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Werte & Normen: Wie hängen sie zusammen?

Ethik-Abi by BOE8:21 9.879 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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  1. Was sind Werte? Was sind Normen? Und wie hängen die beiden Begriffe zusammen? Werte sind grundlegende Überzeugungen oder
  2. Prinzipien, die als gut und erstrebenswert erachtet werden. Als Zielvorstellungen geben sie dem menschlichen Dasein Sinn und Richtung. Sie dienen als Leitfaden
  3. für das Verhalten und die Entscheidungsfindung. Werte umfassen sowohl positive Charaktereigenschaften - sogenannte Tugenden - , als auch auch abstraktere Güter wie Freiheit,
  4. Eigentum, Sicherheit, Frieden oder Gesundheit. Sie bieten Orientierung und leiten - bewusst oder unbewusst - das Denken, Wollen und Handeln von Individuen und Gruppen.
  5. Ist einer Person der Wert der Gesundheit sehr wichtig, wird sie sich entsprechende Ziele setzen und sich beispielsweise gut ernähren und viel bewegen.
  6. Ist einer Gruppe Sicherheit sehr wichtig, wird sie Maßnahmen und Vorkehrungen treffen, um diesen Wert zu schützen. Bei unterschiedlichen Menschen,
  7. in unterschiedlichen Gruppen, Gesellschaften und Kulturen finden wir unterschiedliche Werte. Diese Werte können, müssen aber nicht, in Konflikt zueinander geraten.
  8. Je nachdem, welche Bedeutung eine Gesellschaft, Gruppe oder Person unterschiedlichen Werten beimisst, ergibt sich eine hierarchische Stufenfolge von Werten, eine
  9. sogenannte Wertehierarchie oder Wertepyramide. Auch die Werte-Ordnungen - die Hierarchisierung verschiedener Werte - unterscheiden sich je nach Person, Gruppe, Gesellschaft oder Kultur.
  10. Während der einen Gruppe Sicherheit wichtiger ist als Freiheit, ist es in einer anderen Gruppe möglicherweise genau umgekehrt. Und Werte können sich verändern. Wenn sich die
  11. moralischen Überzeugungen einer Gesellschaft kontinuierlich oder plötzlich verändern, spricht man von einem Wertewandel. Normen sind konkrete Handlungsregeln,
  12. welche das individuelle und zwischenmenschliche Verhalten regeln. Sie definieren, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten sollte. Als Ge- oder Verbote drücken Normen
  13. ein Sollen aus. Sie sind daher meist imperativisch formuliert. Normen leiten das Handeln von Einzelnen und Gruppen, indem sie zu Zwecksetzungen
  14. oder Handlungen auffordern. Sie geben die (rechtlichen oder moralischen) Grenzen des Handlungsspielraums an. Mit Hilfe von Normen können Handlungen als richtig
  15. oder falsch beurteilt werden. Prinzipiell werden rechtliche und moralische Normen unterschieden. Während rechtliche Normen rechtsverbindlich
  16. sind und zwangsweise durchgesetzt werden können, sind moralische Normen nur moralisch verbindlich. Ihre Verletzung kann nicht rechtlich, sondern nur moralisch-gesellschaftlich sanktioniert werden,
  17. etwa durch Missbilligung, Verachtung oder Ausgrenzung. Schau dir gerne mein Video „Recht und Moral“ an, wenn dich dieses Thema genauer interessiert.
  18. Zwischen Werten und Normen besteht ein enger Zusammenhang. Werte sind die Grundlage von Normen. Aus bestimmten Werten
  19. lassen sich bestimmte Normen ableiten. Jedem Wert entsprechen bestimmte Normen, durch welche der Wert verwirklicht werden soll. Dem Wert „Ehrlichkeit“ beispielsweise
  20. entspricht die Norm „Du sollst nicht lügen!“, dem Wert „Eigentum“ entspricht die Norm „Du sollst nicht stehlen!“. Normen konkretisieren Werte und setzen
  21. sie praktisch um. Sie legen konkret fest, was in bestimmten Kontexten als akzeptabel und wünschenswert gilt. Dadurch regulieren sie das tatsächliche Verhalten von Menschen.
  22. Normen tragen aber auch zur Verstärkung von Werten bei. Wenn Normen konsequent angewendet und befolgt werden, werden die entsprechenden Werte in der Gesellschaft
  23. oder Gemeinschaft weiter gefördert und verankert. Umgekehrt werden Normen durch Werte legitimiert. Die Norm „Du sollst nicht lügen!“ kann beispielsweise damit begründet werden,
  24. dass Ehrlichkeit grundlegend für das menschliche Zusammenleben ist. Die Norm „Du sollst nicht stehlen!“ setzt voraus, dass es legitimes persönliches Eigentum gibt.
  25. Normen sind häufig mit unterschiedlichen Werten kompatibel. Zu der Norm „Du sollst nicht lügen!“ passt nicht nur der Wert der Ehrlichkeit, sondern auch der
  26. Wert der Wahrheit, der Glaubwürdigkeit, der Transparenz oder der Offenheit. Andererseits können aus gleichen Werten unterschiedliche oder sogar inkompatible
  27. Normen „abgeleitet" werden. Aus dem Wert der Ehrlichkeit beispielsweise kann ich die Norm „Sage immer die Wahrheit.“, aber auch „Enthalte dich der Antwort,
  28. wenn die Wahrheit schädlich ist.“ ableiten. Werte und Normen motivieren Handlungen auf unterschiedliche Weise: Werte motivieren positiv, aus sich selbst heraus.
  29. Normen hingegen motivieren vor allem durch die erwartbaren Folgen ihrer Nichtbeachtung. Dementsprechend werden abweichende Wertbekundungen anders sanktioniert als Verstöße gegen Normen.
  30. Während abweichende Wertbekundungen zu Nichtbeachtung, Marginalisierung oder dem Ausschluss aus der „Wertgemeinschaft“ führen können, haben Normverstöße häufig
  31. spezifische Sanktionen zur Folge. Im Folgenden betrachten wir einige weitere Werte und ihre entsprechenden Normen. Wenn du Lust hast, kannst du das Video nach
  32. jedem Wert kurz pausieren und dir die dazu passende Norm selbst überlegen. Selbstverständlich sind hierbei verschiedene Normen möglich. Schreibe
  33. gerne in die Kommentare, welche Normen dir für die unterschiedlichen Werte eingefallen sind. Dem Wert der Gerechtigkeit entspricht beispielsweise die Norm „Behandle jeden gleich!“
  34. Dem Wert der Freundlichkeit entspricht die Norm „Grüße andere Menschen!“ Dem Wert der Hilfsbereitschaft entspricht die Norm „Hilf Menschen in Not!“
  35. Dem Wert Leben entspricht die Norm „Du sollst nicht töten!“ Und dem Wert Frieden entspricht die Norm „Löse Konflikte ohne Gewalt!
  36. Sowohl über die Bestimmung des Wertbegriffs, als auch über die Bedeutung von Werten wird gestritten. Es ist unklar, ob es Werte in Wirklichkeit
  37. gibt oder sie nur im Bewusstsein auftreten, ob es Werte nur abhängig oder unabhängig von einem werterfassenden Bewusstsein gibt und ob Werte gedanklich oder intuitiv erfasst werden.
  38. Verschiedene Religionen - insbesondere Judentum, Christentum und Islam - gehen von der Existenz ewiger Werte aus. Der deutsche Theologe Hans Küng
  39. initiierte 1990 das Projekt „Weltethos“ als einen Versuch, die gemeinsamen Werte der Weltreligionen zu beschreiben. Auch der griechische Philosoph Platon
  40. oder der deutsche Philosoph Immanuel Kant definieren allgemein gültige Werte. Die Menschenrechte erheben einen Anspruch auf Universalität, indem sie sich auf
  41. grundlegende Werte - die Würde, Freiheit und Autonomie aller Menschen - berufen. Im Unterschied dazu wurde seit der Antike immer wieder die Auffassung vertreten,
  42. alle Werte seien relativ. Schon im 5. Jahrhundert vor Christus vertrat der griechische Philosoph Protagoras einen Werterelativismus und sah
  43. den Menschen als das „Maß aller Dinge“. Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche kritisierte im 19. Jahrhundert scharf die christlichen Werte
  44. und forderte eine Umwertung aller Werte. Der deutsche Jurist Carl Schmitt sprach von der „Tyrannei der Werte“. Werte seien vollkommen ungeeignet, gemeinsame Orientierung zu stiften,
  45. weil sie aufgrund ihrer bloß subjektiven Geltung zu Dauerkonflikten führten. Der deutsche Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno kritisierte den
  46. ökonomischen Ursprung des Wertbegriffs und beklagte Marktstrukturen in der Ethik. Der deutsche Soziologe Niklas Luhmannattestierte der Wertethik Starrheit und Lernunfähigkeit.
  47. Die soziologische Wertforschung zeigt einen Pluralismus der Werte sowie einen kontinuierlichen Wertewandel. Und auch der Anspruch auf Universalität
  48. der Menschenrechte wird kritisiert, beispielsweise als eurozentrische Bevormundung oder Fortsetzung des Kolonialismus mit anderen Mitteln.
  49. Welche Werte sind dir persönlich wichtig? Glaubst du, dass es objektiv gültige Werte gibt? Mit dem Quizlet-Lernset „Grundbegriffe der Ethik“ kannst du dein Wissen jetzt
  50. überprüfen und erweitern. Viel Spaß beim Lernen und bis bald!

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