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Sebastian Haffner: Bismarcks Reichsgründung 1871 (Radio-Beitrag)
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 266 Zeilen
- das kleindeutsche reich mit dem preußischen König als erbkaiser an der Spitze war seit 1848 das Ziel des deutschen liberalen Bürgertums aber
- gemacht wurde es im Winter 187071 nicht von den Liberalen Bürgern die es so heiß ersehnten sondern von den deutschen Fürsten die es zum großen Teil
- gar nicht wollten es war nicht die Errungenschaft einer deutschen bürgerlichen Revolution sondern das Produkt fast könnte man sagen das
- Nebenprodukt eines dynastischen Krieges zwischen Preußen und Frankreich sein Architekt war Bismark und mit Recht spricht man heute vom bismarkreich aber
- Bismark selbst hat lange geschwankt ob er den Anschluss der süddeutschen Staaten an den 1866 errichteten von Preußen beherrschten Norddeutschen Bund
- und die hochstilisierung des erweiterten Bundes zum Kaiserreich eigentlich wollte oder wollen sollte 1866 hatte er jedenfalls bewusst darauf
- verzichtet und das nicht nur aus diplomatischen Rücksichten sech Tage nach der Schlacht bei König grez setzt er den preuischen Botschafter in Paris
- die Gründe auseinander aus denen er sich damals entschieden hatte an der meinenlinie Halt zu machen und statt einer deutschen nur eine norddeutsche
- Einigung zu suchen ich spreche das Wort norddeutscher Bund unbedenklich aus weil ich es wenn die uns nötige Konsolidierung des Bundes gewonnen
- werden soll für unmöglich halte das süddeutschkaatholisch bayerische ement hineinzuziehen letzteres wird sich von Berlin aus noch für lange Zeit nicht
- gutwillig regieren lassen und der Versuch es gewaltsam zu unterwerfen würde uns dasselbe Element der Schwäche schaffen wie Süditalien dem dortigen
- gesamtstaate noch dr du verriber drei Wochen später an seinen Sohn was wir brauchen ist Norddeutschland und da wollen wir uns breit machen und die
- deutsche Nationalbewegung bezeichnete er damals in einem Telegramm an den Oberkommandierenden der präuischen meainarmee noch kurz weg als nationalen
- Schwindel ein Jahr später klang das allerdings schon ein bisschen anders Bismark hatte inzwischen mit den preußischen Liberalen seinen Frieden
- gemacht ja eine Art politisches Bündnis mit ihnen geschlossen und das bedeutete für ihn auch Rücksicht auf die nationalidee das eigentliche Kernstück
- des damaligen Liberalismus mindestens musste ja so etwas wie wohlwollende Neutralität gegenüber dem Gedanken eines Gesamtdeutschlands zeigen im märz
- 1867 schreibt Bismark wieder an seinen Pariser Botschafter man hat die meinlinie als eine Mauer zwischen uns und Süddeutschland aufrichten wollen und
- wir haben sie akzeptiert weil sie unserem Bedürfnis und unserem realen Interesse entsprach aber sollte man sich darüber
- getäuscht haben dass sie nicht eine wirkliche Mauer sondern gewissermaßen ein Gitter ist durch welches der nationale Strom seinen Weg findet auch
- dies ist noch nicht die Sprache eines entschlossenen reigungspolitikers und reichsgründers immer noch entspricht die meinenlinie in bismarks Augen unserem
- also dem preußischen Bedürfnis und realen Interesse wenn trotzdem der nationale Strom durch sie hindurch wie durch ein Gitter seinen Weg findet dann
- ist das gewissermaßen höhere Gewalt der man freilich Rechnung tragen muss dieser ambivalenten Haltung entspricht bismarks praktische Politik in diesem Jahr er
- schließt militärische Bündnisse mit den süddeutschen Staaten und er unterbaut den Zollverein mit einem zollparlament zu dem zum ersten Mal seit 1848 so etwas
- wie gesamtdeutsche Wahlen stattfinden aber gerade diese Wahlen zeigen dass ich inzwischen in Süddeutschland der antipreußische Affekt eher verstärkt hat
- die Mehrheit der Süddeutschen Abgeordneten besteht aus klerikalen partikularisten und großdeutschen Demokraten und Bismark ist sofort fast
- mit Erleichterung bereit sich damit abzufinden hier Bismark im mai 1898 die Wahlen zum zollparlament wie sie nun einmal ausgefallen sind haben gezeigt
- dass der Süden vorerst keine weitere Verbindung mit dem Norden haben will als zollvertrag und Allianzvertrag der Norden hat keinen
- Grund mehr zu verlangen denn militärisch ist die Verbindung mit dem Süden keine Verstärkung für uns strategisch genommen und politisch haben wir kein Bedürfnis
- uns mit den heterogenen Elementen im Süden zu verschmelzen wo man nicht weiß ob die partikularist oder die Demokraten die ärgeren Feinde Preußen sind wir
- fragen alle die nationale Einigung im Herzen aber für den rechnenden Politiker kommt zuerst das Notwendige und dann das Wünschenswerte also zuerst der Ausbau
- des Hauses und dann dessen Erweiterung erreicht Deutschland sein nationales Ziel noch im 19 Jahrhundert so erscheint mir das als etwas Großes und wäre es in
- Z oder gar F Jahren so wäre das etwas aus ordentliches ein unverhofftes Gnadengeschenk von Gott immerhin nennt er jetzt die deutsche Einheit anders als
- z Jahre zuvor oder selbst ein Jahr zuvor ein wünschenswertes Ziel aber sie bleibt für ihn eben ein Fernziel und daran hat sich auch ein weiteres Jahr später
- nichts geändert als bereits die Gefahr eines kriegerischen Zusammenstoßes mit Frankreich sich abzeichnet und zugleich mit ihr hoffnungsvolle Spekulationen
- auftauchen dass ein solcher Krieg von Nord und Süddeutschland gemeinsam geführt der deutschen Einigung eine günstige France bieten könnte Bismark
- antwortet am 26 februar 1869 dass die deutsche Einheit durch gewaltsame Ereignisse gefördert werden würde halte auch ich für wahrscheinlich
- aber eine ganz andere Frage ist der Beruf eine gewaltsame Katastrophe herbeizuführen und die Verantwortlichkeit für die Wahl des
- Zeitpunktes ein willkürliches nur nach subjektiven Gründen bestimmtes eingreif in die Entwicklung der Geschichte hat immer nur das Abschlagen unreifer
- Früchte zur Folge gehabt und dass die deutsche Einheit im Augenblick keine reife Frucht ist fällt meines Erachtens in die Augen nimmt man noch hinzu dass
- Bismark wieder ein Jahr später im februar 1870 ein badisches ersuchen um Aufnahmen den Norddeutschen Bund fast gereizt abwimmelt dann ergibt sich ein
- klares Bild seiner Einstellung es ist nicht das Bild eines Mannes der entschlossen und Ziel von langer Hand auf die nationale Einigung des
- nichtösterreichischen Deutschland lossteuert viel mehr hat sich Bismark mit dieser Idee nur zögernd gewissermaßen nachgebend angefreundet
- und etwas von lippendienst und möglichst auf die lange Bank schieben klingt noch in seinen positivsten Äußerungen durch man kann dieses Zögern und auf die lange
- Bank schieben auch gut verstehen Bismark war ein Preuße und er fürchtete mit Recht wie die spätere Geschichte gezeigt hat dass Preußen das deutsche Element
- weder beherrschen noch assimilieren könne dass es sich viel mehr in Deutschland auflösen verlieren würde Bismark war außerdem ein konservativer
- Junker und Monarchist und die nationale Einigung Deutschlands war eine bürgerlich liberale ja im letzten Grunde eine
- demokratischreublikanische Idee Bismark tut immer ein Stück von unserer Arbeit schrieb Engels 1870 an Marx in seiner Weise und ohne es zu wollen aber er tut
- doch aus Klassen und gesellschaftspolitischen ebenso wie aus patriotischpreußischen Gründen konnte ihm also nicht ganz wohl dabei sein
- allerdings war Bismark auch ein großer Realist und rein realpolitische erwegungen nötigten ihn zunehmend mit der nationalen Strömung zu rechnen und
- das Beste daraus zu machen wenn sie unwiderstehlich wurde dann durfte er sich ihr nicht hoffnungslos widersetzen sondern musste sich an ihre Spitze
- stellen um sie zu kontrollieren und zu steuern so dass sie möglichst weder noch die überlieferten deutschen feudalstrukturen hinwegschwemmte in der
- Praxis hieß das die deutsche Einigung durfte sich nur in der nüchternen Form des Beitritts der vier süddeutschen Staaten Bayern Würtemberg baden und
- hessen- dararmmstadt zum Norddeutschen Bund mit seiner fest etablierten preußischen Vorherrschaft vollziehen und sie durfte nicht von denen vollzogen
- werden die sie eigentlich wollten den liberalen Parteien und Parlamentariern sondern nur von denen die sie eigentlich nicht wollten den süddeutschen Monarchen
- denen dann auch ruhig erhebliche reservatrechte belassen bleiben konnten selbst eine gewisse scheinouveränität dafür konnte ja musste
- man das Ergebnis dann mit dem großen alteehrwürdigen Begriffen Kaiser und Reich drappieren und damit die nationale Fantasie und den nationalen Spieltrieb
- befriedigen und davon ablenken dass ein eigentlicher Nationalstaat immer noch nicht entstanden eine wirkliche mündig Erklärung der Nation nicht erfolgt
- war dieses außerordentliche Kunststück gelang Bismark im Winter 187071 vollkommen und man kann die
- Virtuosität die er dabei entfaltete nur bewundern und bestaunen freilich Dauer hat sein Werk nicht gehabt und das ist angesichts seiner Künstlichkeit kein
- Wunder bismarks Reichsgründung war eine Art grandioser Trick und Tricks auch die glänzendsten halten auf die Dauer nicht stand das Ereignis dass die nationale
- Bewegung in Deutschland unwiderstehlich machte und die Errichtung eines deutschen Nationalstaats unabweisbar auf die Tagesordnung setzte war der
- Deutsch-Französische Krieg vom Juli 1870 und der schnelle siegeszucht der Verbündeten deutschen Armeen im August und September die Frage ob Bismark
- diesen Krieg gewollt und bewusst herbeigeführt hat ist bis heute unter Historikern umstritten und kann hier nicht untersucht werden sie braucht auch
- nicht beantwortet zu werden denn eins ist sicher selbst wenn Bismark den Krieg gewollt hat dann bestimmt nicht um durch ihn den Anschluss der süddeutschen
- Staaten herbeizuführen mit dem hatte er es nicht eilig er war viel mehr völlig bereit ih zukünftigen Entwicklungen zu überlassen daran kann nach den zitierten
- Aussprüchen bismarx aus den vorangehenden Jahren die sich vervielfältigen ließen nicht der geringste Zweifel bestehen und alles
- andere ist leg aber der gemeinsam geführte Krieg hatte die deutsche Einigung nun einmal aktuell gemacht der preußische Kronprinz und der
- Großherzog von Baden beide fürstliche nationalliberale erkannten das ebenso wie die parlamentarischen Vertreter des Liberalismus die alle viel früher als
- Bismark mit einigungsvorschlägen zur Stelle waren der preußische Kronprinz schickte Bismark schon am 12 August eine Denkschrift in der es hieß zur endlichen
- Einigung des ganz deutschen Vaterlandes ist es unumgänglich notwendig und erforderlich die gegenwärtige großartige nationale Begeisterung welche durch die
- ersten glücklichen Erfolge der Verbündeten Waffen womöglich noch gehoben oder fester geworden ist nicht verrauchen zu lassen sobald mit Gottes
- Hilfe ein Sieg über die gesamte französische Armee errungen worden ist muss sofort ans Werk gegangen werden und drei Tage später schreibt der
- nationalliberal Abgeordnete Eduard Lasker an Bismark nachdem die Abwehr gesichert ist tritt die Frage über das Endziel des Krieges in den Vordergrund
- und sie beherrscht das Gespräch nicht bloß unter berufsmäßigen Politikern über territorialen Erwerb spreche ich nicht das Verlangen ist angeregt manchfache
- Verhältnisse werden darüber entscheiden aber die Grenzerweiterung war nicht der deutsche Zweck des Krieges und wird nicht der Preis sein welcher die Nation
- befriedigt dagegen darf ich aus Wahrnehmung als tiefe Überzeugung des Volkes bezeichnen dass Deutschland jetzt an Stelle der Verträge mit den
- süddeutschen Staaten die Staats Einheit in Form des Bundes gewinnen werde ein minderer Ausgang würde zu den schwersten Täuschungen zählen das Volk mit seinen
- großen Instinkten setzt als vollzogen voraus was es eifrig erfasst hat und nicht nur das Volk bismarks rechter Hand der Staatsminister und Präsident des
- Bundeskanzleramtes von Delbrück berichtet Mitte September aus dem Hauptquartier in rims dass im militärischen Hauptquartier die
- Herstellung der deutschen Einheit mit der kaiserlichen Spitze als eine Aufgabe angesehen werde acht siegreiche Schlachten in denen die Söhne aller
- deutschen Länder vereint gekämpft und geblutet hatten hatten im Bewusstsein der Armee die Einigung Deutschlands vollzogen und der Zauber den die Person
- des Königs auf Offiziere und Mannschaften des ganzen Heeres ausübte schien in der Kaiserkrone seinen natürlichen Ausdruck zu finden sachlich
- war alles fertig man brauchte nur zu wollen um alles auch formell in Ordnung zu bringen das durch große Taten und große Folge gehobene Bewusstsein
- übertrug ohne weiteres die Stimmung der Armee auf die einzelnen Staaten deren Kontingente die Armee bildeten und wollte deshalb jede andere Stimmung als
- unberechtigt ignorieren oder niederwerfen wer die Stimmung in Bayern und würtenberg anders ansah und weder von einer Ignorierung noch von einer
- Vergewaltigung etwas wissen wollte lief Gefahr für träge und kleinmütig wenn nicht für noch Schlimmeres zu gelten hier klingt von durch dass die nationale
- Begeisterung in Bürgertum und Armee von den süddeutschen Regierungen nicht unbedingt geteilt wurde und ähnlich in einem erlast des sächsischen Ministers
- von Friesen an den sächsischen Gesandten in München vom 10 September es würde gegen die Natur der Dinge sein wenn man sich dem Glauben hingeben wollte dass
- das deutsche Volk nach den Erlebnissen des Krieges wieder ruhig in die frühere Zerrissenheit zurückkehren und durch die Beibehaltung der meinlinie als einer
- unübersteiglichen Grenze des deutschen Nordens und Südens sich werde befriedigen lassen selbst diejenigen Regierungen in deren Staaten das
- nationale Bewusstsein noch nicht die Majorität der Bevölkerung durchdrungen haben sollte werden sich sagen müssen dass eine Enttäuschung nach solchen
- Erfolgen nicht zu einer Schwächung sondern zu einer wesentlichen Verstärkung der nationalen Bewegung hinführen müsste Sachsen das 1866 als
- besiegter in den Norddeutschen Bund hinein gezwungen war und sich dort als einziges königreicher als einzige einigermaßen substanziell Staat neben
- dem übermächtigen Preußen natürlich höchst unbehaglich eingezwät fühlte Sachsen hat ein offensichtliches Interesse an einer Erweiterung des
- Bundes nach Süddeutschland die ihm etwas Luft schaffen konnte am liebsten hätte es den Norddeutschen Bund wieder aufgelöst und durch einen anders
- konstruierten loseren gesamtdeutschen Bund ersetzt aber es hatte wenig Einfluss darauf und hat tatsächlich bei den Verhandlungen kaum eine aktive Rolle
- gespielt diese spielten sich ausschließlich zwischen Bismark auf der ein Seite und den vier süddeutschen Staaten auf der anderen Seite ab diese
- vier Staaten waren sehr verschieden eingestellt Baden beitrittswillig ja beitrittseifrig das kleine Hessen Darmstadt weniger eifrig aber
- resigniert Würtemberg Unentschieden und zögernd Bayern im Grunde ablehnend mindestens entschlossen nur das absolut unumgängliche zuzugestehen und so viel
- wie möglich von seiner Souveränität zu bewahren ja vielleicht sogar als an Gebietszuwachs für sich selbst herauszuschlagen Bayern war im übrigen
- natürlich der bei weitem größte älteste und selbstbewussteste Süddeutsche Staat es hielt den Schlüssel zum Erfolg oder Misserfolg der Verhandlung und es war
- sich dessen bewusst die Bahre Verhaltung ist sehr gut in einem Brief des bayerischen Gesandten in Berlin an seinen Ministerpräsidenten den Grafen
- Brei Steinburg charakterisiert nun meine ich muss die bayerische Regierung in Berücksichtigung der politischen Lage und gewisser
- notwendiger konquen des Krieges und der nationalen Stimmung in der deutschen Frage nämlich der künftigen Gestaltung Deutschlands Entgegenkommen bezeugen
- aber im Voraus sehr bestimmt die Grenze dieser Konzessionen gezogen haben von Bayern wird das Geschick Süddeutschlands abhängen die Grundsätze die du
- vertrittst mit deinen Kollegen verbürgen wohl dass der Krone und Selbständigkeit Bayerns nichts wird vergeben werden die Zeitverhältnisse sind zudem günstig
- indem mehr als je die Fürsten sich im monarchischen Interesse aneinander zu schließen haben die Achtung vor Bayern und die Anerkennung seiner Leistung die
- es aus eigener selbständiger Kraft vollbracht hat ist so groß dass man mit uns rechnen wird wie verhielt sich nun Bismark in dieser Lage man kann nur
- sagen außerordentlich vorsichtig und zurückhaltend dem würtenbergischen Kriegsminister sagte er am 17 September unser Grundsatz war und ist wie Sie
- wissen Süddeutschland keinen Zwang anzutun und gegen Bundesgenossen W wäre dies nun vollends unmöglich also erwarten wir in der deutschen Sache ihr
- freiwilliges Anerbieten um aber dieselbe anzuregen so viel wir vermögen haben wir eine fürstenzusammenkunft von Preußen Bayern und würtberg in versaai
- vorgeschlagen diese fürstenzusammenkunft war zunächst bismarks einzige Initiative sie sollte offiziell der gemeinsamen Unterzeichnung eines Friedensvertrages
- mit Frankreich dienen der im September und Oktober näher schien als in den folgenden Monaten das friedensinstrument sollte von sämtlichen Verbündeten
- deutschen Fürsten gewissermaßen mit dem degenknopf wie Bismark sich ausdrückte unterzeichnet werden und Bismark mochte vielleicht hoffen bei einer solchen
- emotionsgeladenen Gelegenheit den Beitritt der Süddeutschen Monarchen zum norddeutschen Bunde gewissermaßen nebenbei im Handstreich unter Dach und
- Fach zu bringen aber aus diesem versajer fürstenkongress wurde nichts nicht nur weil die friedenssondierungen mit Frank Reich sich zunächst wieder
- zerschlugen sondern weil der bayerische König Ludwig I i sich jeder Einladung standhaft verweigerte seinem hofsekretär ließ er mitteilen mit jedem Tag haben
- Majestät mehr die Überzeugung wie unmöglich es ihm ist die in Aussicht stehende Reise nach Frankreich anzutreten Majestät glauben daher dass
- es notwendig ist irgendeine Krankheit vorzuschützen z.B sehnendehnung und möchte Herr Hofrat Sorge tragen dass dieses unter dem
- Publikum und den Soldaten bekannt werde dementsprechend erhielt dann auch Bismark auf die Ankündigung einer offiziellen Einladung aus München die
- kühle Antwort beehre mich im Auftrage seiner Majestät euer Exzellenz mitzuteilen dass Allerhöchst dieselben wegen sehenverdehnung keinesfalls nach
- versaai kommen können überhaupt hatte Ludwig I i seine eigene Art sich gegenüber den unangenehmen Dingen die auf sich zukommen sah tot zu stellen
- dbrück den Bismark Ende September nach München geschickt hatte um um die bayerische Haltung zu sondieren und womöglich einen verhandlungsvorschlag
- herauszulocken berichtete mit offenbarem Befremden meine über eine Stunde dauernde Audienz hatte einen unerwarteten Verlauf über den Zweck
- meiner Anwesenheit in München fiel kein Wort der König erwähnte ihn nicht und ich schwieg weil ich den Anschein vermeiden musste als wäre ich gekommen
- um Zugeständnisse von Bayern zu begehren den größten Teil der Zeit füllte der König mit kirchenpolitischen Darlegungen vor zwei Monaten war das Dogma der
- päbstlichen Unfehlbarkeit verkündet worden und der König begründete in klarem und elegantem Vortrage und mit einer staunenswerten Kenntnis des
- Kirchenrechts die Stellung welche er einzunehmen habe um den Staat vor den Folgen dieses gefährlichen Dogmas zu schützen und seine Zweifel an der
- ferneren Haltbarkeit des Systems das Preußen der Kurie gegenüber befolge alsbrück dann doch einmal vorsichtig auf seinen eigentlichen Auftrag zu sprechen
- kam leuchtete das des Königs auf aber nur einen Augenblick mit einer ausweichenden Redewendung ließ er den Gegenstand fallen Ende September schien
- daher alles ins Stocken gekommen ehe es richtig angefangen hatte dass es dann im Oktober und November schließlich doch zu Beitrittsverhandlungen kam ist Baden zu
- verdanken am 3 oktober stellte es im Alleingang den offiziellen Antrag auf Eintritt in den Norddeutschen Bund daraufhin entschlossen sich auch Hessen
- Darmstadt und Würtemberg Beitrittsverhandlungen aufzunehmen und eine gewisse isolierungsfurcht zusammen mit dem
- Wunsch die Verhandlungen der anderen zu beeinflussen bestimmte nun auch Bayern eine Verhandlungsdelegation nach versai zu entsenden der Ministerpräsident Graf
- Brei Steinburg der sie führte und der kein Preußen Freund war kam mit weitgesteckten Zielen entweder Auflösung des Norddeutschen Bundes und Neugründung
- eines weitloseren Deutschen Bundes der im Grunde allen Teilnehmern ihre Selbständigkeit ließ oder unter Teilung Deutschlands in einen norddeutschen und
- einen süddeutschen Bund der eine unter preußischer der andere unter bayerischer Vorherrschaft aus beidem wurde nichts das erste erklärte Bismark von vor rein
- als unannehmbar das zweite scheiterte an den anderen süddeutschen Staaten die sich in getrennten Verhandlungen und unter verschiedenen Sonderbedingungen
- einer nach dem anderen zum Eintritt in den Norddeutschen Bund bereit fanden die Verhandlungen waren konfus ärgerlich und oft gereizt versai war ein hererl
- von einer ruhigen konferenzatmosphäre konnte keine Rede sein der wieder auflebende Krieg die drohende Intervention der europäischen Mächte
- wachsende Spannungen zwischen Bismark und Moltke beherrschten die Szene und drängten die Verhandlungen mit den süddeutschen Staaten in den Hintergrund
- Bismark selbst der sie sozusagen in den Pausen anderer drängender Geschäfte unterbringen musste klagte es ist eine sehr schwere Verantwortung für mich hier
- allein Verträge abzuschließen und Abmachungen zu treffen die für die Zukunft von entscheidendster Bedeutung sind ich bin in schlecht geregelter
- Verbindung mit der Heimat habe keine Akten zuur Hand und doch muss ich entscheiden dies nehme ich an jenes nicht ich setze mich der herbsten Kritik
- für mein ganzes Leben aus wenn die mit den süddeutschen Staaten getroffenen Abmachungen übel ausschlagen und doch lässt der Erfolg sich so wenig
- vorausberechnen wie der nächste Abzug im Pharao Mitte November war man sich mit baden Hessen und Würtemberg ziemlich einig mit Bayern immer noch weit
- auseinander und Bismark entschloss sich schließlich zunächst nur mit den drei kleineren Staaten abzuschließen wohl auch um damit das isolierte Bayern unter
- leichten Druck zu setzen dann sprang im letzten Moment Würtemberg wieder ab ohne Bayern wollte es nicht mitmachen so wurde am 15 November zunächst nur ein
- beitrittsprotokoll mit Baden und Hessen Darmstadt unterzeichnet gewiss ein magerussehender Erfolg der badische Ministerpräsident Jolli schrieb an seine
- Frau ich hatte mir den Augenblick in welchem diese seit Jahren von mir mit so mancher Mühe erstrebte Ziel erreicht sei brillanter gedacht als er in
- Wirklichkeit war er war mir nämlich infolge meines alten mit ziemlicher Heftigkeit aufgetretenen Übels nichts weniger als reizend und ich hatte stets
- nur den einen Wunsch im Kopf ich wollte es wäre vorüber und als wir nach dreistündiger ermüdender Diskussion über allerlei Nebenfragen endlich zu Biss zur
- Unterschrift kamen klagte auch er über Unwohlsein seine Galle sei ruiniert und so schlage ihm jeder Ärger auf den Magen und Moltkes Mitarbeiter bronsart von
- schellendorf der allerdings einen ständigen Groll gegen Bismark hegte notierte am 20 November in seinem Tagebuch beinah
- schadenfroh ein gewisses Gefühl des missbehagens lastet auf Graf Bismark er hat entschieden das Gefühl in diesem Kriege eine untergeordnete Rolle zu
- spielen denn bisher hat er Soldat noch alles der Diplomat noch nichts vor sich gebracht die kleinen politischen Kunststücke haben sich als Spinngewebe
- erwiesen das war nun freilich voreilig geurteilt denn gerade in diesen Tagen kam Bismark schließlich doch auch mit den Bayern zu stule im Wesentlichen
- allerdings durch großzügiges nachgeben Bayern blieb auch nach seinem Beitritt zum Bund der nun in Deutsches Reich umgetauft werden sollte ein fast
- souveräner Staat mit eigener Post und Eisenbahn weitgehender eigener Steuerhoheit eigener Armee unter eigenem oberbefehlen Friedenszeiten sogar dem
- Recht eigene diplomatische Vertretungen zu unterhalten Graf Brei Steinburg schrieb befriedigt an seine Frau was mich betrifft so nehme ich das feste
- Bewusstsein von hiermit dass in dem von uns vorbereiteten Abkommen die günstigsten Bedingungen enthalten sind die unter den gegenwärtigen
- Verhältnissen zu erlangen irgend möglich war und Bismark selbst äußerte sich am Abend nach der Unterschrift im Kreise seiner engsten mit Mitarbeiter die
- Zeitungen werden nicht zufrieden sein und wer einmal in der gewöhnlichen Art Geschichte schreibt kann unser Abkommen tadeln er kann sagen der Dumme Kerl
- hätte mehr fordern sollen er hätte es erlangt sie hätten gemusst und er kann recht haben mit dem müssen mir aber lag mehr daran dass die Leute mit der Sache
- innerlich zufrieden waren was sind Verträge wenn man muss und ich weiß dass sie vergnügt fortgegangen sind ich wollte sie nicht pressen die Situation
- nicht ausnutzen der Vertrag hat seine Mängel aber er ist so fester was fehlt mag die Zukunft beschaffen nach Bayern unterzeichnete nun auch Würtemberg und
- Bismark hatte insofern recht als er schon nach der bayerischen Unterzeichnung bemerkte die deutsche Einheit ist gemacht und der Kaiser auch
- aber es war eine sehr lockere etwas fadenscheinige Einheit und der pomphafte Kaisermantel war sehr notwendig um ihre Unvollkommenheiten zu verdecken mit dem
- Kaiser aber hatte es seine besondere Bewandtnis an sich wäre der Beitritt der vier süddeutschen Staaten zum Norddeutschen Bund mit dem sie ja schon
- vorher durch Militärbündnisse und Zollunion eng verbunden waren kein epochales Ereignis gewesen zumal dem wichtigsten von ihnen Bayern fast volle
- Souveränitätsrechte vorbehalten blieben es war die umtaufe des erweiterten Norddeutschen Bundes in Deutsches Reich und die Erhebung des Königs von Preußen
- zum deutschen Kaiser was die F sie beflügelte dem Nationalgefühl Befriedigung oderersatzbefriedigung bot und der Welt
- die Geburt ein der neuen europäischen Großmacht signalisierte in dieser scheinbar nur äußerlichen nur symbolischen Handlung aber Symbole sind
- mächtig darin lag bismx eigentlich genialer Trick denn er gab damit den bürgerlichen Liberalen die ja damals zugleich Romantiker waren das was seit
- 1848 Ihr Traumziel gewesen war und doch verbaute er gerade damit den Weg zu ihrem eigentlichen uneingestandenen realziel dem bürgerlich
- parlamentarischen Nationalstaat denn nichts konnte monarchisch feudaler sein als die mittelalterliche Kaiser und Reichsidee und über dies sorgte Bismark
- dafür dass keine Nationalversammlung und kein Reichstag den Kaiser kürte sondern ausschließlich die deutschen Fürsten freilich hatte Bismark gerade hiermit
- seine größten Schwierigkeiten und seinen größten Ärger er war sich von vornherein klar darüber dass das Angebot der Kaiserkrone von dem mächtigsten der
- deutschen Fürsten dem bayerischen König kommen musste aber der wollte ganz und gar nicht und ebensow wenig wollte der König von Preußen deutscher Kaiser
- werden was soll mir der charaktermajor rief er unwillig aus aber Bismark überwandt beide wie er den Widerstand Ludwigs des
- ien von Bayern überkam das ist das dramatischste aber auch peinlichste Kapitel dieser Geschichte es ist erst in unseren Tagen enthüllt
- worden und noch heute versucht man hier und da der Wahrheit auszuweichen aber sie ist nicht mehr abzuugnen Bismark hat Ludwig den i ganz schlicht bestochen und
- zwar durch Vermittlung eines dunklen Ehrenmannes des oberststallmeisters Graf Holnstein in München rossober genannt dessen
- unerklärlicher Einfluss auf den König manches Gerede verursacht hat 4720 000 Goldmark die Bismark dem welfenfond also dem Vermögen des 1866
- abgesetzten hannoverischen Königshauses entnahm erhielt Ludwig I i für seine Privatschatulle er hat davon die meisten seiner berühmten Schlösser gebaut Graf
- Holenstein der im Spätherbst 1870 dreimal zwischen Versailles und München in aller Heimlichkeit hin und her reiste um das Geschäft zu vermitteln verdiente
- dabei eine Provision von 480 000 Goldmark worüber sich die Wittelsbacher später bitter be kagten die Sache entschied sich in den
- letzten November und 1 Dezembertagen am 21 November schrieb der Onkel Ludwig Z Prinz Lid Po noch an seinen Neffen was die auch mir in der Seele verhasste
- deutsche Kaiseridee betrifft so begreife ich vollkommen dass du lieber Ludwig nicht geneigt bist dem König von Preußen vorzuschlagen den Titel eines deutschen
- Kaisers anzunehmen und stimme vollkommen deinem Entschlusse bei dies nicht zu tun aber dieser Entschluss wird schon zwei Tage später umgestoßen am 23 November
- schreibt Ludwig an seinen Bruder Otto dem er freilich die finanziellen Hintergründe seines umfalls verschweigt so ist es so schauderhaft und
- entsetzlich es immerhin bleibt ein Akt von politischer Klugheit wenn der König von Bayern jenes Anerbieten stellt da die Sachen so stehen so gebietet es das
- Interesse wenn die übrigen Fürsten oder gar das Volk von mir überflügelt werden jammervoll ist es dass es so kam aber nicht mehr zu ändern
- Otto antwortet als ich deinen Brief gelesen kamen heiße Tränen in meine Augen und noch jetzt schmerzt mich die erschütternde Mitteilungen die du mir
- gemacht so oft sie mir wieder in den Sinn kommt hören noch einmal meine Stimme ich beschwöre dich das schreckliche nicht zu tun indes umsonst
- am 29 November trifft der rossober mit dem von wismark selbst für den bayischen König zur Abschrift aufgesetzten kaiserbrief in München ein wissen
- Exzellenz soll er gesagt haben schreiben es gleich selbst einen Brief auf so wie er sein soll sonst gibt's hinten nach doch wieder
- anständ die entscheidende Szene die sich danach beim König abgespielt hat hat Hollenstein 1876 dem Grafen Eulenburg gefildert der sich wie folgt
- aufgezeichnet hat in hohens Schwangau angekommen habe er nicht Zutritt zu seiner Majestät erlangen können der König habe sich sobald er von
- hollensteins Ankunft gehört sofort zu Bette gelegt und Zahnschmerzen bekommen nach vergeblichem Warten von morgens 10 Uhr bis nachmittags 34 Uhr habe er
- seiner Majestät melden lassen dass er Punkt 6 Uhr die Rückreise nach versaill antreten und bis dahin eine allerhöchste Antwort haben müsse darauf sei er
- endlich vorgelassen worden und habe nun mit dem im Bette liegenden und ganz in Decken gewickelten König bis 4:30 Uhr einen harten Kampf gehabt umso
- peinlicher als Seine Majestät ihm nicht mit sachlichen Gründen widersprochen habe sondern ihn mit allerlei nichtigen vorwenden hinzuhalten gesucht hätte Graf
- Hollenstein sei endlich dazu gekommen dem Könige den mit Graf Bismark vereinbarten von Graf Brei im Eisenbahn Coupe redigierten Entwurf zu dem Briefe
- vorzulesen und habe nun die letzte Viertelstunde mit der Uhr in der Hand dem König wiederholt dass er Hollenstein um sein Wort einzulösen und zur
- verabredeten Zeit wieder in versaai zu sein Schlag 6 Uhr von hohen Schwangau abreisen müsse habe seine Majestät den Brief bis dahin nicht geschrieben so
- wäre diese Phase unwiderbringlich vorbei und man werde sich in versaai anders zu helfen wissen der König sei gewiss vollkommen frei zu tun und zu lassen was
- er wolle aber Hollenstein als es königst treuergebener Diener müsse seiner Majestät zu bedenken geben dass das in Frage stellen des vom deutschen Volke
- verlangten Kaisertums durch übel wollen des Königs von Bayern dessen Truppen vor Paris Ständen und dort vielleicht den Kaiser ohne Befehl ausru würden den
- widerstrebenden König dem eigenen Volke gegenüber in eine Lage bringen müsste welcher seine Majestät sich am besten durch einen aufentthalt in der Schweiz
- entziehen würde der König sei nun aufgestanden und an den Schreibtisch gegangen habe dann aber wieder erklärt wegen Mangels an
- passendem Papier nicht schreiben zu können Holenstein habe um die Erlaubnis gebeten Schellen zu dürfen bevor er dies aber ausgeführt sei das Papier auf
- einmal da gewesen und der König habe nun geschrieben ohne ein Wort zu sagen dieser Bericht klingt im Großen und Ganzen glaubwürdig nur das Hollenstein
- den eigentlichen Nervus rerum dabei wohlweißlich aussparte sicher war dem König Ludwig de II die ganze Transaktion peinlich und
- widerwärtig zur Bestechung musste wohl auch noch ein wenig Erpressung kommen die Hollenstein selbst materiell interessiert auf sich nahm er selbst
- hatte weniger Skrupel und war offensichtlich über glücklich den Kuh seines Lebens gemacht zu haben auf dem Rückweg nach versaai notierte er sich
- auf der Manchette den Namen des lokomotivführers der gute Mann sollte auch eine Belohnung abbekommen die Zahlungen an Ludwig I II der zur
- Kaiserproklamation nicht erschien begannen im März 1871 Bismark Sekretär und Chronist Moritz Buff notiert dass der Kanzler als Hollenstein zu ihm
- gekommen ihn sofort in seinem Schlaf und Arbeitszimmer empfangen und bald nachher Champagner bestellt habe das war am 2 dezember und damit war das bayerische
- Hindernis genommen aber am folgenden Tage schon zeigte sich an Beiner ebenso schweres der König von Preußen wollte die neue würde nicht sein Sohn der
- spätere Kaiser Friedrich schrieb am Abend in seinem Tagebuch nach dem Essen bekannte ich seiner Majestät meine Neugierde wegen des mir zu Ohren
- gekommenen Gerüchts und erhielt infolg dessen die Erlaubnis dem gerade angesetzten Vortrag des en Bismark beizuwohnen welcher darauf den königlich
- bayerischen Brief vorlas seine Majestät war über den Inhalt dieses Brief ist ganz außer sich vor Unwillen und wie geknickt er scheint demnach nicht zu
- ahnen dass das Konzept von hier aus nach München gegangen ist der König war heute nicht umzustimmen und sah in Kaiser und Reich eigentlich nur ein Kreuz für sich
- selbst wie auch für das preuische Königtum überhaupt der König leistete noch wochenlang hinhaltenden Widerstand der zum Z Schluss die Form annahmen dass
- er den Titel deutscher Kaiser ablehnte und verlangte Kaiser von Deutschland tituliert zu werden wobei er sicher sein durfte dass ihm die damit ausgedrückte
- direkte territorialhoheit von seinen mitfürsten nicht zugestanden werden würde Bismark der so viel Widerstand gerade von dieser Seite nicht erwartet
- haben mochte schrieb an seine Frau ich hatte mehrmals das dringende Bedürfnis eine Bombe zu sein und zu platzen dass der ganze Bau in Trümmer gegangen wäre
- nötige Geschäfte greifen mich wenig an aber die unnötigen verbittern noch am Tage vor der auf den 18 januar 1871 anberaumten feierlichen
- Kaiserproklamation war der Widerstand des Königs nicht gebrochen und alles schien im letzten Augenblick gefährdet der Großherzog von Baden der das
- kaiserhoch ausbrachte umging schließlich die Schwierigkeit indem er weder den deutschen Kaiser noch den Kaiser von Deutschland sondern Kaiser Wilhelm den
- Sieg reichen hochleben ließ diese Kaiserproklamation für die der sonst als Lazarett dienende Spiegelsaal des versailla Schlosses von
- Verwundeten geräumt worden war ist von dem Maler Anton von Werner in einem berühmten Bilde verewigt worden der Kronprinz hatte ihm telegraphisch
- bestellen lassen dass sie hier etwas ihres Pinsels würdiges erleben werden wenn sie vor dem 18 Januar hier eintreffen können und ist lange Zeit in
- Deutschland als Reichsgründung Tag gefeiert worden tatsächlich war der 18 Januar nicht der reichsgründungstag nach den Verträgen
- mit den süddeutschen Staaten trat das Deutsche Reich am 1 Januar 1871 in Kraft die Ratifizierung des bayerischen Vertrages erfolgte dann aber erst am 21
- januar und die Organe des neuen Reichs namahmen erst im März 1871 ihre Tätigkeit auf der Beginn des Deutschen Reichs ist ebenso schwierig genau zu
- datieren wie sein Ende jedenfalls fand er nicht am 18 Januar statt die Feier vom 18 Januar war auf diesen Tag gelegt worden weil es der Tag der Krönung des
- ersten preußischen Königs 1701 gewesen war sie stellte eine Art Konzession an das preußische Gefühl des neuen Kaisers da und gestaltete sich wie
- einer der Teilnehmer sich ausdrückte zu einer Art preußischer Hausandacht von geistlich militärischem Charakter ihren Mittelpunkt bildete eine Predigt des
- Berliner hofpredigers und div visionsfahrers Rogge eine taktlose Rede voll preußischer selbstvergötterung wie der anwesende Johann Georg von Sachsen
- nachher bemerkte und auch Bismark hörte ihr mit ingrim zu mehr als einmal dachte ich bei mir warum kann ich diesem Pfaffen nicht einen Leib jede Thronrede
- muss vorher Wort für Wort beraten werden und dieser Pfaffe darf sagen was ihm gerade einfällt auch sonst herrschte keine gute Stimmung an jenem 18 Januar
- ammelten fürstlichkeiten begrüßte einer von ihnen Georg Albert von Schwarzburg rudolfstadt mit bitterem Sarkasmus seid gegrüßt mit wasasallen König Ludwig von
- Bayern fehlte sein Bruder Otto der IH vertrat schrieb ihm nachher ach Ludwig ich kann Dir gar nicht beschreiben wie unendlich weh und schmerzlich es mir
- während jener Zeremonie zumute war wie sich jede Phase in meinem Innern sträubte und empörte gegen all das was ich mit ansah alles so so stolz so
- glänzend so prunkend und großurisch und herzlos und leer endlich drängte man sich durch diese knuel zurück und aus dem Saale hinaus mir war so eng und
- Schal in diesem Saale erst draußen in der freien Luft atmete ich wieder auf dieses wäre also vorbei und der neue Kaiser war kaum weniger unglücklich er
- schrieb an die Kaiserin eben kehre ich vom Schlosse nach vollbrachtem kaiserakt zurück ich kann dir nicht sag agen in welcher morosen Emotion ich in diesen
- letzten Tagen war teils wegen der hohen Verantwortung die ich nun zu übernehmen habe teils und vor allem über den Schmerz den preußischen Titel verdrängt
- zu sehen in einer Konferenz gestern mit Fritz bissmark und Schleinitz war ich zuletzt so Moros dass ich drauf und dran war zurückzutreten und Fritz alles zu
- übertragen der alte König hatte so unrecht nicht mit seinem Schmerz den preußischen Titel verdrängt zu Seen wenn man heute mit 100 Jahren Abstand
- zurückblickt kann man in dem was damals geschah in der Tat deutlich den Anfang vom Ende preusens erkennen es ist mehr und mehr im Reich aufgegangen und
- schließlich mit dem Reich untergegangen merkwürdig Preußen gibt es nicht mehr aber Bayern gibt es durchaus noch was das bismarkreich selbst betriff
- so war es zunächst im deutschen Volksbewusstsein ein ungeheurer Erfolg fast ein halbes jahund lang galt es als so etwas wie die natürliche Form
- deutscher Einheit und das vorbestimmte Happy End der deutschen Geschichte das war es nicht es war eine Kunstschöpfung und es hat so wie es 1870 gegründet
- wurde wenig Dauerhaftigkeit bewiesen es hat nur etwa dreiviertel Jahrhunderte existiert und es hat in dieser kurzen Zeit seine Form zweimal von Grund
- aufgewandelt und es hat heute anderen Formen deutscher Staatlichkeit Platz gemacht es war wie man früher gesagt hätte kein
- Segen daran heute ist bismarks Reichsgründung Geschichte und ferne Geschichte die staatlichen und gesellschaftlichen Kräfte die in ihr
- wirksam waren gehören heute ebenso der Vergangenheit an wie das Reich selbst mit einer Ausnahme vielleicht ein gewisses deutsches Nationalgefühl gibt
- es auch heute noch wenn auch kaum eine wirklich lebendige Nationalbewegung wie die der vor 100 Jahren eine so merkwürdige feinerfüllung
- befehrt wurde aber dieses Nationalgefühl ist mit keinen restaurationswünschen verbunden zum Deutschen Reich führt kein Weg zurück
- wie es der letzte Chronist der Reichsgründung Professor Ernst Deuerlein ausgedrückt hat die erstrebte Wiederherstellung der nationalen Einheit
- des deutschen Volkes bedeutet nicht die Wiedereinsetzung des Deutschen Reiches wieder vereinigtes Deutschland würde mit dem Deutschen Reich so wie es
- 187071 geschaffen worden war noch weniger gemeinsam haben als dieses mit dem 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gemein
- hatte
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