Informatik · Klasse 6–10 · aktualisiert
Latenz einfach erklärt: Messung und Ursachen
Du lernst, was Latenz und Ping sind, wie sie sich von Bandbreite, Durchsatz und Jitter unterscheiden und warum Daten im Netz verzögert werden.
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Kurz gesagt
Latenz ist die Verzögerung, also die Zeit, die Daten im Netz unterwegs sind. Die Round Trip Time (RTT) zählt Hin- und Rückweg zusammen, ein Ping misst sie meist. Bandbreite, Durchsatz und Jitter sind andere Größen. Ursachen für Latenz sind etwa Entfernung, Router und Warteschlangen.
Du schickst eine Nachricht oder startest ein Online-Spiel, und es dauert einen Moment, bis etwas passiert. Diese Wartezeit hat einen Namen: Latenz. Hier lernst du, wie man sie misst, wie sie sich von der Geschwindigkeit einer Leitung unterscheidet und woher sie kommt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Latenz bedeutet Verzögerung. Gemeint ist die Zeit zwischen einem Ereignis und dem Ereignis, das danach erwartet wird. Im Netz fragst du: Wie lange sind die Daten unterwegs? Eine solche Zeit kann man in Millisekunden (ms) angeben. Eine Millisekunde ist ein Tausendstel einer Sekunde. Statt Latenz sagt man auch Latenzzeit.
Ein Datenpaket ist ein kleines Stück Daten, das durch das Netz geschickt wird. Die Round Trip Time (RTT, auf Deutsch Paketumlaufzeit oder „Rundreisezeit“) ist die Zeit, die ein Datenpaket von der Quelle zum Ziel und zurück braucht. Sie ist die Summe aus Hinweg und Rückweg. Die Zeit nur für eine Richtung zu messen, ist schwerer, weil dafür beide Geräte eine abgestimmte Uhrzeit bräuchten. Die RTT braucht das nicht. Deshalb wird sie in der Praxis viel häufiger gemessen.
Das Werkzeug Ping prüft, ob ein bestimmter Rechner im Netzwerk erreichbar ist. Die meisten heutigen Ping-Programme zeigen auch eine Zeit an: Sie schicken ein Paket los und messen, bis die Antwort zurückkommt. Im Alltag sagt man deshalb oft einfach „Ping“ für die RTT.
Es gibt eine kleinstmögliche RTT. Dafür teilst du die Entfernung durch die Übertragungsgeschwindigkeit und rechnest mal zwei, weil das Paket hin und zurück läuft. Ein gemessener Ping-Wert kann höher sein. Er enthält nämlich mehr als die reine Laufzeit des Signals: auch die Verarbeitungszeit in den Routern auf dem Weg (Geräte, die Pakete weiterleiten) und die Verarbeitung im Absende- und im Zielrechner. Bei hoher Auslastung kommen Warteschlangen in den Routern dazu. Manchmal läuft eine Verbindung auch nicht auf dem direkten Weg.
Teile die RTT nicht einfach durch zwei, um die Zeit für eine Richtung zu bekommen. Hin- und Rückweg können unterschiedlich lang dauern, und der Rückweg muss nicht dieselbe Strecke nehmen. Außerdem wird Ping in vielen Netzen anders behandelt als üblicher Datenverkehr.
Definition
Round Trip Time (RTT)
Die RTT ist die Zeit, die ein Datenpaket von der Quelle zum Ziel und zurück braucht. Sie ist die Summe aus Hinweg und Rückweg.
Beispiel: Berlin–Tokio: minimale Zeit bei einer Annahme und Praxis
- 1Entfernung Berlin–Tokio: 8941,2 km
- 2Angenommene Geschwindigkeit: etwa 150.000 km/s. Das ist ein realistischerer Wert, der die langsamere Lichtgeschwindigkeit in Glasfaser und Verzögerungen an Umsetzstationen, Routern und Switches schon berücksichtigt.
- 38941,2 km : 150.000 km/s ≈ 0,0596 s für eine Richtung
- 4Mal 2 für Hin- und Rückweg: ≈ 0,119 s, also unter dieser Annahme eine minimale Pingzeit von etwa 120 ms
- 5In der Praxis ergeben sich Laufzeiten von etwa 200 bis 300 ms, weil manche Verbindungen von Europa nach Asien über die Vereinigten Staaten geroutet werden.
Merke: Ein Ping-Wert ist meist die RTT: Hin- und Rückweg zusammen. Er kann höher sein als die kleinstmögliche Zeit, weil Router, Warteschlangen und Umwege Zeit kosten.
Teste dich
Latenz fragt: Wie lange dauert es? Die anderen drei Begriffe fragen etwas anderes.
Die Datenübertragungsrate (auch Datenrate) sagt, wie viele Daten in einer Zeitspanne über einen Übertragungskanal gehen. Sie wird in Bit pro Sekunde (bit/s) angegeben, zum Beispiel in kbit/s, Mbit/s oder Gbit/s. Ein Bit ist eine einzelne 0 oder 1. Die Datenrate ist nicht immer gleich. Sie hängt zum Beispiel von der Leitung und der Netzlast ab.
Manche sagen „Bandbreite“, wenn sie die Datenrate meinen. Das ist sprachlich nicht exakt. Fachlich ist die Bandbreite eine Kenngröße aus der Signalverarbeitung: der Abstand zwischen einer unteren und einer oberen Grenze im Frequenzbereich eines Kanals. Mehr über Frequenzen musst du hier nicht wissen. Für einen Übertragungskanal gilt aber: Je größer die Bandbreite, umso mehr Daten können pro Zeitspanne übertragen werden.
Der Durchsatz ist die Menge an Daten, die in einem bestimmten Zeitraum von einem Ort zum anderen transportiert wird. Beim Datendurchsatz zählen nur die reinen Nutzdaten. Bei der Datenübertragungsrate zählen auch eventuelle Steuerdaten mit.
Jitter beschreibt, wie stark die Laufzeit von Datenpaketen schwankt. Das stört vor allem bei Internetradio und Internettelefonie, weil Pakete zu spät oder zu früh eintreffen können. Ein Jitterbuffer (ein spezieller Datenpuffer) verringert den Effekt, kostet aber zusätzliche Laufzeit.
Definition
Jitter
Jitter ist die Varianz der Laufzeit von Datenpaketen. Das heißt: Wie stark die Laufzeiten voneinander abweichen.
| Begriff | Die Frage dazu | Hinweis |
|---|---|---|
| Latenz | Wie lange sind die Daten unterwegs? | Eine Zeit, zum Beispiel in ms |
| Datenrate | Wie viele Daten pro Zeitspanne? | Zum Beispiel in Mbit/s; eventuelle Steuerdaten zählen mit |
| Durchsatz | Wie viele Daten werden in einem bestimmten Zeitraum transportiert? | Beim Datendurchsatz nur Nutzdaten |
| Jitter | Wie stark schwankt die Laufzeit der Pakete? | Stört bei Internetradio und Internettelefonie |
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Eine Verzögerung kann mehrere Ursachen haben, die sich zusammensetzen. Man teilt Verzögerungen in vier Arten ein.
Die Ausbreitungsverzögerung entsteht, weil Signale für den Weg durch Leitungen oder Luft Zeit brauchen. Es gilt: Strecke im Medium geteilt durch Ausbreitungsgeschwindigkeit. Als Faustregel kann man 5 Mikrosekunden pro Kilometer annehmen. Tausend Mikrosekunden sind eine Millisekunde. Je weiter die Entfernung, desto größer dieser Anteil. Durch die Wahl einer anderen Strecke lässt er sich in Grenzen beeinflussen.
Die Verarbeitungsverzögerung ist die Zeit, die ein Gerät braucht, um das Signal weiterzuverarbeiten, zum Beispiel ein Router. Mit mehr Rechenleistung kann sie kleiner werden.
Die Serialisierungsverzögerung ist die Zeit, die nötig ist, um eine Dateneinheit komplett auf das Medium zu schicken. Es gilt: Datenmenge geteilt durch Datenrate.
Die algorithmische Verzögerung entsteht durch das Rechenverfahren (den Algorithmus), das zur Verarbeitung oder Übertragung verwendet wird. Sie ändert sich nur, wenn man das Verfahren ändert.
Dazu kommen Warteschlangen: Auf Verbindungen mit hoher Auslastung erhöhen sich die Zeiten durch Sendewarteschlangen in den Routern. Pakete müssen dann warten, bis sie an der Reihe sind. Auch ein Umweg verlängert die Zeit: So laufen manche Verbindungen von Europa nach Asien über die Vereinigten Staaten.
| Art | Woher kommt sie? | Hinweis |
|---|---|---|
| Ausbreitung | Das Signal läuft durch Leitung oder Luft | Strecke : Geschwindigkeit; Faustregel 5 Mikrosekunden pro km |
| Verarbeitung | Ein Gerät, zum Beispiel ein Router, verarbeitet das Signal | Mehr Rechenleistung kann sie verringern |
| Serialisierung | Eine Dateneinheit wird komplett auf das Medium geschickt | Datenmenge : Datenrate |
| Algorithmisch | Das verwendete Rechenverfahren | Nur durch ein anderes Verfahren änderbar |
Merke: Latenz entsteht durch Entfernung, Verarbeitung in Geräten, das Auf-die-Leitung-Schicken und Warten in Warteschlangen. Es können mehrere Ursachen zusammenwirken.
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Alles auf einen Blick
Latenz
Latenz
Verzögerung, also die Zeit, die Daten im Netz unterwegs sind
RTT
Hinweg plus Rückweg eines Pakets; ein Ping zeigt sie meist an
Ping-Wert
kann höher sein als die kleinstmögliche Zeit, durch Router, Warteschlangen und Umwege
Abgrenzung
Datenrate ist Menge pro Zeit, Durchsatz zählt nur Nutzdaten, Jitter ist die Schwankung der Laufzeit
Ursachen
Ausbreitung, Verarbeitung, Serialisierung, Algorithmus und Warteschlangen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Zwei Anteile einer Verzögerung berechnen (ausgedachtes Beispiel)
- 1Ausgedacht: Ein Paket mit 8.000 bit wird über 600 km geschickt. Die Datenrate beträgt 2 Mbit/s, das sind 2.000.000 bit/s.
- 2Serialisierung: Datenmenge : Datenrate = 8.000 bit : 2.000.000 bit/s = 0,004 s = 4 ms
- 3Ausbreitung mit der Faustregel 5 Mikrosekunden pro km: 600 km · 5 Mikrosekunden = 3.000 Mikrosekunden = 3 ms
- 4Beide Anteile gehören zur Verzögerung: 4 ms + 3 ms = 7 ms
- 5Router und Warteschlangen kämen noch dazu. Sie sind hier nicht berechnet.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu einem Ping von 60 ms (ausgedachtes Beispiel) In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Das Halbieren der RTT ist ein Fehlschluss. Richtig: Hin- und Rückweg können unterschiedlich lang dauern, die halbe RTT ist nicht unbedingt eine gute Näherung für eine Richtung.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der Jitter beschreibt, wie stark die Laufzeit von Datenpaketen . Beim Datendurchsatz zählen nur die . Für die Ausbreitung nimmt man als Faustregel 5 Mikrosekunden pro an.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback