Geschichte · Klasse 7–11 · aktualisiert
Hegemoniestreben: Macht und Einfluss verstehen
Du lernst, was Hegemoniestreben bedeutet, welche Mittel Staaten dafür nutzen und wie du Machtansprüche von Tatsachen unterscheidest.
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Kurz gesagt
Hegemoniestreben ist das Bemühen um eine Vormachtstellung gegenüber anderen. Hegemonie bezeichnet die führende Stellung selbst. Militärische Stärke, wirtschaftlicher Einfluss und kulturelle Vorbilder können dabei eine Rolle spielen.
Ein Staat will großen Einfluss gewinnen. Doch sein Wunsch beweist noch nicht, dass andere Staaten ihm folgen. Du untersuchst, wie Staaten nach Vorherrschaft streben und warum andere darauf mit Zustimmung oder Widerstand reagieren können.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Hegemonie bedeutet eine führende Stellung, etwa eines Staates gegenüber anderen Staaten. Die anderen können ihre eigenen Interessen dann nur eingeschränkt durchsetzen. Selbst wenn sie rechtlich selbstständig entscheiden dürfen, kann die Übermacht des führenden Staates ihre Möglichkeiten begrenzen.
Hegemoniestreben bezeichnet das Bemühen, eine solche Vormachtstellung zu erreichen. Du musst deshalb zwischen dem Ziel, den eingesetzten Mitteln und dem erreichten Ergebnis unterscheiden. Ein Machtanspruch allein beweist keine erreichte Hegemonie.
Spanien und Portugal teilten 1494 im Vertrag von Tordesillas ihre Entdeckungsansprüche in einen westlichen und einen östlichen Bereich auf. Andere europäische Mächte und einige spanische Mönche akzeptierten die päpstlichen und vertraglichen Begründungen für Eroberungen nicht. Eine vereinbarte Aufteilung von Ansprüchen bedeutete also noch keine allgemein anerkannte Herrschaft.
Definition
Hegemoniestreben
Das Bemühen, gegenüber anderen eine führende Stellung zu erreichen. Ob dieses Ziel erreicht wird, muss gesondert geprüft werden.
Merke: Hegemoniestreben beschreibt ein Ziel und die Bemühungen darum. Hegemonie beschreibt eine Stellung.
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Militärische Mittel sind etwa Aufrüstung, Drohungen und Besetzungen. Japan besetzte 1894 den koreanischen Königspalast und setzte einen neuen Herrscher ein. Hier griff ein Staat mit militärischer Gewalt in die Herrschaft eines anderen Landes ein.
Wirtschaftliche Mittel wirken über Handel, Geld und besondere Rechte. Japan brachte Korea bereits 1876 mit einem Handelsvertrag in Abhängigkeit. In China besaßen ausländische Mächte besondere Rechte, etwa zum Bergbau und zum Eisenbahnbau. Sie gewannen dadurch Einfluss, ohne das ganze Land als Kolonie direkt zu beherrschen. Eine Kolonie ist ein Gebiet unter der Herrschaft einer fremden Macht.
Kultureller Einfluss kann durch Vorbilder entstehen. Er kann aber auch mit dem Anspruch verbunden sein, anderen Menschen überlegen zu sein. Europäische Vorstellungen von kultureller und christlicher Überlegenheit begründeten den Anspruch, andere Kontinente zu beherrschen. Das war eine Rechtfertigung der Herrschaft, kein Beweis einer tatsächlichen Überlegenheit. Die Mittel konnten zusammenwirken: Wirtschaftliche Interessen konnten etwa durch militärisch gesicherte Stützpunkte geschützt werden.
Beispiel: Ein Handelsvertrag als Machtmittel
- 1Japan brachte Korea 1876 durch einen Handelsvertrag in Abhängigkeit.
- 2Das eingesetzte Mittel war hier ein Vertrag über wirtschaftliche Beziehungen.
- 3An diesem Fall erkennst du: Einfluss kann auch durch Handel entstehen.
| Mittel | Woran erkennst du es? |
|---|---|
| Militärisch | Ein Staat droht mit Gewalt oder besetzt ein Gebiet. |
| Wirtschaftlich | Ein Staat gewinnt Einfluss durch Handel oder besondere wirtschaftliche Rechte. |
| Kulturell | Ein Staat wirkt als Vorbild oder rechtfertigt Herrschaft mit behaupteter Überlegenheit. |
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Einfluss muss nicht in jedem Fall erzwungen werden. Der Historiker Jürgen Osterhammel unterscheidet für das 19. Jahrhundert europäische Gewaltmacht, wirtschaftliche Ausbreitung und freiwillig aufgenommene Vorbildwirkung. Wer ein Vorbild freiwillig übernimmt, erkennt es in diesem Bereich an. Das bedeutet keine Zustimmung zu jeder Handlung der führenden Macht.
Die politischen Theoretiker Robert O. Keohane und Joseph Nye untersuchen Macht und Zusammenarbeit zwischen Staaten. Sie empfehlen eine Außenpolitik, die stärker auf Zusammenarbeit und Zustimmung als auf Zwang setzt. Nach ihrer Auffassung hilft dies, Anerkennung bei anderen Staaten zu behaupten.
Abhängigkeit entsteht dagegen, wenn eine stärkere Macht die Handlungsmöglichkeiten anderer einschränkt. Der Historiker Klaus Mühlhahn erklärt Chinas Lage durch rechtliche Abhängigkeit und wirtschaftliche Ausbeutung. China blieb als Staat bestehen. Dennoch wurde die chinesische Staatsgewalt in ausländischen Hafenvierteln und Niederlassungen außer Kraft gesetzt.
Gegenmacht bedeutet, dass andere Staaten der Vormacht eigene Stärke oder Zusammenarbeit entgegensetzen. Großbritannien sah im deutschen Flottenbau einen Angriff auf seine Seeherrschaft und näherte sich Frankreich und Russland an. Die deutsche Regierung wollte Druck auf Großbritannien ausüben. Nach der Erklärung des Historikers Jörg Fisch setzte der deutsche Flottenbau britische Gegenrüstung in Gang.
Ein Machtstreben musst du vom erreichten Ergebnis unterscheiden: 1914 lag Deutschland im Vergleich der Kriegsschifftonnage an zweiter Stelle hinter Großbritannien. Kriegsschifftonnage ist ein Maß für Schiffsraum und Tragfähigkeit. Dieser Vergleich zeigt einen Größenunterschied der Flotten. Er beweist für sich allein noch nicht, wer die Meere militärisch kontrollierte.
Definition
Gegenmacht
Staaten setzen einer überlegenen oder bedrohlich wirkenden Macht eigene Stärke oder Zusammenarbeit entgegen.
Merke: Freiwillige Anerkennung, eingeschränkte Entscheidungsfreiheit und Widerstand sind unterschiedliche Reaktionen auf Macht.
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Eine Tatsache ist eine überprüfbare Angabe darüber, was geschah oder gesagt wurde. Eine theoretische Erklärung versucht, Zusammenhänge zu erklären. Eine politische Wertung beurteilt etwa, welche Machtstellung berechtigt oder wünschenswert sei. Achte deshalb darauf, wer etwas sagt und was mit der Aussage behauptet wird.
Eine politische Theorie heißt Neorealismus. Sie erklärt Hegemonie mit unterschiedlichen Fähigkeiten und unterschiedlicher Macht von Staaten. Nach dieser Theorie streben Staaten nach einem Machtgleichgewicht, sodass sich langfristig ein Gegenpol zur Vormacht bildet. Das ist eine Erklärung für Entwicklungen zwischen Staaten, keine einzelne beobachtete Handlung und keine Forderung, wer herrschen soll.
Der chinesische Kaiser Qianlong lehnte 1793 eine britische Gesandtschaft ab, also eine offizielle Vertretung Großbritanniens. Er behauptete dabei, Herrscher aller Völker brächten ihm Tribut. Tribut sind hier Leistungen an einen Herrscher als Zeichen seiner übergeordneten Stellung. Dass Qianlong diese Behauptung aufstellte, ist von der Frage zu trennen, ob sein Anspruch tatsächlich zutraf.
Politische Wertungen können weit auseinanderliegen. Der Autor Louis de Jaucourt begründete 1751 Europas Vorrang besonders mit dem Christentum, aber auch mit Handel und Fähigkeiten in Wirtschaft und Wissenschaft. Der Autor Johann Heinrich Gottlob von Justi kritisierte 1762 dagegen europäische Selbstüberhöhung. Er verurteilte, dass Europäer fremde Länder an sich nahmen, Menschen versklavten und bei Widerstand vernichteten. Die beiden Autoren bewerteten europäische Machtansprüche unterschiedlich.
| Art der Aussage | Was prüfst du? |
|---|---|
| Tatsache | Was geschah oder wurde nachweisbar gesagt? |
| Theoretische Erklärung | Welcher Zusammenhang soll eine Entwicklung erklären? |
| Politische Wertung | Was hält jemand für berechtigt, gut oder ungerecht? |
Merke: Eine belegte Äußerung macht ihren Inhalt noch nicht wahr. Ein Herrscher kann einen Anspruch erheben, ohne ihn verwirklicht zu haben.
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Alles auf einen Blick
Hegemoniestreben
Begriffe
Hegemoniestreben ist das Bemühen um eine Vormachtstellung; Hegemonie bezeichnet die Stellung selbst.
Mittel
Militärische Gewalt, wirtschaftliche Rechte und kultureller Einfluss können zusammenwirken.
Zustimmung
Freiwillige Vorbildwirkung bedeutet Anerkennung in einem Bereich, nicht Zustimmung zu jeder Handlung.
Reaktionen
Übermacht kann Handlungsmöglichkeiten einschränken und andere Staaten zur Bildung von Gegenmacht bewegen.
Urteil
Trenne überprüfbare Tatsachen, theoretische Erklärungen und politische Wertungen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Was beweist die Aufteilung von Entdeckungsansprüchen?
- 1Aufgabe: Prüfe, ob der Vertrag von Tordesillas eine allgemein anerkannte Herrschaft Spaniens und Portugals belegt.
- 2Tatsache festhalten: Spanien und Portugal teilten 1494 ihre Entdeckungsansprüche in einen westlichen und einen östlichen Bereich auf.
- 3Anspruch prüfen: Die Vereinbarung zeigt, welche Ansprüche die beiden Mächte erhoben.
- 4Grenze beachten: Andere europäische Mächte und einige spanische Mönche akzeptierten die päpstlichen und vertraglichen Begründungen für Eroberungen nicht.
- 5Ergebnis formulieren: Die Aufteilung von Ansprüchen beweist noch keine allgemein anerkannte Herrschaft.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum deutschen Flottenbau In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt Deutschlands Aufrüstung mit einem belegten ersten Rang. Richtig: 1914 lag Deutschland im Vergleich der Kriegsschifftonnage an zweiter Stelle hinter Großbritannien.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Spanien und Portugal teilten ihre Entdeckungsansprüche im Vertrag von Tordesillas auf. Durch einen Handelsvertrag mit Japan geriet 1876 in Abhängigkeit. Der chinesische Kaiser Qianlong lehnte 1793 eine Gesandtschaft ab.
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