Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).
Die ganze Geschichte Wiens in 19 Minuten
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 83 Zeilen
- Nebel über der Donau. Ein römischer Legionär steht auf einer Mauer aus grauem Stein, den Speer im Arm, und blickt nach Norden — dorthin, wo das Reich endet und die germanische Wildnis beginnt.
- Er ahnt nicht, dass er auf einer der berühmtesten Straßen der Welt steht. Denn die Linie, an der seine Mauer verläuft, heißt zweitausend Jahre später: der Graben. Mitten im Herzen Wiens.
- Aus diesem kalten Grenzlager wird die Hauptstadt eines Weltreichs. Die Stadt, vor der ein osmanisches Heer von Hunderttausend scheitert. Die Stadt
- von Maria Theresia und Mozart, von Sissi und Sigmund Freud — und am Ende eine Stadt, die immer wieder zur lebenswertesten der Welt gekürt wird. Das ist die ganze Geschichte Wiens.
- Es ist das späte erste Jahrhundert nach Christus. Wo heute die Gassen der Wiener Innenstadt verlaufen, schlägt eine römische Legion ihr
- Lager auf. Die Donau ist hier nicht einfach ein Fluss — sie ist der Limes, die Grenze des Imperiums. Jenseits des Wassers beginnt das Land, das Rom nie ganz unterwerfen wird.
- Sie nennen das Lager Vindobona — ein Name keltischen Ursprungs, der so viel bedeutet wie „weiße Siedlung", nach dem hellen Boden über der Donau. Doch der Name,
- den die Stadt einmal tragen wird, kommt von wo anders. Denn am Lager vorbei fließt ein zweiter, viel kleinerer Fluss der Donau zu — die Römer nennen ihn Vedunia, „Waldbach".
- Diesen Bach gibt es bis heute: den Wienfluss. Und ausgerechnet er, nicht das mächtige Legionslager, gibt der Stadt am Ende ihren Namen — aus Vedunia wird zunächst Wenia und später Wien.
- Sechstausend Soldaten drängen sich hier auf gut zwanzig Hektar — und um sie herum wächst eine ganze Stadt aus Händlern, Handwerkern und Familien.
- Warmluft strömt durch die Böden, Leitungen bringen frisches Wasser, ein Lazarett versorgt die Verwundeten. Wer durch die geschwungene Naglergasse geht,
- folgt noch heute exakt der Linie, an der die südliche Lagermauer stand. Einer der berühmtesten Männer der Antike soll hier gestorben sein: Kaiser Mark Aurel, der Philosoph
- auf dem Thron, im Jahr 180. Doch sicher ist das nicht — der einzige Zeitzeuge verortet seinen Tod weit entfernt an der unteren Donau. Wien beansprucht ihn, beweisen lässt es sich nicht.
- Dann, im fünften Jahrhundert, zerfällt das Reich. Die Legionen ziehen ab, die Gebäude verfallen. Es folgt kein nahtloses Weiterleben. Wer heute
- diese Jahrhunderte im Boden freilegt, findet fast nichts — eine Erdschicht fast ohne Spuren von Menschen. Die Legionsstadt liegt verlassen in Trümmern, und spätere Siedler brechen aus den
- Ruinen nur noch die Steine. Wien, wie wir es kennen, muss erst noch erfunden werden. Jahrhundertelang bleibt der Ort nur ein Trümmerfeld. Erst nach
- und nach kehren Siedler zwischen die Ruinen zurück. 881 taucht der Name dann zum ersten Mal wieder auf — in einer Salzburger Chronik,
- bei einer Schlacht „ad Weniam" gegen die Ungarn. Wien ist zurück auf der Landkarte. Den entscheidenden Aufstieg bringt eine Familie: die Babenberger. 976 belehnt der Kaiser sie mit
- der Mark im Osten — einem Grenzland, das die Ostflanke des Reiches schützen soll. Bald heißt dieses „östliche Reich" Ostarrichi — der Ursprung des Wortes Österreich. Und 1156
- wird aus der Grenzmark durch eine kaiserliche Urkunde ein eigenes Herzogtum. Im selben Jahr machen die Babenberger Wien zu ihrer Residenz. Aus dem Grenzposten wird ein Machtzentrum.
- Wien wird reich, und zwar durch Zwang: Das Stadtrecht von 1221 verleiht der Stadt das Stapelrecht. Jeder Kaufmann aus dem Westen muss seine Waren hier anbieten,
- bevor er weiter nach Ungarn zieht. Wiens mittelalterlicher Wohlstand ist kein Zufall — er ist erzwungener Zwischenhandel.
- Und dann ist da diese eine Geschichte, die kaum jemand kennt. 1192 wird der englische König Richard Löwenherz, auf dem Heimweg vom Kreuzzug,
- bei Wien als Pilger verkleidet erkannt und gefangen genommen. Das Lösegeld ist gewaltig — und der österreichische Anteil fließt direkt in den Ausbau Wiens: in eine neue,
- mächtige Stadtmauer. Wien wird buchstäblich mit dem Lösegeld eines englischen Königs befestigt. In dieser Zeit erhebt sich auch der erste Bau an der Stelle, die zum Wahrzeichen wird:
- der Stephansdom. 1246 aber sterben die Babenberger aus. Der Herzogsthron ist leer. Und von Westen naht ein Mann, der eine der längsten Dynastien der Weltgeschichte begründen wird.
- 1278, auf dem Marchfeld bei Dürnkrut, prallen zwei Heere aufeinander. Rudolf von Habsburg besiegt den mächtigen Böhmenkönig Ottokar,
- der in der Schlacht fällt. Es ist die Geburtsstunde der Habsburger-Herrschaft in Österreich — eine Herrschaft, die über sechshundert Jahre dauern wird.
- Wien wird ihre Stadt. Die Hofburg wächst zur Machtzentrale. Und ein Herrscher prägt sie besonders: Rudolf der Vierte, „der Stifter". 1365 gründet er die Universität Wien, die
- älteste im damaligen deutschsprachigen Raum nach Prag. Er lässt den gotischen Ausbau des Stephansdoms vorantreiben — den gewaltigen Südturm, den die Wiener bald nur „Steffl"
- nennen. Und weil ihm sein Rang nicht genügt, lässt er kurzerhand eine Urkunde fälschen, die den Habsburgern den Titel „Erzherzog" verleiht. Eine Lüge — die zur Realität wird.
- Doch das mittelalterliche Wien hat auch eine dunkle Seite. 1420 und 1421 lässt Herzog Albrecht der Fünfte die jüdische Bevölkerung der Stadt verfolgen, vertreiben und ermorden — die
- Wiener Gesera. Eine der ältesten jüdischen Gemeinden Mitteleuropas wird ausgelöscht. Es ist nicht das letzte Mal, dass diese Stadt Glanz und Grauen so nah beieinander trägt.
- Zweimal in seiner Geschichte steht Wien kurz vor dem Untergang. Und zweimal hält es. 1529 erscheint Sultan Süleyman der Prächtige mit einem gewaltigen Heer vor den Mauern. Doch er
- kommt zu spät im Jahr. Nach nur knapp drei Wochen Belagerung zwingen ihn aufgeweichte Straßen, zusammenbrechender Nachschub und der nahende Winter zum Abzug. Wien hält — diesmal.
- Und zwischen den beiden Belagerungen trifft die Stadt eine andere Katastrophe: 1679 wütet die Pest, Tausende sterben in den engen Gassen. Zum Dank für das Ende
- der Seuche lässt Kaiser Leopold der Erste die barocke Pestsäule mitten auf dem Graben errichten — auf jener alten Römerlinie, wo einst der Legionär stand. Sie steht dort bis heute.
- Dann kehrt der Schatten der Osmanen zurück, größer als je zuvor. 1683 rückt Großwesir Kara Mustafa heran — das osmanische Aufgebot zählt
- mit Tross weit über hunderttausend Mann, das größte Heer, das Wien je gesehen hat. Kaiser Leopold verlässt die Stadt Richtung Passau, um Hilfe zu organisieren. Zurück
- bleiben rund fünfzehntausend Verteidiger unter dem Stadtkommandanten Ernst Rüdiger von Starhemberg. Was folgt, sind zwei Monate Hölle. Die Osmanen graben Stollen unter die
- Bastionen und sprengen ganze Mauerstücke in die Luft. In der Stadt wüten Hunger und Ruhr; Starhembergs Garnison schmilzt mit jedem Tag dahin, bis kaum noch Gesunde auf den
- Wällen stehen. Die Verteidiger legen Erbsen auf Trommelfelle, um tief unter ihren Füßen das Kratzen der feindlichen Schaufeln zu erkennen. In den letzten Tagen vor
- der Entscheidung ist Wien erschöpft, ausgehungert, kurz vor der Kapitulation. Dann, am 12. September 1683, geschieht es. Vom Kahlenberg, den Hügeln über der Stadt,
- stürmt ein Befreiungsheer herab — angeführt vom polnischen König Johann Sobieski. An der Spitze die geflügelten Husaren, Reiter mit hohen Federflügeln am Rücken. Der
- Angriff bricht die osmanischen Linien in wenigen Stunden. Wien ist gerettet. Und hier beginnt die berühmteste Legende der Stadt — die vom Kaffeehaus.
- Ein Held namens Kolschitzky soll aus erbeuteten türkischen Bohnen das erste Wiener Kaffeehaus eröffnet haben. Schön erzählt — nur leider erfunden, gut hundert Jahre später. Der erste, der
- in Wien wirklich Kaffee ausschenken darf, ist ein Armenier: Johannes Diodato, im Jänner 1685. Aus den eroberten Kanonen aber gießt man wenig später eine Glocke für den Stephansdom: die Pummerin.
- Mit der gebannten Gefahr ist der Weg frei für einen Aufstieg, wie ihn Wien nie erlebt hat. Der Barock erobert die Stadt. Prinz Eugen, der Feldherr gegen die Osmanen,
- lässt sich das prachtvolle Schloss Belvedere bauen. Kaiser Karl der Sechste löst ein Gelübde aus den Tagen der Pest ein und stiftet die Karlskirche,
- deren mächtige Kuppel sich über die Dächer schiebt. Prunkbauten wachsen nun zum ersten Mal weit außerhalb der alten Befestigung — Wien wird zur Bühne eines Weltreichs.
- Im Westen entsteht das, was bis heute Millionen anzieht: Schloss Schönbrunn, mit seinen 1.441 Zimmern. Es wird zur Sommerresidenz der mächtigsten Frau
- in der Geschichte der Habsburger — Maria Theresia. Als ihr Vater 1740 stirbt, erbt sie das gesamte Habsburgerreich — und ihre Gegner unterschätzen
- sie gründlich. Kaum sitzt sie auf dem Thron, fällt ein Bündnis der Nachbarmächte über sie her — doch im Erbfolgekrieg behauptet sie sich. Danach regiert sie vierzig
- Jahre lang und modernisiert den Staat von Grund auf: Verwaltung, Heer und Bildung, bis hin zur allgemeinen Schulpflicht. Sie bekommt sechzehn Kinder; ihre jüngste Tochter
- wird als Marie Antoinette auf dem französischen Thron enden — und unter der Guillotine. Fast jeder nennt sie „Kaiserin Maria Theresia". Nur — Kaiserin wird sie nie. Den Titel trägt ihr Mann.
- Sie herrscht als Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen, aus eigenem Recht — und hält die Fäden fest in der Hand. Ihr Sohn Joseph der Zweite reformiert noch weiter:
- 1781 erlässt er das Toleranzpatent und gewährt Andersgläubigen erstmals Rechte. In genau diesen Jahren wird Wien zur Musikhauptstadt der Welt. Haydn,
- Beethoven — und ein junger Mann, der 1781 in die Stadt kommt und ihr seine Melodien schenkt: Wolfgang Amadeus Mozart. Doch während in den Salons die Musik spielt,
- gerät die Weltmacht der Habsburger ins Wanken. Gleich zweimal, 1805 und 1809, marschiert Napoleon in Wien ein und residiert ausgerechnet in Schönbrunn,
- im Bett der Habsburger. Erst sein Sturz bringt Wien den größten Auftritt seiner Geschichte: den Wiener Kongress 1814/15. Ganz Europa ordnet hier seine Landkarte neu — bei Bällen, Empfängen
- und Intrigen. „Der Kongress tanzt", spottet ein Diplomat, „aber er kommt nicht vorwärts." Am Ende kommt der Kongress doch zu einem Ergebnis: Fürst Metternich zementiert die neue
- Ordnung — und hält den Kontinent dreißig Jahre in erzwungener Ruhe, mit Zensur und Überwachung. Doch unter der biedermeierlichen Gemütlichkeit wächst der Druck,
- bis er sich 1848 Bahn bricht. Die Revolution erfasst Wien, Metternich muss fliehen — und auf den frei gewordenen Thron tritt ein Achtzehnjähriger, der Wien länger prägen wird
- als jeder Herrscher zuvor: Kaiser Franz Joseph. Fast achtundsechzig Jahre wird er regieren. 1857 fällt eine Entscheidung, die das Gesicht Wiens für immer verändert. „Es ist Mein Wille",
- schreibt Franz Joseph — und lässt die alten Stadtmauern niederreißen. Wo Jahrhunderte lang Kanonen standen, entsteht der prächtigste Boulevard Europas: die Ringstraße,
- gesäumt von Oper, Parlament, Rathaus und Museen. Wien wächst und wächst, bis auf rund zwei Millionen Menschen — eine der fünf größten Städte der Welt.
- Es ist die Zeit der Kaiserin Elisabeth, der rastlosen, schönheitsbesessenen „Sissi", die 1898 in Genf von einem Anarchisten ermordet wird — eine Frau, die mit dem
- verklärten Filmbild kaum etwas gemein hat. Und es ist das Wien um 1900, ein Vulkan der Genies: Gustav Klimt malt seinen Goldgrund, Gustav Mahler dirigiert die Oper,
- und in der Berggasse 19 erfindet ein Arzt namens Sigmund Freud die Psychoanalyse. Doch dieselbe Stadt trägt ein zweites Gesicht. Bürgermeister Karl Lueger modernisiert Wien mit
- Gas, Strom und Wasser — und schürt zugleich einen Antisemitismus, der zum gefährlichen Vorbild wird. Auch das ist Wien um 1900: Hochkultur und Hass, Seite an Seite, kurz vor dem Abgrund.
- 1914 reißt der Erste Weltkrieg das Habsburgerreich in den Abgrund. 1918 ist es vorbei: Die Monarchie endet, die Republik wird ausgerufen. Aus der
- Hauptstadt eines Reichs von fünfzig Millionen Menschen wird über Nacht eine Weltstadt ohne Welt — viel zu groß für das winzige Land, das ihr bleibt.
- Wien sucht eine neue Identität — und findet sie zunächst im „Roten Wien": gewaltige Gemeindebauten für die Arbeiter, allen voran der über einen Kilometer lange Karl-Marx-Hof. Doch 1934 zerbricht
- die Republik im Bürgerkrieg, Artillerie feuert auf eben diese Arbeiterwohnungen. Vier Jahre später, im März 1938, marschiert Hitler ein, und Hunderttausende jubeln ihm am Heldenplatz zu.
- Was folgt, ist der dunkelste Abschnitt. Wien wird zum Modell der nationalsozialistischen Judenverfolgung.
- In der Pogromnacht brennen die Synagogen der Stadt — nur eine einzige überlebt. Von den rund 180.000 Wiener Juden werden über 120.000 vertrieben, und rund 65.000 österreichische
- Juden ermordet. Eine Welt, die Wien über Jahrhunderte mitgeprägt hat, wird ausgelöscht. Im April 1945 tobt die Schlacht um Wien Haus für Haus. Und in der Nacht zum 12.
- April fängt der Stephansdom Feuer — nicht durch Granaten, sondern durch Funken aus geplünderten Nachbarhäusern, die in den Dachstuhl springen. Der gotische Dachstuhl stürzt ein, und die Pummerin,
- die Glocke aus den Türkenkanonen, fällt in die Tiefe und zerschellt. Das Herz der Stadt brennt. Doch Wien steht wieder auf. Zehn Jahre lang ist die Stadt in vier Besatzungszonen geteilt,
- die Innenstadt gemeinsam verwaltet — die berühmten „Vier im Jeep". Dann, am 15. Mai 1955, tritt Außenminister Leopold Figl auf den Balkon des Belvedere und ruft den Satz,
- auf den ein ganzes Land gewartet hat: „Österreich ist frei!" Im selben Jahr beschließt Österreich seine immerwährende Neutralität. Und die Pummerin
- wird neu gegossen — wieder aus den erbeuteten Kanonen, und kehrt zurück in den Stephansdom. Wien wird zur Stadt der Diplomatie: 1979 eröffnet die UNO-City, Wien wird dritter
- Amtssitz der Vereinten Nationen. Heute leben wieder über zwei Millionen Menschen hier, und Jahr für Jahr landet die Stadt an der Spitze der weltweiten Rankings zur Lebensqualität.
Zum Nachlesen
GeschichteUnter Geschichte versteht man im Allgemeinen diejenigen Aspekte der Vergangenheit, derer Menschen gedenken und die sie deuten, um sich über den Charakter …
ÖsterreichGeographie. → Hauptartikel: Geographie Österreichs. Satellitenbild von ... Bruttonationaleinkommen, Beschäftigte. Industrie, 28 %, 25,7 %. Landwirtschaft, 1,3 …