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Warum gibt es Religionen? ⛪ | Gute Frage über Glaube & Götter

TU Dresden entdecken21:08 7.666 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 187 Zeilen
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  1. Man kann aus verschiedenen Traditionen und Kulturen religiösen und nichtreligiösen Ansätzen schöpfen.
  2. Entwickeln wir uns dank Religion weiter oder ist es genau andersherum? Das Besondere ist beim Vielgötterglauben,
  3. dass man offen gegenüber anderen Göttern und neuen Göttern ist, Im Hinduismus gibt es über 300
  4. Millionen Götter. Die echten Ersatzreligionen sind natürlich
  5. die politischen Religionen. Wir wollen über Religion und Politik reden. Aus theologischer Perspektive gibt es sicher viele gute Gründe,
  6. warum es Religionen eigentlich gibt. Gut 27% der Deutschen lassen sich der römisch katholischen Kirche zuordnen.
  7. 24% der evangelischen und 5% werden als sogenannte konfessions gebundene Muslime und Muslima bezeichnet.
  8. Und auch wenn die Anzahl der Konfessionslosen Jahr für Jahr steigt, lässt sich doch immer noch die Mehrheit der Deutschen einer Religion zu zählen.
  9. Und deshalb wollen wir in dieser Folge der Guten Frage nachgehen, warum es Religionen eigentlich gibt
  10. und welchen gesellschaftlichen und politischen Einfluss sie haben. Wir wollen uns mit dem Verhältnis von Religionen
  11. und Menschenrechten beschäftigen, aber auch aus anthropologischer Sicht die Frage beantworten, warum Menschen eigentlich Religionen brauchen
  12. und ob sich Menschen, die nicht an einen oder mehrere Götter glauben, vielleicht Ersatzreligion suchen.
  13. Aber als erstes wollen wir den Blick in die Vergangenheit werfen, auf die Anfänge der Religionen, wie wir sie heute kennen.
  14. Mehr darüber kann uns der Historiker Bastian Reimer erzählen, den wir hier im geschichtsträchtigen Schumann-Bau treffen. Er ist Mitarbeiter an der Professur für Alte Geschichte der TU Dresden.
  15. Wir wollen über Religionsgeschichte reden und dafür einen Blick in die Antike werfen.
  16. Wie sahen denn antike Religionen damals aus? Grundsätzlich sahen antike Religionen damals
  17. ganz verschieden und vielfältig aus. Ein gemeinsames Merkmal war es aber, dass sie alle an mehrere Götter glaubten.
  18. Das Besondere ist beim Vielgötterglauben, dass man offen gegenüber anderen Göttern und neuen Göttern ist.
  19. Wenn irgendwo ein neuer Gott aufgetaucht ist, hat man ihn einfach integriert, statt sich abzugrenzen.
  20. Und wie war das Verhältnis zwischen Religion und Staat zu dieser Zeit? Der Staat war eigentlich sehr eng verbunden mit der Religion.
  21. Also jeder politische Akt war am Ende auch ein religiöser Akt. Man kann sich das praktisch vorstellen,
  22. dass eine Senatssitzung nicht eröffnet werden konnte, ohne dass vorher ein Opfer dargebracht wurde.
  23. Oder dass auch wenn ein militärischer Feldzug erfolgreich zu Ende gegangen ist, man dem Gott das versprochene Opfer
  24. oder die den versprochenen Tempelbau oder irgendetwas in der Art dann auch geben musste. Also es ist dort immer ein wichtiges Verhältnis von "Ich habe dir etwas gegeben
  25. und du hast mir etwas zurückgegeben" zwischen den Göttern gab. Der Staat an sich hat aber kein wirkliches Interesse,
  26. in das private religiöse Leben einzugreifen. Also solange jeder an den offiziellen Ritualen teilgenommen
  27. hat, sah man kein Problem, irgendwas weiteres zu veranlassen. Wie unterscheidet sich denn das Christentum von den antiken Religionen?
  28. Man könnte als erstes sagen, dass sich das Christentum dadurch unterscheidet,
  29. dass es nur einen einzigen Gott verehrt hat und den mit einem Exklusivitätsanspruch.
  30. Das heißt kein Gott neben mir. Das war eigentlich für die Antike nichts Neues,
  31. denn es gibt ja schon das Judentum seit ein paar Jahrhunderten eine sehr traditionsreiche und alte Religion.
  32. Also was ist das, was das Christentum Provokantes, Neues aufs Tableau bringt? Und das ist die Abkehr vom alten Glauben der Vorväter
  33. und die Hinwendung zu einem neuen Glauben zu Jesus Christus. Und diese
  34. Abkehr von den Vätern ist etwas, was in der Antike sehr schlecht angesehen war, also sehr anrüchig.
  35. Man kann es fast als einen Verrat bezeichnen und von Verrat gegenüber den Vorvätern ist es kein langer Weg zum Verrat am Staat.
  36. Und trotzdem hat sich das Christentum durchgesetzt. Das Christentum hat sich durchgesetzt, weil es als Religion erst mal
  37. sehr attraktiv und ansprechend ist mit den Glaubensaussagen, die sie haben, aber auch an sich, sie sich sehr gut missionierend verbreitet hat.
  38. Das ist ja eine ganz neue Art der Religionsverbreitung gewesen in der Zeit und die war auch sehr effektiv.
  39. Diese Effektivität ist auch dadurch hervorgekommen, dass das Christentum als eine
  40. sehr glaubwürdige Gemeinschaft aufgetreten ist, weil die Leute haben nicht nur ihre Rituale durchgeführt,
  41. sondern auch das Christsein tagtäglich gelebt und nach außen geführt. Welche Gründe hatten
  42. den Menschen zu dieser Zeit sich ganz generell Religionen zuzuwenden? Welche Motive lagen da dahinter?
  43. Religionen bieten Struktur. Und besonders das Christentum bietet eine klare Lebensführungsstruktur.
  44. So soll man leben, das soll man tun. Und es gibt auch eine klare Welt Perspektive im Christentum.
  45. Und diese klare Perspektive ist etwas sehr wichtiges für Menschen an sich. Die Gemeinschaft,
  46. die das Christentum hatte, war auch ein intensiveres Gemeinschaftsgefühl als es in anderen Kulten der Fall war zu der Zeit.
  47. Es ging ja sogar so weit, dass Mitglieder sich selbst verschuldet haben, um andere Mitglieder aus der Sklaverei freizukaufen.
  48. Es ist eine Bereitschaft, sich für die anderen einzusetzen, die in anderen Vereinen und Kulten nicht gegeben war.
  49. In einer Folge, in der es um Religion geht, wollen wir natürlich auch mit einer Theologin sprechen und aus theologischer Perspektive
  50. gibt es sicher viele gute Gründe, warum es Religionen eigentlich gibt. Wir haben den Fokus auf das Thema Religion und Menschenrechte gelegt.
  51. Stehen die beiden vielleicht sogar an einem gewissen Konflikt zueinander? Oder ist es genau andersrum?
  52. Bauen die Menschenrechte, wie wir sie heute kennen, vielleicht auf religiöse Gebote auf?
  53. Und um darüber zu reden, haben wir uns heute einen Ort gesucht, der kaum passender sein kann, nämlich die Kreuzkirche mitten im Herzen Dresdens.
  54. Hier fanden zur friedlichen Revolution 1989 Friedensgebete statt. Und dieses Denkmal hier die Steine des Anstoßes.
  55. Die erinnern daran. Für unser Interview sind wir jetzt hier auf den Turm der Kreuzkirche geklettert.
  56. Genauer gesagt, wenn wir gleich noch reingehen hinter die Kirchturmuhr und dort treffen wir Frau Doktorin
  57. Cornelia Mügge vom Institut für Evangelische Theologie. Du forschst zum Thema Menschenrechte und Religion.
  58. In welchem Verhältnis stehen die beiden denn? In einem ambivalenten und spannungsreichen Verhältnis.
  59. Einerseits haben Religionen Menschenrechte natürlich in verschiedenen Hinsichten befördert
  60. und befürwortet und andererseits waren Religionen über lange Zeit sehr kritisch. Und da spreche ich jetzt vor allem für die christliche Religion.
  61. Dazu forsche ich vorrangig, oder da bewege ich mich vorrangig. Und da gilt sowohl für die evangelische
  62. als auch für die katholische Religion, dass sie lange Zeit wirklich skeptisch gegenüber den Menschenrechten gewesen sind.
  63. Und das hat zum einen mit historischen Aspekten zu tun, mit dem Entstehungsprozess.
  64. Menschenrechte sind ja ganz wesentlich z.B. auch durch die Französische Revolution befördert worden,
  65. und das ist ein Meilenstein auf dem Weg zu den Menschenrechten. Und das war natürlich auch eine Bewegung gegen die Kirchen.
  66. Und das hat sich eigentlich erst mit dem Zweiten Weltkrieg ziemlich stark geändert. Seitdem ist es so, dass zunehmend Theologen und Theologinnen
  67. und die Kirchen auch sich für die Menschenrechte aussprechen, weil man einfach erkannt hat
  68. Wir brauchen sowas wie die Menschenrechte. Und da kann man dann natürlich sagen, gibt es auch in der christlichen Religion
  69. eine ganze Reihe von positiven Anhaltspunkten, Anknüpfungspunkten. Wenn man sich so die christlichen Gebote so rund um Nächstenliebe anguckt,
  70. kann man sagen das ist schon auch irgendwie die Basis der Menschenrechte in gewisser Art und Weise?
  71. Nächstenliebe ist tatsächlich auch etwas, was christliche Kirchen immer wieder auch anführen
  72. oder was man auch in theologischen Texten findet, dass man sagt, da ist ja auch so ein Ankerpunkt, vielleicht
  73. für die Menschenrechte und die Menschenwürde. Und zugleich bringt es in Menschenrechtsgedanke aber noch was
  74. eigenes ein, nämlich genau diesen Rechtsanspruch. Also wenn Nächstenliebe geht es darum, man wendet sich jemanden
  75. freiwillig in Liebe sozusagen zu. Das ist aber im Wesentlichen ein Appell.
  76. Und bei den Rechten geht es gerade darum, dass man sagen kann Ich habe einen Anspruch auf bestimmte grundlegende Aspekte des Menschseins.
  77. Ich habe dieses Recht und das kann ich auch in Anspruch nehmen. Ich kann das einklagen.
  78. Wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, dann würde es die Menschenrechte auch geben, wenn es keine Religion gäbe.
  79. Das ist natürlich eine stark hypothetische Frage, weil was wäre eine Welt ohne Religion? Das können wir uns schwer vorstellen.
  80. Einfach weil Religionen schon immer in einem engen Wechselverhältnis mit unserer Gesellschaft gestanden haben, mit der Entwicklung.
  81. Historisch hat sich das ja immer bedingt. Aber man kann Menschenrechte auch anders begründen.
  82. Man kann aus verschiedenen Traditionen und Kulturen, religiösen und nichtreligiösen Ansätzen schöpfen, um Menschenrechte zu begründen.
  83. Würdest du trotzdem sagen Wir als Gesellschaft brauchen auch an gewissen Punkten immer mal Religionen?
  84. Entwickeln wir uns dann Religionen vielleicht auch einfach weiter? Oder ist es genau andersherum?
  85. Gesellschaftlicher Wandel sorgt dafür, dass sich Religionen weiterentwickeln. Also Entwicklungen kann ja in verschiedene Richtungen gehen.
  86. Und ich würde jetzt gleich mal unterstellen, du meinst so was wie eine Weiterentwicklung im Sinne einer besseren Welt,
  87. einer gerechteren Welt, einer Welt, wo es weniger Gewalt gibt, mehr Respekt und so was.
  88. Genau da können Religionen mitwirken und sie können das hemmen. Vielleicht kann ich es an
  89. einem anderen Beispiel mal verdeutlichen. Ich forsche gerade zum Thema Tierethik und da kann man das wieder ganz gut sehen, da wäre die Weiterentwicklung
  90. ja vielleicht ein besseres Mensch-Tier-Verhältnis, da wäre die Weiterentwicklung, dass wir Tiere
  91. besser behandeln, dass sie weniger leiden. Und auch da ist es so, dass man dann sagen kann
  92. Ja, Religion hat natürlich als allererstes mal eine problematische Funktion gespielt,
  93. gerade die christliche Religion, hat mit dazu beigetragen, dass wir so ein problematisches Verhältnis haben.
  94. Es gibt diese Rede. Man soll sich die Erde untertan machen, die Menschen sich die Erde untertan
  95. machen. Oder zu Weihnachten ist man Gänsebraten. Das ist natürlich kein genuin christlicher Inhalt,
  96. aber trotzdem wird es ja tradiert über christliche Traditionen. Und andererseits ist es aber auch eben da so,
  97. dass man viel schöpfen kann aus dieser christlichen Tradition. Also die Idee der Mitgeschöpflichkeit zum Beispiel,
  98. die muss per se jetzt auch nicht heißen, dass man dann keine Tiere mehr tötet zum Beispiel.
  99. Das legen die Theologen und Theologinnen auch ganz unterschiedlich aus. Aber da steckt doch so was drin, wie von der Anerkennung von einem
  100. mehr im Miteinander zu denken. Und ich glaube, dass da schon auch
  101. man wieder aus Werten schöpfen kann, die die Gesellschaft auch voranbringen können in diesem Sinn oder weiterentwickeln
  102. können zu einem besseren Mensch-Tier-Verhältnis. Und das man auch da wieder eine tiefere Motivation schafft, warum man sich dafür einsetzen sollte.
  103. Das Thema Tierethik passt wunderbar zur ersten Folge der Guten Frage. Damals haben wir mit Frau Professorin Julia Enzing
  104. von der katholischen Theologie über Bienen gesprochen und über Tierrechte. Das Video findet ihr hier
  105. im Info-I, wenn ihr Lust habt, schaut es euch gerne an! In dieser Folge der guten Frage wollen wir nicht nur darüber reden,
  106. warum es Religionen per se gibt, sondern wir wollen auch schauen, welchen Einfluss
  107. Religionen auf unsere Gesellschaft haben. Und wir haben gerade schon mit Cornelia Mügge über das Thema
  108. Religion und Menschenrechte über die Verbindung da gesprochen und wollen jetzt noch schauen, wie Religion auch Politik beeinflusst.
  109. Und darüber möchte ich jetzt mit Frau Professorin Nikita Dhawan sprechen, die ganz frisch an die TU Dresden gewechselt ist,
  110. ans Institut für Politikwissenschaften. Und dort forscht sie auf den Gebieten des Postkolonialismus und des Feminismus.
  111. Und da sie aktuell noch in Berlin ist, werden wir das Interview hier in meinem Büro per Videokonferenz durchführen.
  112. (in Englisch) Wir wollen über Religion und Politik reden. Sie haben zum Zusammenhang zwischen Kolonialismus und Religion geforscht.
  113. Was können Sie im Allgemeinen zu diesem Zusammenhang sagen? Die Beziehung zwischen Kolonialismus und Religion ist sehr komplex.
  114. Die Kirche, katholisch und auch evangelisch, spielte eine extrem große Rolle in der Verbreitung europäischer Normen. Als Europäer in Ländern wie Indien den religiösen Praktiken, Glaubenstraditionen und Glauben wie
  115. Hinduismus und Buddhismus begegneten, waren sie schockiert, sozusagen, aber auch erschaudert. Ich meine, im Hinduismus gibt es 330 Millionen Götter.
  116. Und natürlich lehnten sie das als Heidentum ab, als unzivilisierte Formen von Glaubenstraditionen. Und sie versuchten rationales Christentum zu predigen.
  117. Also das ist ein Teil der Geschichte. Der andere, sehr signifikante Aspekt, wenn wir über Religion und Kolonialismus reden,
  118. ist die Rolle der Religion in antikolonialen Bewegungen. Jede Art von Versammlung wurde während der Apartheid Regierung nicht erlaubt.
  119. Also war die einzige Möglichkeit politische Treffen abzuhalten, in der Kirche. Und das gleiche kann über das african-american Civil Rights Movement gesagt werden.
  120. Die Kirche spielte eine wichtige Rolle darin, menschen zu mobilisieren, ihnen Ideen von Freiheit, von Gleichheit, von gemeinsamer Menschlichkeit zu geben.
  121. Wenn wir über Politik und Religion reden, reden wir auch oft über Säkularismus. Wie ist da der Zusammenhang? Eines der Vermächtnisse der europäischen Aufklärung, die zu den sogenannten "dunklen Kontinenten" gebracht wurde,
  122. war, wir sprachen bereits über Menschenrechte, Demokratie, Rechtsnormen, aber auch Säkularismus. Also das ist fast wie das untere Ende der Modernität in Europa.
  123. Und das Problem war, dass die Säkularisierung der Politik Teil des progressiven Voranschreitens der Geschichte war. Jeder Nachteil in der Gesellschaft wurde mit unterdrückerischer Religion erklärt.
  124. Selbst im heutigen Kontext, wenn wir an autoritäre Regime denken, an nicht demokratische Regime, denken wir automatisch an die nicht-Trennung zwischen Religion und Politik.
  125. Also fällt die Schuld immer auf die Religion, für all die Grausamkeiten und Verbrechen gegen die Menschheit, die Menschheit, die wir heute haben.
  126. Wissen Sie, das Versprechen von Säkularität, dass Religion privatisiert ist, dass es etwas ist, was man Zuhause macht, dass zu wem man betet
  127. keine Rolle in der öffentlichen Gesellschaft hat, ist komplett irreführend. Nehmen wir ein Land wie Deutschland, ein säkulares Land.
  128. Dennoch, als z.B. Angela Merkel ins Amt getreten ist, hat sie auf die Bibel geschworen und gesagt "So Gott mir helfe."
  129. Ich meine, wir würden nicht die Christliche Demokratische Union in Deutschland haben, welche eine der stärksten Parteien ist, mit "Christlich" im Namen.
  130. Und lassen Sie uns nicht vergessen, die Versicherung, dass säkuläre Staaten friedvoller und ordentlicher sind als religiöse Staaten.
  131. Ich meine, das einzige Land, dass jemals eine nukleare Bombe nutzte, war die USA, ein säkulärer demokratischer Staat.
  132. Und beim Frieden, das Land, das mehr Kriege geführt hat, als jedes andere Land in der Welt, wieder ein säkulärer demokratischer Staat, die USA.
  133. Wir haben mit Professor Dhawan auch über das Verhältnis von Religion und Feminismus gesprochen
  134. und das als extra Video hochgeladen, das hier über das ich hier oben findet. Wenn es euch interessiert.
  135. Religionen gründen sich in der Regel im Glauben an ein oder mehrere transzendente Götter.
  136. Aber was ist mit Menschen, bei denen das in deren Leben überhaupt keine Rolle spielt?
  137. Suchen die sich womöglich Ersatz? Finden sie zum Beispiel eine religiös ansehnliche Gemeinschaft
  138. in ihrem Sport oder Spiritualität in der Natur? Darüber will ich jetzt mit Honorarprofessor Joachim
  139. Fischer vom Institut für Soziologie sprechen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem
  140. die Philosophische Anthropologie sowie die Kunst und Kultur Soziologie. Wie lässt sich denn aus anthropologischer und soziologischer Sicht
  141. erklären, dass sich Menschen Religionen zuwenden? Theologisch würde ich ja voraussetzen,
  142. dass es so etwas wie einen Gott oder eine Göttlichkeit gibt, um dann als Theologe kläre ich das Verhältnis Gottes zu den Menschen
  143. und das Verhältnis des Menschen zu Gott, den es tatsächlich gibt. Während anthropologisch
  144. setze ich nicht voraus, dass es eine Göttlichkeit gibt, sondern was ich aufklären will, ist, warum es so eine Neigung der menschlichen Lebewesen
  145. dazu gibt, sich Religionen anzuschließen oder religiöse Gefühle oder Vorstellungen zu entwickeln.
  146. Und da würde man anthropologisch kommen auf die wunderbare Realität, die Verletzbarkeit menschlicher Lebewesen, verletzbar wie tierische Lebewesen,
  147. aber eben mit vollem Bewusstsein, dass sie verletzbar sind. Sie suchen im Grunde nach einer Kompensation.
  148. Nun hört man immer mal wieder den Satz: "Fussball ist eine Ersatzreligion." Oder Menschen sagen meine Religion ist Naturbewegung oder Yoga oder solche Dinge.
  149. Ist es tatsächlich so, dass Menschen, die nicht an einen oder mehrere Götter glauben, nicht an was Transzendentes, dass die sich eine Ersatzreligion suchen?
  150. Ja, zweifellos, also religions, anthropologisch und soziologisch würde man von so etwas wie Ersatzreligionen, also Substitute,
  151. von Religiosität sprechen, von echter Religiosität. Ob jetzt der Fußball selbst oder ob man das angemessen
  152. Religionsoziologisch beschreiben kann, weiß ich nicht. Natürlich gibt es so einen,
  153. es gibt einen schönen Ausdruck des Anhimmelns, also die Stars und so weiter oder die Vereine anhimmelt.
  154. Das schon. Aber ich würde sagen, die echten Ersatzreligionen
  155. sind natürlich die politischen Religionen seit dem 19. Jahrhundert, Also das ist eigentlich gut erforscht, dass man sagt,
  156. der Nationalismus, die Nationen aus dem 19. Jahrhundert, ja, diese Kollektive, die haben wirklich religiöse
  157. Muster auf sich gezogen, auch in der Bereitschaft, das Opfer zu bringen, das eigene Leben einzusetzen.
  158. Und dann noch ergänzend im 20. Jahrhundert natürlich die großen Totalitarismen,
  159. also der Kommunismus einerseits und der Faschismus Nationalsozialismus andererseits als politische Bewegung.
  160. Da würde man sagen, die haben eindeutig Ersatzreligiöse Funktionen gehabt.
  161. Wenn man heute nach Ersatzreligion fragt im großen Stil, dann würde ich auf die ökologische Bewegung kommen,
  162. da würde ich tatsächlich sagen in der ökologischen Bewegung. Das ist natürlich alles sozusagen wissenschaftlich mit motiviert
  163. und es wird an die Wissenschaft auch geglaubt angesichts des Klimawandels
  164. und dergleichen und daraus man Konsequenz gezogen werden. Aber es hat doch auch eindeutig sakrale Züge.
  165. Die Moderne ist schuld an den ökologischen Katastrophen. Und jetzt kommt die große Wende, die Buße,
  166. die Askese, ja das sozusagen die Aufforderung zur Askese, um den Planeten zu retten, also dieses Rettungsmotiv, Gottes Schöpfung zu retten.
  167. Da sind bei sehr vielen Beteiligten, ohne dass sie das selbst reflektieren würden, neben allem pragmatischen
  168. und gut durchdachten Motiven auch religiöse Muster im Spiel. Kann man dann sagen Ohne Religion fehlt Menschen was?
  169. Ja, ich würde schon sagen, es ist nicht, dass alle gleichsam diese religiöse Disposition ausleben.
  170. Sonst könnte man ja das Phänomen des Atheismus nicht erklären.
  171. Wenn wir uns die Kirchenaustritte in Deutschland angucken, die unvermindert hohe Zahl jedes Jahr. Kann man dann sagen, dass in heutigen Zeite Religionen weniger eine Rolle spielen als früher?
  172. Ich glaube, da muss man unterscheiden zwischen konfessioneller Religion.
  173. Das betrifft ja die Kirchenaustritte und Spiritualität. Und wenn man weltweit schaut, würde man nicht sagen,
  174. dass es zu einem Absterben der Religionen kommt, der klassischen Religionen. Vor allem muss man schauen
  175. auf die spirituelle Szene. Das sind dann die Meditation und Yoga-Szenen und dergleichen Angebote, spirituelle Angebote,
  176. wo man als Individuum experimentiert und sich gleichsam seinen eigenen Weg zu etwas wie der Transzendenz und Göttlichkeit bastelt.
  177. Tatsächlich treten Jahr für Jahr mehr Menschen aus der Kirche aus. Allein 2020 waren es 440 Menschen, die der evangelischen
  178. und der katholischen Kirche den Rücken zugekehrt haben. In diesem Video aber
  179. haben wir mehr über die Motive erfahren, warum sich Menschen Religionen zuwenden. Wir haben auch gehört, warum oder wie Religionen ersetzt werden können
  180. und dass zum Beispiel die Umweltbewegungen religionsähnliche Muster erkennen lässt. Mit Frau Professorin Nikita Dhawan haben wir außerdem über das ambivalente
  181. Verhältnis von Religion in der Kolonialgeschichte und im Feminismus gesprochen Eine Menschheitsgeschichte ohne Religion ist vermutlich undenkbar.
  182. Religionen haben Gesellschaften weltweit über Epochen geprägt. Schreibt uns doch gern mal unten in die Kommentare, was ihr denkt,
  183. wie eine Welt ohne Religion aussehen würde. Vielen Dank fürs Zuschauen.
  184. Ich hoffe euch hat das Video gefallen. Ihr findet hier oben die letzte Folge der Guten Frage.
  185. Da geht es ums Thema Hochwasser. Und hier unten gibt es noch ein weiteres Video der TU Dresden.
  186. Und wenn ihr gar keins mehr verpassen wollt, hier auf dem Kanal TU Dresden entdecken, dann abonniert den Kanal.
  187. Drückt die Glocke. Und dann sehen wir uns beim nächsten Mal. Ciao!

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