Biologie · Klasse 8–9 · aktualisiert
Gehirn: Aufbau, Funktion und Lernen verstehen
Wie Großhirn, Zwischenhirn, Kleinhirn und Hirnstamm zusammenarbeiten – und wie das Gehirn geschützt, versorgt und durch Lernen verändert wird.
0 von 12 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Das Gehirn verarbeitet Sinnesinformationen und koordiniert Denken, Bewegung und viele Körperfunktionen. Großhirn, Zwischenhirn, Kleinhirn und Hirnstamm haben Schwerpunkte, arbeiten aber als Netzwerk. Lernen kann ihre Verbindungen verändern.
Das Gehirn ist die zentrale Verarbeitungs- und Steuerinstanz des Nervensystems. Es verarbeitet Informationen aus Körper und Umwelt, koordiniert Reaktionen und ermöglicht unter anderem Wahrnehmung, Bewegung, Denken, Erinnern, Sprache und Gefühle. Dabei arbeitet kein Hirnteil allein: Spezialisierte Bereiche sind durch Netzwerke miteinander verbunden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Das Gehirn liegt im Schädel. Bei Erwachsenen wiegt es im Mittel etwa 1,4 kg; das Gewicht unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Zusammen mit dem Rückenmark bildet es das zentrale Nervensystem (ZNS).
Schädelknochen schützen vor mechanischen Einwirkungen. Drei Hirnhäute umgeben das Gehirn. Der Liquor, eine Hirnflüssigkeit, federt Stöße ab und trägt zum Abtransport von Stoffwechselprodukten bei. Die Blut-Hirn-Schranke begrenzt den Übertritt vieler Stoffe aus dem Blut ins Hirngewebe.
Neben Nervenzellen gibt es Gliazellen. Sie versorgen und unterstützen Nervenzellen, stabilisieren das Gewebe und wirken an Schutz und Reparatur mit.
Definition
Graue und weiße Substanz
Die graue Substanz enthält überwiegend Nervenzellkörper und dient vor allem der Informationsverarbeitung. Die weiße Substanz besteht überwiegend aus Nervenfasern, die Hirnregionen miteinander verbinden.
Beispiel: Graue und weiße Substanz einordnen
- 1In der grauen Substanz liegen überwiegend Nervenzellkörper; dort werden viele Signale verarbeitet.
- 2Weiße Substanz enthält überwiegend Nervenfasern, die Hirnregionen verbinden.
- 3Beide sind Teile eines lebenden Netzwerks; der Vergleich mit einer Nachrichtenzentrale zeigt nur ihre groben Rollen.
Teste dich
Vier Hirnabschnitte helfen bei der Orientierung. Ihre Aufgaben überschneiden sich, denn die Abschnitte tauschen Informationen aus. Das Großhirn ist der größte Abschnitt. Es verarbeitet Sinneseindrücke, plant und steuert willkürliche Bewegungen und ist an Sprache, Gedächtnis, Entscheidungen, Bewusstsein und Gefühlen beteiligt.
Das Großhirn hat zwei Hemisphären. Der Balken (Corpus callosum) verbindet sie. Jede Seite verarbeitet und steuert überwiegend die gegenüberliegende Körperseite. Bei vielen Menschen ist Sprache stärker links organisiert und räumliche Verarbeitung teils stärker rechts. Daraus folgt keine Trennung in eine „logische“ und eine „kreative“ Hirnhälfte: Komplexe Fähigkeiten nutzen Netzwerke beider Seiten.
Im Zwischenhirn leitet der Thalamus viele Sinnesinformationen zum Großhirn weiter. Der Hypothalamus wirkt an der Regelung von Hunger, Durst, Körpertemperatur, Schlaf-Wach-Rhythmus und Hormonen mit.
| Abschnitt | Schwerpunkt |
|---|---|
| Großhirn | Wahrnehmen, Planen, bewusste Bewegungen, Sprache und Gedächtnis |
| Zwischenhirn | Sinnesinformationen vermitteln und innere Zustände regeln |
| Kleinhirn | Gleichgewicht und Bewegungen fein abstimmen; Bewegungslernen |
| Hirnstamm | Verbindung zum Rückenmark; Atmung, Herzschlag, Blutdruck, Schlucken und Husten |
Merke: Hirnabschnitte haben Schwerpunkte, arbeiten bei einer Handlung aber vernetzt zusammen.
Teste dich
Eine Nervenzelle empfängt Signale über Dendriten. Der Zellkörper verarbeitet die eintreffenden Informationen. Das Axon leitet ein elektrisches Signal weiter; an einer Synapse wird es auf die nächste Zelle übertragen. An einer Synapse kann sich auch die Übertragungsstärke ändern.
Manche schnelle Reflexantworten werden bereits im Rückenmark verschaltet. Informationen erreichen trotzdem das Gehirn; ein Reflex und eine bewusst geplante Handlung sind daher verschieden.
Das Gehirn bleibt veränderbar. Diese Fähigkeit heißt Neuroplastizität. Lernen und Erfahrung können Verbindungen zwischen Nervenzellen verstärken, abschwächen, neu bilden oder abbauen. Dadurch kann Übung eine bestimmte Leistung verbessern. Ein Training überträgt sich jedoch nicht zwangsläufig auf ganz andere Fähigkeiten. Auch nach einer Hirnschädigung können andere Netzwerke manche Aufgaben teilweise übernehmen; die Erholung bleibt je nach Schädigung begrenzt.
Definition
Synapse
Eine Synapse ist eine Kontaktstelle, an der eine Nervenzelle ein Signal an eine andere Zelle überträgt. Ihre Übertragungsstärke kann sich ändern.
Beispiel: Eine Bewegungsfolge üben
- 1Du übst, mit einem Stift eine gleichmäßige Spirale zu zeichnen.
- 2Wiederholte Aktivität kann beteiligte Verbindungen und das Zusammenspiel der Hirnregionen verändern.
- 3Mit Übung kann die Bewegung sicherer und genauer werden; andere Aufgaben werden dadurch nicht automatisch leichter.
Definition
Neuroplastizität
Neuroplastizität bezeichnet die Veränderbarkeit neuronaler Verbindungen und ihrer Signalübertragung durch Aktivität und Erfahrung.
Teste dich
Nervenzellen benötigen fortlaufend Sauerstoff und Nährstoffe. Arterien führen sauerstoffreiches Blut zum Gehirn. In Kapillaren werden Sauerstoff und Nährstoffe an das Gewebe abgegeben. Sauerstoffarmes Blut fließt danach über Venen ab.
An der Hirnbasis sind größere Arterien kreisartig verbunden. Weitere Verbindungen können als Kollateralen Umwege bilden. Verengt sich ein Gefäß langsam, können solche Wege die Versorgung manchmal teilweise ausgleichen. Das schützt nicht zuverlässig bei einer plötzlichen Störung. Eine kurze Unterbrechung kann Hirnfunktionen beeinträchtigen. Bei plötzlich auftretenden Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen sofort den Notruf 112 wählen.
Beispiel: Wenn eine Hirnregion zu wenig Blut erhält
- 1Ist ein Gefäß blockiert, erhält eine Hirnregion möglicherweise zu wenig Sauerstoff.
- 2Je nach betroffener Region können unterschiedliche Fähigkeiten ausfallen.
- 3Eine Schädigung links kann zum Beispiel Bewegungen der rechten Körperseite beeinträchtigen; die Großhirnhälften steuern überwiegend die Gegenseite.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Gehirn
Schutz
Schädel, Hirnhäute, Liquor und Blut-Hirn-Schranke
Gewebe
Nervenzellen, Gliazellen, graue und weiße Substanz
Großhirn
Wahrnehmung, bewusste Bewegung, Sprache, Gedächtnis und Entscheidungen
Zwischenhirn
Vermittlung und Regulation
Kleinhirn
Gleichgewicht und Bewegungskoordination
Hirnstamm
lebenswichtige unbewusste Funktionen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eine gezielte Bewegung im Gehirn
- 1Du liest eine kurze Anweisung und tippst auf einen Bildschirm.
- 2Das Großhirn verarbeitet die Zeichen und plant die bewusste Bewegung.
- 3Das Kleinhirn hilft bei der Feinabstimmung; mehrere Hirnregionen arbeiten zusammen.
Fehler finden
Welche Aussage zum Klatschen im Takt ist falsch? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Richtig: Das Kleinhirn stimmt Bewegungen ab; Wahrnehmung und bewusste Planung beziehen auch das Großhirn und weitere Hirnregionen ein.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die einer Nervenzelle empfangen Signale. Das leitet ihr Signal weiter. An einer wird es auf eine andere Zelle übertragen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback