Werte & Normen: Wie hängen sie zusammen? Ethik-Abi by BOE https://www.youtube.com/watch?v=JTumt3Lg8kQ Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Was sind Werte? Was sind Normen? Und wie hängen die beiden Begriffe zusammen? Werte sind grundlegende Überzeugungen oder 0:08 Prinzipien, die als gut und erstrebenswert erachtet werden. Als Zielvorstellungen geben sie dem menschlichen Dasein Sinn und Richtung. Sie dienen als Leitfaden 0:19 für das Verhalten und die Entscheidungsfindung. Werte umfassen sowohl positive Charaktereigenschaften - sogenannte Tugenden - , als auch auch abstraktere Güter wie Freiheit, 0:30 Eigentum, Sicherheit, Frieden oder Gesundheit. Sie bieten Orientierung und leiten - bewusst oder unbewusst - das Denken, Wollen und Handeln von Individuen und Gruppen. 0:41 Ist einer Person der Wert der Gesundheit sehr wichtig, wird sie sich entsprechende Ziele setzen und sich beispielsweise gut ernähren und viel bewegen. 0:49 Ist einer Gruppe Sicherheit sehr wichtig, wird sie Maßnahmen und Vorkehrungen treffen, um diesen Wert zu schützen. Bei unterschiedlichen Menschen, 0:57 in unterschiedlichen Gruppen, Gesellschaften und Kulturen finden wir unterschiedliche Werte. Diese Werte können, müssen aber nicht, in Konflikt zueinander geraten. 1:08 Je nachdem, welche Bedeutung eine Gesellschaft, Gruppe oder Person unterschiedlichen Werten beimisst, ergibt sich eine hierarchische Stufenfolge von Werten, eine 1:17 sogenannte Wertehierarchie oder Wertepyramide. Auch die Werte-Ordnungen - die Hierarchisierung verschiedener Werte - unterscheiden sich je nach Person, Gruppe, Gesellschaft oder Kultur. 1:30 Während der einen Gruppe Sicherheit wichtiger ist als Freiheit, ist es in einer anderen Gruppe möglicherweise genau umgekehrt. Und Werte können sich verändern. Wenn sich die 1:41 moralischen Überzeugungen einer Gesellschaft kontinuierlich oder plötzlich verändern, spricht man von einem Wertewandel. Normen sind konkrete Handlungsregeln, 1:51 welche das individuelle und zwischenmenschliche Verhalten regeln. Sie definieren, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten sollte. Als Ge- oder Verbote drücken Normen 2:02 ein Sollen aus. Sie sind daher meist imperativisch formuliert. Normen leiten das Handeln von Einzelnen und Gruppen, indem sie zu Zwecksetzungen 2:12 oder Handlungen auffordern. Sie geben die (rechtlichen oder moralischen) Grenzen des Handlungsspielraums an. Mit Hilfe von Normen können Handlungen als richtig 2:22 oder falsch beurteilt werden. Prinzipiell werden rechtliche und moralische Normen unterschieden. Während rechtliche Normen rechtsverbindlich 2:31 sind und zwangsweise durchgesetzt werden können, sind moralische Normen nur moralisch verbindlich. Ihre Verletzung kann nicht rechtlich, sondern nur moralisch-gesellschaftlich sanktioniert werden, 2:42 etwa durch Missbilligung, Verachtung oder Ausgrenzung. Schau dir gerne mein Video „Recht und Moral“ an, wenn dich dieses Thema genauer interessiert. 2:51 Zwischen Werten und Normen besteht ein enger Zusammenhang. Werte sind die Grundlage von Normen. Aus bestimmten Werten 2:59 lassen sich bestimmte Normen ableiten. Jedem Wert entsprechen bestimmte Normen, durch welche der Wert verwirklicht werden soll. Dem Wert „Ehrlichkeit“ beispielsweise 3:09 entspricht die Norm „Du sollst nicht lügen!“, dem Wert „Eigentum“ entspricht die Norm „Du sollst nicht stehlen!“. Normen konkretisieren Werte und setzen 3:18 sie praktisch um. Sie legen konkret fest, was in bestimmten Kontexten als akzeptabel und wünschenswert gilt. Dadurch regulieren sie das tatsächliche Verhalten von Menschen. 3:30 Normen tragen aber auch zur Verstärkung von Werten bei. Wenn Normen konsequent angewendet und befolgt werden, werden die entsprechenden Werte in der Gesellschaft 3:39 oder Gemeinschaft weiter gefördert und verankert. Umgekehrt werden Normen durch Werte legitimiert. Die Norm „Du sollst nicht lügen!“ kann beispielsweise damit begründet werden, 3:50 dass Ehrlichkeit grundlegend für das menschliche Zusammenleben ist. Die Norm „Du sollst nicht stehlen!“ setzt voraus, dass es legitimes persönliches Eigentum gibt. 4:01 Normen sind häufig mit unterschiedlichen Werten kompatibel. Zu der Norm „Du sollst nicht lügen!“ passt nicht nur der Wert der Ehrlichkeit, sondern auch der 4:10 Wert der Wahrheit, der Glaubwürdigkeit, der Transparenz oder der Offenheit. Andererseits können aus gleichen Werten unterschiedliche oder sogar inkompatible 4:21 Normen „abgeleitet" werden. Aus dem Wert der Ehrlichkeit beispielsweise kann ich die Norm „Sage immer die Wahrheit.“, aber auch „Enthalte dich der Antwort, 4:30 wenn die Wahrheit schädlich ist.“ ableiten. Werte und Normen motivieren Handlungen auf unterschiedliche Weise: Werte motivieren positiv, aus sich selbst heraus. 4:41 Normen hingegen motivieren vor allem durch die erwartbaren Folgen ihrer Nichtbeachtung. Dementsprechend werden abweichende Wertbekundungen anders sanktioniert als Verstöße gegen Normen. 4:54 Während abweichende Wertbekundungen zu Nichtbeachtung, Marginalisierung oder dem Ausschluss aus der „Wertgemeinschaft“ führen können, haben Normverstöße häufig 5:04 spezifische Sanktionen zur Folge. Im Folgenden betrachten wir einige weitere Werte und ihre entsprechenden Normen. Wenn du Lust hast, kannst du das Video nach 5:13 jedem Wert kurz pausieren und dir die dazu passende Norm selbst überlegen. Selbstverständlich sind hierbei verschiedene Normen möglich. Schreibe 5:22 gerne in die Kommentare, welche Normen dir für die unterschiedlichen Werte eingefallen sind. Dem Wert der Gerechtigkeit entspricht beispielsweise die Norm „Behandle jeden gleich!“ 5:32 Dem Wert der Freundlichkeit entspricht die Norm „Grüße andere Menschen!“ Dem Wert der Hilfsbereitschaft entspricht die Norm „Hilf Menschen in Not!“ 5:41 Dem Wert Leben entspricht die Norm „Du sollst nicht töten!“ Und dem Wert Frieden entspricht die Norm „Löse Konflikte ohne Gewalt! 5:50 Sowohl über die Bestimmung des Wertbegriffs, als auch über die Bedeutung von Werten wird gestritten. Es ist unklar, ob es Werte in Wirklichkeit 5:59 gibt oder sie nur im Bewusstsein auftreten, ob es Werte nur abhängig oder unabhängig von einem werterfassenden Bewusstsein gibt und ob Werte gedanklich oder intuitiv erfasst werden. 6:12 Verschiedene Religionen - insbesondere Judentum, Christentum und Islam - gehen von der Existenz ewiger Werte aus. Der deutsche Theologe Hans Küng 6:22 initiierte 1990 das Projekt „Weltethos“ als einen Versuch, die gemeinsamen Werte der Weltreligionen zu beschreiben. Auch der griechische Philosoph Platon 6:33 oder der deutsche Philosoph Immanuel Kant definieren allgemein gültige Werte. Die Menschenrechte erheben einen Anspruch auf Universalität, indem sie sich auf 6:42 grundlegende Werte - die Würde, Freiheit und Autonomie aller Menschen - berufen. Im Unterschied dazu wurde seit der Antike immer wieder die Auffassung vertreten, 6:53 alle Werte seien relativ. Schon im 5. Jahrhundert vor Christus vertrat der griechische Philosoph Protagoras einen Werterelativismus und sah 7:03 den Menschen als das „Maß aller Dinge“. Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche kritisierte im 19. Jahrhundert scharf die christlichen Werte 7:12 und forderte eine Umwertung aller Werte. Der deutsche Jurist Carl Schmitt sprach von der „Tyrannei der Werte“. Werte seien vollkommen ungeeignet, gemeinsame Orientierung zu stiften, 7:24 weil sie aufgrund ihrer bloß subjektiven Geltung zu Dauerkonflikten führten. Der deutsche Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno kritisierte den 7:33 ökonomischen Ursprung des Wertbegriffs und beklagte Marktstrukturen in der Ethik. Der deutsche Soziologe Niklas Luhmannattestierte der Wertethik Starrheit und Lernunfähigkeit. 7:46 Die soziologische Wertforschung zeigt einen Pluralismus der Werte sowie einen kontinuierlichen Wertewandel. Und auch der Anspruch auf Universalität 7:55 der Menschenrechte wird kritisiert, beispielsweise als eurozentrische Bevormundung oder Fortsetzung des Kolonialismus mit anderen Mitteln. 8:04 Welche Werte sind dir persönlich wichtig? Glaubst du, dass es objektiv gültige Werte gibt? Mit dem Quizlet-Lernset „Grundbegriffe der Ethik“ kannst du dein Wissen jetzt 8:15 überprüfen und erweitern. Viel Spaß beim Lernen und bis bald!