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Rassistische Kontinuitäten nach dem Nationalsozialismus
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 51 Zeilen
- Es ging eigentlich weiter. Es gab kaum eine Anerkennung für die Menschen,
- die überlebt haben. Meine Familie
- lebt seit Hunderten von Jahren in Deutschland. Wir sprechen die deutsche Sprache, wir beherrschen sie in Wort und Schrift.
- Unsere Kinder wachsen bilingual auf. Sie sprechen neben Deutsch auch Romenes,
- das sprechen wir in den Familien. Und eigentlich kann man sagen, dass die Integration
- unserer Familie auch und der deutschen Sinti und deutschen Roma
- vor der Zeit im Nationalsozialismus eigentlich doch gelungen war.
- Und danach hat sich dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit nie wieder so eingestellt.
- Das Vertrauen in diese bundesrepublikanische Gesellschaft war nach dem Nationalsozialismus
- leider zerstört. Die Kinder gingen zur Schule,
- sie lebten in ihrer Nachbarschaft, sie hatten ihre Freunde, Bekannten. Und im Nationalsozialismus
- wurde unseren Kindern, genau wie den jüdischen Kindern, der Schulbesuch an öffentlichen, an Regelschulen verboten.
- Sodass man sagen kann, dort blieb eine Generation unbeschult und sind quasi zu Analphabeten herangewachsen.
- Und nach 1945 hatte man überhaupt gar kein Bewusstsein dafür, wenn es Schwierigkeiten in der Schule gab, dass das die Nachkommen waren
- von verfolgten Menschen oder auch selbst verfolgt waren. Es gab Diskriminierungen in der Schule, Kinder wurden weiter beschimpft.
- Ich habe es selbst erlebt in der Schule. Wir haben uns immer als deutsche Sinti verstanden
- und plötzlich war das nicht mehr. Und nach 1945 also,
- nach Beendigung des Krieges, mussten unsere Leute um die deutsche Staatsbürgerschaft wieder kämpfen.
- Meinem Vater wollte man die deutsche Staatsbürgerschaft nicht wieder zugestehen und vielen anderen unserer Leute auch.
- Er hat versucht, für seine Mutter Entschädigungsleistungen zu beantragen
- und er konnte aber nicht beweisen, dass seine Mutter seine Mutter war. Er konnte auch nicht beweisen, dass seine Geschwister seine Geschwister waren.
- Und ich habe die Akten der Entschädigungsbehörde, seine Anträge, die habe ich nach seinem Tod an mich genommen und habe die studiert
- und habe gesehen, welch unmögliche Forderung an ihn herangetragen wurde. Er möge beweisen, dass seine Geschwister seine Geschwister waren.
- Und das passierte noch in den 70er Jahren. Das war eine Kränkung, eine Beleidigung, überhaupt kein Bewusstsein.
- Und das zeigt mir auch einfach, dass die Haltung gegenüber Sinti und Roma sich damals,
- auch nach 1945 ihnen gegenüber nicht verändert hatte. Die Täter wurden gedeckt und die Opfer wurden quasi noch
- als, wenn sie einen Antrag auf Entschädigung stellten, als »Entschädigungs-Schwindler« deklariert.
- Man fragte die Leute, die dafür verantwortlich waren, dass sie nach Auschwitz deportiert wurden.
- Man befragte die »Rassenforscher« etc. Man arbeitete mit den Polizeiakten, die ja die Täter-Akten waren.
- Um eine eventuelle Entschädigung zu vereiteln. Nachher war mein Vater doch etwas ruhiger, aber in der Zeit
- durfte er auch nicht angesprochen werden... Wie soll ich sagen,
- von Menschen, die das alles nicht so schlimm fanden. »Das war doch alles nicht so!«
- Unserer Minderheit wurde doch auch, oder unseren Minderheiten, der wurde doch auch unterstellt, sie seien »asozial« gewesen
- und sie seien kriminell gewesen. Ja, dann waren auch unsere Babys kriminell?
- Unsere Kinder waren auch kriminell, deshalb seien sie verfolgt worden? Das war entsetzlich.
- Ich habe den Stammbaum unserer Familie Rosenberg,
- der lag im Bundesarchiv. Die Unterlagen waren da. Und hier wurde mit Akribie
- von den sogenannten »Rassenforschern« aufgezeichnet, wer Teil unserer Familie war.
- Die Großeltern, die Urgroßeltern bis ins 17. Jahrhundert hinein. Es war also alles da.
- Man hat es absichtlich vereitelt. Wie lang ist dieser Stammbaum?
- Ich kann ihn gar nicht ausbreiten, wie lang er ist...
- Mit Akribie hat man aufgezeichnet, um zu sehen:
- »Wen müssen wir noch umbringen?« Das war doch die eigentliche Motivation
- der Nazis: Uns alle in Gänze zu erfassen, um uns der Vernichtung zuzuführen.
- Das war ihr Anliegen. Und wenn ich das heute sehe.
- Ich wusste nicht, wie heißen die Geschwister meines Vaters? Weil mein Vater sprach nicht darüber und wir
- wagten nicht, ihn zu fragen, weil wir wollten ihn nicht verletzen. Es war also alles da.
- Man hat absichtlich die Entschädigungsleistungen vereitelt. Absichtlich.
- Und das ist bitter, wenn man darüber nachdenkt. Und das ist auch meine Motivation.
- Es darf nicht aufhören, diese Aufklärungsarbeit. Und schon gar nicht jetzt momentan,
- wo rechte Parteien und Gruppierungen erstarken. Und zwar europaweit.
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