Chemie · Klasse 9–10 · aktualisiert
Wasserstoffbrückenbindung einfach erklärt
Wie eine Wasserstoffbrücke entsteht, wie du Donor und Akzeptor erkennst und warum Wasser, DNA und Proteine von ihr abhängen.
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Kurz gesagt
Eine Wasserstoffbrückenbindung ist eine gerichtete Anziehung zwischen einem H-Atom, das an O, N oder F gebunden ist (Donor), und einem freien Elektronenpaar an O, N oder F eines Nachbarn (Akzeptor). Sie ist schwächer als eine Atombindung, aber meist stärker als andere Kräfte zwischen Molekülen.
Wasserstoffbrücken sind gerichtete Anziehungen zwischen einem stark positiv polarisierten Wasserstoffatom und einem freien Elektronenpaar. Du kannst sie mit einem Donor-Akzeptor-Test erkennen und damit wichtige Stoffeigenschaften erklären.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
Eine Wasserstoffbrücke entsteht in zwei Schritten. Zuerst zieht ein stark elektronegatives Atom wie Sauerstoff, Stickstoff oder Fluor die Elektronen einer Bindung zu Wasserstoff besonders stark an. Dadurch trägt das gebundene Wasserstoffatom eine positive Partialladung δ+, das elektronegative Atom eine negative Partialladung δ−.
Kommt das positiv polarisierte H-Atom in die Nähe eines freien Elektronenpaars an O, N oder F, ziehen sich beide Bereiche elektrostatisch an. Diese gerichtete Anziehung ist die Wasserstoffbrücke.
In der Schreibweise O–H···O steht der durchgezogene Strich für die kovalente O–H-Bindung, also eine Atombindung mit einem gemeinsamen Elektronenpaar. Die Punkte kennzeichnen die Wasserstoffbrücke zum zweiten O-Atom.
Die Bezeichnung „Wasserstoffbrückenbindung“ kann täuschen. Innerhalb eines Wassermoleküls verbinden kovalente O–H-Bindungen die Atome. Die Wasserstoffbrücke wirkt dagegen zwischen einem Donor und einem Akzeptor, ohne ein neues gemeinsames Elektronenpaar zu bilden.
In der schulischen Einordnung sind Wasserstoffbrücken meist stärker als gewöhnliche Dipol-Dipol-Kräfte zwischen dauerhaft polaren Molekülen und London-Kräfte durch kurzzeitig ungleich verteilte Elektronen, aber deutlich schwächer als Atombindungen oder Ionenbindungen. Deshalb können viele Wasserstoffbrücken gemeinsam stabilisieren und trotzdem wieder gelöst werden.
Definition
Wasserstoffbrücke
Eine Wasserstoffbrücke ist eine nichtkovalente Wechselwirkung zwischen einem positiv polarisierten, gebundenen H-Atom und einem freien Elektronenpaar an einem stark elektronegativen Atom.
Beispiel: Zwei Wassermoleküle
- 1Bei zwei Wassermolekülen zieht der Sauerstoff die Bindungselektronen stärker an als der Wasserstoff.
- 2Ein H-Atom des ersten Moleküls trägt deshalb δ+.
- 3Es wird von einem freien Elektronenpaar am δ−-polarisierten O-Atom des zweiten Moleküls angezogen.
Merke: Für eine Wasserstoffbrücke brauchst du ein geeignet gebundenes H-Atom und ein erreichbares freies Elektronenpaar. Die bloße Anwesenheit von Wasserstoff reicht nicht aus.
Teste dich
Der Donor stellt das positiv polarisierte H-Atom bereit. Typische Donorgruppen sind O–H, N–H und F–H.
Der Akzeptor stellt ein freies Elektronenpaar bereit. Häufig sitzt es an O, N oder F. Ein Teilchen kann Donor, Akzeptor oder beides sein.
Gehe beim Prüfen in drei Schritten vor. Suche zuerst nach einer O–H-, N–H- oder F–H-Gruppe, denn sie kann als Donor wirken. Suche dann nach einem freien Elektronenpaar an O, N oder F, denn dieser Bereich kann als Akzeptor wirken. Prüfe zuletzt, ob Donor und Akzeptor räumlich nahe genug zusammenkommen können.
Eine polare Bindung allein genügt nicht. Aceton, ein Lösungsmittel etwa in manchem Nagellackentferner, besitzt eine polare C=O-Gruppe (Carbonylgruppe): ein O-Atom, das mit einer Doppelbindung an ein C-Atom gebunden ist und freie Elektronenpaare trägt. Ein O–H- oder N–H-Wasserstoffatom hat Aceton aber nicht. Es kann daher Wasserstoffbrücken annehmen, unter Acetonmolekülen jedoch keine spenden.
Wasser ist Donor und Akzeptor: Seine H-Atome können gespendet werden, und der Sauerstoff besitzt freie Elektronenpaare. Auch Ethanol mit seiner O–H-Gruppe ist beides: Es kann Wasserstoffbrücken zu anderen Ethanolmolekülen und zu Wasser bilden. Das unterstützt die gute Mischbarkeit von Ethanol und Wasser. Ammoniak besitzt N–H-Bindungen und ein freies Elektronenpaar am Stickstoff, es kann also ebenfalls spenden und annehmen. Methan besitzt nur C–H-Bindungen. Nach dem schulischen Donor-Akzeptor-Test bildet es keine Wasserstoffbrücken.
| Stoff | Donor (H an O, N oder F)? | Akzeptor (freies Elektronenpaar an O, N oder F)? |
|---|---|---|
| Wasser | ja, O–H | ja, am O-Atom |
| Ammoniak | ja, N–H | ja, am N-Atom |
| Aceton | nein | ja, am Carbonyl-O |
| Methan | nein, nur C–H | nein |
Beispiel: Wasser trifft auf Aceton
- 1Treffen Wasser und Aceton aufeinander, spendet Wasser ein positiv polarisiertes H seiner O–H-Gruppe.
- 2Das Carbonyl-O des Acetons nimmt die Wasserstoffbrücke mit einem freien Elektronenpaar an.
- 3Aceton kann also Wasserstoffbrücken mit Wasser bilden, obwohl es untereinander keine bildet.
Teste dich
Zwischen Wassermolekülen bildet sich ein ständig wechselndes Netzwerk aus Wasserstoffbrücken. Um Wasser zu verdampfen, müssen viele dieser Anziehungen überwunden werden. Das kostet zusätzliche Energie und trägt zum für ein so kleines Molekül ungewöhnlich hohen Siedepunkt bei.
Wasserstoffbrücken erhöhen außerdem den Zusammenhalt der Moleküle an der Oberfläche. Dadurch tragen sie zur hohen Oberflächenspannung bei.
Beim Gefrieren entsteht eine gerichtete, offene Eisstruktur. Darin liegen die Wassermoleküle im Mittel weiter auseinander als in flüssigem Wasser. Eis besitzt deshalb eine geringere Dichte und schwimmt.
Beispiel: Ein Eiswürfel im Wasserglas
- 1Ein Eiswürfel sinkt nicht auf den Boden eines Wasserglases.
- 2Seine offene, durch Wasserstoffbrücken geordnete Struktur benötigt mehr Raum als gleich viele Moleküle flüssigen Wassers.
- 3Das Volumen ist größer und die Dichte geringer.
Merke: Mehr Anziehung zwischen Teilchen bedeutet: Für ihre Trennung wird mehr Energie benötigt. Eine offene Festkörperstruktur kann zugleich zu einer geringeren Dichte führen.
Teste dich
Man unterscheidet zwei Fälle. Intermolekulare Wasserstoffbrücken wirken zwischen verschiedenen Molekülen, etwa zwischen zwei Wassermolekülen. Intramolekulare Wasserstoffbrücken wirken zwischen geeigneten Bereichen desselben großen Moleküls und beeinflussen dessen räumliche Form.
Viele einzeln lösbare Wasserstoffbrücken können zusammen eine große Struktur stabilisieren. Das ist besonders wichtig, wenn ein Molekül fest genug für seine Aufgabe, aber zugleich veränderbar bleiben muss.
In Proteinen entstehen Wasserstoffbrücken zwischen geeigneten Gruppen der Aminosäurekette. Sie tragen dazu bei, dass sich Abschnitte der Kette zu Schrauben (Helices) winden oder zu flachen Faltblättern legen, und stabilisieren zusammen mit weiteren Wechselwirkungen die räumliche Proteinstruktur.
In der DNA verbinden Wasserstoffbrücken die zueinander passenden (komplementären) Basen der beiden Stränge. Adenin und Thymin bilden zwei, Guanin und Cytosin drei Wasserstoffbrücken. Die vielen Brücken stabilisieren die Doppelhelix, können aber beim Ablesen oder Kopieren der Erbinformation getrennt werden.
Beispiel: Brücken in einem kurzen DNA-Abschnitt zählen
- 1Ein kurzer DNA-Abschnitt enthält die Basenpaare A–T, G–C und G–C.
- 2A–T bildet 2 Wasserstoffbrücken, jedes G–C-Paar bildet 3.
- 3Zusammen: 2 + 3 + 3 = 8 Wasserstoffbrücken halten die beiden Stränge in diesem Abschnitt zusammen.
- 4Beim Kopieren werden diese Brücken gelöst, die Atombindungen in den Strängen bleiben erhalten.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Wasserstoffbrückenbindung
Voraussetzung
positiv polarisiertes H an O, N oder F
Partner
freies Elektronenpaar an O, N oder F
Erkennung
Donor und Akzeptor getrennt prüfen
Einordnung
gerichtete Anziehung, keine Atombindung
Wasser
hohe Siedetemperatur, Oberflächenspannung, leichtes Eis
Biomoleküle
Stabilisierung von Proteinen und DNA
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Bildet Fluorwasserstoff Wasserstoffbrücken?
- 1Aufgabe: Prüfe mit dem Donor-Akzeptor-Test, ob Fluorwasserstoff-Moleküle (HF) untereinander Wasserstoffbrücken bilden können.
- 2Donor suchen: Das H-Atom ist direkt an das stark elektronegative F-Atom gebunden. Die F–H-Gruppe ist ein Donor, das H trägt δ+.
- 3Akzeptor suchen: Das F-Atom besitzt freie Elektronenpaare und trägt δ−. Es kann als Akzeptor wirken.
- 4Nähe prüfen: Das kleine Molekül kann sich einem Nachbarmolekül gut nähern.
- 5Ergebnis: HF-Moleküle bilden untereinander Wasserstoffbrücken der Form F–H···F.
Fehler finden
Bilden Trimethylamin-Moleküle untereinander Wasserstoffbrücken? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Ein N-Atom allein genügt nicht. Richtig: Weil kein H direkt an N, O oder F gebunden ist, fehlt der Donor; Trimethylamin-Moleküle bilden untereinander keine Wasserstoffbrücken.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das positiv polarisierte H-Atom ist an gebunden. Der zweite Partner stellt ein bereit. Zwischen beiden wirkt eine .
Karteikasten
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