Chemie · Klasse 9–10 · aktualisiert
Zwischenmolekulare Kräfte einfach erklärt
London-Kräfte, Dipol-Dipol-Kräfte und Wasserstoffbrücken erkennen und mit ihrer Summe Siedetemperaturen und Mischbarkeit erklären.
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Kurz gesagt
Zwischenmolekulare Kräfte wirken zwischen Molekülen, nicht in ihnen: London-Kräfte zwischen allen Teilchen, Dipol-Dipol-Kräfte zwischen permanenten Dipolen, Wasserstoffbrücken zwischen H an O, N oder F und einem freien Elektronenpaar. Je stärker sie insgesamt sind, desto höher siedet ein Stoff bei gleichem Druck meist.
Zwischenmolekulare Kräfte ziehen bereits vorhandene Moleküle an. Sie erklären unter anderem, warum manche Stoffe leicht verdampfen, andere hohe Siedetemperaturen besitzen und sich bestimmte Flüssigkeiten mischen. Entscheidend sind London-Dispersionskräfte, Dipol-Dipol-Wechselwirkungen und Wasserstoffbrücken.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
Eine chemische Bindung hält Atome innerhalb eines Moleküls zusammen. Zwischenmolekulare Kräfte wirken dagegen zwischen verschiedenen Molekülen. In Strukturzeichnungen werden Bindungen meist als durchgezogene und Wechselwirkungen häufig als gestrichelte Linien dargestellt.
Beim Verdampfen von Wasser werden die H₂O-Moleküle voneinander getrennt. Die O–H-Bindungen innerhalb der Moleküle bleiben erhalten. Die zugeführte Energie überwindet also zwischenmolekulare Kräfte und zerlegt nicht jedes Wassermolekül in seine Atome.
Elektronen bewegen sich fortwährend. Dadurch können die Elektronen eines Teilchens für einen kurzen Moment ungleich verteilt sein. Es entsteht ein temporärer Dipol mit einer etwas negativeren und einer etwas positiveren Seite. Dieser temporäre Dipol verschiebt die Elektronen eines Nachbarteilchens. Dort entsteht ein induzierter Dipol. Entgegengesetzte Seiten ziehen sich kurzzeitig an. Diese Anziehung zwischen temporären und induzierten Dipolen heißt London-Dispersionskraft. Sie wirkt zwischen allen Atomen und Molekülen, auch zwischen unpolaren Molekülen.
Ihre Stärke nimmt im Allgemeinen zu, wenn ein Teilchen mehr Elektronen hat, wenn seine Elektronenhülle leichter verformbar, also stärker polarisierbar ist, und wenn Moleküle eine große wirksame Kontaktfläche besitzen. Bei ähnlich großen Molekülen können unverzweigte Formen oft enger aneinanderliegen als stark verzweigte Formen. Die größere Kontaktfläche begünstigt dann stärkere London-Kräfte.
Der Ausdruck „Van-der-Waals-Kräfte“ wird nicht überall gleich verwendet. Auf dieser Seite bezeichnet er die London-Dispersionskräfte. In weiter gefasster Fachsprache kann er auch als Oberbegriff für mehrere schwache Wechselwirkungen dienen.
Definition
Zwischenmolekulare Kräfte
Zwischenmolekulare Kräfte sind elektrostatische Anziehungen zwischen Teilbereichen verschiedener Moleküle. Sie verändern die Elektronenverteilung oder richten vorhandene Teilladungen zueinander aus, ohne die Atome zu neuen Molekülen zu verbinden.
Merke: Beim Schmelzen werden die Teilchen beweglicher, beim Verdampfen wachsen ihre Abstände stark. Die Moleküle selbst bleiben normalerweise erhalten.
Beispiel: Chlor, Brom und Iod im Vergleich
- 1Chlor (Cl₂), Brom (Br₂) und Iod (I₂) bestehen aus unpolaren Molekülen aus je zwei gleichen Atomen. Zwischen ihnen wirken nur London-Kräfte.
- 2Von Chlor über Brom zu Iod werden die Atome größer und haben mehr Elektronen. Die Elektronenhülle lässt sich leichter verschieben.
- 3Die Siedetemperaturen bei 1.013 hPa steigen deshalb: Chlor etwa −34 °C, Brom etwa 59 °C, Iod etwa 184 °C.
- 4Passend dazu ist bei Zimmertemperatur Chlor ein Gas, Brom eine Flüssigkeit und Iod ein Feststoff.
Teste dich
Eine Bindung ist polar, wenn ein Atom die Bindungselektronen stärker anzieht als das andere. Am stärker anziehenden Atom entsteht eine negative Partialladung δ−, am anderen eine positive Partialladung δ+.
Eine polare Bindung macht jedoch nicht automatisch das ganze Molekül zum Dipol. Zusätzlich kommt es auf die räumliche Anordnung der Bindungen an.
Gehe beim Prüfen in vier Schritten vor. Bestimme zuerst die räumliche Molekülform. Markiere dann die polaren Bindungen und ihre Partialladungen. Prüfe danach, ob sich die Wirkungen der Bindungspolaritäten durch Symmetrie aufheben. Bleiben getrennte Ladungsschwerpunkte übrig, ist das Molekül ein Dipol.
Zwischen permanenten Dipolen richten sich entgegengesetzte Pole benachbarter Moleküle zueinander aus. Diese Anziehung heißt Dipol-Dipol-Wechselwirkung. London-Kräfte wirken dabei weiterhin zusätzlich.
Definition
Permanenter Dipol
Ein Molekül ist ein permanenter Dipol, wenn es polare Bindungen besitzt und die Schwerpunkte seiner positiven und negativen Partialladungen räumlich nicht zusammenfallen.
Beispiel: CO₂ und H₂O im Vergleich
- 1CO₂: Jede C=O-Bindung ist polar. Das Molekül ist aber linear und symmetrisch.
- 2Die beiden Bindungspolaritäten wirken in entgegengesetzte Richtungen und heben sich auf. CO₂ ist deshalb kein permanenter Dipol.
- 3H₂O: Die O–H-Bindungen sind polar. Das Molekül ist gewinkelt, daher heben sich die Bindungspolaritäten nicht auf.
- 4Die negative Seite liegt beim O-Atom, die positive Seite bei den H-Atomen. H₂O ist ein permanenter Dipol.
Teste dich
Wasserstoffbrücken sind besonders starke, gerichtete zwischenmolekulare Wechselwirkungen. Im hier verwendeten Schulmodell sind zwei Partner nötig.
Ein Donor besitzt eine O–H-, N–H- oder F–H-Bindung. Sein stark positiv polarisiertes H-Atom wird für die Brücke bereitgestellt. Ein Akzeptor ist ein O-, N- oder F-Atom mit einem verfügbaren freien Elektronenpaar.
Ein Sauerstoffatom allein genügt nicht immer für Wasserstoffbrücken zwischen gleichen Molekülen. Dimethylether (CH₃–O–CH₃) besitzt zwar ein O-Atom als Akzeptor, aber keine O–H-Gruppe als Donor: Alle seine H-Atome sitzen an C-Atomen. Reine Dimethylether-Moleküle können daher untereinander keine Wasserstoffbrücken bilden. Mit Wasser kann der Ether-Sauerstoff dagegen eine Brücke aufnehmen.
Definition
Wasserstoffbrücke
Eine Wasserstoffbrücke ist die Anziehung zwischen einem stark positiv polarisierten H-Atom einer O–H-, N–H- oder F–H-Gruppe und einem freien Elektronenpaar an O, N oder F eines anderen Teilchens.
Beispiel: Wasser und Ethanol
- 1Ein Wassermolekül besitzt O–H-Gruppen als Donoren und freie Elektronenpaare am Sauerstoff als Akzeptoren. Daher können viele H₂O-Moleküle untereinander Wasserstoffbrücken bilden.
- 2Ethanol besitzt ebenfalls eine O–H-Gruppe und ein O-Atom mit freien Elektronenpaaren.
- 3Zwischen Ethanol- und Wassermolekülen sind deshalb Wasserstoffbrücken möglich.
Merke: Prüfe Wasserstoffbrücken nie nur durch die Suche nach O, N oder F. Suche getrennt nach einem Donor und einem Akzeptor.
Teste dich
Beim Sieden müssen Moleküle weit voneinander getrennt werden. Je stärker ihre gesamte Anziehung ist, desto mehr Energie wird gewöhnlich benötigt und desto höher liegt bei vergleichbaren Bedingungen die Siedetemperatur.
Eine häufig verwendete Orientierung lautet: Wasserstoffbrücken sind stärker als Dipol-Dipol-Wechselwirkungen, und diese sind stärker als einzelne London-Kräfte. Diese Reihenfolge ist keine automatische Rangliste ganzer Stoffe. Größe, Elektronenzahl, Kontaktfläche und die Anzahl aller Kontakte können den Gesamtvergleich verändern.
Auch die Mischbarkeit hängt von Wechselwirkungen ab. Beim Mischen werden Kontakte zwischen gleichen Teilchen teilweise getrennt und neue Kontakte zwischen unterschiedlichen Teilchen gebildet. Die Faustregel „Ähnliches löst sich in Ähnlichem“ meint deshalb ähnliche Wechselwirkungsmöglichkeiten.
Wasser und Ethanol können miteinander Wasserstoffbrücken sowie weitere Wechselwirkungen bilden und sind gut mischbar. Wasser bildet untereinander ein starkes Netzwerk aus Wasserstoffbrücken. Heptan kann diese Kontakte nicht durch ähnlich starke Wasser-Heptan-Kontakte ersetzen. Beide Flüssigkeiten mischen sich schlecht.
Beispiel: Aceton und Heptan: polar heißt nicht höher siedend
- 1Aceton ist polar und besitzt Dipol-Dipol-Wechselwirkungen. Heptan ist unpolar, aber deutlich größer.
- 2Die stärkeren London-Kräfte des Heptans führen zu einer höheren Siedetemperatur: Heptan siedet bei 98 °C, Aceton bei 56 °C.
- 3Das Gegenbeispiel zeigt: „polar“ bedeutet nicht automatisch „höher siedend“.
Beispiel: So beurteilst du einen Stoffvergleich
- 1Bestimme für beide Teilchensorten die möglichen Kraftarten.
- 2Berücksichtige bei London-Kräften Größe, Polarisierbarkeit und Kontaktfläche.
- 3Prüfe bei polaren Molekülen die räumliche Ladungsverteilung.
- 4Suche bei Wasserstoffbrücken getrennt nach Donoren und Akzeptoren.
- 5Vergleiche die Summe der Wechselwirkungen, nicht nur die für sich genommen stärkste Art.
- 6Formuliere daraus vorsichtig eine Erwartung für Siedetemperatur oder Mischbarkeit.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Zwischenmolekulare Kräfte
London-Kräfte
temporäre und induzierte Dipole bei allen Teilchen
Dipol-Dipol-Kräfte
Anziehung permanenter Moleküldipole
Wasserstoffbrücken
Donor-H trifft auf Akzeptor mit freiem Elektronenpaar
Molekülstruktur
Bindungspolarität und Form bestimmen den Dipolcharakter
Siedetemperatur
stärkere Gesamtanziehung erfordert meist mehr Energie
Mischbarkeit
neue gemischte Kontakte müssen getrennte Reinstoffkontakte ersetzen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Methanol oder Ethan: Welcher Stoff siedet höher?
- 1Aufgabe: Methanol (CH₃OH) und Ethan (C₂H₆) haben beide 18 Elektronen und sind ähnlich groß. Sage vorher, welcher Stoff höher siedet.
- 2London-Kräfte: Bei gleicher Elektronenzahl und ähnlicher Größe sind sie bei beiden Stoffen ungefähr gleich stark.
- 3Dipol: Ethan hat nur C–C- und kaum polare C–H-Bindungen und ist unpolar. Methanol hat eine polare O–H-Gruppe und ist ein permanenter Dipol.
- 4Wasserstoffbrücken: Methanol besitzt mit O–H einen Donor und mit dem O-Atom einen Akzeptor. Ethan besitzt weder das eine noch das andere.
- 5Summe: Zwischen Methanolmolekülen wirken zusätzlich Dipol-Dipol-Kräfte und Wasserstoffbrücken. Methanol siedet deshalb deutlich höher, bei etwa 65 °C, Ethan schon bei etwa −89 °C.
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Ist Tetrachlormethan (CCl₄) ein permanenter Dipol? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Form wurde nicht berücksichtigt. Richtig: Wegen der symmetrischen Tetraederform heben sich die vier Bindungspolaritäten auf; CCl₄ ist kein permanenter Dipol.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
London-Kräfte wirken zwischen . Ein Molekül mit polaren Bindungen ist ein permanenter Dipol, wenn sich die Bindungspolaritäten wegen seiner Form . Für eine Wasserstoffbrücke brauchst du einen Donor und einen .
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