Chemie · Klasse 9–10 · aktualisiert
Erdöl: Entstehung, Destillation und Cracken
Erdöl ist ein Gemisch vieler Kohlenwasserstoffe. Du lernst seine Entstehung, die fraktionierte Destillation, das Cracken und die Bewertung der Nutzung.
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Kurz gesagt
Erdöl ist ein fossiles Stoffgemisch, vor allem aus Kohlenwasserstoffen, das meist aus abgestorbenen Algen entstand. In der Raffinerie trennt die fraktionierte Destillation es physikalisch nach Siedebereichen in Fraktionen. Beim Cracken werden lange Kohlenwasserstoffmoleküle chemisch in kürzere gespalten.
Erdöl ist kein einzelner Stoff, sondern ein komplexes Gemisch. In einer Raffinerie werden Stoffgruppen zunächst nach ihren Siedebereichen getrennt. Anschließend können lange Kohlenwasserstoffmoleküle beim Cracken in kürzere umgewandelt werden. So entstehen Treibstoffe, Brennstoffe und Ausgangsstoffe für chemische Produkte.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Rohöl ist unbehandeltes, gefördertes Erdöl. Es besteht hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen. Das sind Stoffe, deren Moleküle nur Kohlenstoff- und Wasserstoffatome enthalten. Die Moleküle unterscheiden sich unter anderem in Kettenlänge und Aufbau. Außerdem enthält Rohöl kleinere Anteile an Schwefel-, Stickstoff- und Sauerstoffverbindungen, Wasser, Verunreinigungen und teils Metallen.
Je nach Herkunft kann Rohöl gelblich bis schwarz, dünnflüssig bis sehr zäh sein. Viskosität bezeichnet die Zähflüssigkeit: Eine Flüssigkeit mit hoher Viskosität fließt schwerer als eine mit niedriger Viskosität. Auch Benzin ist kein Reinstoff. Es ist eine Fraktion beziehungsweise ein weiterverarbeitetes Gemisch aus mehreren Stoffen mit ähnlichem Siedeverhalten. Der Name nennt also eine Produktgruppe, keine einzelne Molekülart.
Das meiste geförderte Erdöl geht auf abgestorbene Biomasse zurück, vor allem auf Algen. Seine Bildung dauert Millionen Jahre. Deshalb ist Erdöl im menschlichen Zeitmaßstab nicht erneuerbar. In einer typischen Lagerstätte liegt wegen der unterschiedlichen Dichten oben eine Gaskappe, darunter Erdöl und darunter überwiegend Lagerstättenwasser.
Definition
Stoffgemisch
Ein Stoffgemisch enthält mehrere Stoffe. Deshalb besitzt Erdöl keine einzige chemische Formel und keinen einzelnen Siedepunkt.
Beispiel: Vom Algenrest zur Erdöllagerstätte
- 1Organisches Material sinkt mit mineralischen Teilchen zum Meeresboden.
- 2In sauerstoffarmem Wasser wird es nicht vollständig zersetzt. Es entsteht Faulschlamm mit viel organischem Material.
- 3Weitere Sedimente bedecken das Material. Druck und Temperatur steigen.
- 4Die organische Substanz wird zunächst zu Kerogen, einem festen organischen Material im Muttergestein, also in dem Gestein, in dem Erdöl entsteht.
- 5Bei weiterer Erwärmung entstehen daraus flüssige und gasförmige Kohlenwasserstoffe.
- 6Diese beweglichen Stoffe wandern aus dem Muttergestein in poröses Speichergestein.
- 7Undurchlässiges Deckgestein und eine geologische Falle können die Wanderung stoppen. So bildet sich eine Lagerstätte.
Merke: Nicht das feste Kerogen wandert als fertiges Erdöl. Erst die daraus gebildeten beweglichen Kohlenwasserstoffe verlassen das Muttergestein.
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Rohölbestandteile sind gut ineinander löslich. Eine einfache Trennung nach Dichte eignet sich deshalb schlecht. In der Raffinerie nutzt man stattdessen die unterschiedlichen Siedebereiche.
Das Rohöl wird in einem Ofen auf ungefähr 380 °C erhitzt. Viele Bestandteile verdampfen; sehr schwere Bestandteile bleiben zurück. Die Dämpfe strömen in eine Destillationskolonne. Unten ist es heißer, nach oben wird es kühler. Stoffe mit höherem Siedebereich kondensieren schon weiter unten. Stoffe mit niedrigerem Siedebereich bleiben länger gasförmig, steigen höher und kondensieren erst in kühleren Bereichen. Die kondensierten Stoffgruppen werden auf verschiedenen Höhen abgezogen.
Von oben nach unten findet man vereinfacht Gase und leicht siedende Fraktionen, dann Benzinbestandteile, Kerosin, Mitteldestillate wie Diesel und schließlich schwere Öle und Rückstände. Die genauen Siedebereiche hängen vom Rohöl und vom Raffinerieverfahren ab.
Schwerflüchtige Stoffe, also Stoffe, die erst bei hohen Temperaturen verdampfen, lassen sich anschließend unter vermindertem Druck trennen. Bei dieser Vakuumdestillation sinken ihre Siedetemperaturen. Dadurch können sie verdampfen, ohne so stark erhitzt zu werden. Bitumen bleibt als besonders schwerer Rückstand.
Definition
Fraktion
Eine Fraktion ist eine abgetrennte Stoffgruppe mit einem bestimmten Siedebereich. Sie ist gewöhnlich selbst ein Stoffgemisch und kein Reinstoff.
Beispiel: Der Weg zweier Bestandteile durch die Kolonne
- 1Ein Bestandteil mit niedrigem Siedebereich steigt als Dampf weit nach oben.
- 2Erst dort ist die Kolonne kühl genug, damit er kondensiert.
- 3Ein schwerflüchtiger Bestandteil kondensiert dagegen schon im heißeren unteren Bereich.
- 4Entscheidend ist also das Siedeverhalten, nicht allein die Dichte.
Merke: Bei der Destillation werden vorhandene Stoffe physikalisch getrennt. Die Molekülarten werden dabei nicht gezielt in neue Molekülarten umgebaut.
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Die natürliche Zusammensetzung von Rohöl passt nicht genau zum Bedarf. Es fallen auch schwere, langkettige Kohlenwasserstoffe an. Beim Cracken werden lange Kohlenwasserstoffmoleküle in kürzere Moleküle gespalten.
Beim thermischen Cracken liefert eine hohe Temperatur die nötige Energie. Beim katalytischen Cracken unterstützt ein Katalysator die Reaktion. Ein Katalysator senkt die Aktivierungsenergie, also die Energie, die mindestens nötig ist, damit die Reaktion startet. Er wird dabei nicht dauerhaft verbraucht. Als Nebenprodukt kann kohlenstoffreicher Koks entstehen.
Destillation beantwortet die Frage: „Welche bereits vorhandenen Stoffgruppen sieden in welchem Bereich?“ Cracken beantwortet eine andere Frage: „Wie lassen sich große Kohlenwasserstoffmoleküle chemisch in kleinere umwandeln?“ Erst wird also getrennt; anschließend können ausgewählte Fraktionen gezielt verändert werden.
Definition
Cracken
Cracken ist eine chemische Reaktion: Aus langkettigen Kohlenwasserstoffen entstehen kürzere Kohlenwasserstoffe mit neuen Eigenschaften.
Beispiel: Decan wird gecrackt
- 1Aus Decan, einem Kohlenwasserstoff mit 10 C-Atomen, entstehen beim Cracken Octan (8 C-Atome) und Ethen (2 C-Atome):
- 2\ce{C10H22 -> C8H18 + C2H4}
- 3Links: 10 C-Atome und 22 H-Atome.
- 4Rechts: 8 + 2 = 10 C-Atome und 18 + 4 = 22 H-Atome.
- 5Die Atome bleiben erhalten, aber sie sind jetzt zu neuen Molekülarten verbunden. Octan ist ein Benzinbestandteil, Ethen ein Ausgangsstoff für Kunststoffe.
| Merkmal | Destillation | Cracken |
|---|---|---|
| Vorgang | physikalische Trennung | chemische Reaktion |
| Molekülarten | bleiben im Wesentlichen erhalten | werden in andere Moleküle umgewandelt |
| Grundlage | unterschiedliche Siedebereiche | Spaltung langer Kohlenwasserstoffketten |
| Zweck | Fraktionen gewinnen | mehr leichte, nutzbare Kohlenwasserstoffe erzeugen |
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Raffinerieprodukte werden energetisch oder stofflich genutzt. Bei energetischer Nutzung werden etwa Benzin, Diesel, Kerosin oder Heizöl verbrannt, um Energie bereitzustellen. Dabei entstehen unter anderem Kohlenstoffdioxid und Wasser. Das Kohlenstoffdioxid trägt zum Klimawandel bei.
Bei stofflicher Nutzung dient Erdöl als Rohstoff für Produkte, zum Beispiel Kunststoffe, Farben, Medikamente, Kosmetika, Schmierstoffe oder Bitumen. Der Kohlenstoff wird dabei zunächst Bestandteil eines Produkts und nicht sofort zur Energiegewinnung verbrannt. Stoffliche Nutzung beseitigt die Probleme jedoch nicht von selbst: Erdöl bleibt endlich, und Herstellung, Gebrauch sowie späteres Entsorgen müssen mitbedacht werden.
Für eine begründete Bewertung helfen vier Kriterien. Beim Zweck fragst du: Wird Energie oder ein Werkstoff benötigt? Bei den Folgen: Entstehen Treibhausgase, Luftschadstoffe oder Abfälle? Bei den Risiken: Können Förderung und Transport Böden oder Gewässer verschmutzen? Bei Endlichkeit und Alternativen: Muss gerade der nicht erneuerbare Rohstoff Erdöl eingesetzt werden?
Auch Schwefelverbindungen sind wichtig. Bei der Verbrennung schwefelhaltiger Brennstoffe können Schwefeloxide entstehen, die zu saurem Niederschlag beitragen. Raffinerien entschwefeln Brennstoffe deshalb; der abgetrennte Schwefel kann als Rohstoff dienen.
Beispiel: Kerosin und Bitumen vergleichen
- 1Kerosin wird als Flugzeugtreibstoff energetisch genutzt und dabei verbrannt.
- 2Sein Kohlenstoff gelangt überwiegend als Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre.
- 3Bitumen wird als Straßenbelag stofflich genutzt und bleibt zunächst im Belag.
- 4Daraus folgt nicht, dass Bitumen folgenlos ist. Die Bewertung fällt aber anders aus, weil Zweck und unmittelbares Schicksal des Kohlenstoffs verschieden sind.
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Alles auf einen Blick
Erdöl
Entstehung
Biomasse, Kerogen, Migration und Lagerstätte
Zusammensetzung
viele Kohlenwasserstoffe und weitere Bestandteile
Destillation
physikalische Trennung nach Siedebereichen
Cracken
chemische Umwandlung langer in kürzere Moleküle
Produkte
Treibstoffe, Brennstoffe und chemische Rohstoffe
Bewertung
Zweck, Folgen, Risiken, Endlichkeit und Alternativen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Drei Dämpfe in der Kolonne zuordnen
- 1Gegeben: Nach dem Ofen strömen drei Bestandteile als Dampf in die Kolonne: ein Gas wie Propan, ein Benzinbestandteil und ein Bestandteil von schwerem Öl.
- 2Idee: Unten ist die Kolonne heiß, oben kühler. Ein Dampf kondensiert erst dort, wo es kühl genug für ihn ist. Sehr leicht siedende Stoffe bleiben bis ganz oben gasförmig.
- 3Der Bestandteil des schweren Öls hat den höchsten Siedebereich. Er kondensiert schon weit unten.
- 4Der Benzinbestandteil siedet niedriger. Er steigt höher und kondensiert im oberen Bereich, unterhalb der Gase.
- 5Propan siedet am niedrigsten. Es bleibt gasförmig und wird ganz oben als Gas abgezogen.
- 6Ergebnis: Die Reihenfolge von unten nach oben folgt dem Siedeverhalten, nicht allein der Dichte.
Fehler finden
Einen Vorgang in der Raffinerie einordnen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Einordnung ist falsch: \ce{C7H16} und \ce{C5H10} waren vorher nicht vorhanden, es sind neue Molekülarten entstanden. Richtig: „Das ist katalytisches Cracken, also eine chemische Reaktion.“
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
In der Destillationskolonne kondensieren Stoffe mit Siedebereich schon weiter unten. Dabei werden vorhandene Stoffe getrennt. Beim Cracken werden lange Kohlenwasserstoffmoleküle dagegen in gespalten.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback