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Zunft (Zürich)
Die zwölf (ursprünglich dreizehn) «historischen» Zünfte waren ursprünglich Handwerksvereinigungen und entstanden im 14. Jahrhundert. Die vierzehn «neuen» Zünfte …
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Wesen und Ursprung
Die Zünfte der Stadt Zürich sind privatrechtliche Vereine. Ihr Schwerpunkt liegt heute in der Pflege von Traditionen, Bräuchen und gesellschaftlichen Beziehungen. Die zwölf «historischen» Zünfte – ursprünglich waren es dreizehn – gehen auf Handwerksvereinigungen des 14. Jahrhunderts zurück. Vierzehn «neue» Zünfte entstanden seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Vom 11. bis 13. Jahrhundert bildeten sich in Europa zahlreiche Handwerksvereinigungen und Korporationen. Sie vertraten die Interessen eines Gewerbes und strebten zunehmend auch politische Mitwirkung an. In Zürich waren solche Bestrebungen zunächst verboten. Im 13. Jahrhundert untersagte man ausdrücklich die Errichtung von Zünften, Gesellschaften und Meisterschaften. Die Stadt wurde von einem Rat aus Rittern und freien Bürgern regiert; Kleinhändler und Handwerker hatten keine politischen Rechte.
Brunsche Zunftverfassung und politische Veränderungen
Am 7. Juni 1336 vertrieb Ritter Rudolf Brun gemeinsam mit Handwerkern und Krämern die bisherigen Ratsherren aus dem Rathaus. Nach dem Vorbild des «Schwörbriefes» der Stadt Strassburg von 1334 führte Brun eine neue Verfassung ein. Die bestehenden Gruppierungen wurden in 13 Zünften als feste Organisationen zusammengefasst. Aus den Vertretern der Zünfte entstand zunächst der Kleine Rat, später auch der Grosse Rat.
Jeder wahlberechtigte Stadtbürger, der in Zürich Grund und Boden besass, musste einer Zunft angehören. Neben den vollberechtigten Zünftern gab es deshalb auch Männer, die in einer Zunft lediglich ihr Wahlrecht ausübten.
1798 löste die von Napoleon errichtete Helvetische Republik die gewerblichen Zünfte nach 462 Jahren Vorherrschaft auf. Als Begründung galt die neu verkündete «gänzliche Freyheit und Gleichheit des Handels und Gewerbes»; mehrere Zunfthäuser wurden verkauft. Die Mediationsverfassung vom 19. Februar 1803 stellte die ehemaligen Zünfte der Stadt Zürich zwar wieder her, machte sie aber zu Personalverbänden für die Wahl in den Grossen Rat des Kantons Zürich. Zusätzlich gab es 52 «Landzünfte»: In jedem der vier neu geschaffenen Bezirke bestanden 13 geographisch organisierte Wahlkreise, die jeweils ungefähr drei bis fünf Gemeinden umfassten.
Diese Wahlkörper wurden nach der Verfassungsrevision von 1837 und dem Wahlgesetz von 1838 gegenstandslos. In der Stadtgemeinde Zürich besass jede Zunft während der Mediations- und Restaurationszeit zunächst eine feste Zahl von Sitzen im erweiterten Stadtrat. Die Stadtverfassung von 1839 bestimmte, dass je 30 Zünfter ein Vertreter gewählt wurde. 1866 verloren die Zünfte auch diese letzte öffentlich-rechtliche Funktion und damit ihre letzten politischen Rechte.
Neubeginn und jüngere Zünfte
Im Biedermeier suchten junge Zünfter nach neuen Aufgaben. Ab 1818 veranstalteten sie einfache nächtliche Umzüge. Aus diesen entwickelte sich im Lauf der Jahrzehnte das Sechseläuten. Die Gesellschaft zur Constaffel und die Zünfte verstanden sich nun als Vereinigungen von Männern mit gemeinsamen traditionellen Interessen. Sie wollten die Liebe zur Vaterstadt und zur Heimat, einen gutbürgerlichen Sinn sowie das Verständnis für alte Zürcher Sitten, Gebräuche und Feste bewahren und pflegen.
Die neuen oder jüngeren Zünfte entstanden seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Stadtzunft wurde 1867 im Gasthof zum Schwanen an der Schipfe gegründet, um «den gleichen Zwecken zu dienen wie die alten Zünfte». Weitere Gründungen standen häufig mit den Eingemeindungen von 1893 und 1934 in Zusammenhang. Die Quartierzünfte wollten sich einerseits zur Stadt Zürich bekennen und andererseits die Erinnerung an die früheren Gemeinden erhalten.
Die Gesellschaft zu Fraumünster wird nicht zu den Zürcher Zünften gezählt. Sie durfte 2011 erstmals als Gast am Sechseläuten teilnehmen und marschierte 2014 erstmals in corpore bei der Gesellschaft zur Constaffel mit. Durch ein «Verkommnis» zwischen Constaffelherrn, Zunftmeister und Hoher Fraumünster-Frau wurde sie bis 2022 als Dauergast zugelassen. Diese Vereinbarung wurde bis 2030 verlängert und soll danach stillschweigend ausgedehnt werden.
Sechseläuten und gemeinsame Organisation
Der wichtigste gemeinsame Anlass ist das Sechseläuten. Es findet am dritten Montag im April statt. Fällt dieser Tag in die Karwoche oder auf den Ostermontag, wird das Fest um eine Woche verschoben.
Rund 3500 Zünfter ziehen in historischen Kostümen, Trachten und Uniformen zusammen mit Ehrengästen, über 350 Reitern, etwa 50 von Pferden gezogenen Wagen und gegen 30 Musikkorps im Kontermarsch durch die Bahnhofstrasse und das Limmatquai zum Sechseläutenplatz.
Das Zentralkomitee der Zürcher Zünfte (ZZZ) ist das ausführende Organ des Verbandes der Zürcher Zünfte (VZZ). Mitglied im Verband sind die Gesellschaft zur Constaffel und die Zürcher Zünfte; oberstes Organ ist die Zunftmeisterversammlung. Das ZZZ wurde 1871 als «Sechseläuten-Central–Comité» gegründet. Es organisiert per Definition das Sechseläuten, vertritt gemeinsame Anliegen und unterstützt den Umzug sowie den Kinderumzug am Sonntag auch finanziell. Der heutige Name gilt seit dem 13. Juli 1914. Jede Zunft ist durch einen Vertreter im Komitee vertreten.
Neben dem Sechseläuten veranstalten die Zünfte je nach Ausrichtung gemeinsame Mahlzeiten, Vorträge, Ausflüge, weitere gesellschaftliche Anlässe und besondere Formen der Brauchtumspflege.
Historische, neue Zünfte und Zunfthäuser
Zu den historischen Zünften und ihren traditionellen Gewerben gehören:
- Gesellschaft zur Constaffel: Ritter und Edelleute, gegründet 1336.
- Zunft zur Saffran: Händler, besonders Textil-, Eisenwaren-, Lebensmittel- und Gewürzhändler, 1336.
- Zunft zur Meisen: Weinhändler, Gastwirte, Sattler und Maler, 1336; seit 2025 werden Frauen als gleichgestellte Zünfterinnen aufgenommen.
- Zunft zur Schmiden: Eisen-, Kupfer-, Silber- und Goldschmiede, Kannengiesser, Schlosser, Uhrmacher, Glockengiesser, Spengler, Bader und Scherer, 1336.
- Zunft zum Weggen: Bäcker und Müller, 1336.
- Vereinigte Zünfte zur Gerwe und zur Schuhmachern: Gerber und Schuhmacher, 1336; Vereinigung 1877.
- Zunft zum Widder: Metzger und Viehhändler, 1336.
- Zunft zur Zimmerleuten: Zimmerleute, Maurer, Wagner, Drechsler, Holzhändler, Steinmetze, Hafner und Rebbauern, 1336.
- Zunft zur Schneidern: Tuchausrüster, Kürschner und Schneider, 1336.
- Zunft zur Schiffleuten: Fischer und Schiffleute, 1336.
- Zunft zum Kämbel: Kleinhändler, Grempler, Oeler, Gartner und Salzleute, 1336.
- Zunft zur Waag: Wollweber, Hutmacher, Leinenweber und Leinenhändler; die Zünfte der Wollweber und Leinenweber wurden 1440 zur Zunft zur Waag vereinigt.
Die neuen Zünfte sind Stadtzunft (1867), Riesbach (1887), Fluntern (1895), zu den Drei Königen für Enge (1897), Hottingen (1897), zu Wiedikon (1897), Wollishofen (1900), Hard für Aussersihl und Hard (1922), zu Oberstrass (1925), St. Niklaus für Affoltern, Oerlikon und Seebach (1933), Höngg (1934), zur Letzi für Altstetten und Albisrieden (1934), Schwamendingen (1975) und Witikon (1980). In der Zunft Höngg werden seit 2025 ebenfalls Frauen als gleichgestellte Zünfterinnen aufgenommen.
Jede Zunft besitzt ein Zunfthaus oder eine Zunftstube für ihre Veranstaltungen. Die meisten liegen in der Zürcher Altstadt. Besonders Quartierzünfte haben teils mehrere Lokale und mieten am Sechseläuten zusätzlich ein Altstadtlokal, um gegenseitige Besuche am Abend zu erleichtern. Beispiele sind das Haus zum Rüden der Constaffel, die Zunfthäuser zur Saffran, zur Meisen, zur Schmiden, zur Zimmerleuten, zur Schneidern und zur Waag sowie das Hotel Storchen der Schiffleuten und das Haus zur Haue der Kämbel.