Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Reichsstadt: Rechte und Bedeutung einfach erklärt
Du lernst, wem Reichsstädte unterstanden, welche Rechte und Pflichten sie hatten und warum sich ihre Stellung verändern konnte.
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Kurz gesagt
Eine Reichsstadt unterstand direkt dem König oder Kaiser. Sie blieb Teil seines Reiches, konnte aber viele eigene Angelegenheiten regeln. Ihren Rechten standen Pflichten gegenüber, etwa Steuern und Unterstützung für das Reich.
Eigene Regeln machen und trotzdem einem Herrscher unterstehen: Beides konnte für eine Stadt gelten. Bei Reichsstädten musst du deshalb zwei Fragen trennen: Wer stand über der Stadt? Und was durfte sie selbst entscheiden?
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Reichsstadt unterstand direkt dem König oder Kaiser. Zwischen ihm und der Stadt stand kein weiterer Stadtherr. Diese Verbindung hieß Reichsunmittelbarkeit. Die Stadt blieb dabei Teil des Reiches, also des Herrschaftsgebietes des Königs oder Kaisers.
Im späten Mittelalter gewannen Reichsstädte weitgehende Selbstverwaltung. Das bedeutet: Sie regelten viele eigene Angelegenheiten. Städtische Räte, also Gruppen zur Leitung einer Stadt, und Bürgermeister übernahmen nach und nach Aufgaben königlicher Amtsträger. Das waren Personen, die Aufgaben für den König erledigten. Wie weit das ging und wann es geschah, unterschied sich von Stadt zu Stadt.
Selbstverwaltung bedeutete keine unbegrenzte Freiheit. In Frankfurt griffen zwischen 1708 und 1732 Gruppen von Beauftragten des Kaisers in Streitigkeiten über die Regeln der Stadtregierung und die städtischen Finanzen ein. Es ging also auch darum, wie die Stadt mit Geld umging. Eigene Entscheidungen und Eingriffe des Kaisers konnten nebeneinander bestehen.
Definition
Reichsunmittelbarkeit
Eine Stadt unterstand direkt dem König oder Kaiser. Kein weiterer Stadtherr stand dazwischen.
Merke: Reichsunmittelbarkeit beschreibt die Verbindung zum Herrscher. Selbstverwaltung beschreibt, was eine Stadt selbst regeln konnte.
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Reichsstädte konnten eigene Regeln aufstellen. Dazu gehörten auch Regelungen für Märkte, wenn die Stadt über das entsprechende Marktrecht verfügte. Der Kaiser schützte die Städte und bestätigte besondere Rechte. Sein Schutz ersetzte die eigenen Regeln der Stadt nicht. Hinzu kam die Vertretung auf dem Reichstag, einer Versammlung, in der Angelegenheiten des Reiches beraten wurden. Umfang und Zeitpunkt dieser Rechte waren nicht überall gleich.
Den Rechten standen Pflichten gegenüber. Dazu gehörten Steuern an das Reich sowie Unterstützung durch Soldaten oder Geld. Eigene Regeln befreiten eine Reichsstadt also nicht von diesen Pflichten. Sie konnte eigene Angelegenheiten regeln und zugleich dem Reich etwas schulden. Auch die Pflichten musst du für die jeweilige Stadt und Zeit prüfen.
| Bereich | Rechte | Pflichten |
|---|---|---|
| Stadt und Reich | Kaiserlicher Schutz und bestätigte besondere Rechte | Steuern an das Reich |
| Handeln der Stadt | Eigene Regeln, je nach Stadt und Zeit | Unterstützung durch Soldaten oder Geld, je nach Stadt und Zeit |
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: eine Regel für den Markt
- 1Eine Reichsstadt verfügt über das Recht, ihren Markt zu regeln.
- 2Ihr Rat beschließt dafür eine eigene Regel.
- 3Das nutzt ein Recht der Stadt. Ihre Pflichten gegenüber dem Reich bestehen daneben weiter.
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Der Vergleich betrifft Städte im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit nördlich der Alpen. Eine Reichsstadt unterstand direkt dem König oder Kaiser. Eine gewöhnliche Territorialstadt unterstand dagegen einem Landesherrn, also dem Herrscher eines Gebietes. Auch Territorialstädte konnten eigene Rechte besitzen. In Franken dienten sie unter anderem als Märkte und als Orte, von denen aus Herrschaft ausgeübt wurde.
Freie Städte waren ursprünglich vor allem ehemalige Bischofsstädte. Ein Bischof ist ein hoher Amtsträger der Kirche. In diesen Städten hatte er auch Herrschaftsrechte. Die Städte drängten seine Rechte zurück oder übernahmen sie. Das geschah in einem längeren Prozess. Später näherten sich Freie Städte und Reichsstädte in ihren Rechten an. Ihre Rechte wurden also ähnlicher. Das bedeutet weder, dass sie auf demselben Weg entstanden waren, noch, dass ihre Selbstverwaltung sie vom Reich unabhängig machte.
Auch bei den Pflichten gab es Unterschiede. Manuela Brüstlein Komai beschreibt in ihrer Untersuchung zu Basel Freie Städte grundsätzlich als von jährlichen Reichssteuern und allgemeinen Kriegszügen des Reiches befreit. Es blieben aber Pflichten: etwa der Zug zur Kaiserkrönung und Truppen für Kriege gegen Menschen, die aus religiösen Gründen als Gegner bezeichnet wurden. Basel wurde im späten 15. Jahrhundert wieder stärker zu Diensten für das Reich herangezogen.
Basel zeigt außerdem, dass tatsächliche Entscheidungen und umstrittene Rechte auseinanderliegen konnten. Trotz weitgehender Selbstverwaltung brauchte die Stadt zunächst die Zustimmung des Bischofs für neue Steuern. Seit dem frühen 15. Jahrhundert handelte sie ohne diese Zustimmung. 1431 erhielt sie ein königliches Steuerprivileg, also ein besonderes Recht in Steuerfragen. Die Bischöfe bestritten dieses Recht weiterhin.
Merke: Prüfe getrennt: Wem unterstand die Stadt? Was durfte sie selbst entscheiden? Welche Pflichten hatte sie? Die Antworten konnten sich je nach Stadt und Zeit unterscheiden.
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Städte wurden auf unterschiedlichen Wegen reichsunmittelbar. Manche entstanden auf Besitz des Königs. Bei anderen waren königliche Schutz- und Gerichtsrechte wichtig, also Rechte zum Schutz der Stadt und zum Entscheiden von Rechtsstreitigkeiten. Eine Stadt konnte ihre Freiheit auch erwerben. Isny kaufte sich beispielsweise von seinem Stadtherrn los.
Die Stellung konnte sich später wieder ändern. Wurde eine Stadt verpfändet, diente sie als Sicherheit für eine Schuld. Das konnte dazu führen, dass sie in das Gebiet eines anderen Herrschers eingegliedert wurde. Eine Verpfändung bedeutete aber nicht in jedem Fall den endgültigen Verlust ihrer bisherigen Stellung.
1803 verloren die meisten Reichsstädte ihre direkte Verbindung zum Kaiser. Sie wurden in andere Herrschaftsgebiete eingegliedert. 1806 endete das Reich und damit auch die Reichsstadt als Teil dieser Ordnung. Daraus folgt nicht, dass jede städtische Selbstständigkeit gleichzeitig endete.
Frankfurts Weg zeigt mehrere Veränderungen. 1806 wurde die Stadt dem Herrscher Dalberg unterstellt. 1813 wurde ihre reichsstädtische Verfassung wiederhergestellt, also ihre bisherige Ordnung der Stadtregierung. 1815 wurde Frankfurt eine Freie Stadt im Deutschen Bund, einem neuen Zusammenschluss von Staaten. Das war eine neue staatliche Ordnung. Frankfurt war über 1806 hinweg nicht ununterbrochen unabhängig geblieben.
Merke: Die Stellung einer Stadt konnte erworben, verändert oder verloren werden. Ein späterer ähnlicher Name beweist nicht, dass ihre Stellung unverändert blieb.
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Alles auf einen Blick
Reichsstadt
Verbindung zum Herrscher
Eine Reichsstadt unterstand direkt dem König oder Kaiser und blieb Teil des Reiches.
Selbstverwaltung
Im späten Mittelalter gewannen Reichsstädte weitgehende Selbstverwaltung. Räte und Bürgermeister übernahmen schrittweise Aufgaben königlicher Amtsträger.
Rechte und Pflichten
Eigenen Regeln und kaiserlichem Schutz standen Steuern sowie Unterstützung durch Soldaten oder Geld gegenüber. Umfang und Zeitpunkt unterschieden sich nach Stadt und Zeit.
Stadtarten
Freie Städte waren ursprünglich vor allem ehemalige Bischofsstädte. Territorialstädte unterstanden einem Landesherrn und konnten eigene Rechte besitzen.
Veränderung
Die Stellung einer Stadt konnte auf verschiedenen Wegen entstehen und später verloren gehen.
Ende
1803 verloren die meisten Reichsstädte ihre Reichsunmittelbarkeit. 1806 endete mit dem Reich auch die Reichsstadt als Teil dieser Ordnung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Isnys Weg zur Freiheit erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, welchen Weg Isny zur Reichsunmittelbarkeit nahm.
- 2Den Vorgang bestimmen: Isny kaufte sich von seinem Stadtherrn los.
- 3Den Weg zuordnen: Das ist ein Beispiel für den Erwerb der Freiheit.
- 4Das Ergebnis erklären: Als Reichsstadt unterstand Isny direkt dem König oder Kaiser. Ein weiterer Stadtherr stand nicht mehr dazwischen.
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Prüfe die Aussagen zu Basels Steuerrechten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Das Wort „keine“ macht aus Selbstverwaltung eine zu weitgehende Freiheit. Richtig: Für neue Steuern brauchte Basel zunächst die Zustimmung des Bischofs.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Basel erhielt sein königliches Steuerprivileg . Die meisten Reichsstädte verloren ihre Reichsunmittelbarkeit durch Eingliederung in andere Herrschaftsgebiete . Frankfurt wurde im Deutschen Bund eine Freie Stadt.
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