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Die Hadsch - eine muslimische Reise-Dokumentation (Unterrichtsfilm)

Lieblingsfach Religion30:13 31.774 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 135 Zeilen
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  1. Schließe deine Augen und stelle dir vor, weit über eine Milliarde Muslime beten Zeit versetzt rund um die Uhr und überall auf der Welt in Richtung [musik]
  2. Kaaba, dem ersten Gotteshaus, das je erbaut wurde. Stelle dir vor, welch unglaubliche Energie, welche Einheit dabei entsteht.
  3. Und jetzt stelle dir vor, du stehst direkt vor der Kaaba, dem schlichten kubusförmigen Gebäude in mitten dem Zentrum, dort wo alle Gebete dieser Welt
  4. zusammenlaufen, dem Zentrum, in dem die ganze Energie sich bündelt. Was glaubst du, ist das für ein Gefühl, Teil dieses Zentrums,
  5. der Energie, der Einheit zu sein und sich vor Gott in demütiger Liebe und Sehnsucht niederzuwerfen und zu beten?
  6. Die Had ist ein alljährlich wiederkehrendes Ereignis, wie es auf der ganzen Welt kein zweites gibt. Über 4 Millionen Muslime aus allen Ländern
  7. dieser Welt vereinen sich dort nicht nur um eine wichtige Säule des Islams zu erfüllen. Die Hadch ist gleichzeitig Kulmination
  8. innigster Sehnsüchte und Wünsche. herrscht unter den Pilgern eine verheißungsvolle Atmosphäre aus Leidenschaft und Dankbarkeit, aufgeladen
  9. mit den Lebensträumen, die sich im Angesicht der Kaaba verwirklichen. Doch so reich die Hadch für den Pilger an Belohnung und Glückseligkeit sein
  10. mag, mindestens genauso reich ist sie an Strapazen und Zermürbung. Hadch ist anstrengend. Ohne die richtige Vorbereitung, bereits
  11. vor Reiseantritt, jeder Menge Geduld und Genügsamkeit kann diese Anstrengung zur Qual werden. Mit der richtigen Vorbereitung hingegen
  12. wird sich dem Pilger die Süße des Glaubens auftun. ein weiches Herz, hingebungsvolle Barmherzigkeit den Mitpilgern gegenüber und die innigste
  13. Verbundenheit mit [musik] [musik]
  14. [musik] [musik]
  15. [musik] Nun sitze [musik] ich im Flieger. Ich bin aufgeregt, ob dessen was mich
  16. erwarten mag. لبيك اللهم لبيك لبيك لا شريك لك لبيك
  17. ان الحمد والنعمه لك والملك لا شريك لك لبيك اللهم لبيك
  18. لبيك لا شريك لك لب انعمه
  19. hier bin ich, oh hier bin ich. Unsere Reise beginnt in Medina, der Stadt des Propheten Mohammed. Allahs
  20. Segen und Frieden sein auf ihm. Ca. 400 km nördlich von Mekka. Die Zeit vergeht. Ich habe [musik] kein Gefühl mehr für die Zeit. Manchmal weiß
  21. ich nicht, welchen Tag wir gerade haben. Die ersten Tage [musik] bewege ich mich wie betäubt durch die Straßen von Medina. Meine Wahrnehmung
  22. ist getrübt, als blickte ich durch einen Schleier hindurch. Das Klima, die Hitze, Baustellen, Lärm, Autos, kulturelle Vielfalt, Kaumschlaf, unendliche
  23. Eindrücke, als würde ich träumen und das Geschehen [musik] zöge in seiner Unwirklichkeit an mir vorbei. Erst am siebten [musik] Tag habe ich das Gefühl,
  24. ganz angekommen zu sein. [musik] Neben der sich über alle Straßen hinweg ausbreitenden Hektik erscheint die
  25. Prophetenmoschee wie eine Oase der Ruhe. Sie ist von unbeschreiblicher Schönheit und gewaltiger Eleganz. Eine Schönheit, die sich in ihrem vollen
  26. Umfang wohl nur von jenem erfassen lässt, der sie mit eigenen Augen gesehen und mit dem Herzen berührt hat.
  27. 1,2 Millionen Menschen finden in ihr einen Platz zum Beten. Weitläufige Flure, gestützt von kunstvoll geschwungenen Säulen, die an die
  28. Architektur der Moschee von Cordoba erinnern und Kuppeln liebevoll verziert, verschmelzen in ihrer Anordnung mit den Betenden zu einer harmonischen Einheit,
  29. einem stimmungsvollen Ornament. Es ist schon ein atemberaubendes Gefühl, wenn trotz der gigantischen Größe der Raum aufgrund der vielen Pilger eng
  30. wird. Im Gebet stehen wir Fuß an Fuß, Schulter an Schulter. Das Gefühl der Einheit wird in mir stark, der Einheit vor Allah. Einheit
  31. bei der gleichzeitig größtmöglich vorstellbaren Verschiedenheit. Denn um mich herum hat sich die ganze Welt versammelt.
  32. Kein Land dieser Welt, so scheint es mir, aus dem nicht mindestens ein Pilger den Weg hierher gefunden hat. Ich blicke in die strahlenden Augen der vielen
  33. Menschen und kann ihre unfassbare Dankbarkeit, hier an diesem Ort zu sein, förmlich spüren. Wie Licht scheint sie durch die Adern
  34. der Pilger zu fließen und aus jeder einzelnen Porer Körper zu strahlen und sich auf alles Erschaffene zu übertragen.
  35. Gegen 12 Uhr verlassen wir Medina. Hektik scheint das Gesetz der Stunde zu sein. Mit uns verlassen viele weitere Pilger die Stadt, um sich auf den Weg in
  36. Richtung Mekka zu machen. Nicht wie unser geliebter Prophet Allahs Segen und Frieden sein auf ihm auf Kamelen, sondern in klimatisierten Bussen, lassen
  37. wir uns 400 km lang in Richtung Mekka tragen. An mir ziehen endlose Felsformationen vorbei und ich frage mich, mit welcher
  38. Mühsal die Reise wohl damals einhergegangen sein muss. Ich lehne mich zurück und lasse mir in Gedanken ein weiteres Mal die einzelnen Stationen der
  39. Hatsch durch den Kopf gehen, voller Vorfreude und voller Ungewissheit ob dessen, was mich erwarten mag.
  40. Nach einiger Zeit befinden wir uns am Mirad, der Grenze zum heiligen Gebiet, das Meckka in sich einschließt. Bevor wir die Grenze überschreiten,
  41. müssen wir uns jedoch in den Weizustand begeben und die Absicht zur Hadsch fassen. nichts außer zwei weiße schlichte Tücher, dem Pilgerwandt
  42. umhüllen nun unsere Körper und werden die nächsten Tage unsere einzigen Kleidungsstücke sein. Den Pilgerinnen hingegen wird hier eine besondere
  43. Erleichterung zu teilen. Sie können die Hadch in ihrer Alltagskleidung vollziehen. Für sie gibt es keine besonderen Kleidervorschriften für den
  44. Zustand. Bänker und Bettler sind nun nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Alle Äußerlichkeiten verlieren sich in
  45. Belanglosigkeit. Im Zentrum aller Kommunikation steht ab jetzt das Menschsein und die Beziehung zu Gott. Aber nicht nur unsere Kleidung
  46. hat sich geändert. Nun ist es den Pilgern verboten, sich zu streiten, die Haare und Fingernägel zu kürzen oder sich zu parfümieren. Und auch das Jagen
  47. und der geschlechtliche Verkehr mit dem Ehepartner ist dem Wallfahrer in dieser Zeit untersagt. Nichts soll den Pilger von seinem Gottesdienst ablenken.
  48. Gegen 23 Uhr erreichen wir endlich Meckka. Unser Hotel in Asisia liegt ca. 6 km von der heiligen Moschee entfernt.
  49. Ich bin erschöpft und müde und muss mich ein wenig ausruhen. Auf der Dachterrasse unserer Bleibe bieten sich mir hierfür einladend ein paar bequem aussehende
  50. Kissen an. Ich schlafe sofort ein. Um 1 Uhr in der Früh werde ich plötzlich geweckt und dann geht [musik] alles ganz schnell. Mein Herz fängt an zu rasen und
  51. ich weiß sofort, wir machen uns auf den Weg zur Moschee, die Kaaba zu begrüßen. Ich befinde mich auf dem obersten Stockwerk der Moschee und nähre mich
  52. gesenkten Blickes dem Gelände. einer Überlieferung zufolge [musik] erhört Allah die Gebete seines Dieners beim ersten Erblicken der Kaba.
  53. Ich hebe meinen Kopf langsam, mein Herz rast und dann kann [musik] ich sie sehen. Mich durchströmt ein überwältigendes
  54. Gefühl. Wie ein fiebriges Zittern [musik] fährt es mir durch den Leib und dann war da trotz der Hast nur noch Stille.
  55. Von oben wirkt der heilige Kubus und die vielen tausend Pilger, die ihn umrunden wie eine organische Einheit. Die Kaba, der Mittelpunkt, das [musik] Zentrum
  56. aller Hinwendung der Muslime. Und nun stehe ich betend vor ihr. Ich kann die Schönheit im Angesicht ihrer Schlichtheit kaum [musik] beschreiben.
  57. Hier laufen alle unsere Gebete zusammen. Alle wenden sich ihr zu. Wer sie nicht selbst gespürt hat, [musik] wird es niemals verstehen können. Allen
  58. Beschreibungen zum Trotz. Am nächsten Morgen beten wir gemeinsam auf dem Dach unserer Unterkunft.
  59. In wenigen Tagen beginnt die eigentliche Hadch. Wir schonen unsere Kräfte und bereiten uns auf das wichtigste Ereignis unseres Lebens vor. Schon bald geht es
  60. los. Wir haben den 8. Zulhijah. Die Hadchzeit hat begonnen. Wir brechen
  61. zu Fuß auf zur nahegenden Zeltstadt Mina. Von dort aus werden bis zum 13. Tag des Bilgermonats alle Rieten der Hatsch durchgeführt.
  62. Mina ist groß, sehr groß, so groß, dass man leicht die Orientierung verlieren kann, denn die nur zur Hatchzeit belebte Stadt gleicht einem großen Labyrinth.
  63. Alle Zelte und Straßen sehen gleich aus. Zur besseren Orientierung wurden unsere Zelte deshalb mit neongrünen Absperrbändern versehen.
  64. In Mina bemerke ich bereits am Ende des ersten Tages die Spuren der Hadsch an meinen Gewändern und meinem Körper. Mein Pilgergewand ist schmutzig und
  65. durchschwitzt. Ich schlafe auf dem Boden im Staub, Körper an Körper mit anderen Pilgern. Jedem von uns stehen in Mina für sich selbst und sein Gepäck wohl
  66. nicht mehr als ein Quadratmeter Wüste zur Verfügung. Da bleibt kaum Platz, sich auf seinem Schlafplatz zu wenden. Aber zum Ausruhen haben wir sowieso
  67. keine Zeit. Vorerst verbringen wir nur eine Nacht in der Zeltstadt. Bereits nach dem Sonnenaufgang des neunten Zulhijah machen wir uns auf die
  68. lange Reise zur Ebene von Arafe. Wir befinden uns auf dem Weg nach Harap. Das sind 12 bzw. 13 km Fußweg. Einige
  69. sind mit dem Bus gefahren. Auch ein ganz großer Teil, den wir jetzt ein paar mal schon gesehen haben, sind zu Fuß unterwegs
  70. mit uns hunderttausende von Menschen, die auf diesen Weg laufen. Überall auf der Straße sieht man Leute übernachten, die vielleicht keinen Platz in ein Zelt
  71. gefunden haben oder einfach kein Geld hatten in ein Zelt zu übernachten. Hadsch ist Arafa, sagte der Prophet Mohammed, Allahs Segen und Frieden sein
  72. auf ihm über jene weite Städte zu der wir nun aufgebrochen waren. Araf ist das Herz der Pilgerfahrt und unsere erste Station, die wir von Minner
  73. aus ansteuern. Alle Pilger versammeln sich dort, um in tiefer Einkehr, Gebet und demütiger Hingabe Allah um Vergebung zu bitten, in
  74. dem Wissen, dass von ihm alles abhängt, er jedoch völlig unabhängig von allem ist. Regelmäßige Pausen an stattigen Orten
  75. sind notwendig, um wieder zu Kräften zu kommen. Der 12 km Fußmarsch und die Wüstenhitze versetzen mich wieder in jenen [musik]
  76. trorartigen Zustand, wie ich ihn noch von Medina kenne. Ich folge dem Rhythmus meines Herzschlages [musik] und orientiere mich stätig an der Fahne
  77. unseres Reiseleiters. Schritt für Schritt nähern wir uns unserem Ziel.
  78. 6 Stunden später haben wir Araf erreicht. Ich bin völlig ausgelaugt. In dürftig hergerichteten Zelten, die gerade genug Schutz vor der
  79. unbarmherzigen Hitze der Sonne bieten, begeben wir uns nach einer kurzen Ansprache in die Stille. Es beginnt die wichtigste Zeit im Leben
  80. eines jeden Muslimen. Der Wuf, das Stehen vor Allah, ist neben ihram und Tawaf einer der unverzichtbaren Bestandteile der Hadj.
  81. Um mich herum herrscht eine [musik] bewegende Atmosphäre. Ich höre behutsam leise Stimmen hingebungsvoller Koranrezitation
  82. und Blicke in die Gesichter weinender Menschen. Ein gewaltiges Weinen und doch so still, voller Demut und Liebe aus den tiefsten Tiefen ihrer Seelen, jener
  83. Seelen, die einst vor Gott standen und bekannten. Ja, wir bezeugen, du bist unser Schöpfer. Und nun stehe ich hier unter all diesen
  84. Menschen und werde mir meiner Unbedeutsamkeit bewusst, welch ein Staubkorn im Universum bin ich. Ich bete, mein Herz wird warm und
  85. Tränen suchen sich ihre Wege meinen Wangen entlang und finden ihr Ziel im Sand zu meinen Füßen. Das Streben, das tief in unser
  86. allerinnersten eifert nach Anerkennung, Aufmerksamkeit, beruflichem Erfolg. Diese stille Sehnsucht danach, dass
  87. unser Tun und machen nicht unbemerkt bleibt, dass sich die Menschen möglichst auch nach unserem Sein noch an uns und unsere Taten erinnern, dass wir eben
  88. nicht unbedeutend waren. Dieser innere Schrei verstummte und die Erkenntnis in mir wogs, dass Allah alleine genügt als Zeuge für all
  89. unser Tun. Dieser Gedanke, balsam für meine unruhige Seele schenkte mir unendliche Ruhe und unermesslichen Frieden. Frieden
  90. mit mir selbst und Frieden mit meiner Umwelt. 10. Zulhijah. Die Sonne ist untergegangen und wir
  91. machen uns mit den Bussen auf den Weg nach Musdaliifer. Dort übernachtete der Prophet Mohammed Allahs Segen und Frieden seinen auf ihm
  92. unter freiem Himmel, ohne Zelt, ohne jeglichen Komfort. Ich nehme mir einen leeren Karton mit, den ich am Straßenrand in Ara finde.
  93. Dieser soll mir als Matratze dienen und mich vor spitzen Steinen disteln und gestrüpp schützen. In Mustellifer angekommen, beten wir das
  94. Abend und Nachtgebet auf staubigem Wüstenboden und sammeln kleine Steinchen, die wir die nächsten Tage für die Steinigung der Jamarat benötigen.
  95. Die Säulen markieren die Stellen, an denen Abraham damals den Teufel vertrieb. Alle vier Millionen Pilger schlafen in
  96. dieser Nacht auf dieser Ebene. Um uns herum tausende Pilger. Hier liegen sich fremd und bekannt gegenüber. Die letzten künstlichen Grenzen
  97. verschmelzen. Mit diesen Gedanken schlafe ich ein. Die Sonne ist noch nicht ganz aufgegangen. Wir machen uns wie die
  98. Verrichtung des Morgengebets fertig. Nach dem Gebet brechen wir wieder zur nahe gelegenen Zeltstadt Mina auf. Ein großer Teil der Pilgeren ist nun
  99. vollzogen. Wir machen uns auf den Weg zur Steinigung der Jamar. Heute wird nur die
  100. größte Säule Aljamara Elkubra aufgesucht. Sie liegt am weitesten von Mina entfernt und am nächsten zu Meckke. Zur
  101. Geschichte dieses Rituals erfahren wir aus einer Überlieferung, dass der Prophet Abraham, Friede sei mit ihm, den Teufel mit Steinen vertrieb, da dieser
  102. ihn davon abhalten wollte, den Befehl Allahs auszuführen, nämlich seinen Sohn zu opfern. Für mich ist es, als würde ich mit jedem
  103. geworfenen Steinchen die letzten Reste an Verfehlungen von meinem Körper reißen. Ich fühle mich Wurf für Wurf leichter.
  104. Nach der Steinigung der großen Säule wird traditionell ein gesundes Opfertier geschlachtet als Symbol für Abrahams Gottvertrauen, der an Stelle seines
  105. Sohnes ein Tier opfern sollte, nachdem er Standhaftigkeit bewiesen hatte. Die meisten Pilger schlachten jedoch nicht mehr selbst. In der Regel beauftragt man
  106. eines der vielen Schlachthäuser mit diesem Ritual. Zu Fuß geht es dann weiter in Richtung Meckke. Wir widmen uns den letzten
  107. Rieten mit dem Rasieren der Haare. Schließlich legt man seinen ab und tritt aus dem Weizustand wieder aus. Mit jeder Menge Stolz und Glück, die
  108. Rieten alle gesund vollzogen zu haben, aber auch müde und erschöpft der vielen gelaufenen Kilometerwegen, geht es nun wieder zurück nach Mina.
  109. 11. bis 13. Zulhijah in Mina beginnt eine spannende Zeit. Denn dort gilt Selbstverpflegung. Auf die Empfehlung eines lieben Freundes
  110. hin folge ich der Tradition des Propheten Allahs Segen und Frieden sein auf ihm und kaufe mir Datteln für die nächsten drei Tage. Wasser gibt es
  111. überall. Trotz der Enge und der bescheidenden Umstände oder wahrscheinlich gerade deshalb genieße ich die Zeit hier in
  112. ganz besonderem Maße. [räuspern] In meinem Leben habe ich an keinem anderen Ort zuvor mehr Brüderlichkeit empfunden wie hier. Alles was wir haben,
  113. teilen wir. Wir organisieren gemeinsame Essenszeiten in unseren Zelten. Jeder bringt eine Kleinigkeit mit und ist darum bemüht, das Beste davon seinem
  114. Bruder zu schenken. In kurzer Zeit haben wir reich gedeckte Plätze. Es herrscht bescheidene Ausgelassenheit. Voller Dankbarkeit, Demut und Glück. Genießen
  115. wir die letzten drei Tage in Mina. Das einzige Hadschritual in dieser Zeit besteht in weiteren Steinigungen der Jamarat. Dieses Mal jedoch alle drei
  116. Säulen. Es ist geschafft. Die Hadch ist vorüber. Die letzte Woche unserer Reise
  117. verbringen wir in einem fünf Sterne Hotel 300 m vom Haram entfernt. Der Kontrast könnte kaum [musik] größer sein. Statt Datteln und Wasser bekommen
  118. wir hier täglich ein Dreigängemenü Kredenzt und können zwischen verschiedenen Säften wählen. Statt auf einem [musik] kleinen Fleckenwüstenstaub
  119. schlafe ich jetzt auf einer sieben Zonen Komfortmatratze. Und wo vorher Platz für zehn Pilger war, da teilen wir uns nun [musik] ein Zimmer
  120. zu dritt. Das ist doch eine schöne Belohnung für die anstrengende Zeit, [musik] rede ich mir ein. Mein Herz jedoch sehnt sich
  121. bereits während dieses Gedankens [musik] zurück nach Mina und Arafa. [musik]
  122. الله الله سمع الله لمن حمده ربنا ولد Ich
  123. nutze die letzten Tage meiner Reise und lasse mich von der Schönheit der Kaaba und der Vielfalt der Menschen verzaubern.
  124. Auf dem Weg zur Moschee lächelt mich ein älterer Pilger liebevoll an. Als ich sein Lächeln erwidere, deutet er mit seiner Hand auf sich und sagt:
  125. "Bangladesch! Ich verstehe und gebe ihm mit dem Finger auf meine Brusttippen zur Antwort: Germany, Alemania.
  126. Plötzlich erhebt er sich von seinem Gebetsteppich, kommt mir mit Tränen erfüllten Augen entgegen und umarmt mich so innig, als
  127. hätte er in mir einen lange vermissten Freund wiedergefunden. Diese intimen Begegnungen bewahren in ihrem unerschöpflichen Reichtum eine
  128. wichtige Erkenntnis. [schnauben] Wir haben alle das gleiche Ziel und dieses Ziel ein uns trotz aller
  129. Unterschiede. Als am Tag der Abreise, ich befinde mich wie bei meiner ersten Begegnung mit der
  130. Kaba, auf dem obersten Stockwerk, plötzlich der Gebetsruf ertönt und ich zu begreifen anfange, dass dieser das letzte Gebet einläutet, dass ich auf
  131. diesem heiligen Boden verrichten werde. füllen sich meine Augen mit Tränen und in mir erstargt das Gefühl, nie wieder gehen zu wollen.
  132. اشهد ان محمدا رسول الله
  133. اشهد اشهد ان محمدا رسول الله
  134. حي على حي على
  135. حي على الفلاح حي الفلا

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