Biologie · Klasse 9–10 · aktualisiert
Genetik einfach erklärt: DNA, Gene und Vererbung
Wie Gene Merkmale beeinflussen und warum Geschwister verschieden sind: DNA, Allele, Mendels Regeln, Mutation und Rekombination im Überblick.
0 von 10 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Genetik untersucht, wie Erbinformation vererbt und genutzt wird. Gene sind DNA-Abschnitte, Allele ihre Varianten. Mutation kann neue Varianten erzeugen, während Rekombination vorhandene Varianten neu mischt.
Genetik ist die Lehre von der Vererbung. Sie untersucht, wie Erbinformation weitergegeben wird, wie daraus Merkmale entstehen und warum Nachkommen einander ähneln, aber nicht identisch sind. Auf dieser Seite verbindest du DNA, Gene und Allele mit Genotyp und Phänotyp. Danach kannst du einfache Erbgänge erklären und verschiedene Ursachen genetischer Vielfalt unterscheiden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
In menschlichen Körperzellen liegt die Erbinformation im Zellkern. Dort ist DNA mit Proteinen zu Chromosomen verpackt. Ein Chromosom trägt viele Gene: Ein Gen ist ein Abschnitt der DNA mit Information für ein funktionelles Produkt, etwa ein Protein oder ein RNA-Molekül. Eine Variante eines Gens heißt Allel. Das Produkt kann ein Merkmal beeinflussen.
Ein DNA-Baustein heißt Nukleotid. Er enthält Desoxyribose, einen Phosphatrest und eine Base. Die Basen Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C) paaren sich in der DNA als A–T und G–C.
Definition
DNA
Die DNA oder Desoxyribonukleinsäure ist der Träger der Erbinformation. Sie besteht aus zwei gegenläufigen Strängen, die eine Doppelhelix bilden.
Beispiel
- 1Stell dir ein Chromosom als sehr langes, geordnet verpacktes DNA-Molekül vor.
- 2Ein Gen ist dann nicht das gesamte Chromosom, sondern nur ein bestimmter Abschnitt darauf.
- 3Verschiedene Varianten dieses Abschnitts heißen Allele.
Merke: Ein Gen ist ein Abschnitt der DNA. Ein Allel ist eine Variante dieses Gens.
Teste dich
Im einfachen Modell steht A für ein dominantes, a für ein rezessives Allel. AA und aa sind homozygot oder reinerbig: Beide Allele sind gleich. Aa ist heterozygot oder mischerbig: Die Allele unterscheiden sich. Bei vollständiger Dominanz zeigen AA und Aa das dominante Merkmal, aa das rezessive.
Dieses Modell gilt nicht für jedes Merkmal. Bei intermediärer Vererbung liegt der heterozygote Phänotyp zwischen den Elternformen; bei Kodominanz sind beide Allelwirkungen sichtbar. Viele Merkmale hängen außerdem von mehreren Genen und Umweltbedingungen ab. Deshalb lässt sich ein Phänotyp nicht stets aus einem Gen ableiten.
Definition
Genotyp
Der Genotyp bezeichnet die genetische Ausstattung eines Organismus oder die Allelkombination für ein bestimmtes Merkmal.
Definition
Phänotyp
Der Phänotyp ist die beobachtbare Ausprägung eines Merkmals. Er kann durch den Genotyp beeinflusst werden.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| intermediär | Der Phänotyp liegt zwischen den beiden Elternformen, etwa rosa Blüten aus roten und weißen Blüten. |
| kodominant | Beide Allele werden vollständig ausgeprägt, etwa bei der Blutgruppe AB. |
Teste dich
Gregor Mendel untersuchte Vererbungsmuster durch Kreuzungsversuche mit Erbsenpflanzen. Seine Regeln beschreiben einfache Erbgänge unter bestimmten Bedingungen.
Beispiel: Ein Gen im einfachen Mendel-Modell
- 1A bezeichnet ein dominantes, a ein rezessives Allel. Die reinerbigen Eltern haben AA und aa.
- 2Der Elternteil mit AA gibt A weiter; der Elternteil mit aa gibt a weiter. Alle F₁-Nachkommen haben Aa und den dominanten Phänotyp.
- 3Bei Aa × Aa bildet jeder Elternteil Keimzellen mit A oder a. Das Kreuzungsschema enthält AA, Aa, Aa und aa.
- 4Die Genotypen haben das Modellverhältnis 1 : 2 : 1. Bei vollständiger Dominanz ist das Phänotypverhältnis 3 : 1; das sind Wahrscheinlichkeiten, keine garantierten Anzahlen.
Merke: Das Verhältnis 3 : 1 gilt für den Phänotyp eines einfachen dominant-rezessiven Erbgangs. Es ist keine allgemeine Regel für alle Merkmale.
| Regel | Bedingung und Aussage |
|---|---|
| Uniformität | Zwei reinerbige Eltern unterscheiden sich in einem Merkmal; ihre F₁ ist darin einheitlich. |
| Spaltung | Zwei F₁-Individuen werden gekreuzt; in der F₂ treten verschiedene Genotypen und Phänotypen in modellabhängigen Verhältnissen auf. |
| Unabhängigkeit | Betrachtete Gene liegen auf verschiedenen Chromosomen; ihre Merkmale können unabhängig kombiniert werden. |
Teste dich
Beim Menschen stammen in typischen Körperzellen 23 Chromosomen von der Mutter und 23 vom Vater: 46 Chromosomen in 23 Paaren. Eizellen und Spermien enthalten jeweils einen einfachen Satz mit 23 Chromosomen.
Mutation verändert DNA und kann neue Allele erzeugen. Rekombination mischt vorhandene Allele bei der Bildung der Geschlechtszellen neu: Homologe Chromosomen werden zufällig verteilt und können beim Crossing-over Stücke austauschen. Die Meiose erzeugt aus einer diploiden Ausgangszelle vier haploide Zellen. So können Geschwister verschiedene Allelkombinationen erhalten.
Vor einer Zellteilung wird die DNA möglichst genau verdoppelt. Bei der semikonservativen Replikation enthält jede neue Doppelhelix einen alten und einen neuen Strang. Die Helicase trennt die Stränge; die DNA-Polymerase ergänzt passende Nukleotide.
Genexpression nutzt die Information eines Gens. Bei der Proteinbildung überträgt die Transkription DNA-Information auf mRNA. Danach liest ein Ribosom bei der Translation die mRNA und verknüpft mithilfe von tRNAs Aminosäuren. Der vereinfachte Weg lautet DNA → mRNA → Protein → Einfluss auf den Phänotyp. Genregulation steuert, welche Gene genutzt werden; epigenetische Markierungen können die Aktivität ohne Änderung der Basenfolge beeinflussen und sind häufig reversibel.
Die klassische Genetik untersucht Vererbungsmuster, die Molekulargenetik Vorgänge an DNA und RNA, die Populationsgenetik Allelhäufigkeiten, die Epigenetik Genaktivität ohne Sequenzänderung und die Zytogenetik Chromosomen. Gentechnik verändert DNA gezielt in Forschung, Medizin oder Landwirtschaft; ihre technische Möglichkeit entscheidet nicht über ihre ethische Vertretbarkeit.
Definition
Mutation
Eine Mutation ist eine Veränderung der DNA. Sie kann neue Allele hervorbringen. Mutationen können spontan oder durch äußere Einflüsse entstehen und unterschiedliche Folgen haben.
Definition
Rekombination
Rekombination ist die Neukombination bereits vorhandener elterlicher Erbanlagen. Sie geschieht bei der Bildung von Eizellen und Spermien unter anderem durch die zufällige Verteilung homologer Chromosomen und durch Crossing-over.
Merke: Mutation erzeugt neue DNA-Varianten. Rekombination mischt vorhandene Varianten neu.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Genetik
Aufbau der Erbinformation
Zellkern, Chromosom, DNA und Gen; Allele als Genvarianten
Vererbung
Genotyp und Phänotyp; Mendelsche Regeln
Genetische Vielfalt
Mutation erzeugt neue Varianten; Rekombination erzeugt neue Kombinationen
Nutzung der Information
Transkription: DNA zu mRNA; Translation: mRNA zu Protein
Betrachtungsebenen
klassische und molekulare Genetik; Populationsgenetik, Epigenetik und Zytogenetik
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Warum ein Geschwisterpaar unterschiedliche Allele tragen kann
- 1Betrachte zwei getrennte Gene auf verschiedenen Chromosomen: A/a und B/b. Ein Elternteil trägt AaBb.
- 2Bei der Meiose werden die Chromosomenpaare unabhängig verteilt. Unter dieser Bedingung kann dieser Elternteil Keimzellen mit AB, Ab, aB oder ab bilden.
- 3Zwei Kinder können deshalb unterschiedliche Kombinationen erhalten, selbst wenn beide Eltern dieselben Genotypen behalten.
- 4Crossing-over kann zusätzlich Allele auf homologen Chromosomen neu kombinieren; eine Mutation kann dagegen eine neue DNA-Variante schaffen.
Fehler finden
Mutation oder Rekombination? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Richtig: Die Verteilung mischt vorhandene Allele neu; sie erzeugt kein neues Allel. Dafür wäre eine DNA-Veränderung, also eine Mutation, nötig.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei der wird Information von der DNA auf mRNA übertragen. Bei der wird die mRNA in eine Aminosäurekette übersetzt. Vor einer Zellteilung wird die DNA durch die verdoppelt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback