Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Stadtrecht im Mittelalter einfach erklärt
Du lernst, was Stadtrecht regelte, welche Rechte und Pflichten es gab und wie Städte Rechte voneinander übernahmen.
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Kurz gesagt
Stadtrecht umfasste besondere Rechte, Pflichten und Gewohnheiten einer Stadt. Es war von Ort zu Ort verschieden. Städte konnten das Recht einer anderen Stadt übernehmen und anpassen.
In einer Stadt wohnen und Bürger sein: Im Mittelalter war das nicht dasselbe. Auch ein zugesagtes Recht konnte mit einer Pflicht verbunden sein. Am Beispiel Freiburgs untersuchst du, was Stadtrecht für Menschen bedeutete.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stadtrecht war ein Sonderrecht: Es galt für eine bestimmte Stadt. Dazu gehörten besondere Rechte, Pflichten und örtliche Gewohnheiten. Gewohnheiten waren Regeln, nach denen man vor Ort schon länger handelte.
Ein Stadtrecht konnte aus zugesagten besonderen Rechten entstehen. Später konnten weitere Regeln hinzukommen. Es war also weder ein überall gleiches Gesetz noch eine bloße Sammlung von Freiheiten.
Typische Bereiche waren Markt und Handel, der Schutz von Menschen und Eigentum, Gerichte und die Organisation der Stadt. Gerichte entschieden über Rechtsstreitigkeiten. Welche Rechte bestanden, unterschied sich von Stadt zu Stadt. Auch der Stadtherr, der Herrscher über die Stadt, konnte unterschiedlich stark mitbestimmen.
Definition
Sonderrecht
Ein besonderes Recht, das hier für eine bestimmte Stadt galt.
Merke: Stadtrecht verband Rechte und Pflichten. Sein Inhalt konnte wachsen und war örtlich verschieden.
Teste dich
Ein Recht erlaubt oder sichert jemandem etwas. Eine Pflicht verlangt, dass jemand etwas tut oder leistet. Zum Stadtrecht konnten beide gehören. Welche Regeln genau galten, musst du für die einzelne Stadt prüfen.
Für Freiburg im Breisgau, eine Stadt, deren Gründung mit 1120 verbunden wird, sind konkrete Regeln überliefert. Hier lernst du sie in modern zusammengefasster Form kennen. Die Formulierungen sind keine wörtlichen Sätze aus einer mittelalterlichen Urkunde.
In den Freiburger Regeln zu 1120 waren Schutz und Zollfreiheit für Kaufleute zugesagte Rechte. Zollfreiheit bedeutete, dass sie keinen Zoll zahlen mussten, also keine entsprechende Abgabe für den Handel. Dagegen war der jährliche Zins für einen Hausplatz eine Pflicht: Für den Platz musste jedes Jahr gezahlt werden. Diese Freiburger Regeln galten nicht deshalb auch in jeder anderen Stadt.
| Freiburger Regel zu 1120 | Zuordnung |
|---|---|
| Schutz für Kaufleute | Zugesagtes Recht |
| Zollfreiheit für Kaufleute | Zugesagtes Recht |
| Jährlicher Zins für einen Hausplatz | Pflicht |
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Regeln sortieren
- 1Ein Schüler legt zwei Spalten an: „Was wird zugesagt?“ und „Was muss geleistet werden?“
- 2Er ordnet ein zugesagtes Recht der ersten Spalte zu.
- 3Eine verlangte Zahlung gehört in die zweite Spalte.
Teste dich
Die modern zusammengefassten Freiburger Regeln zu 1120 zeigen: Ein Recht konnte mit einer Pflicht verbunden sein. Ein Hausplatz war erblich, konnte also vererbt werden. Zugleich war dafür jährlich Zins zu zahlen.
Die Bürger konnten den Vogt, einen Amtsträger, und den Priester wählen. Der Stadtherr musste beide bestätigen. Die Wahl gab den Bürgern damit ein Recht zur Mitentscheidung, aber keine vollständige Unabhängigkeit vom Stadtherrn.
Bürger zu sein bedeutete, einen besonderen rechtlichen Status in der Stadt zu haben. Dafür verlangten die Freiburger Regeln freien Besitz im Wert von mindestens einer Mark. Mark ist hier eine historische Wertangabe. In der Stadt zu wohnen reichte demnach nicht aus, um Bürger zu sein.
Davon musst du die persönliche Freiheit unterscheiden. Ein entlaufener Unfreier war ein Mensch, der rechtlich nicht frei war und seinen bisherigen Herrn verlassen hatte. Er konnte unter bestimmten Nachweisbedingungen zurückgefordert werden. Blieb er ein Jahr und einen Tag unbeansprucht, galt er nach dieser Freiburger Regel als frei. Das bedeutet: In dieser Zeit erhob niemand einen Anspruch auf ihn. Persönliche Freiheit, Aufenthalt in der Stadt und Bürgerstatus waren unterschiedliche Rechtsfragen.
Merke: Prüfe bei jeder Regel: Für wen gilt sie? Was erlaubt oder verlangt sie? Welche Bedingung gehört dazu?
Teste dich
Städte konnten das Recht einer anderen Stadt übernehmen und für sich anpassen. Wenn mehrere solche Übernahmen zusammenhingen, entstand eine Stadtrechtsfamilie. Gemeint sind verwandte Rechte, keine Familie von Menschen. Freiburg wurde zum Vorbild weiterer Städte. Verwandte Stadtrechte mussten aber nicht in jeder Bestimmung übereinstimmen.
Die Übernahme bedeutete in der Regel auch, dass die abgebende Stadt als Rechtsvorort anerkannt wurde. Das war eine Stadt, an die man sich bei unklaren Rechtsfragen wandte.
Ein Beispiel ist die Stadt Magdeburg. Für Städte mit Magdeburger Recht war sie der Rechtsvorort. Dort entschied der Schöffenstuhl, eine Gruppe von Personen mit Gerichtsaufgaben, über Rechtsunklarheiten dieser Städte. Die Verbindung konnte also über die Übernahme der Regeln hinaus bestehen.
Definition
Stadtrechtsfamilie
Eine Gruppe verwandter Stadtrechte, die durch zusammenhängende Übernahmen entstanden ist. Die Regeln konnten angepasst werden.
Merke: Ein Vorbild zu übernehmen hieß nicht, jede Bestimmung unverändert zu behalten.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Stadtrecht
Sonderrecht
Stadtrecht verband besondere Rechte, Pflichten und örtliche Gewohnheiten einer Stadt.
Unterschiede
Rechte und Mitbestimmung des Stadtherrn waren örtlich verschieden.
Freiburg
Schutz und Zollfreiheit für Kaufleute waren Rechte; der jährliche Zins für einen Hausplatz war eine Pflicht.
Bürgerstatus
In Freiburg reichte das Wohnen in der Stadt nicht aus. Verlangt wurde freier Besitz im Wert von mindestens einer Mark.
Übernahme
Städte konnten fremdes Stadtrecht übernehmen und anpassen. So entstanden verwandte Stadtrechte.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Freiburger Wahlregel Schritt für Schritt erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, wie weit die Mitentscheidung der Bürger bei der Wahl von Vogt und Priester reichte.
- 2Regel nennen: Nach den modern zusammengefassten Freiburger Bestimmungen konnten die Bürger Vogt und Priester wählen.
- 3Grenze erkennen: Der Stadtherr musste die Gewählten bestätigen.
- 4Ergebnis formulieren: Die Bürger entschieden durch die Wahl mit. Vollständig unabhängig vom Stadtherrn waren sie dabei nicht.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Freiheit in Freiburg In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt Freiheit mit Bürgerstatus. Richtig: Blieb ein entlaufener Unfreier ein Jahr und einen Tag unbeansprucht, galt er nach der Freiburger Regel als frei.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Schutz und Zollfreiheit für Kaufleute waren in den Freiburger Regeln zu 1120 . Für einen Hausplatz verlangten die Freiburger Regeln einen Zins. Ein entlaufener Unfreier galt nach der Freiburger Regel als frei, wenn er unbeansprucht blieb.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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