Geschichte Israels (10) - Die Zweite Intifada Ein Hut voll Wissen https://www.youtube.com/watch?v=EczcPleTjgE Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge zur Geschichte Israels, dieses Mal in Teil 10 zur Zweiten Intifada der Jahre 2000 bis 2005. 0:11 Los geht's! Im Mai 1999 wurde mit dem Sieg der Israelischen Arbeiterpartei 0:33 Ehud Barak der neue israelische Premierminister. Nach den zuvorigen Regierungsjahren der rechtskonservativen Likud-Partei 0:42 erwarteten nicht wenige in Israel nun mit dem Regierungsantritt der Arbeiterpartei einen Neuaufbruch in Hinblick auf ein besseres Verhältnis zwischen Israelis 0:52 und Palästinensern, also sprich einen erneuten Annäherungsprozess, der seit dem Oslo-Abkommen von 1993, also nach der Ersten Intifada, ein Stück weit eingeschlafen war. 1:04 Doch Ehud Barak war, obwohl er Teil der Arbeiterpartei war und nicht der rechtskonservativen Likud angehörte, alles andere als eine politische 1:13 „Taube“ sozusagen. Denn Barak war ursprünglich ein Militär gewesen, war jahrelang Generalstabschef gewesen, bevor er das Amt des Premierministers übernahm und 1:23 hatte auch selbst an zahlreichen Militäreinsätzen teilgenommen. Um den Annäherungsprozess zwischen Israelis und Palästinensern bzw. zwischen der israelischen 1:32 Regierung auf der einen Seite und der PLO-Führung auf der anderen Seite wieder anzukurbeln - denn dieser Prozess war seit der ersten Intifada bzw. seit dem Oslo-Abkommen von 1993 wie gesagt 1:43 liegen geblieben - lud nun im Juli 1999 der amtierende US-Präsident Bill Clinton, der auch bei der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens von 1993 bereits dabei 1:52 gewesen war, nach Camp David, also auf einen Sitz des amerikanischen Präsidenten, zu weiteren Gesprächen, um die Zukunft der Region, die Zukunft Palästinas zu diskutieren. 2:05 Die Teilnehmer neben dem US-Präsidenten waren natürlich hier primär der PLO-Führer Yassir Arafat, der nach wie vor eine wichtige 2:12 Rolle inne hatte und der genannte israelische Premierminister Barak. Der Austragungsort für diese Gespräche, Camp David, war nicht zufällig gewählt, 2:20 sondern Camp David stand zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahrzehnten symbolisch sozusagen für erfolgreiche Friedensgespräche und Verhandlungen, 2:28 von denen auch unter anderem die Israelis profitiert hatten. Denn hier fanden auch entscheidende Gespräche statt für den israelisch- ägyptischen Friedensvertrag, der erste 2:37 Friedensvertrag Israels mit einem arabischen Staat überhaupt, aus den ausgehenden 1970er Jahren. Doch noch stärker als 1993 beim Oslo-Abkommen war das Verhältnis zwischen der israelischen 2:50 Seite und der PLO-Seite in Camp David nun mehr als angespannt gewesen, sodass man hier tatsächlich zu keiner nachhaltigen Lösung für die Region kam. Denn die israelische Seite und 3:01 die palästinensische Seite, repräsentiert durch die PLO, vermochten es nicht, eine gemeinsame Lösung auszuarbeiten. Denn die Israelis waren nicht bereit, zu große Zugeständnisse 3:11 zu machen und Yassir Arafat versuchte letztlich, Maximalforderungen für die Palästinenser und die PLO rauszuschlagen, also noch mehr autonome Gebiete beispielsweise, die man ja in Teilen 3:22 auch schon nach dem Oslo-Abkommen bekommen hatte. Und da fand man schlussendlich nicht zusammen. Die größte und gleichzeitig problematischste Forderung Arafats an die Israelis war allerdings 3:32 ein umfassendes Rückkehrrecht für alle Vertriebenen bzw. deren Nachkommen, die seit dem Palästinakrieg von 1948-1949 verdrängt worden waren aus ihren angestammten Gebieten. Denn 3:45 man muss sich bewusst machen: Würden nun diese Palästinenser in nun israelisches Staatsgebiet zurückkehren - wir sprechen hier von Millionen von Menschen - würde das die Demografie Israels 3:56 nachhaltig verändern. Und davor hatte der Staat Israel nachvollziehbar Angst. Und daher wollte man natürlich hier keine größeren Zugeständnisse machen, diese Forderung war unmöglich umzusetzen. 4:12 Mit dem Scheitern dieser neuen von den USA ausgehenden Friedensinitiative im Jahr 1999 ließ eine Reaktion auf diese gescheiterten Gespräche natürlich nicht lange auf sich warten. 4:24 Bereits im Oktober des Jahres 2000 kam es zu neuen Protesten in den von Israel besetzten Gebieten, die in die Geschichte als die Zweite Intifada eingingen. 4:35 Auch hier lagen die Gründe natürlich in der jahrzehntelangen israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik begraben, ähnlich wie auch bei der Ersten Intifada. 4:44 Doch genauso wie bei der Ersten Intifada auch, gab es auch bei der Zweiten Intifada natürlich einen konkreten Auslöser, der den Stein ins Rollen brachte. 4:53 Am 28. September des Jahres 2000 besuchte Ariel Sharon, damals der Vorsitzende 4:59 der rechtskonservativen Likud-Partei, den Bereich um die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem. Der Besuch eines rechten Politikers, dessen Partei ganz klar in Verbindung 5:09 gebracht wurde mit der israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik, löste in der arabischen Bevölkerung einen Aufschrei aus. 5:15 Und dieser Aufstand, der nun ausbrach, breitete sich tatsächlich sehr schnell über das Gebiet des Staates Israel aus und über die Besatzungsgebiete im Gazastreifen und im Westjordanland. 5:26 Anders als die Erste Intifada seit 1987, war die Zweite Intifada längst kein einfacher Aufstand von Steinewerfern mehr, sondern tatsächlich kam es während der Zweiten Intifada zu massiver Gewalt: 5:38 Es wurden Schusswaffen eingesetzt, Sprengstoff-Attentate durchgeführt, Selbstmord-Attentate schlussendlich. Und damit 5:45 überzogen vor allem aus heutiger Sicht Terrorgruppen wie die Hamas, worauf wir noch zu sprechen kommen werden, den Staat Israel mit Terror. 5:54 Darüber hinaus bildeten sich palästinensische Milizen, die eben durchaus mit Schusswaffen ausgestattet waren, ganz anders als bei der Ersten Intifada, 6:02 sodass jedes Aufeinandertreffen von israelischen Sicherheitskräften und solchen Milizen natürlich zu Schusswechseln führte, die für beide Seiten eine tödliche Gefahr bargen. 6:12 Ein noch größerer Unterschied als die Frage, wie diese Intifada durchgeführt wurde, also mit welchen Hilfsmitteln, war schlussendlich die Gruppendynamik bzw. die Gruppenzusammensetzung. 6:24 Bei der Ersten Intifada war es tatsächlich noch so gewesen, dass es vor allem in den Besatzungsgebieten zu Aufständen kam. 6:32 Das bedeutet, man hatte im Gaza-Streifen und im Westjordanland Araber, die sich dort gegen die israelische Besatzung erhoben. 6:39 Das waren in der Regel ehemalige Flüchtlinge oder die Nachkommen dieser Flüchtlinge gewesen. Doch man hatte natürlich seit dem Bestehen des Staates Israels seit 6:47 1948 auch eine arabische Minderheit in Israel leben, also arabische Israelis, die während der Ersten Intifada noch die Füße stillgehalten hatten. 6:58 Doch nun bei der Zweiten Intifada wurde auch diese Gruppe im Staat Israel selbst mobilisiert, wodurch die Zweite Intifada neue Größendimensionen und eine ganz 7:08 neue Dynamik annahm, als es noch bei der Ersten Intifada der Fall gewesen war. Diese arabischen Israelis, die als die größte Minderheit im Staat Israel bis heute leben, 7:18 machen heute ungefähr 20 Prozent der gesamten israelischen Bevölkerung aus und waren auch im Jahr 2000 bereits eine numerisch große und wichtige Gruppe. 7:26 Dass diese Gruppe sich nun auch im Zuge der Zweiten Intifada erhob und sich an Aufständen beteiligte, hängt ein Stück weit mit einer Identitätsproblematik zusammen. 7:36 Denn für die arabischen Israelis war natürlich von Beginn an das Problem gewesen, dass man eine palästinensische und eine israelische Identität hatte. 7:44 Diese arabischen Israelis waren diejenige Gruppe, die sich nach 1948 nicht hatte vertreiben lassen, sondern sich in den Staat Israel hatte aufnehmen lassen als israelische Staatsbürger. 7:55 Und deren Nachkommen wiederum lebten nun im Staat Israel und arbeiteten dort, hatten dort ihre Existenz aufgebaut, hatten aber gleichzeitig natürlich 8:04 auch noch familiäre Wurzeln in den palästinensischen Teilen der Bevölkerung. Und daher hatte man immer wieder die Problematik, wie positioniert man sich. 8:12 Bei der Ersten Intifada hatte man sich, wie gesagt, noch herausgehalten. Doch bei der Zweiten Intifada solidarisierte man sich in zunehmendem Maße mit den Aufständischen. 8:24 Die Zweite Intifada, die nun im Jahr 2000 begann, war vor allem auch durch die Medienberichterstattung dauerhaft präsent. 8:31 Man berichtete ständig über das, was vor Ort passierte und machte dabei auch keinen Halt vor massiver Instrumentalisierung. 8:38 Man nutzte ganz gezielt Falschmeldungen, Bilder, um damit letztlich Gerüchte zu streuen und Emotionen zu schüren - 8:46 und das natürlich auf beiden Seiten. Im September 2000 beispielsweise wurde in französischen Medien ein Bild verbreitet, 8:54 auf dem ein palästinensischer Vater zu sehen war, der seinen getöteten Sohn - gerade einmal zwölf Jahre - in den Armen hielt. 9:02 Der Hintergrund dieses Bildes war, dass es einen Schusswechsel zwischen palästinensischen Milizen und israelischen Sicherheitskräften 9:08 gegeben hatte und im Kreuzfeuer war dieser Junge ums Leben gekommen. Doch ohne jeglichen Beweis über die tatsächliche Faktenlage und darüber, 9:18 was im Genauen passiert war, verbreiteten die französischen Medien daraufhin die Nachricht, dass dieser Junge von israelischen Sicherheitskräften erschossen worden sei. 9:27 Und das suggerierte natürlich im Grunde, das wäre eine bewusste Handlung israelischer Sicherheitskräfte gewesen. 9:33 Und damit schürte man auch im Ausland durchaus die Ressentiments gegenüber Israel, ob nun bewusst oder unbewusst. 9:40 Dieses Bild brannte sich schlussendlich auch in die Köpfe der palästinensischen Bevölkerung ein und wurde als Symbol verwendet für den scheinbar legitimen 9:49 Widerstand der Palästinenser gegen Israel im Zuge der Zweiten Intifada. Mit Hilfe solcher Berichterstattung wurde Israel hier im Grunde dämonisiert, 9:59 als Tötungsmaschinerie dargestellt, die nicht einmal Halt vor Kindern machen würde. Doch natürlich funktionierte diese Berichterstattung auch in die andere Richtung. 10:08 So wurden bereits am 12. Oktober 2000 zwei israelische Soldaten, die offenbar von ihrer Truppe getrennt 10:14 worden waren, im Westjordanland von einem wütenden palästinensischen Mob gelyncht. Bilder von Palästinensern, die ihre blutverschmierten Hände aus dem Fenster 10:23 einer PLO-geführten Polizeistation hielten und damit aufmerksam machten auf diese Lynchjustiz, die sie gerade vollzogen hatten, verbreiteten sich 10:32 in Israel und schürten die Wut der jüdischen Israelis natürlich gegen die Palästinenser. Und dadurch wurde von Seite der israelischen Gesellschaft natürlich 10:40 auch ein wesentlich härteres Vorgehen noch einmal gegen die Palästinenser gefordert. Das israelische Militär reagierte darauf, indem man vor allem mit Drohnenangriffen 10:48 nun eine regelrechte Jagd eröffnete, vor allem auf PLO-Führungspersönlichkeiten. Doch diese Anschläge waren nicht so präzise, 10:56 wie sie teilweise heute durchgeführt werden und erforderten durchaus auch Kollateralschäden sozusagen, bei der eben auch weitere Palästinenser ums Leben kamen. 11:04 Und damit wurde diese Gewaltspirale im Grunde immer weiter angetrieben. Man konnte also sehen, diese Medienpropaganda letztlich 11:11 funktionierte sehr gut in beide Richtungen. Vielleicht noch mehr als die Instrumentalisierung der Zweiten 11:16 Intifada in den Medien und die neue Zusammensetzung und Dynamik dieser Zweiten Intifada war sicherlich auch das gewaltsame Vorgehen in dieser Zeit. 11:25 Wie gesagt, die Erste Intifada war vor allem ein Aufstand von Steinewerfern, von Leuten, die mit Knüppeln aufeinander einschlugen und so weiter. 11:32 Doch die Zweite Intifada war eben schon durchaus wesentlich grausamer noch als die Erste. Und das zeigte sich insbesondere in einer großen Anzahl von Sprengstoffattentaten, 11:43 die palästinensische Milizen und vor allem eben die PLO, aber auch die Hamas, gegen israelische Siedler und auch Staatsbürger in Israel selbst durchführten. 11:53 Insbesondere islamistische Gruppen wie die besagte Hamas oder der Islamische Dschihad rekrutierten regelrecht verschiedene Leute mit dem Ziel, 12:02 diese zu Selbstmordattentätern „auszubilden“ sozusagen und sie dann mit Sprengstoffgürteln in die Menschenmenge zu schicken in den größeren israelischen Städten. 12:11 Solche Sprengstoffattentate bzw. Selbstmordattentate waren natürlich im Jahr 2000 keine Neuheit mehr gewesen. 12:18 Es hatte solche Attentate bereits in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre gegeben, vor allem auch durch die Hamas ausgelöst, die natürlich das Ziel hatte, den 12:27 Osloer Friedensprozess zu stören, der nach 1993 begonnen hatte. Doch während der Zweiten Intifada, also in den Jahren zwischen 2000 12:34 und 2005, nahm die Anzahl solcher Attentate eine neue Dimension an. Ihren Höhepunkt erlebten diese Selbstmordattentate in den Jahren 2001 bis 2003, auch angetrieben 12:44 dadurch, dass man international ohnehin einen viel größeren Blick auf islamistische Bewegungen warf, nicht zuletzt natürlich auch durch die Anschläge auf das World Trade Center vom 11. 12:54 September 2001. Und damit hatte die Hamas als eine islamistische Bewegung 12:59 durchaus den Blick auf sich und nutzte letztlich diese Selbstmordattentate auch, um auf sich und ihre Sache sozusagen aufmerksam zu machen. 13:08 Alleine im Jahr 2002 kam es in Israel bzw. in den besetzten Gebieten zu 47 Attentaten, bei denen mehrere hundert Israelis ihr Leben verloren. 13:18 Bei der Rekrutierung solcher Selbstmordattentäter ging die Hamas sehr perfide vor und versuchte im Grunde, die Notlage unterschiedlicher Menschen auszunutzen. 13:28 Man kann dabei noch nicht einmal sagen, dass die Hamas hier eine bestimmte Gruppe im Auge gehabt hätte. 13:33 Tatsächlich waren über 30 Prozent derjenigen Selbstmordattentäter, die die Hamas rekrutierte, Hochschulabsolventen gewesen. 13:40 Das bedeutet, man kann noch nicht mal sagen, das wären ungebildete Leute gewesen, sondern scheinbar hatten weder der soziale Background noch der Bildungs-Background 13:48 einen größeren Einfluss darauf, ob man sich rekrutieren ließ oder nicht. Denn in erster Linie sprach die Hamas letztlich eine Abneigung gegenüber den 13:56 israelischen Juden an, die bei vielen Leuten offenbar verfing, egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht sie entstammten. 14:03 Hinzu kam, dass natürlich die meisten dieser Selbstmordattentäter natürlich Männer waren, aber es gab auch durchaus Frauen und vereinzelt auch Kinder oder Jugendliche, 14:10 die zu diesem Schritt „motiviert“ wurden. Man kann also nicht sagen, dass es sich bei diesen Selbstmordattentätern um eine homogene 14:18 Gruppe gehandelt hätte, sondern tatsächlich war diese Zusammensetzung sehr heterogen. Das änderte natürlich nichts daran, dass diese Gruppe der Selbstmordattentäter sowohl 14:28 von palästinensischer als auch von israelischer Seite als eine einheitliche Gruppe wahrgenommen wurde. Denn aus der Sicht der Palästinenser waren sie natürlich allesamt im Grunde Helden, 14:37 Märtyrer, die sich für die „gute Sache“ opfern würden. Und aus israelischer Sicht waren das im Grunde einfach nur alle feige Mörder und Terroristen. 14:50 Nach Jahren des Terrors und entsprechender Vergeltung endete die zweite Intifada schlussendlich im Jahr 2005 mit einem Abzug Israels aus dem Gazastreifen. 15:02 Mit diesem Schritt zog Israel nicht nur die militärische Besatzung aus dem Gazastreifen ab, sondern löste tatsächlich alle israelischen bzw. jüdischen Siedlungen im Gazastreifen auf. 15:13 Man musste also die verschiedenen jüdischen Siedler im Gazastreifen teilweise sogar unter Anwendung von Gewalt aus der Region abziehen und auf israelischem Staatsgebiet neu ansiedeln. 15:24 Diese Entscheidung des damaligen israelischen Premierministers Ariel Scharon von der Likud war nicht abgesprochen mit der PLO oder mit irgendwelchen Palästinenserbehörden, 15:35 sondern geschah für die ganze Welt im Grunde sehr überraschend. Die Entscheidung Scharons, dass Israel sich aus dem Gazastreifen zurückziehen sollte, 15:43 war allerdings nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern war eine Reaktion auf eine bereits laufende Friedensinitiative, die vor allem von der israelischen Linken in Gang gesetzt wurde. 15:52 Die israelische Linke hatte also sich dafür eingesetzt, die Idee einer Zwei-Staaten-Lösung wieder stärker ins Zentrum zu schieben. Und so hatte Ariel Scharon im Grunde erst einmal Druck 16:03 aus dem Kessel rausgenommen, hatte signalisiert, man sei als Regierung im Grunde bereit, auch in eine friedliche Richtung letztlich mitzugehen und hatte den Gazastreifen aufgegeben. 16:13 Man muss sich dabei allerdings bewusst machen, dass der Gazastreifen im Grunde für Israel damals weder wirtschaftlich noch strategisch und auch religiös letztlich keine größere Rolle spielte. 16:23 Das Westjordanland war von Beginn an das wesentlich wichtigere Element der israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik, sodass es kein größeres Problem war tatsächlich 16:31 für Israel oder kein größeres Opfer, sich von dieser Region zu trennen. Doch dass die Idee eines Abzugs aus einer Besatzungsregion vor allem 16:40 bei der rechtskonservativen Likud, die ja die Siedlungs- und Besatzungspolitik unterstützte, nicht gut ankam, verwundert nicht, und somit war es vielleicht nur konsequent, 16:47 dass Ariel Sharon aus der Likud austrat und letztlich eine neue Partei der Mitte begründete. Doch das Ende der israelischen Besatzung im Gazastreifen bedeutete natürlich nicht, 16:57 dass jetzt überall Frieden in Gaza gewesen wäre, sondern ganz im Gegenteil begann nun im Anschluss eine ebenso gewaltvolle Zeit, nämlich dieses Mal ein Kampf 17:07 zwischen der PLO und der Hamas, die nun um die Vorherrschaft im Gazastreifen kämpften. Dieser Kampf dauerte nahezu zwei Jahre und wurde im Jahr 2007 dann zugunsten der Hamas entschieden, 17:18 die infolge die politische Macht im Gazastreifen erlangte und bis heute hält. Wie gesagt war der Abzug Israels aus dem Gazastreifen für Israel kein größeres Opfer 17:29 gewesen, sondern tatsächlich hatten viele Palästinenser befürchtet, dass Israel in dem Moment, wo man den Gazastreifen aufgeben würde, die Besatzungspolitik im Westjordanland nur 17:38 noch einmal intensivieren würde. Und tatsächlich sollten sie recht behalten. Denn mit dem Abzug aus dem Gazastreifen wurden alleine über 12.000 neue Siedler im Westjordanland angesiedelt. 17:48 Und damit zeigte sich einmal mehr, dass das Westjordanland in der israelischen Denke einen wesentlich größeren Stellenwert hatte als der Gazastreifen. 17:56 Und das konnte man sogar in konservativen Kreisen religiös begründen. Denn der Gazastreifen war im Grunde - aus der biblischen Tradition her gesehen - das Land der Philister, 18:06 das Land des Kriegers Goliath, über den ja David nach der biblischen Vorstellung gesiegt hatte. Und diese Region hatte man im Grunde abgestoßen und das war im Grunde Feindesland, 18:16 mit dem man eigentlich auch nicht viel zu tun hatte historisch. Doch beim Westjordanland verhielt sich die Sache vollkommen anders. 18:21 Denn über das Westjordanland zogen sich die alten biblischen Reiche von Israel und Judah und damit die Tradition eines Königs David, eines Königs Salomon und so weiter, 18:31 mit denen sich natürlich das religiöse Israel identifizierte. Insofern waren auch religiöse Gründe natürlich entscheidend, 18:37 warum Israel am Westjordanland festhielt und natürlich auch noch bis heute festhält. Soviel erstmal bis hierhin in dieser kurzen Darstellung zur Zweiten Intifada. 18:51 Ich fasse zusammen: Nach der Ersten Intifada und dem Oslo-Abkommen von 1993 wurde zunächst einmal ein Friedensprozess 18:59 in Gang gesetzt, der allerdings in den 1990er Jahren bereits zusammenschmolz. Im Jahr 1999 versuchte die US-Regierung unter dem amtierenden Präsidenten Bill Clinton erneut, 19:10 eine Initiative ins Leben zu rufen. Man versammelte sich auf dem Sitz des US-Präsidenten in Camp David mit dem Versuch, 19:16 hier zwischen der israelischen Regierung und der PLO-Führung unter Yassir Arafat zu vermitteln. Doch die Maximalforderungen letztlich von beiden Seiten führten zu keinem Kompromiss, 19:26 und somit standen die Zeichen auf Konfrontation. Ausgelöst durch einen Besuch des Likud-Führers Ariel Scharon in der Nähe der Al-Aqsa-Moschee in 19:34 Jerusalem wurde im Jahr 2000 ein Aufstand ausgelöst auf palästinensischer Seite, der sich schnell auch auf den Gaza-Streifen und das Westjordanland ausdehnte. 19:42 Anders als bei der Ersten Intifada kamen bei der Zweiten Intifada durchaus Sprengstoffe und Schusswaffen zum Einsatz. Es war 19:48 also längst nicht mehr ein Aufstand von Steinewerfern wie noch die Erste Intifada. Hinzu kam, dass sich eine völlig neue Gruppendynamik bildete. Denn anders als 19:56 bei der Ersten Intifada wurden auch in Israel lebende Araber, die israelische Staatsbürger waren, von dieser aufständischen Welle erfasst, 20:05 sodass dieser Aufstand eine völlig neue Dynamik bekam und anwuchs. Die Zweite Intifada wurde bis in das Jahr 2005 geführt und war vor allem geprägt durch zahlreiche 20:15 Sprengstoff-Attentate, die vor allem durch die Hamas vorangetrieben wurden, die überall verzweifelte Menschen letztlich rekrutierte und zu Selbstmordattentätern „ausbildete“. 20:25 Damit überzog man die israelische Gesellschaft im Grunde mit Angst. Denn das israelische Militär stand diesen Sprengstoff-Attentaten relativ 20:32 hilflos gegenüber, denn man hatte kein klares Kriegsziel, das man hätte bekämpfen können. Denn im Grunde war jedes Einkaufszentrum, jedes Café, jede Bushaltestelle, jeder Bus, 20:41 letztlich ein potenzielles Ziel, was angegriffen werden konnte und die israelischen Sicherheitskräfte konnten gegen diesen Terror nicht viel tun, 20:48 sodass die israelische Gesellschaft zwischen 2000 und 2005 im Grunde in eine Schockstarre verfiel, weil man nicht wusste, von wo die Gefahr eigentlich drohte. 20:57 Im Jahr 2005 trennte sich der Staat Israel vom Gazastreifen, einem Gebiet, das weder wirtschaftlich noch strategisch und auch religiös keine größere Bedeutung für Israel hatte. 21:08 Die Hamas feierte im Gazastreifen diesen Abzug Israels mit Euphorie. Denn man hatte den Eindruck, dass der eigene Widerstand dazu beigetragen hätte. 21:16 Infolge brach im Gazastreifen ein Machtkampf zwischen der Hamas und der PLO aus, den die Hamas im Jahr 2007 für sich entscheiden konnte und dort regiert sie letztlich bis heute. 21:26 Im Westjordanland hingegen wurde die israelische Siedlungs- und Besatzungspolitik weiter forciert, auch gerade, weil man den Gazastreifen ja jetzt verloren hatte. Das bedeutet, 21:35 neue Siedler kamen in das Westjordanland, über 12.000 neue Siedler. Und damit zeigte sich erneut, dass das eigentliche Zentrum der israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik von Beginn an das 21:45 Westjordanland war, das Land, das in biblischer Zeit durch die Reiche Israel und Judah geprägt war, also auch eine religiöse und historische Identität hatte für das Volk Israel. Und daher 21:56 war von Beginn an dort das eigentliche Zentrum gewesen. Und daher ist es auch nachvollziehbar, dass Israel bis heute am Westjordanland letztlich festhält und diese Region nicht aufgeben möchte. 22:08 Auch heute - im Jahr 2024 - haben wir natürlich immer noch anhaltende Konflikte zwischen Palästinensern auf der einen Seite und dem Staat Israel auf der anderen Seite, 22:18 immer wieder intensiviert durch unterschiedliche Ereignisse, aktuell natürlich vor allem durch die Geschehnisse, die seit dem Oktober 2023 laufen, 22:27 sprich die Terroranschläge der Hamas auf den Staat Israel und den massiven israelischen militärischen Kampf gegen die Hamas im Gaza-Streifen, der derzeit immer noch läuft. 22:37 Und wie das Verhältnis zwischen Palästinensern und Israelis in Zukunft sein wird in den nächsten Jahren oder gar Jahrzehnten, das wird 22:44 in Anbetracht der derzeitigen Entwicklungen wohl kaum jemand seriös beantworten können. Falls euch diese Folge gefallen hat, dann hinterlasst doch bitte einen Daumen hoch, 22:52 abonniert den Kanal, teilt und empfehlt das Video weiter. Hinterlasst auch gerne einen Kommentar mit Feedback, Themenvorschlägen, anderen Anregungen und ähnlichem. Und ansonsten 23:00 sehen wir uns dann das nächste Mal, bei welcher Folge und welchem Thema auch immer. Macht's gut!