Demokratie: Die beste aller Staatsformen? MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=AEJamX8DGs0 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Vor einiger Zeit hab ich mal auf meinem Kanal gefragt: Würdet ihr der Aussage zustimmen, 0:04 unsere Demokratie ist die beste Regierungsform, die wir haben können? Viele finden schon, dass die Demokratie die beste Staatsform ist, 0:12 aber noch mehr stimmten eben nicht zu oder sind sich nicht sicher, hier seht ihr das Ergebnis. 0:17 Das hat mich ehrlich gesagt schon ziemlich überrascht. Andererseits hören und sehen wir auch immer wieder, 0:23 wie Menschen an der Demokratie zweifeln. Denn die ist alles andere als perfekt und fehlerlos. 0:28 Die Frage ist aber: Welche Alternativen zur Demokratie gibt es denn? 0:32 Diese Frage werden wir in diesem Video hier beantworten. Mit Beispielen aus der Geschichte und - mit Star Wars. Los geht's. 0:39 Was ist eigentlich eine Demokratie? Schauen wir uns vielleicht zuerst mal das Wort an. 0:44 Das Wort Demokratie stammt aus dem Altgriechischen. Demos ist das Volk und Kratos bedeutet Herrschaft. 0:50 Demokratie ist also die Herrschaft des Volkes. Und die alten Griechen haben schon 0:55 über die verschiedenen Formen von Herrschaft nachgedacht. Wenn eine Person herrscht, dann spricht man von einer Monarchie. 1:02 Wenn diese Alleinherrschaft sehr grausam ist, kann man auch von Tyrannei sprechen. 1:06 Oder es herrscht eine Gruppe, dann kann das eine Oligarchie sein: die Diktatur einer Partei 1:11 oder auch die Herrschaft von besonders weisen Menschen, Experten. Und man kann natürlich auch auf die Idee kommen, 1:18 dass etwa in einer Stadt, einem Stadtstaat, den man altgriechisch Polis nennt, 1:22 dass alle Leute, die in dieser Stadt leben, gemeinsam entscheiden und regieren. 1:26 Genau das, was ich eben beschrieben habe, ist eben die Demokratie. 1:30 Und diese Regierungs- oder Staatsform entwickelt sich zwischen 508 vor Christus und 322 vor Christus. 1:36 Und zwar durch die Einwohner von Athen. Demokratie aller - das trifft es in diesem Fall allerdings nicht ganz, 1:42 wenn man genau hinschaut. In dieser Demokratie 1:44 sind alle freien Männer ständig am Staatswesen beteiligt. Sklaven oder Frauen haben politisch nichts zu sagen. 1:51 Aber immerhin sind um die 30.000 bis 35.000 Männer beteiligt. Diese Männer stimmen aktiv ab. 1:56 Sie übernehmen Ämter in der Verwaltung oder als Richter. Natürlich kommen nicht 30.000 Männer zur Volksversammlung zusammen, 2:03 aber es dürften schon regelmäßig so um die 6.000 Personen sein. Athen braucht jedes Jahr 1.100 Amtsträger. 2:09 Von denen werden etwa 100 gewählt, und etwa 1.000 werden per Los bestimmt. 2:13 Denn die Athener gehen davon aus, dass die Gewählten nur besonders wichtige oder komplexe Aufgaben übernehmen. 2:19 Alles andere kann jeder Mann erledigen. Alles sind gleich - na ja, fast alle, wie gesagt. 2:24 Das Losglück deutet nach Überzeugung der Athener auch darauf hin, dass hier vielleicht die Götter mit aussuchen, 2:30 wer welche Position übernehmen soll. Auf jeden Fall werden jedes Jahr 2:34 6.000 Männer schon mal zu Richtern ernannt. Ihr seht: In der athenischen Demokratie 2:38 sind viele Bürger ständig am Staatswesen beteiligt. Diese antike Demokratie ist also sehr anders 2:43 als unsere moderne Demokratie. Na ja, das mit den Richtern 2:47 kennt ihr vielleicht 'n bisschen ähnlich aus den USA. Dort gibt es die Geschworenen: 2:51 Bürger:innen, die keine Juristen sind, die aber das Urteil fällen. 2:55 Aber auch die erste Demokratie steht schon in der Kritik. Vor allem die Philosophen warnen vor einer Herrschaft des Pöbels. 3:02 Und da sieht man schon ein Grundproblem der Demokratie: Wenn alle herrschen, dann bestimmen eben auch manchmal Menschen, 3:08 die kaum Erfahrung oder Können besitzen. Die reine Mehrheit kann auch sehr grausam sein. 3:13 Man sagt damals: "Tyrannei der Masse" Der Franzose Alexis de Tocqueville wird Demokratie im 19. Jahrhundert 3:19 sogar als "Tyrannei der Mehrheit" bezeichnen. Andererseits: Wenn nur wenige, gut Ausgebildete herrschen, 3:25 dann ist die große Masse unfrei. Und die Menschen sind auch nicht gleich. 3:29 Insgesamt sehen viele Philosophen in der Antike die Demokratie schon ziemlich kritisch. 3:34 Sie bevorzugen Verfassungen, die die Macht verteilen und kontrollieren, aber keine breite Beteiligung aller Bürger. 3:40 Es wird befürchtet, dass besonders geschickte Redner es schaffen können, mehr und mehr Leute auf ihre Seite zu ziehen. 3:46 Sich allein zum Anführer zu machen. Womit sie recht behalten werden, diese Leute, die das befürchten, 3:52 denn die Geschichte hat gezeigt, dass die Demokratie recht leicht umstürzen kann in eine Diktatur. 3:57 Vielleicht kennt ihr diesen Satz: "Um weiterhin allgemeine Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten, 4:03 wird die Republik umgestaltet werden, und zwar zum ersten Galaktischen Imperium." 4:07 "Zum Wohle und Nutze einer stabilen und sicheren Gesellschaft." Genau das sagt der böse Palpatine 4:13 im Film "Star Wars - Die Rache der Sith", als er unter dem Jubel im Senat seine Diktatur errichtet. 4:18 Ja, ein Film, aber: ein Film, der sich an historischen Vorbildern orientiert. 4:22 Auch die Nationalsozialisten kommen auf demokratischem Wege an die Macht, und schaffen dann sofort die Demokratie ab - mit brutaler Gewalt. 4:30 Die Nazis haben zwar keinen Todesstern, aber paramilitärische Schlägertruppen. 4:34 Und auch Hitler macht sich die Armee untertan. Ich hab euch das schon mal in 'nem anderen Video genauer erklärt, 4:40 oben auf dem "i" oder unten in der Infobox. Die Nazis begründen ihre Diktatur so: 4:45 Die beste Regierung ist eine, die im Einvernehmen, im Einverständnis mit dem Volk herrscht, 4:50 die weiß und versteht, was für das Volk das Beste ist. Das ist: der Führer. 4:54 Dieser Führer soll das machen, was für das Volk am besten ist, und das Volk gehorcht deshalb, ohne zu diskutieren. 5:00 Nur am Rande: Am Ende von Hitlers Herrschaft ist das deutsche Volk am Boden zerstört. 5:05 Die Herrschaftsbegründung der Nazis war eine glatte Lüge. Die Kommunisten begründen ihre Diktaturen auch damit, 5:11 die unterdrückten Klassen zu befreien, und auf dem Weg zur herrschaftsfreien Demokratie 5:16 muss eben die Diktatur des Proletariats die Wende einläuten. In der Geschichte gibt es viele Palpatines. 5:21 Diktaturen führen immer zu Mord und Terror, meistens auch zu Kriegen. 5:25 Aber die Diktatur ist nicht die einzige Alternative zur Demokratie. Schon Aristoteles zählt in der griechischen Staatenwelt 5:32 und darum herum 158 verschiedene Verfassungen. Bei den alten Römern gibt es lange Zeit eine Republik. 5:37 Dort darf das Volk von Rom bei Versammlungen auch seine Amtsträger wählen. 5:41 Aber das Sagen hat eigentlich der Senat, ein Gremium, in dem die reichen und adligen Familien sitzen. 5:47 Aber immerhin: Es regieren mehrere gemeinsam, die aufeinander angewiesen sind. 5:52 Bis Julius Cäsar und nach ihm der Kaiser Augustus die Alleinherrschaft des Kaisers aufrichten - auch so ein Palpatine. 5:59 Die Königsherrschaft ist in Europa das ganze Mittelalter hindurch die normale Form der Herrschaft. 6:04 Je nach Herrscher kann sie den Menschen auch Wohlstand und Glück bescheren. 6:08 Es ist aber klar: Das Sagen hat der König. Schließlich in der Form des absoluten Monarchen, 6:13 wenn der König niemandem mehr rechenschaftspflichtig ist. In dieser Monarchie haben die Unter- tanen keine politische Mitsprache. 6:20 Aber ein aufgeklärter Herrscher, wie etwa Preußenkönig Friedrich der Zweite, 6:25 versteht sich als Erster Diener des Staates. Es kommt also nicht auf den Herrscher selbst an, 6:30 wie im Mittelalter, sondern auf das Staatswesen. Aber es gilt: Alles für das Volk und nichts durch das Volk. 6:36 Die Menschen merken im 19. Jahrhundert, dass das nicht so gut funktioniert. 6:40 Die Gesellschaften werden arbeitsteiliger, komplexer. Der Grundbesitz ist nicht mehr die einzige Quelle des Reichtums. 6:46 Vielmehr werden Händler und Industrielle reich Die Bürger, die das Land 6:50 wirtschaftlich und kulturell am Laufen halten, wollen politische Mitsprache. 6:54 In England erkämpft sich das Parlament wichtige Rechte. Könige müssen auch anderswo ihre Macht mit Parlamenten teilen. 7:01 Einige wollen das nicht und treten zurück, wie der bayerische König Ludwig der Erste. 7:05 Er will sich keiner Verfassung beugen. Aber diese Zeiten sind vorbei - zumindest in Europa. 7:10 Im 18. Jahrhundert werden dann Theorien für eine moderne Demokratie entwickelt: 7:15 die Trennung der drei Gewalten: Gesetzgebung, also Legislative, Regierung - Exekutive - und Rechtsprechung - Judikative. 7:21 Oder die Theorie von der Rechtmäßigkeit einer Herrschaft, die auf das Allgemeinwohl abzielt. 7:26 Oder auch die Theorie, dass alle Macht vom Volk ausgeht und nicht vom König. 7:31 Der Wunsch nach Demokratie zeigt, dass die Bürger frei sein und über das Gemeinwesen mitbestimmen wollen. 7:36 Er zeigt den Wunsch nach Gleichheit. 1789 ereignet sich die Französische Revolution: 7:42 Das Volk fegt den König hinweg und regiert sich selbst. Eine sehr intensive Phase, 7:46 die schnell zur Diktatur eines Wohlfahrtsausschusses, einer kleineren Gruppe übergeht, und schließlich 7:52 in der Alleinherrschaft von Kaiser Napoleon mündet. Aber die Ideen werden im 19. Jahrhundert wieder aufgegriffen, 7:58 zum Beispiel in der Revolution von 1848/49. Das deutsche Parlament wird zwar wieder aufgelöst 8:03 und die Fürsten behaupten ihre Macht durch militärische Gewalt, aber die Demokratie kommt in Europa ganz langsam voran. 8:11 Woanders geht es schneller: in den USA. Abraham Lincoln fasst es so zusammen: 8:18 In den USA wird auch das ausprobiert, was heute in den modernen großen Staaten, die wir haben, 8:24 Gang und Gäbe ist: repräsentative Demokratie. Die Bürgerinnen und Bürger wählen Abgeordnete, 8:29 die in ihrem Auftrag im Parlament entscheiden und eine Regierung bilden. 8:34 Im 20. Jahrhundert setzt sich auch in Europa die Demokratie durch. Auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt, 8:40 wie die Hitler-Diktatur oder die Diktatur von Franco in Spanien. Die Demokratie in Form der parlamen- tarischen repräsentativen Demokratie. 8:47 Nur die hat ein Problem: Sie arbeitet relativ langsam. Viele Leute wollen schnellere, direkte Verfahren. 8:53 Abstimmungen aller Bürgerinnen und Bürger. Volksentscheide über diese oder jene Frage. 8:57 Soll ein Tempolimit eingeführt werden? So eine Frage wäre ja noch ziemlich einfach zu klären, 9:02 aber was ist damit: Soll die deutsche Marine an der afrikanischen Küste 9:06 gegen Kriminelle vorgehen? Und wie? Wie hoch soll ein Mindestlohn sein? 9:10 Wie soll das Steuerrecht in Sachen Ehegattensplitting verändert werden? Wie regeln wir, wie viel englische und europäische Fischer 9:18 in der Nordsee fangen dürfen? Je komplizierter eine Frage wird, 9:22 desto schwieriger ist es natürlich, sie zu beantworten. Die Erfahrungen aus der Schweiz, 9:26 wo es ja Volksabstimmungen landesweit gibt, zeigen, dass meistens die besser Ausgebildeten 9:31 und damit auch die mit den besseren Jobs, die also auch reicher sind, an solchen Abstimmungen teilnehmen. 9:37 Menschen, die finanziell schlechter gestellt sind, haben dann also weniger zu sagen. 9:42 Und auch hier sind wir dann wieder bei einem bekannten Problem der Demokratie. 9:46 Zum Thema Volksentscheid auf Bundesebene findet ihr ein Video, wenn ihr oben auf das "i" klickt. 9:51 Klar ist auf jeden Fall: Die Demokratie ist nicht perfekt. Jeder ärgert sich über manche Entscheidungen. 9:57 "Tyrannei weniger", sagen einige. Lobbyismus, Korruption, schwerfällige und lange Entscheidungsprozesse. 10:03 Es gibt da sicher noch unzählige Punkte. Theoretisch gibt es eine ganze Menge Alternativen zur Demokratie, 10:08 aber im echten Leben ist jede Alternative zur Demokratie eine Alternative, die weniger Freiheit, 10:14 mehr Angst, weniger Recht bringt, und ich bin froh, das Glück zu haben in einem Land zu leben, 10:19 das Bürger und Menschenrechte in seiner Verfassung verankert hat, um es 'n bisschen pathetisch zu sagen. 10:24 Oder vielleicht wie es Winston Churchill 1947 in einer Rede vor dem Unterhaus einmal meinte: 10:39 Was meint ihr? Wie könnte Demokratie aussehen? Wie könnten wir sie umgestalten? 10:43 Schreibt's gerne unten in die Kommentare. Und hier neben mir findet ihr noch ein Video zur Weimarer Verfassung, 10:49 und direkt darunter eins der Kollegen von Terra Xplore zu der Frage, welchen Einfluss Social Media auf unsere Wahlentscheidung hat. 10:57 Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.