Chemie · Klasse 5–9 · aktualisiert
Destillation einfach erklärt: Prinzip und Grenzen
Wie eine Destillation Gemische durch Verdampfen und Kondensieren trennt, was jedes Teil der Apparatur macht und wo das Verfahren an Grenzen stößt.
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Kurz gesagt
Bei der Destillation wird ein Gemisch erhitzt. Der Stoff, der leichter verdampft, gelangt vor allem in den Dampf. Im Kühler wird der Dampf wieder flüssig und als Destillat aufgefangen. So trennt man Wasser vom Farbstoff der Tinte. Bei zwei Flüssigkeiten ist das Destillat oft nicht ganz rein.
Bei der Destillation wird ein Gemisch erhitzt. Stoffe, die leichter verdampfen, nennt man leichter flüchtig. Von ihnen ist im Dampf mehr enthalten als in der Flüssigkeit. Der Dampf wird anschließend gekühlt und wieder verflüssigt. So nutzt das Verfahren unterschiedliche Siedetemperaturen zur Stofftrennung. Auf dieser Seite lernst du den vollständigen Ablauf, die Laborapparatur sowie den Unterschied zwischen einfacher und fraktionierter Destillation kennen. Außerdem erfährst du, warum dabei nicht immer reine Stoffe entstehen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stell dir Wasser vor, in dem blaue Tinte gelöst ist. Der Farbstoff ist gelöst und lässt sich deshalb nicht mit einem Filter abtrennen. Wasser kann jedoch verdampfen, während der Farbstoff im Ausgangsgefäß zurückbleibt. Wird der Wasserdampf gekühlt, entsteht wieder flüssiges, farbloses Wasser.
Der Übergang von einer Flüssigkeit zum Gas heißt Verdampfen. Der umgekehrte Übergang vom Gas zur Flüssigkeit heißt Kondensieren.
Die Siedetemperatur, auch Siedepunkt genannt, ist die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit bei einem bestimmten Luftdruck siedet, also kocht und überall Dampfblasen bildet. Sie ist eine Stoffeigenschaft, hängt aber auch vom Luftdruck ab. Tabellenwerte gelten meist für den normalen Luftdruck auf Meereshöhe, etwa 1013 Hektopascal.
Auf dieselbe Weise entsteht aus Leitungswasser deutlich mineralärmeres destilliertes Wasser: Die gelösten Mineralstoffe verdampfen kaum und bleiben größtenteils im Ausgangsgefäß zurück.
Definition
Destillation
Die Destillation ist ein thermisches Trennverfahren, also ein Trennverfahren mit Wärme. Ein Gemisch wird erhitzt, der Dampf wird abgeleitet und durch Abkühlen wieder verflüssigt. Die aufgefangene Flüssigkeit heißt Destillat.
Merke: Eine Destillation folgt immer derselben Kette: erhitzen, verdampfen, kühlen, kondensieren, auffangen.
Beispiel: Tintenwasser destillieren
- 1Das Tintenwasser wird im Kolben erhitzt.
- 2Wasser geht in den gasförmigen Zustand über. Der gelöste Farbstoff verdampft kaum und bleibt im Kolben.
- 3Der Wasserdampf gelangt in einen kühleren Bereich.
- 4Dort kondensiert er zu flüssigem Wasser.
- 5Das aufgefangene Destillat ist farblos. Die Trennung klappt, weil Wasser leicht verdampft und der Farbstoff unter diesen Bedingungen kaum mitverdampft.
Teste dich
Wie gelangt der Dampf sicher vom erhitzten Gemisch in ein Auffanggefäß? Dafür verbindet eine Destillationsapparatur mehrere Bauteile zu einem geschlossenen Dampfweg. Am Ende bleibt die Apparatur zur Luft hin offen, damit sich der Druck ausgleichen kann.
Im Liebig-Kühler fließt Kühlwasser um das innere Dampfrohr. Wasser und Dampf bleiben räumlich getrennt. Der Kühlwasserzufluss liegt an der tiefsten Stelle des Kühlers, damit der Kühlmantel zuverlässig gefüllt wird.
Destillationen gehören in eine fachgerecht beaufsichtigte Laborumgebung. Im Unterricht baut deshalb die Lehrkraft die Apparatur auf und führt die Destillation vor. Die Apparatur wird dabei heiß. Siedesteinchen im Kolben verhindern, dass die Flüssigkeit plötzlich heftig aufkocht und herausspritzt. Alle tragen eine Schutzbrille, und vor der Apparatur steht eine Schutzscheibe. Die Reste entsorgt die Lehrkraft nach den Regeln der Schule.
| Bauteil | Aufgabe |
|---|---|
| Destillierkolben | enthält das Ausgangsgemisch |
| Heizplatte oder Heizbad | führt Wärme zu |
| Thermometer | misst die Temperatur des aufsteigenden Dampfes |
| Liebig-Kühler | kühlt den Dampf, sodass er kondensiert |
| Vorstoß | leitet die kondensierte Flüssigkeit weiter |
| Destilliervorlage | fängt das Destillat auf |
Beispiel: Der Weg des Dampfes durch die Apparatur
- 1Steigt im Kolben Dampf auf, zeigt das Thermometer die Temperatur dieses Dampfes an.
- 2Im Kühler gibt der Dampf Wärme ab und kondensiert.
- 3Anschließend läuft die Flüssigkeit durch den Vorstoß in die Vorlage.
- 4Das Thermometer misst also nicht einfach irgendeine Stelle des Heizbads. Entscheidend ist die Temperatur des Dampfes auf seinem Weg zum Kühler.
Teste dich
Manchmal enthält ein Gemisch nur einen Bestandteil, der leicht verdampft, und einen, der kaum verdampft, wie Wasser und Farbstoff im Tintenwasser. Dann kann eine einfache Destillation genügen. Enthält es mehrere Bestandteile, die bei verschiedenen Temperaturen sieden, müssen mehrere Anteile getrennt aufgefangen werden.
Bei der fraktionierten Destillation werden solche Anteile, die Fraktionen, nacheinander aufgefangen oder in verschiedenen Höhen einer Kolonne gewonnen. Eine Kolonne ist ein hohes Rohr über dem Kolben. Im Labor trägt eine Destillationsspinne mehrere Auffangkolben. Ändert sich die Temperatur des Dampfes, wird eine andere Vorlage unter den Auslauf gedreht. So bleiben nacheinander aufgefangene Fraktionen getrennt.
In der Kolonne kondensiert ein Teil des Dampfes und verdampft erneut. Durch diese wiederholten Vorgänge ist von den leichter flüchtigen Bestandteilen immer mehr im Dampf enthalten. Diese verbesserte Trennung heißt Rektifikation.
Definition
Fraktion
Eine Fraktion ist ein Anteil des Gemisches, der in einem bestimmten Temperaturbereich aufgefangen wird. Eine Fraktion muss kein Reinstoff sein.
Beispiel: Alkohol und Wasser destillieren
- 1Ethanol, der Alkohol in Getränken, siedet bei normalem Luftdruck bei ungefähr 78 °C. Wasser siedet bei ungefähr 100 °C.
- 2Erhitzt man ein Gemisch aus wenig Ethanol und viel Wasser, ist der Dampf zunächst ethanolreicher als die Ausgangsflüssigkeit.
- 3Trotzdem verdampft auch Wasser mit. Das kondensierte Destillat enthält deshalb mehr Ethanol als das Ausgangsgemisch, ist aber kein reines Ethanol.
- 4Eine Kolonne mit wiederholtem Kondensieren und Verdampfen erhöht den Ethanolanteil im Destillat weiter.
- 5Ethanol brennt sehr leicht. Deshalb wird es nie über einer offenen Flamme erhitzt, sondern in einem elektrisch beheizten Bad. Im Unterricht zeigt das nur die Lehrkraft.
Merke: Der Bestandteil mit der niedrigeren Siedetemperatur geht nicht allein in den Dampf über. Bei Flüssigkeitsgemischen entsteht häufig nur eine Anreicherung: Das Destillat enthält mehr vom leichter siedenden Stoff, ist aber nicht rein.
Teste dich
Die Siedetemperatur ist nicht unveränderlich. Sie hängt vom Druck ab: Bei geringerem Druck siedet eine Flüssigkeit schon bei niedrigerer Temperatur. Das nutzt die Vakuumdestillation. Vakuumapparaturen können bei ungeeigneten oder beschädigten Gefäßen implodieren, also nach innen zerbersten. Zum Schutz nutzt man deshalb kleine, unbeschädigte Rundkolben, die für Unterdruck geeignet sind, eine Schutzbrille und eine Schutzscheibe.
Erdöl ist ein Gemisch aus vielen Kohlenwasserstoffen, also Stoffen aus Kohlenstoff und Wasserstoff. In einer großen Kolonne ist es unten heißer und nach oben hin kühler. Höher siedende Bestandteile kondensieren weiter unten. Niedriger siedende Bestandteile bleiben länger gasförmig, steigen weiter auf und kondensieren erst in kühleren Bereichen. Die gewonnenen Erdölfraktionen enthalten Stoffe mit ähnlichen Siedebereichen. Sie sind daher meist Stoffgemische und keine Reinstoffe.
Destillation und Cracken sind nicht dasselbe. Die Destillation trennt Stoffe, die schon vorhanden sind, ohne sie gezielt umzuwandeln. Beim Cracken werden lange Kohlenwasserstoff-Teilchen chemisch in kürzere gespalten. Dabei entstehen neue Stoffe.
Bei der Wasserdampfdestillation reißt Wasserdampf Stoffe mit, die sich kaum in Wasser lösen und allein erst weit über 100 °C sieden. Nach dem Kondensieren lassen sich so zum Beispiel Duftöle, auch etherische Öle genannt, aus Pflanzen gewinnen.
Ein Azeotrop ist ein Gemisch aus mindestens zwei Stoffen, das bei einer bestimmten Zusammensetzung wie ein Reinstoff bei gleichbleibender Temperatur siedet. Sein Dampf ist dann genauso zusammengesetzt wie die Flüssigkeit. Deshalb lässt es sich bei gleichem Druck durch Destillation nicht weiter trennen, auch nicht mit einer Kolonne. Ethanol und Wasser bilden bei normalem Luftdruck ein solches Gemisch mit etwa 96 % Ethanol: In 100 g des Gemisches sind fast 96 g Ethanol. Auch ohne Azeotrop entstehen nicht automatisch reine Fraktionen. Wichtig sind unter anderem der Abstand der Siedetemperaturen, die Zusammensetzung des Gemisches, der Druck und der Aufbau der Apparatur.
Definition
Vakuumdestillation
Bei der Vakuumdestillation senkt eine Pumpe den Druck in der Apparatur. Dadurch sinken die Siedetemperaturen. Das eignet sich für Stoffe, die erst sehr heiß sieden oder bei starker Erwärmung leicht zerfallen und dabei zu anderen Stoffen werden.
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Alles auf einen Blick
Destillation
Grundvorgänge
erhitzen und verdampfen, dann kühlen und kondensieren
Apparatur
Kolben mit Heizung, Thermometer im Dampfweg, Kühler, Vorlage für das Destillat
Trennleistung
einfache Destillation, Fraktionen in einer Kolonne, Rektifikation für bessere Anreicherung
Grenzen
Die Siedetemperatur hängt vom Druck ab, Fraktionen können Gemische bleiben, Azeotrope begrenzen die Trennung
Anwendungen
mineralarmes destilliertes Wasser, Erdölfraktionen, Duftöle aus Pflanzen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Duftöl aus Lavendel gewinnen
- 1Aufgabe: Das Duftöl des Lavendels siedet allein erst bei Temperaturen weit über 100 °C. Wie gewinnt man es trotzdem durch Destillation?
- 2Man leitet heißen Wasserdampf durch die Lavendelblüten. Das ist eine Wasserdampfdestillation.
- 3Der Wasserdampf reißt das Duftöl aus den Blüten mit.
- 4Im Kühler kondensieren Wasser und Duftöl gemeinsam.
- 5Das Duftöl löst sich kaum in Wasser. In der Vorlage schwimmt es als eigene Schicht auf dem Wasser und lässt sich abtrennen.
Fehler finden
Grün gefärbtes Wasser destillieren In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile setzt das Thermometer an die falsche Stelle. Es sitzt im Dampfweg vor dem Kühler. Richtig: „Das Thermometer misst die Temperatur des aufsteigenden Dampfes.“
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Beim Erhitzen wird ein Bestandteil mit niedriger Siedetemperatur durch das gasförmig. Im Kühler folgt das . Die aufgefangene Flüssigkeit heißt .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback