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Die NS-Krankenmorde - Der lange Schatten von Pirna Sonnenstein | Entdecke den Osten | MDR DOK
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 370 Zeilen
- Eine Heilanstalt wird zur Tötungsanstalt. Pirna Sonnenstein ist im Nationalsozialismus
- Teil eines geheimen Plans. Gezielt ging es darum, Menschen zu beseitigen, so schnell wie möglich.
- Die sich, die nicht dazu gepasst haben, die Todesurteile gefällt von Ärzten der Aktion T4,
- die dann darüber entschieden, ob derjenige in einer Gaskammer umgebracht wurde.
- Das Schicksal tausender Menschen, jahrzehntelang fast vergessen.
- Es hat keiner gewusst. Und ich habe auch meine Mutter gefragt.
- Hier sind so viele Leute vergast worden. Und nein, mir ist es wichtig, dass man nicht vergisst, dass man Anteil nimmt.
- Was sind Menschen? Damit sind schreckliche Dinge passiert.
- Eine von ihnen, Martha Kaspar. Als ihr Tagebuch auftaucht, beginnt ihre Nichte
- mit der Spurensuche. Das hat mich tief berührt.
- Man steigt ja in ein Leben ein und in eine andere Zeit. Also man hätte meinen können.
- Was ist damals genau geschehen? Auf dem Sonnenstein.
- Die Altstadt von Pirna. Gelb oder gelb?
- Oder eine bunte Spur aus Kreuzen zieht sich über das historische Pflaster.
- Jedes soll an einen von fast 15.000 Menschen erinnern, die 1940/41 innerhalb
- weniger Monate in Pirna ermordet wurden. Immer wieder aufs Neue
- nimmt es mich mit und das nochmal vor Augen geführt zu bekommen, wie viele Kreuze wir sprühen
- müssen, damit es sozusagen den Menschen dort gerecht wird. Oder im Ansatz gerecht werden kann, was da passiert ist.
- Das ist wirklich krass.
- Kim Bente macht sein freiwilliges Jahr in der Gedenkstätte Sonnenstein an dem Ort, an dem einst Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen
- Behinderungen als lebensunwert stigmatisiert und getötet wurden.
- Es ist unmenschlich, was da passiert ist und dieses Unmenschliche zu erforschen und diese Gedankengänge zu verstehen.
- Was es damals die Menschen vorgegangen, Was hat sie getrieben, dass es so weit kommen konnte?
- Die Kreuze verblassen, müssen immer wieder aufgefrischt werden. Eine Spur bis zu dem Ort, an dem das Unvorstellbare geschehen ist.
- Das ist hier wirklich auf dem Sonnenstein vom Zentrum zehn Viertelstunde zu Fuß entfernt,
- und das hat mich doch sehr schockiert und ja, nicht im Wissen. Aber schon in dem Ausmaß, dass die Bewohner
- es hätten mitkriegen können, was sie ja auch zum Teil getan haben, Dass das dann na ja, egal gewesen ist.
- In dem Sinne. Das Schloss Sonnenstein thront hoch
- über der Stadt Pirna an der Elbe im Mittelalter Festung, heute Landratsamt
- und Touristenmagnet. Doch ein versteckter Teil des Areals
- wird im Nationalsozialismus zum Ort des Grauens. Unter dem Deckmantel der sogenannten Euthanasie,
- den Zentral koordinierten, kranken Morden. Was ist hier damals passiert?
- Diese Frage lässt Brigitte Beelitz aus Markkleeberg nicht los. Sie ist in ihren Heimatort zurückgekehrt.
- Graues Haar, Tau 30 Kilometer von Pirna entfernt. Hier begann auch
- das Leben ihrer Tante Martha Caspar es endete im Juli 1941
- im Kanal Sonnenstein in der Gaskammer. Gemeinsam mit ihren Cousinen und ihrem Großneffen beschließt
- Brigitte, wie Beelitz ein Familiengeheimnis zu lüften. Es war nicht angenehm, dass man sagen musste
- Also Hitler hat auch eine von uns auf dem Gewissen, sozusagen. Dann war der Grund, warum das Ganze so explodiert ist in den Jahren.
- Der war ja auch nicht angenehm. Ich kann mir vorstellen, es war auch ein gewisser Makel, da.
- Die Verwandtschaft hat nicht darüber reden wollen. Die Nachbarn haben vielleicht drüber geredet, aber nie mit einem Server.
- Und jetzt, wo wir alle älter geworden sind, haben wir gesagt Also jetzt müssen wir es
- aber nur mal aufklären. Was ist denn nun wirklich mal?
- Großneffe Frank Kaspar durchforstet Archive und Krankenakten, nämlich was dort mitgebracht.
- Und dann taucht auf dem Dachboden das Tagebuch von Martha auf. Das hat mich tief berührt.
- Man steigt ja in ein Leben ein und in eine andere Zeit also. Und das dann wirklich vor dir zu liegen zu haben.
- Man hätte weinen können. Also Ja.
- Das Tagebuch beginnt 1911. Martha ist 1/7 Kindern.
- Sensibel. Ihr Traum Porzellan malerin werden.
- Doch die Landwirtschaft bestimmt das Leben. Es wird nun nicht mehr lange dauern, bis ich 18 bin.
- Es will mir gar nicht so recht in meinem Heimatort gefallen. Nicht, dass ich sie nicht lieb hätte.
- Meine Heimat. Oh nein, im Gegenteil. Und doch ist es, als müsste ich weit fort, um nicht immer diese Menschen zu sehen,
- die mich bekritteln, weil ich nicht so bin wie dieser, nicht so lustig bin und mich nicht so ungeniert unterhalten kann, wie sie.
- Also muss sie schon gemerkt? Also No.
- Sie war anders. Sie war auch künstlerisch begabt.
- Also sie hat auch durch die Zeit, in der sie lebte. Die Zeit war nicht günstig für sie.
- Dann lernt Martha einen jungen Mann kennen. Martin.
- Ach, wie lieb wir uns haben. Wir wollen nie mehr auseinandergehen.
- Martin sagt immer, wir wollen heiraten. Doch 1914 beginnt der Erste Weltkrieg.
- Martin wird eingezogen. Martha muss zum zukünftigen Schwiegervater auf den Hof ziehen,
- soll helfen. Dem alten
- Herrn hat es gefallen, dass eine junge Magd im Hause war. Eine junge Frau.
- Und dort sind Übergriffe entstanden. Die Aussicht, in Zukunft mit dem Schwiegervater
- auf einem Hof zu leben, setzt Martha zu. Als Martin von der Front zurückkehrt, um zu heiraten,
- hat sich die junge Frau verändert. Menschen mit psychischen
- Erkrankungen werden seit Jahrhunderten stigmatisiert. Historiker Boris Böhm forscht zur Geschichte des Sonnensteins.
- Und hier läuft lange Zeit vieles fortschrittlicher. Im Jahr 1811
- entsteht unter dem Arzt Ernst Gottlob Finitz aus der alten Festung eine moderne Heilanstalt für seelische Erkrankungen.
- Der alte Festsaal. Heute kommt hier der Kreistag zusammen.
- Damals Ort für gesellige Aktivitäten, die dazu beitragen sollten, den Geist zu stärken.
- Ein neuer Ansatz in der sich gerade erst entwickelnden Psychotherapie.
- Wenn man Revue passieren lässt, dass viele dieser Menschen davor in Zellen eingesperrt wurden
- und teilweise ja auch in Ketten gelegt werden, dass sie sich hier vor Ort frei bewegen könnten.
- Es ist ja für viele dieser Patienten, die hier als chronisch Kranke untergebracht waren, ja oftmals
- ein Jahre, wenn nicht jahrzehntelanger Aufenthalt gewesen. Und dieses Mal dienen die eben auch mit dazu, in das Leben
- sozusagen ein Stück weit zu erleichtern, zu verschönern. Aber es ist eben ein Bemühen um diese Menschen gewesen
- und vor allen Dingen dieser andere Behandlungsansatz, dass die Menschen, die sich viel in einer freien Natur bewegen, sind, dass sie aktiv sein sollten.
- Anfang des 20. Jahrhunderts entstehen neue Gebäudekomplexe und Parkanlagen
- für immer mehr Patienten. Auch eine eigene Anstaltskirche wird erbaut.
- Der wirklich genialste Blick ist tatsächlich vom Turm der Anstaltskirche, ist aber schon zwei Jahrzehnte überhaupt nicht mehr.
- Also ist es jetzt ein Paradies der Tauben geworden.
- Spaziergänge im Park, Malen, Wasseranwendungen.
- Das ist neu und in der Heil und Pflegeanstalt Sonnenstein ein wichtiger Teil der Therapie.
- Und das muss ich sagen, begeistert mich auch ein Stück weit. Man denkt immer, das ist 200 Jahre her und ja, was soll da schon passiert sein?
- Und es ist unglaublich viel passiert. Und wie gesagt, für mich ist das das Wichtigste.
- Die Hinwendung zum Menschen, die individuelle Therapie.
- Versuch aber natürlich auch das die sächsische Psychiatrie in diesem Zusammenhang im 19.
- Jahrhundert also auch ein unglaubliches humanistisches Potenzial gehabt hat und dass das auch über viele Jahrzehnte,
- wenn man nicht sagen will, sogar über ein Jahrhundert im Interesse vieler Menschen zur Geltung gekommen ist.
- Und ich denke, gerade diese Ambivalenz hier vor Ort heraus ist eben auch besonders wichtig, um zu sagen es ist eben auch anders möglich gewesen.
- Hilfe hätte auch Martha Caspar gebraucht. Aus Akten schlussfolgert ihre Nichte Brigitte.
- Wie Beelitz. Martha wurde kurz vor ihrer Hochzeit vom zukünftigen
- Schwiegervater missbraucht. Am Tag der Hochzeit flieht sie in die Masse.
- Nei Ein Waldgebiet in der Nähe ihres Wohnortes. Für Martha war der Wald
- eigentlich ein Schutz geworden, weil sie hat diesen Schutz gesucht, als sie menschlich nicht mehr weiter
- wusste und hat sich, anstatt zum Traualtar zu gehen, an ihrem Hochzeitstag
- ist sie in die Masse hineingelaufen und hat sich versteckt. Und dort wurde sie dann am zweiten Tag danach gefunden und bei einem Strauch.
- Total verunsichert und nicht mehr alle Sinne beisammen.
- Die Hochzeit wird abgesagt. Anvertrauen kann sich Martha in dieser Zeit
- nicht einmal ihrem Tagebuch. Der Brand in ihr muss so groß gewesen
- sein, dass sie niemandem vertraut hat, niemanden sich anvertraut hat und einfach weggerannt ist.
- Ja, und das hat ihre Seele sicherlich völlig zum Kippen gebracht.
- Martha geht es immer schlechter. Ihre Tagebucheinträge werden immer unglücklicher.
- Verstoßen, gehetzt, Gefroren bis ins Mark. Das war mein Leben.
- Anfang der 1920 er Jahre lässt sie ihr Hausarzt das erste Mal in eine Anstalt einweisen.
- Er vermerkt, dass es in der Familie bereits Fälle gab von sogenannter Geisteskrankheit und Suizid.
- Ein Hinweis, der ihr zum Verhängnis werden wird. Thomas Schillter
- ist Psychiater in Pirna aufgewachsen, lebt heute in Berlin. Schon als Abiturient beginnt er, sich auseinanderzusetzen
- mit einem der grausamsten Kapitel der Medizingeschichte. 55 wurden annähernd 400.
- Unweit der heutigen Berliner Philharmonie steht 1939 die Villa Tiergartenstraße vier.
- Hier werden damals Pläne geschmiedet, die die Ermordung unzähliger Menschen bedeuten, die als unheilbar krank gelten.
- Die Aktion T4, benannt nach der Tiergarten straße vier. Es ist eigentlich unvorstellbar grauenhaft.
- Die Vorstellung, dass Psychiater ihre eigenen Patienten umbringen. Die Grundlage
- Die Ideologie der Rassenhygiene mit dem Ziel, vermeintliche Erbkrankheiten und sogenannten minderwertigen Nachwuchs zu verhindern.
- Und das war der Keim, der schon in der Jahrhundertwende gelegt wurde und der dann durch die Radikalisierung im Nationalsozialismus
- zu der Konsequenz führte, eben zur Aktion T4 und so Morde unter psychisch Kranken.
- Mit Propaganda werden Ängste geschürt. Und Neid erzeugt.
- Der neue Film Erbkrank rechnet bereits 1937 vor,
- welche wirtschaftliche Belastung Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen in den Anstalten
- darstellen. Als im Oktober 1939
- die Planung des systematischen Mordes im Rahmen der Aktion T4 beginnt, ist auch in Pirna beteiligt Hermann Paul Nitsche.
- Er leitet ab 1928 die Anstalt Sonnenstein und er verändert sie.
- Früh schon hat er sich der rassenhygienischen Ideen verschrieben. Wer hat die Zwangssterilisation in Pirna, so Eisenstein, durchgeführt?
- Er hat eine Hungerkost eingeführt für arbeitsunfähige, unheilbare Patienten
- und ging letztlich nach Auflösung daher. Pflegeanstalt Pirna Sonnenstrahl 1939 dann nach Berlin
- zur T4 Zentrale. Die Zentrale fordert Meldebögen zu Anstaltspatienten
- an, die als unheilbar krank gelten. Dazu gehören auch Diagnosen wie Schizophrenie,
- Epilepsie und Demenz. Vor allem die Arbeitsunfähigkeit ist
- ein entscheidendes Kriterium für die T4Ärzte in Berlin. Die bekamen letztlich die Patienten, um die es ging, nie selber zu Gesicht,
- sondern sahen lediglich diese Meldebögen, die dann darüber entschieden, ob derjenige in einer Gaskammer mit Kohlenmonoxid Gas umgebracht
- wurde. Insgesamt entstehen sechs Tötungsanstalten.
- Eine davon in der 1939 geschlossenen Heilanstalt Sonnenstein. Streng geheim in einem abgelegenen Bereich
- beginnt 1940 das massenhafte Morden, verharmlost als Gnadentod.
- Melanie Wahl führt fast täglich Besucher durch den Tötungskeller.
- An dieser Stelle muss ich mal kurz Luft holen, weil ich das das ist.
- Mir kann hier niemand mehr erzählen, dass das in einem guten Gedanken und um eine Erlösung von dem Leid ging oder wie auch immer.
- Also es ist eh schwierig, das bei dieser Menge an Menschen zu sagen, aber spätestens in dem Moment sollte eigentlich jedem klar
- werden, dass das hier nur darum ging, Menschen zu beseitigen. So schnell wie möglich.
- Die sich die nicht dazu gepasst haben. Die Patienten kamen an
- im Glauben, dass sie hier eine Heil und Pflegeanstalt aufgenommen werden und so hat man das auch gestaltet und sind zum Arzt geführt worden.
- Der Arzt hat sie untersucht. Die Ärzte an der Stelle bereits eine Todesursache festgelegt,
- eine gefälschte Todesursache, die man im Nachgang dann den Angehörigen mitgeteilt hat.
- Die Patienten wurden dann in Kellerbereich geleitet, in Warteraum. Da standen Bänke bereit, Handtücher lagen bereit
- und die Patienten mussten sich entkleiden oder wurden entkleidet und sind dann in den nächsten Raum geführt worden.
- Es war eine als Dusche getarnte Gaskammer. Ein Tötungsarzt öffnet den Gashahn
- und beobachtet durch ein Sichtfenster das Sterben. Man hat die Leichen zunächst ausgeräumt.
- Aus der Gaskammer. Die erste Aufgabe dieser sogenannten Leichenbrenner war zu gucken
- Was hat dieser Mensch? Goldzähne, Die wurden Leichen herausgebrochen. Hat man eingeschmolzen,
- und dann wurden die Leichen verbrannt. Ob Leichen, Brenner,
- Tötungsarzt oder Sekretärin das Personal wohnt auf dem Sonnenstein,
- soll möglichst keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Alles soll geheim bleiben.
- Es war ein riesiger Bürokratieapparat. Für jeden Menschen, der hier umgebracht worden ist, wurde ein Trost.
- Brief geschrieben an die Angehörigen mit gefälschten Todesdatum gefälschter Todesursache.
- Auch der Todesort ist falsch, Nachforschungen somit unmöglich.
- Und dann hat man die Menschen hier umgebracht und im Nachgang die Krankenakten im Kurierdienst mitgegeben.
- Die ganze Woche zwischen den Tötungsanstalten und der Zentrale in Berlin unterwegs war
- und die Krankenakten in eine andere Anstalt gebracht hat. Und dann wurde der Tod in einer anderen Anstalt beurkundet.
- Und dann haben die Angehörigen eben aus neben den vielen anderen gefälschten Angaben
- zu den Todesumständen auch noch nicht mal den richtigen Sterbeort erfahren. 13.720 Menschen,
- zumeist mit psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen. Ein Massenmord.
- Dazu kommen mehr als 1000 Häftlinge aus Konzentrationslagern, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht über eigene Gaskammern verfügen.
- Auch sie werden im Sonnenschein ermordet. Der 19-jährige Kevin Bentley gedenkt heute in Pirna,
- der vielen Opfer auf dem Sonnenstein ein Kreuz für einen getöteten.
- Für mich ist es ein Mensch, eine Biografie, eine Geschichte. Die haben, finde ich, eine unglaubliche Macht,
- die sie ausstrahlen, weil sie einfach bunt sind, wie die Menschen, die dort ermordet
- worden sind und wie bunt die Menschheit jetzt noch heute ist. Fester Bestandteil Ihrer Aktion ist eine Gedenkminute für die Opfer.
- Gemeinsam wird aus den Biografien gelesen. Klingen Münster.
- Die Idee zur Gedenkspur hatte der Künstler Christoph Hampel 2002. Umgesetzt wird dieses aktive Gedenken
- von Angela Tomolka von der Aktion Zivilcourage. Mich persönlich berührt das ganz, ganz doll
- und mir ist es wichtig, dass man nicht vergisst, dass man Anteil nimmt. Weil es sind Menschen, die sind schreckliche Dinge passiert.
- Und das ist einfach meine Motivation, dass man immer daran gedenkt, dass sie ausgeliefert waren und teilweise vielleicht auch
- aufgrund ihrer Geisteszustände nicht mal in der Lage waren zu fassen. Was passiert hier mit ihnen?
- Als Martha Caspar in den 1920 er Jahren erstmals
- in eine Anstalt eingewiesen wird, ist sie noch voller Hoffnung. Ihre Spurensuche auf dem Weg.
- Ihre Tante führt Brigitte wie Beelitz nach Groß Schweidnitz. 60 Kilometer von Pirna entfernt.
- Innerhalb von zwei Jahrzehnten wird Martha immer wieder hier eingewiesen
- und hält ihre Gedanken im Tagebuch fest. Durch
- schlechtes Gerede war ich in die Landesanstalt gekommen. Der Herr Doktor hatte mich hingeschafft.
- Es war sehr schön in der Anstalt Groß Schweidnitz bei Löbau.
- Ich werde die Schwestern, alle, die mich dort gepflegt haben, nicht vergessen. Ich bekomme jetzt auch wieder Rente.
- So ist man doch aus der allergrößten Not heraus. Wer so allein in der Welt steht wie ich, der muss froh sein, etwas zu bekommen,
- was einem wenigstens auf die Beine hilft. Irgendwann enden die Tagebucheinträge.
- Marthas Zustand verschlechtert sich immer weiter. Auf dem heutigen Krankenhausgelände führt Maria Febrand
- von der Gedenkstätte Schweidnitz Brigitte wie Beelitz zu Haus. 35, wo ihre Tante zuletzt untergebracht war.
- Das ist eher für unruhige Kranke, die störend waren. Pflegeaufwendig und teilweise auch aggressiv gegenüber anderen Patienten,
- aber auch dem Pflegepersonal, die betreuungsaufwendiger waren, wenn man so will.
- Das ist das Puzzleteil, das in dieser 35 in dieser Station
- die unruhigen und aggressiven Patienten waren. Was mit der Steigerung skomponente bei Martha sich deckt.
- Aufsässig steht da in einem Schriftstück aufsässig und neuerer. Die wird eine besondere Behandlung bekommen haben,
- und wenn sie hier in großen Sälen war oder 8 bis 10 Betten in einem Zimmer neu, dann kann man sich auch vorstellen, wie viele Behandlung sie erworben hat.
- Ich denke eher wenig. Also am Ende
- ist ja dann noch eingetragen in Zustand, also Schizophrenie und Zustand. Dann kann man davon ausgehen, dass nicht mehr therapiert wurde.
- Ja, ja, das mit der Aktion
- T4 wird wohl Schweidnitz zur Zwischenanstalt für Pirna. Sonnenschein.
- Zwischenanstalten waren die Anstalten, die sie Patienten in die Tötungsanstalten weiter verlegten.
- Also eine Zwischenstation sozusagen in den Tod, in die Tötungsanstalten der T4.
- Der Vermerk in ihren Unterlagen, dass ihre psychische Erkrankung erblich und nicht heilbar ist.
- Für Martha Kaspar ist er wohl das Todesurteil. Ein. Das ist das Abgangsbuch.
- Da sind alle Patienten, die die Anstalt verlassen haben, eingetragen. Abgang im Sinne von verstorben oder verlegt?
- Ja, und was? Sie sehen hier diesen Stempel.
- Das sind alles Transporte. Das wär noch mal genau dieser Stempel hier in Sammeltransport Form.
- Der kommt immer wieder an, zeigt die T4 Transporte an! Am zweiten, siebten, 1941
- wird Martha Kaspar mit einem der letzten Sammeltransporte verlegt. Das ist
- im Juli 41, das heißt, die Morde gehen schon ein Jahr und die ersten Gerüchte gibt es schon 1940.
- Und diese Unruhe unter dem Patienten, die ganzen Zwischenverlegung laufen einfach schon so lange, sodass
- sie zumindest mit einem unguten Gefühl ganz sicher es verlassen hat. Für die Aktion T4 werden spezielle Busse eingesetzt, die Fenster blickdicht.
- So fährt Martha mit 26 weiteren Menschen nach Pirna, sollen Stein in den Tod.
- Ein längerer Aufenthalt wie zu Zeiten der Heilanstalt ist nicht vorgesehen. Die Menschen werden meist noch am Tag ihrer Ankunft ermordet.
- Melanie Wahl von der Gedenkstätte Unterwegs zu einem Ort, der ihr besonders nahe geht.
- Hier wurde die Asche der Opfer einfach entsorgt. Wir sind am Fuß des Elbhangs.
- Das ist für uns heute das Gräberfeld, wo menschliche Asche Reste gefunden worden sind und dementsprechend ist es der letzte Ort,
- an dem gleichen sind und der letzte Ort der Menschen umgebracht worden sind. Unbegreiflich, weil das
- schon 100 Jahre lang auch eine Anstaltsdeponie war. Und Deponie ist nun mal eine Müllkippe.
- Und das ist das. Das ist ein Widerspruch, den ich in meinem Kopf nicht zusammenkriegen.
- Die Morde auf dem Sonnenstein enden im August 1941.
- Das systematische Töten in den T4 Anstalten war nicht völlig geheim geblieben, fiel auf.
- Nach Kritik, besonders aus Kirchenkreisen, wird die Aktion offiziell eingestellt.
- Auch wenn in den Anstalten des Reichs weiter mit Überdosierung von Medikamenten oder Nahrungsentzug gemordet wird.
- In Pirna werden Gaskammer und Öfen zurückgebaut, alle Spuren verwischt.
- Nach dem Krieg werden nur wenige der an der Mordaktion Beteiligten zur Verantwortung gezogen.
- Der Partner arzt Hermann Paul Nitsche, mitverantwortlich für die Aktion T4, wird 1948 hingerichtet.
- Wie geht Pirna mit diesem schweren Erbe um und haben Leute gewohnt?
- Haben sie hoch geguckt? Die Bäume, die wir jetzt hier sehen, die waren damals nicht da.
- Mir kann niemand erzählen, dass man das nicht gesehen hat, dass hier irgendwas passiert,
- dass man es nicht gerochen hat, dass man sich da nicht zumindest mal eine Frage stellt Was passiert denn da?
- Nach dem Krieg wird kaum noch über die Verbrechen gesprochen, die in.
- Mit Gründung der DDR beginnt eine neue Ära auf dem Sonnenstein,
- auf dem Gelände der ehemaligen Heil und späteren Tötungsanstalt entsteht ein Großbetrieb und daneben ein Neubaugebiet.
- Hier arbeiten und leben auch Johannes Kegel, Gudrun Gim und Eberhard Walter. Von den Verbrechen, die auf dem Sonnenstein begangen wurden,
- erfährt die Nachkriegsgeneration erst einmal nichts. Und wo jetzt diese Gedenkstätte
- ist, das war innerhalb vom Betrieb, da wo die Verbrennungsöfen gestanden haben, da hatten wir was.
- Hatten wir da, Irgendwelche Unterlagen, Unterlagen, Unterlagen? Es hat keiner gewusst.
- Und ich habe um meine Mutter gefragt, die arbeitete in der Zeit im Krankenhaus. Ich sage, Ihr müsst es doch gewusst haben.
- Hier sind so viele Leute vergast worden und so! Nein,
- im Nachgang. Also es ist schon erschütternd.
- Das Strömungsmaschinen Werk, das sich hier befindet. Es ist nur für Mitarbeiter zugänglich, wenn sie.
- Das ganze Betrieb war rundrum eine dicke Mauer und es gab zwei Eingänge nur dort und es kam auch nicht jeder rein.
- Also das war immer mehr. Wann in Betrieb der ein Stückchen privilegiert war.
- Der VEB fördert auch Freizeitaktivitäten. Im betriebseigenen Videoclub.
- Lernen Sie sich kennen in besonderen Räumen. Unser Filmstudio war untergebracht in dem ehemaligen Schloss.
- Das gehörte zur DDR Zeit mit zum Strömungsmaschinen. Und da hatten wir
- sehr viel und sehr außen ausreichend Räumlichkeiten. Wir hatten auch einen Saal, wo man drehen konnte.
- Es war eigentlich alles da. Nicht die Industrie,
- sondern Kunst und Kultur sind ihre Lieblingsthemen. Mit der Kamera begleiten Sie so auch den Wiederaufbau
- der Dresdner Semperoper. Und Ihr Zuhause ist damals das Neubaugebiet,
- das ab den 1950 er Jahren auf dem Sonnenstein entsteht. Für Tausende Arbeiter des Werkes und der Wismut.
- Die Hochhäuser des Sonnensteins sind immer noch weithin sichtbar, und auch heute freuen sie sich, wenn sie in ihrem alten Wohnviertel
- neue, spektakuläre Blicke entdecken. Also ich habe mal vom Zaun von
- dem roten dorthin, um von dort aus fotografiert. Früher aber jetzt hier oben unter Dach Premiere.
- Ich will. Über die letzten Jahrzehnte
- haben die Freunde erlebt, wie sich der Sonnenstein ständig wandelt. Ein 17 Geschosse wird demnächst umgebaut, ein anderer bald abgerissen.
- Ihren Betrieb. Die Strömungsmaschinen gibt es schon lange nicht mehr.
- Wie viele Betriebe in Pirna hatte die Wende nicht überlebt? Halt, finden Sie im Video Club.
- Doch auch der ist in den Neunzigern in Gefahr. Nach der Wende mussten wir ja nur
- zusehen, wie wir weiter arbeiten konnten. Wir wollten zu der Zeit noch nicht aufgeben.
- Also das kam nie in Frage. Sie gründen sich als Verein aus dem Studio.
- Im Schloss müssen Sie ausziehen, doch mit der Kamera dokumentieren Sie den Wandel des Gebäudes,
- dessen Zustand sich in den 1990 er Jahren immer weiter verschlechtert hat. Aus den verfallenden Schloss
- wird das neue Landratsamt. In einer unwahrscheinlich kurzen Bauzeit von etwas über zwei Jahren ist
- dieses Riesenprojekt vollendet worden und 2011 im November eröffnet worden. Und da könnten wir dann den Film, den wir darüber gedreht haben, hinein prägen.
- Und ich denke, das war ein Abend, der niemand vergessen kann, der an alle erleben durfte.
- Heute ist der Sonnenstein ein Ort, der Einheimische und Touristen anzieht.
- Der Ausblick atemberaubend. Künstler kommen hierher,
- wenn der Skulpturensommer stattfindet. Immer wieder sind auch Exponate dabei,
- die an die dunkelste Zeit des Sonnensteins erinnern. Es war ein langer Weg, bis in Pirna
- der Mantel des Schweigens gelüftet werden konnte. Berlin Von Thomas Schildt,
- der zur Aktion T4 forscht, ist in Pirna aufgewachsen und arbeitet heute als Psychiater im Stadtteil Lichtenberg.
- In der Wendezeit hat er das erste Mal von den sogenannten Krankenmorden. Dass in meiner Heimatstadt so etwas passiert war,
- also in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Und vor allem, dass niemand in Pirna davon wusste.
- Das hat mich erschüttert und angespornt. Pirna In den 1990
- er Jahren Viele Menschen sorgen sich um die Zukunft. Thomas Schäfer lässt die Vergangenheit keine Ruhe.
- Als Medizinstudent läuft er von Haustür zu Haustür, spricht mit älteren Menschen. Das Erstaunliche war für
- mich, dass diese Pirna relativ offen reagierten, wenngleich sie auch deutlich machten, dass sie einfach aus Angst
- vor dem Regime sich nicht trauten, etwas dagegen zu unternehmen. Und viele hatten die Busse gesehen, die die Patienten nach
- Sonnenschein brachten, hatten diesen schwarzen Rauch gesehen. Es gab also Gerüchte.
- Mein Eindruck war, wer es wissen wollte, der konnte schon auch wissen.
- Dennoch bleiben die Morde auch nach dem Ende des Nationalsozialismus jahrzehntelang ein Tabu.
- Ich sehe da eine gewisse Parallele. Auch Menschen, die an posttraumatischer Belastungsstörung
- leiden, verdrängen oft das grauenhafte, was sie eben nicht ertragen können und vergessen es gewissermaßen.
- Aber nach einer gewissen Zeit kommt es dann eben doch wieder hoch und löst Panikattacken, Stress und Angst aus.
- Und das ist dann eine Form der Therapie, diese schlimmen Erfahrungen zu integrieren und wieder ins Leben zurück zu holen.
- Und auch die Stadt Pirna brauchte so eine Therapie letztlich, um diese schlimmen Ereignisse einfach wieder ins Gedächtnis zu rufen
- und zu verarbeiten. Nach der Wende soll ein Gedenkort geschaffen werden,
- am besten in dem Gebäude, in dem sich die Tötungsanstalt befand. Doch wo genau fanden die Morde statt?
- Die Täter hatten ihre Spuren vertuscht. Der Großbetrieb in der DDR Alles umgebaut.
- Engagierte Bürger gründen das Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein.
- Unter ihnen auch der Historiker Boris Böhm. Eine aufwendige Spurensuche beginnt.
- Wir hatten eine Zeitzeugenaussage. Wir hatten ein paar Hinweise von der Bevölkerung gehabt,
- aber es gab keine absolute Sicherheit, in welchem der vier Gebäude sich tatsächlich die Tötungseinrichtungen befunden haben.
- Und das Geheimnis ist hier vom Dachgeschoss in Richtung Keller gelüftet worden.
- 1940 soll es einen Schornstein Brand gegeben haben. Am Dachstuhl findet ein Experte tatsächlich Rauchspuren
- und die Reste eines Schornsteins. Im Keller können schließlich
- die Fundamente der Verbrennungsöfen und die Gaskammer freigelegt werden. Im Jahr 2000 eröffnet die Gedenkstätte.
- Boris Böhm wird ihr Leiter und widmet sich ganz der Geschichte der Heil und Tötungsanstalt.
- Das Frappierende war eben doch, dass ein in Anführungsstrichen ganz normales Gedankengebäude, was um 1900 gebaut
- und wo ja nie ein Mensch irgendwo gedacht hat,
- dass hier mal etwas Schlimmes mit diesen Menschen passieren kann, dass dieses Gebäude innerhalb weniger Wochen
- dann sozusagen zu einem Tötungsgebäude für eben diese Menschen umgebaut wurde. Das zeigt es nochmal besonders krass, wie sich Psychiatrie
- in schlimmster Weise gewandelt hatte. Die Gruppe
- der Aktiongedenksprühen ist inzwischen auf dem Sonnenstein angelangt. Auch hier müssen die Kreuze immer wieder erneuert werden.
- Gedenken kann nie abgeschlossen sein. Was hat für mich persönlich was mit Verantwortung zu tun?
- Ich muss Verantwortung für die. Ich habe unbedingt die Verantwortung für die Vergangenheit.
- Aber ich trage Verantwortung für die Zukunft und. Deshalb finde ich es wichtig,
- ja Gedenken zu erhalten und immer weiter fortzuführen. Vor allem Schüler finden über diese Art des Gedenkens
- einen Zugang zu dem schweren Thema. Aber auch für Thomas K ist es eine Art, sich auszudrücken.
- Er ist gerade dazugestoßen. Wie mit Menschen, die Einschränkungen haben, umgegangen wird.
- Das treibt ihn um. Aber Mensch bleibt einfach ein Mensch,
- egal wie er halt physisch beschaffen ist. Einfach seine Aura und seinen Geist.
- Carcetti charakterisiert jeden nur für einzigartig weise.
- Jeder Mensch ist einzigartig. Jawohl, Gleichberechtigt bin ich.
- Jeden Menschen individuell zu unterstützen, das wird heute auf dem Sonnenstein gelebt.
- Direkt neben der Gedenkstätte befinden sich die Pirna Werkstätten, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung.
- Hier arbeitet auch Thomas Gass in der Zeit nach einem Schicksalsschlag.
- Der studierte Umwelttechniker war eine Treppe heruntergestürzt. Ich hatte
- drei Monate lang Schädelhirntrauma und mein Gedächtnis
- ist extremst mangelhaft. Also du bist so ein bisschen durch.
- Das Leben, Walter. Für ihn ist die Werkstatt auf dem Sonnenstein ein Start.
- Heute ist er nur noch selten hier, arbeitet inzwischen auf einem sogenannten Außenarbeitsplatz beim Landesvermessungsamt.
- Digitalisiert er Bücher in. Weiß auch
- nicht, was das bringt und ist so ein bisschen neugierig. Also gefällt mir gut.
- Es ist ein Riesenfortschritt. Unterstützt wird er auf seinem Weg von Thomas Beltz.
- Er bemüht sich, Menschen in reguläre Arbeitsverhältnisse zu integrieren.
- Doch nicht für alle ist dieser Weg geeignet. Einige fühlen sich in der Werkstatt gut aufgehoben.
- Für viele ist das hier ein Platz, wo sie sich wohlfühlen und wo sie die Sicherheit haben, hier auch herkommen zu können und zu wollen und
- sich einfach hier wohlfühlen. Auch Thomas Pilz
- hat hier seine berufliche Heimat gefunden. Ich komme ja ursprünglich
- schon aus dem technischen Bereich und habe die Erfahrung sammeln dürfen durch meinen Zivildienst, dass das für mich schon
- etwas beglückend ures ist, für Menschen zusammenzuarbeiten, sodass ich immer noch nach 18 Jahren
- noch Spaß an dieser Arbeit habe und das als was sehr Sinnstiftendes erlebe. Auf seiner täglichen Runde
- schaut Thomas Pilz auch immer wieder in dem Bereich vorbei, in dem Menschen mit stärkeren Einschränkungen betreut werden.
- Sollen, schreiben die Leute gemeinsam in den Tag hinein.
- Thomas Pilz ist auch Teil des Kuratoriums. Sonnenstein setzt sich für das Gedenken ein
- an das dunkelste Kapitel des Sonnensteins. Aber auch an die Zeit davor und
- für viele ist es unvorstellbar, dass man nun gerade an diesem Ort so eine Werkstatt betreibt.
- Wir von unserer Seite her sehen das also genau richtig, dass hier Menschen wieder arbeiten können, also Menschen mit Behinderung.
- Ja, hängt schon auch ein bisschen mit der Tradition dieses Ortes zusammen. Es war ja hier früher Versorgungs Heilanstalt
- und der Doktor hatte damals ja schon sehr, sehr fortschrittliche Ansätze für damalige Zeiten.
- Und genau deswegen, denke ich, ist es gut, dass an diesem Ort auch wieder gearbeitet wird
- und dass hier wieder ein Platz gefunden wurde für Menschen mit Behinderung.
- Und es ist für uns jetzt auch ein Ort, wo eben nicht nur gearbeitet wird, sondern wo auch Feste gefeiert werden,
- wo eben ein ganz normales Leben stattfindet. Brigitte
- Beelitz möchte Frieden machen mit der eigenen Familiengeschichte. Ihre Tante Martha kommt am 2.
- Juli 1941 in einem Bustransport aus Groß Schweidnitz auf dem Sonnenstein an.
- Mehr als acht Jahrzehnte sind vergangen. Sich gefragt hatte, war.
- In den Bussen von Kevin Bente erfährt sie, was Martha in den letzten Stunden ihres Lebens widerfahren ist.
- Das ist die ehemalige Busgarage. Dort hat man die Busse untergestellt, die
- ja die Patienten in die Tötungsanstalt gefahren haben. Da haben ungefähr drei Busse Platz gehabt.
- Das wurde 1941 auch noch mal umgebaut, diese Busgarage, um es da noch effizienter zu gestalten.
- Und dann ist das aber nicht weitergegangen durch diesen Frontschreitenden. Nur wenige Schritte entfernt, im Haus 16,
- wurde Martha bei ihrer Ankunft von den Ärzten untersucht. Die Ärzte räume, wo die Patienten nach ihrer
- Ankunft noch mal untersucht worden sind, einfach um zu prüfen, ob die Ärzte haben die Person identifiziert plausibel Sterbeursache gefunden.
- Und dann sind die relativ direkt weiter in den Waschraum,
- genau in die Waschraum gekommen und dann in die Gaskammer. Und dann wurde der Modus.
- Ja, der Kontakt mit den Angehörigen gehört für den 19-jährigen zu den intensivsten Momenten im freiwilligen Jahr gewesen.
- Und es hat sie vielleicht auch ein bisschen reifer und älter gemacht. Ja, ja.
- Weil wenn der Mensch sich so mit mit so großen Problemen belastet, dann wird da also bestimmt auch ein anderer.
- Ja, ich glaube auch, dass es. Ja, es ist schon sehr sitzt jetzt tief bei Ihnen durchaus.
- Der Weg in den Tötungskeller hin zur Normalität, bei der nie.
- Für Brigitte wie Beelitz endet hier ihre Reise.
- Ihre Tante Martha Caspar wird in der Gaskammer ermordet. Im Alter von 47 Jahren.
- Auf einer Tafel erinnern 14.751 Namen an die Menschen, die hier ihr Leben verloren.
- Menschen wie Martha Caspar .meine Verwandte,
- bei denen haben, die mussten zu klein geschrieben werden, weil es einfach so viele Tausende
- sind. Ja. Von. Sonne
- und Wärme. Sehr großer Kontrast. Ja.
- Auf ihrer Reise ist Brigitte Weblitz ihrer Tante näher gekommen.
- Wenn ich ganz ehrlich bin, dann denke ich manchmal. Ah, hätte sie doch zu meiner Zeit gelebt.
- Also ich hätte ihr bestimmt 1000 Mal geholfen, als dieser Klemme und aus dieser schlechten Situation herauszukommen.
- Ich hätte ihr helfen wollen. In jedem Fall. Ob ich es gekonnt hätte, ist eine andere Frage.
- Und ich habe so ein bisschen spinnerisch gesagt, wenn wenn da oben 1000 Sterne oder oder Millionen kleine Seelen noch irgendwo sein sollten,
- dann wird sie das wohl mitbekommen haben, dass wir uns noch mal so um sie gesorgt und gekümmert haben und sie jetzt unser ist.
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