Chemie · Klasse 7–10 · aktualisiert
Wasser in der Chemie: Aufbau und Eigenschaften
Wie das Wassermolekül gebaut ist und warum Dipol und Wasserstoffbrücken Löslichkeit, Oberflächenspannung, Leitfähigkeit und schwimmendes Eis erklären.
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Kurz gesagt
Ein Wassermolekül (H₂O) ist gewinkelt: Die Sauerstoffseite ist leicht negativ, die Wasserstoffseiten sind leicht positiv. Es ist ein Dipol. Deshalb ziehen sich Wassermoleküle über Wasserstoffbrücken an und lösen Salz. Im Eis halten die Brücken sie locker mit Lücken fest: Eis ist weniger dicht und schwimmt.
Ein Wassermolekül besteht aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom: H₂O. Weil das Molekül gewinkelt ist und Sauerstoff die gemeinsamen Elektronen stärker anzieht, besitzt es eine leicht negative und eine leicht positive Seite. Diese Ladungsverteilung und die Wasserstoffbrücken zwischen den Molekülen erklären viele auffällige Eigenschaften des Wassers. Auf dieser Seite schließt du vom Bau des Moleküls auf Löslichkeit, Oberflächenspannung, Wärmespeicherung und Dichteanomalie. Außerdem unterscheidest du reines Wasser von natürlichen Wasserproben.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Warum kann Wasser geladene Teilchen anziehen, obwohl ein Wassermolekül insgesamt ungeladen ist? Entscheidend ist, wie die Ladung im Molekül verteilt ist.
Ein Wassermolekül enthält zwei Wasserstoffatome und ein Sauerstoffatom. Die Atome sind durch feste Atombindungen verbunden. Dabei teilen sich je ein Wasserstoffatom und das Sauerstoffatom zwei Elektronen. Elektronen sind winzige, negativ geladene Teilchen in der Hülle der Atome.
Sauerstoff zieht diese gemeinsamen Elektronen stärker zu sich als Wasserstoff. Deshalb ist die Sauerstoffseite leicht negativ, und die beiden Wasserstoffseiten sind leicht positiv. Diese kleinen Ladungen heißen Teilladungen oder Partialladungen. Es sind keine ganzen Ladungen wie bei einem geladenen Teilchen.
Außerdem ist H₂O nicht gerade, sondern gewinkelt. Der Winkel zwischen den beiden O–H-Bindungen beträgt etwa 104,5°. Deshalb liegen die Plusseite und die Minusseite an verschiedenen Stellen des Moleküls und gleichen sich nicht aus. Ein Molekül mit getrennter Plus- und Minusseite nennt man auch polar.
Definition
Dipol
Ein Dipol ist ein insgesamt ungeladenes Teilchen mit einer dauerhaft ungleichmäßigen Ladungsverteilung: Es hat eine leicht negative und eine leicht positive Seite. Beim Wassermolekül liegt die negative Seite am Sauerstoff, die positive Seite an den Wasserstoffatomen.
Merke: Sauerstoff zieht die gemeinsamen Elektronen stärker an, und das Molekül ist gewinkelt: Deshalb ist das Wassermolekül ein Dipol. Die Formel H₂O allein reicht für diese Begründung nicht aus.
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Die O–H-Bindungen halten ein Wassermolekül zusammen. Zwischen verschiedenen Wassermolekülen wirkt eine andere Anziehung: Die leicht positive Wasserstoffseite eines Moleküls zieht die leicht negative Sauerstoffseite eines anderen an.
Diese Anziehungen sind nicht dauerhaft. Sie lösen sich und entstehen ständig neu. Zusammen bilden sie ein bewegliches Netzwerk. Daraus folgen mehrere Eigenschaften.
Wasser hat eine hohe Oberflächenspannung: Moleküle an der Oberfläche werden stark zum Wasser hin angezogen. Kleine Wasserläufer können dadurch von der Oberfläche getragen werden.
Wasser hat eine hohe Wärmekapazität: Es braucht viel Energie, um wärmer zu werden. Seen und Meere erwärmen sich daher nur langsam und kühlen auch langsam ab. So mildern sie Temperaturschwankungen.
Wasser braucht außerdem viel Energie zum Verdampfen: Beim Übergang in den gasförmigen Zustand muss ein großer Teil der Anziehung zwischen den Molekülen überwunden werden.
Definition
Wasserstoffbrücke
Eine Wasserstoffbrücke ist eine Anziehung zwischen Molekülen. In Wasser bildet sie sich zwischen der positiven Wasserstoffseite und der negativen Sauerstoffseite benachbarter Moleküle. Sie ist keine zusätzliche O–H-Bindung innerhalb eines Moleküls.
Beispiel: Am Meer schwankt die Temperatur weniger
- 1An einer Küste erwärmt sich das Meer an einem heißen Tag langsamer als der Boden.
- 2Nachts gibt es die gespeicherte Wärme ebenfalls langsam ab.
- 3Der entscheidende Gedanke: Für dieselbe Temperaturänderung nimmt eine große Wassermenge viel Energie auf oder gibt viel Energie ab.
- 4Deshalb fallen Temperaturschwankungen in Küstennähe oft geringer aus als weit im Landesinneren.
Teste dich
Beim Lösen verschwindet ein Stoff nicht. Seine Teilchen verteilen sich so fein im Wasser, dass du sie einzeln nicht mehr siehst.
Kochsalz besteht aus Ionen. Ionen sind elektrisch geladene Teilchen. Im Kochsalz gibt es positiv geladene Natrium-Ionen und negativ geladene Chlorid-Ionen. Wasser zieht beide Sorten an. Die Wassermoleküle richten sich passend aus, lösen die Ionen aus dem Salzkristall und umhüllen sie. Diese Umhüllung durch Wassermoleküle heißt Hydratation. Um ein positives Ion zeigt überwiegend die negative Sauerstoffseite nach innen. Um ein negatives Ion zeigen überwiegend die positiven Wasserstoffseiten nach innen.
Die umhüllten Ionen können sich in der Lösung bewegen. Deshalb leitet eine Salzlösung elektrischen Strom deutlich besser als nahezu reines Wasser. Im festen Salzkristall sind die Ionen dagegen nicht frei beweglich.
Zucker besteht aus polaren Molekülen. Wassermoleküle können auch diese anziehen und voneinander trennen; die Zuckermoleküle werden dabei nicht zu Ionen. Öl ist überwiegend unpolar: Seine Moleküle haben keine deutlich getrennte Plus- und Minusseite. Ihm fehlen passende Teilladungen für eine starke Anziehung durch Wasser, daher bildet es eine getrennte Schicht.
Die Formel H₂O beschreibt den Reinstoff Wasser. Leitungswasser, Mineralwasser, See- oder Flusswasser sind dagegen Wasserproben mit gelösten Stoffen. Sie sind meist Gemische aus H₂O-Molekülen und gelösten Teilchen, etwa Gasen und Ionen, auch wenn sie klar aussehen. Ein Reinstoff besteht dagegen aus nur einer Teilchensorte. Nahezu reines Wasser leitet elektrischen Strom kaum. Gelöste Ionen erhöhen die Leitfähigkeit. Eine Leitfähigkeitsmessung weist daher auf geladene gelöste Teilchen hin, verrät allein aber noch nicht, welche Ionen enthalten sind.
Calcium- und Magnesium-Ionen heißen Härtebildner. Je mehr davon gelöst sind, desto härter ist das Wasser. Beim Erhitzen kann sich Kalk als fester Belag absetzen, etwa im Wasserkocher. Hartes Wasser erhöht außerdem den Seifenbedarf, weil Härtebildner die Seifenwirkung vermindern. Verwechsle außerdem Wasserdampf nicht mit Luft: Wasserdampf ist gasförmiges H₂O. Luft ist ein Gemisch verschiedener Gase und kann Wasserdampf enthalten.
Definition
Wässrige Lösung
Eine wässrige Lösung ist ein gleichmäßig aussehendes Gemisch, in dem Wasser das Lösungsmittel ist. Die gelösten Teilchen bleiben vorhanden.
Beispiel: Salz, Zucker und Öl in drei Gläsern Wasser
- 1Du rührst je einen Löffel Salz, Zucker und Öl in drei Gläser Wasser.
- 2Salz löst sich zu beweglichen Ionen, die von Wassermolekülen umhüllt werden.
- 3Zucker verteilt sich als Moleküle im Wasser.
- 4Öl bleibt in einer getrennten Schicht.
- 5„Nicht mehr sichtbar“ bedeutet bei Salz und Zucker also gelöst, nicht verschwunden. Beim Öl zeigt die sichtbare Schicht, dass keine einheitliche Lösung entstanden ist.
Beispiel: Eine klare Wasserprobe untersuchen
- 1Eine klare Wasserprobe leitet Strom und hinterlässt nach dem Verdunsten einen festen Rückstand.
- 2Daraus kannst du schließen: Die Probe war kein reines Wasser. Sie enthielt gelöste, elektrisch geladene Teilchen.
- 3Der Rückstand zeigt, dass die Probe gelöste feste Stoffe enthielt, die beim Verdunsten des Wassers zurückblieben.
- 4Welche Ionen es genau waren, lässt sich aus diesen beiden Beobachtungen noch nicht sicher bestimmen.
Teste dich
Wasser kommt fest als Eis, flüssig als Wasser und gasförmig als Wasserdampf vor. Bei einer Änderung des Aggregatzustands ändern sich die Anordnung und Beweglichkeit der Moleküle, aber ein H₂O-Molekül bleibt H₂O.
Bei einem Luftdruck von etwa 1.013 hPa schmilzt reines Eis bei 0 °C, und reines Wasser siedet bei 100 °C. Unter anderen Druckbedingungen verschieben sich diese Temperaturen. Wasserdampf selbst ist unsichtbar. Der sichtbare „Dampf“ über einem Topf besteht aus kleinen flüssigen Wassertröpfchen. Wolken bestehen aus solchen Tröpfchen und zum Teil aus winzigen Eiskristallen.
Normalerweise dehnen sich Stoffe beim Erwärmen aus. Wasser verhält sich zwischen 0 °C und 4 °C anders: Beim Erwärmen nimmt sein Volumen ab. Bei 4 °C erreicht flüssiges Wasser seine größte Dichte. Oberhalb von 4 °C nimmt das Volumen beim Erwärmen wieder zu. Dieses besondere Verhalten heißt Dichteanomalie.
Beim Gefrieren halten die Wasserstoffbrücken die Moleküle in einer regelmäßigen, lockeren Anordnung mit vielen Lücken fest. Deshalb braucht Eis mehr Platz als dieselbe Masse flüssiges Wasser.
Die Dichte berechnest du mit dieser Formel:
\rho=\frac{m}{V}
Dabei ist m die Masse und V das Volumen. Bei gleicher Masse gilt: Größeres Volumen bedeutet kleinere Dichte.
Beispiel: Aus 11 mL Wasser werden etwa 12 mL Eis
- 1Beim Gefrieren vergrößert Wasser sein Volumen ungefähr um ein Elftel. Aus 11 mL flüssigem Wasser werden vereinfacht etwa 12 mL Eis, während die Masse gleich bleibt.
- 2In der Dichteformel wird dadurch der Nenner größer. Die Dichte des Eises ist also kleiner als die des flüssigen Wassers: Eis schwimmt.
- 3In einem winterlichen See sinkt das dichteste Wasser mit etwa 4 °C nach unten. Kälteres, weniger dichtes Wasser bleibt oben; dort bildet sich Eis, das das Wasser darunter vor der Kälte schützen kann.
- 4Die Dichteanomalie trägt so dazu bei, dass tieferes Wasser flüssig bleibt; Wetter, Tiefe und Dauer der Kälte wirken ebenfalls mit.
Merke: Wasser hat bei etwa 4 °C seine größte Dichte. Eis besitzt bei gleicher Masse ein größeres Volumen, ist weniger dicht und schwimmt.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Wasser
Molekülbau
gewinkeltes H₂O mit Teilladungen
Dipol
Ausrichtung an Ionen und polaren Teilchen
Wasserstoffbrücken
Oberflächenspannung und Wärmespeicherung
Lösungsvermögen
Hydratation von Ionen, Trennung von Öl
Dichteanomalie
größte Dichte bei 4 °C, Eis schwimmt
Wasserproben
gelöste Stoffe, Leitfähigkeit und Härte
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wie dicht ist ein Eisstück?
- 1Aufgabe: Ein Eisstück hat die Masse m=46\,\mathrm g und das Volumen V=50\,\mathrm{cm^3}. Berechne seine Dichte und entscheide, ob es in Wasser schwimmt.
- 2Formel: \rho=\frac{m}{V}
- 3Einsetzen: \rho=\frac{46\,\mathrm g}{50\,\mathrm{cm^3}}=0{,}92\,\mathrm{g/cm^3}
- 4Vergleich: Flüssiges Wasser hat eine Dichte von etwa 1\,\mathrm{g/cm^3}. Die Dichte des Eises ist kleiner.
- 5Ergebnis: Das Eisstück schwimmt; ein kleiner Teil ragt aus dem Wasser heraus.
Fehler finden
Nudelwasser auf einem hohen Berg In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Siedetemperatur hängt vom Luftdruck ab. Richtig: Bei niedrigerem Luftdruck siedet Wasser schon bei einer Temperatur unter 100 °C.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Beim Wassermolekül ist die leicht negativ. Um ein Natrium-Ion zeigt deshalb vor allem die nach innen. In einer Salzlösung tragen bewegliche elektrische Ladung durch die Flüssigkeit. Öl mischt sich schlecht mit Wasser, weil es überwiegend unpolar ist.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback