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Ist die EU demokratisch? Was ist deine Stimme wert?
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 85 Zeilen
- . EU-Bürger zu sein bedeutet, dass viele Bereiche unseres Lebens
- von einem merkwürdigen Konstrukt reguliert werden. Von einer absurd kompliziert wirkenden Bürokratie,
- die gefühlt Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg trifft. Viele Europäer glauben deshalb, dass ihre Stimme bei der Europawahl
- nicht zählt und dass die EU nicht demokratisch ist. Wie demokratisch ist die EU wirklich
- und kann deine Stimme überhaupt etwas bewirken? In demokratischen Staaten
- orientiert sich die Politik am Willen der Bürger. Aber die Bürger sind nicht immer einer Meinung.
- Unzählige Gruppen kämpfen um Einfluss und Macht, um dann ihre Gesetze und Regeln durchsetzen zu können.
- In einer funktionierenden Demokratie gibt es Kontrollmechanismen, die faire Rahmenbedingungen für diese Machtkämpfe schaffen sollen
- und begrenzte Amtszeiten verhindern, dass einzelne Parteien zu mächtig werden.
- Aber damit ist jenseits nationaler Grenzen Schluss. Internationale Politik ist nicht demokratisch, sondern anarchisch.
- Es gibt keine Zentralgewalt, die für Fairness sorgt und Gesetze vollstreckt.
- Historisch war das einzige Gesetz die Tyrannei des Stärksten und die Anarchie.
- In der Geschichte waren es deshalb die mächtigen Länder, die sich nahmen, was sie wollten.
- Entweder durch Drohungen oder mit Gewalt. Nach dem Zweiten Weltkrieg
- wurden die Vereinten Nationen gegründet mit dem Ziel, dieser Anarchie allgemeingültige Verhaltensregeln entgegenzusetzen.
- Aber weil die UN praktisch keine Macht hat und ihre Mitglieder oft gegensätzliche Interessen verfolgen,
- werden diese Regeln oft höflich ignoriert. Die EU hat hingegen Regeln und Gesetze
- für ihre Mitgliedsstaaten, die sowohl bindend als auch durchsetzbar sind. Denn der Europäische Gerichtshof kann verbindliche Entscheidungen treffen.
- Die EU wurde ursprünglich gegründet, um Frieden und Wohlstand zwischen den europäischen Staaten zu sichern,
- aber sie war auch der Versuch, den Stimmen ihrer Mitglieder auf internationaler Bühne
- mehr Gewicht zu verleihen. Sie ist wie ein Super-Staat, der anstrebt, demokratisch zu sein
- und von all seinen Bürgern legitimiert zu werden. Um das zu erreichen, muss die EU viele verschiedene Parteien
- und Meinungen unter einen Hut bringen. Und die Parteien sind hier auch noch ganze Länder.
- Wie funktioniert das also? Weil die EU wahnsinnig komplex ist
- und Politiker noch schlechter darin sind, Dingen einen Namen zu geben als Wissenschaftler,
- werden wir hier alles sehr vereinfacht darstellen und viele Details weglassen.
- Mehr dazu in unserem Quellendokument. Also!
- Wenn man unabhängige Staaten in einer demokratischen Union zusammenführen will,
- dann hat man zwei Optionen: 1. Jeder kann in seinem Land Politiker wählen,
- die dann zusammen für die Union Entscheidungen treffen. Oder: 2. Man lässt jeden Bürger direkt
- eine unabhängige Einrichtung wählen, die dann verbindliche Entscheidungen treffen kann.
- Beide Herangehensweisen haben Vor- und Nachteile und die EU hat am Ende beide gemischt.
- Neben dem Europäischen Gerichtshof gibt es vier weitere Einrichtungen, über die wir heute sprechen werden:
- Den Europäische Rat, der aus den Staats- und Regierungschefs der einzelnen Mitgliedstaaten besteht
- Den Rat der Europäischen Union, in dem die Minister der Mitgliedstaaten sitzen
- Die dritte ist die Europäische Kommission, die quasi die Regierung der EU darstellt
- und aus einem Kommissar pro Mitgliedsstaat besteht. Und als Letztes sprechen wir noch über das Europäische Parlament.
- Das Parlament ist der Teil der EU, der direkt gewählt wird, von dir, lieber Bürger, und zwar bei der Europawahl.
- Im Prinzip basiert die Zusammensetzung all dieser Organe direkt oder indirekt auf deiner Stimme.
- Ob auf nationaler Ebene oder auf EU-Level, bei manchen mehr als bei anderen.
- Wenn du zum Beispiel eine Partei in deinem Land wählst und dadurch zur Bildung der nationalen Regierung beiträgst,
- dann hast du Einfluss auf die Wahl des Staatsoberhaupts, das dann im Europäischen Rat sitzt.
- Die Staats- und Regierungschefs wählen dann den Präsidenten der EU-Kommission und die EU-Kommissare,
- die dann zuletzt noch vom EU-Parlament bestätigt werden. Diesbezüglich haben wir also eine indirekte Demokratie.
- Du hast die Kommission nicht direkt gewählt, aber dafür diejenigen, die sie ernennen und diejenigen, die sie bestätigen und überwachen.
- Das bedeutet also, dass 2,5 der 4 EU-Hauptorgane von den Regierungen der Mitgliedstaaten abhängen.
- Aber weil du als Bürger nur das Europäische Parlament direkt wählen kannst, fragen wir uns:
- Wie mächtig ist das Parlament? Und wie viel Einfluss hat deine Stimme?
- Das Europäische Parlament hatte ursprünglich nur wenig Einfluss, aber wurde in den letzten zwei Jahrzehnten immer mächtiger.
- Heute kann es zwar keine neuen Gesetzesentwürfe einbringen, muss ihnen aber zustimmen.
- Und diese Gesetze können verbindlich für alle EU-Staaten sein. Es stimmt außerdem darüber ab, wie das EU-Budget eingesetzt wird
- und über internationale Abkommen. Das verleiht dem Parlament sehr viel Macht
- und damit auch deiner direkten Stimme, sogar auf internationaler Ebene.
- Im Vergleich zu nationalen Parlamenten fehlt allerdings noch eine Sache.
- Das EU-Parlament kann wie gesagt, offiziell keine neuen Gesetzesvorschläge einbringen.
- Und das ist oft das Hauptargument für den Vorwurf, dass die EU nicht demokratisch genug sei,
- und dass das Parlament mehr Einfluss bekommen sollte. Im Moment wird die EU de facto von den Regierungen
- der Mitgliedstaaten kontrolliert. Würde man dem Parlament mehr Macht geben,
- würde die EU insgesamt demokratischer werden, aber die einzelnen Mitgliedstaaten würden Macht abgeben.
- Man kann nicht eindeutig sagen, welche Herangehensweise besser ist. Letztendlich liegt die Entscheidung über die Entwicklung der EU
- bei den Mitgliedstaaten und bei uns, den Bürgern. Okay, was können wir also daraus folgern?
- Insgesamt ist die EU nicht so demokratisch wie die meisten ihrer Mitgliedstaaten.
- Aber sie ist demokratisch. Wenn du Entscheidungen nicht gut findest, z.B. übers Urheberrecht,
- kannst du nachschauen, wie die Abgeordneten abgestimmt haben und sie aus dem Parlament rauswählen.
- Das Bemühen um mehr Demokratie ist eng mit der Machtverteilung innerhalb der EU verknüpft.
- Die EU befindet sich immer noch im Aufbau und damit im Wandel. Du, lieber Bürger, bestimmst nicht nur über ihre aktuelle Politik,
- sondern auch darüber, wie die EU in Zukunft aussehen wird. Es gibt viele Parteien und Politiker,
- die das EU-Parlament und damit dich, den Wähler, stärken wollen. Viele andere wollen den Status Quo beibehalten
- oder das Parlament sogar schwächen. Du kannst entscheiden, was du für die Zukunft der EU am besten findest.
- Momentan sind nationale Wahlen für die EU noch genau so wichtig wie die Europawahlen.
- Denn damit werden die Menschen gewählt, die heute noch den größten Einfluss in der EU haben.
- In den einzelnen Mitgliedsländern muss die EU oft als Sündenbock herhalten:
- Politiker tun besonders vor Wahlen gerne so, als wäre die EU wahnsinnig mächtig
- und würde den Regierungen und Bürgern Regeln und Gesetze aufzwingen, auch wenn sie häufig in Wahrheit selbst
- für Beschlüsse der EU verantwortlich sind. Demokratie ist nervig, anstrengend und oft sehr, sehr langweilig.
- Und auf EU-Ebene ist das sogar noch schlimmer als auf nationaler Ebene. Aber gerade weil wir in einer Demokratie leben,
- sind unsere Stimme und unser Engagement für die Gestaltung politischer Institutionen,
- mit unsere mächtigsten Werkzeuge als Bürger der EU. Die letzten Jahre haben gezeigt,
- dass Wahlen extreme Konsequenzen haben können. Wir müssen entscheiden, ob wir aktiv an diesem Prozess teilnehmen wollen.
- Wenn wir uns nicht am Machtkampf beteiligen, werden es andere tun. Und vielleicht wird uns nicht gefallen,
- was sie für uns entscheiden. Weil uns das Thema EU besonders am Herzen liegt,
- haben wir das Video gemeinsam mit Funk, in so viele europäische Sprachen wie möglich übersetzen lassen.
- Einige europäische YouTuber haben es eingesprochen und auf ihren Kanal geladen.
- Vielen Dank an alle YouTuber, die uns dabei geholfen haben. Ihr findet die Playlist mit allen Sprachfassungen in der Beschreibung.
- Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk 2019
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