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Als das Christentum Staatsreligion wurde: Was änderte sich?

Glaube&Geschichte11:00 11 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 82 Zeilen
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  1. Hallo zusammen und willkommen zu unserer heutigen Vorlesung zur Religionsgeschichte. Stellen Sie sich mal für einen kurzen
  2. Moment folgende [musik] Szene vor. Eine kleine verängstigte Gruppe von Menschen. Gestern noch mussten sie sich in den feuchten, wirklich [musik]
  3. stockfinsteren Katakompen Roms verstecken. Jedes ihrer geheimen Treffen [musik] war geprägt von purer Panik, der ständigen, lähmenden Angst vor Verrat
  4. und Hinrichtung. Und jetzt spulen wir die Zeit einfach mal nur ein paar Jahrzehnte [musik] vor. Es ist kaum zu glauben, aber die Anführer exakt dieser
  5. einst gejagten Gruppe sitzen [musik] plötzlich in marmorinnen Palästen. Sie speisen am Tisch mit dem mächtigsten Mann der Welt, dem römischen Kaiser,
  6. umgeben von Gold, Seide und dichten Weihauchwolken. Ein regelrechter historischer [musik] Schleudertraumoment, oder? Wie um alles
  7. in der Welt konnte das passieren? [musik] Genau das wollen wir heute analysieren. Dieser massive Wendepunkt hat die europäische Geschichte geprägt
  8. [musik] wie kaum ein anderer. Hier ist unser Fahrplan für die heutige Sitzung. Wir starten mit dem unglaublichen Wandel von den Katakompen in die Paläste.
  9. Schauen uns dann den genauen Weg zur Staatsreligion [musik] an. Danach werfen wir einen Blick auf Architektur, römische Verwaltung, Mode und das
  10. Rechtssystem und [musik] wie das alles die Kirche geformt hat. Im fünften Punkt zeige ich Ihnen, wie aus einer Art religiösem [musik] Pionierprojekt ein
  11. echter himmlischer Großkonzern wurde, bevor wir uns zum Schluss dem unsterblichen Erbe Roms widmen. Wir haben einiges vor, also legen wir direkt
  12. los. Wir beginnen mit unserem ersten Kapitel von Katakomben [musik] zu kaiserlichen Palästen. Es ist absolut essentiell, dass wir erst
  13. [musik] einmal das schiere Ausmaß dieses gesellschaftlichen Erdbebens begreifen. Rufen Sie sich noch mal die frühe Identität der [musik] Christen ins
  14. Gedächtnis. Das war eine geheime, brutal verfolgte Untergrundsekte. Für diese Menschen war allein schon das Bekenntnis [musik] zu ihrem Glauben
  15. lebensgefährlich. Und dann schauen sie sich das Resultat nach nur wenigen Jahrzehnten an. eine festetablierte, [musik]
  16. unfassbar reiche Institution direkt im Machtzentrum des Imperiums. Wissen Sie, das war kein langsamer, schleichender Prozess [musik] im
  17. Hintergrund. Das war eine fundamentale radikale Neuausrichtung der damaligen Weltordnung. Die absoluten Außenseiter wurden zur absoluten Elite. Aber und das
  18. ist die große Frage, wie genau lief das ab? Das führt uns direkt zu Kapitel 2, Der Weg zur Staatsreligion. Schauen wir uns mal die harten historischen Fakten
  19. an. die diese Verschmelzung von Religion und Staat überhaupt erst möglich gemacht haben. Es gibt da diesen populären Mythos. Kaiser Konstantin sieht vor
  20. einer Schlacht ein Kreuz am Himmel und zack, am nächsten Tag [musik] ist ganz rum christlich. Na ja, als Historiker muss ich Ihnen sagen, ganz so einfach
  21. war es natürlich nicht. Der eigentliche Wendepunkt [musik] war das Jahr 313 nach Christus, das Mailänder Toleranzedikt. Dieses Datum sollten Sie sich unbedingt
  22. merken. Aber Achtung, das Edikt machte das Christentum noch nicht zur Staatsreligion. Es erlaubte den Christen lediglich [musik] nicht mehr im Geheimen
  23. beten zu müssen. Das gesamte vierte Jahrhundert hindurch erlebten wir dann einen langsamen, aber stetigen Verschmelzungsprozess. [musik]
  24. Erst unter Kaiser Theodosius dem I. wurde der christliche Glaube dann tatsächlich für alle Bürger verbindlich. Was wir hier sehen, ist keine simple
  25. Übernahme. [musik] Das gigantische römische Reich nahm diesen jungen Glauben und stülbte ihm schlichtweg seine eigene perfekt geölte
  26. Staatsmaschine über. Und genau [musik] das bringt uns zu Kapitel 3: Architektur und römische Verwaltung. [musik] Wie genau hat Rom die Kirche physisch und
  27. strukturell geprägt? Die allererste für jeden sichtbare Veränderung [musik] passierte im öffentlichen Raum. Vorher beteten Christen heimlich in
  28. Privathäusern. Auf einmal brauchten sie Platz für Hunderte, [musik] wenn nicht tausende Menschen. Jetzt wird es spannend. Sie kopierten nämlich [musik]
  29. ganz bewusst nicht die Architektur der alten heidnischen Tempel. Haben Sie sich mal gefragt, warum? Ganz einfach. [musik] Ein heidnischer Tempel galt als
  30. Wohnort der Götter. Da durften nur die Priester [musik] rein. Das einfache Volk stand draußen. Die Christen brauchten aber Platz für die Gemeinde. Also
  31. wählten sie eine rein pragmatische Lösung, die Basilika. Im vierten Jahrhundert war das nämlich überhaupt kein religiöses Gebäude. Es war eine
  32. städtische Gerichts oder Markthalle, ein langer Raum mit Säulen und am Ende saß der römische Richter. Die frühen Kirchenväter nahmen einfach diesen
  33. Bauplan, tauschten den Richterstuhl gegen den Altar aus und der Bischof [musik] übernahm praktisch den Platz des Richters. Brilliant, oder? Der Glaube
  34. wurde buchstäblich zu einer öffentlichen staatlichen Angelegenheit. Apropos staatlich, den Begriff Diozese kennen Sie bestimmt aus dem heutigen [musik]
  35. kirchlichen Sprachgebrauch. Aber hätten Sie gewusst, dass eine Diozese ursprünglich eine reinweltliche römische Verwaltungseinheit [musik] war? Die
  36. Kirche hat die politische Landkarte des Imperiums quasi eins zu eins abgepaust. Die Bischöfe wurden in diesem neuen System zu einer Art [musik] geistlichen
  37. Gouverneuren, die große Regionen wie römische Beamte verwalteten. An der Spitze [musik] des Ganzen stand der Pontifex Maximus. Im alten Rom war das
  38. der oberste Staatspriester, ein Titel, der absolut exklusiv dem Kaiser vorbehalten war. Als das weströmische [musik] Reich dann allmählich zerfiel,
  39. tat sich ein riesiges Machtvakuum auf. Und wer füllte [musik] es? Die Kirche. Sie übernahm einfach diesen kaiserlichen Titel für den Papst. Die Kirche agierte
  40. fortan wie [musik] ein Staat im Staate und sorgte für Struktur und Verwaltung dort, wo die römischen Legionen längst abgezogen waren. [musik] Ein
  41. logistisches Meisterstück. Machen wir direkt weiter mit Kapitel 4. Diese kulturelle Assimilation machte nämlich nicht bei Gebäuden [musik] oder
  42. Verwaltungsgrenzen halt. Sie durchdrang den kompletten Alltag, die Mode und sogar die menschliche Psyche. Wenn Sie heute einen Gottesdienst besuchen und
  43. die Priester in ihren wirklich prachtvollen Gewändern [musik] sehen, denken sie vielleicht: "Wow, das sieht sehr biblisch aus." Tja, falsch gedacht.
  44. Was Sie da sehen, ist im Grunde die [musik] festgefrorene Mode der römischen Oberschicht aus dem vierten und fünften Jahrhundert. Sehen Sie dieses breite
  45. Band über den Schultern, das [musik] Palium, das war das offizielle Rangabzeichen eines römischen Senators. Kerzen und Weihauch wurden direkt aus
  46. dem Begrüßungszeremoniell für römische Kaiser übernommen, um ihre angebliche Göttlichkeit [musik] zu ehren. Die Kirche hat es einfach auf Christus
  47. umgemünzt. Und der 25. Dezember. [musik] In der ganzen Bibel steht kein Wort über das Geburtsdatum Jesu, aber im römischen Kalender war das der Feiertag des Soll
  48. Invictus, der unbesiegten Sonne. Die Kirche war schlau genug, dieses unfassbar [musik] beliebte Fest nicht zu verbieten, sondern es christig
  49. umzudeuten. Aus der Sonne am Himmel wurde die Sonne der [musik] Gerechtigkeit und Latein, das wurde ganz nebenbei zur universellen
  50. Betriebssprache der neuen Religion. Wir beobachten hier aber [musik] auch einen tiefgreifenden psychologischen Wandel. Die früher griechisch geprägte Theologie
  51. philosophierte viel über Licht, Wahrheit und das Wesen der Seele. Sünde galt da eher als eine Art spirituelle Krankheit, aber dann traf dieser Glaube auf die
  52. Römer und die Römer waren, na ja, brillante, aber eiskalte Juristen. [musik] Das Ergebnis war die lateinische
  53. Theologie. Auf einmal drehte sich alles um Begriffe [musik] aus dem Gerichtssaal. Schuld, Strafe, Sühne, Gesetz. Sünde war nicht länger eine
  54. Krankheit, [musik] sondern der klare Bruch eines Vertrages mit Gott, der rechtlich gesühnt werden musste. Dieses juristische Denken prägt
  55. unser westliches Verständnis von Recht und Gerechtigkeit, ob wir es wollen [musik] oder nicht bis heute. Um diese massiven Strukturveränderungen
  56. greifbarer zu [musik] machen, lassen Sie uns in Kapitel 5 ein etwas moderneres Bild verwenden. Ich nenne dieses Phänomen gerne das Pionierparadoxon.
  57. Das frühe Christentum [musik] war am Anfang genau wie so ein aufstrebendes Pionierunternehmen, so eine kleine Neugründung, eine hochmotivierte,
  58. eingeschworene Truppe mit einer absolut genialen, [musik] völlig neuen Idee, die aus dem Untergrund den Katakompen herausagiert. Und dieses Projekt wächst
  59. so rasant, dass es schließlich vom absolut größten Weltkonzern der damaligen Zeit geschluckt wird, dem römischen [musik] Reich. Die Folgen
  60. dieser Übernahme: gewaltig. Plötzlich gibt es unendliche Ressourcen, ein globales Netzwerk [musik] und riesige prunkvolle Büros, die Basilika. Aber der
  61. Preis für diesen Aufstieg war hoch. Auf einmal herrscht strenge Bürokratie und quasi Anzugpflicht. Erinnern Sie sich an die Senatorengewänder. [musik]
  62. Aus der kleinen agilen spirituellen Bewegung war ein gigantischer schwerfälliger Konzern [musik] des Heils geworden. Hier liegt der Kern des
  63. Paradoxens. Für die Kaiser bedeutete die Einheit des [musik] Glaubens ab sofort zwingend die Einheit des Staates. Klar, die Kirche schwam auf einmal in
  64. Reichtum. [musik] Sie konnte im ganzen Reich Krankenhäuser bauen, Schulen eröffnen und massenhaft Arme versorgen, aber im Gegenzug wurde
  65. sie unweiderlich [musik] zu einem Spielball der Machtpolitik. Es waren nun oft die Kaiser, die bei großen Konzilien die theologische Richtung vorgaben.
  66. [musik] Nicht unbedingt, weil sie besonders fromm waren, sondern weil sie knallhart kalkulierten. Eine zersplitterte
  67. Religion führt zu einem zersplitterten Imperium. Religion war schlichtweg zur Staatsresion geworden. Das bringt uns zu unserem sechsten und [musik] letzten
  68. Kapitel. Was bedeutet diese ganze Entwicklung eigentlich für uns? Heute sprechen wir [musik] über das unsterbliche Erbe Roms. Das weströmische
  69. Reich ist im Jahr 476 nach Christus als politische Macht ganz offiziell [musik] untergegangen. Wir alle kennen das aus den Schulbüchern. Aber ein zentraler
  70. Gedanke bringt die Realität viel besser auf [musik] den Punkt. Das Imperium verschwand gar nicht spurlos. Es wechselte lediglich [musik] seine Form.
  71. Rom hat einfach in der DNA der Kirche weitergelebt. Die straffe römische [musik] Struktur überlebte in den steinernen Gewölben unserer Kathedralen,
  72. in den strengen Hierarchien unseren Universitäten und [musik] in den tiefsten Grundprinzipien unseres Rechtssystems. Geschichte, liebe
  73. Studierende, [musik] ist eben keine Ainanderreiung von isolierten Epochen, wo etwas Altes stirbt und sofort etwas völlig Neues aus dem Nichts aufploppt.
  74. Rom hat der [musik] Kirche gezeigt, wie man ein globales Imperium führt. Und genau durch die Kirche ist [musik] Rom am Ende unsterblich geworden. Bevor wir
  75. schließen, möchte ich Ihnen noch eine letzte provokante Frage mitgeben, ein kleines Gedankenexperiment [musik] sozusagen. Was wäre eigentlich passiert,
  76. wenn das Christentum nie Staatsreligion geworden wäre, wenn es schlichtuntergreifend die Privatsache jedes Einzelnen geblieben wäre? ohne
  77. diese Verschmelzung mit der römischen Staatsgewalt, [musik] ohne die Übernahme der Verwaltung und des imperialen Rechts, hätte Europa dann vielleicht
  78. eine friedlichere Geschichte erlebt? [musik] Oder auf der anderen Seite hätte der europäische Kontinent ohne diese Klammer jemals diesen enormen
  79. kulturellen Zusammenhalt entwickelt, [musik] den wir heute noch spüren? Denken Sie doch einfach mal darüber nach, wenn Sie das nächste Mal durch
  80. eine Stadt laufen und an einem Gebäude mit mächtigen [musik] antiken Säulen vorbeikommen oder wenn sie irgendwo in der Ferne Kirchenglocken Leuten hören.
  81. [musik] Das alles ist das stetige noch heute hörbare Echo dieser unglaublichen Verschmelzung aus dem [musik] vierten Jahrhundert. Vielen Dank, dass Sie heute
  82. dabei waren und bleiben Sie neugierig. abonnieren und neue Videos möglich machen.

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