Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
KI und Geschichte: Entwicklung und Quellenkritik
Du lernst wichtige Etappen der KI-Geschichte kennen und prüfst, wie künstlich erzeugte Bilder, Videos und Texte Vergangenheit zeigen.
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Kurz gesagt
Künstliche Intelligenz (KI) gilt seit der Dartmouth-Konferenz 1956 als eigenes Forschungsgebiet. KI kann heute Texte, Bilder und Videos erzeugen. Solche Inhalte können überzeugend wirken, enthalten aber möglicherweise erfundene Angaben über die Vergangenheit.
Ein Bild zeigt eine vergangene Zeit so deutlich wie ein Foto. Aber wurde die Szene aufgenommen oder künstlich erzeugt? Du untersuchst, wie sich KI entwickelt hat und warum glaubwürdig wirkende Inhalte noch keine verlässlichen Belege sind.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
KI steht für künstliche Intelligenz. Dabei geht es um Computersysteme, die Aufgaben bearbeiten, für die Menschen Intelligenz benötigen. Die Geschichte begann nicht erst mit Programmen, die heute Texte schreiben.
Um 1950 skizzierte Alan Turing, der Urheber der später als Turing-Test bekannten Idee, einen möglichen Test: Ein Mensch tauscht sich mit einem Menschen und einem Computer aus. Kann er beide nicht unterscheiden, könnte das für die Intelligenz des Computers sprechen. Als Gründungsveranstaltung der KI als eigenem Forschungsgebiet gilt die Dartmouth-Konferenz im Sommer 1956.
Mitte der 1960er Jahre entwickelte Joseph Weizenbaum das Programm ELIZA. Es ahmte ein Gespräch zwischen einem Psychotherapeuten, also einem Behandler seelischer Probleme, und einem Patienten nach. Schon ein relativ einfaches Verfahren konnte den Eindruck eines menschlichen Gesprächspartners erzeugen.
In den 1980er Jahren verbanden sich große Hoffnungen mit Expertensystemen. Das sind Programme, die gespeicherte Fachregeln anwenden. Viele Erwartungen erfüllten sich nicht. Deshalb verringerten Unternehmen und Forschungsförderer ihren Einsatz. Eine Phase sinkender Erwartungen und Investitionen, also eines geringeren Geldeinsatzes, heißt KI-Winter.
Später folgten auffällige Erfolge bei Spielen und neue Anwendungen. Diese Etappen zeigen unterschiedliche Fähigkeiten: Ein Sieg im Schach, ein Erfolg bei einem Wissensquiz und das Erzeugen von Texten sind verschiedene Leistungen.
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| Um 1950 | Alan Turing skizziert die Idee eines Tests für maschinelle Intelligenz. |
| Sommer 1956 | Die Dartmouth-Konferenz gilt als Gründungsveranstaltung des Forschungsgebiets KI. |
| Mitte der 1960er Jahre | Joseph Weizenbaum entwickelt das Gesprächsprogramm ELIZA. |
| 1997 | Das Computersystem Deep Blue schlägt Schachweltmeister Garri Kasparow in sechs Partien. |
| 2011 | Das Programm Watson gewinnt im Wissensquiz Jeopardy! gegen die beiden bislang erfolgreichsten Spieler. |
| November 2022 | Das Unternehmen OpenAI führt das Gesprächsprogramm ChatGPT ein. |
Merke: Die Entwicklung verlief nicht als ununterbrochene Erfolgsgeschichte. Große Erwartungen konnten enttäuscht werden; erfolgreiche Programme bewältigten unterschiedliche Aufgaben.
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Ein regelbasiertes Expertensystem arbeitet mit Fachwissen, das Menschen als Regeln festhalten. Bei einer Frage wendet es passende Regeln an und kann sie miteinander verbinden. Die verwendeten Regeln können angezeigt werden. Es war jedoch schwierig, das benötigte Wissen von Hand in solche Regeln zu übertragen.
Beim maschinellen Lernen lernt ein Computersystem anhand vorhandener Daten. Es kann dabei Zusammenhänge erkennen, die Menschen nicht berücksichtigt haben. Der Unterschied liegt also darin, wie das System zu seinen Lösungen kommt: durch die Anwendung gespeicherter Fachregeln oder durch Lernen anhand von Daten. Beide Arbeitsweisen gehen über das bloße Speichern fertiger Antworten hinaus.
Ein Beispiel für das Lernen anhand von Daten ist AlphaGo, ein Programm des Unternehmens DeepMind für das Brettspiel Go. Es wertete Millionen gespeicherter Spiele aus und spielte mehrere Millionen Mal gegen sich selbst. Im März 2016 besiegte es Lee Sedol, einen der weltbesten Go-Spieler.
Generative KI lernt Muster aus Trainingsdaten und erzeugt neue Inhalte mit ähnlichen Eigenschaften. Trainingsdaten sind die Daten, anhand derer das Modell lernt. Die Ausgaben können Texte, Bilder, Ton oder Videos sein. Sie müssen nicht genauso in den Trainingsdaten vorgekommen sein. Das Erzeugen eines neuen Inhalts garantiert jedoch nicht, dass dessen Angaben stimmen.
Definition
Generative KI
KI, die anhand erlernter Muster neue Inhalte erzeugt, zum Beispiel Texte oder Bilder.
| Arbeitsweise | Grundlage |
|---|---|
| Regelbasiertes Expertensystem | Menschen halten Fachwissen als Regeln fest; das System wendet sie an. |
| Maschinelles Lernen | Das System lernt anhand vorhandener Daten und erkennt darin Zusammenhänge. |
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Eine künstlich erzeugte Szene kann wie eine Aufnahme aus der Vergangenheit aussehen. Sie ist damit aber noch kein Beleg für das gezeigte Geschehen. Der Autor Michael Katzlberger beschreibt KI-Bilder historischer Szenen als kreative Interpretationen statt als exakte Wiederherstellungen. Texteingaben beeinflussen, welche Personen und Gegenstände erscheinen. Elemente können ergänzt, entfernt oder verändert werden.
Eine solche Auswahl kann bestimmte Erzählungen unterstützen. Zeigt eine ausgedachte Eingabe nur Herrscher und Siege, treten andere Menschen und Niederlagen nicht gleichermaßen hervor. Wiederkehrende einseitige Motive können Stereotype verstärken, also vereinfachte feste Vorstellungen. Das bedeutet nicht, dass jeder Betrachter gleich reagiert.
Auch Texte setzen Schwerpunkte. Ein KI-Text, der günstige Merkmale hervorhebt und Schwächen nur allgemein nennt, kann einen einseitigen Eindruck begünstigen. Eine fehlende wichtige Information macht aber nicht jede andere Aussage des Textes falsch.
Wie überzeugend künstliche Bilder wirken können, zeigte eine Arbeit aus dem Jahr 2017 mit erfundenen Gesichtsbildern. Fachkreise beschrieben ihre Wirkung als eindrucksvoll realistisch. Im Zusammenhang mit den Möglichkeiten echt wirkender künstlicher Bilder wurde diskutiert, wie verlässlich Fotos und Videos noch als Beweise sind. Realistisch wirkende Gestaltung ersetzt den Vergleich mit Belegen nicht. Ohne Vergleichsbelege sind auch erzeugte Kleidung, Gesten oder Gesichtsausdrücke keine gesicherten Einzelheiten der Vergangenheit.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: ein prächtiges Schloss
- 1Ein künstlich erzeugtes Bild zeigt ein Schloss ausschließlich prächtig und glänzend.
- 2Diese Auswahl kann die Vorstellung fördern, die gezeigte Epoche sei vor allem durch Glanz bestimmt gewesen.
- 3Das Beispiel beschreibt kein bestimmtes historisches Schloss und keine tatsächlich untersuchte KI-Ausgabe.
- 4Ob das Bild bei jedem Betrachter so wirkt, ist damit nicht bewiesen.
Merke: Prüfe sowohl das Gezeigte als auch die Auswahl: Was steht im Vordergrund, und welche wichtigen Gesichtspunkte fehlen?
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Beginne mit der Herkunft: Wer hat den Inhalt wann und zu welchem Zweck hergestellt? Halte bei digitalen Inhalten fest, welche Fassung du prüfst und ob Veränderungen bekannt sind. Unterscheide zuerst, was tatsächlich vorliegt, von deiner Deutung. Vergleiche anschließend konkrete Angaben mit auffindbaren Belegen. Manche Fragen bleiben offen.
Ein überzeugend formulierter KI-Text kann sachlich falsche Angaben enthalten. Dafür wird der Ausdruck KI-Halluzination verwendet. Er beschreibt hier ein mögliches fehlerhaftes Ergebnis, keine menschliche Wahrnehmung des Computers. Der sichere Ton einer Antwort belegt ihre Richtigkeit nicht.
Ein dokumentiertes Beispiel bietet das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München, kurz ISB. Seine Handreichung vom 3. Juli 2026 enthält eine als KI-Antwort gekennzeichnete Beurteilung der Weimarer Reichsverfassung, der Verfassung Deutschlands von 1919. Die Antwort betont demokratische Wahlen und Grundrechte, also wichtige geschützte Rechte. Schwächen nennt sie am Schluss, erklärt sie aber nicht konkret. Das verwendete Modell und das genaue Erzeugungsdatum sind dort nicht genannt.
Zwei Punkte lassen sich begrenzt prüfen. Artikel 22 sieht die allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime Wahl der Abgeordneten vor. Das stützt den demokratischen Wahlgrundsatz. Artikel 48 erlaubte dagegen dem Reichspräsidenten, dem Staatsoberhaupt, bei erheblicher Störung oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung Gegenmaßnahmen. Dazu gehörte die vorübergehende vollständige oder teilweise Außerkraftsetzung ausdrücklich aufgezählter Grundrechte, darunter Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Der Reichstag, das Parlament, musste unverzüglich informiert werden und konnte die Aufhebung der Maßnahmen verlangen.
Der KI-Text ist eine heutige Zusammenstellung über 1919, keine Äußerung aus dem Jahr 1919. Die Verfassungsartikel stammen dagegen aus der untersuchten Zeit, auch wenn sie hier durch heutige Wiedergaben zugänglich sind. Für die Geschichte heutigen KI-Einsatzes kann der KI-Text selbst eine Quelle sein. Für den damaligen Verfassungswortlaut ersetzt er die Artikel nicht.
Bei Bildern prüfst du behauptete sichtbare Einzelheiten, bei Videos zusätzlich etwa Bewegungen und Ton. Bei Texten prüfst du Aussagen und die angegebenen Fundstellen. Benenne anschließend genau, was belegt ist und was offenbleibt. Die folgende Musteraufgabe prüft nur zwei Aspekte des dokumentierten KI-Textes, nicht sämtliche Aussagen.
Definition
Quellenkritik
Du untersuchst, unter welchen Umständen etwas entstanden ist, und prüfst, wie zuverlässig seine Angaben für deine Frage sind.
Merke: Eine heutige KI-Darstellung über eine vergangene Zeit ist keine damalige Äußerung. Welche Fragen du mit ihr untersuchen kannst, hängt von ihrer Entstehung und deinem Untersuchungsziel ab.
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Alles auf einen Blick
KI und Geschichte
Entwicklung
Die Dartmouth-Konferenz von 1956 gilt als Gründungsveranstaltung des Forschungsgebiets KI.
Arbeitsweisen
Regelbasierte Expertensysteme wenden Fachregeln an; maschinelles Lernen nutzt vorhandene Daten zum Lernen.
Neue Inhalte
Generative KI erzeugt Inhalte anhand erlernter Muster. Ihre Angaben können erfunden sein.
Auswahl
Hervorgehobene und fehlende Einzelheiten können Vorstellungen von Vergangenheit prägen.
Prüfung
Herkunft klären, Angaben mit Belegen vergleichen und verbleibende Unsicherheit benennen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Grundrechtsschutz im dokumentierten KI-Text prüfen
- 1Prüffrage festlegen: Reicht die Betonung geschützter Grundrechte aus, um die Weimarer Reichsverfassung zu beurteilen?
- 2Behauptung erfassen: Der veröffentlichte KI-Text betont Grundrechte und erwähnt Schwächen nur allgemein.
- 3Grenze ergänzen: Artikel 48 erlaubte dem Reichspräsidenten bei erheblicher Störung oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, ausdrücklich aufgezählte Grundrechte vorübergehend vollständig oder teilweise außer Kraft zu setzen.
- 4Kontrolle berücksichtigen: Der Reichstag musste unverzüglich informiert werden. Auf sein Verlangen waren die Maßnahmen aufzuheben.
- 5Begrenzt urteilen: Für die Beurteilung des Grundrechtsschutzes müssen sowohl diese Befugnisse als auch die Kontrolle durch das Parlament berücksichtigt werden.
- 6Offenes benennen: Damit ist nicht jede Aussage des KI-Textes geprüft. Aus den Verfassungsregeln allein folgt auch nicht, wie sie tatsächlich angewendet wurden.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu künstlich erzeugten Gesichtsbildern In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Aussage verwechselt eine überzeugende Gestaltung mit einem Beweis. Richtig: Realistisch wirkende Gestaltung ersetzt den Vergleich mit Belegen nicht.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Dartmouth-Konferenz als Gründungsveranstaltung des Forschungsgebiets KI fand im Sommer statt. Gegen Schachweltmeister Garri Kasparow gewann 1997 . ChatGPT wurde im November eingeführt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback