Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Scheitern der Weimarer Republik: Ursachen
Du lernst, wie Krisen und politische Entscheidungen zusammenwirkten und wie du Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik begründet gewichtest.
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Kurz gesagt
Die Weimarer Republik scheiterte am Zusammenwirken wirtschaftlicher Not, demokratiefeindlicher Kräfte und politischer Entscheidungen. Ihr Ende war nicht zwangsläufig. Nach Hitlers Ernennung zum Regierungschef zerstörten die Nationalsozialisten die verbliebenen demokratischen Rechte.
Eine Wirtschaftskrise kann eine Demokratie schwer belasten. Doch sie entscheidet nicht selbst darüber, wer regiert und welche Rechte bestehen bleiben. An der Weimarer Republik untersuchst du, wie Not, Gegner der Demokratie und Entscheidungen mächtiger Politiker zusammenwirkten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Weimarer Republik war eine parlamentarische Demokratie: Gewählte Abgeordnete beschlossen im Reichstag, dem Parlament, Gesetze und kontrollierten die Regierung. Doch Folgen des Ersten Weltkriegs, Gegner der Republik und politische Gewalt belasteten sie über längere Zeit. Viele Mitarbeiter in Militär, Verwaltung und Gerichten lehnten die Demokratie ab. Trotzdem überstand die Republik frühe Krisen und stabilisierte sich Mitte der 1920er-Jahre. Ihr Ende stand also nicht von Anfang an fest.
Eine akute Krise verschärft eine Lage innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf die deutsche Wirtschaft besonders schwer. Diese war stark von Exporten, also Verkäufen ins Ausland, und von Krediten aus den Vereinigten Staaten von Amerika, kurz USA, abhängig. Kredite sind geliehenes Geld. Arbeitslosigkeit und Not nahmen zu.
Davon unterscheidest du politische Entscheidungen. Der Reichspräsident, das Staatsoberhaupt, konnte den Reichskanzler als Regierungschef ernennen und entlassen. Reichspräsident Hindenburg ernannte Hitler, den Anführer der Nationalsozialisten, am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Der konservative Politiker Papen hatte dafür geworben, weil er Hitler für kontrollierbar hielt. Die Ernennung war eine Entscheidung von Menschen, keine automatische Folge der Wirtschaftskrise.
Definition
Langfristige Belastung
Ein Problem, das über längere Zeit besteht und eine politische Ordnung schwächt. Eine akute Krise spitzt die Lage zu; eine Entscheidung ist eine Handlung verantwortlicher Menschen.
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Die Wirtschaftskrise und politische Probleme wirkten aufeinander zurück. Arbeitslosigkeit und Not wuchsen. Radikale Parteien gewannen Wähler, besonders die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, kurz NSDAP, Hitlers Partei. Ihr Wahlerfolg 1930 erschwerte die Bildung einer Regierung mit einer Mehrheit im Reichstag. Die unsicher werdende politische Lage führte außerdem dazu, dass mehr Geld aus dem Ausland zurückgezogen wurde. Das verschärfte die Wirtschaftskrise.
Auch Entscheidungen der Regierung verstärkten die Not. Reichskanzler Heinrich Brüning ließ den Staat streng sparen. Dadurch vergaben Staat und Gemeinden weniger Aufträge. Zugleich wurden Hilfen für Arbeitslose gekürzt. Brünings Sparpolitik verschärfte die wirtschaftlichen Probleme.
Nach dem Bruch des Regierungsbündnisses 1930 regierten Präsidialkabinette. Diese Regierungen hatten keine eigene Mehrheit im Reichstag und stützten sich auf den Reichspräsidenten. Hindenburg half ihnen mit Notverordnungen nach Artikel 48 der Verfassung: Damit konnten Regeln ohne ein vom Parlament beschlossenes Gesetz erlassen werden. Artikel 25 erlaubte die Auflösung des Reichstags. So wurden Befugnisse aus der Verfassung genutzt, um die Kontrolle durch das Parlament zu schwächen.
Beispiel: Weniger Hilfe bei wachsender Not
- 1Während Brünings Regierungszeit stieg die Massenarbeitslosigkeit weiter.
- 2Zugleich wurden die Dauer und die Höhe der Unterstützung für Arbeitslose verringert.
- 3Die Sparmaßnahmen trafen damit Menschen, deren Lage durch die Krise bereits schwierig war.
Merke: Ursachen können sich gegenseitig verstärken: Wirtschaftliche Not verschärfte politische Probleme; politische Unsicherheit verschärfte wiederum die Wirtschaftskrise.
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Schon vor Hitlers Ernennung war die parlamentarische Demokratie geschwächt. Regierungen ohne eigene Mehrheit und der Einsatz von Notverordnungen verringerten die Kontrolle durch den Reichstag. Demokratiegegner und einflussreiche konservative Politiker strebten eine Herrschaft mit weniger demokratischer Mitbestimmung an.
Mit Hitlers Ernennung begann die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur. In einer Diktatur können die Regierenden ihre Macht ohne wirksame demokratische Kontrolle ausüben. Die Nationalsozialisten beseitigten Freiheiten und gingen mit Gewalt und Terror gegen politische Gegner vor. Zur Beseitigung demokratischer Rechte nutzten sie die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933. Auch das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 war ein Gesetz, mit dem sie demokratische Rechte beseitigten. Die Nationalsozialisten schalteten auch andere Organisationen aus.
Für deine Erklärung kannst du zwei Vorgänge unterscheiden: die Schwächung der parlamentarischen Republik und die anschließende Errichtung der Diktatur. Sie gingen ineinander über. Die Demokratie war bis zu Hitlers Ernennung also keineswegs unbeschädigt. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde die Weimarer Verfassung nicht formell aufgehoben oder ersetzt. Trotzdem war sie in wesentlichen Punkten dauerhaft außer Kraft gesetzt: Dass ihr Text weiterbestand, bedeutete nicht, dass ihre Regeln noch wirksam waren.
Merke: Eine Verfassung kann als Text fortbestehen, während ihre Regeln außer Kraft gesetzt sind. Prüfe deshalb auch, wie Herrschaft tatsächlich ausgeübt wird.
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Ursachen gewichten heißt: Du erklärst, welche Ursache du für besonders folgenreich hältst und warum. Dafür reicht eine Liste nicht. Du musst zeigen, wie eine Ursache wirkte, und mindestens eine weitere mitwirkende Ursache nennen. Dass die Republik frühe Krisen überstand, spricht gegen die Behauptung, ihr Scheitern sei von Anfang an unvermeidbar gewesen.
Historiker setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Heinrich August Winkler betont, dass Hindenburg Hitler nicht zum Reichskanzler ernennen musste. Er hebt damit politische Entscheidungsmöglichkeiten hervor. Der Historiker Mommsen betont dagegen das Zusammenwirken mächtiger Gegner der Demokratie in Wirtschaft, Armee, Verwaltung und Gerichten. Aus seiner Sicht hatten die wenigen Verteidiger der Demokratie zum Schluss kaum noch eine Chance. Beide Sichtweisen helfen dir, Entscheidungen und länger wirkende Machtverhältnisse zu untersuchen.
Auch Verfassungsregeln musst du nach ihrer Nutzung beurteilen. Die besonderen Befugnisse des Reichspräsidenten halfen unter Reichspräsident Ebert 1923 bei der Bewältigung der Krise. Unter Hindenburg dienten sie ab 1930 hingegen zur massiven Schwächung des Parlaments. Die Regeln allein erklären das Ende deshalb nicht.
Ein mögliches Urteil lautet: Die Weltwirtschaftskrise erhöhte den Druck auf die Demokratie. Besonders folgenreich waren jedoch Hindenburgs Machtgebrauch und die Ernennung Hitlers, weil sie den Wechsel zu einer anderen politischen Ordnung ermöglichten. Das ist eine begründbare Gewichtung, kein vorgeschriebenes Ergebnis. Ein anderes Urteil muss ebenfalls Zusammenhänge erklären und Gegenargumente berücksichtigen.
Definition
Ursachen gewichten
Du vergleichst die Bedeutung mehrerer Ursachen. Dabei begründest du mit historischen Belegen, warum eine Ursache besonders folgenreich war.
Merke: Ein historisches Urteil braucht einen Maßstab, Belege und einen erklärten Zusammenhang. Eine besonders wichtige Ursache ist nicht automatisch die einzige Ursache.
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Alles auf einen Blick
Scheitern der Weimarer Republik
Unterscheiden
Langfristige Belastungen, akute Krisen und politische Entscheidungen wirkten zusammen.
Verstärkung
Wirtschaftliche Not und politische Unsicherheit verschärften sich gegenseitig.
Verantwortung
Hitlers Ernennung war eine politische Entscheidung, keine automatische Krisenfolge.
Übergang
Die parlamentarische Demokratie wurde schon vor der Errichtung der Diktatur geschwächt.
Urteil
Gewichte Ursachen anhand ihrer Wirkung und beziehe weitere Ursachen ein.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Auflösung des Reichstags im Juli 1930 erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, wie eine Entscheidung die Kontrolle der Regierung schwächte.
- 2Vorgang feststellen: Am 18. Juli 1930 setzte der Reichstag eine Notverordnung außer Kraft. Dazu war er nach Artikel 48 berechtigt.
- 3Entscheidung benennen: Brüning verlas daraufhin die vorbereitete Verordnung Hindenburgs zur Auflösung des Reichstags nach Artikel 25.
- 4Wirkung erklären: Bis zu den Neuwahlen konnte die Regierung nun ungehindert mit Notverordnungen regieren. Der Widerstand des Parlaments war ausgeschaltet.
- 5Einordnen: Nicht allein das Vorhandensein der Verfassungsbefugnisse schwächte die Kontrolle. Entscheidend war hier, wie Hindenburg und Brüning sie nutzten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Weimarer Verfassung In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die Aussage verwechselt die formelle Aufhebung mit dem tatsächlichen Außerkraftsetzen. Richtig: Die Weimarer Verfassung wurde während der nationalsozialistischen Herrschaft nicht formell aufgehoben oder ersetzt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Weltwirtschaftskrise traf die deutsche Wirtschaft ab . Hindenburg stützte Regierungen ohne eigene parlamentarische Mehrheit mit Notverordnungen nach Artikel . Am 30. Januar 1933 ernannte Hitler zum Reichskanzler.
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Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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