Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Religion, Atheismus: Glauben oder nicht?! | Sag's mir | unbubble

ZDFunbubble26:06 177.664 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 439 Zeilen
Herunterladen
  1. Und wenn ich jetzt mal so dreist sein darf Atheismus
  2. ist ja auch ein Glaubenssatz. Aber ich mache in diesem Fall
  3. keine positive Behauptung. Und Gläubige, die bringen
  4. diese Entität Gott ins Spiel. Und du bist ja auch kein nicht
  5. Briefmarkensammler. Ich bin Bruder Bernd Wehrmann
  6. gehört zum katholischen Orden der Kapuziner.
  7. Ich bin 55 Jahre alt, habe Biologie und Chemie studiert
  8. und in bio physikalischer Chemie promoviert.
  9. Ich bin Matthias. Na, ich bin 34 Jahre alt und ich habe auch ein
  10. YouTube Kanal und dort beschäftige ich mich viel mit
  11. gesellschaftskritischen Themen. Deswegen ist auch Religion ein
  12. Thema, das mich immer wieder umtreibt.
  13. Und je mehr ich mich damit beschäftigt habe und desto weiter
  14. bin ich eigentlich vom Glauben weggekommen. Das heißt, im
  15. Endresultat bezeichne ich mich auch aktuell als Atheist.
  16. Atheismus ist insofern auch ein Glaube, als dass
  17. ein Atheist genauso wenig beweisen kann, dass es Gott nicht gibt.
  18. So wie ein gläubiger Mensch nicht beweisen kann, dass es Gott
  19. gibt. Ich glaube, wenn wir Leuten
  20. beibringen, dass in gewissen Bereichen wie Religion eine
  21. unlogische Denkweise in Ordnung ist, bringen wir dann auch bei, das
  22. auf andere Bereiche anzuwenden. Und das halte ich für gefährlich und
  23. schädlich. Atheismus kann die
  24. Gefahr mit sich bringen, dass
  25. einem ja kein gutes Wertegefüge
  26. dahinter steht. Okay.
  27. Interessant. Wir sind Top Gear mäßig.
  28. Ob du schon mal im Blaumann. Ich habe keine
  29. konkrete Erwartung, wer mir jetzt hier entgegenkommt.
  30. Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht ein Priester kommt oder
  31. so. Hallo?
  32. Hallo ihr beiden, Ihr durchläuft jetzt drei Runden, bei denen ihr
  33. persönliche Fragen über euch selbst beantwortet. Das Wichtigste dabei
  34. Hört einander zu. Lasst euer Gegenüber seine
  35. Geschichte erzählen. Seid offen und ehrlich.
  36. Stellt euch die folgenden Fragen im Wechsel und beantwortet sie beide.
  37. Erstens draußen oder drinnen.
  38. Dann lieber draußen. Ich bin gern in der Natur,
  39. laufe gerne Fahrrad. Und magister.
  40. Wald und Wiese, Feld und Flur. Ja draußen.
  41. Auf jeden Fall war es, das bei mir zu Hause nicht so häufig
  42. vorkommen. Konsum oder Verzicht?
  43. Ich würde sagen verzichtbar. Konsum passiert ja schon
  44. automatisch. Dann ist es schwieriger zu verzichten und wahrscheinlich
  45. auch sinnvoller. Das geht mir ähnlich.
  46. Verzicht ist für mich schon.
  47. Eine wichtige Einübung. Realist oder Träumer?
  48. Ich bin Realist. Nicht, dass ich nicht ab und zu mal
  49. träume, aber die Realität ist mir schon sehr wichtig.
  50. Ja, das kann ich. Hätte ich genauso beantwortet.
  51. Glauben oder Wissen? Auf jeden Fall. Wessen.
  52. Wissen so weit geht. Der Rest bleibt Glaube.
  53. Frage an beide Wovor habt ihr Angst?
  54. Ich habe Angst. Nicht vom Altwerden.
  55. Weil das will ja jeder. Aber alt sein?
  56. Darauf habe ich nicht wirklich Lust. Also mein Opa ist im hohen Alter
  57. gestorben. Er hat ein super Leben auf vielen Ebenen gehabt und
  58. da habe ich halt live miterlebt, was das hohe Alter, in dem Fall
  59. Altersdemenz wirklich auch bei einem Menschen anrichten kann.
  60. Und das auch jemand, den man so stark bewundert hat und der auf
  61. vielen Ebenen ein Idol war, das auch davor Krankheit
  62. Alter nicht halt macht. Und ja, das Schicksal, das
  63. war nicht so toll. Umgekehrt, wenn das mein Beispiel
  64. hier ist, dass ein Mensch mit über 90 Jahren gestorben ist nach vielen
  65. guten Jahren, dann sagt das auch einiges aus.
  66. Angst. Also so richtig, richtig
  67. Angst kenne ich eigentlich so nicht.
  68. Wenn, dann geht das in eine ähnliche
  69. Richtung. Dann geht es um die Frage des Wie, das des Sterbens.
  70. Also gar nicht mal, dass ich sterben muss, das ist ganz klar.
  71. Aber das Wie
  72. mit der. Frage an beide.
  73. Was macht euch glücklich? Zwei Dinge
  74. mit Menschen zusammen zu sein. Die, mit denen ich mich gut
  75. verstehe, miteinander zu feiern.
  76. Das ist eine Seite. Und das andere ist tatsächlich
  77. so Alleinsein. Aber dann tatsächlich in Natur, in
  78. einer schönen Landschaft. Da finde ich mich auch wieder, weil
  79. ich ziehe ganz viel Energie draus, wenn ich mit Leuten zusammen bin.
  80. Und es ist schön, aber man braucht auch einfach diesen Ausgleich.
  81. Ich brauche viel Zeit zum Nachdenken und wenn ich mal nur unterwegs bin,
  82. nur unter Leuten. Fühlt man sich auch irgendwann so
  83. ein bisschen ausgelaugt. Ich würde dann noch hinzufügen, dass
  84. ich irgendwas tue, was sich richtig und wichtig und
  85. sinnvoll anfühlt. Also dass mein Wirken in
  86. meinem kleinen Kosmos ja irgendwie Positives
  87. bringen kann. Ich kann ich gut mitgehen?
  88. Bisher nur Einigkeit. Schlimm.
  89. Ich magister. Ich magister Konsens. Sag deinem Gegenüber jetzt etwas,
  90. was du jetzt schon an ihm magst. Ich magister deine Stimme also.
  91. Bzw. Deine Stimme transportiert mit
  92. deinem Wesen und wie du sprichst so eine gewisse Ruhe.
  93. Und das finde ich sehr angenehm. Eine Sache, die du und ich deiner
  94. Meinung nach gemeinsam haben. Ich könnte mir vorstellen,
  95. dass wir beide irgendwas mit Menschen zu tun haben, auch
  96. beruflich, beruflich was mit Menschen zu tun haben.
  97. Ich gehe nicht davon aus, dass du etwa am Fließband arbeitest.
  98. Also um so ein Extrem zu nennen.
  99. Die mal gespannt auf die Auflösung. Ich bin Bruder Bernd Biermann,
  100. gehöre zum katholischen Orden der Kapuziner, habe
  101. Biologie und Chemie studiert und in bio physikalischer Chemie
  102. promoviert. Also ich bin Matthias.
  103. Ich bin 34 Jahre alt. Atheist zu sein heißt für mich, dass
  104. ich alle Religionen und alle Gottesüberzeugungen
  105. ablehne. Ich finde die in sich nicht
  106. schlüssig und bezeichne mich deswegen auch als Atheist.
  107. Glaube und Wissenschaft sind für mich insofern ganz
  108. gut miteinander vereinbar, als dass sie sich mit zwei sehr
  109. unterschiedlichen Dingen auseinandersetzen.
  110. Glauben und Wissenschaft schließen sich nicht zwangsläufig für mich
  111. aus. Ich glaube aber, dass es eine gewisse mentale Gymnastik erfordert,
  112. beides unter einen Hut zu bringen. Ich bin mit 21 Jahren
  113. in den Kapuzinerorden eingetreten und habe nach sechs Jahren
  114. meine ewigen Gelübde abgelegt. Also bin dann für die
  115. Lebenszeit Ordensbruder geworden.
  116. Und wir als franziskanische Ordensmenschen tragen ja keinen
  117. Gürtel aus Leder, sondern nur einen Strick.
  118. Und in diesem Strick haben wir als quasi Gedächtnisstütze
  119. drei Knoten, die uns an unsere drei Gelübde erinnern sollen, die da sind
  120. Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam.
  121. Die Geschichte hat gezeigt, dass Religion missbraucht werden kann,
  122. dass sie mitunter zu schlechten Resultaten und unmenschlichen
  123. Verhalten führen kann. Und ich glaube, dieses Risiko
  124. sollten wir verlieren. Ein Glaube ist eine
  125. Orientierungslinie, Wo? Woraufhin
  126. ich leben will. Und ich denke, dass das
  127. grundsätzlich einer Gesellschaft gut tut, eine solche
  128. Orientierung zu haben. Ich würde sagen, die Welt wäre ohne
  129. eine Religion eine bessere Welt. Interessant. Ich habe schon
  130. vermutet, dass ich vielleicht einen Priester treffe.
  131. Du hast gesagt, du bist mit 21 eingetreten in den Orden.
  132. Da gab es bestimmt eine Geschichte oder einen gewissen Auslöser.
  133. Oder war das schon immer dein Plan? Äh, nein, ich bin, ich bin,
  134. ich sage mal, katholisch sozialisiert, großgeworden.
  135. Als ich Kind und Jugendlicher war, hatten wir vier
  136. Ordensgemeinschaften. In der Stadt habe ich Ordensleute
  137. kennengelernt und bei den Kapuzinern hat es dann irgendwann mal
  138. gefunkt, sozusagen. Als ich mit 21 eingetreten bin,
  139. war ich mir nicht sicher, dass ich das tatsächlich.
  140. Ja jetzt schon seit über 30 Jahren.
  141. Tue das nicht. Also das heißt, es gibt eine
  142. Exitstrategie, weil frau meint, das ist eigentlich eine lebenslange
  143. Entscheidung, aber es muss ja irgendwie auch ein Weg raus
  144. geben, nehme ich mal an. Wie sähe das aus?
  145. Ich kann nicht sagen, ich kann jetzt nicht sagen, dass ich als Kapuziner
  146. beerdigt werde. Er sagt, er glaubt und hat noch nie gezweifelt.
  147. Dem glaube ich nicht. Das glauben.
  148. Sorry, wenn ich das so formuliere. Interessant.
  149. Ähm, du hast das jetzt gerade schon angesprochen.
  150. Zweifel gehören auch dazu. Aber wie würdest du diesen
  151. Mechanismus erklären? Und warum entfernt sich Gott
  152. von dir oder du dich von Gott? Ich weiß, in welche Richtung deine
  153. Vorstellung ist. Ich kann mich von Gott entfernen,
  154. weil ich mich mit meinem Leben und meinem Kopf
  155. überall bin, aber mich nicht zurück besinne.
  156. Es gibt Aspekte Gottes, die die, die eben nicht so
  157. leicht zu integrieren sind. Vor allem sind wir doch auch
  158. Naturwissenschaftler. Hast vorhin gesagt, studiert
  159. und promoviert. Das heißt, ich hab von bisschen
  160. mentaler Gymnastik, die notwendig ist, gesprochen.
  161. Wenn ich jetzt nur Natur will als Naturwissenschaftler, also wenn ich
  162. den Hut jetzt aufsetze und nach einer Naturwissenschaftler.
  163. Da ist Gott für mich keine Entität. Den kann ich nirgendwo reinbringen
  164. in meiner in meine Experimente. Die Frage stelle ich aber auch gar
  165. nicht, weil ich naturwissenschaftlich arbeite. Ich befasse mich ja mit
  166. ganz anderen Fragen. Meine Problematik, die ich dabei
  167. habe, ist, dass manche, manche Menschen oder
  168. insbesondere Religionen und Religionsvertreter eben sagen
  169. wir kennen das Wesen außerhalb unseres irdischen
  170. Rahmens, außer dem, was wir untersuchen können.
  171. Und er will übrigens, dass wir diese und jene Vorgaben
  172. umsetzen. Und wenn nicht, dann passiert vielleicht was Schlimmes
  173. mit dir im Jenseits. Und da sehe ich auch so
  174. die Gefahren, die das beherbergt. Wie würdest du das bewerten?
  175. Formuliert das mal ähnlich. Die Leute, die meinen, sie hätten
  176. den Herrgott in der Tasche, haben also die dann auch ganz genau
  177. wissen, was er will und was er nicht will.
  178. Das ist, finde ich, sehr, sehr problematisch.
  179. Jeder, jede Offenbarungsreligion hat irgendwo Grundgebote.
  180. Klar, Sie haben das Christentum anschauen, das Doppelgebot der
  181. Liebe oder wie man es heute manchmal auch sagt, das Dreifachgebot der
  182. Liebe Liebe Gott mit deinem ganzen Herzen, mit deiner
  183. ganzen Kraft, mit allem, was dich ausmacht, und liebe deinen Nächsten
  184. wie dich selbst. Wenn es dann um um die
  185. vielen kleinen Gebote geht, die dann immer noch hier und da und da
  186. so sehr klein, klein, klein, was man alles so machen muss.
  187. Und ich, ich, ich kenne solche Leute, da
  188. habe ich auch meine Schwierigkeiten mit Das ist nichts.
  189. Das ist ein Gottesbild, das, was Menschen einengt.
  190. Und ich glaube nicht, dass das dass das gewollt ist.
  191. Du hast in dem. In dem Video bei der Auflösung hast
  192. du die drei Knoten gezeigt und das war das stand für ich versuch's
  193. zu rekapitulieren Ehelosigkeit, also Armut war, glaube ich, nicht
  194. das Wort, aber doch. Und was war das Dritte?
  195. Gehorsam. Gehorsam. Wie bringst du
  196. diese drei Dinge, die dich ja irgendwie einschränken oder in einer
  197. gewissen Weise Verzicht sind, mit deiner Vorstellung von dem
  198. Glauben, der nicht zu sehr einengen soll, zusammen.
  199. Die Ordensgelübde sind Klötze, die von einem nur einem
  200. sehr, sehr kleinen Teil der Christenheit angenommen
  201. werden, nämlich nur von Ordensleuten.
  202. Das ist eine freiwillige Entscheidung.
  203. Ich. Merkel natürlich auch Verzicht.
  204. Ich denke, Verzicht, den man nicht merkt, ist ja irgendwie auch keiner.
  205. Auf der anderen Seite weiß ich auch, dass dieser Verzicht
  206. mir Dinge ermöglicht hat, die ich. Sonst so nicht
  207. getan erlebt hätte. Ich glaube nicht, dass dieser Gott,
  208. so wie ich ihn erfahren habe, alle Menschen einengen will
  209. oder klein machen will, sondern da geht es um das Mehr,
  210. um um das Große.
  211. Das ist die Basis, auf der das Ganze steht.
  212. Glaubst du, dass wir diese Basis brauchen, also dass es auch Begriffe
  213. wie Nächstenliebe usw. Glaubst du, dass wir das brauchen
  214. als Menschen, um wirklich Nächstenliebe ausstrahlen zu können?
  215. Und dass jemand als Atheist davon davon ist und dazu gar nicht
  216. in der Lage ist? Nein, ähm, ich glaube
  217. nicht, dass das jemand, der sagt, ich kann mit
  218. diesem Gott nichts anfangen, deshalb nicht zur Nächstenliebe in der Lage
  219. ist. Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass dieser Herrgott auf
  220. vielen krummen Linien gerade schreibt.
  221. Und er. Er wird es richten.
  222. Also, da bin ich fest davon überzeugt.
  223. Aber wenn du dann zum Beispiel sagst, dass das man jetzt Religion
  224. oder Gott nicht zwingend braucht, um ein guter Mensch zu sein, also unter
  225. dem Aspekt die Nächstenliebe zum Beispiel. Was ist dann genau der
  226. Wert, den Religion zusätzlich bietet?
  227. Für mich dieses Diese ist die Frage
  228. nach dem sogenannten Mehrwert von von Religion oder von Gott
  229. die die kriegt gar nicht mit Gott untereinander.
  230. So verstehe ich glaube nicht und so verstehe ich auf diesen Gott
  231. nicht. Also der muss mir nix bringen, zwangsweise.
  232. Ich sage, was es mir bietet. Das kann ich, das kann ich schon
  233. sagen. Das für mich ist meine Religion, mein Gott Zu meinem
  234. Grundverständnis dazu. Ich glaube auf der anderen Seite,
  235. dass das andere Leute schon für sich hinkriegen, so ihre
  236. Lebensmatrix ohne Gott und ohne den Glauben zu erklären.
  237. Und wenn ich jetzt mal so, so dreist sein darf ein Atheismus
  238. ist ja auch ein Glaubenssatz sozusagen.
  239. Das stimmt. Aber ich mache in diesem Fall
  240. keine positive Behauptung, sozusagen.
  241. Und Gläubige, die bringen dieses diese Entität Gott
  242. ins Spiel oder eine Religion. Und du bist ja auch kein
  243. nicht Briefmarkensammler. Ich finde nicht, dass man sagen
  244. kann, ich glaube deswegen an Atheismus, weil Atheismus ist
  245. einfach nur, denn ich glaube an das andere.
  246. Es ist trotzdem ein Überzeugungskonstrukt, was sich
  247. nicht beweisen lässt. So sage ich das jetzt mal
  248. genauso wenig wie das andere. Also wenn wir jetzt, wenn wir jetzt
  249. sagen, der Bereich Religion oder Gott ist einfach nicht
  250. erfassbar für uns, aber wir gehen oder manche Menschen und viele
  251. gläubige Menschen gehen davon aus, dass es so ist.
  252. Warum geht es in dem Fall und worum geht es?
  253. Dann können wir ja genauso sagen auch im naturwissenschaftlichen
  254. Bereich oder in irgendwelchen anderen Bereichen.
  255. Keine Ahnung. Astrologie. Das ist genauso legitim wie eine
  256. Gotteserfahrung. Wie verhindern wir da, dass wir
  257. irgendwie so ein falsches Denken, Lernen und unlogisch Denken lernen
  258. im Hier und Jetzt, wo wir auf unsere Ratio irgendwo angewiesen
  259. sind? Ja, wir sind auf Ratio angewiesen.
  260. Richtig, innerhalb der Ratio kann ich, kann ich aber auf der anderen
  261. Seite auch nichts finden, wo ich jetzt sage, dass das
  262. das ist so, also die Ratio sagt gib mir einen solchen Widerspruch,
  263. dass da ein Gott gar nicht vorkommen kann.
  264. Das ist die eine Seite, und das andere ist.
  265. Mich macht nicht nur Ratio aus. Glaubst du an Astrologie?
  266. Zum Beispiel bei dem Beispiel? Nein. Aber
  267. wenn ich jetzt sagen würde, ich glaube, dann wie könntest du mir
  268. jetzt sagen das ist Schwachsinn, weil ich könnte ja alle Beispiele
  269. genannt hast. Es könnte ich jetzt auch auf Astrologie anwenden.
  270. Wir können nicht beweisen, dass es nicht funktioniert oder dass es
  271. nicht da ist. Und es gibt ja noch vielleicht was
  272. über den rationalen Lebensbereich hinaus und der betrifft uns auch und
  273. deswegen kann ich doch daran glauben.
  274. Ich sage mal so jemand, der unbedingt daran glauben will, den
  275. werde ich nicht daran hindern können.
  276. Ich weiß auch gar nicht, ob ich ihn unbedingt daran hindern muss.
  277. Siehst du eine andere? Herangehensweise bei jemandem, der
  278. an Astrologie glaubt. Siehst du die Parallele zu
  279. So zumindest, wie ich dich bisher verstanden habe, wie du deinen
  280. Glauben rechtfertigst. Siehst du? Siehst du dir die
  281. Ähnlichkeit oder. Für mich klingt es sogar identisch.
  282. Ich glaube, wir hätten jetzt einfach die Begriffe austauschen können und
  283. die Beweisführung wäre gleich. Also auf der Ebene, auf der
  284. Ebene. Kann ich da gar nicht argumentieren,
  285. will ich auch gar nicht argumentieren.
  286. Also was? Was sagt mir Astrologie oder was sagt mein Horoskop?
  287. Das ist ja der Versuch, irgendwie in immer Zukünftiges hinein
  288. zu schauen. Also Religion.
  289. Wenn es um Spiritualität geht, dann geht es nicht darum, irgendwelche
  290. Dinge im Voraus zu wissen. Wir sind ja auch hier, um über
  291. Astrologie zu reden. Ich weiß, ich hab das Beispiel
  292. reingebracht, aber nein. Mein Bedenken ist aber einfach okay,
  293. wenn wir, wenn wir sagen ich kann meinen Gott glauben, meinen
  294. Religionsglauben so rechtfertigen, der ist nicht greifbar, nicht
  295. erklärbar. In der Astrologie zum Beispiel ist
  296. es ähnlich. Da hätte ich halt Angst, dass wir
  297. Leuten sagen okay, es ist legitim, an Dinge von Dingen überzeugt
  298. zu sein, die wir nicht belegen können.
  299. Und wir werden uns einig, zum Beispiel im Bereich Medizin oder im
  300. Bereich experimentelle Physik wäre es bisschen schlecht, wenn
  301. wir da einfach irgendwelche Sachen machen und sagen ja, das ist ja
  302. alles irgendwie gleichwertig, weil es gibt ja einfach Sachen, die wir
  303. nicht erfassen können und davor hätte ich Angst.
  304. Gibt es denn irgendeinen Bereich, wo du siehst, dass Leute
  305. sich irgendwie auf etwas nicht beweisbares berufen, wo du es
  306. komplett Bullshit findest und sagst das ist gefährlich?
  307. Würde dir da was einfallen, weil dann können wir gerne darüber reden.
  308. Natürlich. Natürlich gibt es Aspekte von Glauben, sage ich jetzt mal, die
  309. mit der Ratio nicht vereinbar sind. Alles, was ich als Aberglaube
  310. bezeichne. Also ich habe eine zeitlang in Italien gelebt und
  311. in Bella Italia. Wenn ich irgendetwas möchte, dann
  312. rufe ich den heiligen Antonius an, und wenn ich das nicht kriege, dann
  313. wird die Figur des heiligen Antonius mit dem Gesicht zur Wand gedreht
  314. oder irgendwo im Garten eingebuddelt oder sonst was, bis ich
  315. das kriege, was ich von dem haben will. Das sind so Dinge, wo ich sage
  316. Also, Leute. Aber da gehe ich voll mit, Aber
  317. wo machst du dann für dich die Trennung? Was ist Aberglaube und was
  318. ist irgendwie legitimer Glaube? Das ist für mich ganz schwierig
  319. greifbar. Für mich ist die Grenze genau da.
  320. Wenn ich meine, dass ich durch das, was ich
  321. sage, was ich denke, entweder dieSseitiges oder
  322. Jenseitiges tatsächlich beeinflussen kann.
  323. Fällt dir ein Beispiel ein? Wurde sagst da ist Religion
  324. gefährlich oder könnte es sein? Und ich hätte einige Beispiele.
  325. Falsch verstandener Religion, Religion, die sich absolut setzt.
  326. Aber haben nicht alle Offenbarungsreligionen einen Absolutheitsanspruch?
  327. Also wenn wir jetzt Christentum, Islam, Judentum haben,
  328. sind ja eigentlich nicht miteinander kompatibel.
  329. Also abrahamitische Religionen berufen sich erst mal auf denselben
  330. Gott, dass jede Gemeinschaft für sich erst
  331. mal annimmt, dass sie tatsächlich
  332. den maximal Grad an Wahrheit für sich in Anspruch nimmt.
  333. Das gehört, glaube ich, erst mal dazu. Das heißt aber auf der anderen
  334. Seite nicht, dass ich nicht tolerant sein darf.
  335. Das ist so und das sind so, so Dinge, die, die
  336. man sieht, wenn. Wenn Religion zu Fanatismus
  337. wird. Wenn ich also niemanden anders
  338. daneben stehen lassen kann, weil ich niemanden anders
  339. sein lassen kann als. Ich meine, dass es zu sein
  340. hat. Diese Gefahr sehe ich aber nicht nur
  341. in Religion. Diese Gefahr sehe ich in jeder
  342. Art von Weltanschauung. Die muss. Die muss nicht zwangsweise
  343. religiös motiviert sein. Ich würde dir recht geben, dass die
  344. große Gefahr sind, Ideologien, egal in welcher Weise sie motiviert sind.
  345. Bei Religion sehe ich es noch etwas gefährlicher, weil im Gegensatz
  346. zu weltlichen Ideologien transportieren die Dogmen, die nicht
  347. zu hinterfragen sind. Wenn wir zum Beispiel wirklich eine
  348. irdische menschliche Ideologie haben, dann können wir über Konsens
  349. darüber reden. Schau mal, was das hier anrichtet auf der Welt.
  350. Das wollen wir lieber nicht mehr haben.
  351. Und bei Religionen ist es schwieriger.
  352. Da wird uns beigebracht Religionen respektieren wir.
  353. Das ist sehr privat. Das ist jedem selber überlassen.
  354. Und ich? Mich würde interessieren, wie du
  355. dann die Unterscheidung Was, wann geht Religion zu weit?
  356. Und wann ist das noch okay? Also weil wir müssten
  357. ja eigentlich nach dieser Logik irgendwo auch respektieren, wenn
  358. jemand die Bibel oder den Koran viel wörtlicher auslegt.
  359. Wer entscheidet, dass ab wann es zu weit geht?
  360. Zu glauben, das ist so wortwörtlich, so wie's da steht, vom
  361. Herrgott selber runter geschickt worden.
  362. Das macht es natürlich schwierig. Also für die Menschen, die das
  363. glauben, Dinge zu relativieren,
  364. Dinge in Kontexte rein zu stellen, weil der Kontext ist ja nur Gott,
  365. sonst ist ja kein Kontext. Würdest du dann so weit gehen und
  366. das auch als Gefahr beschreiben, also diese Gefahr sehen, wenn es so
  367. wörtlich interpretiert wird und umgekehrt?
  368. Ja. Absolut.
  369. Aber wie könnten wir gemeinschaftlich gegen eine zu
  370. wörtliche Auslegung argumentieren? Manche Bibelstellen sind sehr, sehr
  371. schwierig gerade zu ziehen, zum Beispiel wenn es jetzt um das
  372. Thema Homosexualität oder sowas geht.
  373. Und nein, aber Kontextualität kann da noch mehr helfen.
  374. Es gibt ja eine theologische Wissenschaft, die auch auf eine
  375. 2000-jährige Tradition zurückschauen kann und längere Traditionen noch
  376. zurückschauen kann. Also da ist ja schon auch eine Menge
  377. Wissen akkumuliert worden, warum ich jetzt katholisch bin, dass
  378. wir das wissen. Es hat eine Menge Lebensgeschichte.
  379. Ich bin katholische Familie hineingeboren, ich bin katholisch
  380. getauft, sozialisiert. Wie auch immer.
  381. Ich denke schon das wo Menschen irgendwie in Gemeinschaften
  382. leben, dass das irgendwie organisiert werden muss.
  383. Ob diese Struktur jetzt immer so aussehen muss, wie die katholische
  384. Kirche im Moment aussieht. Aber das ist eine ganz andere Frage.
  385. Könnten wir nicht eine andere Struktur finden, sagen wir beziehen
  386. uns jetzt auf nicht Menschenrechte und leben auf dieser Basis zusammen?
  387. Glaubst du, dass die das die Kirche auf jeden Fall ein Teil sein muss?
  388. Impulsgeber oder irgendwas anderes? Oder kannst du dir eine Welt
  389. vorstellen, die auch gut funktioniert, was die Kirche an sich
  390. nicht gibt? Etwa mal so darauf, was Kirche
  391. gemacht kann. Die Kirche ist die Institution, die darauf gemacht ist,
  392. sich selber überflüssig zu machen. Das glaubt sie selber.
  393. Also wenn, wenn irgendwann tatsächlich das eintritt, was wir
  394. alle erhoffen, nämlich das Reich Gottes, dann ist die Kirche.
  395. Überflüssig. Weg.
  396. Aber das ist irgendwie so was. So was braucht die
  397. Kirche in irgendeiner Form. Das glaube ich schon.
  398. Weil es auch noch genug Menschen gibt, noch
  399. denen das in irgendeiner Form wichtig ist.
  400. Ich bin fest davon überzeugt. Je weniger Menschen
  401. es geben wird, die sagen das ist mir in irgendeiner Form wichtig, umso
  402. weniger wird die Kirche auch Einfluss haben.
  403. Also ich habe meinen Mann gegenüber kennengelernt als
  404. einen Menschen, der reflektiert ist,
  405. der Fragen stellt. Und diesen Fragen auch nachgeht.
  406. Ich fand das Gespräch sehr bereichernd, aber dass
  407. es mich in meinem Glauben erschüttert hätte, kann ich jetzt
  408. nicht sagen. Zu glauben, das ist ja wirklich was
  409. sehr Tiefes in einem was sehr Persönliches machen.
  410. Meine Mama hat immer mit mir geschimpft, dass ich so intensiv
  411. nachfrage und die Leute so grille. Und ich bin froh, dass Bernd sich
  412. dem eingestellt hat und mir mit Geduld geantwortet hat.
  413. Aber selbstverständlich habe ich meine Meinung jetzt so
  414. schnell, so auf die Schnelle nicht geändert. Aber ich glaube, in beide
  415. Richtungen kann es ja sein, dass die Saat gesät wurde, dass sich da
  416. irgendwann mal was tut. Aber ich kann jetzt spontan noch
  417. nicht eine. War eine interessante Erfahrung.
  418. Positiv. Interessant. Also ich habe heute auf jeden Fall
  419. ein Beispiel an Geduld und Ruhe gelernt, was ich mir so
  420. mitnehmen kann. Inhaltlich nicht wirklich,
  421. weil ich mich mit dem Thema schon lange genug beschäftigt habe, aber
  422. in einem wirklich so persönlichen Rahmen und intimen Gespräch.
  423. Das war sehr besonders und ich fand vor allem schön, dass es
  424. nicht negativ emotional wurde, sondern dass Bernd so geduldig
  425. auch auf meine Nachbohren in Fragen geantwortet hat.
  426. Was ganz Neues ist mir heute eigentlich nicht
  427. entgegen gekommen. Ich finde es immer wieder
  428. faszinierend, Menschen zu begegnen, die sich wirklich
  429. quasi ausschließlich über ihre Ratio verstehen.
  430. Selber fand ich, dass ich schon auf Lücken gestossen bin,
  431. also so zumindest war mein Eindruck. Ich sage nicht, dass Bernd darauf
  432. keine Antworten hat, weil es sind sehr komplexe Themen und vielleicht
  433. kann man einfach nicht gut genug in die Tiefe gehen.
  434. Aber ich meine da schon ein paar logische Widersprüche gefunden zu
  435. haben. Das war hoffentlich wieder ein
  436. spannendes Gespräch. Und wenn ihr mehr davon sehen wollt,
  437. dann könnt ihr hier den Kanal abonnieren.
  438. Hier gibt es ein weiteres Sag mir Video und dauernd seht ihr ein
  439. weiteres Video vom Kanal.

Zum Nachlesen