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Die ganze Geschichte Frankfurts in 17 Minuten

Geschichte. Lebt.16:53 235.480 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Frankfurt am Main, ein Tag im Spätherbst des Jahres 1562. Auf dem Römerberg, dem Platz im Herzen der Altstadt, dreht sich ein ganzer
  2. Ochse über dem Feuer. Aus einem eigensrichteten Brunnen fließt an diesem Tag kein Wasser, sondern Wein und die Menge drängt und schiebt, um einen
  3. Becher davon zu erwischen. Wenige Schritte weiter im gotischen Dom beginnt an diesem Tag eine Tradition, die Frankfurt über 200 Jahre prägen wird.
  4. Von diesem Tage an werden die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches hier gekrönt. Heute denkt bei dieser Stadt kaum jemand an Kaiser. Man denkt an [musik] Banken,
  5. an den größten Flughafen des Landes, an eine Skyline aus Glas und Stahl, [musik] die einzige ihrer Art in Kontinentaleuropa.
  6. Dabei ist das nur das letzte Kapitel einer Geschichte, die 2000 Jahre zurückreicht, bis zu einer römischen Stadt, deren Namen die meisten nie
  7. gehört haben. Im Laufe der Jahrhunderte wurden hier Könige gewählt und Kaiser gekrönt. Und hier tagte 1848 das erste freigewählte deutsche
  8. Parlament. [musik] Das ist die ganze Geschichte Frankfurts. [schnauben] Beginnen wir dort, wo von Frankfurt noch
  9. keine Rede ist. Rund 4 km nördlich der heutigen Innenstadt, im Boden des Stadtteils Heddernheim liegen die Reste einer römischen Stadt namens Nida. Auf
  10. ihrem Höhepunkt leben hier über 5000 Menschen. Es gibt gepflasterte Straßen, einen Marktplatz, Tempel, Termen. Über 100 Töpferöfen rauchen. Wer durch die
  11. Gassen geht, riecht den Brand des Tons, hört die Schmiede, die Bronzegießer. Nieder ist der Hauptort der ganzen Region, Sitz der Verwaltung, umgeben von
  12. einer 3 km langen Mauer. Doch als die Römer um 260 den Limes räumen, jene befestigte Grenze ihres Reiches und sich hinter den Reihen zurückziehen, wird die
  13. Stadt aufgegeben. Die Steine wandern über die Jahrhunderte in andere Bauten. Das Straßenraster verschwindet unter Eckern und mit ihm die Erinnerung. Erst
  14. spät entdecken [musik] Archäologen, was hier einmal stand. Auf dem Hügel am Fluss aber, dort wo später der Dom stehen wird, bleibt ein
  15. Ort mit Bedeutung. Was die Römer hier genau hatten, ein Kastell, ein Landhaus, eine Straßenstation, weiß bis heute niemand sicher. Sicher
  16. ist, in fränkischer Zeit steht [musik] auf diesem Domhügel ein Königshof und im Jahr 794 taucht der Name der Stadt zum ersten Mal
  17. in einer Urkunde auf. ausgestellt von keinem geringeren als Karl dem Großen. Frankonofurt, die Furt der Franken am Main. Um diese
  18. Furt rangt sich eine Sage. Karl der Große sei auf der Flucht vor den Sachsen an den Fluss geraten, zu breit zum Überqueren, bis eine Hirschkuh ihn die
  19. seichte Stelle [musik] zeigte. Belegt ist die Geschichte nicht, sie ist Legende. Belegt ist etwas anderes. Karl macht Frankfurt zu einem Zentrum seines
  20. Reiches, hält hier Hof, feiert Ostern, ruft eine große Reichsversammlung ein. Sein Enkel Ludwig der Deutsche regiert das Ostfrankenreich zeitweise von hier
  21. aus und stirbt 876 in Frankfurt. Aus dem Königshof ist eine Pfalsz geworden, ein Herrschersitz. Und aus diesem Herrschersitz wächst
  22. alles, was folgt. Denn wo der König ist, wird gehandelt. Im Jahr 1240 stellt Kaiser Friedrich II. eine Urkunde aus, die Frankfurts Zukunft
  23. entscheidet. Jeder Kaufmann, der zur Frankfurter Messe reist, steht unter kaiserlichem Schutz. Freies Geleit auf allen Wegen.
  24. Später kommt eine zweite Messe im Frühjahr dazu. Zweimal im Jahr verwandelt [musik] sich die Stadt in einen großen Markt. Tucher aus Flandern,
  25. Wein, Gewürze, Pelze, Metalle. Später Bücher. Man nennt Frankfurt schlicht den Marktplatz Deutschlands. Zur Messezeit ist die Stadt nicht wieder
  26. zu erkennen. In den Hallen im Erdgeschoss des Römer stapeln sich die Warenballen. Auf den Plätzen falschen Händler in einem Halendutzen sprachen:
  27. Fuhrwerke verkeilen sich in den engen Gassen. Wer in Deutschland etwas verkaufen will, muss zweimal im Jahr hierher.
  28. Hinter den Fassaden sammelt sich Reichtum und mit ihm Selbstbewusstsein, [musik] denn der Handel macht die Bürger stark.
  29. Schritt für Schritt erkauft sich [musik] die Stadt ihre Rechte und schüttelt jeden Zwischenherrn ab, bis sie freie Reichstadt ist. Nur noch dem Kaiser
  30. unterstellt. Und weil der weit weg ist und sich kaum einmischt, regiert Frankfurt sich künftig selbst. 1405 kauft der Rat eben jenes
  31. Patriziahaus am Markt, in dem die Messewaren lagern und macht es zum Rathaus. Sein Name der Römer. Bis heute [musik]
  32. ist er das Wahrzeichen der Stadt. Und dann 1356 fällt eine Entscheidung, die Frankfurt endgültig [musik] ins Zentrum des
  33. Reiches rückt. Kaiser Karl I. erlässt ein Reichsgrundgesetz, die goldene Bulle. Darin steht schwarz auf weiß. Der römischdeutsche König wird
  34. künftig in Frankfurt gewählt. Aus der Messestadt wird die Wahlstadt der Könige. Doch nicht alle teilen den wirtschaftlichen Aufstieg. Am Rand der
  35. Stadt an einer engen kaum 3 m breiten Gasse müssen ab 1462 [musik] die Frankfurter Juden leben. Zwangsweise hinter Toren, die nachts und an
  36. christlichen Feiertagen verriegelt werden. In dieser Judengasse drängen sich mit der Zeit tausende Menschen in Häusern, die sich Mangelsplatz nur nach
  37. oben und nach hinten strecken können. ist einer [musik] der engsten, dichtesten Orte Europas und zugleich ein Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit, das die
  38. Stadt über Jahrhunderte prägen wird. In Frankfurt wird zwar gewählt, die Krone aber empfängt der neue Herrscher jahrhundertelang anderswo, im fernen Aen
  39. der alten Falz Karls des Großen. Erst 1562 ändert sich das. Weil der zuständige Kölner Erzbischof gerade gestorben und
  40. die Reise nach Aen im Spätherbst beschw, [musik] krönt man Maximilian kurzerhand dort, wo er ohnehin gewählt wurde. Was als
  41. Ausnahme gedacht war, wird zur Regel. Bis 1792 empfangen zehn Kaiser im Frankfurterdom die Krone.
  42. Ein solcher Krönungstag ist ein Ausnahmezustand für die ganze Stadt. Im Dom wird der Herrscher gesalbt und ihm die Krone aufs Haupt gesetzt. Dann
  43. schreitet er zu Fuß durch eine schmale Gasse, den Krönungsweg hinüber zum Römer, wo im Kaisersaal das Krönungsmal gehalten wird. Draußen auf dem Römerberg
  44. feiert das Volk. Der Ochse am Spieß, der Brunnen aus dem Wein läuft, der Kaiser erhält das erste Stück Fleisch, dann wird die Bretterküche geöffnet und nicht
  45. selten prügelt sich die Menge um ein Andenken an diesen Tag. Man nennt die Kirche den Kaiserdom, aber Frankfurt hatte nie einen Bischof und
  46. der Dom war streng genommen nie eine Kathedrale. Der stolze Name kommt allein von den Kaiserkrönungen. Es ist typisch für diese Stadt. Ihre
  47. Größe verdankt sie nicht der Kirche und nicht einem Fürsten, sondern dem Reich und dem Handel. Frankfurt ist die Stadt der Kaufleute, die für einen Tag zur
  48. Bühne der Kaiser wird. Doch hinter dem Glanz brodelt es. 1612 entläht sich der Zorn der einfachen Bürger und Zünfte gegen den reichen Rat,
  49. der die Stadt wie eine geschlossene Gesellschaft regiert. Ein Lebkuchenbäcker namens Vincen Fettmilch führt den Aufstand an. 1614 stürmt der
  50. Mob die Judengasse, plündert sie und jagt die Bewohner aus der Stadt. Doch es ist eine Vertreibung, kein Massaker. [musik] Die wenigen belegten Toten
  51. lassen sich an einer Hand abzählen. Fast 1400 Menschen aber verlieren Heim und Habe. Zwei Jahre später wird Fettmilch enthauptet und die Juden kehren am
  52. selben Tag feierlich zurück unter kaiserlichem Schutz. Über ihrem Gassentor hängt nun der Reichsadler.
  53. Kurz darauf [musik] zieht der 30-jährige Krieg übers Land. Frankfurt hält sich neutral und entgeht der Zerstörung, aber nicht der Pest, die 1635 [musik]
  54. schätzungsweise ein Drittel der Einwohner dahin rafft. Die Stadt übersteht auch das und in ihrer engen Judengasse wächst gut ein Jahrhundert
  55. später eine Familie heran, deren Name einmal die halbe Welt kennen wird. Ein junger Händler namens Meer Amschel Rotschild [musik] legt hier den
  56. Grundstein für das mächtigste Bankhaus des 19. Jahrhunderts. Erst seine fünf Söhne aber tragen den Namen Rotschild [musik] in die
  57. Hauptstädte Europas. Vier schwärmen aus nach London, Paris, Wien und Neapel. Einer bleibt und führt das Frankfurter Stammhaus weiter.
  58. Angefangen hat alles [musik] in dieser einen Gasse. Und 1749 kommt in einem Bürgerhaus am großen
  59. Hirschgraben ein Kind [musik] zur Welt, das Frankfurt für immer mit der deutschen Kultur verbinden wird. Johann Wolfgang Göte.
  60. Der junge Gote [musik] streift durch die Krönungsstadt, sieht die Kaiserinziehen und notiert später [musik] den beklemmenden Eindruck der engen dunklen
  61. Judengasse. Frankfurt ist zu dieser Zeit alt, reich [musik] und selbstbewusst. Doch dieser Glanz wird nicht mehr lange
  62. wehren. 1806 zerbricht das tausendjährige Heilige römische Reich unter dem Druck Napoleons.
  63. Die Krönungen sind Geschichte. Die freie Reichsstadt verliert ihre Selbstständigkeit. Nach Napoleons Sturz darf sich Frankfurt
  64. zwar wieder freie Stadt nennen und wird sogar Sitz des deutschen Bundes, jener losen Vereinigung, in der sich die deutschen Staaten abstimmen. Aber die
  65. [musik] große Zeit scheint vorbei. Im Mai 1848 reisen aus ganz Deutschland [musik] gewählte Abgeordnete nach Frankfurt und
  66. versammeln sich in einer schlichten ovalen Kirche, der Paulskirche. Zum ersten [musik] Mal in der Geschichte debattiert hier ein freiwähltes
  67. gesamtdeutsches Parlament über Einheit, Verfassung und Grundrechte. Ein Land, das als Staat noch gar nicht existiert, gibt sich hier zum ersten Mal
  68. ein Parlament. Draußen kocht die Revolution. Es kommt zu Barrikaden und Morgen auf offener Straße. Drinnen ringen Professoren und
  69. Juristen um die erste [musik] deutsche Demokratie. Als Symbol ist die Paulskirche zurecht die Wiege der deutschen Demokratie. Machtpolitisch
  70. aber scheitert sie. Die Nationalversammlung entwirft eine mustergültige Verfassung und bietet dem preußischen [musik] König die
  71. Kaiserkrone an. Der lehnt ab. Eine Krone von [musik] Volkesgnaden will er nicht. Die Verfassung tritt nie in Kraft, das Parlament zerfällt. Der Traum von 1848
  72. bleibt ein Traum. Und keine zwei [musik] Jahrzehnte später endet Frankfurtsfreiheit endgültig. 1866 besetzt und annektiert Preußen die
  73. Stadt. Der Bürgermeister nimmt sich das Leben. Ein tragisches Sinnbild für das [musik] Ende der Frankfurter Freiheit. Nach über 600 Jahren ist Frankfurt keine
  74. freie Stadt mehr. Unter preußischer Herrschaft aber kommt es anders als befürchtet. Frankfurt blüht auf wie nie zuvor. Aus der alten
  75. Messestadt wird eine moderne Industrie und Bankenmetropole. Die Einwohnerzahl explodiert von rund 100.000 auf über eine halbe Million
  76. innerhalb weniger Jahrzehnte. 1914 stiften wohlhabende Bürger, viele von ihnen jüdisch, eine eigene Universität. Frankfurt hat jetzt die
  77. zweitgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands. Rund 30.000 Menschen tief verwen mit Handel, Wissenschaft und Kultur der Stadt. Und genau diese Welt
  78. zerstören [musik] die Nationalsozialisten. Nach 1933 werden die Frankfurter Juden entrechtet,
  79. verfolgt, vertrieben. In der Pogromnacht 1938 [musik] brennen die Synagogen. Ab 1941 rollen die Deportationszüge von der
  80. Großmarkthalle in die Vernichtungslager. [musik] Knapp 10.000 Frankfurter Juden werden ermordet. Von 13.000 sind bei Kriegsende
  81. noch etwa 100 in der Stadt. In einem Frankfurter Unternehmen läuft zudem [musik] der Vertrieb jenes Giftgases zusammen, mit dem in Auschwitz gemordet
  82. wird, Zyklon B. Dann kommt der Krieg in die Stadt [musik] selbst zurück. In der Nacht zum 22. März 1944 versinkt die Frankfurter Altstadt
  83. [musik] in einem Feuersturm. Es ist eine der größten Fachwerkallstädte Deutschlands. Ein Gewirr aus schmalen Jahrhunderte alten
  84. Gassen zwischen Dom und Römer. In wenigen Stunden ist fast [musik] alles davon Asche. Von rund 2000 Häusern bleibt praktisch ein einziges [musik]
  85. unversehrt stehen. Rund 1000 Menschen sterben in dieser einen Nacht. Wo tausend Jahre Geschichte standen, liegt am Morgen ein rauchendes Trümmerfeld,
  86. aus dem ausgebrannten Mauern von Dom und Römer ragen. Und hier am tiefsten Punkt beginnt Frankfurts unwahrscheinlichster
  87. Aufstieg. Die Frankfurter räumen die Trümmer weg und bauen wieder auf. Und das erste Bauwerk, das Sie herrichten, ist ausgerechnet die Paulskirche,
  88. rechtzeitig zum hunden Jahrestag von 1848. Die Stadt besinnt sich auf das, was sie war. Dann aber trifft sie eine
  89. Entscheidung, die ihr Gesicht für immer verändert. Statt nur die alte Stadt zu rekonstruieren, [musik] greift Frankfurt nach oben. Die junge
  90. Bundesrepublik macht es zum Finanzzentrum. Hier sitzt [musik] die Bundesbank ab 1998
  91. die Europäische Zentralbank, [musik] die über die Währung eines ganzen Kontinents wacht. Die Banken bauen in den Himmel, Turm um Turm, bis eine Skyline entsteht,
  92. wie es sie in Deutschland kein zweites Mal gibt. Die Frankfurter geben ihr einen halbspöttischen, halbstolzen Namen, Mainon. [räuspern]
  93. Doch die Stadt hat ihre Vergangenheit nicht ganz [musik] aufgegeben. 2018 eröffnet mitten unter den Hochhäusern auf dem alten Grund zwischen
  94. Dom und Römer eine neue Altstadt. Fachwerkgassen sorgfältig nach historischen Vorbildern wiedererrichtet mit echten Originalfragmenten in den
  95. Mauern umstritten, ja, aber es ist der Versuch, das zurückzuholen, [musik] was jene Nacht im März genommen hat. Wer heute auf dem Römerberg steht, sieht
  96. beides auf einen Blick. Die schmalen Giebel der wiederauferstandenen [musik] Altstadt und dahinter Gläsern und kühl die Türme der Banken. 2000 Jahre in
  97. einem Bild. M.

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