Biologie · Klasse 12–13 · aktualisiert
Synapse: Aufbau und chemische Signalübertragung
Wie gibt eine Nervenzelle ein Signal weiter? Lerne Aufbau, chemische Übertragung, Hemmung und Störungen der Synapse kennen.
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Kurz gesagt
Eine Synapse ist eine Kontaktstelle zur Signalübertragung zwischen einer Nervenzelle und einer Zielzelle. An einer chemischen Synapse löst ein eintreffendes Aktionspotenzial Ca²⁺-Einstrom und die Freisetzung von Neurotransmittern aus. Sie binden an Rezeptoren der Zielzelle und verändern dort das Membranpotenzial.
Über eine Synapse kann eine Nervenzelle eine Zielzelle beeinflussen. Bei der chemischen Form setzt die Senderzelle einen Botenstoff frei. Nach dessen Bindung verändert sich die Spannung an der Membran der Empfängerzelle; das Signal hat damit vorübergehend die chemische Form angenommen.
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4 Abschnitte
Eine chemische Synapse verbindet die Präsynapse als Senderseite, den synaptischen Spalt und die Postsynapse als Empfängerseite. Im präsynaptischen Endknöpfchen speichern Vesikel Neurotransmitter. Die postsynaptische Membran trägt passende Rezeptoren. Diese unterschiedliche Ausstattung richtet die chemische Übertragung gewöhnlich von der Prä- zur Postsynapse.
Trifft ein Aktionspotenzial am Endknöpfchen ein, öffnen spannungsabhängige Calciumkanäle. Ca²⁺ strömt hinein und löst die Fusion der Vesikel mit der präsynaptischen Membran aus. Freigesetzte Neurotransmitter gelangen durch den Spalt zu passenden Rezeptoren. Bei ionotropen Rezeptoren öffnet die Bindung unmittelbar einen Ionenkanal. Der Ionenstrom verändert die postsynaptische Spannung. Ein ligandengesteuerter Ionenkanal öffnet durch Bindung eines passenden Stoffes, des Liganden. An der Postsynapse kann ein Neurotransmitter dieser Ligand sein. So kann etwa Na⁺-Einstrom zur Erregung beitragen; ein einzelnes Signal muss die Schwelle für ein Aktionspotenzial noch nicht erreichen.
Definition
Neurotransmitter
Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe an Synapsen. Sie werden von der Präsynapse in den Spalt abgegeben und wirken nach Bindung an passende Rezeptoren der Postsynapse. Ein solcher Stoff ist Acetylcholin.
Beispiel
- 1Über eine Synapse kann ein ankommendes Nervensignal die Aktivität einer weiteren Nervenzelle, einer Muskelzelle oder einer Drüsenzelle beeinflussen.
Merke: Am präsynaptischen Ende öffnen Calciumkanäle als Reaktion auf eine Spannungsänderung. Die beschriebenen Kanäle der Empfängerseite öffnen dagegen nach Bindung eines Neurotransmitters.
Teste dich
Transmitter lösen sich nach der Signalübertragung wieder vom Rezeptor. Je nach Transmitter werden sie in die Präsynapse zurückaufgenommen, wiederverwendet oder zuvor enzymatisch zerlegt. So endet ihre Wirkung und die Synapse kann erneut reagieren. Bei Acetylcholin spaltet Acetylcholinesterase den Stoff in Acetat und Cholin. Cholin wird präsynaptisch aufgenommen; Cholinacetyltransferase synthetisiert daraus mit Acetyl-CoA neues Acetylcholin.
Eine Synapse kann erregend oder hemmend wirken. Ein EPSP macht ein Aktionspotenzial in der Zielzelle wahrscheinlicher. Ein IPSP macht es weniger wahrscheinlich. Entscheidend ist die Wirkung des ausgelösten Ionenstroms auf die postsynaptische Spannung, nicht die Zahl der eintreffenden Aktionspotenziale.
Beispiel
- 1Acetylcholinesterase spaltet Acetylcholin in Acetat und Cholin.
- 2Cholin wird zur Präsynapse zurückgeführt und aufgenommen.
- 3Cholinacetyltransferase bildet dort aus Cholin und Acetyl-CoA neues Acetylcholin.
- 4Der Botenstoff kann erneut in Vesikeln bereitgestellt werden.
Merke: Mit der Freisetzung eines Botenstoffs beginnt die chemische Weitergabe. Löst er sich vom Rezeptor und wird abgebaut oder zurückaufgenommen, endet seine Wirkung; die Synapse kann auf ein weiteres Signal reagieren.
Definition
EPSP
Ein exzitatorisches postsynaptisches Potenzial, kurz EPSP, ist eine Spannungsänderung, die ein Aktionspotenzial in der Zielzelle wahrscheinlicher macht.
Teste dich
Chemische Synapsen übertragen über Neurotransmitter und Rezeptoren. Elektrische Synapsen koppeln Zellen direkt und können Signale besonders schnell und auch in beide Richtungen übertragen. Bei häufig untersuchten chemischen Synapsen im Zentralnervensystem ist der Spalt ungefähr 20 bis 30 nm breit; bei elektrischen Verbindungen liegen die Membranen etwa 3,5 nm auseinander. Die Abstände sind keine festen Werte für jede Synapse. Chemische Synapsen erlauben durch unterschiedliche Transmitter, Rezeptoren und Kanäle erregende oder hemmende Wirkungen.
Ein Stoff lässt sich nach Angriffsort, betroffenem Schritt und Folge für die Postsynapse einordnen. Nikotin aktiviert nikotinische Acetylcholinrezeptoren. Atropin blockiert muskarinische Acetylcholinrezeptoren. Curare blockiert nikotinische Acetylcholinrezeptoren an der Verbindung zwischen Nerv und Muskel; dabei kann auch die Atemmuskulatur gelähmt werden. Botulinumtoxin verhindert präsynaptische Vesikelfusion und damit die Transmitterfreisetzung.
| Merkmal | Chemische Synapse | Elektrische Synapse |
|---|---|---|
| Signalweg | über Neurotransmitter und Rezeptoren | direkte elektrische Übertragung |
| Richtung | gewöhnlich nur von Prä- zu Postsynapse | Übertragung in beide Richtungen möglich |
| Geschwindigkeit | geringe Verzögerung, ungefähr 1 ms | praktisch ohne synaptische Verzögerung |
| Häufigkeit beim Menschen | deutlich häufiger | selten |
| Besonderheit | Wirkung kann erregend oder hemmend sein | besonders schnelle Kopplung |
Beispiel
- 1Ein unbekannter Stoff verhindert die Vesikelfusion.
- 2Obwohl ein Aktionspotenzial eintrifft und Ca²⁺ in das Endknöpfchen strömt, gelangen keine Neurotransmitter in den Spalt.
- 3Ohne freigesetzten Botenstoff werden die betreffenden postsynaptischen Rezeptoren nicht aktiviert.
Beispiel: Eine zuverlässige Vorhersage folgt drei Fragen
- 1Wo greift der Stoff an?
- 2Welcher Schritt fällt aus oder wird verstärkt?
- 3Welche Folge hat das für die Postsynapse?
Teste dich
Eine Protonen-ATPase pumpt unter ATP-Verbrauch Protonen in synaptische Vesikel. Das Konzentrationsgefälle liefert die Energiegrundlage, mit der Transportproteine Neurotransmitter im Vesikel anreichern. Bei der Fusion bindet Synaptotagmin Ca²⁺ und wirkt als Calciumsensor. SNARE-Proteine aus Vesikel- und Zellmembran lagern sich zusammen; die dabei frei werdende Energie trägt zur Membranverschmelzung bei. Einzelheiten dieses schnellen Vorgangs sind noch nicht vollständig geklärt.
Synaptische Kontakte können neu entstehen, stärker oder schwächer werden, sich umbauen oder abgebaut werden. Diese synaptische Plastizität gehört zu den Grundlagen von Lernen und Üben; ein einzelner Lernschritt bedeutet nicht, dass sofort eine neue Nervenzelle entsteht.
Definition
Synaptische Plastizität
Synaptische Plastizität bezeichnet die Veränderbarkeit der Verbindungen zwischen Nervenzellen. Ein Kontakt kann entstehen, stärker oder schwächer werden, umgebaut werden oder verschwinden.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Synapse
Aufbau
Präsynapse; synaptischer Spalt; Postsynapse
Chemische Übertragung
Aktionspotenzial und Ca²⁺-Einstrom; Vesikelfusion und Transmitterfreisetzung; Rezeptorbindung und postsynaptisches Potenzial; Abbau, Rückaufnahme und Wiederverwendung
Wirkung
EPSP: erregend; IPSP: hemmend
Eingriffe
Vesikelfusion blockieren; Rezeptoren aktivieren oder blockieren
Veränderbarkeit
synaptische Plastizität
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Blockierte Rezeptoren am Muskel
- 1Ein Aktionspotenzial erreicht das Endknöpfchen einer motorischen Nervenzelle.
- 2Ca²⁺ strömt ein und Vesikel setzen Acetylcholin frei.
- 3Ein Stoff blockiert die passenden Rezeptoren auf der Muskelzelle.
- 4Die Freisetzung kann stattfinden, doch der blockierte Rezeptor vermittelt keine normale Wirkung.
Fehler finden
Eine blockierte Postsynapse prüfen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Richtig: Die postsynaptische Rezeptorblockade verhindert die vorherige präsynaptische Vesikelfusion nicht; sie verhindert die Wirkung an diesen Rezeptoren.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein eintreffendes öffnet spannungsabhängige . Ca²⁺ löst die aus. Die freigesetzten Neurotransmitter binden an Rezeptoren der Postsynapse und verändern durch einen Ionenstrom die Membranspannung.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback