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Was ist Religion? | Mit Beispielen aus den 5 Weltreligionen

Ethik-Abi by BOE22:33 27.264 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Was ist Religion? Kann man Religion überhaupt definieren? Gibt es bestimmte Kriterien, die jede Religion auszeichnen? Alle Antworten auf diese Fragen sowie Beispiele
  2. aus den 5 großen Weltreligionen erhältst du in diesem Clip. Die Beantwortung der Frage: „Was ist Religion?“ ist gar nicht so einfach.
  3. Umstritten ist nämlich nicht nur die etymologische Herkunft des Begriffs sondern auch die durch diesen Begriff bezeichnete Sache - die Definition von Religion.
  4. Das Wort „religio" hatte im Lateinischen verschiedene Bedeutungen. Es bezeichnete sowohl „Bedenken, Zweifel, Besorgnis, Gewissensskrupel“ als auch „Gewissenhaftigkeit, Religiosität,
  5. Gottesfurcht, Frömmigkeit, Gottesdienst“, außerdem „Heiligkeit“ und auch „Aberglaube“. Nach dem römischen Philosophen Cicero (1. Jh. v. Chr.) geht „religio“ auf „relegere“
  6. zurück, was wörtlich „wieder lesen, wieder auflesen, wieder zusammennehmen“, im übertragenen Sinn „bedenken, beachten“ bedeutet. Cicero hatte dabei den Tempelkult im Blick, den es
  7. sorgsam zu beachten galt. Die Wortherkunft ist also umstritten und hilft uns bei der Suche nach einer Definition von Religion nicht wirklich weiter.
  8. Und im antiken Griechenland, in Indien und in China gibt es den Begriff „Religion“, wie wir ihn heute im Westen verstehen, überhaupt nicht.
  9. Dementsprechend gibt es auch keine allgemein anerkannte Definition von Religion, sondern nur verschiedene Definitionsversuche. Grundsätzlich lassen sich hierbei substanzialistische bzw.
  10. essentialistische und funktionalistische Ansätze unterscheiden. Substanzialistische oder essentialistische Definitionen fragen nach der Substanz oder
  11. der Essenz, also dem Wesen von Religion, nach demjenigen, was Religion vom Nichtreligiösen unterscheidet. Sie fragen danach, was Religion ist. Das Wesen der Religion ist etwa ihr Bezug
  12. zum Heiligen, Transzendenten oder Absoluten. Funktionalistische Religionsbegriffe versuchen, Religion an Hand ihrer Funktionen zu bestimmen, beispielsweise über ihre soziale Funktion,
  13. also ihre gemeinschaftsstiftende, gesellschaftliche Rolle. Sie fragen also danach, was Religion tut. Neben diesen beiden häufigsten Erklärungsversuchen
  14. gibt es mittlerweile weitere über hundert Religionsdefinitionen, von denen sich bislang keine als allgemein anerkannt durchsetzen konnte.
  15. Der deutsche Philosoph Otfried Höffe erkannte diese Schwierigkeit und nannte anstatt einer Definition von Religion 8 Grundzüge, die mehr oder weniger vollständig gegeben sein
  16. müssen, um ein kulturelles Phänomen als Religion bezeichnen zu können. Schauen wir uns an, welche 8 Grundzüge oder Kriterien das sind.
  17. Otfried Höffe nennt in seinem Artikel „Religionen“ 8 Kriterien, die mehr oder weniger vollständig gegeben sein müssen, um ein kulturelles Phänomen als Religion bezeichnen zu können.
  18. Diese Kriterien sind: (1) ein Glaube an übernatürliche Wesen (Gott) und Kräfte, (2) die Unterscheidung heiliger und profaner
  19. - also nicht-heiliger - Gegenstände, (3) rituelle Akte, die sich um heilige Gegenstände zentrieren, (4) die Annahme eines vom Göttlichen angeordneten
  20. und sanktionierten Moralkodex, (5) spezifische Gefühle, die in Gegenwart heiliger Gegenstände und ritueller Praxis entstehen und in Verbindung gesetzt werden
  21. mit dem Göttlichen, (6) Gebete und andere Formen der Kommunikation mit dem Göttlichen, (7) eine aus Erzählungen, Bildern und Begriffen
  22. zusammengesetzte Vorstellung von Natur und Geschichte im Ganzen, die den Platz des Individuums in der Welt und die Möglichkeit seines (irdischen oder jenseitigen) Heils oder Unheils, seiner
  23. Erlösung oder Verdammung vorzeichnet, (8) eine Art der Gemeinschaft, die durch Anerkennung und Praxis des eben Genannten konstruiert wird (Kirche, Religionsgemeinschaft).
  24. Schauen wir uns jetzt einmal an, ob wir diese Kriterien tatsächlich in allen 5 Weltreligionen wiederfinden. Bestimmt fallen dir beim Schauen noch weitere Beispiele für die einzelnen
  25. Kriterien ein. Schreibe diese Beispiele gerne in den Kommentarbereich. Beginnen wir mit dem Glauben an übernatürliche Wesen oder Kräfte bzw. Gott.
  26. Der Hinduismus ist eine polytheistische Religion. Das bedeutet, es gibt gleich mehrere Götter. Tatsächlich gibt es im Hinduismus mehr als 3 Millionen Göttinnen und Götter. Die meisten
  27. Hindus verehren die Gottheiten Vishnu, Shiva und Shakti. Da in vielen Strömungen des Hinduismus jedoch alle Göttinnen und Götter als Manifestationen eines einzigen Gottes angesehen werden, wird
  28. der Hinduismus teilweise auch als monotheistisch bezeichnet. Der Buddhismus ist im Vergleich zu vielen anderen Religionen keine theistische Religion.
  29. Das bedeutet, die Verehrung eines allmächtigen Gottes oder mehrerer Götter steht nicht im Zentrum des Glaubens. Dennoch verehren einige Buddhisten neben Buddha - der aber kein Gott,
  30. sondern ein Mensch und wichtiger Lehrer war - verschiedene gottähnliche Gestalten, die Bodhisattvas, die Erleuchtungswesen. Diese sind sterbliche Wesen, die zunächst in Menschengestalt
  31. lebten und dann Erlösung erlangten. Das Judentum, das Christentum und der Islam sind monotheistische Religionen. Das bedeutet, hier wird nur ein einziger Gott verehrt. Im
  32. Judentum wird dieser Gott Jahwe genannt, im Christentum Gott und im Islam Allah. Heilige - oder zumindest besonders bedeutsame - und profane - also weltliche - Gegenstände
  33. werden in allen 5 Weltreligionen unterschieden. Im Hinduismus gibt es verschiedene Gegenstände, die als heilig gelten. Tulsi beispielsweise, das Indische Basilikum, ist eine der heiligsten
  34. Pflanzen und spielt eine wichtige Rolle bei religiösen Zeremonien wie beispielsweise dem hinduistischen Gottesdienst, der Puja. Buddhisten kennen streng genommen keine heiligen
  35. Gegenstände. Einige Gegenstände sind aber zur Ausübung ihrer Religion sehr wichtig und werden dementsprechend sehr pfleglich und respektvoll behandelt. Zu den wichtigsten
  36. Gegenständen im Buddhismus gehören die Klangschale, deren Ton die Meditation einläutet, die Mantrakette, die dabei hilft, sich auf die Meditation zu konzentrieren und die Buddhastatue, die an
  37. den Glauben erinnert und gelassen stimmt. Im Judentum gilt beispielsweise die Thorarolle als heilig. Die Thora ist ein Teil der hebräischen Bibel. Sie besteht aus den fünf Büchern
  38. Mose. Sie ist in hebräischen Buchstaben auf handgefertigtem Pergament aus der Haut koscherer, also “reiner“ Tiere geschrieben. Die Thorarolle darf nicht mit bloßen Händen
  39. berührt werden. Daher dient ein silberner Stab als Lesehilfe. Im Christentum finden wir heilige Gegenstände vor allem in der römisch-katholischen Kirche.
  40. Ein wichtiger heiliger oder sakraler Gegenstand ist die Hostie. Die Hostie ist das Brot, das beim Abendmahl verwendet wird. Katholiken glauben, dass sich dieses Brot durch die priesterlichen
  41. Wandlungsworte in den Leib Christi verwandelt. Solche sogenannten konsekrierten - also heilig gemachten - Hostien werden als das Allerheiligste im Tabernakel - einem Schrein in der Kirche
  42. - aufbewahrt. Dieser muss wegen der Gefahr von Profanierung - also Entweihung - der Hostien besonders gesichert sein. Im Islam ist streng genommen nur Gott heilig.
  43. Bestimmte Gegenstände erfahren aber auch hier eine ganz besondere Behandlung, so zum Beispiel das heilige Buch der Muslime, der Koran. Dieses Buch wird besonders pfleglich
  44. und respektvoll behandelt. Weiter geht es mit den rituellen Akten - also Handlungen -, die sich um heilige Gegenstände zentrieren.
  45. Ein besonders bekannter ritueller Akt im Hinduismus ist das Bad im heiligen Fluss, dem Ganges. Beim Kumbh-Mela Fest, das alle drei Jahre stattfindet, treffen sich Millionen Hindus,
  46. um sich durch dieses Bad von ihren Sünden zu reinigen und von dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt zu erlösen. Es ist eines der größten Feste der Welt.
  47. Auch im Buddhismus gibt es viele Riten. Ein sehr wichtiges Ritual ist die Meditation. Diese dient der Konzentration auf ein einziges Phänomen (häufig den Atem). Dadurch soll
  48. der Geist von Gedanken befreit werden und zur Ruhe kommen. Das „rechte Sich-Versenken“ beispielsweise durch Meditation ist ein Element des edlen achtfachen Pfades, welcher eine
  49. Anleitung zum Erreichen der Erlösung im Nirwana gibt. Im Judentum gibt es ebenfalls viele religiöse Rituale, beispielsweise die Mikwa, ein sogenanntes
  50. Ritualbad oder Tauchbad, welches der rituellen Reinigung dient. Auch um zum Judentum überzutreten, muss der Konvertit in einer Mikwa untergetaucht werden.
  51. Ein wichtiges Ritual im Christentum ist die Eucharistie oder das Abendmahl. Es soll an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi erinnern. Vor allem im Katholizismus setzt
  52. sich die Eucharistiefeier aus sehr vielen zeremoniellen Elementen zusammen. Gemeinsam ist allen christlichen Konfessionen, dass der Gläubige Brot und Wein, als Symbol für
  53. Christi Leib und Blut, zu sich nimmt, um sich dadurch an das Leiden und Sterben Jesu Christi zu erinnern bzw. Anteil an der göttlichen Natur zu bekommen.
  54. Im Islam ist die Umrundung der Kaaba in Mekka ein wichtiges Ritual. Die Pilgerfahrt nach Mekka - die Hadsch - ist eine der 5 Säulen des Islam. Jeder Muslim, der dazu in der Lage
  55. ist, sollte die Kaaba einmal in seinem Leben umrunden. Die Kaaba ist ein quaderförmiges Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee in Mekka und das zentrale Heiligtum des Islam.
  56. Darin dass es einen vom Göttlichen angeordneten und sanktionierten Moralkodex gibt, sind sich ebenfalls alle 5 Weltreligionen einig. Im Gegensatz zu anderen Weltreligionen haben
  57. Hindus jedoch keine allgemein gültige Sammlung von Gesetzen, die für alle gleich verbindlich sind. Es gibt also keinen starren, engen Moralkodex, sondern das sogenannte „Dharma“. „Dharma“
  58. bezeichnet im Hinduismus die natürliche und gesetzte Ordnung, Sitte und Recht im weitesten Sinn. Es umfasst neben den persönlichen Pflichten eines jeden Individuums, wie etwa Gebet, Opfer,
  59. Wallfahrten, Schenkungen und familiäre Verpflichtungen, auch das Gewohnheitsrecht, Staatsrecht sowie gesellschaftliche Vorschriften. Von der Erfüllung des Dharma hängt das Karma
  60. des Hindu ab. Karma - das "Konto" der guten oder schlechten Taten - bestimmt, in welche Kaste ein Hindu geboren wird. Dharma gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für
  61. Tiere und sogar für Pflanzen. Buddhisten leben nach verschiedenen Regel-Werken. Dazu gehören der Edle Achtfache Pfad der Erkenntnis und die Fünf sittlichen Gebote.
  62. Der Achtfache Pfad der Erkenntnis umfasst die wichtigsten Lebensregeln im Buddhismus. Diese lauten stark vereinfacht so: Bemühe dich um Weisheit und Einsicht in die
  63. zentralen buddhistischen Lehrinhalte (Rechte Erkenntnis). Sei gelassen und friedfertig (Rechte Gesinnung). Lüge niemals und vermeide Verleumdung und
  64. unnützes Gerede (Rechte Rede). Tue keinem Lebewesen Böses und stiehl nicht (Rechtes Handeln). Übe einen Beruf aus, der keinem Lebewesen
  65. schadet (Rechter Lebenserwerb). Kontrolliere negative Gedanken und Affekte (Rechtes Streben). Sei achtsam, denke und handle stets besonnen
  66. (Rechte Achtsamkeit). Konzentriere dich, denke nach und meditiere (Rechtes Sich-Versenken). Die Fünf sittlichen Gebote, die sogenannten
  67. Silas lauten: Ich will keine Lebewesen töten. Ich will nichts nehmen, was mir nicht freiwillig gegeben wird.
  68. Ich will durch mein sexuelles Verhalten niemandem schaden. Ich will nicht lügen. Ich will keine berauschenden Mittel zu mir
  69. nehmen. Im Judentum gelten ebenso wie im Christentum die 10 Gebote. Diese lauten: 1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst
  70. keine anderen Götter haben neben mir. 2. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen. 3. Du sollst den Feiertag heiligen.
  71. 4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. 5. Du sollst nicht töten. 6. Du sollst nicht ehebrechen.
  72. 7. Du sollst nicht stehlen. 8. Du sollst nicht lügen. 9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
  73. 10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat. Darüber hinaus gibt es im orthodoxen Judentum
  74. weitere 613 Mizwot, also jüdische Vorschriften – darunter 365 Verbote und 248 Gebote. Diese Vorschriften stehen alle in der Thora. Im Christentum spielt neben den 10 Geboten
  75. auch das sogenannte Doppelgebot der Liebe eine sehr wichtige Rolle. Damit fasste Jesus die Zehn Gebote zusammen. Es findet sich im Neuen Testament und lautet: „Das erste
  76. ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken
  77. und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“
  78. (Markusevangelium 12,29-31) Die fünf Säulen des Islam sind die wichtigsten Regeln für gläubige Muslime. Dazu gehört das öffentliche Glaubensbekenntnis (Shahada),
  79. das tägliche rituelle Gebet (Salat), die soziale Spende (Zakat), das Fasten während des Ramadan (Saum) und die Wallfahrt nach Mekka (Hadsch).
  80. Spezifische religiöse Gefühle sind wahrscheinlich am schwierigsten in Worte zu fassen und finden sich ebenfalls in allen 5 Weltreligionen. Solche religiösen Gefühle können beispielsweise
  81. Erleuchtung, Erlösung, Hoffnung, Ehrfurcht oder Ekstase sein und in Verbindung mit unterschiedlichen religiösen Praktiken auftreten. Gebete und andere Formen der Kommunikation
  82. mit dem Göttlichen gibt es in unterschiedlicher Art und Weise ebenfalls in allen 5 Weltreligionen. Der Hinduismus kennt viele Gebete, sogenannte Mantras. Das bekannteste Gebet im Hinduismus
  83. ist das Gayatri-Mantra, welche das Göttliche in Form der Sonnenkraft, Surya, um geistiges Licht anruft. Es lautet: „Om. Lasst uns meditieren über die Herrlichkeit des göttlichen
  84. Lichts. Es möge unseren Geist erleuchten.“ Viele Hindus sprechen oder singen es täglich. Im Buddhismus gibt es keine vielfältigen Gebete wie in den anderen Weltreligionen.
  85. Das Gebet ist vielmehr ein spiritueller Dialog, der dem Gläubigen dabei hilft, sich mental und emotional zu zentrieren. Wie im Hinduismus gibt es auch im Buddhismus Mantras, die bei
  86. der Meditation helfen. Buddhisten schreiben diese Mantras häufig auf bunte Gebetsfahnen oder sammeln sie in einer Mantratrommel. Viele benutzen das Wort Buddha als Mantra.
  87. Sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus wird die heilige Silbe „Om“ häufig den Mantren vorangestellt. Religiöse Juden beten drei Mal täglich:
  88. Das Morgengebet (Schacharit), das Nachmittagsgebet (Mincha) und das Abendgebet (Maariv). Beim Gebet bedecken männliche Juden den Kopf mit einer Kippa oder einer anderen Kopfbedeckung
  89. und benutzen beim werktäglichen Morgengebet Tefillin (Gebetsriemen) und Tallit (Gebetsschal). Die Gebete werden nach einem bestimmten Grundmuster gebetet. In orthodoxen und konservativen Synagogen
  90. betet man in hebräischer Sprache. Eines der wichtigsten Gebete im Judentum ist das Schma Jisrael (Höre, Israel), das gleichzeitig auch das jüdische Glaubensbekenntnis ist.
  91. Es lautet: „Höre Israel! Gott ist einzig, darum sollst du ihn lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft! Diese Worte, die ich dir heute
  92. gebiete, sollen in deinem Herzen geschrieben stehen und du sollst sie deinen Kindern erzählen und davon, wenn du zuhause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich schlafen legst und wenn
  93. du aufstehst. Du sollst sie als Zeichen um dein Handgelenk binden und sie sollen ein Merkzeichen auf deiner Stirn sein. Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und
  94. an deine Tore schreiben. Gott ist einzig, darum sollst du ihn lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft!“ Im Christentum gibt es ebenfalls viele verschiedene
  95. Gebete. Das wichtigste Gebet im Christentum ist das Vaterunser. Jesus hat es laut dem Neuen Testament selbst seinen Jüngern gelehrt. Es lautet:
  96. „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib
  97. uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die
  98. Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“ Muslime beginnen jedes Gebet mit den Worten „Allahu akbar.“ - „Gott ist groß.“ Der Islam kennt zwei Arten von Gebeten: Das
  99. freiwillige spontan gesprochene Gebet (Dua) und das rituelle Pflichtgebet (Salat) - die zweite der 5 Säulen im Islam. Das rituelle Pflichtgebet wird fünfmal am Tag gebetet,
  100. vor Sonnenaufgang, am Mittag, nachmittags, abends und nachts. Vor dem Gebet reinigt sich der gläubige Muslim sorgfältig. Das Gebet besteht aus verschiedenen Koranversen. Es
  101. wird immer mit der gleichen Sure begonnen, der Sure 1, der Fatiha (= Eröffnende). Sie lautet: „Im Namen Gottes, des Erbarmers,
  102. des Barmherzigen, dem Herrscher am Tage des Gerichts. Dir dienen wir und zu dir rufen wir um Hilfe. Leite uns den rechten Pfad,
  103. den Pfad derer, denen du gnädig bist, nicht derer, denen du zürnst und nicht der Irrenden.“ Freitags findet das Pflichtgebet in der Moschee
  104. statt. Dazu versammeln sich die Gläubigen nach Geschlechtern getrennt, hinter dem Vorbeter, dem Imam. Eine aus Erzählungen, Bildern und Begriffen
  105. zusammengesetzte Vorstellung von Natur und Geschichte im Ganzen, die den Platz des Individuums in der Welt und die Möglichkeit seines (irdischen oder jenseitigen) Heils oder Unheils, seiner
  106. Erlösung oder Verdammung vorzeichnet, gibt es auch in allen 5 Weltreligionen. Dies wird besonders deutlich an den Jenseitsvorstellungen der 5 Weltreligionen.
  107. Im Hinduismus und Buddhismus ist die Vorstellung der Wiedergeburt zentral. Das Leben ist also nicht durch Geburt und Tod beschränkt, sondern besteht aus einer
  108. Reihe von Wiedergeburten (Reinkarnationen). Das Karma, das man im früheren Leben erworben hat, also die Summe aus positiven und negativen Taten, bestimmt darüber, wie man wiedergeboren
  109. wird. Der als leidvoll angesehene Kreislauf der Wiedergeburt (Samsara) kann durch das Erreichen des Moksha (im Hinduismus) beziehungsweise des Nirwana (im Buddhismus). durchbrochen
  110. werden. Darüber wie das Moksha erreicht werden kann, gibt es im Hinduismus unterschiedliche Vorstellungen. Einige gehen davon aus, dass der Mensch sein
  111. Heil nicht allein erreichen kann und deshalb an einen Gott glauben muss. Andere meinen, dass der Zustand der Erlösung auch schon im Diesseits durch Askese und Meditation erlangt
  112. werden kann. Buddhisten können ins Nirwana gelangen, indem sie so handeln und denken, dass sie gar kein „Karma“ mehr hinterlassen und den Zustand
  113. der Erleuchtung erreichen. Das gelingt am besten durch Meditation und indem sie sich von allen irdischen Begierden loslösen. Im Judentum gibt es keine einheitliche Vorstellung
  114. von einem Leben nach dem Tod. Einige Juden glauben, dass der Mensch nach seinem Tod vor Gottes Gericht steht, andere Juden glauben, dass alle Toten zusammen am Jüngsten Tag
  115. auferstehen (aus diesem Grund darf auch kein Toter verbrannt werden). Der Fokus liegt im Judentum jedoch auf dem Leben, nicht auf dem Tod. Der Mensch soll Kinder zeugen und für
  116. die Erhaltung der menschlichen Gattung sorgen. Christen glauben an die Auferstehung und das ewige Leben. Dies ist möglich durch den Tod von Jesus Christus, welcher für die Sünden
  117. der Menschen starb und am 3. Tag wieder von den Toten auferstanden ist. Wer Jesus Christus als seinen Erlöser angenommen hat, wird nach seinem Tod ins Paradies bzw. den Himmel - einen
  118. schönen und glücklichen Ort in der Anwesenheit Gottes und seines Sohns Jesus Christus - kommen. Auch Muslime glauben an ein Leben nach dem Tod und hoffen, dann im Paradies in Gottes
  119. Nähe zu sein. Das Paradies wird im Islam als ein wunderbarer Garten beschrieben, in welchem alle glücklich sind und ein sorgloses Leben führen. Muslime haben außerdem die
  120. Vorstellung, dass Allah den Todestag eines jeden Menschen vorherbestimmt hat. Alle 5 Weltreligionen sind Religionsgemeinschaften, welche sich innerhalb der großen Gemeinschaft
  121. noch in kleinere Gruppierungen, Strömungen oder Konfessionen aufteilen lassen. Der Hinduismus ist nach dem Christentum und dem Islam mit etwa 900 Millionen Anhängern
  122. die drittgrößte Religionsgemeinschaft. Ihre Anhänger leben fast alle in Indien. Der Buddhismus hat weltweit, nach unterschiedlichen Angaben, zwischen 230 und 500 Millionen Anhänger
  123. und ist damit die viertgrößte Religion der Welt. Mit etwa 14,5 Millionen Anhängern ist die jüdische Religionsgemeinschaft die kleinste
  124. Weltreligion. Das Christentum hat rund 2,26 Milliarden Anhänger und ist somit die größte Weltreligion. Mit 1,8 Milliarden Anhängern bildet der Islam
  125. die zweitgrößte Weltreligion. Fallen dir weitere Beispiele für die 8 Grundzüge von Religion ein, die Höffe nennt? Möglicherweise gehörst du ja selbst einer
  126. Religion an und kannst die einzelnen Beispiele noch genauer erklären oder andere Beispiele ergänzen. Ich bin jedenfalls schon ganz gespannt auf
  127. viele weitere Beispiele, Erklärungen und Ergänzungen. Mit dem Quizlet-Lernset „Merkmale von Religion“ kannst du dein Wissen jetzt überprüfen.
  128. Viel Spaß beim Lernen und bis bald!

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