militärs in Algier auf die Straße. 1958 kommt es zum Putsch gegen das Mutterland. Führende Generäle fordern die Übernahme der Regierungsgewalt in Paris durch Charles de Gaulle.
  20. De Gaulle kehrt in einer sehr schwierigen Lage an die Macht zurück. Es herrschen kriegerische Zustände in Algerien. Als er im Mai´58 gerufen wird, gilt das als letzte Chance, einen Bürgerkrieg zu verhindern.
  21. Für die einen ist er der starke Mann, der das gespaltene Land wieder eint, für andere eine Gefahr für die Demokratie. Das Algerien-Problem öffnet Charles de Gaulle die Tür zur Macht. Kaum im Amt, zeigt er sich in Algier mit Uniform. Der General löst den Konflikt nicht, aber er beruhigt ihn.
  22. Das schafft Rückenwind für seine innenpolitischen Pläne. Die Änderung der französischen Verfassung. 1958 ist es seine Rolle, den Franzosen fast wie vom Himmel herunter eine Lösung zu bieten, die sich die Fünfte Republik nennt.
  23. Er verkündet sie an einem symbolischen Ort, dem Place de la Republique in Paris. Als Retter der Nation vermittelt er den Menschen das Gefühl einer großen Schicksalsgemeinschaft. „Zu Zwischenfällen kam es in Paris als Regierungschef De Gaulle seinen Vorschlag für eine neue Verfassung verkündete. Die große Mehrheit der 300.000 Versammelten aber jubelte dem General zu.“
  24. Am 4. September 1958 schwört de Gaulle sein Publikum auf die neue Verfassung ein - mit mehr Macht für den Präsidenten und weniger Befugnissen für das Parlament. Später wird der Staatschef sogar direkt vom Volk gewählt. Bald darauf am 14. September in Colombey les deux Églises.
  25. Adenauers Wagenkolonne bahnt sich den Weg durch die französische Provinz. Colombey les deux Églises liegt fernab des Trubels der Hauptstädte. Und doch ist das, was auf den kleinen Ort zukommt, der Beginn einer großen Geschichte. De Gaulle empfängt Adenauer auf seinem privaten Landsitz.
  26. Die beiden Staatsmänner legen großen Wert darauf sich zunächst kennenzulernen. Von Mensch zu Mensch. Die Atmosphäre ist privat. Adenauer und de Gaulle begegnen sich voller Respekt zu einem politischen Austausch über die brennenden Themen ihrer Zeit. Und, natürlich, über das Verhältnis ihrer beiden Völker zueinander.
  27. Zwei Tage bleibt Adenauer in Colombey. In seinen Erinnerungen schreibt er später: Ich war glücklich, einen ganz anderen Menschen vorgefunden zu haben, als ich befürchtet hatte. Und sicher, dass de Gaulle und ich eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit haben würden.
  28. Das Treffen in Colombey schrieb Geschichte, weil es der Beginn war für viele Treffen, aus denen die deutsch französische Annäherung, Versöhnung, Einigung entstand, aus der aber auch die europäische Einigung heraus ganz entscheidend vorangetrieben wurde.
  29. Schon zwei Monate später kommt Charles de Gaulle nach Bad Kreuznach und trifft Adenauer zum ersten Mal auf deutschem Boden. Dann - im Juli 1962 - Staatsbesuch in Paris, der Bundeskanzler zu Gast bei Frankreichs Präsident. De Gaulle hat sich persönlich um das Programm gekümmert.
  30. Vier Jahre nach Colombey der große offizielle Auftritt mit allem, was die Hauptstadt Frankreichs an Pracht und Paraden zu bieten hat. Adenauer hat später gesagt, dass das der Höhepunkt seines Lebenswerkes in gewisser Weise war.
  31. Dieser Jubel war ein entscheidender Moment, eine neue Akzeptanz eben auch der Deutschen. Auch nur jemand wie Adenauer konnte auch tatsächlich diesen Jubel erhalten. Der General, der in zwei Kriegen gegen die Deutschen gekämpft hatte, spürt nun auch bei seinen Landsleuten die Bereitschaft zur Versöhnung.
  32. Und Adenauer weiß um die Zustimmung im eigenen Land, dass sich beide Nachbarn immer näher kommen. Dazu gehört auch der Respekt vor den Toten der Kriege. Bei Versailles liegen deutsche Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg.
  33. Es sind französische Soldaten, die das Gewehr präsentieren, als Adenauer einen Kranz niederlegt, eine bleibende Erinnerung. Wir haben Kriege gegeneinander geführt. Ich habe auf dem Schlachtfeld von Mourmelon gestanden, wo Gräber von französischen und deutschen Soldaten sind.
  34. Und wir beide haben dann den Vorbeimarsch abgenommen. Das hat auf mich einen ungewöhnlich tiefen Eindruck gemacht. Das war symbolisch für das Ganze. Eine gemeinsame Parade mit deutschen und französischen Panzern auf früheren Schlachtfeldern.
  35. Die nächste Etappe ist eine Stadt mit einer wechselvollen Geschichte und einer berühmten Kathedrale. Es ist das Finale und wohl auch der Höhepunkt von Adenauers Reise 1962. Viele, die hier jubeln haben einen oder beide Weltkriege erlebt.
  36. Ausdruck einer Zeitenwende. Für die man sich auch Segen wünscht. Charles de Gaulle schuf hier einen besonders symbolträchtigen Moment, indem er Adenauer nach Reims einlud. Hier wurden früher die französischen Könige gekrönt.
  37. Die Kathedrale steht aber auch für das Leid des Ersten Weltkriegs, in dem sie größtenteils zerstört wurde. Es ist also ein zweifaches Symbol. Und nun kommen ein Deutscher und ein Franzose, die sich versöhnen wollen, in diese Kathedrale, um zu beten. Das ist natürlich ein sehr starker Moment.
  38. Die Zeiten der „Erbfeindschaft“ sollen endgültig der Vergangenheit angehören. Beginnt hier eine „Erbfreundschaft“? Noch im gleichen Jahr reist Charles de Gaulles nach Deutschland. Auch hier ein Jubel, der den Gast überwältigt.
  39. In Ludwigsburg tritt der 71-jährige in einer bewegenden Veranstaltung vor die Jugend. Er hält seine Rede auf Deutsch. „Sie alle beglückwünsche ich jung zu sein. Man braucht ja nur die Flamme in Ihren Augen zu beobachten, um überzeugt zu sein,
  40. dass diese Begeisterung Sie zu den Meistern des Lebens und der Zukunft auserkoren hat.“ Er spricht seit seiner Jugend deutsch und es lag ihm am Herzen, in der Sprache der anderen zu sprechen.
  41. Eine Übersetzung ist nie dasselbe wie eine direkte Ansprache. Man berührt die Herzen der Menschen anders, wenn man ihre Sprache spricht. „Es lebe Bonn! Es lebe Deutschland! Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!
  42. Kaum ein halbes Jahr nach de Gaulles Besuch in Deutschland, im Januar 1963, wird das neue Verhältnis unter den Nachbarn in Paris besiegelt, mit dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Er sieht regelmäßige Gespräche beider Regierungen vor.
  43. Der sogenannte Élysée-Vertrag soll nicht nur der Abstimmung der Sicherheits- und Außenpolitik dienen, sondern auch der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und dem kulturellen Austausch. Dann die Umarmung.
  44. Dieser Vertrag war im Grunde nicht so idealistisch, wie man ihn immer wieder darstellt, sondern er war pragmatisch. Die Idee war, dass man die andere Seite kennt, dass man die andere, die Position, die Zwänge, die No-Gos der anderen Seite kennt, damit man sie in der Definition der eigenen Position integriert.
  45. De Gaulles Idee, eine persönliche Verbindung zu Adenauer aufzubauen, hat die kommenden deutsch-französischen Beziehungen geprägt. Man spricht in Frankreich sogar vom deutsch-französischen Paar, wenn man den Präsidenten und den Kanzler meint.
  46. Und je nachdem, wie dieses Paar harmoniert, wirkt das nicht nur auf die Beziehung beider Völker, sondern auch auf Europa. Willy Brandt und Georges Pompidou. Und bald schlägt die Stunde zweier Staatsmänner, die als besonders clever und smart gelten.
  47. Kanzler Helmut Schmidt und Frankreichs Präsident Valery Giscard d’Estaing. Sie kümmern sich um Währungsfragen und gelten als Großväter des Euro. Auch die Bürger ziehen mit. Über die Jahrzehnte bilden deutsche und französische Orte über 2.000 Partnerschaften. Gelebte deutsch-französische Freundschaft.
  48. Und immer wieder die Erinnerung. Wo einst hunderttausende Deutsche und Franzosen starben, treffen sich zwei Männer um sich die Hand zu reichen. Francois Mitterand und Helmut Kohl, 1984 in Verdun. Noch in den 80er Jahren bilden die beiden Streitkräfte eine gemeinsame deutsch-französische Brigade. Auch das eine Botschaft der Versöhnung.
  49. Im November ’89 fällt die Mauer. Doch bei aller Freundschaft kommt die Frage auf, wird ein geeintes Deutschland zu mächtig? Beide Seiten sind sich einig, dass mit der deutschen auch die europäische Einheit vorankommen muss.
  50. 2004, eine Premiere. Erstmals darf ein deutscher Bundeskanzler an der Gedenkveranstaltung in der Normandie teilnehmen: 60 Jahre nach der Landung der Alliierten. Nicht nur als Freund, sondern als Bruder wird Gerhard Schröder von Jacques Chirac begrüßt.
  51. Aachen 2019, am Jahrestag des Elysée-Vertrag bekräftigen Angela Merkel und Emmanuel Macron ihren Willen, in einer Zeit internationaler Herausforderungen noch enger zu kooperieren. Einmal mehr besiegelt mit einer Urkunde.
  52. Im Februar 2022 überfällt Russland die Ukraine. Eine Herausforderung auch für das deutsch-französische Tandem. Europa muss aufrüsten, wegen Russland und den Forderungen Washingtons. Es gibt deutsch-französische Projekte.
  53. Wie steht es um eine Europäische Armee und auch die nukleare Abschreckung auf dem Kontinent. Frankreich bietet an, seinen atomaren Schutzschirm auch für die Nachbarn aufzuspannen. Die Debatte dauert an. Viel wird davon abhängen, wie sich Deutsche und Franzosen gemeinsam der Zeitenwende stellen. Das Fundament wurde vor Jahrzehnten gelegt.
  54. Der Vertrag hat sehr gut funktioniert. Und das ist wahrscheinlich das, was sich Adenauer und De Gaulle gewünscht haben. Dass nicht nur die großen Regierenden sich treffen und vor den Kameras treten und schöne Sonntagsreden halten, sondern was für die Menschen wichtig ist.
  55. Nämlich wie unser Kontinent sich entwickelt, indem wir Freunde sind und nicht Feinde. Die junge Generation in beiden Ländern kennt keine Kriege und keine Grenzen mehr zwischen Deutschen und Franzosen.
  56. Reisende brauchen weder einen Pass noch in einer anderen Währung zahlen. Austausch und Begegnungen sind Alltag. Man schätzt sich gegenseitig. Und wenn mal es knirscht in den Beziehungen, hilft vielleicht der Blick auf das schon Erreichte.
  57. Den Spielfilm „An einem Tag im September“ findet ihr im Streamingportal des ZDF. Was verbindet ihr mit Frankreich? Schreibt es in die Kommentare.

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