Geschichte · Klasse 9–13 · aktualisiert
Zeitzeugeninterview planen und auswerten
Du lernst, persönliche Erinnerungen kritisch zu prüfen, ein Interview vorzubereiten und Aufnahme und Verwendung verständlich abzustimmen.
0 von 10 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Ein Zeitzeugeninterview hält persönliche Erinnerungen fest. Es zeigt vergangenes Erleben und spätere Deutungen aus einer persönlichen Sicht. Gute Vorbereitung, klare Absprachen und der Vergleich mit weiteren Quellen helfen bei der Auswertung.
Wie jemand Vergangenheit erlebt hat, kannst du in einem Zeitzeugeninterview erfahren. Dabei hörst du Erinnerungen aus einer persönlichen Sicht. Du lernst, aufmerksam nachzufragen, Grenzen zu respektieren und Aussagen sorgfältig zu prüfen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
In einem Zeitzeugeninterview berichtet ein Mensch aus seiner Erinnerung über vergangenes Erleben. Diese Erinnerungen sind historische Quellen: Du kannst sie untersuchen, um etwas über die Vergangenheit und ihre spätere Deutung zu erfahren.
Ein Interview ist subjektiv. Es zeigt eine persönliche Sicht und gibt die Vergangenheit weder vollständig noch neutral wieder. Dabei kommen vergangenes Erleben und spätere Bewertungen zusammen. Deshalb unterscheidest du: Was hat die Person damals erlebt? Wie beurteilt sie es beim Erzählen?
Subjektiv bedeutet nicht automatisch falsch. Persönliche Erinnerungen können wertvoll sein, auch wenn sie nicht jede Frage beantworten. Du prüfst einzelne Aussagen und ihre Grenzen, statt persönliche Sicht mit Unzuverlässigkeit gleichzusetzen.
Definition
Subjektiv
Von der persönlichen Sicht eines Menschen geprägt. Bei Erinnerungen gehören dazu vergangenes Erleben und spätere Deutungen.
Teste dich
Grenze zuerst dein Thema und den Zeitraum ein. Sammle dazu Hintergrundwissen. So kannst du verständliche Leitfragen vorbereiten: Fragen, die dir beim Gespräch Orientierung geben.
Beginne mit einer offenen Frage. Sie gibt dem Gesprächspartner Raum, eigene Schwerpunkte zu setzen. Eine Frage, die bereits eine bestimmte Antwort oder ein Gefühl nahelegt, lässt diesen Raum nicht. Dein Leitfaden ist eine Hilfe und kein starrer Fragebogen. Mit Nachfragen kannst du unklare Stellen klären.
Auch eine gut vorbereitete Frage muss nicht beantwortet werden. Dein Gesprächspartner darf Fragen auslassen, eine Pause machen oder aufhören. Dränge nicht auf belastende Einzelheiten. Wenn jemand über etwas nicht sprechen möchte, fragst du dazu nicht weiter nach.
Merke: Thema und Zeitraum eingrenzen, Vorwissen sammeln, offen fragen: Dein Leitfaden gibt Orientierung und lässt Platz für die Schwerpunkte des Gesprächspartners.
Teste dich
Besprich vor der Aufnahme verständlich, wozu das Interview dienen soll. Klärt, wie ihr aufzeichnet, wie ihr die Aufnahme aufbewahrt und wofür ihr sie verwenden möchtet. Haltet die Zustimmung fest. Eine Zustimmung setzt voraus, dass die Beteiligten verstehen, worum es geht.
Aufnahme und Veröffentlichung sind getrennte Fragen. Die Erlaubnis für eine Tonaufnahme bedeutet beispielsweise nicht, dass du sie öffentlich hochladen darfst. Die konkrete Veröffentlichung muss gesondert abgestimmt werden.
Vereinbart außerdem, ob und wie Namen genannt werden oder ob die Verwendung ohne erkennbare Namen erfolgen soll. Solche Absprachen beziehen sich auf euer Vorhaben. Sie sind keine pauschale Freigabe für andere Verwendungen.
Merke: Klärt Zweck, Aufzeichnungsart, Aufbewahrung, Verwendung und Namensnennung verständlich. Dokumentiert die Zustimmung und stimmt eine Veröffentlichung gesondert ab.
Teste dich
Ordne deine Notizen bei der Auswertung drei Bereichen zu. Beim Inhalt hältst du fest, was erzählt wird: etwa Ereignisse und Zeitangaben. Bei der Erzählweise untersuchst du, wie jemand erzählt: etwa Wortwahl, Pausen und die Gewichtung einzelner Themen. Gewichtung meint hier, was beim Erzählen besonders viel Raum erhält.
Zur Interviewsituation gehören die gestellten Fragen, der Ort, die Beteiligten und die Art der Aufzeichnung. Dokumentiere diese Umstände mit. Unterscheide außerdem die Zeit des Erlebnisses vom Zeitpunkt des Erzählens.
Trenne deine Beobachtungen von deinen Deutungen. Eine festgestellte Pause gehört zur Erzählweise. Warum die Person pausiert, ist damit noch nicht erklärt. Schweigen, Stimme oder Körpersprache erlauben weder eine Diagnose noch einen sicheren Nachweis, dass eine Aussage wahr oder falsch ist.
Beispiel: Beispiele für die Ordnung deiner Notizen
- 1Genannte Ereignisse und Zeitangaben gehören zum Inhalt.
- 2Wortwahl und die Gewichtung von Themen gehören zur Erzählweise.
- 3Ort, Beteiligte und gestellte Fragen gehören zur Interviewsituation.
Teste dich
Markiere Aussagen, die einander widersprechen, und Stellen, an denen etwas unklar bleibt oder fehlt. Halte auch spätere Bewertungen gesondert fest. Unterscheide dabei zwischen dem damaligen Erleben und seiner späteren Deutung.
Vergleiche Aussagen mit weiteren Quellen und deinem Wissen über die damaligen Zusammenhänge. Prüfe, welche Aussage gestützt wird und wo Unsicherheit bleibt. Eine zeitliche Einordnung kann zum Beispiel unklar bleiben. Dann hältst du diese Unsicherheit fest, statt eine fehlende Angabe zu ergänzen.
Eine Erinnerungslücke beweist weder eine Lüge noch, dass das betreffende Geschehen historisch unwichtig war. Auch eine Abweichung von einer anderen Quelle macht nicht das ganze Interview wertlos. Prüfe die betroffene Aussage und kennzeichne, was du belegen kannst und was offenbleibt.
Merke: Widersprüche, Lücken und spätere Bewertungen kennzeichnen, mit weiteren Quellen vergleichen und offene Fragen sichtbar lassen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Zeitzeugeninterview
Persönliche Sicht
Erinnerungen verbinden vergangenes Erleben mit späterer Deutung. Subjektiv bedeutet nicht automatisch falsch.
Vorbereitung
Grenze Thema und Zeitraum ein, sammle Vorwissen und plane offene Fragen. Respektiere Gesprächsgrenzen.
Absprachen
Kläre Aufnahme, Aufbewahrung, Verwendung und Namen verständlich. Eine Veröffentlichung braucht eine gesonderte Abstimmung.
Untersuchung
Trenne Inhalt, Erzählweise und Interviewsituation sowie eigene Beobachtung und Deutung.
Prüfung
Vergleiche Aussagen mit weiteren Quellen. Kennzeichne Widersprüche, Lücken und spätere Bewertungen, ohne Fehlendes zu erfinden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: Eine Leitfrage zum Schulweg vorbereiten
- 1Aufgabe: Eine Lerngruppe möchte ein Interview über den Schulweg planen. Sie soll eine passende Einstiegsfrage entwickeln.
- 2Eingrenzen: Die Gruppe legt eine bestimmte Schule und ein vereinbartes Jahrzehnt als Rahmen fest und sammelt dazu Hintergrundwissen.
- 3Frage prüfen: „Sie hatten bestimmt Angst auf dem Schulweg, oder?“ legt ein Gefühl und eine Antwort nahe.
- 4Offen formulieren: „Wie sah Ihr Schulweg damals aus?“ lässt dem Gesprächspartner Raum für eine eigene Beschreibung.
- 5Grenze beachten: Die Gruppe plant eine Frage. Sie erfindet keine Antwort der befragten Person.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Aufnahme und öffentlichem Upload In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die Aufnahmeerlaubnis wird mit einer Veröffentlichungserlaubnis verwechselt. Richtig: Eine Erlaubnis für eine Tonaufnahme erlaubt nicht automatisch ihren öffentlichen Upload. Die konkrete Veröffentlichung muss gesondert abgestimmt werden.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Genannte Ereignisse und Zeitangaben gehören bei der Auswertung zum Bereich . Die Notiz über eine längere Pause beim Sprechen gehört zur . Bleibt eine Zeitangabe trotz Vergleich ungeklärt, hältst du sie als fest.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback