Biologie · Klasse 9–13 · aktualisiert
Evolution: Faktoren, Belege und Artbildung
Lerne, wie Variation, Selektion, Zufall und Isolation Populationen verändern und welche Befunde Evolution belegen.
0 von 13 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Evolution ist die Veränderung vererbbarer Merkmale oder Allelhäufigkeiten einer Population über Generationen. Mutation schafft neue Allele, Rekombination mischt sie; Selektion, Gendrift und Genfluss verändern ihre Häufigkeit. Fossilien, Homologien und DNA liefern Belege.
Evolution bedeutet: In einer Population verändern sich vererbbare Merkmale über viele Generationen. Dabei entstehen nicht einzelne Lebewesen absichtlich „passender“. Vielmehr verändern Evolutionsfaktoren die Häufigkeit genetischer Varianten in der Population. Auf dieser Seite lernst du, wie Variation entsteht, wie Selektion und Zufall wirken, welche Belege Evolution stützen und wie neue Arten entstehen können.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Population umfasst Lebewesen derselben Art, die zugleich in einem Gebiet leben und sich untereinander fortpflanzen können. Ihre vererbbaren Merkmale haben oft mehrere Varianten. Der Genpool umfasst die genetischen Varianten der Population. Ändert sich die Häufigkeit eines Allels, einer Variante eines Gens, über Generationen, findet Evolution statt. Ein einzelner Käfer bekommt wegen eines Umweltwechsels nicht erblich eine neue Farbe.
Mutation verändert genetisches Material und kann neue Allele hervorbringen, etwa durch Fehler bei der DNA-Verdopplung oder erbgutverändernde Einflüsse. Eine Mutation in einer Körperzelle wird normalerweise nicht direkt vererbt; eine Mutation in Fortpflanzungszellen oder ihren Vorläufern kann vererbbar sein. Rekombination mischt bei sexueller Fortpflanzung vorhandene Allele neu. Ein Nachkomme kann so eine neue Kombination der elterlichen Varianten bekommen; ein zuvor fehlendes Allel entsteht dadurch nicht.
Definition
Evolution
Evolution ist die Veränderung vererbbarer Merkmale beziehungsweise der Häufigkeiten von Allelen in einer Population von Generation zu Generation. Ein Allel ist eine Variante eines Gens.
Beispiel
- 1In einer Käferpopulation kommen ein helles und ein dunkles Allel für die Körperfarbe vor.
- 2Nach mehreren Generationen ist das dunkle Allel häufiger als zuvor.
- 3Damit hat sich die Population evolutionär verändert – unabhängig davon, welcher Evolutionsfaktor die Änderung verursacht hat.
Merke: Individuen können wachsen, lernen oder sich kurzfristig an Bedingungen gewöhnen. Evolution liegt erst vor, wenn sich vererbbare Varianten einer Population über Generationen verändern.
Teste dich
Natürliche Selektion setzt Varianten eines Merkmals voraus, die zumindest teilweise vererbbar sind und unter den herrschenden Bedingungen zu unterschiedlichem Fortpflanzungserfolg führen. Sie ist keine bewusste Auswahl. Angepasstheit ist kein endgültiger Idealzustand; nach einem Umweltwechsel kann ein Vorteil schwinden.
Auch Zufall verändert den Genpool. Bei Gendrift ändern sich Allelhäufigkeiten unabhängig vom Nutzen einer Variante, besonders stark in kleinen Populationen. Eine zufällige starke Verkleinerung ist ein Flaschenhalseffekt und kann genetische Vielfalt verringern. Gründen wenige Individuen eine neue Population, können deren Allelhäufigkeiten zufällig von der Ausgangspopulation abweichen: der Gründereffekt. Eine Überschwemmung kann zum Beispiel zufällig viele Tiere einer kleinen Population töten; ein zuvor seltenes Allel ist unter den Überlebenden dann überrepräsentiert.
Frage beim Unterscheiden: Hängt die Weitergabe mit dem Merkmal und unterschiedlichem Fortpflanzungserfolg zusammen? Das spricht für Selektion. Ist die Änderung eine zufällige Stichprobe? Das spricht für Gendrift.
Definition
Fitness
Fitness bezeichnet in der Evolutionsbiologie den relativen Fortpflanzungserfolg. Eine Variante besitzt eine höhere Fitness, wenn ihre Träger unter bestimmten Bedingungen im Verhältnis mehr fortpflanzungsfähige Nachkommen hinterlassen.
Beispiel
- 1In einer Population unterscheiden sich Tiere in einem vererbbaren Merkmal. Unter neuen Umweltbedingungen finden Träger einer Variante häufiger Nahrung und hinterlassen im Durchschnitt mehr Nachkommen. Diese Nachkommen erben die Variante teilweise. Nach vielen Generationen kann sie deshalb häufiger sein.
- 2Der entscheidende Gedanke: Die Umwelt erzeugt die benötigte Variante nicht zielgerichtet. Sie beeinflusst, welche bereits vorhandenen vererbbaren Varianten häufiger weitergegeben werden.
Merke: Evolution plant nicht voraus. Mutation und Rekombination liefern Variation; Selektion verändert deren Häufigkeit abhängig von Umwelt und Fortpflanzungserfolg.
Teste dich
Neben Mutation, Rekombination, Selektion und Gendrift beeinflussen Genfluss und Isolation Populationen. Austausch von Allelen kann Unterschiede zwischen Populationen verringern. Isolation schränkt diesen Austausch ein oder unterbricht ihn, etwa durch ein Gebirge. Danach wirken die anderen Evolutionsfaktoren weiter; unterschiedliche Umweltbedingungen und Zufallsereignisse können die Genpools auseinanderentwickeln.
Neue Arten nach geografischer Trennung nennt man allopatrische Artbildung; ohne geografische Trennung spricht man von sympatrischer Artbildung. Isolation schafft nicht sofort eine neue Art. Der biologische Artbegriff fasst Populationen zusammen, die sich unter natürlichen Bedingungen miteinander fortpflanzen und fruchtbare Nachkommen hervorbringen können. Für Fossilien und ungeschlechtlich lebende Organismen lässt sich dieses Kriterium nicht unmittelbar prüfen.
Definition
Genfluss
Genfluss ist der Austausch genetischer Varianten zwischen Populationen, wenn Individuen oder ihre Fortpflanzungszellen zwischen ihnen gelangen und sich erfolgreich fortpflanzen.
Beispiel
- 1Ein Gebirge trennt eine Ursprungspopulation in zwei Teilpopulationen.
- 2Zwischen ihnen findet kein Genfluss mehr statt.
- 3In beiden Gruppen entstehen Mutationen und neue Kombinationen.
- 4Unterschiedliche Bedingungen führen zu unterschiedlicher Selektion; zusätzlich verändert Gendrift die Allelhäufigkeiten.
- 5Nach langer getrennter Entwicklung können Fortpflanzungsbarrieren entstehen.
Merke: Isolation allein erzeugt nicht sofort eine neue Art. Sie unterbricht zunächst den Genfluss. Erst die weitere Auseinanderentwicklung kann zu Fortpflanzungsbarrieren führen.
Teste dich
Evolution wird aus mehreren, teilweise unabhängigen Beleglinien rekonstruiert. Fossilien zeigen zeitliche Abfolgen; geeignete Materialien ermöglichen auch zahlenmäßige Datierungen. Ihre Überlieferung ist lückenhaft, denn Hartteile bleiben eher erhalten als viele Weichteile. Eine Lücke beweist nicht, dass Zwischenformen fehlten.
Homologe Merkmale haben wegen gemeinsamer Abstammung denselben Grundbauplan, auch wenn sie heute anders genutzt werden. Die Vorderextremitäten von Wirbeltieren sind ein Beispiel. Analoge Merkmale haben ähnliche Funktionen, aber verschiedene Grundbaupläne und sind unabhängig entstanden. Maulwurf und Maulwurfsgrille graben mit unterschiedlich aufgebauten Werkzeugen: Der Maulwurf hat ein inneres Knochenskelett, die Grille ein Außenskelett.
Auch Rudimente als zurückgebildete homologe Strukturen, Ähnlichkeiten der frühen Embryonalentwicklung, die geografische Verteilung von Arten sowie Vergleiche von DNA oder Proteinen helfen, Verwandtschaftshypothesen zu prüfen. Eine wissenschaftliche Theorie verbindet überprüfbare Beobachtungen und Erklärungen; sie ist keine bloße Vermutung. Evolution kann bei kurzen Generationszeiten, etwa bei Bakterien, auch experimentell beobachtet werden. Sie hat kein Ziel und erklärt nicht unmittelbar, wie das erste Leben entstand. Dafür braucht Evolution bereits vermehrungsfähige Systeme mit vererbbarer Variation. Selbstkopierende RNA-Moleküle und abgegrenzte Reaktionsräume sind mögliche, noch nicht abschließend bestätigte Schritte zum frühen Leben.
Definition
Homologie
Homologe Merkmale besitzen aufgrund gemeinsamer Abstammung denselben Grundbauplan, auch wenn sie heute verschiedene Funktionen erfüllen.
Definition
Analogie
Analoge Merkmale erfüllen eine ähnliche Funktion oder sehen ähnlich aus, besitzen aber unterschiedliche Grundbaupläne und entstanden unabhängig unter ähnlichen Umweltbedingungen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Evolution
Population
Evolution verändert erbliche Varianten über Generationen.
Vielfalt
Mutation schafft Allele, Rekombination mischt vorhandene.
Selektion
Fortpflanzungserfolg hängt von erblichen Merkmalen und Umwelt ab.
Gendrift
Zufall verschiebt Allelhäufigkeiten, besonders in kleinen Populationen.
Artbildung
Isolation kann Genfluss unterbrechen; weitere Veränderungen können trennen.
Belege
Fossilien, Baupläne und DNA stützen überprüfbare Stammbäume.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Selektion oder Drift?
- 1In einer kleinen Falterpopulation kommen zwei erbliche Farbvarianten vor.
- 2Ein Sturm trägt zufällig wenige Falter auf eine Insel; deren Farbanteile unterscheiden sich von der Ausgangsgruppe.
- 3Da der Transport unabhängig von der Farbe geschah, erklärt der Gründereffekt die anfängliche Verschiebung.
- 4Erst wenn eine Farbe dort systematisch zu mehr Nachwuchs führt, wäre zusätzlich Selektion belegt.
Fehler finden
Zwei Fossilien vergleichen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Richtig: A ist zeitlich älter, aber die Schichtenlage allein beweist keine direkte Vorfahrenlinie. Dazu müssen weitere Merkmale und Belege geprüft werden.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Eine Mutation kann ein neues schaffen. Bei Gendrift ändern sich Allelhäufigkeiten . Isolation unterbricht den zwischen Populationen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback