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Sebastian Haffner: Bismarcks Reichsgründung 1871 (Radio-Beitrag)

Germania: Deutsche Geschichte, Politik & Kultur41:47 57.694 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 266 Zeilen
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  1. das kleindeutsche reich mit dem preußischen König als erbkaiser an der Spitze war seit 1848 das Ziel des deutschen liberalen Bürgertums aber
  2. gemacht wurde es im Winter 187071 nicht von den Liberalen Bürgern die es so heiß ersehnten sondern von den deutschen Fürsten die es zum großen Teil
  3. gar nicht wollten es war nicht die Errungenschaft einer deutschen bürgerlichen Revolution sondern das Produkt fast könnte man sagen das
  4. Nebenprodukt eines dynastischen Krieges zwischen Preußen und Frankreich sein Architekt war Bismark und mit Recht spricht man heute vom bismarkreich aber
  5. Bismark selbst hat lange geschwankt ob er den Anschluss der süddeutschen Staaten an den 1866 errichteten von Preußen beherrschten Norddeutschen Bund
  6. und die hochstilisierung des erweiterten Bundes zum Kaiserreich eigentlich wollte oder wollen sollte 1866 hatte er jedenfalls bewusst darauf
  7. verzichtet und das nicht nur aus diplomatischen Rücksichten sech Tage nach der Schlacht bei König grez setzt er den preuischen Botschafter in Paris
  8. die Gründe auseinander aus denen er sich damals entschieden hatte an der meinenlinie Halt zu machen und statt einer deutschen nur eine norddeutsche
  9. Einigung zu suchen ich spreche das Wort norddeutscher Bund unbedenklich aus weil ich es wenn die uns nötige Konsolidierung des Bundes gewonnen
  10. werden soll für unmöglich halte das süddeutschkaatholisch bayerische ement hineinzuziehen letzteres wird sich von Berlin aus noch für lange Zeit nicht
  11. gutwillig regieren lassen und der Versuch es gewaltsam zu unterwerfen würde uns dasselbe Element der Schwäche schaffen wie Süditalien dem dortigen
  12. gesamtstaate noch dr du verriber drei Wochen später an seinen Sohn was wir brauchen ist Norddeutschland und da wollen wir uns breit machen und die
  13. deutsche Nationalbewegung bezeichnete er damals in einem Telegramm an den Oberkommandierenden der präuischen meainarmee noch kurz weg als nationalen
  14. Schwindel ein Jahr später klang das allerdings schon ein bisschen anders Bismark hatte inzwischen mit den preußischen Liberalen seinen Frieden
  15. gemacht ja eine Art politisches Bündnis mit ihnen geschlossen und das bedeutete für ihn auch Rücksicht auf die nationalidee das eigentliche Kernstück
  16. des damaligen Liberalismus mindestens musste ja so etwas wie wohlwollende Neutralität gegenüber dem Gedanken eines Gesamtdeutschlands zeigen im märz
  17. 1867 schreibt Bismark wieder an seinen Pariser Botschafter man hat die meinlinie als eine Mauer zwischen uns und Süddeutschland aufrichten wollen und
  18. wir haben sie akzeptiert weil sie unserem Bedürfnis und unserem realen Interesse entsprach aber sollte man sich darüber
  19. getäuscht haben dass sie nicht eine wirkliche Mauer sondern gewissermaßen ein Gitter ist durch welches der nationale Strom seinen Weg findet auch
  20. dies ist noch nicht die Sprache eines entschlossenen reigungspolitikers und reichsgründers immer noch entspricht die meinenlinie in bismarks Augen unserem
  21. also dem preußischen Bedürfnis und realen Interesse wenn trotzdem der nationale Strom durch sie hindurch wie durch ein Gitter seinen Weg findet dann
  22. ist das gewissermaßen höhere Gewalt der man freilich Rechnung tragen muss dieser ambivalenten Haltung entspricht bismarks praktische Politik in diesem Jahr er
  23. schließt militärische Bündnisse mit den süddeutschen Staaten und er unterbaut den Zollverein mit einem zollparlament zu dem zum ersten Mal seit 1848 so etwas
  24. wie gesamtdeutsche Wahlen stattfinden aber gerade diese Wahlen zeigen dass ich inzwischen in Süddeutschland der antipreußische Affekt eher verstärkt hat
  25. die Mehrheit der Süddeutschen Abgeordneten besteht aus klerikalen partikularisten und großdeutschen Demokraten und Bismark ist sofort fast
  26. mit Erleichterung bereit sich damit abzufinden hier Bismark im mai 1898 die Wahlen zum zollparlament wie sie nun einmal ausgefallen sind haben gezeigt
  27. dass der Süden vorerst keine weitere Verbindung mit dem Norden haben will als zollvertrag und Allianzvertrag der Norden hat keinen
  28. Grund mehr zu verlangen denn militärisch ist die Verbindung mit dem Süden keine Verstärkung für uns strategisch genommen und politisch haben wir kein Bedürfnis
  29. uns mit den heterogenen Elementen im Süden zu verschmelzen wo man nicht weiß ob die partikularist oder die Demokraten die ärgeren Feinde Preußen sind wir
  30. fragen alle die nationale Einigung im Herzen aber für den rechnenden Politiker kommt zuerst das Notwendige und dann das Wünschenswerte also zuerst der Ausbau
  31. des Hauses und dann dessen Erweiterung erreicht Deutschland sein nationales Ziel noch im 19 Jahrhundert so erscheint mir das als etwas Großes und wäre es in
  32. Z oder gar F Jahren so wäre das etwas aus ordentliches ein unverhofftes Gnadengeschenk von Gott immerhin nennt er jetzt die deutsche Einheit anders als
  33. z Jahre zuvor oder selbst ein Jahr zuvor ein wünschenswertes Ziel aber sie bleibt für ihn eben ein Fernziel und daran hat sich auch ein weiteres Jahr später
  34. nichts geändert als bereits die Gefahr eines kriegerischen Zusammenstoßes mit Frankreich sich abzeichnet und zugleich mit ihr hoffnungsvolle Spekulationen
  35. auftauchen dass ein solcher Krieg von Nord und Süddeutschland gemeinsam geführt der deutschen Einigung eine günstige France bieten könnte Bismark
  36. antwortet am 26 februar 1869 dass die deutsche Einheit durch gewaltsame Ereignisse gefördert werden würde halte auch ich für wahrscheinlich
  37. aber eine ganz andere Frage ist der Beruf eine gewaltsame Katastrophe herbeizuführen und die Verantwortlichkeit für die Wahl des
  38. Zeitpunktes ein willkürliches nur nach subjektiven Gründen bestimmtes eingreif in die Entwicklung der Geschichte hat immer nur das Abschlagen unreifer
  39. Früchte zur Folge gehabt und dass die deutsche Einheit im Augenblick keine reife Frucht ist fällt meines Erachtens in die Augen nimmt man noch hinzu dass
  40. Bismark wieder ein Jahr später im februar 1870 ein badisches ersuchen um Aufnahmen den Norddeutschen Bund fast gereizt abwimmelt dann ergibt sich ein
  41. klares Bild seiner Einstellung es ist nicht das Bild eines Mannes der entschlossen und Ziel von langer Hand auf die nationale Einigung des
  42. nichtösterreichischen Deutschland lossteuert viel mehr hat sich Bismark mit dieser Idee nur zögernd gewissermaßen nachgebend angefreundet
  43. und etwas von lippendienst und möglichst auf die lange Bank schieben klingt noch in seinen positivsten Äußerungen durch man kann dieses Zögern und auf die lange
  44. Bank schieben auch gut verstehen Bismark war ein Preuße und er fürchtete mit Recht wie die spätere Geschichte gezeigt hat dass Preußen das deutsche Element
  45. weder beherrschen noch assimilieren könne dass es sich viel mehr in Deutschland auflösen verlieren würde Bismark war außerdem ein konservativer
  46. Junker und Monarchist und die nationale Einigung Deutschlands war eine bürgerlich liberale ja im letzten Grunde eine
  47. demokratischreublikanische Idee Bismark tut immer ein Stück von unserer Arbeit schrieb Engels 1870 an Marx in seiner Weise und ohne es zu wollen aber er tut
  48. doch aus Klassen und gesellschaftspolitischen ebenso wie aus patriotischpreußischen Gründen konnte ihm also nicht ganz wohl dabei sein
  49. allerdings war Bismark auch ein großer Realist und rein realpolitische erwegungen nötigten ihn zunehmend mit der nationalen Strömung zu rechnen und
  50. das Beste daraus zu machen wenn sie unwiderstehlich wurde dann durfte er sich ihr nicht hoffnungslos widersetzen sondern musste sich an ihre Spitze
  51. stellen um sie zu kontrollieren und zu steuern so dass sie möglichst weder noch die überlieferten deutschen feudalstrukturen hinwegschwemmte in der
  52. Praxis hieß das die deutsche Einigung durfte sich nur in der nüchternen Form des Beitritts der vier süddeutschen Staaten Bayern Würtemberg baden und
  53. hessen- dararmmstadt zum Norddeutschen Bund mit seiner fest etablierten preußischen Vorherrschaft vollziehen und sie durfte nicht von denen vollzogen
  54. werden die sie eigentlich wollten den liberalen Parteien und Parlamentariern sondern nur von denen die sie eigentlich nicht wollten den süddeutschen Monarchen
  55. denen dann auch ruhig erhebliche reservatrechte belassen bleiben konnten selbst eine gewisse scheinouveränität dafür konnte ja musste
  56. man das Ergebnis dann mit dem großen alteehrwürdigen Begriffen Kaiser und Reich drappieren und damit die nationale Fantasie und den nationalen Spieltrieb
  57. befriedigen und davon ablenken dass ein eigentlicher Nationalstaat immer noch nicht entstanden eine wirkliche mündig Erklärung der Nation nicht erfolgt
  58. war dieses außerordentliche Kunststück gelang Bismark im Winter 187071 vollkommen und man kann die
  59. Virtuosität die er dabei entfaltete nur bewundern und bestaunen freilich Dauer hat sein Werk nicht gehabt und das ist angesichts seiner Künstlichkeit kein
  60. Wunder bismarks Reichsgründung war eine Art grandioser Trick und Tricks auch die glänzendsten halten auf die Dauer nicht stand das Ereignis dass die nationale
  61. Bewegung in Deutschland unwiderstehlich machte und die Errichtung eines deutschen Nationalstaats unabweisbar auf die Tagesordnung setzte war der
  62. Deutsch-Französische Krieg vom Juli 1870 und der schnelle siegeszucht der Verbündeten deutschen Armeen im August und September die Frage ob Bismark
  63. diesen Krieg gewollt und bewusst herbeigeführt hat ist bis heute unter Historikern umstritten und kann hier nicht untersucht werden sie braucht auch
  64. nicht beantwortet zu werden denn eins ist sicher selbst wenn Bismark den Krieg gewollt hat dann bestimmt nicht um durch ihn den Anschluss der süddeutschen
  65. Staaten herbeizuführen mit dem hatte er es nicht eilig er war viel mehr völlig bereit ih zukünftigen Entwicklungen zu überlassen daran kann nach den zitierten
  66. Aussprüchen bismarx aus den vorangehenden Jahren die sich vervielfältigen ließen nicht der geringste Zweifel bestehen und alles
  67. andere ist leg aber der gemeinsam geführte Krieg hatte die deutsche Einigung nun einmal aktuell gemacht der preußische Kronprinz und der
  68. Großherzog von Baden beide fürstliche nationalliberale erkannten das ebenso wie die parlamentarischen Vertreter des Liberalismus die alle viel früher als
  69. Bismark mit einigungsvorschlägen zur Stelle waren der preußische Kronprinz schickte Bismark schon am 12 August eine Denkschrift in der es hieß zur endlichen
  70. Einigung des ganz deutschen Vaterlandes ist es unumgänglich notwendig und erforderlich die gegenwärtige großartige nationale Begeisterung welche durch die
  71. ersten glücklichen Erfolge der Verbündeten Waffen womöglich noch gehoben oder fester geworden ist nicht verrauchen zu lassen sobald mit Gottes
  72. Hilfe ein Sieg über die gesamte französische Armee errungen worden ist muss sofort ans Werk gegangen werden und drei Tage später schreibt der
  73. nationalliberal Abgeordnete Eduard Lasker an Bismark nachdem die Abwehr gesichert ist tritt die Frage über das Endziel des Krieges in den Vordergrund
  74. und sie beherrscht das Gespräch nicht bloß unter berufsmäßigen Politikern über territorialen Erwerb spreche ich nicht das Verlangen ist angeregt manchfache
  75. Verhältnisse werden darüber entscheiden aber die Grenzerweiterung war nicht der deutsche Zweck des Krieges und wird nicht der Preis sein welcher die Nation
  76. befriedigt dagegen darf ich aus Wahrnehmung als tiefe Überzeugung des Volkes bezeichnen dass Deutschland jetzt an Stelle der Verträge mit den
  77. süddeutschen Staaten die Staats Einheit in Form des Bundes gewinnen werde ein minderer Ausgang würde zu den schwersten Täuschungen zählen das Volk mit seinen
  78. großen Instinkten setzt als vollzogen voraus was es eifrig erfasst hat und nicht nur das Volk bismarks rechter Hand der Staatsminister und Präsident des
  79. Bundeskanzleramtes von Delbrück berichtet Mitte September aus dem Hauptquartier in rims dass im militärischen Hauptquartier die
  80. Herstellung der deutschen Einheit mit der kaiserlichen Spitze als eine Aufgabe angesehen werde acht siegreiche Schlachten in denen die Söhne aller
  81. deutschen Länder vereint gekämpft und geblutet hatten hatten im Bewusstsein der Armee die Einigung Deutschlands vollzogen und der Zauber den die Person
  82. des Königs auf Offiziere und Mannschaften des ganzen Heeres ausübte schien in der Kaiserkrone seinen natürlichen Ausdruck zu finden sachlich
  83. war alles fertig man brauchte nur zu wollen um alles auch formell in Ordnung zu bringen das durch große Taten und große Folge gehobene Bewusstsein
  84. übertrug ohne weiteres die Stimmung der Armee auf die einzelnen Staaten deren Kontingente die Armee bildeten und wollte deshalb jede andere Stimmung als
  85. unberechtigt ignorieren oder niederwerfen wer die Stimmung in Bayern und würtenberg anders ansah und weder von einer Ignorierung noch von einer
  86. Vergewaltigung etwas wissen wollte lief Gefahr für träge und kleinmütig wenn nicht für noch Schlimmeres zu gelten hier klingt von durch dass die nationale
  87. Begeisterung in Bürgertum und Armee von den süddeutschen Regierungen nicht unbedingt geteilt wurde und ähnlich in einem erlast des sächsischen Ministers
  88. von Friesen an den sächsischen Gesandten in München vom 10 September es würde gegen die Natur der Dinge sein wenn man sich dem Glauben hingeben wollte dass
  89. das deutsche Volk nach den Erlebnissen des Krieges wieder ruhig in die frühere Zerrissenheit zurückkehren und durch die Beibehaltung der meinlinie als einer
  90. unübersteiglichen Grenze des deutschen Nordens und Südens sich werde befriedigen lassen selbst diejenigen Regierungen in deren Staaten das
  91. nationale Bewusstsein noch nicht die Majorität der Bevölkerung durchdrungen haben sollte werden sich sagen müssen dass eine Enttäuschung nach solchen
  92. Erfolgen nicht zu einer Schwächung sondern zu einer wesentlichen Verstärkung der nationalen Bewegung hinführen müsste Sachsen das 1866 als
  93. besiegter in den Norddeutschen Bund hinein gezwungen war und sich dort als einziges königreicher als einzige einigermaßen substanziell Staat neben
  94. dem übermächtigen Preußen natürlich höchst unbehaglich eingezwät fühlte Sachsen hat ein offensichtliches Interesse an einer Erweiterung des
  95. Bundes nach Süddeutschland die ihm etwas Luft schaffen konnte am liebsten hätte es den Norddeutschen Bund wieder aufgelöst und durch einen anders
  96. konstruierten loseren gesamtdeutschen Bund ersetzt aber es hatte wenig Einfluss darauf und hat tatsächlich bei den Verhandlungen kaum eine aktive Rolle
  97. gespielt diese spielten sich ausschließlich zwischen Bismark auf der ein Seite und den vier süddeutschen Staaten auf der anderen Seite ab diese
  98. vier Staaten waren sehr verschieden eingestellt Baden beitrittswillig ja beitrittseifrig das kleine Hessen Darmstadt weniger eifrig aber
  99. resigniert Würtemberg Unentschieden und zögernd Bayern im Grunde ablehnend mindestens entschlossen nur das absolut unumgängliche zuzugestehen und so viel
  100. wie möglich von seiner Souveränität zu bewahren ja vielleicht sogar als an Gebietszuwachs für sich selbst herauszuschlagen Bayern war im übrigen
  101. natürlich der bei weitem größte älteste und selbstbewussteste Süddeutsche Staat es hielt den Schlüssel zum Erfolg oder Misserfolg der Verhandlung und es war
  102. sich dessen bewusst die Bahre Verhaltung ist sehr gut in einem Brief des bayerischen Gesandten in Berlin an seinen Ministerpräsidenten den Grafen
  103. Brei Steinburg charakterisiert nun meine ich muss die bayerische Regierung in Berücksichtigung der politischen Lage und gewisser
  104. notwendiger konquen des Krieges und der nationalen Stimmung in der deutschen Frage nämlich der künftigen Gestaltung Deutschlands Entgegenkommen bezeugen
  105. aber im Voraus sehr bestimmt die Grenze dieser Konzessionen gezogen haben von Bayern wird das Geschick Süddeutschlands abhängen die Grundsätze die du
  106. vertrittst mit deinen Kollegen verbürgen wohl dass der Krone und Selbständigkeit Bayerns nichts wird vergeben werden die Zeitverhältnisse sind zudem günstig
  107. indem mehr als je die Fürsten sich im monarchischen Interesse aneinander zu schließen haben die Achtung vor Bayern und die Anerkennung seiner Leistung die
  108. es aus eigener selbständiger Kraft vollbracht hat ist so groß dass man mit uns rechnen wird wie verhielt sich nun Bismark in dieser Lage man kann nur
  109. sagen außerordentlich vorsichtig und zurückhaltend dem würtenbergischen Kriegsminister sagte er am 17 September unser Grundsatz war und ist wie Sie
  110. wissen Süddeutschland keinen Zwang anzutun und gegen Bundesgenossen W wäre dies nun vollends unmöglich also erwarten wir in der deutschen Sache ihr
  111. freiwilliges Anerbieten um aber dieselbe anzuregen so viel wir vermögen haben wir eine fürstenzusammenkunft von Preußen Bayern und würtberg in versaai
  112. vorgeschlagen diese fürstenzusammenkunft war zunächst bismarks einzige Initiative sie sollte offiziell der gemeinsamen Unterzeichnung eines Friedensvertrages
  113. mit Frankreich dienen der im September und Oktober näher schien als in den folgenden Monaten das friedensinstrument sollte von sämtlichen Verbündeten
  114. deutschen Fürsten gewissermaßen mit dem degenknopf wie Bismark sich ausdrückte unterzeichnet werden und Bismark mochte vielleicht hoffen bei einer solchen
  115. emotionsgeladenen Gelegenheit den Beitritt der Süddeutschen Monarchen zum norddeutschen Bunde gewissermaßen nebenbei im Handstreich unter Dach und
  116. Fach zu bringen aber aus diesem versajer fürstenkongress wurde nichts nicht nur weil die friedenssondierungen mit Frank Reich sich zunächst wieder
  117. zerschlugen sondern weil der bayerische König Ludwig I i sich jeder Einladung standhaft verweigerte seinem hofsekretär ließ er mitteilen mit jedem Tag haben
  118. Majestät mehr die Überzeugung wie unmöglich es ihm ist die in Aussicht stehende Reise nach Frankreich anzutreten Majestät glauben daher dass
  119. es notwendig ist irgendeine Krankheit vorzuschützen z.B sehnendehnung und möchte Herr Hofrat Sorge tragen dass dieses unter dem
  120. Publikum und den Soldaten bekannt werde dementsprechend erhielt dann auch Bismark auf die Ankündigung einer offiziellen Einladung aus München die
  121. kühle Antwort beehre mich im Auftrage seiner Majestät euer Exzellenz mitzuteilen dass Allerhöchst dieselben wegen sehenverdehnung keinesfalls nach
  122. versaai kommen können überhaupt hatte Ludwig I i seine eigene Art sich gegenüber den unangenehmen Dingen die auf sich zukommen sah tot zu stellen
  123. dbrück den Bismark Ende September nach München geschickt hatte um um die bayerische Haltung zu sondieren und womöglich einen verhandlungsvorschlag
  124. herauszulocken berichtete mit offenbarem Befremden meine über eine Stunde dauernde Audienz hatte einen unerwarteten Verlauf über den Zweck
  125. meiner Anwesenheit in München fiel kein Wort der König erwähnte ihn nicht und ich schwieg weil ich den Anschein vermeiden musste als wäre ich gekommen
  126. um Zugeständnisse von Bayern zu begehren den größten Teil der Zeit füllte der König mit kirchenpolitischen Darlegungen vor zwei Monaten war das Dogma der
  127. päbstlichen Unfehlbarkeit verkündet worden und der König begründete in klarem und elegantem Vortrage und mit einer staunenswerten Kenntnis des
  128. Kirchenrechts die Stellung welche er einzunehmen habe um den Staat vor den Folgen dieses gefährlichen Dogmas zu schützen und seine Zweifel an der
  129. ferneren Haltbarkeit des Systems das Preußen der Kurie gegenüber befolge alsbrück dann doch einmal vorsichtig auf seinen eigentlichen Auftrag zu sprechen
  130. kam leuchtete das des Königs auf aber nur einen Augenblick mit einer ausweichenden Redewendung ließ er den Gegenstand fallen Ende September schien
  131. daher alles ins Stocken gekommen ehe es richtig angefangen hatte dass es dann im Oktober und November schließlich doch zu Beitrittsverhandlungen kam ist Baden zu
  132. verdanken am 3 oktober stellte es im Alleingang den offiziellen Antrag auf Eintritt in den Norddeutschen Bund daraufhin entschlossen sich auch Hessen
  133. Darmstadt und Würtemberg Beitrittsverhandlungen aufzunehmen und eine gewisse isolierungsfurcht zusammen mit dem
  134. Wunsch die Verhandlungen der anderen zu beeinflussen bestimmte nun auch Bayern eine Verhandlungsdelegation nach versai zu entsenden der Ministerpräsident Graf
  135. Brei Steinburg der sie führte und der kein Preußen Freund war kam mit weitgesteckten Zielen entweder Auflösung des Norddeutschen Bundes und Neugründung
  136. eines weitloseren Deutschen Bundes der im Grunde allen Teilnehmern ihre Selbständigkeit ließ oder unter Teilung Deutschlands in einen norddeutschen und
  137. einen süddeutschen Bund der eine unter preußischer der andere unter bayerischer Vorherrschaft aus beidem wurde nichts das erste erklärte Bismark von vor rein
  138. als unannehmbar das zweite scheiterte an den anderen süddeutschen Staaten die sich in getrennten Verhandlungen und unter verschiedenen Sonderbedingungen
  139. einer nach dem anderen zum Eintritt in den Norddeutschen Bund bereit fanden die Verhandlungen waren konfus ärgerlich und oft gereizt versai war ein hererl
  140. von einer ruhigen konferenzatmosphäre konnte keine Rede sein der wieder auflebende Krieg die drohende Intervention der europäischen Mächte
  141. wachsende Spannungen zwischen Bismark und Moltke beherrschten die Szene und drängten die Verhandlungen mit den süddeutschen Staaten in den Hintergrund
  142. Bismark selbst der sie sozusagen in den Pausen anderer drängender Geschäfte unterbringen musste klagte es ist eine sehr schwere Verantwortung für mich hier
  143. allein Verträge abzuschließen und Abmachungen zu treffen die für die Zukunft von entscheidendster Bedeutung sind ich bin in schlecht geregelter
  144. Verbindung mit der Heimat habe keine Akten zuur Hand und doch muss ich entscheiden dies nehme ich an jenes nicht ich setze mich der herbsten Kritik
  145. für mein ganzes Leben aus wenn die mit den süddeutschen Staaten getroffenen Abmachungen übel ausschlagen und doch lässt der Erfolg sich so wenig
  146. vorausberechnen wie der nächste Abzug im Pharao Mitte November war man sich mit baden Hessen und Würtemberg ziemlich einig mit Bayern immer noch weit
  147. auseinander und Bismark entschloss sich schließlich zunächst nur mit den drei kleineren Staaten abzuschließen wohl auch um damit das isolierte Bayern unter
  148. leichten Druck zu setzen dann sprang im letzten Moment Würtemberg wieder ab ohne Bayern wollte es nicht mitmachen so wurde am 15 November zunächst nur ein
  149. beitrittsprotokoll mit Baden und Hessen Darmstadt unterzeichnet gewiss ein magerussehender Erfolg der badische Ministerpräsident Jolli schrieb an seine
  150. Frau ich hatte mir den Augenblick in welchem diese seit Jahren von mir mit so mancher Mühe erstrebte Ziel erreicht sei brillanter gedacht als er in
  151. Wirklichkeit war er war mir nämlich infolge meines alten mit ziemlicher Heftigkeit aufgetretenen Übels nichts weniger als reizend und ich hatte stets
  152. nur den einen Wunsch im Kopf ich wollte es wäre vorüber und als wir nach dreistündiger ermüdender Diskussion über allerlei Nebenfragen endlich zu Biss zur
  153. Unterschrift kamen klagte auch er über Unwohlsein seine Galle sei ruiniert und so schlage ihm jeder Ärger auf den Magen und Moltkes Mitarbeiter bronsart von
  154. schellendorf der allerdings einen ständigen Groll gegen Bismark hegte notierte am 20 November in seinem Tagebuch beinah
  155. schadenfroh ein gewisses Gefühl des missbehagens lastet auf Graf Bismark er hat entschieden das Gefühl in diesem Kriege eine untergeordnete Rolle zu
  156. spielen denn bisher hat er Soldat noch alles der Diplomat noch nichts vor sich gebracht die kleinen politischen Kunststücke haben sich als Spinngewebe
  157. erwiesen das war nun freilich voreilig geurteilt denn gerade in diesen Tagen kam Bismark schließlich doch auch mit den Bayern zu stule im Wesentlichen
  158. allerdings durch großzügiges nachgeben Bayern blieb auch nach seinem Beitritt zum Bund der nun in Deutsches Reich umgetauft werden sollte ein fast
  159. souveräner Staat mit eigener Post und Eisenbahn weitgehender eigener Steuerhoheit eigener Armee unter eigenem oberbefehlen Friedenszeiten sogar dem
  160. Recht eigene diplomatische Vertretungen zu unterhalten Graf Brei Steinburg schrieb befriedigt an seine Frau was mich betrifft so nehme ich das feste
  161. Bewusstsein von hiermit dass in dem von uns vorbereiteten Abkommen die günstigsten Bedingungen enthalten sind die unter den gegenwärtigen
  162. Verhältnissen zu erlangen irgend möglich war und Bismark selbst äußerte sich am Abend nach der Unterschrift im Kreise seiner engsten mit Mitarbeiter die
  163. Zeitungen werden nicht zufrieden sein und wer einmal in der gewöhnlichen Art Geschichte schreibt kann unser Abkommen tadeln er kann sagen der Dumme Kerl
  164. hätte mehr fordern sollen er hätte es erlangt sie hätten gemusst und er kann recht haben mit dem müssen mir aber lag mehr daran dass die Leute mit der Sache
  165. innerlich zufrieden waren was sind Verträge wenn man muss und ich weiß dass sie vergnügt fortgegangen sind ich wollte sie nicht pressen die Situation
  166. nicht ausnutzen der Vertrag hat seine Mängel aber er ist so fester was fehlt mag die Zukunft beschaffen nach Bayern unterzeichnete nun auch Würtemberg und
  167. Bismark hatte insofern recht als er schon nach der bayerischen Unterzeichnung bemerkte die deutsche Einheit ist gemacht und der Kaiser auch
  168. aber es war eine sehr lockere etwas fadenscheinige Einheit und der pomphafte Kaisermantel war sehr notwendig um ihre Unvollkommenheiten zu verdecken mit dem
  169. Kaiser aber hatte es seine besondere Bewandtnis an sich wäre der Beitritt der vier süddeutschen Staaten zum Norddeutschen Bund mit dem sie ja schon
  170. vorher durch Militärbündnisse und Zollunion eng verbunden waren kein epochales Ereignis gewesen zumal dem wichtigsten von ihnen Bayern fast volle
  171. Souveränitätsrechte vorbehalten blieben es war die umtaufe des erweiterten Norddeutschen Bundes in Deutsches Reich und die Erhebung des Königs von Preußen
  172. zum deutschen Kaiser was die F sie beflügelte dem Nationalgefühl Befriedigung oderersatzbefriedigung bot und der Welt
  173. die Geburt ein der neuen europäischen Großmacht signalisierte in dieser scheinbar nur äußerlichen nur symbolischen Handlung aber Symbole sind
  174. mächtig darin lag bismx eigentlich genialer Trick denn er gab damit den bürgerlichen Liberalen die ja damals zugleich Romantiker waren das was seit
  175. 1848 Ihr Traumziel gewesen war und doch verbaute er gerade damit den Weg zu ihrem eigentlichen uneingestandenen realziel dem bürgerlich
  176. parlamentarischen Nationalstaat denn nichts konnte monarchisch feudaler sein als die mittelalterliche Kaiser und Reichsidee und über dies sorgte Bismark
  177. dafür dass keine Nationalversammlung und kein Reichstag den Kaiser kürte sondern ausschließlich die deutschen Fürsten freilich hatte Bismark gerade hiermit
  178. seine größten Schwierigkeiten und seinen größten Ärger er war sich von vornherein klar darüber dass das Angebot der Kaiserkrone von dem mächtigsten der
  179. deutschen Fürsten dem bayerischen König kommen musste aber der wollte ganz und gar nicht und ebensow wenig wollte der König von Preußen deutscher Kaiser
  180. werden was soll mir der charaktermajor rief er unwillig aus aber Bismark überwandt beide wie er den Widerstand Ludwigs des
  181. ien von Bayern überkam das ist das dramatischste aber auch peinlichste Kapitel dieser Geschichte es ist erst in unseren Tagen enthüllt
  182. worden und noch heute versucht man hier und da der Wahrheit auszuweichen aber sie ist nicht mehr abzuugnen Bismark hat Ludwig den i ganz schlicht bestochen und
  183. zwar durch Vermittlung eines dunklen Ehrenmannes des oberststallmeisters Graf Holnstein in München rossober genannt dessen
  184. unerklärlicher Einfluss auf den König manches Gerede verursacht hat 4720 000 Goldmark die Bismark dem welfenfond also dem Vermögen des 1866
  185. abgesetzten hannoverischen Königshauses entnahm erhielt Ludwig I i für seine Privatschatulle er hat davon die meisten seiner berühmten Schlösser gebaut Graf
  186. Holenstein der im Spätherbst 1870 dreimal zwischen Versailles und München in aller Heimlichkeit hin und her reiste um das Geschäft zu vermitteln verdiente
  187. dabei eine Provision von 480 000 Goldmark worüber sich die Wittelsbacher später bitter be kagten die Sache entschied sich in den
  188. letzten November und 1 Dezembertagen am 21 November schrieb der Onkel Ludwig Z Prinz Lid Po noch an seinen Neffen was die auch mir in der Seele verhasste
  189. deutsche Kaiseridee betrifft so begreife ich vollkommen dass du lieber Ludwig nicht geneigt bist dem König von Preußen vorzuschlagen den Titel eines deutschen
  190. Kaisers anzunehmen und stimme vollkommen deinem Entschlusse bei dies nicht zu tun aber dieser Entschluss wird schon zwei Tage später umgestoßen am 23 November
  191. schreibt Ludwig an seinen Bruder Otto dem er freilich die finanziellen Hintergründe seines umfalls verschweigt so ist es so schauderhaft und
  192. entsetzlich es immerhin bleibt ein Akt von politischer Klugheit wenn der König von Bayern jenes Anerbieten stellt da die Sachen so stehen so gebietet es das
  193. Interesse wenn die übrigen Fürsten oder gar das Volk von mir überflügelt werden jammervoll ist es dass es so kam aber nicht mehr zu ändern
  194. Otto antwortet als ich deinen Brief gelesen kamen heiße Tränen in meine Augen und noch jetzt schmerzt mich die erschütternde Mitteilungen die du mir
  195. gemacht so oft sie mir wieder in den Sinn kommt hören noch einmal meine Stimme ich beschwöre dich das schreckliche nicht zu tun indes umsonst
  196. am 29 November trifft der rossober mit dem von wismark selbst für den bayischen König zur Abschrift aufgesetzten kaiserbrief in München ein wissen
  197. Exzellenz soll er gesagt haben schreiben es gleich selbst einen Brief auf so wie er sein soll sonst gibt's hinten nach doch wieder
  198. anständ die entscheidende Szene die sich danach beim König abgespielt hat hat Hollenstein 1876 dem Grafen Eulenburg gefildert der sich wie folgt
  199. aufgezeichnet hat in hohens Schwangau angekommen habe er nicht Zutritt zu seiner Majestät erlangen können der König habe sich sobald er von
  200. hollensteins Ankunft gehört sofort zu Bette gelegt und Zahnschmerzen bekommen nach vergeblichem Warten von morgens 10 Uhr bis nachmittags 34 Uhr habe er
  201. seiner Majestät melden lassen dass er Punkt 6 Uhr die Rückreise nach versaill antreten und bis dahin eine allerhöchste Antwort haben müsse darauf sei er
  202. endlich vorgelassen worden und habe nun mit dem im Bette liegenden und ganz in Decken gewickelten König bis 4:30 Uhr einen harten Kampf gehabt umso
  203. peinlicher als Seine Majestät ihm nicht mit sachlichen Gründen widersprochen habe sondern ihn mit allerlei nichtigen vorwenden hinzuhalten gesucht hätte Graf
  204. Hollenstein sei endlich dazu gekommen dem Könige den mit Graf Bismark vereinbarten von Graf Brei im Eisenbahn Coupe redigierten Entwurf zu dem Briefe
  205. vorzulesen und habe nun die letzte Viertelstunde mit der Uhr in der Hand dem König wiederholt dass er Hollenstein um sein Wort einzulösen und zur
  206. verabredeten Zeit wieder in versaai zu sein Schlag 6 Uhr von hohen Schwangau abreisen müsse habe seine Majestät den Brief bis dahin nicht geschrieben so
  207. wäre diese Phase unwiderbringlich vorbei und man werde sich in versaai anders zu helfen wissen der König sei gewiss vollkommen frei zu tun und zu lassen was
  208. er wolle aber Hollenstein als es königst treuergebener Diener müsse seiner Majestät zu bedenken geben dass das in Frage stellen des vom deutschen Volke
  209. verlangten Kaisertums durch übel wollen des Königs von Bayern dessen Truppen vor Paris Ständen und dort vielleicht den Kaiser ohne Befehl ausru würden den
  210. widerstrebenden König dem eigenen Volke gegenüber in eine Lage bringen müsste welcher seine Majestät sich am besten durch einen aufentthalt in der Schweiz
  211. entziehen würde der König sei nun aufgestanden und an den Schreibtisch gegangen habe dann aber wieder erklärt wegen Mangels an
  212. passendem Papier nicht schreiben zu können Holenstein habe um die Erlaubnis gebeten Schellen zu dürfen bevor er dies aber ausgeführt sei das Papier auf
  213. einmal da gewesen und der König habe nun geschrieben ohne ein Wort zu sagen dieser Bericht klingt im Großen und Ganzen glaubwürdig nur das Hollenstein
  214. den eigentlichen Nervus rerum dabei wohlweißlich aussparte sicher war dem König Ludwig de II die ganze Transaktion peinlich und
  215. widerwärtig zur Bestechung musste wohl auch noch ein wenig Erpressung kommen die Hollenstein selbst materiell interessiert auf sich nahm er selbst
  216. hatte weniger Skrupel und war offensichtlich über glücklich den Kuh seines Lebens gemacht zu haben auf dem Rückweg nach versaai notierte er sich
  217. auf der Manchette den Namen des lokomotivführers der gute Mann sollte auch eine Belohnung abbekommen die Zahlungen an Ludwig I II der zur
  218. Kaiserproklamation nicht erschien begannen im März 1871 Bismark Sekretär und Chronist Moritz Buff notiert dass der Kanzler als Hollenstein zu ihm
  219. gekommen ihn sofort in seinem Schlaf und Arbeitszimmer empfangen und bald nachher Champagner bestellt habe das war am 2 dezember und damit war das bayerische
  220. Hindernis genommen aber am folgenden Tage schon zeigte sich an Beiner ebenso schweres der König von Preußen wollte die neue würde nicht sein Sohn der
  221. spätere Kaiser Friedrich schrieb am Abend in seinem Tagebuch nach dem Essen bekannte ich seiner Majestät meine Neugierde wegen des mir zu Ohren
  222. gekommenen Gerüchts und erhielt infolg dessen die Erlaubnis dem gerade angesetzten Vortrag des en Bismark beizuwohnen welcher darauf den königlich
  223. bayerischen Brief vorlas seine Majestät war über den Inhalt dieses Brief ist ganz außer sich vor Unwillen und wie geknickt er scheint demnach nicht zu
  224. ahnen dass das Konzept von hier aus nach München gegangen ist der König war heute nicht umzustimmen und sah in Kaiser und Reich eigentlich nur ein Kreuz für sich
  225. selbst wie auch für das preuische Königtum überhaupt der König leistete noch wochenlang hinhaltenden Widerstand der zum Z Schluss die Form annahmen dass
  226. er den Titel deutscher Kaiser ablehnte und verlangte Kaiser von Deutschland tituliert zu werden wobei er sicher sein durfte dass ihm die damit ausgedrückte
  227. direkte territorialhoheit von seinen mitfürsten nicht zugestanden werden würde Bismark der so viel Widerstand gerade von dieser Seite nicht erwartet
  228. haben mochte schrieb an seine Frau ich hatte mehrmals das dringende Bedürfnis eine Bombe zu sein und zu platzen dass der ganze Bau in Trümmer gegangen wäre
  229. nötige Geschäfte greifen mich wenig an aber die unnötigen verbittern noch am Tage vor der auf den 18 januar 1871 anberaumten feierlichen
  230. Kaiserproklamation war der Widerstand des Königs nicht gebrochen und alles schien im letzten Augenblick gefährdet der Großherzog von Baden der das
  231. kaiserhoch ausbrachte umging schließlich die Schwierigkeit indem er weder den deutschen Kaiser noch den Kaiser von Deutschland sondern Kaiser Wilhelm den
  232. Sieg reichen hochleben ließ diese Kaiserproklamation für die der sonst als Lazarett dienende Spiegelsaal des versailla Schlosses von
  233. Verwundeten geräumt worden war ist von dem Maler Anton von Werner in einem berühmten Bilde verewigt worden der Kronprinz hatte ihm telegraphisch
  234. bestellen lassen dass sie hier etwas ihres Pinsels würdiges erleben werden wenn sie vor dem 18 Januar hier eintreffen können und ist lange Zeit in
  235. Deutschland als Reichsgründung Tag gefeiert worden tatsächlich war der 18 Januar nicht der reichsgründungstag nach den Verträgen
  236. mit den süddeutschen Staaten trat das Deutsche Reich am 1 Januar 1871 in Kraft die Ratifizierung des bayerischen Vertrages erfolgte dann aber erst am 21
  237. januar und die Organe des neuen Reichs namahmen erst im März 1871 ihre Tätigkeit auf der Beginn des Deutschen Reichs ist ebenso schwierig genau zu
  238. datieren wie sein Ende jedenfalls fand er nicht am 18 Januar statt die Feier vom 18 Januar war auf diesen Tag gelegt worden weil es der Tag der Krönung des
  239. ersten preußischen Königs 1701 gewesen war sie stellte eine Art Konzession an das preußische Gefühl des neuen Kaisers da und gestaltete sich wie
  240. einer der Teilnehmer sich ausdrückte zu einer Art preußischer Hausandacht von geistlich militärischem Charakter ihren Mittelpunkt bildete eine Predigt des
  241. Berliner hofpredigers und div visionsfahrers Rogge eine taktlose Rede voll preußischer selbstvergötterung wie der anwesende Johann Georg von Sachsen
  242. nachher bemerkte und auch Bismark hörte ihr mit ingrim zu mehr als einmal dachte ich bei mir warum kann ich diesem Pfaffen nicht einen Leib jede Thronrede
  243. muss vorher Wort für Wort beraten werden und dieser Pfaffe darf sagen was ihm gerade einfällt auch sonst herrschte keine gute Stimmung an jenem 18 Januar
  244. ammelten fürstlichkeiten begrüßte einer von ihnen Georg Albert von Schwarzburg rudolfstadt mit bitterem Sarkasmus seid gegrüßt mit wasasallen König Ludwig von
  245. Bayern fehlte sein Bruder Otto der IH vertrat schrieb ihm nachher ach Ludwig ich kann Dir gar nicht beschreiben wie unendlich weh und schmerzlich es mir
  246. während jener Zeremonie zumute war wie sich jede Phase in meinem Innern sträubte und empörte gegen all das was ich mit ansah alles so so stolz so
  247. glänzend so prunkend und großurisch und herzlos und leer endlich drängte man sich durch diese knuel zurück und aus dem Saale hinaus mir war so eng und
  248. Schal in diesem Saale erst draußen in der freien Luft atmete ich wieder auf dieses wäre also vorbei und der neue Kaiser war kaum weniger unglücklich er
  249. schrieb an die Kaiserin eben kehre ich vom Schlosse nach vollbrachtem kaiserakt zurück ich kann dir nicht sag agen in welcher morosen Emotion ich in diesen
  250. letzten Tagen war teils wegen der hohen Verantwortung die ich nun zu übernehmen habe teils und vor allem über den Schmerz den preußischen Titel verdrängt
  251. zu sehen in einer Konferenz gestern mit Fritz bissmark und Schleinitz war ich zuletzt so Moros dass ich drauf und dran war zurückzutreten und Fritz alles zu
  252. übertragen der alte König hatte so unrecht nicht mit seinem Schmerz den preußischen Titel verdrängt zu Seen wenn man heute mit 100 Jahren Abstand
  253. zurückblickt kann man in dem was damals geschah in der Tat deutlich den Anfang vom Ende preusens erkennen es ist mehr und mehr im Reich aufgegangen und
  254. schließlich mit dem Reich untergegangen merkwürdig Preußen gibt es nicht mehr aber Bayern gibt es durchaus noch was das bismarkreich selbst betriff
  255. so war es zunächst im deutschen Volksbewusstsein ein ungeheurer Erfolg fast ein halbes jahund lang galt es als so etwas wie die natürliche Form
  256. deutscher Einheit und das vorbestimmte Happy End der deutschen Geschichte das war es nicht es war eine Kunstschöpfung und es hat so wie es 1870 gegründet
  257. wurde wenig Dauerhaftigkeit bewiesen es hat nur etwa dreiviertel Jahrhunderte existiert und es hat in dieser kurzen Zeit seine Form zweimal von Grund
  258. aufgewandelt und es hat heute anderen Formen deutscher Staatlichkeit Platz gemacht es war wie man früher gesagt hätte kein
  259. Segen daran heute ist bismarks Reichsgründung Geschichte und ferne Geschichte die staatlichen und gesellschaftlichen Kräfte die in ihr
  260. wirksam waren gehören heute ebenso der Vergangenheit an wie das Reich selbst mit einer Ausnahme vielleicht ein gewisses deutsches Nationalgefühl gibt
  261. es auch heute noch wenn auch kaum eine wirklich lebendige Nationalbewegung wie die der vor 100 Jahren eine so merkwürdige feinerfüllung
  262. befehrt wurde aber dieses Nationalgefühl ist mit keinen restaurationswünschen verbunden zum Deutschen Reich führt kein Weg zurück
  263. wie es der letzte Chronist der Reichsgründung Professor Ernst Deuerlein ausgedrückt hat die erstrebte Wiederherstellung der nationalen Einheit
  264. des deutschen Volkes bedeutet nicht die Wiedereinsetzung des Deutschen Reiches wieder vereinigtes Deutschland würde mit dem Deutschen Reich so wie es
  265. 187071 geschaffen worden war noch weniger gemeinsam haben als dieses mit dem 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gemein
  266. hatte

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