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Religion, Atheismus: Glauben oder nicht?! | Sag's mir | unbubble
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 439 Zeilen
- Und wenn ich jetzt mal so dreist sein darf Atheismus
- ist ja auch ein Glaubenssatz. Aber ich mache in diesem Fall
- keine positive Behauptung. Und Gläubige, die bringen
- diese Entität Gott ins Spiel. Und du bist ja auch kein nicht
- Briefmarkensammler. Ich bin Bruder Bernd Wehrmann
- gehört zum katholischen Orden der Kapuziner.
- Ich bin 55 Jahre alt, habe Biologie und Chemie studiert
- und in bio physikalischer Chemie promoviert.
- Ich bin Matthias. Na, ich bin 34 Jahre alt und ich habe auch ein
- YouTube Kanal und dort beschäftige ich mich viel mit
- gesellschaftskritischen Themen. Deswegen ist auch Religion ein
- Thema, das mich immer wieder umtreibt.
- Und je mehr ich mich damit beschäftigt habe und desto weiter
- bin ich eigentlich vom Glauben weggekommen. Das heißt, im
- Endresultat bezeichne ich mich auch aktuell als Atheist.
- Atheismus ist insofern auch ein Glaube, als dass
- ein Atheist genauso wenig beweisen kann, dass es Gott nicht gibt.
- So wie ein gläubiger Mensch nicht beweisen kann, dass es Gott
- gibt. Ich glaube, wenn wir Leuten
- beibringen, dass in gewissen Bereichen wie Religion eine
- unlogische Denkweise in Ordnung ist, bringen wir dann auch bei, das
- auf andere Bereiche anzuwenden. Und das halte ich für gefährlich und
- schädlich. Atheismus kann die
- Gefahr mit sich bringen, dass
- einem ja kein gutes Wertegefüge
- dahinter steht. Okay.
- Interessant. Wir sind Top Gear mäßig.
- Ob du schon mal im Blaumann. Ich habe keine
- konkrete Erwartung, wer mir jetzt hier entgegenkommt.
- Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht ein Priester kommt oder
- so. Hallo?
- Hallo ihr beiden, Ihr durchläuft jetzt drei Runden, bei denen ihr
- persönliche Fragen über euch selbst beantwortet. Das Wichtigste dabei
- Hört einander zu. Lasst euer Gegenüber seine
- Geschichte erzählen. Seid offen und ehrlich.
- Stellt euch die folgenden Fragen im Wechsel und beantwortet sie beide.
- Erstens draußen oder drinnen.
- Dann lieber draußen. Ich bin gern in der Natur,
- laufe gerne Fahrrad. Und magister.
- Wald und Wiese, Feld und Flur. Ja draußen.
- Auf jeden Fall war es, das bei mir zu Hause nicht so häufig
- vorkommen. Konsum oder Verzicht?
- Ich würde sagen verzichtbar. Konsum passiert ja schon
- automatisch. Dann ist es schwieriger zu verzichten und wahrscheinlich
- auch sinnvoller. Das geht mir ähnlich.
- Verzicht ist für mich schon.
- Eine wichtige Einübung. Realist oder Träumer?
- Ich bin Realist. Nicht, dass ich nicht ab und zu mal
- träume, aber die Realität ist mir schon sehr wichtig.
- Ja, das kann ich. Hätte ich genauso beantwortet.
- Glauben oder Wissen? Auf jeden Fall. Wessen.
- Wissen so weit geht. Der Rest bleibt Glaube.
- Frage an beide Wovor habt ihr Angst?
- Ich habe Angst. Nicht vom Altwerden.
- Weil das will ja jeder. Aber alt sein?
- Darauf habe ich nicht wirklich Lust. Also mein Opa ist im hohen Alter
- gestorben. Er hat ein super Leben auf vielen Ebenen gehabt und
- da habe ich halt live miterlebt, was das hohe Alter, in dem Fall
- Altersdemenz wirklich auch bei einem Menschen anrichten kann.
- Und das auch jemand, den man so stark bewundert hat und der auf
- vielen Ebenen ein Idol war, das auch davor Krankheit
- Alter nicht halt macht. Und ja, das Schicksal, das
- war nicht so toll. Umgekehrt, wenn das mein Beispiel
- hier ist, dass ein Mensch mit über 90 Jahren gestorben ist nach vielen
- guten Jahren, dann sagt das auch einiges aus.
- Angst. Also so richtig, richtig
- Angst kenne ich eigentlich so nicht.
- Wenn, dann geht das in eine ähnliche
- Richtung. Dann geht es um die Frage des Wie, das des Sterbens.
- Also gar nicht mal, dass ich sterben muss, das ist ganz klar.
- Aber das Wie
- mit der. Frage an beide.
- Was macht euch glücklich? Zwei Dinge
- mit Menschen zusammen zu sein. Die, mit denen ich mich gut
- verstehe, miteinander zu feiern.
- Das ist eine Seite. Und das andere ist tatsächlich
- so Alleinsein. Aber dann tatsächlich in Natur, in
- einer schönen Landschaft. Da finde ich mich auch wieder, weil
- ich ziehe ganz viel Energie draus, wenn ich mit Leuten zusammen bin.
- Und es ist schön, aber man braucht auch einfach diesen Ausgleich.
- Ich brauche viel Zeit zum Nachdenken und wenn ich mal nur unterwegs bin,
- nur unter Leuten. Fühlt man sich auch irgendwann so
- ein bisschen ausgelaugt. Ich würde dann noch hinzufügen, dass
- ich irgendwas tue, was sich richtig und wichtig und
- sinnvoll anfühlt. Also dass mein Wirken in
- meinem kleinen Kosmos ja irgendwie Positives
- bringen kann. Ich kann ich gut mitgehen?
- Bisher nur Einigkeit. Schlimm.
- Ich magister. Ich magister Konsens. Sag deinem Gegenüber jetzt etwas,
- was du jetzt schon an ihm magst. Ich magister deine Stimme also.
- Bzw. Deine Stimme transportiert mit
- deinem Wesen und wie du sprichst so eine gewisse Ruhe.
- Und das finde ich sehr angenehm. Eine Sache, die du und ich deiner
- Meinung nach gemeinsam haben. Ich könnte mir vorstellen,
- dass wir beide irgendwas mit Menschen zu tun haben, auch
- beruflich, beruflich was mit Menschen zu tun haben.
- Ich gehe nicht davon aus, dass du etwa am Fließband arbeitest.
- Also um so ein Extrem zu nennen.
- Die mal gespannt auf die Auflösung. Ich bin Bruder Bernd Biermann,
- gehöre zum katholischen Orden der Kapuziner, habe
- Biologie und Chemie studiert und in bio physikalischer Chemie
- promoviert. Also ich bin Matthias.
- Ich bin 34 Jahre alt. Atheist zu sein heißt für mich, dass
- ich alle Religionen und alle Gottesüberzeugungen
- ablehne. Ich finde die in sich nicht
- schlüssig und bezeichne mich deswegen auch als Atheist.
- Glaube und Wissenschaft sind für mich insofern ganz
- gut miteinander vereinbar, als dass sie sich mit zwei sehr
- unterschiedlichen Dingen auseinandersetzen.
- Glauben und Wissenschaft schließen sich nicht zwangsläufig für mich
- aus. Ich glaube aber, dass es eine gewisse mentale Gymnastik erfordert,
- beides unter einen Hut zu bringen. Ich bin mit 21 Jahren
- in den Kapuzinerorden eingetreten und habe nach sechs Jahren
- meine ewigen Gelübde abgelegt. Also bin dann für die
- Lebenszeit Ordensbruder geworden.
- Und wir als franziskanische Ordensmenschen tragen ja keinen
- Gürtel aus Leder, sondern nur einen Strick.
- Und in diesem Strick haben wir als quasi Gedächtnisstütze
- drei Knoten, die uns an unsere drei Gelübde erinnern sollen, die da sind
- Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam.
- Die Geschichte hat gezeigt, dass Religion missbraucht werden kann,
- dass sie mitunter zu schlechten Resultaten und unmenschlichen
- Verhalten führen kann. Und ich glaube, dieses Risiko
- sollten wir verlieren. Ein Glaube ist eine
- Orientierungslinie, Wo? Woraufhin
- ich leben will. Und ich denke, dass das
- grundsätzlich einer Gesellschaft gut tut, eine solche
- Orientierung zu haben. Ich würde sagen, die Welt wäre ohne
- eine Religion eine bessere Welt. Interessant. Ich habe schon
- vermutet, dass ich vielleicht einen Priester treffe.
- Du hast gesagt, du bist mit 21 eingetreten in den Orden.
- Da gab es bestimmt eine Geschichte oder einen gewissen Auslöser.
- Oder war das schon immer dein Plan? Äh, nein, ich bin, ich bin,
- ich sage mal, katholisch sozialisiert, großgeworden.
- Als ich Kind und Jugendlicher war, hatten wir vier
- Ordensgemeinschaften. In der Stadt habe ich Ordensleute
- kennengelernt und bei den Kapuzinern hat es dann irgendwann mal
- gefunkt, sozusagen. Als ich mit 21 eingetreten bin,
- war ich mir nicht sicher, dass ich das tatsächlich.
- Ja jetzt schon seit über 30 Jahren.
- Tue das nicht. Also das heißt, es gibt eine
- Exitstrategie, weil frau meint, das ist eigentlich eine lebenslange
- Entscheidung, aber es muss ja irgendwie auch ein Weg raus
- geben, nehme ich mal an. Wie sähe das aus?
- Ich kann nicht sagen, ich kann jetzt nicht sagen, dass ich als Kapuziner
- beerdigt werde. Er sagt, er glaubt und hat noch nie gezweifelt.
- Dem glaube ich nicht. Das glauben.
- Sorry, wenn ich das so formuliere. Interessant.
- Ähm, du hast das jetzt gerade schon angesprochen.
- Zweifel gehören auch dazu. Aber wie würdest du diesen
- Mechanismus erklären? Und warum entfernt sich Gott
- von dir oder du dich von Gott? Ich weiß, in welche Richtung deine
- Vorstellung ist. Ich kann mich von Gott entfernen,
- weil ich mich mit meinem Leben und meinem Kopf
- überall bin, aber mich nicht zurück besinne.
- Es gibt Aspekte Gottes, die die, die eben nicht so
- leicht zu integrieren sind. Vor allem sind wir doch auch
- Naturwissenschaftler. Hast vorhin gesagt, studiert
- und promoviert. Das heißt, ich hab von bisschen
- mentaler Gymnastik, die notwendig ist, gesprochen.
- Wenn ich jetzt nur Natur will als Naturwissenschaftler, also wenn ich
- den Hut jetzt aufsetze und nach einer Naturwissenschaftler.
- Da ist Gott für mich keine Entität. Den kann ich nirgendwo reinbringen
- in meiner in meine Experimente. Die Frage stelle ich aber auch gar
- nicht, weil ich naturwissenschaftlich arbeite. Ich befasse mich ja mit
- ganz anderen Fragen. Meine Problematik, die ich dabei
- habe, ist, dass manche, manche Menschen oder
- insbesondere Religionen und Religionsvertreter eben sagen
- wir kennen das Wesen außerhalb unseres irdischen
- Rahmens, außer dem, was wir untersuchen können.
- Und er will übrigens, dass wir diese und jene Vorgaben
- umsetzen. Und wenn nicht, dann passiert vielleicht was Schlimmes
- mit dir im Jenseits. Und da sehe ich auch so
- die Gefahren, die das beherbergt. Wie würdest du das bewerten?
- Formuliert das mal ähnlich. Die Leute, die meinen, sie hätten
- den Herrgott in der Tasche, haben also die dann auch ganz genau
- wissen, was er will und was er nicht will.
- Das ist, finde ich, sehr, sehr problematisch.
- Jeder, jede Offenbarungsreligion hat irgendwo Grundgebote.
- Klar, Sie haben das Christentum anschauen, das Doppelgebot der
- Liebe oder wie man es heute manchmal auch sagt, das Dreifachgebot der
- Liebe Liebe Gott mit deinem ganzen Herzen, mit deiner
- ganzen Kraft, mit allem, was dich ausmacht, und liebe deinen Nächsten
- wie dich selbst. Wenn es dann um um die
- vielen kleinen Gebote geht, die dann immer noch hier und da und da
- so sehr klein, klein, klein, was man alles so machen muss.
- Und ich, ich, ich kenne solche Leute, da
- habe ich auch meine Schwierigkeiten mit Das ist nichts.
- Das ist ein Gottesbild, das, was Menschen einengt.
- Und ich glaube nicht, dass das dass das gewollt ist.
- Du hast in dem. In dem Video bei der Auflösung hast
- du die drei Knoten gezeigt und das war das stand für ich versuch's
- zu rekapitulieren Ehelosigkeit, also Armut war, glaube ich, nicht
- das Wort, aber doch. Und was war das Dritte?
- Gehorsam. Gehorsam. Wie bringst du
- diese drei Dinge, die dich ja irgendwie einschränken oder in einer
- gewissen Weise Verzicht sind, mit deiner Vorstellung von dem
- Glauben, der nicht zu sehr einengen soll, zusammen.
- Die Ordensgelübde sind Klötze, die von einem nur einem
- sehr, sehr kleinen Teil der Christenheit angenommen
- werden, nämlich nur von Ordensleuten.
- Das ist eine freiwillige Entscheidung.
- Ich. Merkel natürlich auch Verzicht.
- Ich denke, Verzicht, den man nicht merkt, ist ja irgendwie auch keiner.
- Auf der anderen Seite weiß ich auch, dass dieser Verzicht
- mir Dinge ermöglicht hat, die ich. Sonst so nicht
- getan erlebt hätte. Ich glaube nicht, dass dieser Gott,
- so wie ich ihn erfahren habe, alle Menschen einengen will
- oder klein machen will, sondern da geht es um das Mehr,
- um um das Große.
- Das ist die Basis, auf der das Ganze steht.
- Glaubst du, dass wir diese Basis brauchen, also dass es auch Begriffe
- wie Nächstenliebe usw. Glaubst du, dass wir das brauchen
- als Menschen, um wirklich Nächstenliebe ausstrahlen zu können?
- Und dass jemand als Atheist davon davon ist und dazu gar nicht
- in der Lage ist? Nein, ähm, ich glaube
- nicht, dass das jemand, der sagt, ich kann mit
- diesem Gott nichts anfangen, deshalb nicht zur Nächstenliebe in der Lage
- ist. Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass dieser Herrgott auf
- vielen krummen Linien gerade schreibt.
- Und er. Er wird es richten.
- Also, da bin ich fest davon überzeugt.
- Aber wenn du dann zum Beispiel sagst, dass das man jetzt Religion
- oder Gott nicht zwingend braucht, um ein guter Mensch zu sein, also unter
- dem Aspekt die Nächstenliebe zum Beispiel. Was ist dann genau der
- Wert, den Religion zusätzlich bietet?
- Für mich dieses Diese ist die Frage
- nach dem sogenannten Mehrwert von von Religion oder von Gott
- die die kriegt gar nicht mit Gott untereinander.
- So verstehe ich glaube nicht und so verstehe ich auf diesen Gott
- nicht. Also der muss mir nix bringen, zwangsweise.
- Ich sage, was es mir bietet. Das kann ich, das kann ich schon
- sagen. Das für mich ist meine Religion, mein Gott Zu meinem
- Grundverständnis dazu. Ich glaube auf der anderen Seite,
- dass das andere Leute schon für sich hinkriegen, so ihre
- Lebensmatrix ohne Gott und ohne den Glauben zu erklären.
- Und wenn ich jetzt mal so, so dreist sein darf ein Atheismus
- ist ja auch ein Glaubenssatz sozusagen.
- Das stimmt. Aber ich mache in diesem Fall
- keine positive Behauptung, sozusagen.
- Und Gläubige, die bringen dieses diese Entität Gott
- ins Spiel oder eine Religion. Und du bist ja auch kein
- nicht Briefmarkensammler. Ich finde nicht, dass man sagen
- kann, ich glaube deswegen an Atheismus, weil Atheismus ist
- einfach nur, denn ich glaube an das andere.
- Es ist trotzdem ein Überzeugungskonstrukt, was sich
- nicht beweisen lässt. So sage ich das jetzt mal
- genauso wenig wie das andere. Also wenn wir jetzt, wenn wir jetzt
- sagen, der Bereich Religion oder Gott ist einfach nicht
- erfassbar für uns, aber wir gehen oder manche Menschen und viele
- gläubige Menschen gehen davon aus, dass es so ist.
- Warum geht es in dem Fall und worum geht es?
- Dann können wir ja genauso sagen auch im naturwissenschaftlichen
- Bereich oder in irgendwelchen anderen Bereichen.
- Keine Ahnung. Astrologie. Das ist genauso legitim wie eine
- Gotteserfahrung. Wie verhindern wir da, dass wir
- irgendwie so ein falsches Denken, Lernen und unlogisch Denken lernen
- im Hier und Jetzt, wo wir auf unsere Ratio irgendwo angewiesen
- sind? Ja, wir sind auf Ratio angewiesen.
- Richtig, innerhalb der Ratio kann ich, kann ich aber auf der anderen
- Seite auch nichts finden, wo ich jetzt sage, dass das
- das ist so, also die Ratio sagt gib mir einen solchen Widerspruch,
- dass da ein Gott gar nicht vorkommen kann.
- Das ist die eine Seite, und das andere ist.
- Mich macht nicht nur Ratio aus. Glaubst du an Astrologie?
- Zum Beispiel bei dem Beispiel? Nein. Aber
- wenn ich jetzt sagen würde, ich glaube, dann wie könntest du mir
- jetzt sagen das ist Schwachsinn, weil ich könnte ja alle Beispiele
- genannt hast. Es könnte ich jetzt auch auf Astrologie anwenden.
- Wir können nicht beweisen, dass es nicht funktioniert oder dass es
- nicht da ist. Und es gibt ja noch vielleicht was
- über den rationalen Lebensbereich hinaus und der betrifft uns auch und
- deswegen kann ich doch daran glauben.
- Ich sage mal so jemand, der unbedingt daran glauben will, den
- werde ich nicht daran hindern können.
- Ich weiß auch gar nicht, ob ich ihn unbedingt daran hindern muss.
- Siehst du eine andere? Herangehensweise bei jemandem, der
- an Astrologie glaubt. Siehst du die Parallele zu
- So zumindest, wie ich dich bisher verstanden habe, wie du deinen
- Glauben rechtfertigst. Siehst du? Siehst du dir die
- Ähnlichkeit oder. Für mich klingt es sogar identisch.
- Ich glaube, wir hätten jetzt einfach die Begriffe austauschen können und
- die Beweisführung wäre gleich. Also auf der Ebene, auf der
- Ebene. Kann ich da gar nicht argumentieren,
- will ich auch gar nicht argumentieren.
- Also was? Was sagt mir Astrologie oder was sagt mein Horoskop?
- Das ist ja der Versuch, irgendwie in immer Zukünftiges hinein
- zu schauen. Also Religion.
- Wenn es um Spiritualität geht, dann geht es nicht darum, irgendwelche
- Dinge im Voraus zu wissen. Wir sind ja auch hier, um über
- Astrologie zu reden. Ich weiß, ich hab das Beispiel
- reingebracht, aber nein. Mein Bedenken ist aber einfach okay,
- wenn wir, wenn wir sagen ich kann meinen Gott glauben, meinen
- Religionsglauben so rechtfertigen, der ist nicht greifbar, nicht
- erklärbar. In der Astrologie zum Beispiel ist
- es ähnlich. Da hätte ich halt Angst, dass wir
- Leuten sagen okay, es ist legitim, an Dinge von Dingen überzeugt
- zu sein, die wir nicht belegen können.
- Und wir werden uns einig, zum Beispiel im Bereich Medizin oder im
- Bereich experimentelle Physik wäre es bisschen schlecht, wenn
- wir da einfach irgendwelche Sachen machen und sagen ja, das ist ja
- alles irgendwie gleichwertig, weil es gibt ja einfach Sachen, die wir
- nicht erfassen können und davor hätte ich Angst.
- Gibt es denn irgendeinen Bereich, wo du siehst, dass Leute
- sich irgendwie auf etwas nicht beweisbares berufen, wo du es
- komplett Bullshit findest und sagst das ist gefährlich?
- Würde dir da was einfallen, weil dann können wir gerne darüber reden.
- Natürlich. Natürlich gibt es Aspekte von Glauben, sage ich jetzt mal, die
- mit der Ratio nicht vereinbar sind. Alles, was ich als Aberglaube
- bezeichne. Also ich habe eine zeitlang in Italien gelebt und
- in Bella Italia. Wenn ich irgendetwas möchte, dann
- rufe ich den heiligen Antonius an, und wenn ich das nicht kriege, dann
- wird die Figur des heiligen Antonius mit dem Gesicht zur Wand gedreht
- oder irgendwo im Garten eingebuddelt oder sonst was, bis ich
- das kriege, was ich von dem haben will. Das sind so Dinge, wo ich sage
- Also, Leute. Aber da gehe ich voll mit, Aber
- wo machst du dann für dich die Trennung? Was ist Aberglaube und was
- ist irgendwie legitimer Glaube? Das ist für mich ganz schwierig
- greifbar. Für mich ist die Grenze genau da.
- Wenn ich meine, dass ich durch das, was ich
- sage, was ich denke, entweder dieSseitiges oder
- Jenseitiges tatsächlich beeinflussen kann.
- Fällt dir ein Beispiel ein? Wurde sagst da ist Religion
- gefährlich oder könnte es sein? Und ich hätte einige Beispiele.
- Falsch verstandener Religion, Religion, die sich absolut setzt.
- Aber haben nicht alle Offenbarungsreligionen einen Absolutheitsanspruch?
- Also wenn wir jetzt Christentum, Islam, Judentum haben,
- sind ja eigentlich nicht miteinander kompatibel.
- Also abrahamitische Religionen berufen sich erst mal auf denselben
- Gott, dass jede Gemeinschaft für sich erst
- mal annimmt, dass sie tatsächlich
- den maximal Grad an Wahrheit für sich in Anspruch nimmt.
- Das gehört, glaube ich, erst mal dazu. Das heißt aber auf der anderen
- Seite nicht, dass ich nicht tolerant sein darf.
- Das ist so und das sind so, so Dinge, die, die
- man sieht, wenn. Wenn Religion zu Fanatismus
- wird. Wenn ich also niemanden anders
- daneben stehen lassen kann, weil ich niemanden anders
- sein lassen kann als. Ich meine, dass es zu sein
- hat. Diese Gefahr sehe ich aber nicht nur
- in Religion. Diese Gefahr sehe ich in jeder
- Art von Weltanschauung. Die muss. Die muss nicht zwangsweise
- religiös motiviert sein. Ich würde dir recht geben, dass die
- große Gefahr sind, Ideologien, egal in welcher Weise sie motiviert sind.
- Bei Religion sehe ich es noch etwas gefährlicher, weil im Gegensatz
- zu weltlichen Ideologien transportieren die Dogmen, die nicht
- zu hinterfragen sind. Wenn wir zum Beispiel wirklich eine
- irdische menschliche Ideologie haben, dann können wir über Konsens
- darüber reden. Schau mal, was das hier anrichtet auf der Welt.
- Das wollen wir lieber nicht mehr haben.
- Und bei Religionen ist es schwieriger.
- Da wird uns beigebracht Religionen respektieren wir.
- Das ist sehr privat. Das ist jedem selber überlassen.
- Und ich? Mich würde interessieren, wie du
- dann die Unterscheidung Was, wann geht Religion zu weit?
- Und wann ist das noch okay? Also weil wir müssten
- ja eigentlich nach dieser Logik irgendwo auch respektieren, wenn
- jemand die Bibel oder den Koran viel wörtlicher auslegt.
- Wer entscheidet, dass ab wann es zu weit geht?
- Zu glauben, das ist so wortwörtlich, so wie's da steht, vom
- Herrgott selber runter geschickt worden.
- Das macht es natürlich schwierig. Also für die Menschen, die das
- glauben, Dinge zu relativieren,
- Dinge in Kontexte rein zu stellen, weil der Kontext ist ja nur Gott,
- sonst ist ja kein Kontext. Würdest du dann so weit gehen und
- das auch als Gefahr beschreiben, also diese Gefahr sehen, wenn es so
- wörtlich interpretiert wird und umgekehrt?
- Ja. Absolut.
- Aber wie könnten wir gemeinschaftlich gegen eine zu
- wörtliche Auslegung argumentieren? Manche Bibelstellen sind sehr, sehr
- schwierig gerade zu ziehen, zum Beispiel wenn es jetzt um das
- Thema Homosexualität oder sowas geht.
- Und nein, aber Kontextualität kann da noch mehr helfen.
- Es gibt ja eine theologische Wissenschaft, die auch auf eine
- 2000-jährige Tradition zurückschauen kann und längere Traditionen noch
- zurückschauen kann. Also da ist ja schon auch eine Menge
- Wissen akkumuliert worden, warum ich jetzt katholisch bin, dass
- wir das wissen. Es hat eine Menge Lebensgeschichte.
- Ich bin katholische Familie hineingeboren, ich bin katholisch
- getauft, sozialisiert. Wie auch immer.
- Ich denke schon das wo Menschen irgendwie in Gemeinschaften
- leben, dass das irgendwie organisiert werden muss.
- Ob diese Struktur jetzt immer so aussehen muss, wie die katholische
- Kirche im Moment aussieht. Aber das ist eine ganz andere Frage.
- Könnten wir nicht eine andere Struktur finden, sagen wir beziehen
- uns jetzt auf nicht Menschenrechte und leben auf dieser Basis zusammen?
- Glaubst du, dass die das die Kirche auf jeden Fall ein Teil sein muss?
- Impulsgeber oder irgendwas anderes? Oder kannst du dir eine Welt
- vorstellen, die auch gut funktioniert, was die Kirche an sich
- nicht gibt? Etwa mal so darauf, was Kirche
- gemacht kann. Die Kirche ist die Institution, die darauf gemacht ist,
- sich selber überflüssig zu machen. Das glaubt sie selber.
- Also wenn, wenn irgendwann tatsächlich das eintritt, was wir
- alle erhoffen, nämlich das Reich Gottes, dann ist die Kirche.
- Überflüssig. Weg.
- Aber das ist irgendwie so was. So was braucht die
- Kirche in irgendeiner Form. Das glaube ich schon.
- Weil es auch noch genug Menschen gibt, noch
- denen das in irgendeiner Form wichtig ist.
- Ich bin fest davon überzeugt. Je weniger Menschen
- es geben wird, die sagen das ist mir in irgendeiner Form wichtig, umso
- weniger wird die Kirche auch Einfluss haben.
- Also ich habe meinen Mann gegenüber kennengelernt als
- einen Menschen, der reflektiert ist,
- der Fragen stellt. Und diesen Fragen auch nachgeht.
- Ich fand das Gespräch sehr bereichernd, aber dass
- es mich in meinem Glauben erschüttert hätte, kann ich jetzt
- nicht sagen. Zu glauben, das ist ja wirklich was
- sehr Tiefes in einem was sehr Persönliches machen.
- Meine Mama hat immer mit mir geschimpft, dass ich so intensiv
- nachfrage und die Leute so grille. Und ich bin froh, dass Bernd sich
- dem eingestellt hat und mir mit Geduld geantwortet hat.
- Aber selbstverständlich habe ich meine Meinung jetzt so
- schnell, so auf die Schnelle nicht geändert. Aber ich glaube, in beide
- Richtungen kann es ja sein, dass die Saat gesät wurde, dass sich da
- irgendwann mal was tut. Aber ich kann jetzt spontan noch
- nicht eine. War eine interessante Erfahrung.
- Positiv. Interessant. Also ich habe heute auf jeden Fall
- ein Beispiel an Geduld und Ruhe gelernt, was ich mir so
- mitnehmen kann. Inhaltlich nicht wirklich,
- weil ich mich mit dem Thema schon lange genug beschäftigt habe, aber
- in einem wirklich so persönlichen Rahmen und intimen Gespräch.
- Das war sehr besonders und ich fand vor allem schön, dass es
- nicht negativ emotional wurde, sondern dass Bernd so geduldig
- auch auf meine Nachbohren in Fragen geantwortet hat.
- Was ganz Neues ist mir heute eigentlich nicht
- entgegen gekommen. Ich finde es immer wieder
- faszinierend, Menschen zu begegnen, die sich wirklich
- quasi ausschließlich über ihre Ratio verstehen.
- Selber fand ich, dass ich schon auf Lücken gestossen bin,
- also so zumindest war mein Eindruck. Ich sage nicht, dass Bernd darauf
- keine Antworten hat, weil es sind sehr komplexe Themen und vielleicht
- kann man einfach nicht gut genug in die Tiefe gehen.
- Aber ich meine da schon ein paar logische Widersprüche gefunden zu
- haben. Das war hoffentlich wieder ein
- spannendes Gespräch. Und wenn ihr mehr davon sehen wollt,
- dann könnt ihr hier den Kanal abonnieren.
- Hier gibt es ein weiteres Sag mir Video und dauernd seht ihr ein
- weiteres Video vom Kanal.
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