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Wirtschaft Tadschikistans
Die Wirtschaft Tadschikistans beruht auf der Landwirtschaft, ein Großteil der Bevölkerung lebt auf dem Land. Tadschikistan ist bis heute eines der ärmsten …
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Grundlagen und Kennzahlen
Die Wirtschaft Tadschikistans beruht stark auf der Landwirtschaft; ein großer Teil der Bevölkerung lebt auf dem Land. Das Land gilt bis heute als eines der ärmsten Länder der Welt. Der tadschikische Bürgerkrieg wirkt wirtschaftlich weiterhin nach. Die Währung ist der Somoni; im Artikel wird ein Umrechnungskurs von 1 Somoni = 0,081 Euro genannt. Tadschikistan gehört zur GUS.
Für 2017 wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Kaufkraftparität mit 28,38 Milliarden USD angegeben. Das BIP pro Kopf lag 2017 bei 3212 USD, ebenfalls in Kaufkraftparität. Das reale Wirtschaftswachstum betrug 7,1 %. Die Inflation lag 2017 bei 7,3 %, die Staatsverschuldung bei 48 % des BIP. Die Staatseinnahmen betrugen 1,81 Milliarden USD, die Staatsausgaben 1,98 Milliarden USD.
Die Entwicklung seit den 1990er-Jahren zeigt zunächst einen starken Einbruch und danach Wachstum. Das BIP in Kaufkraftparität sank von 6,61 Milliarden USD im Jahr 1993 auf 4,73 Milliarden USD 1995, stieg aber bis 2017 auf 28,38 Milliarden USD. Das BIP pro Kopf fiel von 1186 USD 1993 auf 836 USD 1995 und stieg bis 2017 auf 3212 USD. Die Inflation war in den frühen 1990er-Jahren extrem hoch: 1993 betrug sie 2000,6 %, 1995 noch 612,5 %. Danach lag sie deutlich niedriger, zum Beispiel 7,3 % im Jahr 2005 und 7,3 % im Jahr 2017.
Wirtschaftspolitik und Entwicklung
Unter der Sowjetunion war Tadschikistans Wirtschaft planwirtschaftlich organisiert. Eine Planwirtschaft ist ein System, in dem Produktion, Preise und Verteilung zentral gesteuert werden. Nach dem Ende der Sowjetunion wurde die Privatisierung nur teilweise umgesetzt. Heute wird die Industrie weiterhin stark vom Staat geprägt: Mehr als 70 % der Produktion stammen von staatlichen Betrieben, und von 28 untersuchten Sektoren sind 21 von Staatsbetrieben dominiert.
Vor der Sowjetrevolution war Tadschikistan landwirtschaftlich geprägt und hatte keine Industrie. In den 1930er-Jahren wurden erstmals Industrien aufgebaut. Im Großen Vaterländischen Krieg expandierte die Industrie, weil Betriebe aus Europa evakuiert wurden und der Bedarf stieg. Während der Sowjetzeit war die gesamte Wirtschaft kollektiviert. Nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion sank die Produktion, es kam zu einer Wirtschaftskrise, und der tadschikische Bürgerkrieg beeinträchtigte die Wirtschaft zusätzlich massiv.
In den letzten Jahren des Sowjetsystems begann auch Tadschikistan den Übergang vom zentralisierten sowjetischen Kommandosystem zur Marktwirtschaft. Anfang 1991 legalisierte die Regierung in Duschanbe die Verpachtung und Privatisierung staatlicher Unternehmen, mit Ausnahme von Branchen, die als kritisch für die nationale Sicherheit galten. Der Übergang stieß auf Widerstand von Personen, die im alten System wirtschaftliche Macht oder technisches Wissen besaßen, sowie von politischen Kräften mit ideologischen Einwänden gegen Marktreformen. Starke Preiserhöhungen nach der Freigabe der Preise machten diese Ablehnung in der Bevölkerung populärer. Im ersten Jahr der Unabhängigkeit wurden nur vier private Bauernhöfe gegründet.
Das Regime von Emomalij Rahmon, der im Dezember 1992 an die Macht kam, zeigte wenig Interesse daran, die begrenzten Marktreformen von 1991 und 1992 fortzusetzen. Es unterstützte aber private Unternehmen in kleinem oder mittlerem Umfang und setzte auf ausländische Investitionen. Mitte der 1990er-Jahre befand sich etwa die Hälfte aller Kleinunternehmen, besonders im Dienstleistungssektor, in Privatbesitz. Ein Reformplan für 1995 bis 2000 wurde im November 1995 genehmigt, enthielt aber keine konkreten Schritte für Privatisierung und Investitionsförderung.
1992 erhielt Tadschikistan seine erste Geschäftsbank, die Bank „Tajik Bank Business“. Nach der Auflösung der Sowjetunion nutzte das Land zunächst weiter den sowjetischen Rubel. Als Russland diese Währung 1994 durch den russischen Rubel ersetzte, trat Tadschikistan der russischen Rubelzone bei, was laut Artikel den Interessen Tadschikistans widersprach. Es kamen nicht so viele Rubel wie versprochen, und viele neue Rubel verließen das Land wieder. Deshalb wurden Tauschgeschäfte und Schuldscheine wichtiger. Schließlich verließ Tadschikistan die Rubelzone durch Einführung des Somoni. Die Inflation blieb in den 1990er-Jahren anhaltend hoch.
Landwirtschaft und Rohstoffe
Die Landwirtschaft bildet die Basis der tadschikischen Wirtschaft und ist ihr größter Sektor. 2003 lebten 73 % der Bevölkerung auf dem Land, und 67 % beziehungsweise 1,3 Millionen Menschen arbeiteten in der Landwirtschaft. Das war ein Zuwachs um 8 Prozentpunkte seit 1995. Der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt lag 2003 bei 28,3 %.
Die landwirtschaftliche Produktion wird durch wenig Ackerland und mangelnde Investitionen in Infrastruktur, Maschinen und Ausrüstung begrenzt. Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) nennt mehrere Hindernisse: zu wenig technisches Wissen bei Kleinviehhaltern, schlechte gesetzliche Regelungen der Weidebewirtschaftung, ineffiziente Verwaltung gemeinschaftlicher Viehbestände, Futtermangel im Winter, Umweltzerstörung und fehlender Zugang zu hochwertigem Futtersaatgut.
Wichtige Produkte sind Baumwolle und Kartoffeln. Im Flachland werden vor allem Weizen und Baumwolle angebaut, in höheren Gebieten Kartoffeln; dort gibt es auch Weideland. Seit 1990 ging das urbare Land von fast 10.000 km² auf etwa 7.500 km² zurück. Auch das Weideland nahm ähnlich ab, während das bewässerte Land zunahm. Inzwischen wird beinahe alles urbare Land bewässert. 2006 gab es in Tadschikistan 19.000 Traktoren. Nach dem Zerfall der Sowjetunion zerfielen viele große Kollektivbetriebe. Heute dominieren kleinere Anbaugebiete und Grundstücke; ein signifikanter Anteil der Produktion entfällt auf Eigenanbau.
Wegen der gebirgigen Landschaft ist auf dem meisten Land kein Ackerbau möglich. Deshalb sind Weideflächen größer als Anbauflächen. Insgesamt werden 3 Millionen Schafe und Ziegen sowie 1 Million sonstiges Vieh gehalten. Die Fischerei ist begrenzt: 2003 wurden 158 Tonnen wild gefangener Fisch und 167 Tonnen Fisch aus Aquakulturen produziert. Nur 3 % Tadschikistans sind bewaldet, meist in Höhen zwischen 1.000 und 3.000 Metern. Keine Waldregion gilt als kommerziell nutzbar; die meisten Wälder stehen unter staatlichem Schutz.
Industrie, Energie und Dienstleistungen
Die Industrie wurde in den 1930er-Jahren aufgebaut, zunächst mit Schwerpunkt auf Baumwoll- und Bauindustrie. Im Zweiten Weltkrieg wurden Industriebetriebe von der Front unter anderem nach Zentralasien evakuiert, wodurch bestehende Betriebe ausgebaut wurden. Nach dem Krieg entwickelte sich Industrie besonders im Gebiet um den Wachsch, der mehrfach aufgestaut wurde. In den 1990er-Jahren trafen Bürgerkrieg und Wirtschaftskrise die Industrie schwer: Zwischen 1991 und 1993 sank die industrielle Produktion um 40 %, 1994 um weitere 31 %. Besonders betroffen waren Chemie- und Schwerindustrie, Leichtindustrie und Lebensmittelverarbeitung. Nur bei fünf Produkten stieg die Produktion.
Das größte Industrieunternehmen ist das Aluminiumverarbeitungswerk TALCO in Tursunsoda. Bei seiner Eröffnung 1975 hatte es mit 500.000 Tonnen pro Jahr die weltweit größte Aluminiumhütte. Anfang der 1990er-Jahre geriet das Werk wegen Bürgerkrieg und unzuverlässiger Rohstoffversorgung in Schwierigkeiten. 1992 begann der Rückgang von Produktion und Qualität, weil Aserbaidschan und Russland weniger halbverarbeitetes Aluminiumoxid lieferten. Für 1995 wurde nur noch eine Jahresproduktion von 240.000 Tonnen erwartet, weniger als die Hälfte der maximalen Kapazität. Ursachen waren unter anderem veraltete Ausrüstung, niedrige Weltmarktpreise, Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte, Rohstoffprobleme und Störungen durch den Bürgerkrieg.
Im Bergbau wurden in der Sowjetzeit unter anderem Antimon, Quecksilber, Molybdän und Wolfram abgebaut. Fast das gesamte Gold Tadschikistans ging damals zur Verarbeitung nach Usbekistan. In den 1990er-Jahren wurde bekannt, dass es einen zuvor geheimen Betrieb zur Urangewinnung und -vorverarbeitung gegeben hatte. Laut offiziellen tadschikischen Berichten waren die Uranvorkommen 1990 erschöpft. Tadschikistan ist der weltgrößte Exporteur von Antimon.
Die Energieversorgung wird von Wasserkraft dominiert. Erdöl muss importiert werden; kleine eigene Vorkommen werden nur in geringem Maß genutzt. Schon zu Sowjetzeiten war der Zugang zu importiertem Öl und Erdgas unzureichend, nach 1991 verschärfte sich das Problem. Die Flüsse Tadschikistans wurden von der sowjetischen Zentralregierung als gute Standorte für Staudämme angesehen, doch es gab ernste Bedenken wegen Erdbebengefahr. Die Energieversorgung ist saisonal abhängig. In den letzten Jahren stiegen Energieproduktion und Verbrauch; der Anteil der Wasserkraft sank insgesamt, während Öl und Kohle stark an Bedeutung gewannen.
Der tertiäre Sektor, also der Dienstleistungssektor, ist nach Anteil am BIP der größte Wirtschaftssektor Tadschikistans. Das Finanzsystem besteht aus Staatsbank und kommerziellen Banken. Die Staatsbank übernimmt die Funktion einer Zentralbank und gibt den Somoni heraus. Das Finanzsystem ist wenig entwickelt und durch starke staatliche Kontrolle geprägt. Seit der Wirtschaftskrise in Russland 2014 hat es noch mehr Probleme. Die einzige ausländische Bank mit tadschikischer Filiale ist die deutsche Acces Bank. Seit 2015 gibt es eine Wertpapierbörse, die Central Asian Stock Exchange, mit knapp 40 gelisteten Unternehmen. Der Tourismus ist noch unterentwickelt; ausländische Touristen sind meist Bergsteiger und Abenteuerurlauber.
Außenhandel
Tadschikistan hat ein Handelsdefizit. Das bedeutet, dass der Wert der importierten Waren höher ist als der Wert der exportierten Waren. Im Artikel werden Exporte im Wert von 2,1 Milliarden USD und Importe im Wert von 5,1 Milliarden USD genannt. Die Außenhandelsbilanz liegt damit bei -4 Milliarden USD.
Die wichtigsten Exportwaren nach Wert sind Gold mit 781 Millionen USD, Aluminium mit 231 Millionen USD, Baumwolle mit 205 Millionen USD, Antimon mit 152 Millionen USD und Zinkerz mit 141 Millionen USD. Die wichtigsten Exportpartner sind die Schweiz mit 582 Millionen USD, Kasachstan mit 360 Millionen USD, die Türkei mit 240 Millionen USD, China mit 159 Millionen USD und Usbekistan mit 130 Millionen USD.
Importiert werden vor allem raffiniertes Erdöl mit 387 Millionen USD, Weizen mit 225 Millionen USD, Erdgas mit 214 Millionen USD, unverarbeitetes Eisen mit 117 Millionen USD und Autos mit 99,5 Millionen USD. Die wichtigsten Importpartner sind China mit 1620 Millionen USD, Russland mit 1160 Millionen USD, Kasachstan mit 722 Millionen USD, Usbekistan mit 343 Millionen USD und die Türkei mit 274 Millionen USD.
Umweltprobleme
Viele Umweltprobleme Tadschikistans hängen mit der Agrarpolitik der Sowjetzeit zusammen. Bis 1991 gehörte der starke Einsatz von Mineraldüngern und Agrarchemikalien zu den Hauptursachen der Umweltverschmutzung. Dazu zählte DDT, ein international verbotenes Mittel, außerdem mehrere Entlaubungsmittel und Herbizide. Diese Stoffe belasteten Luft, Land und Wasser und verunreinigten Baumwollsamen, deren Öl zum Kochen verwendet wird.
Besonders gefährdet sind Baumwollbauern und ihre Familien, weil sie direkt auf den Feldern mit Baumwolle in Kontakt kommen und Zweige der Baumwollpflanzen zu Hause als Brennstoff nutzen. Es wird angenommen, dass giftige Chemikalien zu hoher Mütter- und Kindersterblichkeit sowie zu Geburtsfehlern beitragen. Die Säuglingssterblichkeit betrug 1994 43,2 pro 1.000 Geburten; 1990 lag sie bei 40,0 pro 1.000 Geburten.
Baumwolle braucht besonders viel Bewässerung. Viele Baumwollanbaugebiete wurden in semiariden Gebieten und ehemaligen Wüsten eingerichtet, wo Landwirtschaft nur durch Bewässerung möglich wurde. Da Baumwolle im Sommer wächst und es dann kaum regnet, belastete die von 1964 bis 1994 angeordnete Steigerung des Baumwollanbaus um 50 % die Wasserversorgung stark. Schlecht geplante Bewässerungsnetze führten zu großen Abflüssen, erhöhtem Salzgehalt der Böden und Transport giftiger Agrarchemikalien in andere Felder, in den Aralsee und in besiedelte Gebiete.
In den 1980er-Jahren entfielen fast 90 % des Wasserverbrauchs in Zentralasien auf die Landwirtschaft. Fast 75 % davon stammten aus Amudarja und Syrdarja, den Hauptzuflüssen des Aralsees. Als die Austrocknung des Aralsees in den 1980er-Jahren internationale Aufmerksamkeit bekam, wurde die Wassernutzung zwischen den Sowjetrepubliken umstritten. Am Ende der Sowjetzeit gab die Zentralregierung die Kontrolle über die regionale Wassernutzungspolitik ab, ohne dass sich die Republiken auf eine Verteilung geeinigt hatten.
Auch die Industrie verursacht Umweltverschmutzung. Besonders die Produktion von Nichteisenmetallen wird genannt. Das Aluminiumwerk TALCO in Tursunsoda erzeugt große Mengen giftiger Abgase, die für einen starken Anstieg von Geburtsfehlern in der Umgebung verantwortlich gemacht werden. 1992 wurde ein Ministerium für Umweltschutz eingerichtet, dessen Durchsetzungsfähigkeit jedoch durch politische Unruhen stark eingeschränkt war. Anfang der 1990er-Jahre gab es als einzige registrierte private Umweltgruppe eine tadschikische Niederlassung der Sozialökologischen Allianz. Sie betrieb Umweltforschung und organisierte Proteste gegen das Wasserkraftwerksprojekt Roghun, das unter anderem deshalb bisher nicht realisiert wurde.