Informatik · Klasse 10–13 · aktualisiert
OSI-Modell: 7 Schichten einfach erklärt
Du lernst die sieben Schichten des OSI-Modells kennen, verfolgst einen Webaufruf durch die Schichten und ordnest Protokolle den Schichten zu.
0 von 11 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Das OSI-Modell teilt die Kommunikation in sieben übereinanderliegende Schichten mit jeweils eng begrenzten Aufgaben ein. Von oben nach unten: Anwendung, Darstellung, Sitzung, Transport, Vermittlung, Sicherung, Bitübertragung. Beim Senden wird gekapselt, beim Empfang entkapselt.
Wenn du eine Webseite öffnest, schickt dein Gerät eine Anfrage los und bekommt eine Antwort zurück. Das OSI-Modell teilt diese Arbeit in Schichten auf. Damit kannst du nachvollziehen, wo Ethernet, IP, TCP oder HTTP ihren Platz haben.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Das OSI-Modell teilt die Kommunikation in sieben übereinanderliegende Schichten ein. Jede Schicht hat eng begrenzte Aufgaben. Schicht 1 ist die unterste Schicht, Schicht 7 liegt am anderen Ende. Der Abstraktionsgrad der Funktionalität nimmt von Schicht 1 bis zur Schicht 7 zu.
Jede Schicht nutzt für ihre Aufgabe die Dienste der Schicht direkt darunter. Der Datenfluss läuft daher senkrecht durch die Schichten. Zwei Rechner, die miteinander kommunizieren, halten sich auf derselben Schicht an festgelegte Regeln. Diese Regeln heißen Protokoll.
Schicht 1, die Bitübertragungsschicht, überträgt Bits über physische Verbindungen, zum Beispiel als elektrische Signale, optische Signale oder elektromagnetische Wellen. Schicht 2, die Sicherungsschicht, soll eine weitgehend fehlerfreie Übertragung gewährleisten und den Zugriff auf das Übertragungsmedium regeln. Dazu teilt sie den Bitdatenstrom in Blöcke auf (Frames, auf Deutsch Rahmen) und fügt Prüfsummen hinzu. Mit den Prüfsummen kann der Empfänger fehlerhafte Blöcke erkennen und verwerfen oder korrigieren.
Schicht 3, die Vermittlungsschicht, sorgt bei paketorientierten Diensten für die Weitervermittlung von Datenpaketen. Dazu gehört die Wegsuche (Routing) zwischen den Netzwerkknoten. Zu den wichtigsten Aufgaben zählen auch netzwerkübergreifende Adressen. Schicht 4, die Transportschicht, hat unter anderem die Aufgaben Segmentierung des Datenstroms, Stauvermeidung und Sicherstellung einer fehlerfreien Übertragung.
Schicht 5, die Sitzungsschicht, führt Wiederaufsetzpunkte ein. An ihnen kann die Sitzung nach einem Ausfall einer Transportverbindung wieder synchronisiert werden. Schicht 6, die Darstellungsschicht, setzt die systemabhängige Darstellung der Daten (zum Beispiel ASCII) in eine unabhängige Form um. Auch Datenkompression und Verschlüsselung gehören zur Schicht 6. Schicht 7, die Anwendungsschicht, stellt Funktionen für die Anwendungen zur Verfügung. Die Anwendungen selbst, etwa Webbrowser oder E-Mail-Programm, gehören nicht zu dieser Schicht.
Definition
OSI-Modell
Ein Modell, das die Kommunikation in sieben übereinanderliegende Schichten mit jeweils eng begrenzten Aufgaben einteilt.
| Schicht | Name | Kernaufgabe |
|---|---|---|
| 7 | Anwendung | Stellt Funktionen für die Anwendungen zur Verfügung |
| 6 | Darstellung | Setzt Darstellung (z. B. ASCII) in unabhängige Form um; auch Kompression, Verschlüsselung |
| 5 | Sitzung | Wiederaufsetzpunkte, damit eine Sitzung nach einem Ausfall wieder synchronisiert werden kann |
| 4 | Transport | Unter anderem Segmentierung, Stauvermeidung, Sicherstellung einer fehlerfreien Übertragung |
| 3 | Vermittlung | Weitervermittlung von Datenpaketen, Wegsuche (Routing), netzwerkübergreifende Adressen |
| 2 | Sicherung | Weitgehend fehlerfreie Übertragung, Frames mit Prüfsummen, Zugriff auf das Medium |
| 1 | Bitübertragung | Überträgt Bits über physische Verbindungen |
Beispiel: Ein Brief in der Firma (Analogie)
- 1Ein Firmenmitarbeiter spricht seine Nachricht auf ein Diktiergerät. Er entspricht dem Anwendungsprozess.
- 2Sein Assistent bringt die Nachricht auf Papier: Darstellungsschicht.
- 3Der Sekretär wickelt den Versand verwaltungstechnisch ab: Sitzungsschicht.
- 4Der Hauspostmitarbeiter bringt den Brief auf den Weg: Transportschicht.
- 5Die Briefpost klärt, welche Übertragungswege bestehen: Vermittlungsschicht.
- 6Die Verteilstelle gibt den Brief weiter: Sicherungsschicht.
- 7Der Empfänger durchläuft alles in umgekehrter Reihenfolge. Die Analogie zeigt nicht, wie das OSI-Modell Fehler prüft und behebt.
Teste dich
Du rufst eine Webseite auf. Der Browser fordert sie beim Webserver an, und der Webserver sendet sie auf Anforderung an den Browser zurück. Anforderung und Senden laufen über das gemeinsame Protokoll HTTP.
Beim Senden fügt jedes Protokoll den Daten Steuerinformationen hinzu, bevor es sie dem nächsttieferen Protokoll übergibt. Das nennt man Kapselung (Verpacken). Sie läuft abwärts. Die Steuerinformationen stehen im Header. Deshalb trägt eine Nachricht auf der Leitung sämtliche Header der darüberliegenden Schichten.
Auf Schicht 4 wird der Datenstrom in Datensegmente zerlegt. Das heißt Segmentierung. Jedes Segment wird mit einer Quell- und Zielportnummer adressiert. Ein Port ist die Ansprechstelle für eine Anwendung auf einem Rechner. Auf Schicht 3 wird das Segment in ein Datenpaket gekapselt, das mit einer IP-Adresse adressiert wird. Die IP-Adresse identifiziert den Rechner. Auf Schicht 2 wird das Paket in einen Datenframe gekapselt, der mit einer MAC-Adresse versehen wird. Schicht 1 wandelt die Frames in das physische und binäre Zahlensystem um, also in Nullen und Einsen.
Beim Empfang läuft es umgekehrt, also aufwärts. Das ist die Entkapselung (Dekapselung). Schicht 1 erhält Nullen und Einsen und formt daraus wieder einen Frame. Jedes Protokoll entfernt die Steuerinformationen, die nur für dieses Protokoll bestimmt sind, und übergibt die verbliebenen Daten dem nächsthöheren Protokoll. Schicht 4 erkennt an der Portnummer, an welchen Dienst der Inhalt des Segments adressiert ist.
Pakete, die unterwegs von einem Knoten weitervermittelt werden, gelangen nicht in die höheren Schichten. Sie bekommen ein neues Zwischenziel und werden an den nächsten Knoten gesendet. Das Beispiel unten zeigt nur die Verschachtelung, keine echten Bytes. Die Ebenen von „TCP/IP über Ethernet“ entsprechen außerdem nicht exakt dem OSI-Modell.
Definition
Kapselung
Beim Senden werden die Daten von jedem Protokoll um Steuerinformationen (Header) ergänzt und dann an das nächsttiefere Protokoll übergeben.
Beispiel: Anfrage des Browsers an den Webserver
- 1Schicht 7: die HTTP-Daten, also die Anfrage nach der Webseite
- 2Schicht 4: ein TCP-Segment um die HTTP-Daten, mit Quell- und Zielportnummer
- 3Schicht 3: ein IP-Paket um das TCP-Segment, adressiert mit einer IP-Adresse
- 4Schicht 2: ein Ethernet-Frame um das IP-Paket, versehen mit einer MAC-Adresse
- 5Schicht 1: der Frame wird in das physische und binäre Zahlensystem umgewandelt, also in Nullen und Einsen
Merke: Kapselung läuft abwärts von Schicht 7 nach Schicht 1, Entkapselung läuft aufwärts.
Teste dich
Ethernet und WLAN ordnet man der Schicht 2 (Sicherung) zu. WLAN heißt in der Norm IEEE 802.11 und steht in der Übersichtstabelle bei Schicht 2. Das Ethernet-Protokoll beschreibt sowohl Schicht 1 als auch Schicht 2. WLAN setzt direkt auf Schicht 1 auf, ist aber nicht selbst Schicht 1. Beide arbeiten mit Frames.
Das Internet Protocol (IP) ist die Implementierung der Vermittlungsschicht, also Schicht 3. IP ist verbindungslos: Jedes einzelne Datenpaket wird unabhängig behandelt. Für ein Paket gibt es keine Garantie, dass es überhaupt ankommt. Ein Router ist ein Knoten, der IP-Pakete weiterleitet.
TCP (Transmission Control Protocol) und UDP (User Datagram Protocol) gehören zur Transportschicht, Schicht 4. Beide verwenden Ports. Bei TCP gilt: Geht bei einer TCP-Verbindung ein Paket verloren, wird es automatisch neu angefordert. UDP gibt dagegen keine Garantie, dass ein gesendetes Paket ankommt oder dass Pakete in der gesendeten Reihenfolge ankommen. Wird bei UDP eine Prüfsumme mitgesendet, können fehlerhaft übertragene Datagramme erkannt und verworfen werden.
HTTP und DNS gehören zur Anwendungsschicht, Schicht 7. Die Anwendungsschicht stellt unter anderem Namensauflösung (DNS) und Internet-Kommunikations-Dienste (HTTP/HTTPS) zur Verfügung. Über DNS wird die IP-Adresse des Empfängerrechners automatisch ermittelt.
Beachte: Die Protokolle von TCP/IP entsprechen nicht exakt dem OSI-Modell. Funktionen sind teilweise über Schichten hinweg vermengt.
Definition
verbindungslos
Ein verbindungsloses Protokoll baut vorher keine Verbindung auf. Bei den Kommunikationspartnern wird kein Zustand etabliert. IP und UDP sind verbindungslos.
| Protokoll | Schicht | Aufgabe |
|---|---|---|
| Ethernet | 2 Sicherung (beschreibt auch 1) | Übertragung in Frames |
| WLAN (IEEE 802.11) | 2 Sicherung | Übertragung in Frames |
| IP | 3 Vermittlung | Adressierung per IP-Adresse, Weitervermittlung |
| TCP | 4 Transport | Verlorene Pakete werden automatisch neu angefordert |
| UDP | 4 Transport | Verbindungslos, ohne Garantie für die Ankunft |
| HTTP | 7 Anwendung | Webseiten anfordern und senden |
| DNS | 7 Anwendung | Namensauflösung |
Beispiel: Zwei Anwendungen im Vergleich
- 1Bei Spielen und IP-Telefonie ist eine geringe Verzögerungszeit wichtiger als eine zuverlässige Übertragung. Dafür bietet sich UDP an.
- 2DNS ist ein einfaches Frage-Antwort-Protokoll und verwendet zur Namensauflösung hauptsächlich UDP.
- 3Ein Drei-Wege-Handschlag wie bei TCP würde dort unnötigen Mehraufwand (Overhead) erzeugen.
- 4UDP gehört zu Schicht 4, DNS zu Schicht 7.
Teste dich
Alles auf einen Blick
OSI-Modell
Aufbau
Sieben übereinanderliegende Schichten mit jeweils eng begrenzten Aufgaben
Reihenfolge
Von 7 nach 1 heißen sie Anwendung, Darstellung, Sitzung, Transport, Vermittlung, Sicherung, Bitübertragung
Senden
Kapselung läuft abwärts, jedes Protokoll fügt Steuerinformationen hinzu
Empfangen
Entkapselung läuft aufwärts, jedes Protokoll entfernt seine Steuerinformationen
Zuordnung
Ethernet und WLAN Schicht 2, IP Schicht 3, TCP und UDP Schicht 4, HTTP und DNS Schicht 7
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ein Laptop im WLAN ruft eine Webseite auf (ausgedachtes Beispiel)
- 1Aufgabe: Ordne WLAN, IP, TCP und HTTP den Schichten zu.
- 2HTTP: Der Browser fordert die Seite an. Das ist ein Internet-Kommunikations-Dienst, also Schicht 7 (Anwendung).
- 3TCP: Der Datenstrom wird in Segmente zerlegt und mit Portnummern adressiert, also Schicht 4 (Transport).
- 4IP: Das Paket wird mit einer IP-Adresse adressiert, also Schicht 3 (Vermittlung).
- 5WLAN (IEEE 802.11): Das Paket steckt in einem Frame mit MAC-Adresse, also Schicht 2 (Sicherung).
- 6Schicht 1 überträgt die Bits dann zum Beispiel als elektromagnetische Wellen.
- 7Von oben nach unten ergibt sich die Reihenfolge 7, 4, 3, 2. In dieser Reihenfolge wird beim Senden gekapselt.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Zuordnung der Protokolle In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3UDP gibt keine Garantie, auch wenn es zur Transportschicht gehört. Richtig: UDP gehört zu Schicht 4, gibt aber keine Garantie, dass ein gesendetes Paket ankommt oder dass Pakete in der gesendeten Reihenfolge ankommen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Routing, also die Wegsuche zwischen den Netzwerkknoten, gehört zur Schicht . Das Datenpaket der Schicht 3 wird mit einer adressiert. Geht bei einer Verbindung mit ein Paket verloren, wird es automatisch neu angefordert.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback