Biologie · Klasse 8–9 · aktualisiert
Reflex: Reflexbogen, Arten und Beispiele erklärt
Vom Reiz bis zur Reaktion: So funktioniert der Reflexbogen, und so unterscheidest du Reflexarten und ihre Steuerung.
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Kurz gesagt
Ein Reflex ist eine schnelle, weitgehend unwillkürliche Reaktion auf einen bestimmten Reiz. Im Reflexbogen führen Rezeptor und afferente Bahn zum ZNS; eine efferente Bahn führt zum Effektor. Reflexe können im Ablauf beeinflusst werden.
Ein Reflex ist eine schnelle, automatische und kaum oder gar nicht willentlich steuerbare Reaktion auf einen bestimmten Reiz. Der grundlegende Signalweg heißt Reflexbogen. Er führt vom Rezeptor über das Zentralnervensystem zum Effektor. Auf dieser Seite lernst du, diesen Signalweg zu modellieren, Reflexarten sicher zu unterscheiden und das vereinfachte Reflexbogenmodell richtig einzuordnen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Du berührst einen scharfen Stachel und ziehst die Hand zurück. Die Reaktion beginnt ohne bewusste Entscheidung. Ein Reflex ist eine schnelle, nervös ausgelöste und weitgehend unwillkürliche Antwort auf einen bestimmten Reiz. Unter vergleichbaren Bedingungen verläuft er relativ gleichartig. Viele Reflexe schützen den Körper oder helfen, Haltung und Gleichgewicht zu stabilisieren.
Automatisch bedeutet nicht, dass das Gehirn unbeteiligt bleibt. Das ZNS kann beeinflussen, wie leicht ein Reflex ausgelöst wird; zugleich kann der Reiz bewusst wahrgenommen werden.
Definition
Reflex
Ein Reflex ist eine schnelle, relativ gleichförmige Reaktion auf einen bestimmten Reiz. Er beginnt weitgehend ohne willentliche Steuerung.
Beispiel: Ein Stachel löst Zurückziehen aus
- 1Ein Stachel reizt Rezeptoren in der Haut.
- 2Nerven leiten Signale zum Rückenmark; dort beginnt die automatische Antwort.
- 3Armmuskeln ziehen die Hand zurück, während Informationen auch zum Gehirn gelangen.
Teste dich
Der Reflexbogen ordnet die Stationen vom Reiz bis zur Reaktion. Ein Reiz wie Druck, schädigende Wärme oder plötzliche Dehnung trifft auf einen Rezeptor. Dieser wandelt ihn in eine elektrische Erregung um. Eine afferente, zum ZNS führende Nervenfaser leitet sie weiter. Im ZNS werden beteiligte Nervenzellen über Synapsen verschaltet; bei vielen einfachen Reflexen liegt das Zentrum im Rückenmark. Eine efferente motorische Faser führt das Signal zum Effektor, meist einem Muskel. Er erzeugt die Reaktion.
Afferent bezeichnet die Hinleitung zum ZNS, efferent die Rückleitung vom ZNS. Rezeptor und Effektor haben verschiedene Aufgaben: Der Rezeptor erfasst den Reiz, der Effektor führt die Antwort aus.
Merke: Afferent führt zum ZNS; efferent führt vom ZNS zum Effektor.
Beispiel: Der Signalweg beim Stachel
- 1Ein Hautrezeptor nimmt den schädigenden Reiz auf.
- 2Eine afferente Faser führt die Erregung zum Rückenmark; dort sind weitere Nervenzellen beteiligt.
- 3Ein Motoneuron leitet die Erregung efferent zu Armmuskeln.
- 4Die Muskeln ziehen die Hand zurück. Sie haben den Stachel nicht selbst erkannt.
Teste dich
Für die Organlage vergleichst du Rezeptor und Effektor. Beim Eigenreflex liegen beide im selben Organ. Beim Kniesehnenreflex registrieren Muskelspindeln die Dehnung des beteiligten Muskels, der sich anschließend zusammenzieht. Beim Fremdreflex liegen Rezeptor und Effektor in verschiedenen Organen: Beim Lidschlussreflex wird ein Reiz an der Hornhaut aufgenommen, die Augenlidmuskulatur reagiert.
Eine andere Einteilung zählt Synapsen im zentralen Reflexweg. Monosynaptisch bedeutet: Zwischen afferentem und efferentem Neuron liegt eine Synapse. Polysynaptisch bedeutet: Weitere Nervenzellen und mehrere Synapsen sind beteiligt. Der Kniesehnenreflex ist ein monosynaptischer Eigenreflex. Viele Fremdreflexe sind polysynaptisch, doch Organlage und Synapsenzahl sind unterschiedliche Kriterien.
Nach der Entstehung unterscheidet man unbedingte und bedingte Reaktionen. Unbedingte Reflexe sind angeboren oder entstehen auf genetischer Grundlage. Beispiele sind der Kniesehnenreflex und der frühkindliche Suchreflex. Bedingte Reaktionen werden erlernt: Nach wiederholter Kopplung mit Futter kann ein zuvor neutraler Ton bei einem Hund Speichelfluss auslösen.
Definition
Eigenreflex
Bei einem Eigenreflex liegen Rezeptor und Effektor im selben Organ. Beim Kniesehnenreflex sind beide im beteiligten Muskel.
Definition
Fremdreflex
Bei einem Fremdreflex liegen Rezeptor und Effektor in verschiedenen Organen, etwa Hornhaut und Augenlidmuskel beim Lidschlussreflex.
Beispiel: Kniesehnenreflex einordnen
- 1Ein Schlag auf die Sehne unter der Kniescheibe dehnt den Unterschenkelstrecker.
- 2Muskelspindeln registrieren die Dehnung; eine sensible Faser leitet zum Rückenmark.
- 3Dort erfolgt die Übertragung über eine Synapse auf ein Motoneuron.
- 4Der Muskel zieht sich zusammen und der Unterschenkel schnellt vor: ein monosynaptischer Eigenreflex.
Teste dich
Der Reflexbogen ist ein vereinfachtes Modell. Die Reflexlatenz ist die Zeit vom Reiz bis zur Reaktion. Sie unterscheidet sich je nach Reflex: Monosynaptische Eigenreflexe sind besonders kurz; mehrere Verschaltungen oder langsam reagierende Effektoren können länger dauern.
Hemmende Einflüsse des ZNS können einen Reflex abschwächen, bahnende Einflüsse ihn erleichtern. Rückkopplungen begrenzen oder verändern die Antwort. Eine Wischbewegung kann beispielsweise den störenden Reiz entfernen. Während eine schnelle Antwort schon beginnt, können Signale andere Bereiche erreichen und bewusst wahrgenommen werden. Anders als eine willkürliche Bewegung braucht der Reflexbeginn keine bewusste Entscheidung.
Ärztliche Reflexprüfungen können Hinweise auf beteiligte Nervenwege geben. Einzelne Beobachtungen müssen fachkundig beurteilt werden.
Merke: Ein Reflexbogen zeigt den Grundweg. Zentrale Einflüsse, Rückkopplung und bewusste Wahrnehmung können hinzukommen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Reflex
Merkmale
schneller, weitgehend unwillkürlicher Beginn; relativ gleichförmige Antwort
Signalweg
Reiz → Rezeptor → afferente Bahn → ZNS → efferente Bahn → Effektor
Organlage
Eigenreflex im selben Organ, Fremdreflex in verschiedenen Organen
Synapsenzahl
monosynaptisch eine, polysynaptisch mehrere zentrale Synapsen
Entstehung
unbedingte Reflexe und erlernte bedingte Reaktionen
Einfluss
Hemmung, Bahnung und Rückkopplung verändern den Ablauf
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Kniesehnenreflex bestimmen
- 1Eine kurze Dehnung des Unterschenkelstreckers aktiviert Muskelspindeln im selben Muskel.
- 2Die afferente Faser führt zum Rückenmark und schaltet dort über eine Synapse auf ein Motoneuron.
- 3Die efferente Faser aktiviert den Muskel; der Unterschenkel schnellt nach vorn.
- 4Weil Rezeptor und Effektor im selben Muskel liegen und zentral eine Synapse beteiligt ist, handelt es sich um einen monosynaptischen Eigenreflex.
Fehler finden
Welche Bahn beim Stachel ist falsch benannt? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Richtig: Eine efferente motorische Faser führt den Befehl vom Rückenmark zu den Armmuskeln. Afferent bezeichnet die Hinleitung zum ZNS.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein erfasst den Reiz. Die Bahn leitet zum ZNS. Die Bahn führt danach zum Muskel als Effektor.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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