Informatik · Klasse 10–13 · aktualisiert
Distanzvektor-Routing: Ablauf und Routingloops
Du lernst, was Router beim Distanzvektor-Routing mitteilen, wie sie Kosten über Nachbarn berechnen und wie Count-to-Infinity entsteht und gebremst wird.
0 von 11 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Beim Distanzvektor-Routing sagt jeder Router seinen Nachbarn, zu welchen Kosten er Ziele am besten erreicht. Daraus rechnet jeder seine Wege neu. Sind sich alle Router wieder einig, heißt das Konvergenz. Steigen Kosten nur Schritt für Schritt, ist das Count-to-Infinity.
Wenn du eine Nachricht verschickst, entscheiden Router unterwegs, über welchen Nachbarn sie weitergeht. Kein Router kennt dabei das ganze Netz. Wie finden sie trotzdem gute Wege? Und was passiert, wenn eine Leitung ausfällt und die Router sich nur langsam einigen?
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Router ist ein Gerät, das Datenpakete weiterleitet. Beim Distanzvektor-Routing kennt ein Router zuerst nur seine direkten Nachbarn. Die Regel lautet: Teile deinen Nachbarn mit, wie für dich die Welt aussieht.
Dazu schickt ein Router seinen Nachbarn eine Aufstellung: Welche Router kann er zu welchen Kosten am besten erreichen? Den ganzen Netzplan verrät er nicht. Er nennt nur, wie gut er an die Ziele angebunden ist. Bei RIP wird dies standardmäßig alle 30 Sekunden gesendet.
Die Kosten heißen auch Metrik. Jedes Routing-Protokoll misst sie anders. RIP (Routing Information Protocol) nutzt als einzigen Kostenwert den Hop-Count: die Anzahl der Router bis zum Ziel. Ein Hop ist also ein Router auf dem Weg. Die Bandbreite, also wie viele Daten pro Zeit durch eine Leitung passen, bleibt dabei unberücksichtigt.
Definition
Kosten (Metrik)
Kosten sind ein Zahlenwert, mit dem ein Router Wege vergleicht. Bei mehreren Wegen wird der mit dem kleinsten Wert gewählt. RIP nutzt als Kosten allein den Hop-Count.
Beispiel: Hop-Count bei RIP
- 1Router A ist direkt mit dem Netz 1 verbunden: Hop 0.
- 2Router B erreicht Netz 1 über Router A: Hop 1.
- 3Router C erreicht Netz 1 über Router B und Router A: Hop 2.
Merke: Ein Router teilt seinen Nachbarn mit, zu welchen Kosten er Ziele am besten erreicht. Bei RIP sind das nur die Hops, nicht die Bandbreite.
Teste dich
Jeder Router führt eine Kostenmatrix. Darin steht: Welche Router erreiche ich über welchen Nachbarn und zu welchen Kosten? Am Anfang stehen darin nur die Kosten zu den direkten Nachbarn.
Dein Beispielnetz hat vier Router A bis D. Die Leitungen kosten: A–B 3, A–C 23, B–C 2 und C–D 5.
So rechnest du: Kosten über einen Nachbarn = Kosten zum Nachbarn + Kosten, die der Nachbar zum Ziel meldet. Danach vergleichst du mit den bisher besten Kosten. Sind die neuen Kosten kleiner, ist es ein neuer bester Pfad. Der Router meldet ihn im nächsten Schritt seinen Nachbarn. Sind sie nicht kleiner, bleibt der beste Pfad gleich.
Definition
Kostenmatrix
Eine Kostenmatrix ist eine Tabelle in einem Router. Sie zeigt, welche Router über welche Nachbarn und zu welchen Kosten erreichbar sind.
Beispiel: Router A und das Ziel D
- 1A kennt D noch nicht. Nachbar C meldet: D kostet 5.
- 2Über C: 23 + 5 = 28. Das ist A's erster Wert für D.
- 3Später meldet Nachbar B: D kostet 7.
- 4Über B: 3 + 7 = 10
- 510 ist kleiner als 28. Das ist ein neuer bester Pfad.
Merke: Kosten über Nachbar = Kosten zum Nachbarn + gemeldete Kosten. Nur kleinere Kosten als bisher ergeben einen neuen besten Pfad.
Teste dich
Ändert sich etwas im Netz, dauert es eine Zeit, bis alle Router wieder dasselbe über das Netz wissen. Haben sie wieder eine einheitliche Sicht, nennt man das Konvergenz. Im Beispielnetz hört der Austausch bei Router A irgendwann auf: Er erhält nichts Neues, seine besten Pfade ändern sich nicht, er sendet nichts mehr. Den Nachbarn geht es genauso.
Count-to-Infinity heißt „Zählen bis Unendlich“. Es kann vorkommen, wenn eine Verbindung oder ein Router ausfällt und ein Ziel nicht mehr erreichbar ist. Die Router erhöhen ihre Schätzungen für die Entfernung dann nur schrittweise. Währenddessen können Routing-Schleifen entstehen. Bei RIP bedeutet der Hop-Count 16 „unerreichbar“. Ein Pfad darf bei RIP höchstens über 15 Router gehen.
Der Unterschied: Konvergenz ist ein Zustand, in dem alle Router wieder dieselbe Sicht haben. Count-to-Infinity ist ein Problem, bei dem Werte langsam steigen. In der Praxis wird die Konvergenz bei diesem Verfahren wegen dieses Problems zu langsam.
Definition
Konvergenz
Konvergenz heißt: Nach einer Änderung im Netz haben alle Router wieder eine einheitliche Sicht auf das Netzwerk.
Beispiel: Netz 1 fällt aus (RIP)
- 1Netz 1 fällt aus. Router C sendet B seine Tabelle, bevor C vom Ausfall weiß.
- 2C meldet für Netz 1 noch den Hopcount 3. B übernimmt die Route mit Hopcount 4.
- 3B meldet 4. C trägt Hop 5 ein, da er Netz 1 bisher über B erreicht.
- 4So steigen beide Werte langsam bis Hop 16. Dann gilt Netz 1 als unerreichbar.
Merke: Konvergenz ist der Zustand mit gleicher Sicht aller Router. Count-to-Infinity ist das langsame Hochzählen der Kosten.
Teste dich
Routingschleifen entstehen, wenn Router sich alte Informationen immer wieder gegenseitig zuschicken. Zwei Verfahren sollen das vermeiden.
Split Horizon: Eine Information über einen Weg darf nicht über dieselbe Schnittstelle (den Anschluss zu einem Nachbarn) zurückgesendet werden, über die sie ankam. Ein Router schickt also dem Nachbarn, von dem er ein Ziel gelernt hat, kein Update für dieses Ziel. Denn dessen Information hat womöglich selbst zum Update beigetragen.
Warum hilft das nur bei direkten Schleifen leicht? Ohne Split Horizon schicken sich zwei Nachbarn die Werte hin und her und erhöhen sie jedes Mal. Genau diese direkte Schleife zwischen zwei Routern lässt sich so relativ leicht vermeiden. Bei längeren Schleifen ist eine Lösung nicht mehr einfach.
Triggered Updates: Normalerweise sendet ein RIP-Router standardmäßig alle 30 Sekunden alle Routeninformationen. Bei eingeschalteten Triggered Updates sendet er eine Teilinformation sofort, wenn sich für eine seiner Routen die Metrik ändert. So soll veraltete Information nicht allzu lange im Netz kursieren.
Definition
Split Horizon
Split Horizon ist eine Regel: Eine Pfadinformation wird nicht über dieselbe Schnittstelle veröffentlicht, über die sie empfangen wurde.
Beispiel: Ohne Split Horizon: Router A fällt aus
- 1B kannte A mit 1 Hop. C kennt A über B mit 2 Hops.
- 2B lernt von C: A sei in 2 Hops zu erreichen. B trägt 3 Hops über C ein.
- 3C hört von B die 3 und ändert seinen Eintrag auf 4 Hops.
- 4B hört die 4 und trägt 5 Hops ein. So geht es weiter bis 16 Hops.
- 5Erst dann gilt A als unerreichbar. Das kann bis zu 15 mal 30 Sekunden dauern.
Merke: Split Horizon und Triggered Updates sollen Schleifen vermeiden. Split Horizon hilft leicht nur bei direkten Schleifen zwischen zwei Routern.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Distanzvektor-Routing
Mitteilung
Jeder Router sagt seinen Nachbarn, zu welchen Kosten er Ziele am besten erreicht.
Hop-Count
RIP zählt allein die Router bis zum Ziel; die Bandbreite bleibt unberücksichtigt.
Rechnen
Kosten über einen Nachbarn = Kosten zum Nachbarn + gemeldete Kosten; nur kleinere Kosten ergeben einen neuen besten Pfad.
Konvergenz
Alle Router haben nach einer Änderung wieder dieselbe Sicht auf das Netz.
Count-to-Infinity
Kosten steigen nur schrittweise; bei RIP steht der Hop-Count 16 für unerreichbar.
Gegenmittel
Split Horizon und Triggered Updates sollen Schleifen vermeiden; Split Horizon hilft leicht nur bei direkten Schleifen zwischen zwei Routern.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Router A und das Ziel C prüfen
- 1Beispielnetz mit den Leitungskosten A–B 3, A–C 23, B–C 2. A kennt C bisher nur direkt mit Kosten 23.
- 2Nachbar B kostet A 3 und meldet: C kostet 2.
- 3Kosten von A zu C über B: 3 + 2 = 5
- 4Vergleich mit den bisher besten Kosten: 5 ist kleiner als 23.
- 5Ergebnis: Das ist ein neuer bester Pfad. A meldet ihn im nächsten Schritt seinen Nachbarn.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Router P und Ziel Z (ausgedachtes Beispiel) In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Ein neuer bester Pfad braucht kleinere Kosten als bisher. Richtig: 10 ist größer als 9, also bleibt der beste Pfad bei 9.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Haben alle Router nach einer Änderung wieder eine einheitliche Sicht auf das Netz, nennt man das . Die Kosten über einen Nachbarn sind die Kosten zum Nachbarn den Kosten, die er zum Ziel meldet. RIP sendet standardmäßig alle Sekunden alle Routeninformationen an die Nachbarn.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback