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Chemie · Klasse 9–10 · aktualisiert

Zwischenmolekulare Kräfte einfach erklärt

London-Kräfte, Dipol-Dipol-Kräfte und Wasserstoffbrücken erkennen und mit ihrer Summe Siedetemperaturen und Mischbarkeit erklären.

0 von 12 Aufgaben gelöst

Zwischenmolekulare Kräfte einfach erklärt

Kurz gesagt

Zwischenmolekulare Kräfte wirken zwischen Molekülen, nicht in ihnen: London-Kräfte zwischen allen Teilchen, Dipol-Dipol-Kräfte zwischen permanenten Dipolen, Wasserstoffbrücken zwischen H an O, N oder F und einem freien Elektronenpaar. Je stärker sie insgesamt sind, desto höher siedet ein Stoff bei gleichem Druck meist.

Zwischenmolekulare Kräfte ziehen bereits vorhandene Moleküle an. Sie erklären unter anderem, warum manche Stoffe leicht verdampfen, andere hohe Siedetemperaturen besitzen und sich bestimmte Flüssigkeiten mischen. Entscheidend sind London-Dispersionskräfte, Dipol-Dipol-Wechselwirkungen und Wasserstoffbrücken.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

Eine chemische Bindung hält Atome innerhalb eines Moleküls zusammen. Zwischenmolekulare Kräfte wirken dagegen zwischen verschiedenen Molekülen. In Strukturzeichnungen werden Bindungen meist als durchgezogene und Wechselwirkungen häufig als gestrichelte Linien dargestellt.

Beim Verdampfen von Wasser werden die H₂O-Moleküle voneinander getrennt. Die O–H-Bindungen innerhalb der Moleküle bleiben erhalten. Die zugeführte Energie überwindet also zwischenmolekulare Kräfte und zerlegt nicht jedes Wassermolekül in seine Atome.

Elektronen bewegen sich fortwährend. Dadurch können die Elektronen eines Teilchens für einen kurzen Moment ungleich verteilt sein. Es entsteht ein temporärer Dipol mit einer etwas negativeren und einer etwas positiveren Seite. Dieser temporäre Dipol verschiebt die Elektronen eines Nachbarteilchens. Dort entsteht ein induzierter Dipol. Entgegengesetzte Seiten ziehen sich kurzzeitig an. Diese Anziehung zwischen temporären und induzierten Dipolen heißt London-Dispersionskraft. Sie wirkt zwischen allen Atomen und Molekülen, auch zwischen unpolaren Molekülen.

Ihre Stärke nimmt im Allgemeinen zu, wenn ein Teilchen mehr Elektronen hat, wenn seine Elektronenhülle leichter verformbar, also stärker polarisierbar ist, und wenn Moleküle eine große wirksame Kontaktfläche besitzen. Bei ähnlich großen Molekülen können unverzweigte Formen oft enger aneinanderliegen als stark verzweigte Formen. Die größere Kontaktfläche begünstigt dann stärkere London-Kräfte.

Der Ausdruck „Van-der-Waals-Kräfte“ wird nicht überall gleich verwendet. Auf dieser Seite bezeichnet er die London-Dispersionskräfte. In weiter gefasster Fachsprache kann er auch als Oberbegriff für mehrere schwache Wechselwirkungen dienen.

Definition

Zwischenmolekulare Kräfte

Zwischenmolekulare Kräfte sind elektrostatische Anziehungen zwischen Teilbereichen verschiedener Moleküle. Sie verändern die Elektronenverteilung oder richten vorhandene Teilladungen zueinander aus, ohne die Atome zu neuen Molekülen zu verbinden.

Merke: Beim Schmelzen werden die Teilchen beweglicher, beim Verdampfen wachsen ihre Abstände stark. Die Moleküle selbst bleiben normalerweise erhalten.

Beispiel: Chlor, Brom und Iod im Vergleich

  1. 1Chlor (Cl₂), Brom (Br₂) und Iod (I₂) bestehen aus unpolaren Molekülen aus je zwei gleichen Atomen. Zwischen ihnen wirken nur London-Kräfte.
  2. 2Von Chlor über Brom zu Iod werden die Atome größer und haben mehr Elektronen. Die Elektronenhülle lässt sich leichter verschieben.
  3. 3Die Siedetemperaturen bei 1.013 hPa steigen deshalb: Chlor etwa −34 °C, Brom etwa 59 °C, Iod etwa 184 °C.
  4. 4Passend dazu ist bei Zimmertemperatur Chlor ein Gas, Brom eine Flüssigkeit und Iod ein Feststoff.

Teste dich

LeichtWas wird beim Verdampfen von Wasser überwunden?
MittelZwei unpolare Moleküle unterscheiden sich deutlich in Größe und Elektronenzahl. Welches hat gewöhnlich die stärkeren London-Kräfte?

Alles auf einen Blick

Zwischenmolekulare Kräfte

  • London-Kräfte

    temporäre und induzierte Dipole bei allen Teilchen

  • Dipol-Dipol-Kräfte

    Anziehung permanenter Moleküldipole

  • Wasserstoffbrücken

    Donor-H trifft auf Akzeptor mit freiem Elektronenpaar

  • Molekülstruktur

    Bindungspolarität und Form bestimmen den Dipolcharakter

  • Siedetemperatur

    stärkere Gesamtanziehung erfordert meist mehr Energie

  • Mischbarkeit

    neue gemischte Kontakte müssen getrennte Reinstoffkontakte ersetzen

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Methanol oder Ethan: Welcher Stoff siedet höher?

  1. 1Aufgabe: Methanol (CH₃OH) und Ethan (C₂H₆) haben beide 18 Elektronen und sind ähnlich groß. Sage vorher, welcher Stoff höher siedet.
  2. 2London-Kräfte: Bei gleicher Elektronenzahl und ähnlicher Größe sind sie bei beiden Stoffen ungefähr gleich stark.
  3. 3Dipol: Ethan hat nur C–C- und kaum polare C–H-Bindungen und ist unpolar. Methanol hat eine polare O–H-Gruppe und ist ein permanenter Dipol.
  4. 4Wasserstoffbrücken: Methanol besitzt mit O–H einen Donor und mit dem O-Atom einen Akzeptor. Ethan besitzt weder das eine noch das andere.
  5. 5Summe: Zwischen Methanolmolekülen wirken zusätzlich Dipol-Dipol-Kräfte und Wasserstoffbrücken. Methanol siedet deshalb deutlich höher, bei etwa 65 °C, Ethan schon bei etwa −89 °C.

Fehler finden

Ist Tetrachlormethan (CCl₄) ein permanenter Dipol? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.

Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

London-Kräfte wirken zwischen . Ein Molekül mit polaren Bindungen ist ein permanenter Dipol, wenn sich die Bindungspolaritäten wegen seiner Form . Für eine Wasserstoffbrücke brauchst du einen Donor und einen .

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Zwischenmolekulare Kräfte

LeichtWelche Kraftart wirkt auch zwischen zwei unpolaren Molekülen?
MittelEin Molekül besitzt polare Bindungen. Welche zusätzliche Information brauchst du, um zu entscheiden, ob es ein permanenter Dipol ist?
SchwerEin polarer Stoff siedet niedriger als ein deutlich größerer unpolarer Stoff. Welche Erklärung passt?

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