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Winckelmann-Institut

Seit der Gründung der Berliner Universität im Jahr 1810 ist die Archäologie ununterbrochen im Lehrbetrieb verankert. Insbesondere im 19. Jahrhundert war das …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Stellung des Instituts
  2. 2. Voraussetzungen in Berlin
  3. 3. Frühe universitäre Archäologie
  4. 4. Forschung, Sammlungen und Methode

Aufgabe und Stellung des Instituts

Das Winckelmann-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin ist ein nach Johann Joachim Winckelmann benanntes wissenschaftliches Institut der Klassischen Archäologie, also der Erforschung materieller Hinterlassenschaften der griechisch-römischen Antike. Archäologie ist seit Gründung der Berliner Universität 1810 ohne Unterbrechung Teil der Lehre.

Seit der Neuordnung der Universität nach der Wende gehört das Institut seit 1992 zur Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät. Gemeinsam mit dem Lehrbereich Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas bildet es das Institut für Archäologie. Seit 1992 befindet es sich wieder im Westflügel des Hauptgebäudes Unter den Linden. Für Lehre und Forschung dienen vor allem Bibliothek, Diathek, Digithek, Fotolabor und die Sammlung des Winckelmann-Instituts.

Im 19. Jahrhundert war Berlin ein zentraler Ort internationaler klassisch-archäologischer Forschung. Wichtig waren die Nähe zu altertumswissenschaftlichen Fächern, zur Antikensammlung Berlin, zum Deutschen Archäologischen Institut, zur Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, zur Berliner Bauakademie und zur Archäologischen Gesellschaft zu Berlin. Das Institut war oder ist Partner der Exzellenzcluster TOPOI (2007–2017) und Bild – Wissen – Gestaltung (2011–2018), seit 2011 des Berliner Antike-Kollegs sowie seit 2005 des August-Boeckh-Antikezentrums.

Voraussetzungen in Berlin

Vor 1810 war Berlin kein Zentrum der Altertumsforschung. Einen frühen Impuls gab 1686 die Sammlung von Karl II. von der Pfalz, die Kurfürst Friedrich III., der spätere König Friedrich I., erbte. Mit ihr kam Lorenz Beger als Bibliothekar und Antiquar nach Berlin; er gilt als erster deutscher Archäologe von Bedeutung. Danach traten längere Zeit vor allem Johann Carl Schott und Johann Georg Wachter archäologisch hervor.

Die 1696 gegründete Akademie der bildenden Wissenschaften und die Akademie der Wissenschaften von 1700 befassten sich zunächst wenig mit antiker Kunst. Johann Georg Sulzer beschäftigte sich als Vertreter der Ästhetik am Rand seiner Arbeiten mit der Antike. Wahrscheinlich regte er 1765 die Berufung Winckelmanns zum königlichen Bibliothekar an; sie scheiterte an unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen.

Klassizismus in der Kunst und Historismus in der Wissenschaft verstärkten die Hinwendung zur Antike. Das Bürgertum sah in antiker Kunst und Literatur, besonders in der Polis, freiheitliche Ideale verwirklicht. Die Berliner Bauakademie wurde 1799 gegründet. Karl Philipp Moritz prägte dort und an der Akademie der Künste den theoretischen Unterricht und die Betrachtung antiker Architektur. Italienreisen waren für Künstler und Forscher wie Johann Gottfried Schadow und Karl Friedrich Schinkel bedeutsam; seit 1859 wurde das Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts dauerhaft eingerichtet.

Frühe universitäre Archäologie

Aloys Hirt gehörte 1810 zu den zuerst berufenen Professoren. Als ordentlicher Professor für Theorie und Geschichte der zeichnenden Künste verankerte er die Archäologie von Anfang an an der Universität. Sein Forschungsschwerpunkt war die Baukunst; damit entsprach er dem Berliner Klassizismus und wirkte stark im kulturellen und wissenschaftlichen Leben.

Ernst Heinrich Toelken wechselte im November 1814 von Göttingen nach Berlin und lehrte zunächst als Privatdozent eigenständig, noch ohne festes Seminar- oder Institutssystem. Dozenten entschieden damals selbst über die Aufnahme einzelner Studierender. Wie viele jüngere Akademiker arbeitete Toelken zunächst zusätzlich als Gymnasiallehrer. Dadurch bestanden bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts Verbindungen zwischen Universität und Schulbetrieb.

Toelken war Philologe und Archäologe zugleich, arbeitete aber auch als Philosoph und Kunsthistoriker. 1816 wurde er außerordentlicher, 1823 ordentlicher Professor. Er war lange Direktorialassistent von Konrad Levezow, dem ersten Direktor des Antiquariums, und wurde 1836 dessen Nachfolger. So entstand die fast hundertjährige Verbindung von Universitätsamt und Leitungs- oder Kuratorenamt in der Antikensammlung.

Anfangs stand die Archäologie, damals meist ein Teilgebiet der Philologie, im Schatten dieses Fachs. Das 1812 gegründete Philologische Seminar war das erste Universitätsinstitut. Während Archäologie und Philologie andernorts zunehmend getrennt wurden, näherten sie sich in Berlin zeitweise an.

Forschung, Sammlungen und Methode

Eduard Gerhard wurde 1815 als erster Doktor der jungen Universität promoviert. Nach seiner Habilitation in Breslau wurde er auf Reisen, besonders während seines zweiten Romaufenthalts 1822–1826, vom Philologen zum Archäologen. Er gehörte den Römischen Hyperboreern an, aus denen 1829 das Istituto di corrispondenza archeologica hervorging, das heutige Deutsche Archäologische Institut. Als Gerhard 1832 nach Berlin zurückkehrte, verlagerte sich auch dessen Leitung dorthin.

Gerhard arbeitete an Museum, Akademie und Universität: seit 1833 war er zunächst Kustos am Museum, seit 1835 übernahm er als Lesendes Akademiemitglied Lehraufgaben, 1843 wurde er außerordentlicher und 1844 ordentlicher Professor für Archäologie. Unter ihm wurde die Akademie angesichts rasch wachsender Funde zu einem wissenschaftlichen Großbetrieb. Korpuswerke wurden angestoßen, und Museumsbestände wissenschaftlich bearbeitet und publiziert.

Für die Ausbildung verlangte Gerhard den umfassend gebildeten Archäologen. Sein Lehrsatz lautet: „Wer ein Kunstwerk gesehen hat, hat keines gesehen. Wer tausend gesehen hat, hat eines gesehen“; lateinisch: „Artis monumentum qui unum vidit nullum vidit, qui mille vidit, unum vidit.“ Wissenschaftliche Arbeit erfolgt in drei Schritten: genaue Autopsie, also unmittelbare Untersuchung und exakte Beschreibung; kritische Sichtung, Einordnung und Klassifizierung nach Fundort, Stil, Technik und Inhalt; schließlich Hermeneutik, das Zusammenführen aller Erkenntnisse mithilfe benachbarter Disziplinen.

Theodor Panofka war mit Gerhard aus Rom verbunden und an der Gründung des Istituto beteiligt. Er wurde 1827 Privatdozent, 1837 Lesendes Akademiemitglied und 1848 außerordentlicher Professor für Archäologie. Im Museum war er seit 1836 Direktorialassistent der Skulpturenabteilung und von 1851 bis 1855 Direktor der Sammlung für Skulpturen und Gipsabdrücke. Die vorliegende Darstellung der Institutsgeschichte endet jedoch ungefähr um 1850; der Zeitraum danach wird im Artikel ausdrücklich als fehlend bezeichnet.

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