Die NS-Krankenmorde - Der lange Schatten von Pirna Sonnenstein | Entdecke den Osten | MDR DOK MDR DOK https://www.youtube.com/watch?v=-VMgi8ehbYQ Transkript (automatisch erstellt) 0:03 Eine Heilanstalt wird zur Tötungsanstalt. Pirna Sonnenstein ist im Nationalsozialismus 0:10 Teil eines geheimen Plans. Gezielt ging es darum, Menschen zu beseitigen, so schnell wie möglich. 0:18 Die sich, die nicht dazu gepasst haben, die Todesurteile gefällt von Ärzten der Aktion T4, 0:26 die dann darüber entschieden, ob derjenige in einer Gaskammer umgebracht wurde. 0:32 Das Schicksal tausender Menschen, jahrzehntelang fast vergessen. 0:38 Es hat keiner gewusst. Und ich habe auch meine Mutter gefragt. 0:41 Hier sind so viele Leute vergast worden. Und nein, mir ist es wichtig, dass man nicht vergisst, dass man Anteil nimmt. 0:48 Was sind Menschen? Damit sind schreckliche Dinge passiert. 0:52 Eine von ihnen, Martha Kaspar. Als ihr Tagebuch auftaucht, beginnt ihre Nichte 0:58 mit der Spurensuche. Das hat mich tief berührt. 1:03 Man steigt ja in ein Leben ein und in eine andere Zeit. Also man hätte meinen können. 1:12 Was ist damals genau geschehen? Auf dem Sonnenstein. 1:28 Die Altstadt von Pirna. Gelb oder gelb? 1:36 Oder eine bunte Spur aus Kreuzen zieht sich über das historische Pflaster. 1:42 Jedes soll an einen von fast 15.000 Menschen erinnern, die 1940/41 innerhalb 1:49 weniger Monate in Pirna ermordet wurden. Immer wieder aufs Neue 1:53 nimmt es mich mit und das nochmal vor Augen geführt zu bekommen, wie viele Kreuze wir sprühen 1:59 müssen, damit es sozusagen den Menschen dort gerecht wird. Oder im Ansatz gerecht werden kann, was da passiert ist. 2:05 Das ist wirklich krass. 2:10 Kim Bente macht sein freiwilliges Jahr in der Gedenkstätte Sonnenstein an dem Ort, an dem einst Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen 2:18 Behinderungen als lebensunwert stigmatisiert und getötet wurden. 2:24 Es ist unmenschlich, was da passiert ist und dieses Unmenschliche zu erforschen und diese Gedankengänge zu verstehen. 2:30 Was es damals die Menschen vorgegangen, Was hat sie getrieben, dass es so weit kommen konnte? 2:37 Die Kreuze verblassen, müssen immer wieder aufgefrischt werden. Eine Spur bis zu dem Ort, an dem das Unvorstellbare geschehen ist. 2:46 Das ist hier wirklich auf dem Sonnenstein vom Zentrum zehn Viertelstunde zu Fuß entfernt, 2:51 und das hat mich doch sehr schockiert und ja, nicht im Wissen. Aber schon in dem Ausmaß, dass die Bewohner 3:01 es hätten mitkriegen können, was sie ja auch zum Teil getan haben, Dass das dann na ja, egal gewesen ist. 3:07 In dem Sinne. Das Schloss Sonnenstein thront hoch 3:12 über der Stadt Pirna an der Elbe im Mittelalter Festung, heute Landratsamt 3:18 und Touristenmagnet. Doch ein versteckter Teil des Areals 3:33 wird im Nationalsozialismus zum Ort des Grauens. Unter dem Deckmantel der sogenannten Euthanasie, 3:39 den Zentral koordinierten, kranken Morden. Was ist hier damals passiert? 3:47 Diese Frage lässt Brigitte Beelitz aus Markkleeberg nicht los. Sie ist in ihren Heimatort zurückgekehrt. 3:54 Graues Haar, Tau 30 Kilometer von Pirna entfernt. Hier begann auch 4:03 das Leben ihrer Tante Martha Caspar es endete im Juli 1941 4:10 im Kanal Sonnenstein in der Gaskammer. Gemeinsam mit ihren Cousinen und ihrem Großneffen beschließt 4:19 Brigitte, wie Beelitz ein Familiengeheimnis zu lüften. Es war nicht angenehm, dass man sagen musste 4:27 Also Hitler hat auch eine von uns auf dem Gewissen, sozusagen. Dann war der Grund, warum das Ganze so explodiert ist in den Jahren. 4:38 Der war ja auch nicht angenehm. Ich kann mir vorstellen, es war auch ein gewisser Makel, da. 4:43 Die Verwandtschaft hat nicht darüber reden wollen. Die Nachbarn haben vielleicht drüber geredet, aber nie mit einem Server. 4:51 Und jetzt, wo wir alle älter geworden sind, haben wir gesagt Also jetzt müssen wir es 4:55 aber nur mal aufklären. Was ist denn nun wirklich mal? 5:00 Großneffe Frank Kaspar durchforstet Archive und Krankenakten, nämlich was dort mitgebracht. 5:06 Und dann taucht auf dem Dachboden das Tagebuch von Martha auf. Das hat mich tief berührt. 5:20 Man steigt ja in ein Leben ein und in eine andere Zeit also. Und das dann wirklich vor dir zu liegen zu haben. 5:28 Man hätte weinen können. Also Ja. 5:32 Das Tagebuch beginnt 1911. Martha ist 1/7 Kindern. 5:38 Sensibel. Ihr Traum Porzellan malerin werden. 5:41 Doch die Landwirtschaft bestimmt das Leben. Es wird nun nicht mehr lange dauern, bis ich 18 bin. 5:50 Es will mir gar nicht so recht in meinem Heimatort gefallen. Nicht, dass ich sie nicht lieb hätte. 5:55 Meine Heimat. Oh nein, im Gegenteil. Und doch ist es, als müsste ich weit fort, um nicht immer diese Menschen zu sehen, 6:03 die mich bekritteln, weil ich nicht so bin wie dieser, nicht so lustig bin und mich nicht so ungeniert unterhalten kann, wie sie. 6:15 Also muss sie schon gemerkt? Also No. 6:18 Sie war anders. Sie war auch künstlerisch begabt. 6:22 Also sie hat auch durch die Zeit, in der sie lebte. Die Zeit war nicht günstig für sie. 6:32 Dann lernt Martha einen jungen Mann kennen. Martin. 6:39 Ach, wie lieb wir uns haben. Wir wollen nie mehr auseinandergehen. 6:43 Martin sagt immer, wir wollen heiraten. Doch 1914 beginnt der Erste Weltkrieg. 6:54 Martin wird eingezogen. Martha muss zum zukünftigen Schwiegervater auf den Hof ziehen, 7:00 soll helfen. Dem alten 7:04 Herrn hat es gefallen, dass eine junge Magd im Hause war. Eine junge Frau. 7:09 Und dort sind Übergriffe entstanden. Die Aussicht, in Zukunft mit dem Schwiegervater 7:16 auf einem Hof zu leben, setzt Martha zu. Als Martin von der Front zurückkehrt, um zu heiraten, 7:24 hat sich die junge Frau verändert. Menschen mit psychischen 7:29 Erkrankungen werden seit Jahrhunderten stigmatisiert. Historiker Boris Böhm forscht zur Geschichte des Sonnensteins. 7:37 Und hier läuft lange Zeit vieles fortschrittlicher. Im Jahr 1811 7:43 entsteht unter dem Arzt Ernst Gottlob Finitz aus der alten Festung eine moderne Heilanstalt für seelische Erkrankungen. 7:53 Der alte Festsaal. Heute kommt hier der Kreistag zusammen. 7:57 Damals Ort für gesellige Aktivitäten, die dazu beitragen sollten, den Geist zu stärken. 8:04 Ein neuer Ansatz in der sich gerade erst entwickelnden Psychotherapie. 8:09 Wenn man Revue passieren lässt, dass viele dieser Menschen davor in Zellen eingesperrt wurden 8:14 und teilweise ja auch in Ketten gelegt werden, dass sie sich hier vor Ort frei bewegen könnten. 8:19 Es ist ja für viele dieser Patienten, die hier als chronisch Kranke untergebracht waren, ja oftmals 8:26 ein Jahre, wenn nicht jahrzehntelanger Aufenthalt gewesen. Und dieses Mal dienen die eben auch mit dazu, in das Leben 8:33 sozusagen ein Stück weit zu erleichtern, zu verschönern. Aber es ist eben ein Bemühen um diese Menschen gewesen 8:39 und vor allen Dingen dieser andere Behandlungsansatz, dass die Menschen, die sich viel in einer freien Natur bewegen, sind, dass sie aktiv sein sollten. 8:50 Anfang des 20. Jahrhunderts entstehen neue Gebäudekomplexe und Parkanlagen 8:56 für immer mehr Patienten. Auch eine eigene Anstaltskirche wird erbaut. 9:12 Der wirklich genialste Blick ist tatsächlich vom Turm der Anstaltskirche, ist aber schon zwei Jahrzehnte überhaupt nicht mehr. 9:18 Also ist es jetzt ein Paradies der Tauben geworden. 9:24 Spaziergänge im Park, Malen, Wasseranwendungen. 9:29 Das ist neu und in der Heil und Pflegeanstalt Sonnenstein ein wichtiger Teil der Therapie. 9:44 Und das muss ich sagen, begeistert mich auch ein Stück weit. Man denkt immer, das ist 200 Jahre her und ja, was soll da schon passiert sein? 9:53 Und es ist unglaublich viel passiert. Und wie gesagt, für mich ist das das Wichtigste. 9:58 Die Hinwendung zum Menschen, die individuelle Therapie. 10:04 Versuch aber natürlich auch das die sächsische Psychiatrie in diesem Zusammenhang im 19. 10:10 Jahrhundert also auch ein unglaubliches humanistisches Potenzial gehabt hat und dass das auch über viele Jahrzehnte, 10:17 wenn man nicht sagen will, sogar über ein Jahrhundert im Interesse vieler Menschen zur Geltung gekommen ist. 10:23 Und ich denke, gerade diese Ambivalenz hier vor Ort heraus ist eben auch besonders wichtig, um zu sagen es ist eben auch anders möglich gewesen. 10:40 Hilfe hätte auch Martha Caspar gebraucht. Aus Akten schlussfolgert ihre Nichte Brigitte. 10:46 Wie Beelitz. Martha wurde kurz vor ihrer Hochzeit vom zukünftigen 10:50 Schwiegervater missbraucht. Am Tag der Hochzeit flieht sie in die Masse. 10:57 Nei Ein Waldgebiet in der Nähe ihres Wohnortes. Für Martha war der Wald 11:05 eigentlich ein Schutz geworden, weil sie hat diesen Schutz gesucht, als sie menschlich nicht mehr weiter 11:12 wusste und hat sich, anstatt zum Traualtar zu gehen, an ihrem Hochzeitstag 11:19 ist sie in die Masse hineingelaufen und hat sich versteckt. Und dort wurde sie dann am zweiten Tag danach gefunden und bei einem Strauch. 11:34 Total verunsichert und nicht mehr alle Sinne beisammen. 11:40 Die Hochzeit wird abgesagt. Anvertrauen kann sich Martha in dieser Zeit 11:49 nicht einmal ihrem Tagebuch. Der Brand in ihr muss so groß gewesen 11:57 sein, dass sie niemandem vertraut hat, niemanden sich anvertraut hat und einfach weggerannt ist. 12:06 Ja, und das hat ihre Seele sicherlich völlig zum Kippen gebracht. 12:11 Martha geht es immer schlechter. Ihre Tagebucheinträge werden immer unglücklicher. 12:20 Verstoßen, gehetzt, Gefroren bis ins Mark. Das war mein Leben. 12:28 Anfang der 1920 er Jahre lässt sie ihr Hausarzt das erste Mal in eine Anstalt einweisen. 12:36 Er vermerkt, dass es in der Familie bereits Fälle gab von sogenannter Geisteskrankheit und Suizid. 12:43 Ein Hinweis, der ihr zum Verhängnis werden wird. Thomas Schillter 12:57 ist Psychiater in Pirna aufgewachsen, lebt heute in Berlin. Schon als Abiturient beginnt er, sich auseinanderzusetzen 13:06 mit einem der grausamsten Kapitel der Medizingeschichte. 55 wurden annähernd 400. 13:12 Unweit der heutigen Berliner Philharmonie steht 1939 die Villa Tiergartenstraße vier. 13:19 Hier werden damals Pläne geschmiedet, die die Ermordung unzähliger Menschen bedeuten, die als unheilbar krank gelten. 13:26 Die Aktion T4, benannt nach der Tiergarten straße vier. Es ist eigentlich unvorstellbar grauenhaft. 13:33 Die Vorstellung, dass Psychiater ihre eigenen Patienten umbringen. Die Grundlage 13:41 Die Ideologie der Rassenhygiene mit dem Ziel, vermeintliche Erbkrankheiten und sogenannten minderwertigen Nachwuchs zu verhindern. 13:54 Und das war der Keim, der schon in der Jahrhundertwende gelegt wurde und der dann durch die Radikalisierung im Nationalsozialismus 14:03 zu der Konsequenz führte, eben zur Aktion T4 und so Morde unter psychisch Kranken. 14:09 Mit Propaganda werden Ängste geschürt. Und Neid erzeugt. 14:17 Der neue Film Erbkrank rechnet bereits 1937 vor, 14:22 welche wirtschaftliche Belastung Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen in den Anstalten 14:29 darstellen. Als im Oktober 1939 14:37 die Planung des systematischen Mordes im Rahmen der Aktion T4 beginnt, ist auch in Pirna beteiligt Hermann Paul Nitsche. 14:46 Er leitet ab 1928 die Anstalt Sonnenstein und er verändert sie. 14:53 Früh schon hat er sich der rassenhygienischen Ideen verschrieben. Wer hat die Zwangssterilisation in Pirna, so Eisenstein, durchgeführt? 15:03 Er hat eine Hungerkost eingeführt für arbeitsunfähige, unheilbare Patienten 15:10 und ging letztlich nach Auflösung daher. Pflegeanstalt Pirna Sonnenstrahl 1939 dann nach Berlin 15:18 zur T4 Zentrale. Die Zentrale fordert Meldebögen zu Anstaltspatienten 15:24 an, die als unheilbar krank gelten. Dazu gehören auch Diagnosen wie Schizophrenie, 15:30 Epilepsie und Demenz. Vor allem die Arbeitsunfähigkeit ist 15:35 ein entscheidendes Kriterium für die T4Ärzte in Berlin. Die bekamen letztlich die Patienten, um die es ging, nie selber zu Gesicht, 15:44 sondern sahen lediglich diese Meldebögen, die dann darüber entschieden, ob derjenige in einer Gaskammer mit Kohlenmonoxid Gas umgebracht 15:53 wurde. Insgesamt entstehen sechs Tötungsanstalten. 15:59 Eine davon in der 1939 geschlossenen Heilanstalt Sonnenstein. Streng geheim in einem abgelegenen Bereich 16:08 beginnt 1940 das massenhafte Morden, verharmlost als Gnadentod. 16:15 Melanie Wahl führt fast täglich Besucher durch den Tötungskeller. 16:23 An dieser Stelle muss ich mal kurz Luft holen, weil ich das das ist. 16:27 Mir kann hier niemand mehr erzählen, dass das in einem guten Gedanken und um eine Erlösung von dem Leid ging oder wie auch immer. 16:35 Also es ist eh schwierig, das bei dieser Menge an Menschen zu sagen, aber spätestens in dem Moment sollte eigentlich jedem klar 16:41 werden, dass das hier nur darum ging, Menschen zu beseitigen. So schnell wie möglich. 16:45 Die sich die nicht dazu gepasst haben. Die Patienten kamen an 16:59 im Glauben, dass sie hier eine Heil und Pflegeanstalt aufgenommen werden und so hat man das auch gestaltet und sind zum Arzt geführt worden. 17:07 Der Arzt hat sie untersucht. Die Ärzte an der Stelle bereits eine Todesursache festgelegt, 17:12 eine gefälschte Todesursache, die man im Nachgang dann den Angehörigen mitgeteilt hat. 17:16 Die Patienten wurden dann in Kellerbereich geleitet, in Warteraum. Da standen Bänke bereit, Handtücher lagen bereit 17:22 und die Patienten mussten sich entkleiden oder wurden entkleidet und sind dann in den nächsten Raum geführt worden. 17:28 Es war eine als Dusche getarnte Gaskammer. Ein Tötungsarzt öffnet den Gashahn 17:35 und beobachtet durch ein Sichtfenster das Sterben. Man hat die Leichen zunächst ausgeräumt. 17:45 Aus der Gaskammer. Die erste Aufgabe dieser sogenannten Leichenbrenner war zu gucken 17:51 Was hat dieser Mensch? Goldzähne, Die wurden Leichen herausgebrochen. Hat man eingeschmolzen, 17:56 und dann wurden die Leichen verbrannt. Ob Leichen, Brenner, 18:03 Tötungsarzt oder Sekretärin das Personal wohnt auf dem Sonnenstein, 18:11 soll möglichst keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Alles soll geheim bleiben. 18:20 Es war ein riesiger Bürokratieapparat. Für jeden Menschen, der hier umgebracht worden ist, wurde ein Trost. 18:25 Brief geschrieben an die Angehörigen mit gefälschten Todesdatum gefälschter Todesursache. 18:31 Auch der Todesort ist falsch, Nachforschungen somit unmöglich. 18:38 Und dann hat man die Menschen hier umgebracht und im Nachgang die Krankenakten im Kurierdienst mitgegeben. 18:43 Die ganze Woche zwischen den Tötungsanstalten und der Zentrale in Berlin unterwegs war 18:48 und die Krankenakten in eine andere Anstalt gebracht hat. Und dann wurde der Tod in einer anderen Anstalt beurkundet. 18:54 Und dann haben die Angehörigen eben aus neben den vielen anderen gefälschten Angaben 18:59 zu den Todesumständen auch noch nicht mal den richtigen Sterbeort erfahren. 13.720 Menschen, 19:07 zumeist mit psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen. Ein Massenmord. 19:13 Dazu kommen mehr als 1000 Häftlinge aus Konzentrationslagern, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht über eigene Gaskammern verfügen. 19:21 Auch sie werden im Sonnenschein ermordet. Der 19-jährige Kevin Bentley gedenkt heute in Pirna, 19:28 der vielen Opfer auf dem Sonnenstein ein Kreuz für einen getöteten. 19:37 Für mich ist es ein Mensch, eine Biografie, eine Geschichte. Die haben, finde ich, eine unglaubliche Macht, 19:42 die sie ausstrahlen, weil sie einfach bunt sind, wie die Menschen, die dort ermordet 19:47 worden sind und wie bunt die Menschheit jetzt noch heute ist. Fester Bestandteil Ihrer Aktion ist eine Gedenkminute für die Opfer. 19:56 Gemeinsam wird aus den Biografien gelesen. Klingen Münster. 20:04 Die Idee zur Gedenkspur hatte der Künstler Christoph Hampel 2002. Umgesetzt wird dieses aktive Gedenken 20:12 von Angela Tomolka von der Aktion Zivilcourage. Mich persönlich berührt das ganz, ganz doll 20:20 und mir ist es wichtig, dass man nicht vergisst, dass man Anteil nimmt. Weil es sind Menschen, die sind schreckliche Dinge passiert. 20:26 Und das ist einfach meine Motivation, dass man immer daran gedenkt, dass sie ausgeliefert waren und teilweise vielleicht auch 20:32 aufgrund ihrer Geisteszustände nicht mal in der Lage waren zu fassen. Was passiert hier mit ihnen? 20:47 Als Martha Caspar in den 1920 er Jahren erstmals 20:50 in eine Anstalt eingewiesen wird, ist sie noch voller Hoffnung. Ihre Spurensuche auf dem Weg. 20:56 Ihre Tante führt Brigitte wie Beelitz nach Groß Schweidnitz. 60 Kilometer von Pirna entfernt. 21:05 Innerhalb von zwei Jahrzehnten wird Martha immer wieder hier eingewiesen 21:10 und hält ihre Gedanken im Tagebuch fest. Durch 21:18 schlechtes Gerede war ich in die Landesanstalt gekommen. Der Herr Doktor hatte mich hingeschafft. 21:24 Es war sehr schön in der Anstalt Groß Schweidnitz bei Löbau. 21:27 Ich werde die Schwestern, alle, die mich dort gepflegt haben, nicht vergessen. Ich bekomme jetzt auch wieder Rente. 21:33 So ist man doch aus der allergrößten Not heraus. Wer so allein in der Welt steht wie ich, der muss froh sein, etwas zu bekommen, 21:41 was einem wenigstens auf die Beine hilft. Irgendwann enden die Tagebucheinträge. 21:54 Marthas Zustand verschlechtert sich immer weiter. Auf dem heutigen Krankenhausgelände führt Maria Febrand 22:04 von der Gedenkstätte Schweidnitz Brigitte wie Beelitz zu Haus. 35, wo ihre Tante zuletzt untergebracht war. 22:13 Das ist eher für unruhige Kranke, die störend waren. Pflegeaufwendig und teilweise auch aggressiv gegenüber anderen Patienten, 22:21 aber auch dem Pflegepersonal, die betreuungsaufwendiger waren, wenn man so will. 22:29 Das ist das Puzzleteil, das in dieser 35 in dieser Station 22:33 die unruhigen und aggressiven Patienten waren. Was mit der Steigerung skomponente bei Martha sich deckt. 22:40 Aufsässig steht da in einem Schriftstück aufsässig und neuerer. Die wird eine besondere Behandlung bekommen haben, 22:49 und wenn sie hier in großen Sälen war oder 8 bis 10 Betten in einem Zimmer neu, dann kann man sich auch vorstellen, wie viele Behandlung sie erworben hat. 22:57 Ich denke eher wenig. Also am Ende 23:00 ist ja dann noch eingetragen in Zustand, also Schizophrenie und Zustand. Dann kann man davon ausgehen, dass nicht mehr therapiert wurde. 23:06 Ja, ja, das mit der Aktion 23:09 T4 wird wohl Schweidnitz zur Zwischenanstalt für Pirna. Sonnenschein. 23:16 Zwischenanstalten waren die Anstalten, die sie Patienten in die Tötungsanstalten weiter verlegten. 23:21 Also eine Zwischenstation sozusagen in den Tod, in die Tötungsanstalten der T4. 23:29 Der Vermerk in ihren Unterlagen, dass ihre psychische Erkrankung erblich und nicht heilbar ist. 23:36 Für Martha Kaspar ist er wohl das Todesurteil. Ein. Das ist das Abgangsbuch. 23:42 Da sind alle Patienten, die die Anstalt verlassen haben, eingetragen. Abgang im Sinne von verstorben oder verlegt? 23:49 Ja, und was? Sie sehen hier diesen Stempel. 23:52 Das sind alles Transporte. Das wär noch mal genau dieser Stempel hier in Sammeltransport Form. 23:58 Der kommt immer wieder an, zeigt die T4 Transporte an! Am zweiten, siebten, 1941 24:06 wird Martha Kaspar mit einem der letzten Sammeltransporte verlegt. Das ist 24:11 im Juli 41, das heißt, die Morde gehen schon ein Jahr und die ersten Gerüchte gibt es schon 1940. 24:19 Und diese Unruhe unter dem Patienten, die ganzen Zwischenverlegung laufen einfach schon so lange, sodass 24:26 sie zumindest mit einem unguten Gefühl ganz sicher es verlassen hat. Für die Aktion T4 werden spezielle Busse eingesetzt, die Fenster blickdicht. 24:36 So fährt Martha mit 26 weiteren Menschen nach Pirna, sollen Stein in den Tod. 24:53 Ein längerer Aufenthalt wie zu Zeiten der Heilanstalt ist nicht vorgesehen. Die Menschen werden meist noch am Tag ihrer Ankunft ermordet. 25:02 Melanie Wahl von der Gedenkstätte Unterwegs zu einem Ort, der ihr besonders nahe geht. 25:08 Hier wurde die Asche der Opfer einfach entsorgt. Wir sind am Fuß des Elbhangs. 25:15 Das ist für uns heute das Gräberfeld, wo menschliche Asche Reste gefunden worden sind und dementsprechend ist es der letzte Ort, 25:23 an dem gleichen sind und der letzte Ort der Menschen umgebracht worden sind. Unbegreiflich, weil das 25:33 schon 100 Jahre lang auch eine Anstaltsdeponie war. Und Deponie ist nun mal eine Müllkippe. 25:38 Und das ist das. Das ist ein Widerspruch, den ich in meinem Kopf nicht zusammenkriegen. 25:44 Die Morde auf dem Sonnenstein enden im August 1941. 25:48 Das systematische Töten in den T4 Anstalten war nicht völlig geheim geblieben, fiel auf. 25:55 Nach Kritik, besonders aus Kirchenkreisen, wird die Aktion offiziell eingestellt. 26:02 Auch wenn in den Anstalten des Reichs weiter mit Überdosierung von Medikamenten oder Nahrungsentzug gemordet wird. 26:09 In Pirna werden Gaskammer und Öfen zurückgebaut, alle Spuren verwischt. 26:16 Nach dem Krieg werden nur wenige der an der Mordaktion Beteiligten zur Verantwortung gezogen. 26:21 Der Partner arzt Hermann Paul Nitsche, mitverantwortlich für die Aktion T4, wird 1948 hingerichtet. 26:32 Wie geht Pirna mit diesem schweren Erbe um und haben Leute gewohnt? 26:37 Haben sie hoch geguckt? Die Bäume, die wir jetzt hier sehen, die waren damals nicht da. 26:42 Mir kann niemand erzählen, dass man das nicht gesehen hat, dass hier irgendwas passiert, 26:45 dass man es nicht gerochen hat, dass man sich da nicht zumindest mal eine Frage stellt Was passiert denn da? 26:52 Nach dem Krieg wird kaum noch über die Verbrechen gesprochen, die in. 26:58 Mit Gründung der DDR beginnt eine neue Ära auf dem Sonnenstein, 27:03 auf dem Gelände der ehemaligen Heil und späteren Tötungsanstalt entsteht ein Großbetrieb und daneben ein Neubaugebiet. 27:10 Hier arbeiten und leben auch Johannes Kegel, Gudrun Gim und Eberhard Walter. Von den Verbrechen, die auf dem Sonnenstein begangen wurden, 27:20 erfährt die Nachkriegsgeneration erst einmal nichts. Und wo jetzt diese Gedenkstätte 27:28 ist, das war innerhalb vom Betrieb, da wo die Verbrennungsöfen gestanden haben, da hatten wir was. 27:35 Hatten wir da, Irgendwelche Unterlagen, Unterlagen, Unterlagen? Es hat keiner gewusst. 27:40 Und ich habe um meine Mutter gefragt, die arbeitete in der Zeit im Krankenhaus. Ich sage, Ihr müsst es doch gewusst haben. 27:48 Hier sind so viele Leute vergast worden und so! Nein, 27:53 im Nachgang. Also es ist schon erschütternd. 28:01 Das Strömungsmaschinen Werk, das sich hier befindet. Es ist nur für Mitarbeiter zugänglich, wenn sie. 28:11 Das ganze Betrieb war rundrum eine dicke Mauer und es gab zwei Eingänge nur dort und es kam auch nicht jeder rein. 28:19 Also das war immer mehr. Wann in Betrieb der ein Stückchen privilegiert war. 28:25 Der VEB fördert auch Freizeitaktivitäten. Im betriebseigenen Videoclub. 28:35 Lernen Sie sich kennen in besonderen Räumen. Unser Filmstudio war untergebracht in dem ehemaligen Schloss. 28:46 Das gehörte zur DDR Zeit mit zum Strömungsmaschinen. Und da hatten wir 28:52 sehr viel und sehr außen ausreichend Räumlichkeiten. Wir hatten auch einen Saal, wo man drehen konnte. 28:59 Es war eigentlich alles da. Nicht die Industrie, 29:04 sondern Kunst und Kultur sind ihre Lieblingsthemen. Mit der Kamera begleiten Sie so auch den Wiederaufbau 29:10 der Dresdner Semperoper. Und Ihr Zuhause ist damals das Neubaugebiet, 29:19 das ab den 1950 er Jahren auf dem Sonnenstein entsteht. Für Tausende Arbeiter des Werkes und der Wismut. 29:27 Die Hochhäuser des Sonnensteins sind immer noch weithin sichtbar, und auch heute freuen sie sich, wenn sie in ihrem alten Wohnviertel 29:35 neue, spektakuläre Blicke entdecken. Also ich habe mal vom Zaun von 29:43 dem roten dorthin, um von dort aus fotografiert. Früher aber jetzt hier oben unter Dach Premiere. 29:52 Ich will. Über die letzten Jahrzehnte 29:54 haben die Freunde erlebt, wie sich der Sonnenstein ständig wandelt. Ein 17 Geschosse wird demnächst umgebaut, ein anderer bald abgerissen. 30:05 Ihren Betrieb. Die Strömungsmaschinen gibt es schon lange nicht mehr. 30:09 Wie viele Betriebe in Pirna hatte die Wende nicht überlebt? Halt, finden Sie im Video Club. 30:16 Doch auch der ist in den Neunzigern in Gefahr. Nach der Wende mussten wir ja nur 30:21 zusehen, wie wir weiter arbeiten konnten. Wir wollten zu der Zeit noch nicht aufgeben. 30:28 Also das kam nie in Frage. Sie gründen sich als Verein aus dem Studio. 30:34 Im Schloss müssen Sie ausziehen, doch mit der Kamera dokumentieren Sie den Wandel des Gebäudes, 30:39 dessen Zustand sich in den 1990 er Jahren immer weiter verschlechtert hat. Aus den verfallenden Schloss 30:47 wird das neue Landratsamt. In einer unwahrscheinlich kurzen Bauzeit von etwas über zwei Jahren ist 30:58 dieses Riesenprojekt vollendet worden und 2011 im November eröffnet worden. Und da könnten wir dann den Film, den wir darüber gedreht haben, hinein prägen. 31:08 Und ich denke, das war ein Abend, der niemand vergessen kann, der an alle erleben durfte. 31:15 Heute ist der Sonnenstein ein Ort, der Einheimische und Touristen anzieht. 31:21 Der Ausblick atemberaubend. Künstler kommen hierher, 31:29 wenn der Skulpturensommer stattfindet. Immer wieder sind auch Exponate dabei, 31:37 die an die dunkelste Zeit des Sonnensteins erinnern. Es war ein langer Weg, bis in Pirna 31:44 der Mantel des Schweigens gelüftet werden konnte. Berlin Von Thomas Schildt, 31:55 der zur Aktion T4 forscht, ist in Pirna aufgewachsen und arbeitet heute als Psychiater im Stadtteil Lichtenberg. 32:04 In der Wendezeit hat er das erste Mal von den sogenannten Krankenmorden. Dass in meiner Heimatstadt so etwas passiert war, 32:12 also in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Und vor allem, dass niemand in Pirna davon wusste. 32:18 Das hat mich erschüttert und angespornt. Pirna In den 1990 32:25 er Jahren Viele Menschen sorgen sich um die Zukunft. Thomas Schäfer lässt die Vergangenheit keine Ruhe. 32:33 Als Medizinstudent läuft er von Haustür zu Haustür, spricht mit älteren Menschen. Das Erstaunliche war für 32:40 mich, dass diese Pirna relativ offen reagierten, wenngleich sie auch deutlich machten, dass sie einfach aus Angst 32:49 vor dem Regime sich nicht trauten, etwas dagegen zu unternehmen. Und viele hatten die Busse gesehen, die die Patienten nach 32:57 Sonnenschein brachten, hatten diesen schwarzen Rauch gesehen. Es gab also Gerüchte. 33:04 Mein Eindruck war, wer es wissen wollte, der konnte schon auch wissen. 33:11 Dennoch bleiben die Morde auch nach dem Ende des Nationalsozialismus jahrzehntelang ein Tabu. 33:19 Ich sehe da eine gewisse Parallele. Auch Menschen, die an posttraumatischer Belastungsstörung 33:24 leiden, verdrängen oft das grauenhafte, was sie eben nicht ertragen können und vergessen es gewissermaßen. 33:32 Aber nach einer gewissen Zeit kommt es dann eben doch wieder hoch und löst Panikattacken, Stress und Angst aus. 33:40 Und das ist dann eine Form der Therapie, diese schlimmen Erfahrungen zu integrieren und wieder ins Leben zurück zu holen. 33:48 Und auch die Stadt Pirna brauchte so eine Therapie letztlich, um diese schlimmen Ereignisse einfach wieder ins Gedächtnis zu rufen 33:57 und zu verarbeiten. Nach der Wende soll ein Gedenkort geschaffen werden, 34:03 am besten in dem Gebäude, in dem sich die Tötungsanstalt befand. Doch wo genau fanden die Morde statt? 34:11 Die Täter hatten ihre Spuren vertuscht. Der Großbetrieb in der DDR Alles umgebaut. 34:19 Engagierte Bürger gründen das Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein. 34:24 Unter ihnen auch der Historiker Boris Böhm. Eine aufwendige Spurensuche beginnt. 34:35 Wir hatten eine Zeitzeugenaussage. Wir hatten ein paar Hinweise von der Bevölkerung gehabt, 34:43 aber es gab keine absolute Sicherheit, in welchem der vier Gebäude sich tatsächlich die Tötungseinrichtungen befunden haben. 34:52 Und das Geheimnis ist hier vom Dachgeschoss in Richtung Keller gelüftet worden. 34:58 1940 soll es einen Schornstein Brand gegeben haben. Am Dachstuhl findet ein Experte tatsächlich Rauchspuren 35:06 und die Reste eines Schornsteins. Im Keller können schließlich 35:11 die Fundamente der Verbrennungsöfen und die Gaskammer freigelegt werden. Im Jahr 2000 eröffnet die Gedenkstätte. 35:20 Boris Böhm wird ihr Leiter und widmet sich ganz der Geschichte der Heil und Tötungsanstalt. 35:27 Das Frappierende war eben doch, dass ein in Anführungsstrichen ganz normales Gedankengebäude, was um 1900 gebaut 35:34 und wo ja nie ein Mensch irgendwo gedacht hat, 35:37 dass hier mal etwas Schlimmes mit diesen Menschen passieren kann, dass dieses Gebäude innerhalb weniger Wochen 35:42 dann sozusagen zu einem Tötungsgebäude für eben diese Menschen umgebaut wurde. Das zeigt es nochmal besonders krass, wie sich Psychiatrie 35:50 in schlimmster Weise gewandelt hatte. Die Gruppe 35:57 der Aktiongedenksprühen ist inzwischen auf dem Sonnenstein angelangt. Auch hier müssen die Kreuze immer wieder erneuert werden. 36:07 Gedenken kann nie abgeschlossen sein. Was hat für mich persönlich was mit Verantwortung zu tun? 36:12 Ich muss Verantwortung für die. Ich habe unbedingt die Verantwortung für die Vergangenheit. 36:16 Aber ich trage Verantwortung für die Zukunft und. Deshalb finde ich es wichtig, 36:20 ja Gedenken zu erhalten und immer weiter fortzuführen. Vor allem Schüler finden über diese Art des Gedenkens 36:26 einen Zugang zu dem schweren Thema. Aber auch für Thomas K ist es eine Art, sich auszudrücken. 36:35 Er ist gerade dazugestoßen. Wie mit Menschen, die Einschränkungen haben, umgegangen wird. 36:41 Das treibt ihn um. Aber Mensch bleibt einfach ein Mensch, 36:46 egal wie er halt physisch beschaffen ist. Einfach seine Aura und seinen Geist. 36:56 Carcetti charakterisiert jeden nur für einzigartig weise. 37:02 Jeder Mensch ist einzigartig. Jawohl, Gleichberechtigt bin ich. 37:09 Jeden Menschen individuell zu unterstützen, das wird heute auf dem Sonnenstein gelebt. 37:14 Direkt neben der Gedenkstätte befinden sich die Pirna Werkstätten, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung. 37:22 Hier arbeitet auch Thomas Gass in der Zeit nach einem Schicksalsschlag. 37:27 Der studierte Umwelttechniker war eine Treppe heruntergestürzt. Ich hatte 37:33 drei Monate lang Schädelhirntrauma und mein Gedächtnis 37:40 ist extremst mangelhaft. Also du bist so ein bisschen durch. 37:50 Das Leben, Walter. Für ihn ist die Werkstatt auf dem Sonnenstein ein Start. 37:58 Heute ist er nur noch selten hier, arbeitet inzwischen auf einem sogenannten Außenarbeitsplatz beim Landesvermessungsamt. 38:06 Digitalisiert er Bücher in. Weiß auch 38:11 nicht, was das bringt und ist so ein bisschen neugierig. Also gefällt mir gut. 38:19 Es ist ein Riesenfortschritt. Unterstützt wird er auf seinem Weg von Thomas Beltz. 38:26 Er bemüht sich, Menschen in reguläre Arbeitsverhältnisse zu integrieren. 38:32 Doch nicht für alle ist dieser Weg geeignet. Einige fühlen sich in der Werkstatt gut aufgehoben. 38:43 Für viele ist das hier ein Platz, wo sie sich wohlfühlen und wo sie die Sicherheit haben, hier auch herkommen zu können und zu wollen und 38:49 sich einfach hier wohlfühlen. Auch Thomas Pilz 38:54 hat hier seine berufliche Heimat gefunden. Ich komme ja ursprünglich 39:01 schon aus dem technischen Bereich und habe die Erfahrung sammeln dürfen durch meinen Zivildienst, dass das für mich schon 39:07 etwas beglückend ures ist, für Menschen zusammenzuarbeiten, sodass ich immer noch nach 18 Jahren 39:11 noch Spaß an dieser Arbeit habe und das als was sehr Sinnstiftendes erlebe. Auf seiner täglichen Runde 39:17 schaut Thomas Pilz auch immer wieder in dem Bereich vorbei, in dem Menschen mit stärkeren Einschränkungen betreut werden. 39:26 Sollen, schreiben die Leute gemeinsam in den Tag hinein. 39:32 Thomas Pilz ist auch Teil des Kuratoriums. Sonnenstein setzt sich für das Gedenken ein 39:37 an das dunkelste Kapitel des Sonnensteins. Aber auch an die Zeit davor und 39:44 für viele ist es unvorstellbar, dass man nun gerade an diesem Ort so eine Werkstatt betreibt. 39:49 Wir von unserer Seite her sehen das also genau richtig, dass hier Menschen wieder arbeiten können, also Menschen mit Behinderung. 39:57 Ja, hängt schon auch ein bisschen mit der Tradition dieses Ortes zusammen. Es war ja hier früher Versorgungs Heilanstalt 40:02 und der Doktor hatte damals ja schon sehr, sehr fortschrittliche Ansätze für damalige Zeiten. 40:08 Und genau deswegen, denke ich, ist es gut, dass an diesem Ort auch wieder gearbeitet wird 40:12 und dass hier wieder ein Platz gefunden wurde für Menschen mit Behinderung. 40:17 Und es ist für uns jetzt auch ein Ort, wo eben nicht nur gearbeitet wird, sondern wo auch Feste gefeiert werden, 40:22 wo eben ein ganz normales Leben stattfindet. Brigitte 40:29 Beelitz möchte Frieden machen mit der eigenen Familiengeschichte. Ihre Tante Martha kommt am 2. 40:35 Juli 1941 in einem Bustransport aus Groß Schweidnitz auf dem Sonnenstein an. 40:42 Mehr als acht Jahrzehnte sind vergangen. Sich gefragt hatte, war. 40:45 In den Bussen von Kevin Bente erfährt sie, was Martha in den letzten Stunden ihres Lebens widerfahren ist. 40:53 Das ist die ehemalige Busgarage. Dort hat man die Busse untergestellt, die 40:59 ja die Patienten in die Tötungsanstalt gefahren haben. Da haben ungefähr drei Busse Platz gehabt. 41:05 Das wurde 1941 auch noch mal umgebaut, diese Busgarage, um es da noch effizienter zu gestalten. 41:17 Und dann ist das aber nicht weitergegangen durch diesen Frontschreitenden. Nur wenige Schritte entfernt, im Haus 16, 41:23 wurde Martha bei ihrer Ankunft von den Ärzten untersucht. Die Ärzte räume, wo die Patienten nach ihrer 41:29 Ankunft noch mal untersucht worden sind, einfach um zu prüfen, ob die Ärzte haben die Person identifiziert plausibel Sterbeursache gefunden. 41:37 Und dann sind die relativ direkt weiter in den Waschraum, 41:43 genau in die Waschraum gekommen und dann in die Gaskammer. Und dann wurde der Modus. 41:49 Ja, der Kontakt mit den Angehörigen gehört für den 19-jährigen zu den intensivsten Momenten im freiwilligen Jahr gewesen. 41:57 Und es hat sie vielleicht auch ein bisschen reifer und älter gemacht. Ja, ja. 42:01 Weil wenn der Mensch sich so mit mit so großen Problemen belastet, dann wird da also bestimmt auch ein anderer. 42:08 Ja, ich glaube auch, dass es. Ja, es ist schon sehr sitzt jetzt tief bei Ihnen durchaus. 42:20 Der Weg in den Tötungskeller hin zur Normalität, bei der nie. 42:33 Für Brigitte wie Beelitz endet hier ihre Reise. 42:40 Ihre Tante Martha Caspar wird in der Gaskammer ermordet. Im Alter von 47 Jahren. 42:49 Auf einer Tafel erinnern 14.751 Namen an die Menschen, die hier ihr Leben verloren. 42:57 Menschen wie Martha Caspar .meine Verwandte, 43:03 bei denen haben, die mussten zu klein geschrieben werden, weil es einfach so viele Tausende 43:09 sind. Ja. Von. Sonne 43:32 und Wärme. Sehr großer Kontrast. Ja. 43:39 Auf ihrer Reise ist Brigitte Weblitz ihrer Tante näher gekommen. 43:45 Wenn ich ganz ehrlich bin, dann denke ich manchmal. Ah, hätte sie doch zu meiner Zeit gelebt. 43:50 Also ich hätte ihr bestimmt 1000 Mal geholfen, als dieser Klemme und aus dieser schlechten Situation herauszukommen. 43:57 Ich hätte ihr helfen wollen. In jedem Fall. Ob ich es gekonnt hätte, ist eine andere Frage. 44:02 Und ich habe so ein bisschen spinnerisch gesagt, wenn wenn da oben 1000 Sterne oder oder Millionen kleine Seelen noch irgendwo sein sollten, 44:12 dann wird sie das wohl mitbekommen haben, dass wir uns noch mal so um sie gesorgt und gekümmert haben und sie jetzt unser ist.