Chemie · Klasse 9–10 · aktualisiert
Erdgas: Entstehung, Nutzung und Umweltfolgen
Erdgas ist ein fossiles Gasgemisch mit viel Methan. Du lernst Entstehung, Gasqualitäten, Aufbereitung, Transport und eine begründete Bewertung.
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Kurz gesagt
Erdgas ist ein fossiles, brennbares Gasgemisch aus unterirdischen Lagerstätten; Hauptbestandteil ist Methan (CH₄). Es entstand über Millionen Jahre aus Resten von Lebewesen wie Plankton, Algen oder Pflanzen, unter Sauerstoffmangel, hohem Druck und hoher Temperatur. Natürliches Erdgas ist farblos und meist geruchlos.
Erdgas ist ein fossiles, brennbares Gasgemisch aus unterirdischen Lagerstätten. Fossil heißt: Es ist aus Resten von Lebewesen entstanden, die vor Millionen Jahren gelebt haben. Sein Hauptbestandteil ist Methan. Es entsteht aus organischem Material über sehr lange Zeit unter Sauerstoffmangel, hohem Druck und hoher Temperatur. Auf dieser Seite lernst du, wie Erdgas entsteht, warum seine Zusammensetzung schwankt und wie Förderung, Nutzung und Umweltfolgen zusammenhängen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Stoffgemisch enthält mehrere Stoffe. Deshalb hat Erdgas keine überall gleiche Zusammensetzung. Je nach Fundort können neben Methan auch Ethan, Propan, Butan und Pentan sowie Stickstoff, Kohlenstoffdioxid, Schwefelwasserstoff, Helium und Wasserdampf vorkommen.
Methan hat die Formel \ce{CH4}: Ein Methanmolekül enthält ein Kohlenstoffatom und vier Wasserstoffatome. Kohlenwasserstoffe bestehen nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Methan ist der kleinste Kohlenwasserstoff. Es ist auch das kleinste Alkan: Alkane sind Kohlenwasserstoffe, in deren Molekülen alle Atome nur durch Einfachbindungen verbunden sind.
Natürliches Erdgas ist farblos und im Regelfall geruchlos. Damit undichte Leitungen bemerkt werden können, setzt man stark riechende Stoffe zu. Dieser Vorgang heißt Odorierung.
Bei den Gasqualitäten unterscheidet man H-Gas und L-Gas. H-Gas enthält etwa 87 bis 99 Prozent Methan und besitzt einen hohen Energiegehalt. L-Gas enthält ungefähr 80 bis 87 Prozent Methan und hat einen niedrigeren Energiegehalt. Für dieselbe Energiemenge wird daher mehr L-Gas benötigt.
Die Bezeichnungen trocken und nass meinen etwas anderes: Nasses Erdgas enthält größere Anteile leicht verflüssigbarer Kohlenwasserstoffe wie Propan, Butan oder Pentan. „Nass“ bedeutet hier nicht einfach „wasserreich“.
Definition
Erdgas
Erdgas ist ein natürlich entstandenes, brennbares Stoffgemisch aus gasförmigen Stoffen. Es stammt aus Lagerstätten in der Erdkruste und besteht überwiegend aus Methan.
Merke: Der typische Gasgeruch stammt nicht vom natürlichen Erdgas, sondern von zugesetzten Duftstoffen.
Teste dich
Am Anfang stehen abgestorbene Lebewesen, zum Beispiel Plankton und Algen im Meer oder Pflanzenreste aus Sümpfen. Sie sinken auf den Grund und werden von Sand, Ton und weiteren Ablagerungen bedeckt. Unter Sauerstoffmangel wird das organische Material nicht vollständig zersetzt. Mit zunehmender Überlagerung gelangt es tiefer in die Erdkruste. Druck und Temperatur steigen. Über sehr lange Zeit wandeln chemische, biologische und physikalische Prozesse das Material in kleine gasförmige Kohlenwasserstoffe um, vor allem in Methan.
Typische Angaben ordnen die Erdgasbildung häufig Temperaturen von etwa 120 bis 180 Grad Celsius und Tiefen von ungefähr 4.000 bis 6.000 Metern zu. Das sind typische Bereiche, keine ausnahmslosen Grenzwerte.
Das entstandene Gas bleibt nicht immer am Entstehungsort. Es kann durch permeables, also durchlässiges, Gestein nach oben wandern. Diese Bewegung heißt Migration. Trifft das Gas auf eine undurchlässige Deckschicht, kann es sich darunter in den Poren eines Speichergesteins sammeln. So entsteht eine konventionelle Lagerstätte. Bleibt das Gas dagegen im dichten Entstehungsgestein gebunden, spricht man von einer unkonventionellen Lagerstätte.
Konventionelle Lagerstätten werden durch Bohrungen erschlossen. Der Druck in der Lagerstätte kann das Gas durch die Gesteinsporen zur Bohrung und weiter an die Oberfläche treiben.
Bei unkonventionellen Vorkommen kann Fracking eingesetzt werden: Eine Bohrung führt in die gasführende Schicht, im Gestein werden Risse erzeugt und eine Flüssigkeit aus Wasser, Stützmitteln (zum Beispiel Sand, der die Risse offen hält) und weiteren Chemikalien wird eingepresst. Dadurch kann Gas zur Bohrung strömen. Das Verfahren ist umstritten, weil ein Teil der Flüssigkeit im Gestein bleibt und langfristige Umweltwirkungen zu berücksichtigen sind.
Beispiel: Die Erdgasbildung als Folge von Veränderungen
- 1Organisches Material lagert sich am Meeresboden ab.
- 2Sauerstoffmangel verhindert die vollständige Zersetzung.
- 3Neue Sedimente, also Ablagerungen wie Sand und Ton, überdecken das Material.
- 4Mit der Tiefe steigen Druck und Temperatur.
- 5Über sehr lange Zeit entstehen gasförmige Kohlenwasserstoffe, vor allem Methan.
- 6Kein einzelner Schritt genügt allein. Erst das Zusammenwirken der Bedingungen erklärt die Erdgasbildung.
Definition
Geologische Falle
Eine geologische Falle besteht aus einem porösen Speichergestein und einer undurchlässigen Deckschicht. Die Deckschicht hindert aufsteigendes Erdgas daran, weiterzuwandern.
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Gefördertes Erdgas ist noch nicht direkt für das Leitungsnetz geeignet. Unerwünschte Bestandteile müssen entfernt werden. Besonders Wasser ist problematisch: Es kann Eis oder feste Hydrate bilden und Leitungen sowie Ventile und andere Bauteile beeinträchtigen. Hydrate sind eisähnliche Feststoffe aus Wasser, in denen Gasteilchen eingeschlossen sind.
Zur Trocknung kann Wasser durch Abkühlen teilweise kondensiert werden. Flüssige Glykol-Verbindungen können Wasser aufnehmen, und Molekularsiebe können Restwasser an ihrer Oberfläche festhalten. Diese Verfahren bereiten das Gas für Transport und weitere Verarbeitung auf.
Der Transport erfolgt überwiegend durch Rohrleitungen. Für andere Transportwege lässt sich das Volumen verkleinern. CNG ist komprimiertes Erdgas in Druckbehältern. LNG ist durch starke Kühlung verflüssigtes Erdgas.
Untergrundspeicher gleichen Bedarfsschwankungen aus. Dafür können zum Beispiel erschöpfte Lagerstätten oder künstlich geschaffene Hohlräume in unterirdischen Salzschichten genutzt werden.
Beispiel: Trocknung mit zwei Molekularsieb-Behältern
- 1Eine Molekularsieb-Anlage verwendet mindestens zwei Behälter.
- 2Während ein Behälter Wasser aus dem Gas bindet, wird der andere regeneriert: Das aufgenommene Wasser wird wieder ausgetrieben, damit er erneut Wasser aufnehmen kann.
- 3Danach wechseln die Aufgaben.
- 4So kann die Trocknung fortlaufend arbeiten.
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Erdgas wird energetisch genutzt, wenn seine Verbrennung Energie bereitstellt. Beispiele sind Heizen, Kochen, Warmwasserbereitung, Stromerzeugung und der Einsatz als Fahrzeugkraftstoff. Schnell startende Gaskraftwerke können kurzfristige Schwankungen im Stromsystem ausgleichen.
Erdgas kann außerdem stofflich genutzt werden. Dann dient es als Ausgangsstoff für chemische Produkte, statt nur verbrannt zu werden, zum Beispiel für die Herstellung von Ethin, Ruß und weiteren chemischen Stoffen. Bei der energetischen Nutzung steht die frei werdende Energie im Mittelpunkt. Bei der stofflichen Nutzung werden Bestandteile des Erdgases in neue Stoffe überführt. Für eine Bewertung brauchst du deshalb mehrere Kriterien: Zweck, benötigte Stoffe, Energiebedarf, Emissionen und Endlichkeit des Rohstoffs.
Erdgas ist fossil und bildet sich viel langsamer neu, als Menschen es verbrauchen. Es ist deshalb in menschlichen Zeiträumen endlich. Bei der Verbrennung entstehen Emissionen. Auch Förderung, Aufbereitung und Transport können die Umwelt belasten, etwa durch undichte Anlagen oder das Abfackeln, also Verbrennen, von Gas, das bei der Förderung mit austritt. Erdgas ist daher nicht emissionsfrei, auch wenn seine Verbrennung gegenüber anderen fossilen Brennstoffen weniger Schadstoffe freisetzen kann.
Natürliches Erdgas ist im Regelfall geruchlos und brennbar. Die Odorierung hilft, Lecks zu bemerken. Ein wahrgenommener Gasgeruch ist deshalb ein Warnsignal und darf nicht ignoriert werden.
Beispiel: Zwei Verwendungen derselben begrenzten Erdgasmenge
- 1Beim Heizen ist das Ziel die Bereitstellung von Wärme; das Erdgas wird energetisch genutzt.
- 2Bei der Herstellung eines chemischen Produkts ist Erdgas Ausgangsstoff; es wird stofflich genutzt.
- 3Eine begründete Bewertung nennt nicht nur eine Lieblingsoption. Sie legt Kriterien offen und wägt Nutzen, Emissionen, Rohstoffendlichkeit und mögliche Alternativen gegeneinander ab.
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Alles auf einen Blick
Erdgas
Zusammensetzung
vor allem Methan, weitere Bestandteile je nach Fundort
Entstehung
organisches Material, Sauerstoffmangel, Druck, Wärme und Zeit
Lagerstätte
Migration, Speichergestein und Deckschicht
Aufbereitung und Transport
Trocknung, Pipeline, CNG oder LNG
Nutzung
energetisch oder stofflich
Bewertung
Emissionen, Endlichkeit, Nutzen und Alternativen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Drei Gasproben einordnen
- 1Gegeben: Probe A enthält 95 Prozent Methan und kaum höhere Kohlenwasserstoffe. Probe B enthält 83 Prozent Methan. Probe C enthält neben Methan größere Anteile Propan und Butan.
- 2Probe A: 95 Prozent liegt im Bereich von etwa 87 bis 99 Prozent. Sie ist H-Gas.
- 3Probe B: 83 Prozent liegt im Bereich von ungefähr 80 bis 87 Prozent. Sie ist L-Gas; für dieselbe Energiemenge braucht man mehr davon als von H-Gas.
- 4Probe C: Große Anteile leicht verflüssigbarer Kohlenwasserstoffe wie Propan und Butan machen sie zu nassem Erdgas.
- 5Achtung: Die Einteilung in nass und trocken sagt nichts über den Wassergehalt. Wasser wird bei der Aufbereitung jeder Probe entfernt.
Fehler finden
Einen Gasaustritt an einer Förderanlage beurteilen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Folgerung ist falsch: Erdgas ist im Regelfall von Natur aus geruchlos, und dieses Gas wurde noch nicht odoriert. Richtig ist: „Das Messgerät zeigt Methan an; hier kann Erdgas austreten, obwohl nichts riecht.“
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Abgestorbenes wird von Sedimenten bedeckt. Unter sowie bei hohem Druck und hoher Temperatur entstehen über sehr lange Zeit vor allem gasförmige .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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