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World Fair Trade Organization
Das Ziel der Organisation ist, die soziale Situation benachteiligter Produzenten zu verbessern, die Zusammenarbeit von Organisationen des fairen Handels zu …
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Überblick
Die World Fair Trade Organization (WFTO), früher International Federation for Alternative Trade (IFAT), ist ein globales Netzwerk von Organisationen des Fairen Handels aus über 70 Ländern. Sie wurde 1989 gegründet und hat ihren Sitz in Culemborg in den Niederlanden. 2012 hatte sie 386 Mitglieder; Präsident war Rudi Dalvai. Zur Organisation gehören außerdem fünf Regionalbüros für Asien, Afrika, Europa, Lateinamerika sowie Nordamerika und den pazifischen Raum.
Die WFTO will Kleinproduzenten durch Fairen Handel helfen, ihre Lebensgrundlagen und ihr Gemeinwesen zu verbessern. Ihr Ziel ist es, die soziale Situation benachteiligter Produzenten zu stärken, die Zusammenarbeit zwischen Fair-Trade-Organisationen zu fördern und sich für mehr Gerechtigkeit im Welthandel einzusetzen. Die Mitglieder decken die gesamte Handelskette ab: Produzenten-Kooperativen und -Vereinigungen, Exportgesellschaften, Importeure, Einzelhändler, nationale und regionale Fair-Trade-Netzwerke sowie Finanzinstitutionen.
Entstehung und Entwicklung
Bis in die 1980er Jahre importierten und verkauften viele kleine Initiativen fair gehandelte Produkte aus Entwicklungsländern. Ende der 1980er Jahre entstanden Zusammenschlüsse und Dachverbände, um diese Arbeit zu koordinieren und gemeinsam aufzutreten. Dazu gehörten die European Fair Trade Association (EFTA, 1987), die niederländische Organisation Max-Havelaar (1988) als erste Initiative der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) und 1989 die International Federation for Alternative Trade (IFAT). Die IFAT hatte anfangs 30 Mitglieder, vor allem Groß- und Einzelhändler.
Mit der wachsenden Zahl von Fair-Trade-Organisationen wurde es schwieriger, nur auf Vertrauen zu handeln. Kundinnen und Kunden fürchteten zunehmend Greenwashing, also den falschen Eindruck besonders umwelt- oder sozialverträglichen Handelns. Deshalb entwickelte die IFAT Prinzipien und Leitfäden. 1999 führte sie für registrierte Mitglieder einen dreistufigen Monitoring-Prozess ein: Selbsteinschätzung, Prüfung durch andere WFTO-Mitglieder und externe Verifikation.
2003 wurde aus IFAT die International Fair Trade Association, sechs Jahre später die World Fair Trade Organization (WFTO). Der ursprüngliche Monitoring-Prozess hatte Schwächen: Es gab keine klaren Sanktionen, wenn eine Organisation die Selbsteinschätzung nicht oder unvollständig ausfüllte. Außerdem reichten laut Davenport und Low (2013) die Ressourcen oft nicht aus, um die Einhaltung des Prozesses zu kontrollieren. 2013 wurde deshalb ein weitergehendes Garantiesystem mit besser prüfbaren Kriterien und Sanktionen definiert. Seit der Gründung veränderte sich auch die Mitgliederstruktur stark: Die Mehrzahl der knapp 400 Mitglieder stammt mittlerweile aus südlichen Ländern.
Aufgaben und Arbeitsfelder
Zu den Kernaktivitäten der WFTO gehören die Marktentwicklung des Fairen Handels, der Aufbau von Vertrauen in den Fairen Handel, Vernetzungsmöglichkeiten für Mitglieder, öffentliche Stellungnahmen zum Fairen Handel und regionale Zusammenarbeit mit Produzenten. Für Marktentwicklung und Vertrauensbildung entwickelt die WFTO Prinzipien, einen Unternehmensstandard und ein Label.
Die WFTO unterscheidet sich von der FLO vor allem durch ihren Schwerpunkt. Sie befasst sich besonders mit Kunsthandwerk, handwerklich hergestellten Produkten und Lebensmitteln, die in kleinen Mengen hergestellt werden. Die WFTO zertifiziert Unternehmen als Ganzes: Sie müssen in allen Bereichen nach den WFTO-Prinzipien handeln. Die FLO zertifiziert dagegen vor allem einzelne Produkte, besonders in größerem Stil gehandelte Lebensmittel wie Kaffee, Tee oder Südfrüchte. Unternehmen mit FLO-Produktsiegel können auch nicht fair gehandelte Produkte herstellen oder verkaufen.
Der Anteil von Handwerksprodukten und in kleinen Mengen produzierten Lebensmitteln am Umsatz des Fairen Handels war 2011 relativ gering und betrug höchstens 10 %. Davenport und Low (2013) sehen Erfolge der WFTO vor allem in der Definition von Prinzipien des Fairen Handels und darin, gemeinsam mit anderen FINE-Mitgliedsverbänden die Politik auf Fairen Handel aufmerksam gemacht zu haben. Zugleich kritisieren sie, dass die WFTO ihren Mitgliedern darüber hinaus wenig Mehrwert biete. Nach der Finanzkrise 2008 gingen die Umsätze der WFTO-Mitglieder und auch die Zahl der Mitglieder zurück; 2011 war die WFTO laut ihnen bis an ihre Grenzen belastet.
Mitglieder und regionale Struktur
Die WFTO unterscheidet zwischen vorläufigen und registrierten Mitgliedern. Registrierte Mitglieder müssen den dreistufigen Monitoring-Prozess durchlaufen haben. Nur sie haben volle Rechte und dürfen das WFTO-Logo im Geschäftsverkehr nutzen.
Die Mitglieder haben regionale Vertretungen gebildet. COFTA, die Cooperation for Fair Trade in Africa, ist ein Netzwerk afrikanischer Produzentenorganisationen, die mit benachteiligten Kleinproduzenten arbeiten. WFTO Asia arbeitet in 15 Ländern und umfasst 90 Organisationen. Zu den Mitgliedsländern gehören unter anderem Bangladesch, Kambodscha, Indien, Indonesien, Korea, Laos, Nepal, Pakistan, Philippinen, Sri Lanka, Thailand, Osttimor und Vietnam. Die Mitglieder übernehmen verschiedene Rollen, etwa als Produzenten, Kooperativen, Händler, NGOs oder glaubensbasierte Organisationen.
WFTO Europe, früher IFAT Europe, ist das europäische Vertretungsgremium und besteht aus rund 80 Mitgliedern. Dazu gehören Fair-Trade-Organisationen, Netzwerke und unterstützende Organisationen. Das Network of European Worldshops (NEWS!), ein Zusammenschluss europäischer Weltläden und Mitgründer der Dachorganisation FINE, wurde 2009 in WFTO Europe integriert. WFTO LA, die Associacion Latino Americana de Commercio Justo, hat mehr als 50 Mitglieder aus 13 lateinamerikanischen Ländern und ihren Sitz in Areguá, Paraguay.
Zusätzlich gibt es Regionalbüros in diesen vier Regionen und für die Region Pacific, also Nordamerika und den pazifischen Raum. Dazu zählen Neuseeland, Australien, Japan und Kanada; für diese Region gibt es keinen eigenen Regionalverband. Seit der Gründung zeigt sich in der WFTO ein Trend zur Regionalisierung und zur Stärkung südlicher Produzentennetzwerke. Die Mitgliederzahl stieg zunächst stetig und mehr als um das Zehnfache, ging nach der Finanzkrise 2008 aber in einzelnen Jahren zurück.
Standard und zehn Prinzipien
Der WFTO-Standard besteht aus zehn Prinzipien, denen alle Mitgliedsorganisationen folgen müssen. Zu jedem Prinzip legt der Standard Kriterien für verschiedene Organisationstypen fest, etwa für Produzenten, Handelsorganisationen oder sonstige Nicht-Handelsorganisationen. Das WFTO-Garantiesystem soll die Einhaltung durch Selbsteinschätzung, Besuche anderer WFTO-Organisationen und externe Audits sichern.
Die zehn Prinzipien sind: Chancen für wirtschaftlich benachteiligte Produzenten schaffen; Transparenz und Verantwortlichkeit; partnerschaftliche Handelspraktiken; Zahlung fairer Preise; Ausschluss von ausbeuterischer Kinderarbeit und Zwangsarbeit; Geschlechtergleichheit, Versammlungsfreiheit und keine Diskriminierung; gute Arbeitsbedingungen; Unterstützung beim Aufbau von Handlungskompetenz und Wissen, also „Capacity Building“; Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit für den Fairen Handel; Umweltschutz.
Die WFTO legt keine Mindestpreise für einzelne Produkte fest. Stattdessen verlangt sie einen transparenten und überprüfbaren Prozess, in dem Kosten und Gewinnmargen offengelegt werden und dem die Handelspartner zustimmen. Marktpreise und Fairtrade-Minimumpreise sollen berücksichtigt werden. Produzenten sollen einen Preis erhalten, der einen „tragfähigen Lebensunterhalt“ ermöglicht. Beschäftigte müssen mindestens den örtlichen Mindestlohn oder Marktlohn erhalten, je nachdem, welcher höher ist. Ein Lohn, der die Lebenshaltungskosten deckt, ist anzustreben.
WFTO-Label
Seit 2013 können WFTO-Mitglieder, die sich durch das eigenständige Monitoringsystem der WFTO überprüfen lassen, ihre Produkte mit dem Label „WFTO Guaranteed Fair Trade“ auszeichnen. Unternehmen, die dieses Label nutzen, erfüllen die zehn Prinzipien für Fairen Handel.
Das „WFTO Guarantee System“ wurde unter anderem entwickelt, weil das verbreitete Fairtrade-Zertifizierungssystem der FLO International nur für einzelne Produkte definiert ist und vor allem Produzenten sogenannter Commodity-Produkte einbezieht. Commodity-Produkte sind Rohstoffe, hier besonders Lebensmittel, die in größerem Umfang hergestellt werden. Im Kunsthandwerk sind Produktstandards wegen der Vielfalt und Komplexität der Produkte technisch schwer zu definieren und umzusetzen.
Das WFTO-System bietet deshalb eine Alternative: Es zertifiziert nicht nur einzelne Produkte, sondern die Unternehmen des Fairen Handels selbst. Das WFTO-Label ist damit kein reines Produktsiegel wie das Fairtrade-Siegel der FLO International. Es soll Organisationen auszeichnen, deren Kerngeschäft der Faire Handel ist. Wenn ein Unternehmen die regelmäßigen Überprüfungen besteht, kann es das Label auf all seinen Produkten verwenden.
2013 durchliefen zehn Organisationen im Rahmen eines Pilotprojekts den Zertifizierungsprozess: Pachacuti, People Tree, Ayni, El Puente, Kumbeswar Technical college, ATS, Selyn, Creative Handicrafts, Thanapara Swallows und Smolart. Nach und nach sollen alle Mitglieder diesen Prozess durchlaufen und damit die Möglichkeit erhalten, das WFTO-Label zu nutzen.